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Gast

  • #136
Zitat von Git80:
Ja, ich habe es vollkommen falsch verstanden und selbstverständlich schlecht erläutert. Asche auf mein Haupt. Entschuldige bitte meine Unachtsamkeit, ich habe während des Tippens zu sehr auf meine Tastatur und zu wenig auf den Inhalt meiner Posts geachtet. Ohne hinzusehen: Welcher Buchstabe liegt eigentlich rechts neben dem "V"? ;-)
Womöglich habe ich mit meinem Allerweltsbeispiel einfach nur das Problem der Verbindung von Achtsamkeit und Hier-und-Jetzt-Thematik dargelegt. Wenn vom Zumbriefkastengehen nur noch Gehenspüren übrige bleibt, ist was weggefallen. Der Achtsamkeitsfan hat die Wahl: entweder er bejaht diese Reduktion, dieses Ausblenden, oder er will keine solche Reduktion und vielleicht auch Borniertheit, sondern das volle Zumbriefkastengehen, und muß dann in sein Konzept integrieren, daß Zielgerichtetheit üblicherweise eine wesentliche Dimension von Handlungen ist.
Also das wären die beiden ernstzunehmenden Alternative. Als dritter Weg bleibt wie immer das Aufstampfen mit dem Fuß.
 
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Gast

  • #137
Womit wir wieder im Hier und Jetzt und der Achtsamkeit wären.

Ne, ich kauf' mir lieber einen Bildband über die Dolomiten, da hab' ich mehr davon.
 
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  • #138
Achtsamkeit und Zielgerichtetheit schließen sich nicht aus. Es geht darum, ein KONKRETES Ziel, das nächstliegende Ziel als wichtigste Priorität zu sehen. Ob das jetzt nach "Achtsamkeits-Definition" exakt das nächste Aufsetzen des Fußes auf den Boden ist oder aber der Briefkasten als "Endziel"... darum geht es eigentlich nicht. Egal, ob ich mich auf den einzelnen Schritt oder den Kasten konzentriere: Ich bin auf jeden Fall mehr im "Jetzt und Hier", als ich es wäre, wenn ich unterwegs an das Meeting in einer halben Stunde denke.
Ich werde es jetzt aber dabei belassen, denn nochmal: Ich bin kein Guru oder Mönch und es mag tatsächlich sein, dass ich das Konzept nicht richtig verstanden habe bzw. es falsch erkläre. Gibt genügend Bücher zu dem Thema ;-)
Ich wollte ja auch nur sagen, dass mehr Achtsamkeit ein Weg (!) zu mehr Gelassenheit (!!) sein kann (!!!). Was für das Thema Partnersuche nicht verkehrt ist...
 
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  • #139
Ist doch völlig wurscht, ob Du auf dem Weg zum Briefkasten oder auf dem Weg zum Meeting bist.
Hauptsache o'zapft is. Ich gehe jetzt achtsam in den Biergarten und kauf' mir dort ein Schnittlauchbrot und eine Halbe.
 
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Gast

  • #140
Zitat von Git80:
Ich wollte ja auch nur sagen, dass mehr Achtsamkeit ein Weg (!) zu mehr Gelassenheit (!!) sein kann (!!!). Was für das Thema Partnersuche nicht verkehrt ist...
Ja, gräßlich diese Instrumentalisierung von allem und jedem. Jetzt soll man Achtsamkeit üben, um gelassener zu sein, also für irgendein noch dazu ziemlich unkonkretes Fernziel. Das ist ein sehr unachtsamer Umgang mit der Achtsamkeit.
 
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  • #141
Zitat von Butte:
Eigentlich hat man den Leuten ja gesagt, sie müßten sich ständig entwickeln. Vielleicht ist das Hier und Jetzt so ein Verkaufsschlager, weil das der Oberfläche so eine kleine Entlastungauf vom ständigen Sichentwickeln verspricht: endlich mal ausruhen dürfen, zugleich aber so leicht ins Konzept zu integrieren ist: insbesondere dazu sollen die Leute sich ja fortentwickeln, sich so ganz im Jetzt und Hier zu spüren und so.
Außerdem ist das eben Opium fürs Volk, mit dem ganzen Jetzt und Hier und Meditation und so sollen die Leute ja in ihr Inneres fliehen, weg von der bösen Welt und Öffentlichkeit. Dann sind sie, denkt man, wenigstens weg von der Straße. Aber falsch gedacht. Sie bevölkern ja weiterhin die Öffentlichkeit, aber eben wie Schlafwandler. Tagebuchschreiber. Meinungsinhaber. Anstatt die Nabelschau bei sich zuhause zu betreiben, tingeln sie mit ihrem nach innen gekehrten Bauchladenspiegel durch Freundeskreise, Fernsehformate und Internetforen.
Ich mag da ja lieber Geistesgegenwart. Also ich freu mich, wenn ein Fahrer vor mir was mitkriegt vom Verkehr und frühzeitig bremst, wenn sein Vordermann bremst, und nicht meditiert oder vom FC Bayern träumt oder so. Vielleicht brauchen wir halt doch mehr Umsicht als Achtsamkeit.

Ich verstehe nichts von der Achtsamkeitslehre, ich versuche mir nur mal zu verdeutlichen, was damit gemeint sein kann.

Soweit es bisher erklärt wurde, heißt Achtsamkeit Erhöhung der Konzentration auf den Moment. Damit wäre die Aussage "Vielleicht brauchen wir halt doch mehr Umsicht als Achtsamkeit" schonmal ad Absurdum geführt, denn die Achtsamkeit beinhaltet eine Erhöhung des umsichtigen Verhaltens..

Ansonsten ist meine persönliche Meinung, dass solch eine Anhäufung negativ belegter Methaphern nicht dazu geeignet ist, wirkliches Verständnis zu vermitteln,

-so ein Verkaufsschlager

-Entlastung vom ständigen Sichentwickeln

-Opium fürs Volk

-weg von der bösen Welt und Öffentlichkeit


-wie Schlafwandler. Tagebuchschreiber. Meinungsinhaber

-die Nabelschau

-nach innen gekehrten Bauchladenspiegel


....sondern dazu auffordern sollen, sich über die Thematik lustig zu machen, wie schon angesprochen.



Unser Hirn selektiert, anderenfalls wären wir nicht entscheidungsfähig.

Tatsächlich unterliegt aber diese Selektion einem antrainierten Muster, das so gut es geht, immer wieder wiederholt wird.

Wenn wir nun versuchen, uns zu konzentrieren alles bewusst wahrzunehmen muss damit auch die allgemeine Aufnahmefähigkeit erhöht werden. Wir müssten automatisch "wacher" werden und nicht, wie oben mehrfach vorgeworfen "schläfriger".


Wenn ich also zum Briefkasten gehe und alle Sinne öffne, um dies "achtsam" zu tun, werde ich mehr Input bekommen, als beim sturen Routinegang, den ich schon xmal durchgeführt habe. Hinsichtlich der Unfallgefahr dürfte beim achtsamen Gehen auch die Reaktionsgeschwindgkeit wesentlich erhöht sein, da ich nicht aus meinem unachtsamen Tagesschlafwandeln herausgerissen werde. (Tagesschlafwandeln als Begriff um bewusst die andere Sicht mit gleicher Begrifflichkeit gegenüberzustellen)
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  • #143
Zitat von Lichtstaub:
Soweit es bisher erklärt wurde, heißt Achtsamkeit Erhöhung der Konzentration auf den Moment. Damit wäre die Aussage "Vielleicht brauchen wir halt doch mehr Umsicht als Achtsamkeit" schonmal ad Absurdum geführt, denn die Achtsamkeit beinhaltet eine Erhöhung des umsichtigen Verhaltens..
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Wenn wir nun versuchen, uns zu konzentrieren alles bewusst wahrzunehmen muss damit auch die allgemeine Aufnahmefähigkeit erhöht werden. Wir müssten automatisch "wacher" werden und nicht, wie oben mehrfach vorgeworfen "schläfriger".
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Wenn ich also zum Briefkasten gehe und alle Sinne öffne, um dies "achtsam" zu tun, werde ich mehr Input bekommen, als beim sturen Routinegang, den ich schon xmal durchgeführt habe. Hinsichtlich der Unfallgefahr dürfte beim achtsamen Gehen auch die Reaktonsgeschwindgkeit wesentlich erhöht sein, da ich nicht aus meinem unachtsamen Tagesschlafwandeln herausgerissen werde. (Tagesschlafwandeln als Begriff um bewusst die andere Sicht mit gleicher Begrifflichkeit gegenüberzustellen)
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Nein, er hat nicht einfach mehr Input, sondern anderen, und vielleicht auch irgendwie einfacheren, weniger komplexen. Darum gehts ja, ne Konzentration. Und nicht für den Moment, denn auf einen Moment kann man keine Konzentration richten, sondern eben auf bestimmte Dinge, die in dem MOment passieren, und ein Absehen von anderen Dingen, die in dem Moment geschehen. Der achtsame Spaziergänger soll nicht zugleich telefonieren und sich informieren, wie es seinen Verwandten in China in diesem Moment geht. Der achtsame SpaziergängerundTelefonierer soll nicht zugleich noch eine rauchen. Usw.

Und der achtsame Geher schaut nicht überall hin. Er spürt ja etwa besonders den Boden, weil er ist ja Geher. Er guckt nicht in den Himmel. Das wäre Multitasking. Insofern ist der achtame Geher eher Opfer eines fallenden Ziegelsteins als der unachtsame Geher, der auch multitaskingmäßig in den Himmel guckt.
 
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  • #144
Zitat von Butte:
Nein, er hat nicht einfach mehr Input, sondern anderen, und vielleicht auch irgendwie einfacheren, weniger komplexen. Darum gehts ja, ne Konzentration.
Diese beiden Sätze widersprechen sich schon gleich am Anfang inhaltlich. Bei einer Konzentration "auf etwas" versuche ich dieses allumfänglich wahrzunehmen. Es kann also nicht einfacher sein, sondern wird hinsichtlich dieses Auschnitts komplexer.

Zitat von Butte:
Und nicht für den Moment, denn auf einen Moment kann man keine Konzentration richten, sondern eben auf bestimmte Dinge, die in dem MOment passieren, und ein Absehen von anderen Dingen, die in dem Moment geschehen. Der achtsame Spaziergänger soll nicht zugleich telefonieren und sich informieren, wie es seinen Verwandten in China in diesem Moment geht. Der achtsame SpaziergängerundTelefonierer soll nicht zugleich noch eine rauchen. Usw.Und der achtsame Geher schaut nicht überall hin. Er spürt ja etwa besonders den Boden, weil er ist ja Geher. Er guckt nicht in den Himmel. Das wäre Multitasking. Insofern ist der achtame Geher eher Opfer eines fallenden Ziegelsteins als der unachtsame Geher, der auch multitaskingmäßig in den Himmel guckt.
Auch hier muss ich widersprechen.
1. Man kann sich auf einen Moment sehr gut konzentrieren. Dies kann unter extremen Bedingungen, z.B. unter Schock soweit gehen, dass eine Aufnahmebereitschaft derart erhöht wird, dass Geschehen eines Momentes in Zeitlupe wahrgenommen werden können...beim Durchbrechen einer Glasscheibe kann wahrgenommen werden wie sich langsam das Glas vorwölbt und schließlich wie eine Krone auseinanderbricht, bis die Teile herausschleudern..(selbst erlebt..). In Ansätzen sind diese Konzentrationserhöhungen auch durch willentliche Beeinflussung möglich.

2. Ein unachtsamer Spaziergänger, der gerade telefoniert, wird als allerletzter des Straßenzuges mitbekommen, wenn ihm ein Ziegelstein auf den Kopf hinunterfällt...das verspreche ich dir ;) Wenn er nach der Ohnmacht wieder aufgewacht ist, ist längst der Krankenwagen von den Anwohnern gerufen worden. Mit der Annahme dass dies nicht so sei, würdest du z.B. die Smartphone-Nutzung beim Autofahren legitimieren, denn der Fahrer sei nach deiner Aussage ja ganz besonders wachsam, wenn er gerade die nächste WA-Nachricht eintippt ;)

Zitat von Butte:
Und der achtsame Geher schaut nicht überall hin. Er spürt ja etwa besonders den Boden, weil er ist ja Geher. Er guckt nicht in den Himmel. Das wäre Multitasking. Insofern ist der achtame Geher eher Opfer eines fallenden Ziegelsteins als der unachtsame Geher, der auch multitaskingmäßig in den Himmel guckt.
Der achtsame Geher geht mit scharfen, unabgelenkten Sinnen und wird den Ziegelstein vielleicht sogar durch ein kleines Geräusch des Abrutschens vom Dach wahrnehmen können..ihm entgeht kaum etwas..
 
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  • #147
Lichtstaub, ich hab nicht behauptet, daß der Telefonierer den Ziegelstein eher bemerken wird. Es ging darum, daß jemand, der nicht auf eines enges Fenster des Jetzt und Hier festgelegt ist, Gefahren besser mitkriegen wird, die eben außerhalb des engen Fensters, nämlich "gleich" und "von dort drüben" kommen. Der Spaziergänger, der zugleich immer mal wieder multitaksingmäßig in die Luft guckt, wird den Ziegelstein mit höherer Wahrscheinlichkeit bemerken als ein Geher, bei dem das Hier den Radius von zwei Metern hat und das Jetzt die Ausdehnung einer Sekunde. Und manch andere Gefahr kriegt man auch eher durch die Medien mit.
Überdies hatte das Telefonierbeispiel die Funktion, ein bißchen Bewußtsein für die Schwierigkeit der Bestimmung von Jetzt und Hier zu schaffen. Das Telefonat ist in einem gewissen Sinne jetzt und hier, auch wenn der Gesprächspartner woanders ist.
Vielleicht genügt das schon zur Klärung?
 
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  • #148
Wirklich Witzig wie die Diskussion hier abgedrifted ist
 
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  • #149
Zitat von Loner:
Wirklich Witzig wie die Diskussion hier abgedrifted ist
Ja, sorry :(

Um nochmal den Bogen zu schlagen, was Achtsamkeit mit Partnersuche zu tun hat: Nicht immer an das Denken, was man nicht hat. Ja, eine Freundin bringt Lebensqualität, aber auch ohne Freundin hat man Lebensqualität. Wenn man Dinge bewusst tut, die einem Spaß machen, dann erfährt man selber Glücksmomente. Dieses Glück verbessert die eigene Ausstrahlung und erhöht somit die Chance, attraktiv auf andere zu wirken.
Das ist die Kurzfassung :)