Elli

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  • #1

Weihnachten

Glück

Das Wort Glück. Es ist eins von den Wörtern, die ich immer geliebt und gern gehört habe. Mochte man sich über seine Bedeutung noch so viel streiten und räsonnieren können, auf jeden Fall bedeutete es etwas Schönes, etwas Gutes und Wünschenswertes. Und dem entsprechend fand ich den Klang des Wortes.

Ich fand, dieses Wort habe trotz seiner Kürze etwas erstaunlich Schweres und Volles, etwas, was an Gold erinnerte, und richtig war ihm außer der Fülle und Vollwichtigkeit auch der Glanz eigen, wie der Blitz in der Wolke wohnte er in der kurzen Silbe, die so schmelzend und lächelnd mit dem GL begann, im Ü so lachend ruhte und so kurz, und im CK so entschlossen und kurz endete.

Es war ein Wort zum Lachen und Weinen, ein Wort voll Urzauber und Sinnlichkeit; wenn man es recht empfinden wollte, brauchte man nur ein spätes, flaches, müdes Nickel- oder Kupferwort neben das goldene zu stellen, etwa Gegebenheit oder Nutzbarmachung, dann war alles klar.
Kein Zweifel, es kam nicht aus Wörterbüchern und Schulstuben, es war nicht erdacht, abgeleitet oder zusammengesetzt, es war Eins und rund, war vollkommen, es kam aus dem Himmel oder aus der Erde wie Sonnenlicht oder Blumenblick.

Hermann Hesse
 

BellaDonna

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  • #2
AW: Weihnachten

Warum eigentlich streben wir nach glücklichen Gefühlen, und Dingen,die uns glücklich machen. Warum sind wir nicht willentlich auf dem Weg zu Dingen, die uns unglücklich machen?
Und erfreuen uns an Dingen wie Liebeskummer,Arbeitslosigkeit, Mord und Totschlag?
Wobei erfreuen ja in der Regel auch wieder etwas mit Glück zu tun hat.
 

Elli

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  • #3
AW: Weihnachten

Weihnachtsfreude

Aber dann sind mehrere schöne Dinge passiert. Es fing an am ersten Feiertag, da hatte ich ein wunderbares Erlebnis mit meiner Mutter. Nach dem Frühstück musste ich plötzlich mit den Tränen kämpfen. Da fragt sie, die kaum aus dem Rollstuhl kommt: "Soll ich rüberkommen? Ich komm, warte, warte." Da bin ich natürlich aufgestanden, zu ihr auf die andere Seite des Tisches gegangen, habe mich neben sie gesetzt und den Kopf auf ihre Schulter gelegt. Als sie dann meine Hand nahm, konnte ich die Tränen laufen lassen. Aber vor allem konnte ich endlich all die Dinge aussprechen, die mir eine solche Last waren. Ich konnte ihr erzählen, dass ich all die Jahre so viel Kraft gelassen habe, erzählen, wie anstrengend das für mich war, immer wieder Optimismus und Lebensfreude verbreiten zu wollen, dafür sorgen zu wollen, dass die Dinge schön sind. All das sagen zu können, endlich auch sagen zu können, dass ich das so nicht mehr will, hat so gutgetan, ich kann's gar nicht beschreiben. Es setzte ein großes Gefühl der Entspannung ein. Meine Mutter wusste zwar irgendwann gar nicht mehr, worüber wir gesprochen hatten, aber für mich war dieses Gespräch mit ihr ein Weihnachtswunder.

Christoph Schlingensief

Christoph Schlingensief starb 2010 an den Folgen einer Krebserkrankung
 
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Elli

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  • #4
AW: Weihnachten

Zitat von BellaDonna:
Warum sind wir nicht willentlich auf dem Weg zu Dingen, die uns unglücklich machen?

Hallo BellaDonna!
Ich glaube, daß wir (leider) sehr oft - vielleicht nicht bewußt und willentlich, aber doch zielgerichtet und konsequent die Dinge zumindest initiieren und ermöglichen, die uns immer wieder unglücklich machen .... immer wieder der falsche Mann...(?)
 
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Meira

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  • #5
AW: Weihnachten

Hallo Elli,
hast du auch einen " Der andere Advent" Kalender?
Dort stehen immer wieder schöne Texte. Der Text von heute ist auch sehr schön..
 
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Elli

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  • #6
AW: Weihnachten

Liebe macht nicht blind, Liebe macht in einem Maße sehend, dass andere mit ihren Wahrnehmungsmöglichkeiten oft nicht mehr mit- und standhalten können. Wer liebt, ist Weltengründer, daher die Vermutung, Liebe sei etwas Göttliches.

Friedrich Schorlemmer
 

Elli

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  • #7
AW: Weihnachten

@ Meira

Ja :), den habe ich auch. Ich dachte mir, vielleicht freuen sich hier noch andere (mit mir) über kleine, hübsche Wort-Geschenke :)

Wenn Du magst - trage gerne etwas bei :)
 

Marvin

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  • #8
AW: Weihnachten

Beavis and Butt-Head Do Christmas (1997)
 
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BellaDonna

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  • #9
AW: Weihnachten

Liebe Elli, wenn du dabei sogar ein Muster erkennen kannst, welches dir nicht gefällt, wäre es dann nicht an der Zeit es aufzulösen? :)
 

Elli

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  • #10
AW: Weihnachten

Zitat von BellaDonna:
Liebe Elli, wenn du dabei sogar ein Muster erkennen kannst, welches dir nicht gefällt, wäre es dann nicht an der Zeit es aufzulösen? :)

Guten Abend, BellaDonna!

Ja, das stimmt :)
In diesem Prozess befinde ich mich (bewusst) schon seit - ja, drei Jahrzehnten, und allmählich habe ich eine Ahnung von "Durchblick" und brauche die gleichen, unglücklichen Männer-Erfahrungen wohl nicht mehr.
Ich glaube, wenn der Mensch primär sehr viel schlechte Beziehungserfahrungen macht, identifiziert er sich mit diesen (mangels Alternative) und nimmt diese Erfahrungen als die einzig mögliche Realität.
Er glaubt, fühlt und "weiß", daß er solche (nämlich unglücklichen) Beziehungen hat oder haben "muß" - denn eine lebbare Alternative gibt es nicht.
Der Verlern-Effekt ist langwierig - aber möglich :)

Wer bin ich ohne mein Drama? :)
 
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Elli

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  • #11
AW: Weihnachten

Nach dem Abschied - am Abend

Ich habe dem Wind soeben gesagt,
er möge dich streicheln.
Ich habe die Nacht gebeten,
um dich zu sein
wie mein Arm
auf dem Weg
heimwärts
zu unserem Haus.
Über das Mondlicht
werde ich wandern
in deine Träume.
Und in der Frühe
wird deine Hand
noch warm sein
von meiner.

Hans Günter Saul
 

Meira

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  • #14
AW: Weihnachten

Um gut zu tanzen - mit dir oder auch sonst,
braucht man nicht zu wissen, wohin der Tanz führt.
Man muss ihm nur folgen,
darauf gestimmt sein,
schwerelos sein,
und vor allem; Man darf sich nicht versteifen.
Man soll dir keine Erklärung abverlangen,
über Schritte, die du zu tun beliebst,
sondern ganz mit dir eins sein - und lebendig pulsierend
einschwingen in den Takt des Orchesters, den du auf uns überträgst.
Man darf nicht um jeden Preis vorwärts kommen wollen.
Manchmal muss man sich drehen oder seitwärts gehen.
Und man muss auch innehalten können.
Oder gleiten, anstatt zu marschieren.
Und das alles wären ganz sinnlose Schritte,
wenn die Musik nicht eine Harmonie daraus machte.
Wir aber, wir vergessen sofort die Musik deines Geistes.
Wir haben aus unserem Leben eine Turnübung gemacht.

Madeleine Delbrel
 

Elli

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  • #15
AW: Weihnachten

Hi Howlith :) *freu*
..schön, Dich zu "sehen"
 

Elli

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  • #16
AW: Weihnachten

@ Nettmann :)
 

Elli

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  • #17
AW: Weihnachten

@ Meira
Danke - wunderschön ist das...auch eine Anleitung für's Leben...
 

Elli

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  • #18
AW: Weihnachten

Anbeginn

Mein Leben setzt sich zusammen:
Ein Tag wie dieser. Ein anderer Tag.
Glut und Asche und Flammen.
Nichts gibt es, was ich beklag.

Früher hab ich so gefühlt:
Irgendwas Großes wird sein.
Inzwischen bin ich abgekühlt:
Es geht auch klein bei klein.

Was soll schon Großes kommen?
Man steht auf, man legt sich hin.
Auseinandergenommen,
Verlieren die Dinge den Sinn.

Doch manchmal sind solche Stunden
Von Freiheit vermischt mit Wind.
Da bin ich ungebunden
Und möglich wie als Kind.

Und alles ist noch innen
In mir und unverletzt.
Und ich fühle: gleich wird es beginnen.
Das Wunder kommt hier und jetzt.

Was es sein soll? Ich kann es nicht sagen.
Und ich weiß auch: das gibt es gar nicht.
Aber plötzlich ist hinter den Tagen
Noch Zukunft ohne Pflicht.

Und frei von Furcht und Hoffen,
Und also frei von Zeit.
Und alle Wege sind offen.
Und alle Wege gehn weit.

Und alles kann ich noch werden,
Was ich nicht geworden bin.
Und zwischen Himmeln und Erden
Ist wieder Anbeginn.

Eva Strittmatter
 

Marvin

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  • #19
AW: Weihnachten

Elan that lifts me above the clouds
into pure space, timeless, yea eternal
Breath transmuted into words
Transmuted back to breath
in one hundred two hundred years
nearly Immortal, Sappho's 26 centuries
of cadenced breathing -- beyond time, clocks, empires, bodies, cars,
chariots, rocket ships skyscrapers, Nation empires
brass walls, polished marble, Inca Artwork
of the mind -- but where's it come from?
Inspiration? The muses drawing breath for you? God?
Nah, don't believe it, you'll get entangled in Heaven or Hell --
Guilt power, that makes the heart beat wake all night
flooding mind with space, echoing through future cities, Megalopolis or
Cretan village, Zeus' birth cave Lassithi Plains -- Otsego County
farmhouse, Kansas front porch?
Buddha's a help, promises ordinary mind no nirvana --
coffee, alcohol, cocaine, mushrooms, marijuana, laughing gas?
Nope, too heavy for this lightness lifts the brain into blue sky
at May dawn when birds start singing on East 12th street --
Where does it come from, where does it go forever?

(five a.m. allen ginsberg)
 

Romulus

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  • #20
AW: Weihnachten

Anuna : Noel Nouvelet

http://www.youtube.com/watch?v=xolN0xgPNKM
 

Else

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  • #21
AW: Weihnachten

Dem Stern folgen
schlafen
träumen
geweckt werden

aufwachen
aufstehen
nicht genau wissen
sich an den Traum erinnern

auf den Weg machen
Lasten abwerfen
durch Wüsten ziehen
die Richtung verlieren

andere nach dem Weg fragen
ausgelacht werden
ein Ziel haben
das Ziel nicht aus den Augen verlieren

dem Stern folgen
einen Schritt
nach dem anderen machen
an Oasen rasten

noch einmal losgehen
müde werden
stolpern
wieder aufstehen
weitergehen

an der Krippe ankommen
keinen Königspalast vorfinden
wie erwartet
trotzdem glauben
Andrea Schwarz
 

Elli

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  • #22
AW: Weihnachten

Das Gebet

Ein Rabbiner durchquerte ein Dorf, ging in den Wald und dort, am Fuße eines Baumes, betete er. Und Gott hörte ihn. Auch sein Sohn durchquerte dieses Dorf. Er wußte nicht mehr, wo der Baum war, und betete also an irgendeinem Baum. Und Gott hörte ihn. Der Enkel des Rabbiners wusste weder, wo der Baum war noch wo der ganze Wald war. Er ging zum Beten in das Dorf. Und Gott hörte ihn. Der Urenkel wusste weder, wo der Baum war noch der Wald noch das Dorf. Aber er kannte noch das alte Gebet. So betete er zuhause. Und Gott hörte ihn. Der Ururenkel schließlich kannte weder den Baum noch den Wald noch das Dorf noch das alte Gebet. Er kannte aber noch die Geschichte und erzählte sie seinen Kindern. Und Gott hörte ihn.

Jüdische Legende
 

Meira

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  • #23
AW: Weihnachten

@ Elli
keine Anleitung, dann wäre der nächste Schritt ja festgelegt.....eher zum Nachdenken.

Und ich werde an Weihnachten nach Hause kommen.
Wir alle tun das oder sollten es tun.
Wir alle kommen heim oder sollten heimkommen
für eine kurze Rast-
je länger desto besser-
um Ruhe zu finden und zu geben.

Charles Dickens

Ich wünsche euch allen schöne Weihnachten.
 
D

Deleted member 4363

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  • #24
AW: Weihnachten

Ich höre gerade Nils Landgren. Einer meiner Favoriten zu Weihnachten.
z.B. : http://youtu.be/EUQoM7StMpM
aus Nils Landgren "Christmas with my friends" I-III