Porcia72

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  • #1

Was preisgeben beim ersten Date

Stolz bin ich auf dass ich trotz meines bisher nicht positiven Lebenslauf: Mit 11 sexuell belästigt, mit 16 nochmals, mit 21 vergewaltigt, Mobbing, Demütigungen, Schlägen, gewürgt, beklaut... Es geschafft habe, zu lachen, mit wenig glücklich zu sein. Zum ersten Mal in meinem Leben - mittlerweile doch 46 - zu leben, ohne zu funktionieren.
Jetzt ist mir aber auch bewusst, dass 35 Jahre nicht einfach zu streichen sind und es auch immer mal Rückwürfe geben kann. Was kann/soll ich von meiner Vergangenheit preisgeben, um mir nicht den Weg ganz zu verbauen?
Durch eine Therapie bin ich ziemlich gefestigt, möchte dennoch auch nicht verschweigen, dass es nicht immer einfach sein kann. Es passiert mir vor allem, wenn Gewalt im Fernsehen gezeigt wird, dass ich zusammenzucke. Gegen konstruktive Kritik habe ich hingegen gar nichts bzw trete ich schon sehr selbstbewusst auf.
 

Ailana

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  • #2
Liebe Porcia72,
erstmal: Hut ab, dass du mit all deinen Erfahrungen nun positiv nach vorn schaust. Ich habe absoluten Respekt vor solchen Menschen.

Ich persönlich denke, ich würde beim ersten Date davon allerdings nichts preisgeben. Vielleicht bin ich da nur so, aber ich finde beim ersten Date sollte es noch nicht um solch ernste (und trotzdem wichtige) Themen gehen. Ich sehe das erste Date als beschnuppern an... ein erstes RealLife kennenlernen... um abzuklopfen wie der andere in "echt" tickt, denkt, redet etc. Vielleicht auch um zu sehen, ob man den Gegenüber anhand dem schriftlichen Austausch/Telefonat auch bereits wirklich richtig eingeschätzt hat.
Ich finde um solche Dinge zu erzählen braucht es Vertrauen. Ich für meinen Teil kann das nicht so schnell aufbauen... und irgendwie bin ich generell vorsichtiger geworden nicht all zu viel aus meinem tiefsten Inneren gleich am Anfang preiszugeben.
 
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Mia100

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  • #3
Das tut mir sehr leid, was dir in Vergangenheit passiert ist. Klasse, dass du das für dich aufgearbeitet hast.

Ich würde gar nichts davon im ersten Date erwähnen. Man kennt sich noch gar nicht und du weißt überhaupt nicht, wohin das erste Date führen wird. Schlimme Dinge aus der Vergangenheit zu erzählen, bedarf ganz viel Vertrauen. Irgendwann zu einem späteren Zeitpunkt wirst du wissen, wann der richtige Augenblick ist oder ob du es überhaupt oder verkürzt erzählen möchtest.

Alles Gute für dich!
 
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pointsman

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  • #4
Es passiert mir vor allem, wenn Gewalt im Fernsehen gezeigt wird, dass ich zusammenzucke.
Hm, Fernsehen hat ja schon auch eine dramaturgische, übertreibende, Spannung fördernde Komponente, trotzdem, möglicherweise ist das noch nicht so weit verarbeitet, dass dich das immer noch triggert. Es ist schwierig mehr dazu zu schreiben, das kannst du selbst besser beurteilen was welche Rolle spielt.

Ansonsten finde ich nicht, dass du dir da besondere Gedanken machen musst. Die durch Reflexion gewonnene Reife wird mit einiger Wahrscheinlichkeit ihre Entsprechung in einem "ebenbürtig reifen" Partner finden. Dazu musst du nicht mehr von deiner Vergangenheit erzählen als sich ergibt. Ich ginge das defensiv an, d.h. nur wenn das Thema darauf kommt (edit: ) oder wenn du es für richtig hältst.
 
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lisalustig

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  • #5
Was kann/soll ich von meiner Vergangenheit preisgeben, um mir nicht den Weg ganz zu verbauen?
Ich finde es schwierig bis unmöglich, das zu beurteilen. Hängt sicher auch davon ab, welchen Einfluss Deine schlimmen Erfahrungen auf Dich im "normalen Leben" haben. Wo Du ggf. Einschränkungen hast. Wenn Du noch in Therapie bist, würd ich mal mit dem Therapeuten drüber reden. Ansonsten ist für eine solche Öffnung eine große Vertrauensbasis erforderlich.
 
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Percanta

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  • #6
Ich glaube, liebe Porcia, dass mit so einer Vergangenheit kommst du schnell in Beziehungen die alte Modelle von Dir wiederholen. Gewalt und Demütigung sind keine Kleinigkeiten. Im Vergleich ist das Outen von der Geschichte zweitrangig. Ich wünsche Dir, diesbezüglich, viel Besonnenheit.:)
 
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  • #7
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  • #8
Die Ansicht, dass eine große Vertrauensbasis notwendig ist, teile ich nicht.
Ich sehe die Schwierigkeit eher darin, Dinge zu erzählen, mit denen man sich seit Jahrzehnten auseinandersetzt und die für einen zwar prägend, aber - dadurch dass sie so ein elementarer Bestandteil der eigenen Biographie sind - auch irgendwie auf ganz schräge Art und Weise sowas wie "normal" sind. Da dies aber für den Zuhörer vermutlich nicht der Fall ist, kann der Inhalt recht heftig wirken und die Werkzeuge im Umgang damit fehlen.

So oder so, möchte ich mich den Empfehlungen anschließen, reaktiv damit umzugehen. Also, wenn es sich ergibt oder es notwendig ist, so viel erzählen, wie nötig und soweit du dich wohl fühlst.
Ich denke einfach so das Gespräch darauf lenken wäre wohl nicht sonderlich kennenlernförderlich.

Und dazu empfehle ich noch, wenn man über die ersten paar Dates hinaus ist und glaubt, dass da Potenzial drin stecken könnte, dem Gegenüber Werkzeuge für den Umgang, mit an die Hand zu geben (Wenn dass-und-das, dann nimm bitte Abstand, wenn das-und-das, dann wünsche ich mir eine Umarmung, etc.)
 
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Porcia72

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  • #9
Schon mal danke für eure netten Antworten.
Nein, die Therapie wurde im letzten Sommer durch meinen Therapeuten beendet, weil er meinte, dass ich stark genug bin.
In der Therapie hat sich herauskristallisiert, dass das Helikopter erhalten meiner Eltern sehr viel zu meinem Lebenslauf beigetragen hat. Dadurch musste ich mich komplett lösen. Mein Vater ertrug meine Widerworte nicht.
Durch die Therapie hab ich gelernt, mich zu lösen, wenn mir etwas gar nicht gut tut. Was mir zumindest wichtig ist und ich immer anspreche, dass egal was ist, es mir ehrlich gesagt wird.
Ich habe Unterstützung durch Freunde und Bekannte. Genieße das Leben mit meiner Tochter.
Lügen, demütigende Diskussionen oder eine falsche Handbewegung führt noch ab und an zu Zuckungen und Tränen.
Es bedarf sicher einen starken Partner, dazu zählt aber jemand, der Gefühle zeigen kann und sich nicht abwendet, weil er einen Schwächen Moment hatte.
 
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  • #10
(...) Nein, die Therapie wurde im letzten Sommer durch meinen Therapeuten beendet, weil er meinte, dass ich stark genug bin.
Und wie schätzt Du Dich selbst ein ... ?

(...) Durch die Therapie hab ich gelernt, mich zu lösen, wenn mir etwas gar nicht gut tut.

Glückwunsch - damit bist Du wahrscheinlich weiter als viele "Normalos" ! :)

Was mir zumindest wichtig ist und ich immer anspreche, dass egal was ist, es mir ehrlich gesagt wird. (...) Lügen, demütigende Diskussionen oder eine falsche Handbewegung führt noch ab und an zu Zuckungen und Tränen.
... und damit umzugehen, muß ein Partner erst lernen !

Deshalb bin ich - ausnahmsweise ! ;) - mal anderer Ansicht als @Synergie. IMVHO ist das sehr wohl eine Frage des Vertrauens, und zwar deshalb, weil jemand ohne diese Erfahrungen nicht wissen kann, was in Dir vorgeht. Die automatischen Reaktionen, Reflexe auf bestimmte Situationen, die für Dich "irgendwie auf ganz schräge Art und Weise sowas wie "normal" sind", wie @Synergie schrieb - woher soll ein Dritter die kennen und - ganz wichtig ! - damit umgehen können ?

Das zu lernen ist sicher eine Sache, die viel Zeit und - von beiden Seiten ! - Vertrauen erfordert !

Deshalb würde ich auch - wie die anderen schon schrieben - nicht "damit hausieren gehen", sondern erst einmal abwarten und die mögliche Beziehung sich etwas entwickeln lassen, dann kannst Du die Situation und den potentiellen Partner auch schon etwas besser einschätzen. Das Thema wird zwangsläufig irgendwann von alleine auf's Tapet kommen, wenn eine solche Situation eintritt, und dann kannst Du immer noch entscheiden, wieviel Du dann preisgibst.

Es bedarf sicher einen starken Partner, dazu zählt aber jemand, der Gefühle zeigen kann und sich nicht abwendet, weil er einen Schwächen Moment hatte.
Wobei die Grenze zum "Weichei" da ein sehr schmaler Grat sein kann ! :( Vor allem, wenn ein potentieller Partner schon das eine oder andere von Dir weiß und deshalb meint, er müsse "für Dich stark sein" und "Dich beschützen", in dem er keine Schwäche zeigt - diese Gefahr halte ich bei Deiner (Vor-) Geschichte für relativ groß.

Ich denke, da hilft dann nur, darüber zu sprechen - und das kannst Du ja unabhängig von Deiner persönlichen Geschichte machen ! ;)
 
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Porcia72

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  • #11
@Traumichnich. Ich selbst sehe mich mittlerweile selbstbewusst - was leider heute noch viel falsch verstanden wird - d. h. Ich kenne meine eigenen Grenzen und versuche diese zu überschreiten, wann ich mich dafür reif fühle.

Durch die Gewalt, möchte ich zwar in den Arm genommen werden, jedoch zu sehr gedrückt werden, kann Angst auslösen und ich muss - vermutlich mehr als andere - Probleme selbst lösen dürfen.
Was verstehst du unter Weichei?
Ein Mann, der Gefühle zeigt, authentisch ist, mich unterstützt ohne zu übernehmen, seine Grenzen kennt und dazu steht ist es auf alle Fälle nicht.
Habe im Dezember erst wieder die Erfahrung gemacht, dass ein Mann mir seine "weiche" Seite zeigte, sich am nächsten Tag verabschiedete, obwohl wir bereits mehrere schöne Treffen mit wunderbaren Gesprächen hatten und auch er mir von seinem problematischen Vorleben erzählte. Er hatte sogar das Vertrauen, mir sein Zuhause zu zeigen, zeigte mir Fotos seiner Tochter. Da hat mich seine SMS dann doch irritiert, aber ich habe sie natürlich respektiert.

Deshalb arbeite ich auch an meinem Roman, um mir selbst vor Augen zu halten, was ich in kürzester Zeit mit und ohne Hilfe bewältigt habe und sehe auch mit jeder neuen Bekanntschaft eine neue Erfahrung ohne zu großer Reflexion. Niemand Fremdes kann für mein Vorleben, dennoch prägt es.
 
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SeTi

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  • #12
Hallo Porcia72,

Gerade die Problematik bei Traumata ist sehr Individuell zu betrachten, somit hat auch jeder der davon betroffen ist seine eigene Geschichte.
Es tut gut zu hören, wenn jemand für sich selbst einen akzeptablem Weg aus dem ganzen Schlamassel gefunden hat.

Was ich allerdings als eher nebensächlich bewerte, ist die Tatsache, dass es nicht so wichtig ist, ob ein Mann dir nun seine weiche Seite zeigt.
Jeder Mensch hat hier seine Vorlieben und auch Schwächen, das macht uns eben zu empfindungsfähigen Wesen.

Ob du nun deine Vergangenheit, deinen Leidensweg, offenbarst oder nicht, dass darfst du und nur du entscheiden. Du trägst eben auch die Konsequenzen deines Handelns. Sollte es notwendig sein, so würde ich schon etwas Preis geben, allerdings sehr auf mein Date achten, wie die Reaktionen darauf sind.

Nicht notwendiger Weise muss man gleich Werkzeuge mitgeben. Jemand der nie mit Achtsamkeit, Skills, sozialer Kompetenz usw in Therapeutischen Umgebungen konfrontiert wurde, wird wohl das eine oder andere Problem dann mit diesen "Werkzeugen" haben, schlicht weg überfordert sein.

Ich würde sehr Achtsam mit mir umgehen bei einem ersten Date und dann sehr individuell entscheiden ob und was ich von meiner Vergangenheit erzähle.

Alles gute dir

lg
SeTi
 
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  • #13
@Traumichnich. Ich selbst sehe mich mittlerweile selbstbewusst - was leider heute noch viel falsch verstanden wird -
Darf ich fragen,
  1. von wem und
  2. wie ?
d. h. Ich kenne meine eigenen Grenzen und versuche diese zu überschreiten, wann ich mich dafür reif fühle.
Ich glaube, Dein Doc hat Dich gaz richtig eingeshätzt ! ;)

Vielleicht sagt Dir "Softy" mehr ... ?

Männer, die sanft und fürsorglich alles hinterfragen, werden von Frauen oft als "wenig männlich" und mithin nur wenig attraktiv wahrgenommen, und Männer, die wissen, daß sie dazu tendieren, versuchen das tunlichst zu vermeiden - oder genieren, ja, schämen sich deswegen.

Aber das fragst Du besser Deine Geschlechtsgenossinnen, die können das besser erklären ! :D

Ein Mann, der Gefühle zeigt, authentisch ist, mich unterstützt ohne zu übernehmen, seine Grenzen kennt und dazu steht ist es auf alle Fälle nicht.
Habe im Dezember erst wieder die Erfahrung gemacht, dass ein Mann mir seine "weiche" Seite zeigte, sich am nächsten Tag verabschiedete, obwohl wir bereits mehrere schöne Treffen mit wunderbaren Gesprächen hatten und auch er mir von seinem problematischen Vorleben erzählte. Er hatte sogar das Vertrauen, mir sein Zuhause zu zeigen, zeigte mir Fotos seiner Tochter. Da hat mich seine SMS dann doch irritiert, aber ich habe sie natürlich respektiert.

Sieht danach aus, daß es ihm peinlich war und er deshalb "auf Tauchstation" gegengen ist.

(...) Niemand Fremdes kann für mein Vorleben, dennoch prägt es.

Richtig - aber ohne davon zu wissen und Deine Ängste und Reaktionen wenigstens im Ansatz zu kennen, wird Mann es schwer haben, seinerseits "richtig" zu reagieren.

Aus meiner Sicht ist es also ein Spiel von Geben und Nehmen - auch was die Informationen betrifft. ;)
 

Porcia72

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  • #14
Ich danke dir sehr für deine Antwort SeTi.
Für jede Antwort, die ich erhalten habe, die für mich jede einzelne respektvoll und somit auch positiv ist, hilft mir auf meinem Weg weiter. Von Stunde zu Stunde wird mein Erfahrungsschatz größer und vertraue darauf, dass ich, wie ich meinen unsagbaren Lebensmut gefunden habe, auch hier den richtigen Weg finden kann und werde.
 
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Porcia72

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  • #15
@Traumichnich. Ich hab schon verstanden, was du unter Weichei verstehst. Für mich, und da mag ich anders sein, ist ein Mann ein Weichei, wenn er die Lüge oder Manipulation notwendig hat.
In meinem näheren Umfeld wird unter Selbstbewusstsein verstanden, sich als Alleskönner darzustellen. Ich nenne das Eigenüberschätzung
Meinen Therapeuten zeichnet aus, dass er mir nichts vorgebeten hat, sondern mich so Hi geführt hat, dass ich selbst draufgekommen bin. Es war einfach toll, selbst zu erleben, wie der Steinhaufen immer kleiner würde...
 
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  • #17
Und dazu empfehle ich noch, wenn man über die ersten paar Dates hinaus ist und glaubt, dass da Potenzial drin stecken könnte, dem Gegenüber Werkzeuge für den Umgang, mit an die Hand zu geben (Wenn dass-und-das, dann nimm bitte Abstand, wenn das-und-das, dann wünsche ich mir eine Umarmung, etc.)

Wenn es von "ein paar dates" deutlich Richtung Beziehung geht ist es in meine Augen extrem wichtig solche Dinge dem neuen Partner gegenüber offen und ehrlich zu kommunizieren, sofern man das entsprechende Vertrauen in ihn hat. Er wird zwangsläufig lernen müssen damit umzugehen, und je eher er damit anfängt, je eher er bestimmte Reaktionen und Verhaltensmuster richtig einzuschätzen lernt, desto besser sind vermutlich die Chancen für eine dauerhafte und stabile Partnerschaft. Der Partner hat es dabei nicht immer leicht, er muss sich bewusst darauf einlassen, mitunter auch Mechanismen entwickeln sich selbst vor bestimmten Dingen zu schützen. Das wird vermutlich nicht jeder können und/oder wollen, aber einer der will und kann reicht ja im Zweifel auch schon. ;)
 
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  • #18
@Porcia72 Wir sind ja alle keine 17 mehr und die meisten von uns werden mehr oder weniger heftige Vorbelastungen mitbringen. Die muss man aber nicht gleich auf den Tisch legen. Gerade am Anfang einer Beziehung sollte es IMO möglichst leicht und unbelastet zugehen, so weit das eben möglich ist.
Die Situationen, in denen etwas erklärt werden muss, kommen dann schon - oder auch nicht.
Meiner Ansicht nach gibt es vorher keine Veranlassung für (Selbst-)Erklärungen, der andere lernt einen dann schon kennen.
Der Anspruch, dass ein Mensch - gemessen an den Erwartungen des anderen - perfekt funktioniert, ist ohnehin überzogen. Es wird also jeder damit rechnen (müssen), dass es Punkte gibt, an denen beide arbeiten und die Beziehung zusammen entwickeln müssen.
Viel Glück!
 
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  • #19
Es ist eine Gratwanderung, wie viel und wie schnell man erzählt.

Einerseits möchte ich nicht, dass sich jemand "hintergangen" fühlt, wenn er von "Handicaps" (egal welcher Art) erst später erfährt. Andererseits möchte ich nicht darüber definiert werden und daher erstmal nur Ich sein.
 
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  • #20
Der Anspruch, dass ein Mensch - gemessen an den Erwartungen des anderen - perfekt funktioniert, ist ohnehin überzogen.

Sicher, aber um's "nicht perfekt funktionieren" geht's gar nicht. Es geht darum, dass ein kleines Triggerevent, eines, dass das Gegenüber gar nicht bewusst wahrgenommen hat, eine Szene im Fernsehen, ein Geruch, ein Geräusch, manche Menschen zumindest für den Augenblick komplett aus der Spur werfen kann. Eine "falsche" Szene im Film und der Kinoabend ist gelaufen, der Geruch einer Blume und aus dem schönen Spaziergang wird mehr oder wenige einer Flucht nach Hause, etc. Wenn soetwas "droht", dann sollte man die Partnerin oder den Partner möglichst frühzeitig darauf vorbereiten, damit sie oder er a) überlegen kann, ob sie/er das mitmachen kann und will und b) sich darauf zumindest in Ansätzen vorbereiten kann. Denn damit angemessen umzugehen ist alles andere als leicht, je eher man sich aktiv damit auseinandersetzt umso weniger belastet es eine Beziehung.

Die spannende Frage ist nun, wann ist der richtige Zeitpunkt damit anzufangen. Meine, eher platte, Antwort an die TE wäre, dass sie das, wenn ihr der richtige gegenübersitzt, hoffentlich merkt. Wenn sie erste Hinweise gibt und das Gegenüber sich damit aktiv auseinandersetzt kann das fast von selbst funktionieren. Wenn nicht, wenn sie ihn was das angeht quasi an die Hand nehmen muss wird's schwieriger, weil sie dann beurteilen muss, welche "Dosis" Vorgeschichte inkl. Folgen er jeweils gerade verträgt, ohne das dabei das "normale" Kennenlernen und gegenseitige Beschnuppern auf der Strecke bleibt.
 
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Lilly22

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  • #21
Hallo Porcia72,

Stolz bin ich auf dass ich trotz...()... Es geschafft habe, zu lachen, mit wenig glücklich zu sein...()... Was kann/soll ich von meiner Vergangenheit preisgeben, um mir nicht den Weg ganz zu verbauen?...

ich habe jetzt mal bewusst nur deine Beiträge hier im Thread gelesen.

Recht hast du sicher darin, dass jeder Mensch sein "Päckchen" zu tragen und zu bewältigen hat. Am Ende zählt - so meine Meinung- also weniger, was alles passiert ist, sondern, wie man mit diesen Erfahrungen umgegangen ist und/ oder, ob man diese selbst, im Heute weiter mit sich herum trägt. Sich also quasi selbst damit weiter belastet oder eben nicht.

Dieses "Preisgebenwollen" schrecklicher Details kann schnell so wirken, als ob man sich weiterhin vor allem selbst als Opfer des Lebens sieht und daran gemessen werden möchte. Das kann also abschreckend wirken oder von jenen, die du eigentlich nicht kennen lernen möchtest, bewusst zur Manipulation missbraucht werden.

Du bist im Heute aber nicht die "kleine Porcia72", sondern die erwachsene Frau, die man "Porcia72" nennt und die vermutlich auch als jene gesehen werden möchte. Dass du ggf. leicht schreckhaft bist, gehört dazu und bedarf normaler Weise keiner großen Rechtfertigung dir noch fremden Menschen gegenüber. Jemand, der empathisch ist, wird das von selbst bemerken und akzeptieren. Etwas akzeptieren zu können, das nun einfach mal ist, verlangt eine gewisse Reife/ Größe und bedeutet unter Strich: Annahme.

Persönlich empfinde ich deine oben zitierte Aussage z.B. eher als unglücklich gewählt, es sei denn, du hast diese tatsächlich bewusst so getroffen. Ein "trotz..." wär für mich z.B. eher ein Hinweis auf ein weiteres "Funktionieren" und eben keine echte Überzeugung davon, jetzt mit sich selbst im Reinen zu sein.

Außerdem meine ich, dass du keine allgemeine Handhabung pflegen solltest, da die Menschen, denen du begegnest, eben unterschiedlich sein werden. Einer ist z.B. selbst sehr offenherzig, ohne dabei manipulieren zu wollen. Ein anderer hält sich eher bedeckt oder wär gar restlos überfordert, mit derart vielen Info`s bei einem "bloßen, ersten Date".

Darüber hinaus würde ich niemal die nonverbale Kommunikation unterschätzen. Nicht nur, dass man hierdurch oft "ähnliches" anzieht bzw. als anziehend empfindet. Sondern im schlimmsten Fall eben das leider auch das passende Gegenstück. Sprich: das "Opfer" pflegt ein besonderes Vertrauen bei Tätern, anstatt bei "gesunden" Menschen, weil ihm diese Muster (unbewusst) eben "vertraut" sind.

Demnach hat man m.E.n. die besten Chancen für sich selbst, wenn man nicht "trotz" seiner schrecklichen Vergangenheit ..., sondern, weil man für sich, auf seinen Weg, zu der Überzeugung gekommen ist, von all dem Bösen loslassen und das Gute genießen zu wollen. Es gibt hierunter u.a. tatsächlich eben Menschen, denen ebenso sehr viel Leid widerfahren ist, die aber einfach pragmatisch "funktionieren". D.h. "loslassen" und nach vorn schauen, nach dem Besten für sich "greifen" und das mit aller Überzeugung. Sie leben eher nach dem Motto, dass das Leben auch mal seine Hürden hat, das Leben ansich aber viel zu wertvoll und zu begrenzt ist, um seine Zeit unnötig darauf verschwenden zu wollen. Sie registrieren bei all dem "Unglück" was ihnen also widerfahren ist eher, was auf der anderen Seite der Medaille das Gute dabei war und nutzen das für ihr weiteres Leben. So betrachtet also, echte Optimisten.

Was mich auch noch etwas erschreckt, das sind deine -aus meiner Sicht- überzogenen Vorstellungem vom Gegenüber:

"Ehrlichkeit" z.B. wird hier m.E.n. völlig überbewertet und eher idealisiert. Dabei gehört es selbst im alltäglichen, sozialen Miteinander, dazu, "zu lügen" und entspricht folglich eher der Realität. Wenn du bei diesem, für dich ja sehr "wichtigen" Thema mal in dich kehrst, wirst du vielleicht feststellen, dass auch du mindestens 1x am Tag "lügst". Sei es, wenn ein Arbeitskollege dich fragt, wie es dir denn heute so geht und du einfach nur kurz antwortest "danke, gut". Oder sei es, weil du dein Gegenüber, dass sich extra ins Zeug gelegt hat, um dir eine Überraschung zu bereiten, nicht vor dem Kopf stoßen möchtest, indem du diesem erklärst, mit der Duftnote soundso ganz schreckliche Erinnerungen zu verbinden usw. usf.

Absolute "Ehrlichkeit" gibt es zudem nicht, weil jeder Mensch nunmal dazu neigt, für sich selbst, seine "Wahrheit" zu pflegen. Und da es am schwersten im Leben überhaupt ist, sich selbst wirklich "kennen zu lernen" (also viel schwerer, als andere Menschen) und man sich vor allem selbst oft nur zu gern belügt (um z.B. "weiter leben zu können"), lügt man (unbewusst) darüber natürlich auch ständig andere Menschen an.

Fragst du dich z.B. mal, weshalb es für so viele Menschen dennoch angeblich so wichtig sei, nicht belogen zu werden, könntest du leicht zu dem Schluß kommen, dass diese Menschen hinter einer solchen Erwartungshaltung nur ihre eigenen Unsicherheiten zu kompensieren suchen. Man offenbart darüber, sich nicht nur von anderen "abhängig" machen zu wollen, sondern vor allem eben leider auch, nicht das Selbstvertrauen zu besitzen, mit den Marotten des Lebens zurecht zu kommen. Jemand, der andere belügt, hat das meist selbst nur als seine Überlebensstrategie erlernt. Oft eben leider schon im Elternhaus. Und dort dann eben, um meist aus purer Überforderung und dem Wunsch, trotz irgendwelcher Macken oder weil man eben nicht, wie erwartet funktioniert, "geliebt" werden zu wollen.
Hinzu kommt, das jene, die in zwischenmenschlichen Beziehungen bewusst "lügen" (also über Notlügen hinaus), vor allem sich selbst damit Schaden zufügen, weil sie im Ergebnis dessen, den Anschluss an ihre soziale Bindungen verlieren. Während der Belogene leicht darüber stehen und seine sozialen Bindungen weiter pflegen kann.

Dass alle Menschen also auch lügen, ist einfach "normal". Der Grad des Lügens mag unterschiedlich sein und dennoch steckt hinter jedem eine "Lebensgeschichte" und bei den gröbsten Lügnern sicher keine "Gute". Bei jenem, der die absolute "Wahrheit" usw. erwartet, steckt aber meist selbst keine "gute, gesunde" Lebensgeschichte dahinter. Anderenfalls würde er sich über "Lügen" kaum erschüttern lassen.

Ich handhabe es deshalb mit den "Lügen" völlig anders und für mich wäre u.a. "Offenherzigkeit" ein viel bedeutender Wert. Das kann man aber auch nur dort erwarten, wo man anderen eben nicht mit irgendwelchen Schubladendenken begegnet und diese gar "richten" will. Hat dein Gegenüber -zu Recht- Angst davor, du könntest ihm deine "Liebe" usw. entziehen, nur, weil er nicht entsprechend deiner Erwartungen funktioniert, wirst du allein deswegen mit "Lügen" rechnen müssen. Sprich: du provozierst es über deine überzogenen Erwartungshaltungen selbst, belogen zu werden. Und das eben nicht einmal, weil dir dein Gegenüber etwas Schlechtes will. Nein, oft nur, weil es deine Gunst nicht verlieren möchte oder sich gar für sich selbst schämt usw. usf.

Dir sind z.B. selbst solche "üblichen Lügen" bekannt, bei denen z.B. gerade Eltern bzw. Alleinerziehende den Freunden usw. lieber erklären, einem Wunsch gerade nicht genügen zu können, weil ihr Kind krank sei usw. usf. In Wirklichkeit haben sie oft in diesen Momenten einfach selbst keine Lust, fühlen sich überfordert, haben massive andere Probleme usw. usf., die sie dir so aber nicht nennen wollen, weil sie davon ausgehen, mit dieser "Wahrheit" ihr Gegenüber eher verärgern zu können bzw. von diesem kein Verständnis zu erhalten. Oder, wenn der Partner nach ewigen Abwarten einfach meint, das Kleid würde dir schon ziemlich gut stehen, damit ihr nun endlich mal losgehen könnt und die Party nicht ganz verpasst usw. usf.

Im Übrigen ist es nicht nur beim Thema "Lügen" so. Geh einfach mal grundsätzlich davon aus, dass hinter einer extremen Erwartungshaltung an das Gegenüber meist nur eigene Ängste stecken, die man darüber zu vermeiden sucht. Z.B. auch beim Thema "Treue". Ich habe hier z.B. eine extreme Angst davor, "betrogen" zu werden, weil das meinen "schlechten Lebenserfahrungen" (Ängsten) bzw. meiner negativen Programmierung entspricht. Also suche ich danach, diese Themen möglichst vermeiden zu wollen, um mich damit (mit meinem Selbst) bloß nicht auseinander setzen zu müssen. Habe ich hier eher keine negativen Erfahrungen usw. gehe ich einfach mal davon aus, dass mir mein Gegenüber freiwillig treu sein möchte bzw. ich frage konkret nach, wie dessen eigenene Vorstellungen hierzu snd, ohne diese "bewerten" zu müssen usw. usf.

"Offenherzigkeit" hingegen ist z.B. etwas, womit ich selbst eine Art "Urvertrauen" (Grundvertrauen) zum Ausdruck bringe. HIer darf ich tatsächlich skeptisch werden, hält mein Gegenüber sich "lieber" bedeckt. Das tut man auch nicht wirklich aus einer "Not" heraus und es bildet immer einen "gesunden" Gradmesser dafür, wie "vertrauenswürdig" eine zwischenmenschliche Basis wirklich ist.

Du hast geschrieben, ein Mann wär z.B. ähnlich "offenherzig" gewesen, habe sich später jedoch von dir verabschiedet usw. usf. Nehme ich hier mal deinen Eingangspost als "Erklärungshilfe" hinzu, könnte ich mir vorstellen, dass er sich -trotz Offenherzigkeit- erschlagen gefühlt haben könnte. Warum, weil er ggf. aus seiner Perspektive lange nicht deinen Perfektionismus errreicht zu haben glaubt. Sprich: er hat auch schlechte Erfahrungen gemacht, ist selbstreflektiert hierüber, fühlt sich aber nicht im besten Lager damit (bei ehrlicher Betrachtung) und folglich auch nicht auf "Augenhöhe" mit dir.

Schlimme Dinge hinter sich gelassen zu haben, bedeutet m.E.n. eben gerade nicht, selbst "verhärtet" dem Leben gegenüber zu treten und vom Gegenüber nach möglichst vielen "Garantien" einzufordern, um bloß nicht nochmal auf die "Nase" fallen zu können.

Bleib möglichst selbst offen und positiv dem Leben gegenüber, dann wird dir gleiches begegnen.
 
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Reactions: Aladin

luckilucki

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  • #22
Stolz bin ich auf dass ich trotz meines bisher nicht positiven Lebenslauf: Mit 11 sexuell belästigt, mit 16 nochmals, mit 21 vergewaltigt, Mobbing, Demütigungen, Schlägen, gewürgt, beklaut... Es geschafft habe, zu lachen, mit wenig glücklich zu sein. Zum ersten Mal in meinem Leben - mittlerweile doch 46 - zu leben, ohne zu funktionieren.
Jetzt ist mir aber auch bewusst, dass 35 Jahre nicht einfach zu streichen sind und es auch immer mal Rückwürfe geben kann. Was kann/soll ich von meiner Vergangenheit preisgeben, um mir nicht den Weg ganz zu verbauen?
Durch eine Therapie bin ich ziemlich gefestigt, möchte dennoch auch nicht verschweigen, dass es nicht immer einfach sein kann. Es passiert mir vor allem, wenn Gewalt im Fernsehen gezeigt wird, dass ich zusammenzucke. Gegen konstruktive Kritik habe ich hingegen gar nichts bzw trete ich schon sehr selbstbewusst auf.

Du willst unsere Meinung wissen. Dann sage ich sie dir und hoffe, dass ich von den Furien hier keinen Shitstorm ernten werde. (Allerdings lese ich das auch nicht.)

Ich würde jemandem wie dir aus dem Weg gehen, weil ich deine Probleme nicht in meinem Leben haben möchte. Ich würde davon ausgehen, dass du zutiefst psychisch, unterbewusst und emotional kaputt gemacht worden bist. Die Kraft habe ich nicht, hier den Psychologen zu spielen.

Daneben würde ich mit der Zeit - je mehr ich dich liebe - Wut und Hass auf diejenigen aufbauen, die dir das angetan haben und dann dein Leid übernehmen. Ich weiss, dass mich das zerstören würde, weil ich weiss, dass ich sehr empfindsam bin.

Bitte nicht böse sein. Du wolltest wissen, andere Menschen denken.
 
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Porcia72

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  • #23
Wieso sollte ich böse sein? Genau deshalb denke ich, dass es vermutlich doch wichtig ist, von Anfang an es zu erwähnen, dann kann der Mann selbst entscheiden ob er sich das zutraut. Kann jedoch mit Stolz behaupten, dass ich psychisch und emotional recht stabil bin.
 
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SeTi

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  • #24
Ich würde jemandem wie dir aus dem Weg gehen, weil ich deine Probleme nicht in meinem Leben haben möchte. Ich würde davon ausgehen, dass du zutiefst psychisch, unterbewusst und emotional kaputt gemacht worden bist. Die Kraft habe ich nicht, hier den Psychologen zu spielen.

jeder Mensch hat Probleme!
Und genau deswegen geht sie auch zum Psychologen, damit der Partner und ihr Umfeld damit nicht konfrontiert werden.
Die Frage die sich mir hier stellt ist doch jede, warum Menschen die den Mut haben, zu ihren Problemen zu stehen, gleich gebrandmarkt und stigmatisiert werden. Sollte hier nicht zumindest versucht werden jeden so zu nehmen wie er/sie nun mal ist, mit all seinen Stärken und Schwächen?

Natürlich steht es dir hier auch zu, deine eigene Meinung zu haben und dementsprechend auch zu handeln. Meine Antwort ist im Allgemeinen zu verstehen, da es ich leider so empfinde, dass Menschen mit einem schwierigen Hintergrund es eher schwer haben bei der Partnersuche, anstatt den Menschen zu sehen.

lg
SeTi
 
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  • #25
jeder Mensch hat Probleme!
Und genau deswegen geht sie auch zum Psychologen, damit der Partner und ihr Umfeld damit nicht konfrontiert werden.
Die Frage die sich mir hier stellt ist doch jede, warum Menschen die den Mut haben, zu ihren Problemen zu stehen, gleich gebrandmarkt und stigmatisiert werden. Sollte hier nicht zumindest versucht werden jeden so zu nehmen wie er/sie nun mal ist, mit all seinen Stärken und Schwächen?

Natürlich steht es dir hier auch zu, deine eigene Meinung zu haben und dementsprechend auch zu handeln. Meine Antwort ist im Allgemeinen zu verstehen, da es ich leider so empfinde, dass Menschen mit einem schwierigen Hintergrund es eher schwer haben bei der Partnersuche, anstatt den Menschen zu sehen.

lg
SeTi
Vielfach steht heute noch zu sehr das Scheitern (im allerweitesten Sinne!) im Fokus, nicht die Haltung, die man dazu hat. Steht man wieder auf oder bleibt man liegen und jammert (also dauerhaft, über einen angemessenen Zeitraum hinaus, um seine Wunden zu lecken und zu heilen).

Ich gebe zu, wenn jemand nicht einmal versucht, wieder aufzustehen - tu ich mich sehr schwer mit diesem Menschen. Eine solche Haltung macht mich sogar agressiv.

Aber jemanden sofort ausschließen, weil er/sie "Lebenserfahrung" hat - wie dumm wäre das denn.
 
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  • #26
Und genau deswegen geht sie auch zum Psychologen, damit der Partner und ihr Umfeld damit nicht konfrontiert werden.

Nun geht es in diesem Thread nicht um „normale“ Lebenserfahrungen, sondern um eine Reihe schwerster Traumata, die @Porcia72 angetan wurden. Dass sie, nach entsprechender Therapie, offen damit umgehen kann und sich gefestigt genug für das Abenteuer Parship fühlt ist bewundernswert und spricht für eine Menge innerer Stärke.

Dennoch wird das, was ihr widerfahren ist Spuren in ihr hinterlassen haben. So wie körperliche Verletzungen Narben und mitunter auch körperliche Einschränkungen zur Folge haben so schleppen wir auch unsere seelischen Narben und die Folgen wirklich schwerer seelischer Verletzungen ein Leben lang mit uns herum. Bei der Vorgeschichte, die @Porcia72 hier geschildert hat wird sich ein Partner bewusst und aktiv mit all dem auseinandersetzen müssen. Es reicht nicht zu glauben, dass der seelische Ballast schon irgendwie beim Psychologen bleiben wird, er wird immer wieder auch Teil der Beziehung sein müssen, damit diese dauerhaft funktioniert. Das muss man für sich ganz bewusst so annehmen (wollen) und lernen damit umzugehen.

Ich kann gut nachvollziehen, dass jemand, hier @luckilucki, für sich entscheidet, dass das nicht die Art von Beziehung ist die er führen mag. Zum einen muss man mitunter, ich hab’s schon geschrieben, für sich selbst Mechanismen entwickelt, die einen vor eigenen Verletzungen schützen, das kann (und will!) sicher nicht jeder. Und man muss, wie von @luckilucki angedeutet, lernen mit der eigenen Ohnmacht und Wut auf die, die da Verantwortung tragen klarzukommen. Nicht selten sind die, die da Teile der Verantwortung tragen, beispielsweise die Eltern, noch immer Teil des Umfelds und nicht selten scheinen Verhaltensmuster und Charakterzüge, die mitursächlich für das was der Partnerin angetan wurde waren nach wie vor durch. Damit angemessen umzugehen, damit auf eine Art klarzukommen, die der Partnerin hilft oder sie zumindest nicht zusätzlich belastet und einen zugleich nicht in ein eigenes, tiefes Loch zieht, ist alles andere als einfach.

Das für sich klar zu haben, zu wissen, dass man, was mögliche Traumata einer Partnerin angeht eine „rote Linie“ hat die man nicht überschreiten kann oder will, ist etwas gänzlich anderes als die Suche nach der perfekten Traumprinzessin ohne jeden Makel, ohne jede Schwäche. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es nicht nur den Partner schützt, sondern auch die Partnerin, denn der ist mit einem blauäugig-naiven Umgang mit ihrer Vorgeschichte am allerwenigsten geholfen.
 
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  • #27
jeder Mensch hat Probleme!
Und genau deswegen geht sie auch zum Psychologen, damit der Partner und ihr Umfeld damit nicht konfrontiert werden.
Die Frage die sich mir hier stellt ist doch jede, warum Menschen die den Mut haben, zu ihren Problemen zu stehen, gleich gebrandmarkt und stigmatisiert werden. Sollte hier nicht zumindest versucht werden jeden so zu nehmen wie er/sie nun mal ist, mit all seinen Stärken und Schwächen?

Natürlich steht es dir hier auch zu, deine eigene Meinung zu haben und dementsprechend auch zu handeln. Meine Antwort ist im Allgemeinen zu verstehen, da es ich leider so empfinde, dass Menschen mit einem schwierigen Hintergrund es eher schwer haben bei der Partnersuche, anstatt den Menschen zu sehen.

lg
SeTi
Um so höher ist es zu bewerten, wenn jemand - hier @luckilucki - für sich eine klare Entscheidung getroffen hat und dazu steht.
 
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  • #28
@Traumichnich
Keiner kritisiert hier luckilucki. Ein Jeder oder Jede hat ein Recht auf seine eigene Meinung und auch das Recht dazu zu stehen.

@himbeermond
Das unterschreibe ich. Solange es die Option des Aufstehens und weitermachen gibt, sollte die auch genutzt werden.

@Sine Nomine
Erster Absatz … dem stimme ich zu, so wie er da steht.
Dennoch habe ich mit deinem weiteren Text so meine Probleme, …

Das jedes Trauma Spuren hinterlässt ist unbestritten. Dir Frage ist aber, wie gehe ich damit um als Betroffener. Nehme ich das Trauma an und versuche es zu verarbeiten, lässt sich damit ganz gut leben. Akzeptanz, Selbstwert und Mut sind hier ein paar Worte, die mir sofort einfallen. Ich bin mir sicher, dass Porcia72 die Mechanismen alle sehr gut kennt, die zur Verarbeitung von Traumata beisteuern, Das hier dann zu erläutern wäre kontraproduktiv und anmaßend.

Es ist ganz was anderes einem Menschen zu begegnen, der ein Traumata verarbeitet hat, als jemanden, der noch den großen Leidensdruck hat, den ein oder mehrere Traumata mit sich bringen. Nicht zwingend sind diese dann auch noch relevant für ein glücklich sein. Allerdings ist der Irrglaube dann doch sehr übergriffig zu behaupten, man stehe im Bann eines solchen Geschehens. Keiner der ein Trauma be oder verarbeitet hat, denkt 24/7 daran, sondern ist im besten Falle bereit es als solches zu akzeptieren, dass es eben nicht ok war und eben vorbei ist. Zudem gibt es viele Hilfsmittel, die jemanden, der in die Hochspannung kommt, wieder davon zu befreien und die kennt jeder der Trauma Patienten, zumindest hier in Österreich.
Zudem ist es nicht an dir, Wut und Ohnmacht zu fühlen, nur um empathisch für deinen Partner zu sein. Ich denke ist wäre sehr viel hilfreicher hier Mitgefühl zu zeigen, als den starken Mann zu mimen.
Die Wut, der Ärger der sich in einem Menschen aufbauen, gehören genau dahin wo sie sind, zu dem Menschen, der das Recht hat auf Wut und Zorn. Keineswegs sollte jemand sich auf den Weg der Solidarität begeben, wenn nicht das selbe erlebt worden ist, da die Empfindungen zum Zeitpunkt des Erlebens eben auch dort hingehören. Es liegt leider auch an der betroffenen Person, diese zu bearbeiten und in ein nicht bedrohliches Gefühl zu wandeln.

Ob diese Thema dann ein Teil der Partnerschaft werden soll, das obliegt nur Porcia72 allein. Ich würde aber davon abraten es zu sehr zum Thema zu machen. Dadurch würde der Vergangenheit viel zu viel Macht gegeben und ein glücklicher Blick auf die Zukunft wohl die Berechtigung genommen.

lg
SeTi
 
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  • #29
Dennoch habe ich mit deinem weiteren Text so meine Probleme, …

Ich denke unser Dissens liegt im Wesentlichen in der Frage, ob man derartige Traumata wie die die hier angedeutet wurden so verarbeiten kann, dass sie mehr oder minder vollständig aus dem eigenen Leben verschwinden oder nicht.
Meine Erfahrung ist die, dass man sie gut verarbeiten kann, dass man, wie Du schon richtig festgehalten hast, ganz sicher nicht 24/7 davon bestimmt wird. Sie sind aber nie "weg". Selbst wenn sie gut verarbeitet sind kann ein kleiner Trigger, ein Geruch, eine Melodie, ein Geräusch, irgendwas, sie unverhofft wieder in den Vordergrund holen und, zumindest für einen Augenblick, eine Reaktion hervorrufen, die den Partner ganz milde formuliert vor Herausforderungen stellen kann. Im Rahmen einer Therapie kann man vielleicht lernen mit solchen Triggern so umzugehen, dass sie einen nicht mehr komplett aus der Bahn werfen, "abschalten" kann man sie aber ganz oft nicht.
 
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  • #30
Sie sollten ja auch nicht verschwinden, es sollte im besten Fall gelernt werden damit um zu gehen … in welcher Weise dann auch immer hängt doch sehr von den persönlichen Strategien ab, die einem dafür gut tun.
Ein jeder der gut Therapiert ist, merkt spätestens wenn es in die Hochspannung geht, dass sich etwas regt in seinem inneren, und dann sollten im besten Fall auch schon die Skills greifen um erst gar nicht in die Spannung zu kommen. Von daher lässt es sich dann auch sehr gut leben mit den persönlichen Dämonen, ohne gleich den Partner vor unlösbaren Aufgaben zu stellen.

Ich glaube sehr viele Menschen sollten mal von dem Bild abkommen, dass jemand der ein Trauma erlebt hat, das auch Therapiert hat, von jetzt auf gleich in eine Dysfunktionalität abdriftet. Meist sind gerade die Personen, die den Mut und die Ausdauer haben eine Psychotherapie zu machen, sehr viel reflektierter als viele andere. Zumindest erlebe ich das tagtäglich im sozialen Kontakt.

lg
SeTi
 
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