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  • #106
Aber wieso denkst du das eigentlich, dass das Vertrauen in den eigenen Partner in Sachen politischer Kompetenz besonders unselbständig ist?
Meine Aussage war auf meine Beobachtung bezogen. Sie meinte damals etwa: "Ich wähle immer das, was mein Mann wählt." Das klang für mich nicht so, als ob sie sich damit auseinander gesetzt hätte, was ihr Mann wählt.

Ich kann nur auf das Urteil meines Partners vertrauen, wenn ich weiß, dass mein Partner mein Vertrauen diesbezüglich "verdient" hat, weil er sich z.B. auskennt. Um das einschätzen zu können, muss ich mich aber schon irgendwie einmal mit der Materie auseinander gesetzt haben. Vielleicht hatte sie das damals tatsächlich getan. Das klang nicht danach, aber ich weiß es nicht.

Wenn ich nicht weiß, ob mein Partner einen Führerschein hat, fahre ich lieber selbst.

Wenn jemand als Erwachsener alles einfach blind hinnimmt, wirkt das auf mich unselbständig.
Würdest du es auch unselbständig finden, wenn sie (passives) Mitglied der SPD wäre und praktisch immer deren Wahllisten einwerfen würde, ohne sich aber fundiert zu informieren?
Warum dünkt es uns unselbständiger, wenn wir dem Partner vertrauen, den wir ja doch (hoffentlich!) besser kennen als die Politprominenz?
In eine Partei einzutreten, ist Kalkül, ein bewusster Prozess und ein Statement. Blindes Vertrauen finde ich immer unangemessen.
Meinem Partner kann ich vertrauen ohne ihm in jeder Beziehung blind folgen zu müssen. Er hat Stärken und Schwächen, ich auch.
 
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  • #107
Die größte Blindheit ist doch regelmäßig dort zu beobachten, wo die Leute sich selbst folgen.
 
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  • #108
Erst hatte ich nur gelitten, manchmal Tage gewartet bis er sich gemeldet hat - und dann kamen Zweifel, Misstrauen und Eifersucht, der Gedanke, dass er ein PUA ist, CD oder Polyamorie treibt
Polyamorie oder auch Polygamie halte ich für eine Beziehungsform mit nicht ausreichend Tiefe in Sachen Liebe. Es ist schwer genug auch nur schon einen wirklich innig zu lieben und dieser möchte üblicherweise auch mindestens 50% totale Aufmerksamkeit. Das würde nur mit "Casual Style" hinhauen, also fast nur sexuell orientierte Liebe. Es ist tatsächlich einfacher viele Körper (das ist kein kompletter Mensch) als viele Menschen umfassend zu lieben. Wenn ich jedoch von komplett und ganz spreche dann ist mit einem Menschen klar Schluss, mehr ist ausserhalb der Kapazität. Es gibt zwar kein richtig oder falsch, jedoch kompatible und inkompatible Beziehungsarten. Für innige umfassende Liebe ist nur noch Hetero realistisch kompatibel.
Meinem Partner kann ich vertrauen ohne ihm in jeder Beziehung blind folgen zu müssen. Er hat Stärken und Schwächen, ich auch.
Offenbar habt ihr euch noch nicht genug zusammengetan, ansonsten wäre hier eine Quintessenz vorhanden welche die Schwachpunkte ausbügelt als auch anstatt Er/Ich gibts ein Wir/Uns.
Wenn jemand als Erwachsener alles einfach blind hinnimmt, wirkt das auf mich unselbständig.
Interessant was man als "alles" einzustufen glaubt. Sozusagen so als ob man nicht einmal etwas hergeben möchte, da man ansonsten nicht mehr alles besitzt. In einer tiefen Beziehung kann man Ressourcen aufteilen und dennoch nichts hergeben da das was der Partner tut gleichzeitig das eigene Tun sein wird, das ist Bestandteil eines wahrhaftigen Vertrauens, eine bedinungslose Komponente.
 
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  • #109
Ich kann natürlich schon aufklärerisch bei der Freundin einwirken, das tue ich ständig. Entscheide akut anzweifeln tue ich jedoch nicht weil ich es als Bestandteil meiner eigenen Entscheidung ansehe, hier habe ich nicht reinzureden. Welchen Schafkäse sie uns kaufen wird zweifle ich auch nicht als Entscheid an, sondern würde im Bedarfsfall höchstens den Horizont gemeinsam erweitern.
Bisher habe ich mir aber zumindest den anderen Standpunkt erklären lassen.
Erklären tut man eigentlich immer in Partnerschaften, ansonsten ists vermutlich eher ein Domina-Sex-Fesselspiel, sprich die Augenhöhe ist geopfert. Gibt natürlich alle Beziehungsformate, aber wahre Tiefe entsteht für mich nur in einer symbiotischen Dualität, wo man sich gegenseitig auf gleicher Höhe wahrnimmt.
Tja... wir hier im Forum sind wohl alle die übrigegebliebenen charakterlich schwachen Personen auf der Resterampe...
Jetzt kommt wieder Fatalismus ins Spiel welcher ungut einwirkt da nicht deterministisch dem Realismus verpflichtet. Nur weil ich Tendenzen offenlegte heisst es noch nicht dass alles und jedes sich dieser Tendenz beugen muss, selbst wenn es sich um mögliche Betroffene handelt.


Ja, die Konzentration eines problematischen Typs ist bei den "übriggebliebenen" zwar ungewöhnlich hoch,... jedoch gibts auch viele Ausnahmen wo es effektiv einfach an der schwierigen Passung liegt.

Man muss auch klar erwähnen dass die Zukunft im Virtuellen liegt, es wird irgendwann bis zu 50% aller Partnerschaften verkuppeln, davon bin ich überzeugt. Wenn man jedoch zu lange nicht verkuppelt wurde, oder regelmässig etwas zerbricht, dann wird immer stärker eine gewisse Problematik angedeutet.
Ist Dir schonmal in den Sinn gekommen, dass es auch mit Intro- oder Extraversion, oder so etwas wie gewisse "eigene Vorstellungen" zusammenhängen könnte, dass die Leute hier nicht gleich "abgegriffen" sind?
Wenn die eigenen Vorstellungen hinderlich werden deutet es hier oft auf charakterliche Schwächen hin, zumindest in Bezug auf funktionierende Partnerschaft als auch effektive Liebesfähigkeit. Oft hat man auch einen anderen Gradmesser bei Attraktivität oder schaut wie ich zu stark ins Innere. Beides kann diese Liebesfähigkeit behindern und man dümpelt zumindest in Sachen Partnerschaft lange auf dem Abstellgleis. Überwiegen tut jedoch nicht eine sehr strikt ausgelegte Liebesfähigkeit welche sich deutlich dediziert sondern Leute mit einem echten charakterlichen, psychischen oder sonsteinen Knacks.

 
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Deleted member 21128

  • #111
Blindes Vertrauen finde ich immer unangemessen.
Ist Vertrauen nicht immer "blind"? Ich vertraue immer erst mal, ich halte auch nix von Aussagen wie "Vertrauen muss wachsen." Erst wenn Vertrauen enttäuscht wird, stellt sich Misstrauen ein.
Ich vertraue zB meiner Freundin von Anfang an bei der Urlaubsplanung, was natürlich nicht bedeutet, dass ich keine Wünsche äußere. Oder ich lasse sie beim Essen immer alle Vorspeisen wählen. Oder ich hole ihren Rat (und befolge ihn) beim Kleider- und Schuhekauf. Auch bei beruflichen Fragen ist sie mir ein guter Ratgeber. Bei keinem dieser Beispiele habe ich vorher gecheckt, ob sie kompetent ist.
 
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Deleted member 21128

  • #113
Ich glaube nicht.
Selbstverständlich hast du dir schon beim Kennenlernen ein grobes Bild deiner Freundin gemacht, wie sie in etwa tickt.
Natürlich traue ich ihr grundsätzlich zu, gewisse Fähigkeiten zu haben. Sonst wäre sie ja nicht meine Freundin. Aber bei allen Dingen habe ich erst mal das Vertrauen, und dann sehe ich erst das Ergebnis.
Unbewusst passiert da viel mehr als manche denken :)
Ja, ich kann natürlich nur von dem Berichten, was mir bewusst ist. :rolleyes:
 
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  • #114
Nur solche Leute welche man nicht liebt. Wenn sie jedoch meine Erklärungen und Philosophien (auch) liebt dann nervt es nicht. z.B. "Wieso ich ein Borosilikatwasserkocher besser finde als Kunststoff u.a.", da war sie hoch interessiert.

Wie ich schon sagte, es muss innerlich stimmen, ansonsten kommt man nie zum Ziel, ausser als flotte und kurzlebige Sexbeziehung.

Klar, wäre Fafner jetzt die heisseste Modellbraut der Welt so fände ich ihn dennoch total abstossend, weil innerliche Passung genau 0%.

Natürlich, ist jetzt sicher nicht so dass ich den lieben langen Tag nur noch etwas aufkläre/erkläre, sondern falls es zu solchen Situationen kommt mit möglichen Entscheidungen. Ich decke dann lediglich meinen klaren Standpunkt auf z.B. "da sind 2 Hybridmöhren welche ich üblicherweise nicht esse", jedoch wird es sicher nicht zum Lebensinhalt, weil ich bin Lover und nicht Lehrer.
 
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*Andrea*

  • #115
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  • #116
Ich bin der Meinung, dass nur kleine Kinder wirklich blind vertrauen (müssen).

Es ist nicht so, dass ich jede Äußerung bewusst in Frage stelle. Im Hintergrund erfolgt aber eine Validierung der Worte und noch mehr der folgenden Taten mit meinen Erfahrungen und Erlebnissen. Es muss nicht unbedingt mit meinen Erfahrungen übereinstimmen, aber in sich schlüssig sein.

Man hat meinem verstorbenen Mann und mir nachgesagt, dass zwischen uns kein Blatt Papier gepasst hat. Und tatsächlich waren wir uns so emotional und physisch nah, wie ich das vorher nicht kannte. Vertrauen und die Vertrautheit sind über die Jahre gewachsen. Am Ende musste er mir tatsächlich blind vertrauen. Ich war seine Stimme, seine Arme und Hände, seine Beine und seine Augen, als er mich dafür brauchte.

Mein jetziger Freund und ich haben ganz sicher ein großes Grundvertrauen zueinander (ansonsten würde es nicht funktionieren), das stetig wächst. Das wurde aber aus unseren Nachrichten, Gesprächen und gemeinsamen Erlebnissen gefüttert.
 
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  • #117
Denkst du, die Passung ist eine Einbahnstrasse? Vielleicht wäre die Passung der "heissesten Modellbraut" mit dir auch aus ihrer Sicht genau 0%, selbst wenn sie nicht Fafner wäre...
Da sagst du nichts neues, etwa 95% der Menschen sehen in mir etwas deutlich unpassendes... ich bin froh darüber.

Klar ist dass meine jetztige Freundin zu 100% passt. Sie hat mich vor kurzem noch gefragt was ich für den Haushalt im voraus so möchte. Den Borosilikatkocher hat sie auch schon besorgt und vieles mehr. Sie ist einfach enorm wohlwollend und liebeswürdiger als alles was ich kenne. Nur sie wird mein menschenkritisches Paradigma ändern können. Ab Morgen reise ich über 2 Wochen zu Ihr... von da an leben wir praktisch schon als Paar, auch wenn erst Anfangsphase.
 
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  • #118
Dazu muss ich sagen, meine Freundin hat mich gefunden weil das was ich aussagte für sie, als auch uns, passend war. Da ich meine Signatur klar definiere und mich nicht fast nur über Äusserlichkeiten präsentiere, wo die Passung je nach gegebener Attraktivität bis zum Tausendfachen betragen kann. Hier habe ich ja Angriffsfläche, jedoch auch neue Liebesfläche.

Klar kann ich mit fast allen Menschen rein kollegial einigermassen auskommen indem ich fast nur Small Talk schwatze und ansonsten reine Interessenstätigkeiten betreibe. Umgekehrt haben Mitmenschen allgemein bereits viel mehr Mühe als ich mit ihnen, weil ich selbst oberflächlich ausgeübt zuviel Signatur verbreite welche mit ihnen inkompatibel ist. Mich interessiert eine gesellschaftlich erzwungene Anpassung und Passung wenig, weil es effektiv meine Freiheit und Authentizität behindert. Entweder jemand kommt damit klar oder eben nicht. Ich fühle keine Aversion gegenüber Mitmenschen sofern sie mir trotz allem wohlgesonnen sind und mit reinem Herz mir begegnen, ganz egal welches Paradigma als auch Zugehörigkeit sie auch vertreten. Die Mehrheit ist mir jedoch kaum wohlgesonnen und ihre pickelharte Aversion ist unfein zu spüren. Selbstverständlich ist es gegenseitig, ich habe keine Mühe damit, denn das was Mitmenschen hilft das hilft auch mir: Im Fall einer massiven Aversion geht man sich besser aus dem Weg.

Klar kann man seine mögliche Passung maximieren indem man sich an bestimmte gesellschaftliche Formate und Normen heftet. Ob man dann aber noch sich selbst ist oder stattdessen immer mehr ein absorbierendes Ego, das stelle ich mal in Frage. Alles was ich sicher über mich weiss und fühle ist dass mein Herz und Geist gross ist und ich sehr häufig nur aufgrund gesellschaftlich festgelegter Inkompatibilität deutlich verkannt werde. Je mehr jemand sich selbst ist desto mehr wird er auch mich mögen. Ich treffe kaum auf "die Falschen" Menschen da mein Naturell "die Richtigen" förmlich anzieht. Das sind zwar nur wenige, jedoch sehr liebenswerte für mich, insofern kann ich damit ja glücklich sein. Dennoch ist da ein gesellschaftliches Unbehagen vorhanden, jedoch je mehr Güte mir meine Freundin und Frau zeigt desto mehr kann ich auch Mitmenschen weitergeben. Man sollte diese förderliche Quintessenz nicht unterschätzen, denn gewisse Dinge kann ich nicht alleine stemmen, sondern nur mithilfe inniger Liebe.
 
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  • #120
Wäre es nicht viel einfacher, eine Person zu finden, die schon anders ist als eine ändern zu wollen, die einem ja doch nicht passt? Single zu bleiben ist für mich die flexible Lösung auf ein Dilemma, das eigentlich gar keines ist.
Das ist ein spannende Frage. Zum einen hatte ich nie den Ehrgeiz einen erwachsenen Menschen zu verändern. Dennoch glaube ich, dass beide Seiten in gewisser Weise Kompromisse eingehen und sich für eine partnerschaftliche Beziehung anpassen müssen. Das muss aber m.E. jeder selbst für eine Beziehung leisten wollen, sonst klappt es nicht.

Bei mir persönlich ist es so, dass ich in vielen mir nicht so wichtig erscheinenden Fragen großzügig bin und mich nicht an Kleinigkeiten verkämpfe. Wenn es sich für mich um ein k.o.-Kriterium handelt, kann ich aber sehr durchsetzungsstark sein. Ich würde auch keine Partnerschaft mit einem Mann eingehen, wenn meine k.o.-Kriterien nicht akzeptiert und erfüllt sind.
 
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