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  • #61
Das letzte Hemd hat keine Taschen...
 
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  • #63
Oh, pardon: "kannste...."
 
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  • #64
Das gilt für Erlebnisse und Erfahrungen genauso. Und dennoch wollen die Leute sie mitnehmen.
Eigentlich ist es ja sogar eher so, daß Materielles bleibt und Ideelles verschwindet.
Die Versuchung ist offenbar stark, auf die Frage nach dem, was man braucht, mit Erwägungen darüber zu antworten, was bleibt. Gegenwart ist vielleicht schwer auszuhalten.
 
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  • #65
Zitat von IMHO:
Eines Tages fällt dir auf, dass du 99% davon nicht brauchst.
Du nimmst all den Ballast und schmeisst ihn weg,
Denn es reist sich besser, sooo viel besser - mit leichtem Gepäck.
Was wäre das zum Beispiel, diese 99%? Bücher? Kleidung? Essen? Bürostuhl und Schreibtisch?
 
P

Philippa

  • #66
Zitat von Heike:
Eigentlich ist es ja sogar eher so, daß Materielles bleibt und Ideelles verschwindet.
Das müsste vielleicht noch etwas differenziert werden. Wenn ich zum Beispiel Vertrauen in jemanden habe, ihm dieses schenke, dann ist das Potenzial, dass dieses Vertrauen bleibt oder sogar wächst, wesentlich grösser, als wenn ich ihm statt meines Vertrauens eine Schachtel Pralinen schenke.

Zitat von Heike:
Die Versuchung ist offenbar stark, auf die Frage nach dem, was man braucht, mit Erwägungen darüber zu antworten, was bleibt. Gegenwart ist vielleicht schwer auszuhalten.
Das ist eine interessante Beobachtung.
 
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  • #68
Zitat von Philippa:
Das müsste vielleicht noch etwas differenziert werden. Wenn ich zum Beispiel Vertrauen in jemanden habe, ihm dieses schenke, dann ist das Potenzial, dass dieses Vertrauen bleibt oder sogar wächst, wesentlich grösser, als wenn ich ihm statt meines Vertrauens eine Schachtel Pralinen schenke.
Ja, aber wenn beide sterben, nehmen sie das Vertrauen auch nicht mit.
Und daß wir Pralinen mehr respektieren, finde ich auf jeden Fall ein gutes Anliegen. Sie nicht zu instrumentalisieren als Genußvehikel. Und auch nicht weil sie besonders intelligent wären. Sondern einfach, weil sie Pralinen sind.

Hier gehts ja ohnehin ständig ums Haben. Gefühle haben. Partnerschaft haben. Selbstwertgefühl haben. Und was man wann und wie investiert solle, um diesbezüglich den größten Gewinn abzuschöpfen. Voll das Investmentforum. Ich find Kapitalismus und Konsum ja weniger problematisch, wenn er sich auf Produkte bezieht, die hingegen klar Warencharakter haben. Da atmen sie zumindest Ehrlichkeit.
 
M

Marlene

  • #69
Gedanken überleben auch, in der Überlieferung. Und so manch alte Pralinenschachtel kann auch Geschichten erzählen.....
 
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  • #70
Zitat von Marlene:
Und so manch alte Pralinenschachtel kann auch Geschichten erzählen.....
Ich muss doch sehr bitten.

***

Der Materie haftet das Ideelle anheim. Ohne das Ideelle kann sie nicht existieren. Das meiste braucht man aber meistens nicht. Das stimmt. Man ist genügsam. Inmitten der Fülle genügsam.
 
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  • #71
Zitat von Marlene:
Gedanken überleben auch, in der Überlieferung. Und so manch alte Pralinenschachtel kann auch Geschichten erzählen.....
so wie diese hier von Ephraim Kishon

Alles ist eine Frage der Organisation. Deshalb bewahren wir in einem zweckmäßig nach Fächern eingeteilten Kasten unbrauchbare Geschenke zur künftigen Wiederverwendung auf. Wann immer so ein Geschenk kommt,
und es kommt oft, wird es registriert, klassifiziert und eingeordnet. Babysachen kommen automatisch in ein Extrafach, Bücher von größerem Format als 20x25cm werden in der „Bar-Mizwah“-Abteilung1 abgelegt. Vasen und talmisilberne Platten unter „Hochzeit“, besonders scheußliche Aschenbecher unter „Neue Wohnung“, und so weiter.
Eines Tages ist Purim, das Fest der Geschenke, plötzlich wieder da, und dann geschieht folgendes:
Es läutet an der Tür. Draußen steht Benzion Ziegler mit seiner Bonbonniere unterm Arm. Benzion Ziegler tritt ein, schenkt uns die Bonbonniere zum Purin. Sie ist in Zellophanpapier verpackt. Auf dem Decke sieht man eine betörend schöne Jungfrau, umringt von allegorischen Figuren in Technicolor. Wir sind tiefgerührt, und Benzion Ziegler schmunzelt selbstgefällig.
So weit, so gut. Die Bonbonniere war uns hochwillkommen, denn Bonbonnieren sind sehr verwendbare Geschenke. Sie eignen sich für vielerlei Anlässe, für den Unabhängigkeitstag so gut wie für silberne Hochzeiten. Wir legten sie sofort in die Abteilung „Diverser Pofel“.
Aber das Schicksal wollte es anders. Mit einem Mal befiel uns beide, meine Frau und mich, ein unwiderstehliches Verlangen nach Schokolade, das nur durch Schokolade zu befriedigen war. Zitternd vor Gier rissen wir die Zellophanhülle von der Bonbonniere, öffneten die Schachtel - und prallten zurück. Die Schachtel enthielt ein paar bräunliche Kieselsteine, mit leichtem Moosbelag.
„Ein Rekord“, sagte meine Gattin tonlos. „Die älteste Schokolade, die wir jemals gesehen haben“
Mit einem Wutschrei stürzten wir uns auf Benzion Ziegler und schüttelten ihn so lange, bis er uns bleich und beben gestand, daß er die Bonbonniere voriges Jahr von einem Freund geschenkt bekommen hatte. Wir riefen den guten Freund an und zogen ihn derb zur Verantwortung. Der gute Freund begann zu stottern: „Bonbonniere... Bonbonniere... ach ja. Ein Geschenk von Ingenieur Glück, aus Freude über den israelischen Sieg an der Sinaifront...“ Wir forschten weiter. Ingenieur Glück hatte die Schachtel vor vier Jahren von seiner Schwägerin bekommen, als ihm Zwillinge geboren wurden. Die Schwägerin erinnerte ihrerseits sich noch ganz deutlich an den Namen des Spenders: Goldstein, - 1953. Goldstein hatte sie von Glaser bekommen, Glaser von Steiner, und Steiner - man glaubt es nicht - von meiner guten Tante Ilka, 1950. Ich wußte sofort Bescheid: Tante Ilka hatte damals ihre neue Wohnung eingeweiht, und da das betreffende Fach unseres Geschenkekastens gerade leer war, mußten wir blutenden Herzens die Bonbonniere opfern. Jetzt hielten wir die historische Schachtel wieder in den Händen. Ein Gefühl der Ehrfurcht durchrieselte uns. Was hatte diese Bonbonniere nicht alles erlebt! Geburtstagsfeiern, Siegesfeiern, Grundsteinlegungen, neue Wohnungen, Zwillinge... wahrhaftig ein Stück Geschichte, diese Bonbonniere.
Hiermit gegen wir der Öffentlichkeit bekannt, daß die Geschenkbonbonniere des Staates Israel aus dem Verkehr gezogen ist. Irgend jemand wird eine neue kaufen müssen.
 
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  • #72
Gute Frage, sehr gute Frage

Zeit und Gesundheit. Aber der nächste Nachbar des Glückes ist das Unglück. Also die Dinge liegen da manchmal sehr beieinander. Deshalb stellt sich m.M nach die Frage, was man zu Zufriedenheit benötigt. Das ist auch schwierig ...
 
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  • #73
Zitat von Dr. Bean:
Also was meint ihr, was braucht ihr um glücklich zu sein?
Ob man Materielles anhäufen muss um glücklich zu sein, ist für mich eher fragwürdig. Sich an Dinge zu halten, macht irgendwie keinen Sinn. Ich hab mal gelesen, ein durchschnittliches Gehalt von 2500 brutto sorgt für sehr hohe Zufriedenheit. Solange man die Miete zahlen kann, Energiekosten und andere Fixkosten damit begleichen kann und hinzu noch genug um den Haushalt in Schuss zu halten und um sich gut zu ernähren, braucht es im Prinzip nicht viel.

Ich lebe in Wien, also in einer Stadt mit einer ausgezeichneten Infrastruktur. Ich habe kein Auto und fahre viel mit den Öffis. Nur wenn ich weiter weg muss, fahr ich mit meiner Assistentin (sie hat das Auto).

Man kann im Prinzip mit wenig Geld durchaus gut leben. Aber Glück ist etwas anderes und das kann man sich mit Geld nicht kaufen. Menschen, denen man vertraut und die einen lieben. Eine Familie, die sich auch um einen sorgt und kümmert, wenn man es selbst nicht kann. Einer Arbeit nachgehen kann, die mehr als nur ein Job ist. Sich stetig weiter zu entwickeln - zB Sprachen lernen, Hobbys nachgehen, reisen, sich kulturell weiterbildet. Sich aber auch sozial und politisch zu engagieren - wir alle brauchen Ziele und wir allen wollen irgendwie gebraucht werden.

Ich glaube, das wirkliche Glück ist, wenn man noch nicht fertig ist, sich Ziele zu setzen und diese auch zu erreichen. Immer wieder über sich hinauswachsen zu wollen ... Das ist für mich mein Glück.

Alexandra
 
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  • #74
@ AlexBijou - guter Beitrag, dem ich mich voll anschließen kann.

Ansonsten kommt es sicher immer auf die Perspektive an, aus der man diese Frage betrachtet. Vieles relativiert sich. Ein Mensch, der bspw. an einer unheilbaren Krankheit leidet, verschwendet sicher keinen Gedanken an seine coole Musikanlage, sondern empfindet eher ein Glücksgefühl darüber, Musik überhaupt noch hören zu können oder freut sich über einen wundervollen Sonnenaufgang.

Aus heutiger Sicht würde man wohl sagen, ich sei in Armut aufgewachsen. Aber es ging nicht nur mir so, und ich habe es auch nicht so empfunden. Ich habe nicht das Gefühl etwas 'entbehrt zu haben', aber ich habe gelernt, daß ich im Leben nicht alles bekommen kann, was ich mir vielleicht wünschen würde. Eine ganz wichtige Lektion.

Ich bin mir sehr bewußt darüber, daß ich heute ein privilegiertes Leben führe und viele Dinge tun 'darf', die in mir ein Glücksgefühl auslösen. Es sind kleine Momente, aber ich nehme sie wahr, und alle zusammen genommen machen das 'Glück' aus.
 
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