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  • #121
Zitat von DerDogi:
Ja, Lernen ist ja Prozess; insofern würden mit dem Lernen Gegenwart und Zukunft angesprochen; legt man die Idee des hermeneutischen Zirkelns mit zugrunde, hätte man im Lernprozess immer auch die Vergangenheit mit im Spiel. Man könnte folgern, dass Lernen die Zeitdimensionen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ideal mit einander in Verbindung bringt. Oder?
 
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  • #122
"Im Hier und Jetzt", den Slogan kenne ich nur aus dem Esoterik- und Wellnessbereich. Arg oft benützt. Soll wohl irgendwie buddhistisch wirken.
 
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  • #123
Eigentlich hat man den Leuten ja gesagt, sie müßten sich ständig entwickeln. Vielleicht ist das Hier und Jetzt so ein Verkaufsschlager, weil das auf der Oberfläche so eine kleine Entlastung vom ständigen Sichentwickeln verspricht: endlich mal ausruhen dürfen, zugleich aber so leicht ins Konzept zu integrieren ist: insbesondere dazu sollen die Leute sich ja fortentwickeln, sich so ganz im Jetzt und Hier zu spüren und so.
Außerdem ist das eben Opium fürs Volk, mit dem ganzen Jetzt und Hier und Meditation und so sollen die Leute ja in ihr Inneres fliehen, weg von der bösen Welt und Öffentlichkeit. Dann sind sie, denkt man, wenigstens weg von der Straße. Aber falsch gedacht. Sie bevölkern ja weiterhin die Öffentlichkeit, aber eben wie Schlafwandler. Tagebuchschreiber. Meinungsinhaber. Anstatt die Nabelschau bei sich zuhause zu betreiben, tingeln sie mit ihrem nach innen gekehrten Bauchladenspiegel durch Freundeskreise, Fernsehformate und Internetforen.
Ich mag da ja lieber Geistesgegenwart. Also ich freu mich, wenn ein Fahrer vor mir was mitkriegt vom Verkehr und frühzeitig bremst, wenn sein Vordermann bremst, und nicht meditiert oder vom FC Bayern träumt oder so. Vielleicht brauchen wir halt doch mehr Umsicht als Achtsamkeit.
 
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  • #124
Zitat von Butte:
Außerdem ist das eben Opium fürs Volk, mit dem ganzen Jetzt und Hier und Meditation und so sollen die Leute ja in ihr Inneres fliehen, weg von der bösen Welt und Öffentlichkeit. Dann sind sie, denkt man, wenigstens weg von der Straße. Aber falsch gedacht. Sie bevölkern ja weiterhin die Öffentlichkeit, aber eben wie Schlafwandler. Tagebuchschreiber. Meinungsinhaber. Anstatt die Nabelschau bei sich zuhause zu betreiben, tingeln sie mit ihrem nach innen gekehrten Bauchladenspiegel durch Freundeskreise, Fernsehformate und Internetforen.
Es geht ja nicht darum von der Wirklichkeit zu entflieen, sondern die Wirklichkeit wahrzunehmen. Dass man nicht immer in Zukunft "ach ja, wenn ich endlich mal" oder in der Vergangenheit "ach war das schön damals" lebt sondern das was um einen rum passiert mitbekommt, und annimmt.
 
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  • #125
"In schlechten Zeiten" feiert das Hier und Jetzt immer fröhliche Urständ.
 
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  • #126
Zitat von DerDogi:
Es geht ja nicht darum von der Wirklichkeit zu entflieen, sondern die Wirklichkeit wahrzunehmen. Dass man nicht immer in Zukunft "ach ja, wenn ich endlich mal" oder in der Vergangenheit "ach war das schön damals" lebt sondern das was um einen rum passiert mitbekommt, und annimmt.
Du hattest ja von Meditation gesprochen. Die meisten Meditierenden, die ich so kenne, kriegen dabei gerade weniger von ihrer unmittelbaren Umgebung mit. Die wird eher ausgeleert, sich davon befreit usw. Wenn du es im Bild hast: Ein Meditierender im Lotussitz, mit geschlossenen Augen und Körper so geschaltet, daß alles in ihm im Kreis fließt, höchstmöglich abgeschottet. Dagegen der Geistesgegenwärtige mit wachem Blick und schnellen Reaktionszeiten. (Ein bißchen kann man das auch mit zwei unterschiedlichen Sensibilitäten parallelisieren.)
Und ja, ich weiß, es gibt auch bei Formel 1-Fahrern den Tunnelblick. Und "asiatische Kampfkünste" mit schnellen Reaktionen, wo auch Meditationsfans auf ihre Kosten kommen.
 
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  • #127
Zitat von Butte:
Ich mag da ja lieber Geistesgegenwart. Also ich freu mich, wenn ein Fahrer vor mir was mitkriegt vom Verkehr und frühzeitig bremst, wenn sein Vordermann bremst, und nicht meditiert oder vom FC Bayern träumt oder so. Vielleicht brauchen wir halt doch mehr Umsicht als Achtsamkeit.
Sorry, aber dann hast du den Begriff Achtsamkeit völlig falsch verstanden. Ein "achtsamer" Autofahrer achtet ja genau auf das Autofahren. Achtsam ist immer auf die Tätigkeit bezogen, die man in diesem Moment ausführt.
Es geht gerade darum, eben nicht den Gedanken an Vergangenes oder Zukünftiges nachzuhängen. Wichtig ist das, was gerade passiert.
Und nein: Ich bin kein Esoteriker, Buddhist oder ähnliches. Habe mich nur mit dem Thema befasst. Um es mal auf das Thema Partnersuche runterzubrechen: Wenn man achtsam ist, beschäftigt man sich mit dem einen Profil, das gerade geöffnet ist. Man blendet die schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit aus genauso wie die Sehnsüchte, Hoffnungen, Ängste (dass es wieder nicht klappen könnte) der Zukunft. So konzentriert man sich auf das Wesentliche, nämlich die Nachricht an die ganz konkrete Person, der man gerade schreibt.
Das wird man so zu 100% nicht umsetzen können, aber wie heißt es so schön "der Weg ist das Ziel". Diejenigen mit christlichem Hintergrund können in der Bergpredigt vergleichbares finden. Dort weist Jesus darauf hin, dass ein Vogel sich auch keine Sorgen macht, ob er morgen wieder etwas zu essen findet - er lebt im Moment.
 
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  • #128
Achtsamkeit schließt Vergangenheit und Zukunft mit ein. Achtsam kann nur ein geschichtliches Wesen sein.
 
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  • #130
Zitat von Git80:
Sorry, aber dann hast du den Begriff Achtsamkeit völlig falsch verstanden. Ein "achtsamer" Autofahrer achtet ja genau auf das Autofahren. Achtsam ist immer auf die Tätigkeit bezogen, die man in diesem Moment ausführt.
Es geht gerade darum, eben nicht den Gedanken an Vergangenes oder Zukünftiges nachzuhängen.
Irgendwie hängen die Achtsamkeitsfans oft dem Gedankken der Achtsamkeit nach. Nachdem der eher alt ist, hängen sie was Vergangenem nach. Aber da sind wir uns sicherlich einige, daß das Gerede von Achtsamkeit der Feind echter Achtsamkeit ist. Ein Vogel faselt schließlich auch nicht vom Fliegen.

Also mal konkret: Wenn ich achtsam zum Briefkasten gehe, wo ich Post einwerfen möchte, worauf bezieht sich die Achtsamkeit? Auf das Gehen an sich, und zwar so, daß ich vergesse, daß ich ja eigentlich zum Briefkasten will, um Post einzuwerfen. Oder auf den kompletten Vorgang des Zumbriefkastengehens - der zeitlich recht ausgedehnt ist und länger als nur nen Moment dauert.
 
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  • #131
Zitat von Butte:
Du hattest ja von Meditation gesprochen. Die meisten Meditierenden, die ich so kenne, kriegen dabei gerade weniger von ihrer unmittelbaren Umgebung mit. Die wird eher ausgeleert, sich davon befreit usw. Wenn du es im Bild hast: Ein Meditierender im Lotussitz, mit geschlossenen Augen und Körper so geschaltet, daß alles in ihm im Kreis fließt, höchstmöglich abgeschottet. Dagegen der Geistesgegenwärtige mit wachem Blick und schnellen Reaktionszeiten. (Ein bißchen kann man das auch mit zwei unterschiedlichen Sensibilitäten parallelisieren.)
Und ja, ich weiß, es gibt auch bei Formel 1-Fahrern den Tunnelblick. Und "asiatische Kampfkünste" mit schnellen Reaktionen, wo auch Meditationsfans auf ihre Kosten kommen.
Nun es gibt wohl Zeiten für das Eine und Zeiten für das Andere. Wie so oft auf dieser Welt, kann mensch beides machen.
 
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  • #132
Zitat von Butte:
Irgendwie hängen die Achtsamkeitsfans oft dem Gedankken der Achtsamkeit nach. Nachdem der eher alt ist, hängen sie was Vergangenem nach. Aber da sind wir uns sicherlich einige, daß das Gerede von Achtsamkeit der Feind echter Achtsamkeit ist. Ein Vogel faselt schließlich auch nicht vom Fliegen.

Also mal konkret: Wenn ich achtsam zum Briefkasten gehe, wo ich Post einwerfen möchte, worauf bezieht sich die Achtsamkeit? Auf das Gehen an sich, und zwar so, daß ich vergesse, daß ich ja eigentlich zum Briefkasten will, um Post einzuwerfen. Oder auf den kompletten Vorgang des Zumbriefkastengehens - der zeitlich recht ausgedehnt ist und länger als nur nen Moment dauert.
Nur weil du mit dem Konzept nichts anfangen kannst, musst du es nicht ins Lächerliche ziehen.

Ich gebe mal eine Laien-Antwort (bin schließlich kein Guru): Wenn du zum Briefkasten gehst, dann kannst du währenddessen achtsam sein, indem du registrierst, auf welchem Untergrund du gehst, du aufmerksam die Gebäude betrachtest, vielleicht ein Plakat. Du achtest auf andere Spaziergänger, nimmst dir bewusst einen Zug Luft, um den Geruch der Umgebung wahrzunehmen. Du registrierst, dass heute Blumen blühen, die letzte Woche noch nicht geblüht haben.

Ein "unachtsamer" Mensch rennt einfach nur von A nach B, registriert seine Umwelt nicht, rempelt vielleicht jemanden an, weil er in Gedanken schon wieder beim nächsten Projekt, beim nächsten Kunden, der Einkaufsliste fürs Abendessen, dem Gedanken an den stressigen Elternabend ist. Er ist eben einfach NICHT im "hier und jetzt", sondern mit den Gedanken ganz woanders.

Mir ist klar, dass man das nicht so zu 100% umsetzen kann, natürlich plant man Dinge im Voraus. Aber wenn man sich z.B. nur einmal in der Woche vornimmt, den Weg zum Briefkasten "achtsam" zu gehen, dann kann (!) das ein Weg zu mehr Gelassenheit sein.

Aber wie gesagt: Wenn du damit nichts anfangen kannst, dann ist das so. Ich beschreibe nur, wie es funktionieren kann. Achtsamkeit und Meditation sind übrigens zwei komplett unterschiedliche Dinge. Bei echter Meditation ist ja das Ziel, den Geist komplett zu entleeren, also an "nichts" zu denken. Das kommt beim Autofahren tatsächlich schlecht... Deshalb bitte nicht vermischen ;-)
 
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  • #133
Zitat von Git80:
Nur weil du mit dem Konzept nichts anfangen kannst, musst du es nicht ins Lächerliche ziehen.

Ich gebe mal eine Laien-Antwort (bin schließlich kein Guru): Wenn du zum Briefkasten gehst, dann kannst du währenddessen achtsam sein, indem du registrierst, auf welchem Untergrund du gehst, du aufmerksam die Gebäude betrachtest, vielleicht ein Plakat. Du achtest auf andere Spaziergänger, nimmst dir bewusst einen Zug Luft, um den Geruch der Umgebung wahrzunehmen. Du registrierst, dass heute Blumen blühen, die letzte Woche noch nicht geblüht haben.

Ein "unachtsamer" Mensch rennt einfach nur von A nach B, registriert seine Umwelt nicht, rempelt vielleicht jemanden an, weil er in Gedanken schon wieder beim nächsten Projekt, beim nächsten Kunden, der Einkaufsliste fürs Abendessen, dem Gedanken an den stressigen Elternabend ist. Er ist eben einfach NICHT im "hier und jetzt", sondern mit den Gedanken ganz woanders.

Mir ist klar, dass man das nicht so zu 100% umsetzen kann, natürlich plant man Dinge im Voraus. Aber wenn man sich z.B. nur einmal in der Woche vornimmt, den Weg zum Briefkasten "achtsam" zu gehen, dann kann (!) das ein Weg zu mehr Gelassenheit sein.

Aber wie gesagt: Wenn du damit nichts anfangen kannst, dann ist das so. Ich beschreibe nur, wie es funktionieren kann. Achtsamkeit und Meditation sind übrigens zwei komplett unterschiedliche Dinge. Bei echter Meditation ist ja das Ziel, den Geist komplett zu entleeren, also an "nichts" zu denken. Das kommt beim Autofahren tatsächlich schlecht... Deshalb bitte nicht vermischen ;-)
Das ist deine Unterstellung, daß ich es ins Lächerliche ziehe. Oder dir erscheint es plötzlich etwas lächerlich oder auch deine vielleicht etwas vorschnelle Äußerung, ich verstünde das Konzept der Achtsamkeit ja total miß, und du möchtest mich dafür irgendwie verantwortlich machen bzw. von diesem Mißgriff ablenken. Wie auch immer.
Ich frag einfach nach, und zwar bezüglich eines konkreten Beispiels außerhalb des Rahmens von Meditation und Bauchnabelschau, in dem ich oft von Achtsamkeit sprechen höre, während du ja meintest, es könne sich auf jede Tätigkeit beziehen.

Deine Antwort läßt die Bezogenheit des Gehens auf den Briefkasten außer acht. Was du schreibst, könnte sich ebenso gut auf jeden anderen Vorgang des Gehens beziehen. Die Achtsamkeit auf das ZumbriefkastenGEHEN scheint zur völligen Unachtsamkeit bezüglich des ZUMBRIEFKASTENGehen zu werden.
Ist das so beim von dir ja sicherlich richtig verstandenen Konzept der Achtsamkeit? Oder hast du es nur falsch erläutert? Weil zum achtsamen Zumbriefkastengehen natürlich schon auch eine Rolle spielen sollte, daß man zum Briefkasten geht, das eben die Handlung ausmacht, und nicht nur, daß man dabei die Fußsohlen auf den Boden setzt?

Meine Frage betraf nicht die Umsetzbarkeit, sondern deine Vorstellung von Achtsamkeit und Hier und Jetzt. Auch die Frage, ob ich was mit der Achtsamkeit "anfangen kann" ist hier nicht relevant.
 
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  • #134
Die Achtsamkeit blendet Vergangenheit und Zukunft nicht aus. Insofern war #131 nicht korrekt.
Auch ist Achtsamkeit kein Weg zu mehr Gelassenheit. Das mit dem entleerte Geist stimmt auch nicht. Man kann einen Geist nicht entleeren.

Wenn man schon mit solchen Terminologien um sich wirft, sollte man sie wenigstens verstanden haben. Ein Zen-Meister würde jedoch trotzdem lächeln. Er weiß, dass alles was über den Buddhismus geschrieben wurde und wird auch nur das Papier ist.
 
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  • #135
Zitat von Butte:
Deine Antwort läßt die Bezogenheit des Gehens auf den Briefkasten außer acht. Was du schreibst, könnte sich ebenso gut auf jeden anderen Vorgang des Gehens beziehen. Die Achtsamkeit auf das ZumbriefkastenGEHEN scheint zur völligen Unachtsamkeit bezüglich des ZUMBRIEFKASTENGehen zu werden.
Ist das so beim von dir ja sicherlich richtig verstandenen Konzept der Achtsamkeit? Oder hast du es nur falsch erläutert? Weil zum achtsamen Zumbriefkastengehen natürlich schon auch eine Rolle spielen sollte, daß man zum Briefkasten geht, das eben die Handlung ausmacht, und nicht nur, daß man dabei die Fußsohlen auf den Boden setzt?
Ja, ich habe es vollkommen falsch verstanden und selbstverständlich schlecht erläutert. Asche auf mein Haupt. Entschuldige bitte meine Unachtsamkeit, ich habe während des Tippens zu sehr auf meine Tastatur und zu wenig auf den Inhalt meiner Posts geachtet. Ohne hinzusehen: Welcher Buchstabe liegt eigentlich rechts neben dem "V"? ;-)