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  • #1

Was soll ich von seinem Verhalten halten? Immer wieder auf Tauchstation

Ich lese oft im Forum, heute hoffe ich dass ihr mir durch eure Meinungen weiterhelft. Noch vor 8 Wochen fühlte sich alles so wunderbar an, ich fand ihn liebevoll und einfühlsam, romantisch, zärtlich und umgänglich. Wir sind Ende 40, beide lang genug geschieden, beide auf Augenhöhe und gleicher Wellenlänge, viele gemeinsame Interessen, leben und arbeiten im Großraum der gleichen Stadt. Schmetterlinge bei beiden - dachte ich. Und dann geht irgendwas schief, aber was?

Nach 2-3 Wochen meldete er sich plötzlich seltener. Ich war diejenige, die öfter anrief (1-2x am Tag) oder stattdessen mal eine SMS oder Email schickte. Wenn man sich 1-2 Mal pro Woche sieht, finde ich den täglichen Kontakt einfach wichtig. An einem Sonntag Nachmittag als er zu einer Geschäftsreise aufbrach und dann abends eine SMS schickte „ich melde mich spätestens Mittwoch...“ war ich total irritiert, weil sein iPhone ständig in Reichweite ist und sogar nachts neben dem Bett liegt.

Als ich ihn auf diese plötzliche Distanz ansprach, meinte er, es würde ihn unter Druck setzen, man müsse ja nicht unbedingt jeden Tag miteinander telefonieren. Er fände das unromantisch, sich gegenseitig vom Alltag zu erzählen. Wir haben viel geredet, konnten das auch gut und ich schöpfte Hoffnung. Aber immer wieder stellte ich fest, dass er auf Tauchstation geht, meist wenn wir uns besonders nah waren. Eine richtige Beziehung, geschweige denn ein Zusammenziehen oder gar eine Heirat (das wollte er gerne, erzählte er bei einem der ersten Treffen) ist für mich nicht wirklich vorstellbar, wenn man immer wieder so auf Distanz geht.

Nach ein paar derartigen Gesprächen hat er mit seiner Therapeutin anscheinend über das Thema gesprochen und sie meinte dann, wenn er keine Lösung findet und daran arbeitet, wäre er bald mit der nächsten Partnerin am selben Punkt. Ok, dachte ich, immerhin arbeitet er an sich, ein positives Zeichen. Die Hoffnung hielt leider nur kurz an.

Wenige Tage später, an meinem 50. Geburtstag, erhalte ich kurz nach 0 Uhr eine Geburtstags-SMS von ihm, aber dann den ganzen Tag Funkstille von seiner Seite. Es tat so weh weil soviele liebe Freunde, Bekannte & Co. sich persönlich meldeten, nur er nicht. Ich hätte mich über einen kurzen Anruf gefreut „alles Gute zum Geburtstag, schade dass ich heute arbeiten muss, aber ich vermisse Dich und freue mich auf Dich heute Abend...“

Gegen 21 Uhr rief er an, ob wir noch etwas trinken gehen (was wir ursprünglich auch vorhatten), aber ich war gar nicht mehr in der Stimmung dazu. Erst Recht nicht als ich hörte, dass er sich für den Folgetag (arbeitsfrei) zwei vorwiegend geschäftliche Termine (um 8 Uhr und um 14 Uhr) gelegt hatte, obwohl wir Zeit zusammen verbringen wollten. Anscheinend ahnte er meine Stimmung weil er fragte ob ich beleidigt wäre. Beleidigt nicht aber enttäuscht, sagte ich ihm, und dass ich nicht zwischen 2 Terminen „eingeschoben“ werden will, vor allem solche, die man auch gut auf einen anderen Tag hätte legen können. Ich war innerlich so aufgebracht und enttäuscht dass ich ihm sagte, er könne sich ja melden wenn er richtig Zeit hat.... Das ist jetzt ein paar Tage her und seitdem herrscht Funkstille.

Ich käme mir total blöd vor, wenn ich ihm jetzt hinterher laufe. Eine Beziehung sollte auf Gegenseitigkeit beruhen, aber dieses Gleichgewicht ist wohl komplett abhanden gekommen. Was meint ihr dazu?
 
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  • #2
AW: Was soll ich von seinem Verhalten halten? Immer wieder auf Tauchstation

Zitat: ``Nach 2-3 Wochen meldete er sich plötzlich seltener.`` Das ist ein klares Zeichen, wie es, aus seiner Sicht, weiter gehen soll. Dein Bauchgefühl gibt dir bereits die richtigen Antworten auf dieses Verhalten. Du willst im wahrsten Sinne der Worte ``nicht dazwischen geschoben`` werden und gerade das passiert. An dieser Stelle liegt es an dir, ob du das zulässt. Woran erkennt man eigentlich eine Beziehung, die eine gesunde Basis aufbaut? Ich glaube Mann/Frau erkennen es daran, dass es von Anfang an ein positives Gefühl gibt. Alle nachfolgenden Dinge die Übereinstimmungen aufzeigen, verlaufen ohne Stress ineinander greifend und immer mit dem Fokus darauf, dass es dem anderen gut geht. So entsteht eine natürliche Verbundenheit die schließlich in der wortlosen Liebe endet.
Es tut gut, man fühlt sich wohl, ist gestärkt und niemals umgekehrt. Falls das der Fall sein sollte, dann besser nichts wie weg, denn alles andere wäre an dieser Stelle verschwendete Zeit. Die Therapeutin macht ihre Arbeit und wird dafür bezahlt. Die Partnerin ist eine Partnerin und als solche möchte sie auch behandelt werden. Viel Glück für dich Conny
 
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  • #3
AW: Was soll ich von seinem Verhalten halten? Immer wieder auf Tauchstation

Ganz ehrlich? Es ist zwar sehr traurig, aber so wie du das beschreibst, hat er nicht das große Interesse mehr an der Beziehung.
Es gibt Menschen, die können viel Nähe ertragen und andere mögen das nicht so gerne. Ich war auch mal mit jemanden sehr lange zusammen (5 Jahre) und da ist auch irgendwann das Gleichgewicht gekippt...und ich hab mich verbogen und zurückgenommen und ihm VIIIIEL Zeit für sich gegeben und war froh, wenn er Zeit hatte...letztlich hat er sich dann aber trotz alledem eingeengt gefühlt. Ich denke, das hängt aber einfach damit zusammen, ob man den anderen mag oder eben nicht. Wenn das kippt, dann nerven die Emails plötzlich vom anderen und die vielen Anrufe...dann ist das aber ein Zeichen, das man sich vom anderen distanziert und eigentlich nicht mehr will.
Ich würde ihm nicht nachlaufen und die Sache auf sich beruhen lassen und mich auf die Suche nach jemanden machen, der sich auf dich freut und es kaum erwarten kann, mit dir zusammen zu sein. Zumindest in der ersten Verliebtheitsphase sollte das der Normalfall sein!! Lass dich von so jemanden nicht noch weiter runter ziehen.
 
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  • #4
AW: Was soll ich von seinem Verhalten halten? Immer wieder auf Tauchstation

Hallo Kaffeetasse,

das, was du schreibst, habe ich auch schon einige Male erlebt und jedes Mal war es eine sehr schwierige Situation für mich, egal, wie lange der Kontakt oder die Beziehung schon bestand. Erst ist alles wunderbar und ab einem bestimmten Punkt - und die Auslöser sind fast beliebig - geht fast nichts mehr. Du bist ratlos, verwirrt, verletzt, befindest dich in einer "Warteschleife", hoffst usw.
Meine Erfahrung ist: die einzige Möglichkeit, diesen deinen Zustand zu beenden, ist selbst auszusteigen und zu beginnen, sich innerlich zu verabschieden. Diese "Tauchstationen" werden sich nicht grundsätzlich ändern, immer wird es irgend etwas geben, warum der andere nicht im Kontakt bleiben kann.
Ruf dir deine Wünsche und Bedürfnisse an eine Beziehung ins Gedächtnis und konzentriere dich darauf. Und bestenfalls betreibe keine "Ursachenforschung", warum er sich so verhält. Du wirst es nicht rausfinden und wahrscheinlich weiß er selbst es auch nicht so genau.
Die Situation, in der du steckst, ist schmerzhaft und ich wünsche dir viel Kraft und alles Gute!
 
L

Löwefrau

  • #5
AW: Was soll ich von seinem Verhalten halten? Immer wieder auf Tauchstation

Liebe Kaffetasse,

das ist eine wirklich unangenehme Sache.
Ihn einzuschätzen ist wirklich schwer. Eigentlich ist man in den ersten drei bis vier Monaten so sehr verliebt. dass man vom anderen gar nicht lassen kann.

Ihn wirst Du nicht ändern können.Du kannst nur auf Dich selber aufpassen und ganz genau mal nach innen hören und versuchen zu fühlen.
Was fühlst Du, wie er mit Dir umgeht. Glaubst Du wirklich, dass er dich so gern hat und liebt wie Du ihn? Tut er Dir noch gut...oder entwickelt er sich zu einer Baustelle...einer neverending sad Story
Achte auf Dein Gefühl. Das kann dir keiner nehmen auch nicht mit Meinungen und Diskussionen.
Bleib bei Dir und hör mal in dich rein.
 
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  • #6
AW: Was soll ich von seinem Verhalten halten? Immer wieder auf Tauchstation

Zitat von Löwefrau:
Liebe Kaffetasse,

das ist eine wirklich unangenehme Sache.
Ihn einzuschätzen ist wirklich schwer. Eigentlich ist man in den ersten drei bis vier Monaten so sehr verliebt. dass man vom anderen gar nicht lassen kann.

Ihn wirst Du nicht ändern können.Du kannst nur auf Dich selber aufpassen und ganz genau mal nach innen hören und versuchen zu fühlen.
Was fühlst Du, wie er mit Dir umgeht. Glaubst Du wirklich, dass er dich so gern hat und liebt wie Du ihn? Tut er Dir noch gut...oder entwickelt er sich zu einer Baustelle...einer neverending sad Story
Achte auf Dein Gefühl. Das kann dir keiner nehmen auch nicht mit Meinungen und Diskussionen.
Bleib bei Dir und hör mal in dich rein.
Guten Morgen Kaffeetasse!
@
Löwenfrau..... :) ehrlichen Dank!!

Löwenfrau stimme ich hier vollkommen zu . Es scheint verwirrend, zudem er ja wohl schon in therapeutische Behandlung über Euch gesprochen hat. Etwas dazu gelernt??????
Hier liegt es an vielem und vielleicht nichts.
Daher ist mein Vorschlag denkungsgleich mit dem von Löwenfrau .
schaue nach Dir , in Dich, fühle nach und entscheide, ob Du Ihn nochmal kontaktieren magst.

Du bist stark, wenn Du für positive Gefühle in Dir kämpfst und Dich zuerst melden würdest.
und auch nichts schwach wenn Du Dich dagegen entscheiden tätest.

Auf und Ab sind auf Dauer eher zu vermeiden.

Lieben Gruß Buntauge:))
 
B

Benutzerin

  • #7
AW: Was soll ich von seinem Verhalten halten? Immer wieder auf Tauchstation

Zitat von Kaffeetasse:
Gegen 21 Uhr rief er an, ob wir noch etwas trinken gehen (was wir ursprünglich auch vorhatten), aber ich war gar nicht mehr in der Stimmung dazu. Erst Recht nicht als ich hörte, dass er sich für den Folgetag (arbeitsfrei) zwei vorwiegend geschäftliche Termine (um 8 Uhr und um 14 Uhr) gelegt hatte, obwohl wir Zeit zusammen verbringen wollten. Anscheinend ahnte er meine Stimmung weil er fragte ob ich beleidigt wäre. Beleidigt nicht aber enttäuscht, sagte ich ihm, und dass ich nicht zwischen 2 Terminen „eingeschoben“ werden will, vor allem solche, die man auch gut auf einen anderen Tag hätte legen können. Ich war innerlich so aufgebracht und enttäuscht dass ich ihm sagte, er könne sich ja melden wenn er richtig Zeit hat.... Das ist jetzt ein paar Tage her und seitdem herrscht Funkstille.
Natürlich ist es schwierig, so etwas aus der Ferne zu beurteilen.
Aber so, wie sie es beschreiben, würde mich Ihre Dauer-Erwartungshaltung in Bezug auf Kontakt auch stressen... Ich finde beispielsweise den Erhalt von privaten SMSsen (mit der Erwartung, dass eine Antwort erfolgt), wenn ich am Arbeiten bin, ziemlich nervig. Da geht es ja selten um was substanzielles. Und es hat auch durchaus was von Kontrolle.
Ich kann auch Ihre Enttäuschung, was den Geburtstag angeht, nicht ganz nachvollziehen. Er hat kurz nach Mitternacht an Sie gedacht, abends waren Sie verabredet und er wollte diese Verabredung auch wahrnehmen. Warum ist es so enttäuschend, dass 'dazwischen' kein Kontakt mehr stattgefunden hat?
 
L

Löwefrau

  • #8
AW: Was soll ich von seinem Verhalten halten? Immer wieder auf Tauchstation

An den was Benutzerin schreibt könnte man sehen, dass es Menschen mit absolut verschiedenem Nähe/Distanzbedürfnis gibt.
Habt ihr euch hier auf ps kennen gelernt?
Dann schau malerei den MP auf diesen Punkt.
Vielleicht seid ihr wirklich in diesem Punkt komplett unterschiedlich.

Und dann liegt es aber trotzdem an dir, zu entscheiden. Willst du / kannst du damit leben oder nicht?
In einem so grundlegenden Punkt kann man keinen Menschen ändern.
 
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  • #9
AW: Was soll ich von seinem Verhalten halten? Immer wieder auf Tauchstation

Hallo Kaffeetasse,

willkommen im Forum!

Und aus dem gegebenen Anlaß vorab: alles Gute nachträglich zum Geburtstag!

Zitat von Kaffeetasse:
Wenn man sich 1-2 Mal pro Woche sieht, finde ich den täglichen Kontakt einfach wichtig.
Das ist zwischen Euch beiden auszuhandeln. Ich würde das nicht erfüllen wollen. Es ist ein Riesenunterschied, ob man zusammenlebt, dann ist im Alltag z.B. das gemeinsame Kochen und Essen für diesen Austausch 'Wie war Dein Tag?' perfekt, oder ob man auseinander lebt, dann kann man das deutlich komprimieren und reduzieren. Der andere bekommt ja kleine oft wichtige Nuancen über das Telefon gar nicht mit.

An einem Sonntag Nachmittag als er zu einer Geschäftsreise aufbrach und dann abends eine SMS schickte „ich melde mich spätestens Mittwoch...“
Das finde ich völlig ok.

... war ich total irritiert, weil sein iPhone ständig in Reichweite ist und sogar nachts neben dem Bett liegt.
Ich verstehe alle gesunden Leute nicht, die privat das Handy ständig bei sich haben und immer auf Empfang sind, und ich widersetze mich bewußt der Erwartungshaltung, jederzeit erreichbar zu sein. Mein Handy liegt auf Reisen nur neben dem Bett, weil es die Weckfunktion erfüllt, die der SMS- und Klingelton ist dann aus, und zu Hause wird es ausgeschaltet. Ich schlafe nachts!
Daraus, dass das Handy dort liegt, darfst Du jedenfalls nicht (unabgesprochen) aus Erreichbarkeitswunsch schließen. So ein Smartphone kann ja auch wg. Emails, Nachrichten etc. dort liegen.

Als ich ihn auf diese plötzliche Distanz ansprach, meinte er, es würde ihn unter Druck setzen, man müsse ja nicht unbedingt jeden Tag miteinander telefonieren. Er fände das unromantisch, sich gegenseitig vom Alltag zu erzählen.
Ich verstehe ihn da.

Eine richtige Beziehung, geschweige denn ein Zusammenziehen ... ist für mich nicht wirklich vorstellbar, wenn man immer wieder so auf Distanz geht.
Ich erkenne bis hier keine emotionale Distanz von seiner Seite, lediglich unterschiedliche Vorstellungen oder Einstellungen zur Telefoniefrequenz.

Wenige Tage später, an meinem 50. Geburtstag, erhalte ich kurz nach 0 Uhr eine Geburtstags-SMS von ihm, aber dann den ganzen Tag Funkstille von seiner Seite. Es tat so weh weil soviele liebe Freunde, Bekannte & Co. sich persönlich meldeten, nur er nicht. Ich hätte mich über einen kurzen Anruf gefreut „alles Gute zum Geburtstag, schade dass ich heute arbeiten muss, aber ich vermisse Dich und freue mich auf Dich heute Abend...“
Und wieder: Erwartungshaltung. Sprecht doch vorher miteinander, sag' ihm doch vorher, was Du Dir für den Tag (und Folgetag) wünschst.

Ich war innerlich so aufgebracht und enttäuscht dass ich ihm sagte, er könne sich ja melden wenn er richtig Zeit hat.... Das ist jetzt ein paar Tage her und seitdem herrscht Funkstille. ... Ich käme mir total blöd vor, wenn ich ihm jetzt hinterher laufe.
Emotionen gehören natürlich dazu, aber ein 'ich rede jetzt nicht mehr mit ihm' ist einfach blöde, wenn es Dir selbst nicht gut dabei geht.

Eine Beziehung sollte auf Gegenseitigkeit beruhen, aber dieses Gleichgewicht ist wohl komplett abhanden gekommen. Was meint ihr dazu?
Auch wenn es vielleicht zu einer schmerzhaften Erkenntnis führt: frage Dich, ob es dieses Gleichgewicht wirklich gab, und dann kläre mit ihm, ob Deine Erwartungshaltung und sein Bedürfnis nach der gelebten "Nähe auf Distanz" zueinender passen.

Liebe Grüße!
 
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  • #10
AW: Was soll ich von seinem Verhalten halten? Immer wieder auf Tauchstation

Zitat von Kaffeetasse:
Nach 2-3 Wochen meldete er sich plötzlich seltener. Ich war diejenige, die öfter anrief (1-2x am Tag) oder stattdessen mal eine SMS oder Email schickte. Wenn man sich 1-2 Mal pro Woche sieht, finde ich den täglichen Kontakt einfach wichtig.
Liebe Kaffeetasse,

ich finde es ganz "normal", wenn nach einiger Zeit der Kontakt nicht mehr täglich da ist. Nicht jedem liegt das Telefonieren oder Schreiben und manchmal fehlt auch schlichtweg die Zeit dazu. Bevor es dann nur ein Gespräch über banale Alltagsereignisse wird, würde ich auch lieber nicht telefonieren.

Wenige Tage später, an meinem 50. Geburtstag, erhalte ich kurz nach 0 Uhr eine Geburtstags-SMS von ihm, aber dann den ganzen Tag Funkstille von seiner Seite. Es tat so weh weil soviele liebe Freunde, Bekannte & Co. sich persönlich meldeten, nur er nicht. Ich hätte mich über einen kurzen Anruf gefreut „alles Gute zum Geburtstag, schade dass ich heute arbeiten muss, aber ich vermisse Dich und freue mich auf Dich heute Abend...“

Gegen 21 Uhr rief er an, ob wir noch etwas trinken gehen (was wir ursprünglich auch vorhatten), aber ich war gar nicht mehr in der Stimmung dazu.
Herzlichen Glückwunsch noch nachträglich und willkommen im Club Ü50 :) Ich finde es schön, dass er offensichtlich der Erste war, der dir zum Geburtstag gratuliert hat! Und auch wenn er tagsüber vermutlich geschäftliche Verpflichtungen hatte, so wollte er mit dir am Abend etwas trinken gehen. Es wäre schade, wenn du tagsüber die vielen Glückwünsche deiner Freunde nicht hast genießen können, weil du so sehr erwartet hast, dass er für dich da sein wird. Hast du ihm das zuvor denn gesagt?
Und manchmal gilt auch in einer Partnerschaft, dass wenige Treffen, die intensiv und nah sind, mehr bedeuten können, als häufige und vielleicht auch nichtssagende Treffen.

Ich war innerlich so aufgebracht und enttäuscht dass ich ihm sagte, er könne sich ja melden wenn er richtig Zeit hat.... Das ist jetzt ein paar Tage her und seitdem herrscht Funkstille.

Ich käme mir total blöd vor, wenn ich ihm jetzt hinterher laufe. Eine Beziehung sollte auf Gegenseitigkeit beruhen, aber dieses Gleichgewicht ist wohl komplett abhanden gekommen. Was meint ihr dazu?
Ich wünsche dir den Mut für ein klärendes Gespräch und dass ihr euch genügend Zeit nehmt, um über eure gegenseitige Erwartungen zu reden. Ich glaube, dass da manches in Schräglage ist und ein Gleichgewicht noch gar nicht erreicht wurde zwischen euch. Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, sich die z.T. völlig andere Sichtweise des Partners anzuhören ohne sie zu bewerten. Jeder hat ein anderes Bedürfnis nach Nähe und Distanz, doch seid ihr euch bestimmt einig darin, dass ihr euch wünscht, dass der andere auch präsent ist, wenn ihr euch trefft und dass die Qualität eurer Beziehung beiden gut tun soll.
Ich persönlich finde am schönsten, wenn Partner sich in aller Freiheit begegnen dürfen und sich als "Gast" im Leben des anderen begreifen. Ob es dann zu einer verantwortungsvollen Partnerschaft reicht, in der beide zusammenziehen möchten und sich dafür entscheiden, sowohl die Sonnenseiten als auch die Schattenseiten gemeinsam zu erleben, bleibt abzuwarten :)

Ich wünsche dir Mut und die richtigen Worte. Und vielleicht magst du nochmal berichten!?
Einen schönen Sonntag noch!
 
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  • #11
AW: Was soll ich von seinem Verhalten halten? Immer wieder auf Tauchstation

Hallo Kaffeetasse,
ja, ich möchte es nur noch mal bekräftigen: Redets miteinander!
Sich sein Gegenüber oder seinen Partner von Dritten erklären zu lassen, mag oft bequemer sein, aber kann auch der Anfang einer Entfremdungsspirale sein. Versuche, dort Vertrauen aufzubauen, wo du Gemeinschaft ersehnst, und nicht unbedingt da, wo du, wie hier, wenig zu verlieren hast.
Ich wünsch dir dafür viel Kraft!
 
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  • #12
AW: Was soll ich von seinem Verhalten halten? Immer wieder auf Tauchstation

Bei mir hat sich beim Lesen des Eingangs-Postings auch das Herz zusammengezogen. Ich kenne dieses Verhalten von Männern auch.
Und ich kann Kaffeetasse total nachvollziehen - mich würde das auch kränken, mir wäre es viel zu wenig. Ich brauche viel Nähe und möchte einen Partner, der auch viel Nähe braucht.

Dieses Verhältnis scheint bei Euch beiden wirklich sehr unterschiedlich ausgeprägt zu sein. Wie schon Besucherin schreibt: es gibt da wohl wirklich einfach unterschiedlich starke Bedürfnisse. Ich glaube, dass es für beide Teile nicht möglich sein wird, sich da auf den anderen einzustellen. Denn genauso, wie Du (Kaffeetasse) Dich vernachlässigt fühlst und leidest, wenn er sich so selten meldet, so leidet auch er, weil er sich eingeengt und kontrolliert fühlt.

Insfoern, so traurig es ist: hier passt es wohl einfach nicht.

Warum ist er denn in Therapie? Hat die Therapie etwas mit seinem Beziehungsverhalten zu tun?
Ich hatte auch mal ein ziemlich ungutes Verhältnis mit jemandem, der Angst vor Nähe hatte und deshalb bereits seit mehreren Jahren (erfolglos) in Therapie war. Ich habe beschlossen, mir an so jemandem nicht mehr die Zähne auszubeißen und möchte nich tmehr monate- und jahrelang hoffen, dass sich der andere ändert. Mit 25 ist man noch naiv genug, das zu tun - aber inzwischen denke ich, das macht keinen Sinn.
 
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  • #13
AW: Was soll ich von seinem Verhalten halten? Immer wieder auf Tauchstation

Zitat von Fenster_zum_Hof:
Ich brauche viel Nähe und möchte einen Partner, der auch viel Nähe braucht.

Dieses Verhältnis scheint bei Euch beiden wirklich sehr unterschiedlich ausgeprägt zu sein.
Interessant, wie unterschiedlich 'Nähe' betrachtet wird.

Ich habe z.B. ein sehr hohes Bedürfnis nach Nähe (das ist für mich die emotionale und körperliche), ich liebe das und suche diese daher, fahre für einen auch nur kurzen gemeinsamen Abend/Nacht auch schonmal 500 km, nur um das möglich zu machen. Aber mir liegt nichts, rein gar nichts, überhaupt nichts an Telefonaten, um sich den Alltagskram zu erzählen.

Ohne Handy war die private Welt eine bessere (und ich lebe von Hightech!).
 
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  • #14
AW: Was soll ich von seinem Verhalten halten? Immer wieder auf Tauchstation

Er fände das unromantisch, sich gegenseitig vom Alltag zu erzählen.
sagt dieser Satz nicht bereits alles aus, was ihn ausmacht?
Er ist ein Romantiker. Möglicherweise von der hier weniger begehrten Sorte, verliebt ins Verliebtsein. Nach 8 Wochen sind die ersten Funken verflogen. Er will keinen Alltag.
je nachdem, was Du willst (vermutlich eine feste Partnerschaft), lebt Ihr beide auf verschiedenen Planeten und ein Zusammenbleiben kann schwer werden. Ein klarer Fall wo man sich die Einzelwerte der Matchingpoints genauer betrachten sollte.
 
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  • #15
AW: Was soll ich von seinem Verhalten halten? Immer wieder auf Tauchstation

Hallo ihr Lieben,

Ich bin nicht sicher wie lange es dauert bis mein Beitrag freigegeben wird, da ich ja neu im Forum bin... Wollte euch aber schon mal einen Zwischenbericht geben und euch für eure ganz unterschiedlichen Denkansätze danken, da mir ja genau das hilft, die Dinge mal aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Ja, wir haben uns über PS kennengelernt und unser Bindungsverhalten scheint ähnlich zu sein, völlig durchschnittlich, nix Auffälliges. Aber da ich vor Jahren einmal einen Freund hatte den man als Beziehungsphobiker bezeichnen kann, er ist letztlich sogar von Deutschland nach USA "geflüchtet", genau als unsere Beziehung drohte, ihm zu eng zu werden, habe ich mich damals mit dem Thema Beziehungsangst sehr intensiv auseinander gesetzt, habe auch erkannt dass man womöglich selbst betroffen ist, wenn man sich so jemand "aussucht". Ich hatte auch eine Gesprächstherapie damals, um die seelischen Verletzungen zu verarbeiten und war der Meinung, dass ich das auch geschafft hatte. Und dann hatte ich plötzlich dieses Déjà-vu-Erlebnis, mir ging es dabei richtig schlecht.

Der besagte Mann hat sich übrigens kaum eine Stunde nachdem mein Beitrag hier endlich freigeschaltet war, per Mail gemeldet. Wir haben dann hin- und hergemailt und uns persönlich zum Gespräch getroffen, haben uns dafür lange Zeit genommen. Einige Missverständnisse haben wir geklärt - er hatte mir z.B.am Geburtstag tagsüber eine MMS mit einem Foto von einem Blumenstrauß geschickt, den er mir abends übergeben wollte, die ich aber für Werbung gehalten hatte, da er sie von seinem Firmenhandy verschickt hatte. Er hat sich auch entschuldigt, dass er sich nicht früher am Tag persönlich gemeldet hat und dass ihm das bei meinem nächsten Geburtstag (!) nicht mehr passieren würde, weil er versteht wie wichtig mir soetwas ist. Für ihn sind Geburtstage nämlich nicht so sonderlich wichtig.

Und dann konnten wir beide sehr gut über unsere jeweiligen Ängste reden:
Er über seine Angst, eine Frau könnte ihn womöglich dominieren (und seinen daraus resultierenden Rückzug) und ich über meine Angst, ein Mann spielt mit mir das Spiel "komm her, geh weg" und dann ich ziehe mich aus Angst davor von ihm verletzt zu werden ebenfalls zurück.

Uns beiden ist eigentlich klar, dass wir in vielen Aspekten sehr gut zusammenpassen, sogar viel besser als man von einem PS-Date erwarten könnte, dass wir aber diese Ängste überwinden müssen um die Partnerschaft zu haben die wir uns eigentlich wünschen. Uns war auch klar, dass wir besser kommunizieren müssen, um Missverständnisse von vornherein auszuschließen. Zum Beispiel gemeinsam überlegen, wann wir uns das nächste Mal sehen werden und Pläne fürs Wochenende zu machen. Auf jeden Fall haben wir die Funkstille überwunden und sind ins Gespräch miteinander gekommen, sehr liebevoll übrigens, so dass eine Perspektive möglich scheint. Die Schmetterlinge sind anscheinend bei beiden auch noch vorhanden, obwohl sie sich zwischenzeitlich verabschiedet hatten.

Ich selbst muss wohl auch lernen, mich wieder auf etwas einzulassen. Immerhin ist es ein positives Zeichen, wenn man mit einem Menschen über Gefühle reden kann. Genau das war in der Partnerschaft die ich vor vielen Jahren mit dem Beziehungsphobiker hatte nämlich nicht möglich.

Übrigens: seid ihr wirklich sicher dass in der Anfangsphase einer Beziehung alles so glatt und perfekt ablaufen muss? - Vielleicht ist es ja auch ein Klischee, dass alles so romantisch sein muss. Kennt ihr denn keine glücklichen Paare, die Anfangsschwierigkeiten überwinden mussten?

VG
Kaffeetasse