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fleurdelis

  • #46
"„Ich verzeihe dir"“ kann man das überhaupt sagen? Oder geht es nicht vielmehr darum zu sagen: „ich weiß, was war, aber es interessiert mich nicht mehr, daran denke ich nicht mehr, es ist vergessen und vorbei“. Oder: „ich kann dein Verhalten von damals nicht akzeptieren, deswegen meide ich dich“ . Aber „Verzeihen“? Können wir das wirklich? Ich bezweifle das. Und wenn, dann wäre vielleicht die Frage angebracht: wie wäre es umgekehrt, wie würde man denken, wenn man selbst um eine Chance bittet?
 
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  • #47
Verzeihen. Verzeihen ist für mich eine Form des Verständnisses und Verstehens im ersten Schritt und im zweiten des Akzeptierens. Ja, ich kann sagen: " Ich verzeihe Dir". Und dann meine ich es so. Ich kann aber auch sagen: " Ich vergebe Dir, aber ich kann es nicht vergessen." Ich verzeihe Dir bedeutet für mich: Ich habe damit abgeschlossen und es ist vergessen. Bei Ich vergebe aber kann nicht vergessen ist die Situation nicht immer wieder gut. Der Beigeschmack bleibt bestehen. Um eine Chance zu bitten ist das Zugeben der anderen Seite einen Fehler begonnen zu haben und im zweiten Step die proaktive Anfrage des Verzeihens ;-) Meine ich.
 
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fleurdelis

  • #48
Die Definitionen sind mir schon klar, vielleicht habe ich mich unklar ausgedrückt. Mir geht es um die Worte: Ich verzeihe, oder ich vergebe. Ich frage mich das schon lange, ob wir das überhaupt können. Ich meine im vollsten Umfange des Gesagten. Wer oder was kann überhaupt verzeihen/vergeben? Ist das nicht eine Form von "sich über jemanden stellen" zu sagen: ich verzeihe dir? Schon fast einer Form von "Gnade", ich gewähre dir die Gnade …. Ich finde das nicht sehr sympathisch. Kann aber auch sein, ich verrenne mich da in etwas. Mir kommt es so vor, als wenn wir mit Fakten, oder Verhalten konfrontiert werden, welches wir ablehnen können, akzeptieren können, annehmen oder was auch immer. Es kommt so aus dem christlich-abendländischem Gedankengut. Welches nicht seit ewigen Zeiten existiert. Aber wie gesagt, meine Gedanken können auch völlig daneben sein.
 
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  • #49
Zitat von fleurdelis:
Aber wie gesagt, meine Gedanken können auch völlig daneben sein.
Also zum Geburtstag einzuladen ist doch dann im Prinzip ne Nummer zu hoch. Marlene soll mit der Ex-Freundin ausgelassen deren Geburt / Geburtstag feiern, hat sich selber aber so lange zu den besonderen Ereignissen von M. nicht gemeldet. Ich finde das unangemessen. Vielleicht kannst Du im nächsten Jahr zum Geburtstag gehen - in diesem Jahr würde ich persönlich einen Dialog unter vier Augen vorziehen.
 
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  • #50
Nein, habe schon verstanden wie du es meinst. Vielleicht habe ich mich auch nur unklar ausgedrückt, und wesentliche Teile meiner Gedanken einfach in mir gelassen.

Ich persönlich glaube, daß man die Worte verzeihen aussprechen kann und auch das Vermögen dazu hat. Für mich hat das damit zu tun, wie nachtragend man ist. Jemand, der sehr nachtragend ist, könnte gar nicht gut verzeihen. Jemand, der versucht zu verstehen, warum das Gegenüber so gehandelt hat und es dann auch versteht und für sich entscheidet, dass er damit leben kann, der kann verzeihen. Als Gnade empfinde ich es nicht. Es ist für mich vielmehr ein Abschluss einer Unstimmigkeit, eines Unfriedens. Allenfalls könnte ich es so sehen, daß der weitere Fortschritt abhängig davon ist, ob man verzeiht oder nicht. Oder es ist ein Signal, daß die "Tat" akzeptiert ist. Aber Gnade? Es ist ja so, dass wo Menschen aufeinander treffen auch mal gehobelt wird, so daß die Späne fallen wie Sägemehl in einer Sägemühle. Es gibt Reibungen und Welten können aufeinander treffen. Fehler werden begangen. Man kennt das ja.
 
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  • #51
Marlene, letztlich kannst Du doch beurteilen, wessen Bilder und Handschrift es ist. Du weißt, wie sie aussieht und welche Handschrift sie hat. Sollte es diese Frau, Deine Exfreundin sein, sehe ich keinen Grund, mit ihr ein "Projekt" zu starten. Verzeihen kannst Du, aber eine Freundin ist sie dann nicht.
(Meine Vorstellung von Freundschaft ist rigeros. Ich suche mir Freunde sehr genau aus.)
 
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  • #52
Wenn ein "Freund", jetzt mal umgekehrt, mit meiner Ehefrau ins Bett ginge und auch noch fleißig Briefe schreiben würde, also auch noch über längere Zeit rummacht, dann würden ihm danach ein paar Zähne fehlen (rein bildlich gesprochen) und ein "Projekt" könnte er sich dahin schieben, wo es bei ihm am Dunkelsten ist.
 
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  • #53
Zitat von Vizee:
(...) Ich persönlich glaube, daß man die Worte verzeihen aussprechen kann und auch das Vermögen dazu hat.

Für mich hat das damit zu tun, wie nachtragend man ist. Jemand, der sehr nachtragend ist, könnte gar nicht gut verzeihen. Jemand, der versucht zu verstehen, warum das Gegenüber so gehandelt hat und es dann auch versteht und für sich entscheidet, dass er damit leben kann, der kann verzeihen. Als Gnade empfinde ich es nicht. (...)
Toll ausgedrückt.

Vielleicht braucht es gar keine großen Worte wie "verzeihen" oder "vergeben", wenn man einfach das Bemühen sieht, miteinander ins Gespräch kommen zu wollen. Vielleicht ist eine Geburtstagsfeier dazu sogar ein guter Anlass; nicht wegen des ausgelassenen Feierns, sondern als Aufhänger, als erster Schritt hin zu einem Gespräch - vorher, hinterher oder wann auch immer.
 
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  • #55
Zitat von unwissend:
Toll ausgedrückt.

Vielleicht braucht es gar keine großen Worte wie "verzeihen" oder "vergeben", wenn man einfach das Bemühen sieht, miteinander ins Gespräch kommen zu wollen. Vielleicht ist eine Geburtstagsfeier dazu sogar ein guter Anlass; nicht wegen des ausgelassenen Feierns, sondern als Aufhänger, als erster Schritt hin zu einem Gespräch - vorher, hinterher oder wann auch immer.
Danke :) Dabei ist Montag und meine philosophische Ader dürfte gar nicht wach und aktiv sein :)
 
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  • #56
Zitat von fleurdelis:
Die Definitionen sind mir schon klar, vielleicht habe ich mich unklar ausgedrückt. Mir geht es um die Worte: Ich verzeihe, oder ich vergebe. Ich frage mich das schon lange, ob wir das überhaupt können. Ich meine im vollsten Umfange des Gesagten. Wer oder was kann überhaupt verzeihen/vergeben? Ist das nicht eine Form von "sich über jemanden stellen" zu sagen: ich verzeihe dir?
In den meisten Beiträgen hier "stellen" sich die Schreiber "über" jemanden. Meist über einen Abwesenden. Da find ich es durchaus verzeihlich, wenn der Modus des Sichdrüberstellens mal kein offensichtlich niederträchtiger, sondern einer des Verzeihens ist. Auch da kommt es drauf an, wie man es macht. Macht man es wie jemand, der sich ohne Sünde dünkt, oder tut man es im Wissen darum, daß man seinerseits aufs Wohlwollen und Verzeihen anderer angewiesen ist, also als einer unter anderen?
Sprich: wenn Verzeihen im Modus der Forumsbigotterie: dann unterlassen und bis zum Ende seines Lebens sich selbst grämen und auf andere runterblicken.
Wenn man einen anderen Modus für möglich hält: ausprobieren! Man könnte dabei was entdecken.

Ein hübscher Film darüber, wie Freundschaften verständnisvoller, verzeihender und versöhnlicher sein können als Liebschaften, ist übrigens der letzt erwähnte Jules und Jim.
Aber vielleicht haben auch Pharisäer Freunde. Überdies können auch Ahnungslosigkeit, Niedertracht, Einbildung u.ä. verbinden.
 
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fleurdelis

  • #57
Ich stelle niemals das "verzeihen" an sich in Frage, das muss jeder für sich selbst so machen, dass er sich dabei wohl fühlt.

Mir kommt es so vor, als schaffe ich es nicht zu erklären, worauf ich hinaus will. Definition von "Vergeben": ich bin dir aufgrund deines Fehlers den du gemacht hast, nicht mehr böse". Butte, ich denke du verstehst ohne weitere Ausführungen worauf ich hinaus will, zumindest hoffe ich es.
 
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  • #58
Aha, aber davor schreibst Du, es sei "auch nicht schlimmer als die Amélie". Butte, Butte.
 
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  • #59
Der Amélie-Kitsch. Erinnerst Du Dich? Ist schon eine Weile her. Das mit dem Paris-Kitsch und so.
 
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  • #60
Zitat von fleurdelis:
Ich stelle niemals das "verzeihen" an sich in Frage, das muss jeder für sich selbst so machen, dass er sich dabei wohl fühlt. Im Gegenteil ich bin eher dafür einmal zuviel, als zuwenig.

Mir kommt es so vor, als schaffe ich es nicht zu erklären, worauf ich hinaus will. Definition von "Vergeben": ich bin dir aufgrund deines Fehlers den du gemacht hast, nicht mehr böse". Butte, ich denke du verstehst ohne weitere Ausführungen worauf ich hinaus will, zumindest hoffe ich es.
Hm, könnte sein, dass wir uns beide nicht verstehen bzgl Kontext. Ich würde gern versuchen zu verstehen, da die Fragestellung an sich interessant ist.

Vielleicht kommen wir jetzt näher:

Du meinst, die Worte "Ich verzeih Dir" sind oft nicht ernst gemeint in vollem Umfang und man sagt es nur so, ohne es wirklich zu können oder getan zu haben? Wer oder was verzeihen kann, dazu habe ich aber was geschrieben (wer nicht nachtragend ist und entschieden hat, mit dem Fehler des anderen leben zu können).

Mir kommt es so vor, als wenn wir mit Fakten, oder Verhalten konfrontiert werden, welches wir ablehnen können, akzeptieren können, annehmen oder was auch immer..
Aber das ist doch gerade das Leben, die zwischenmenschlichen Aktionen und wir können es gut finden oder nicht mögen. Wir können davon persönlich betroffen sein oder aber drüber hinweg sehen. Man hat immer eine Wahl in dem Punkt, wenn die Aktionen der Anderen einen selbst tangieren. Die Frage ist nur, wie man damit umgeht.

Wenn es Deiner Meinung nach von meiner Seite wieder unklar verstanden wurde verzeih und vergebe ich Dir jetzt :)))))))