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  • #32
Gar nicht so einfach... Ich fürchte, es wird nicht einfacher, wenn man älter wird (also, eigentlich wurde ich gestern erst geboren ;-) ). Man hat andere Ansprüche und weiß, was man sehr gern wieder erfahren möchte und was auf keinen Fall...
Aber ja, wir arbeiten an unserer Beziehung und an uns :)

Wir haben sieben minus zwei Zwerge zusammen, wobei einige Zwerge schon Riesen sind. Sie haben den Verlust eines Elternteils miterlebt. Auch für sie ist es nicht einfach. Sie brauchen sehr viel Zeit, dann unsere anspruchsvollen Jobs... Wir sind aber eine optimistische Truppe, wollen unser Leben genießen, nachdem wir sehr nah spüren mussten, dass es endlich ist. Zeitmanagement ist dabei unheimlich wichtig und manche Dinge sind es einfach auch nicht wert Zeit zu verschwenden... Das mußte ich lernen ;-)
Die Umschreibung mit „gestern erst geboren“ finde ich sympathisch und irgendwie trefflich. Dann ist alles neu und muss entdeckt werden. Die Grundeinstellung dahinter ist eine sehr gute Basis. Noch mal alles auf Anfang setzen und sich ein Stück weit wieder fühlen wie mit Anfang 20. Neue Wege finden und alt bewährtes beibehalten.

Und ja, das Leben ist endlich. Achtsamkeit findet im Hier und Jetzt statt. Weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft. Achtsamkeit bedeutet, jeden Moment bewusst zu erleben. Die Momente mit dem Partner bzw. der Partnerin und den Kindern und der Familie. Aber auch die Momente, welche Stress-Situationen beinhalten, Kraft kosten und Energie.
Sich neu zu fokussieren und die „Zeit“ als Faktor im Leben anzuerkennen, ist die halbe Miete auf dem Weg zur inneren Zufriedenheit.
 
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  • #33
Die Umschreibung mit „gestern erst geboren“ finde ich sympathisch und irgendwie trefflich.
Das ist einem Lied entlehnt :)

Darin heißt es auch: "Ich muss mich jetzt nicht finden, darf mich nur nicht verlier'n." Beziehung bedeutet doch auch aufeinander zugehen. Dabei nicht zu früh die Kurve zu nehmen oder sich selbst aufzugeben, das ist die Herausforderung.

Achtsamkeit ist ein gutes Stichwort. Ich fange gerade an mich damit zu beschäftigen. Hast du dich damit schon intensiver auseinander gesetzt?
 
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  • #34
Das ist einem Lied entlehnt :)

Darin heißt es auch: "Ich muss mich jetzt nicht finden, darf mich nur nicht verlier'n." Beziehung bedeutet doch auch aufeinander zugehen. Dabei nicht zu früh die Kurve zu nehmen oder sich selbst aufzugeben, das ist die Herausforderung.
Ja, die richtige Balance finden zwischen dem "Wir" und dem "Ich" ist nicht immer einfach. In der Theorie schon. Aber nicht immer funktioniert dies 1:1 in der Umsetzung. Wahrscheinlich unterliegt es einer Dynamik. Manchmal kümmert man sich sehr stark um den anderen, manchmal mehr um sich selbst. Wie eine Art Sinus-Kurve - nur dass die Wellen nicht zu deutlich ausschlagen sollten. Die "Wir-Einheit" darf nicht zum Panzer gegen das Außen werden und die "Ich-Einheit" darf sich nicht abkapseln. Bei letzterem spricht man wohl von "aneinander vorbei leben".

Achtsamkeit ist ein gutes Stichwort. Ich fange gerade an mich damit zu beschäftigen. Hast du dich damit schon intensiver auseinander gesetzt?
Ich hatte mal die Idee, ob Meditiation eventuell etwas für mich ist. Am morgen so 20 Minuten ungefähr. Habe mich dann mal damit beschäftigt. Bin aber eher weniger spirituel ausgerichtet und habe das auch nie in die Tat umgesetzt. Beim Recherchieren stößt man da schnell auf die Begrifflichkeit der "Achtsamkeit".
Ich habe es so für mich interpretiert, dass man jeden Moment bewusst erleben sollte. Beispielsweise die "Weg-Zeit" zur Arbeit. Ob wir mit dem Auto uns durch die rush-hour quälen müssen, durch die stickige überfüllte U-Bahn oder uns per Rad durch den Straßenverkehr wurschteln, manche oder vielleicht sogar viele? empfinden dies als "verlorene Zeit". Dabei ist das "nur" Gedankengut - dass man umändern kann. Wenn jemand 8h arbeitet und 2h Weg-Zeit hat und 1h Mittagspause - kann dieser jemand dann denken "ganze 10h bin ich täglich mit der Arbeit beschäftigt" - weil die Mittagspause wird ja auch auf der Arbeit verbracht und der Weg hin - und zurück - der wird auch größzügig mit "angerechnet". Achtsamkeit bedeutet daher für mich auch, dass man sich die "verlorene Lebenszeit" zurück holt. Der Weg zur Arbeit zur Freude wird oder sogar zelebriert wird. Die Mittagspause auch wieder als "Pause" verstanden wird, in der die Arbeit ruhen muss. Es können auch kleinere "Zeiteinheiten" sein, die man sich "zurück holt", z.B. das Warten auf den Bus. Und alltägliche Haushaltsarbeiten, ob nun das Geschirrspülen oder das Lüften und Bettaufschlagen, werden bewusst verrichtet. Man gibt den Handlungen, die man nicht so gerne macht oder irgendwie als Pflicht ansieht eine positive Konnotation, indem man seine Sinne einschaltet und alle Momente bewusst erlebt. Sich "in Ruhe" mit etwas zu beschäftigen, ohne Hast und Ungeduld.
Es gibt von Michael Ende die Geschichte "Momo" (die ja viele auch kennen), wo es um die Grauen Herren geht, welche für die "Zeit-Sparkasse" arbeiten und den Menschen ihre Zeit rauben, ohne dass diese es bemerken. Die Menschen werden immer geschäftiger. Haben weniger Zeit für Familie und Freunde. Und die werden immer ungeduldiger und haben viel Stress. Für mich ist das nicht nur eine wunderbare Geschichte für Kinder, sondern sie zeigt auch die Achillesferse der Gesellschaft deutlich auf. Nicht umsonst gibt es inzwischen solche Begrifflichkeiten wie "Work-Life-Balance".
Also Achtsamkeit bedeutet für mich im Hier und Jetzt leben - sich die "verlorene Zeit" (z.B. Zeit die man zwischen Tür und Angel verbringt) aktiv zurückzuholen, aber auch sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen. Der Hektik im Alltag keinen Nährboden zu geben, auch mal "Nein" zu sagen und sich bewusst Zeit nehmen für Dinge, die einem gut tun :)

Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann. Der eine ist Gestern, der andere Morgen. Dies bedeutet, dass heute der richtige Tag zum Lieben und zum Leben ist.
Dalai Lama

Edit: Falls die Kinder noch im passenden Alter sind, kann ich "Momo" als Geschichte nur empfehlen. Ob als Buch oder Hörspiel. Ich hatte 3 Kassetten damals und hab die Geschichte öfter gehört. Später als Jugendliche habe ich dann das Buch auch noch mal gelesen. Der Inhalt verliert irgendwie nicht an Brisanz und Aktualität.
Als Beispiel: Die "grauen Herren" bieten Momo eine Puppe an, die ganz viele Funktionen hat und sogar sprechen kann. Versuchen sie davon zu überzeugen, dass es nichts besseres gibt, als sich mit dieser Puppe zu beschäftigen. Doch Momo lehnt das Geschenk ab, mit der Begründung, dass sie lieber mit ihren Freunden spielen und sprechen möchte, statt der sprechenden Puppe zuzuhören, die immer wieder die selben Phrasen von sich gibt. Und wie viele sitzen heute gemeinsam vorm Tv und hören anderen beim Sprechen zu, statt sich zu unterhalten? Wieviele hängen permanent am Smartphone - obwohl sie eigentlich Zeit zusammen verbringen wollten?
 
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  • #35
Achtsamkeit bedeutet für mich im Hier und Jetzt leben - sich die "verlorene Zeit" (z.B. Zeit die man zwischen Tür und Angel verbringt) aktiv zurückzuholen, aber auch sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen. Der Hektik im Alltag keinen Nährboden zu geben, auch mal "Nein" zu sagen und sich bewusst Zeit nehmen für Dinge, die einem gut tun
Ja, da stimme ich dir zu. Aber für mich gehört da auch noch unbedingt dazu, Momente wahrzunehmen, sich über Kleinigkeiten zu freuen.
Das fällt mir seit der Trennung vom Ex immer leichter, bzw. ich sehe seitdem viel mehr, an dem ich mich freuen kann. Hört sich vielleicht blöd an, aber ich lächle mehr: über alberne Kinder, ein altes Ehepaar das Händchen hält, ein Schmetterling der sich "zu mir gesellt", ein schönes gemeinsames Essen mit meinen Kindern usw.
Nein, ich renne nicht mit einem Dauergrinsen durch die Gegend, aber ich bin "achtsamer" auf die kleinen Dinge geworden. Natürlich ärgere ich mich auch noch über so manches, aber vieles ist mir so egal geworden.

Und das ist einfach so passiert. Ich musste mich damit nicht näher auseinandersetzen, beschäftigen oder lang darüber philosophieren. Ich nenne es einfach: das Leben leben, offen und optimistisch sein, sich über das zu freuen was man hat, wer man ist.
Ich habe mir vor Monaten vorgenommen, jeden Tag jemandem ein Lächeln zu schenken, sei es, jemand der mir auf der Straße mit einem mürrischen Gesicht entgegen kommt, der Kassiererin, oder sonst wem. Es ist unglaublich, was man da erlebt (positiv). Ich finde, es sind oft die kleinen Dinge im Leben, die manchmal ganz viel ausmachen. Man muss sich nur darauf besinnen.:rolleyes:
 
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  • #36
Ja, da stimme ich dir zu. Aber für mich gehört da auch noch unbedingt dazu, Momente wahrzunehmen, sich über Kleinigkeiten zu freuen.
Das fällt mir seit der Trennung vom Ex immer leichter, bzw. ich sehe seitdem viel mehr, an dem ich mich freuen kann. Hört sich vielleicht blöd ab, aber ich lächle mehr: über alberne Kinder, ein altes Ehepaar das Händchen hält, ein Schmetterling der sich "zu mir gesellt", ein schönes gemeinsames Essen mit meinen Kindern usw.
Nein, ich renne nicht mit einem Dauergrinsen durch die Gegend, aber ich bin "achtsamer" auf die kleinen Dinge geworden. Natürlich ärgere ich mich auch noch über so manches, aber vieles ist mir so egal geworden.

Und das ist einfach so passiert. Ich musste mich damit nicht näher auseinandersetzen, beschäftigen oder lang darüber philosophieren. Ich nenne es einfach: das Leben leben, offen und optimistisch sein, sich über das zu freuen was man hat, wer man ist.
Ich habe mir vor Monaten vorgenommen, jeden Tag jemandem ein Lächeln zu schenken, sei es, jemand der mir auf der Straße mit einem mürrischen Gesicht entgegen kommt, der Kassiererin, oder sonst wem. Es ist unglaublich, was man da erlebt (positiv). Ich finde es sind oft die kleinen Dinge im Leben, die manchmal ganz viel ausmachen. Man muss dich nur darauf besinnen.:rolleyes:
Natürlich gehört das auch dazu :)
Das Thema ist sehr weitläufig. Da könnte man ganze Bücher drüber schreiben. Wahrscheinlich gibt es auch unzählige Ratgeber dazu ;)

Interessant finde ich, dass du schreibst, dass nach der Trennung bei dir die Wahrnehmung und Freude an den kleinen Dingen zurückgekommen ist. Ich hatte nach meiner damaligen Trennung das ähnlich empfunden. Mein Beispiel des "negativen Denkens" (das mit den 10h auf der Arbeit) kommt nicht von ungefähr, sondern stammt dirket von meinem Ex :D Er hatte jede Menge "Zeitfresser" in seinem Leben, hat sich permenent über die Arbeit beschwert und konnte sich auch an den kleinen Dingen nicht erfeuen. Mich wundert daher nicht, dass ich nach der Trennung viel unbeschwerter und glücklicher durchs Leben gegangen bin. Sowas färbt nämlich auf Dauer ab. Deswegen lasse ich nur noch Menschen in mein Leben, die ein gutes, positives Lebensgefühl haben.
 
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  • #37
@Julianna
Michael Endes Momo ist eine tolle Idee. Zumindest mein kleiner Mitbewohner hat bestimmt Spaß daran und ist im passenden Alter.

Das Thema Achtsamkeit habe ich ähnlich wie du verstanden - eine bewusstere Wahrnehmung der eigenen Person und der Umwelt.
Allerdings waren meine Arbeitswege schon immer sehr produktiv :) Da fallen mir so oft Lösungen ein oder eine neue Idee überrumpelt mich :)

Wenn du dir Menschen mit einem positiven Lebensgefühl in deinem Leben wünscht, kann ich das nur verstehen. Darauf achte ich auch.

@Fraunette
Deine Strategie einfach Leute, die dir begegnen, anzustrahlen, probiere ich auch immer wieder aus und habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Die meisten Menschen lächeln freundlich zurück. Manche schauen auch verwundert, aber das amüsiert mich dann eher.

Eine Krise ist auch immer eine Chance (im positiven Sinne) zu wachsen, habe ich gelernt. Ich hatte auch gescheiterte Beziehungen, will auch keinen der Herren zurück, aber da sind immer auch Dinge, die ich durch meine Ex-Partner gelernt habe und dich mich weiter gebracht haben.
 
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  • #38
Eine Krise ist auch immer eine Chance (im positiven Sinne) zu wachsen, habe ich gelernt. Ich hatte auch gescheiterte Beziehungen, will auch keinen der Herren zurück, aber da sind immer auch Dinge, die ich durch meine Ex-Partner gelernt habe und dich mich weiter gebracht haben.
Ja, das ist wohl war. Es ist aber auch ein - streckenweise - hartes Stück Arbeit Ich bin diesen Weg jetzt das erste Mal gegangen und muss sagen, dass ich tatsächlich sehr viel über mich, meine Beziehung zu meinem Ex gelernt habe und habe auch teilweise verstanden, warum ich und wie ich in manchen Situationen reagiere oder reagiert habe. Die Erkenntnisse, oder der Weg dahin, war nicht immer leicht, aber es hat sich gelohnt.
Man sieht nach so einer Erfahrung einiges viel klarer.
Aber das Beste ist, dass ich so viele Dinge niemals gemacht hätte, wenn ich immer noch mit meinem Ex zusammen wäre. Dafür bin ich unendlich dankbar.
Und ich freue mich auf das Gefühl sich zu verlieben. Auf die Schmetterlinge, die Aufregung und alles was dazu gehört. Ob das nun in einer Woche, in einem Monat oder in einem Jahr passiert, ist nicht so wichtig. Ich bin aber voller Zuversicht, dass es passieren wird. Auf PS baue ich da nicht mehr so sehr, glaube, dass ich im RL mehr Chancen habe.
Ich bin gespannt, was mich noch alles erwartet. :):rolleyes:
 
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