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Dr. Bean

  • #1

Was braucht man materiell, um glücklich zu sein?

Habe gerade pure Langeweile und mal ein bißchen nachgedacht. Inspiriert von diesem Spiegelartikel (http://www.spiegel.de/wirtschaft/so...l-weniger-als-noch-ihre-eltern-a-1129831.html), der den 1980 geborenen etwa 20% weniger Verdienst im Durchschnitt zu rechnet, als ihren Eltern. Und der das Reinvermögen der Millenials auf etwa 56% geringer als bei den BabyBoomern beziffert, habe ich mal überlegt was braucht man denn eigentlich zum Leben?

Nach dem ich mal bei einer Ex ausgezogen war und meine Habe mitgenommen habe, die dann eigentlich nur aus Fitness-Geräten sowie Home-Entertainment System bestand, habe ich mal den Selbstversuch gestartet: nach drei Jahren kann ich nun Bilanz ziehen. Es kam noch eine Kochnische dazu, eine Waschmaschine, ein Sessel und Bett. Und ein Kleiderschrank. Aber das wars dann auch.

Vor ein paar Wochen sprach ich über die selbe Frage mal mit einem älteren weisen Mann, der viel herumgekommen ist in der Welt und erzählte ihm auch von meiner Trennung. Da sagte er mir: when a guy leaves his girlfriend, he takes his cowboy boots and leaves. Das fand ich witzig und weise.

Also was meint ihr, was braucht ihr um glücklich zu sein?
 
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  • #2
Gesundheit - und die Liebe meines Lebens.
Der Rest findet sich.
 
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Philippa

  • #3
Ich weiss nicht, ob ich das alles brauche, aber es hilft, damit es mir gut geht:

- einen Ort, wo ich mich wohlfühle und mich für mich allein zurückziehen kann, wo ich auch mal Dinge rumliegen oder Kalkflecken entstehen lassen darf (aktuell bin ich mit meiner 2-Zimmer-Wohnung diesbezüglich sehr zufrieden)
- ein Bett mit Decke und Kissen, das Platz für zwei hat
- einen Kochherd und Gerätschaften und Geschirr, die es zu einfachem Kochen und Essen braucht, und ein Badezimmer, wo es ein Klo hat und man zumindest Hände waschen und Duschen kann, inkl. Handtücher und Hygieneartikel sowie Kosmetika-Basics (dies könnte allenfalls alles auch mit anderen geteilt werden)
- Zugang zu einer Waschmaschine
- einen Tisch, an dem es neben mir auch für 1-4 Gäste Platz hat, und natürlich die entsprechende Anzahl Stühle (ev. auch in einem Gemeinschaftsraum)
- Raum für Bücher und DVDs (z.B. in Form von einem oder mehreren Regalen) sowie natürlich deren Inhalt
- meinen Laptop, mit Lautsprecher, um Musik zu hören, und einem alten Tintenstrahl-Drucker in schwarz
- ein Kleiderschrank (inkl. Kleider) und etwas Stauraum für allerlei Dinge wie Bürokram und Geschenkpapier
- eine gemütliche Ecke für zwei Personen (zwei Sessel oder ein Sofa, ev. ein Teppich)
- ein paar Pflanzen und eine Giesskanne
- schöne oder interessante Bilder an den Wänden
- ein simples Radio und ein Wecker
- ein Festnetztelefon und ein uraltes Nokia-Handy
- sinnvolle Beleuchtung, damit meine Augen nicht noch kaputter werden
- Reinigungsmaterial und einen Abfalleimer
- meine teure schwarze Bree-Umhängetasche, in die sogar ganz knapp etwas im A4-Format reinpasst
- diverse Schuhe
- was ich allenfalls noch vergessen habe (???)

PS: Es würde mich interessieren, ob jemand da noch Abstriche machen würde und wenn ja bei was.
 
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  • #4
Ich bin manchmal erstaunt, wenn ich bei uns in der Stadt durch die Fußgängerzone laufe, was sich Leute für nen Kram zulegen. Ich weiß noch, als ich die Profilfragen für Parship ausgefüllt habe, als die Frage nach den 2 Dingen kam, auf die ich nicht verzichten kann. Da hatte ich richtig Probleme das zu beantworten. Auf was kann ich denn nicht verzichten?

Ich brauche ein Bett zum schlafen, Kleidung, Pflegeprodukte (Zahnpasta, Seife etc.) und Nahrung. Auf alles andere könnte ich theoretisch verzichten. Ich konsumiere auch sehr wenig. Ich möchte nicht, dass sich bei mir zu Hause zu viele unnötige Sachen ansammeln. Ein Beispiel: Habe mir vor ein paar Jahren mal eine Flugdrohne zugelegt. Hat ein paar mal Spaß gemacht, damit rumzufliegen, aber danach war der Reiz weg. Hab sie ein paar Jahre nicht benutzt, mittlerweile ist sie auch kaputt gegangen. Das hat mir gezeigt: Ich kann sinnvollere Sachen mit meinem Geld machen, als in Kram zu investieren. Zum Beispiel Urlaubserlebnisse, von denen hat man ewig was. Viel Kram kauf ich mir nicht mehr. Was brauche ich den größten UHD-Flachbildfernseher in 4K und drölfhundert Zoll Bildschirmdiagonale? Dadurch wird das Fernsehprogramm auch nicht besser. Eine Designer-Couch? Auf der kann ich auch nicht mehr als sitzen. Einen supertollen schnellen Sportwagen? Der bringt mich auch nur von A nach B.

Da ich nicht viel Kram kaufe, kann ich viel von meinem Geld anlegen. Hauptsächlich in Aktien und ETFs. Schon komisch. Ich setze darauf, dass die Masse in Kram investiert, damit es "meinen" Unternehmen und somit mir gutgeht. Obwohl ich es selber gar nicht mache und von dem Geld reisen kann und möglicherweise auch bald für Geld nicht mehr arbeiten muss. Wenn sich manche meiner Mitmenschen über Altersarmut Sorgen machen sitze ich nur schulterzuckend daneben.

Liebe Leute, konsumiert mal schön weiter. Aber dann nicht neidisch sein und euch darüber aufregen, warum "die Reichen immer reicher werden"...
 
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Philippa

  • #5
@Saibot: Wozu willst du denn reich sein/werden, wenn dir materielle Dinge nichts sagen?!
 
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Dr. Bean

  • #6
Zitat von Saibot:
Ich bin manchmal erstaunt, wenn ich bei uns in der Stadt durch die Fußgängerzone laufe, was sich Leute für nen Kram zulegen. Ich weiß noch, als ich die Profilfragen für Parship ausgefüllt habe, als die Frage nach den 2 Dingen kam, auf die ich nicht verzichten kann. Da hatte ich richtig Probleme das zu beantworten. Auf was kann ich denn nicht verzichten?

Ich brauche ein Bett zum schlafen, Kleidung, Pflegeprodukte (Zahnpasta, Seife etc.) und Nahrung. Auf alles andere könnte ich theoretisch verzichten. Ich konsumiere auch sehr wenig. Ich möchte nicht, dass sich bei mir zu Hause zu viele unnötige Sachen ansammeln. Ein Beispiel: Habe mir vor ein paar Jahren mal eine Flugdrohne zugelegt. Hat ein paar mal Spaß gemacht, damit rumzufliegen, aber danach war der Reiz weg. Hab sie ein paar Jahre nicht benutzt, mittlerweile ist sie auch kaputt gegangen. Das hat mir gezeigt: Ich kann sinnvollere Sachen mit meinem Geld machen, als in Kram zu investieren. Zum Beispiel Urlaubserlebnisse, von denen hat man ewig was. Viel Kram kauf ich mir nicht mehr. Was brauche ich den größten UHD-Flachbildfernseher in 4K und drölfhundert Zoll Bildschirmdiagonale? Dadurch wird das Fernsehprogramm auch nicht besser. Eine Designer-Couch? Auf der kann ich auch nicht mehr als sitzen. Einen supertollen schnellen Sportwagen? Der bringt mich auch nur von A nach B.

Da ich nicht viel Kram kaufe, kann ich viel von meinem Geld anlegen. Hauptsächlich in Aktien und ETFs. Schon komisch. Ich setze darauf, dass die Masse in Kram investiert, damit es "meinen" Unternehmen und somit mir gutgeht. Obwohl ich es selber gar nicht mache und von dem Geld reisen kann und möglicherweise auch bald für Geld nicht mehr arbeiten muss. Wenn sich manche meiner Mitmenschen über Altersarmut Sorgen machen sitze ich nur schulterzuckend daneben.

Liebe Leute, konsumiert mal schön weiter. Aber dann nicht neidisch sein und euch darüber aufregen, warum "die Reichen immer reicher werden"...
Das finde ich ist eine gute Einstellung. Ich frag mich was mal mit unserer Wirtschaft passiert, wenn der ganze Konsum mal aufhört. Ich kann mir vorstellen, dass unsere Generation Potential dafür hat. Aber ich vermute auch, dass für unsere Generation im Moment vielleicht auch einfach zu viele langweilige produkte auf dem Markt sind. Irgendwann kriegt der Konsum uns auch wieder; vielleicht nicht uns Beide aber die Generation.
Wo ich dich gerade an der Strippe hab, kannst du dir mal "ADVA Optical Networking SE" anschauen? Soll ich halten? Bin bei 7,30 € drin seit November.
 
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Philippa

  • #7
Kerzenständer und Blumenvasen sind auch noch da... Die Stimmung ist ja wichtig.

Und wie konnte ich den Kühlschrank vergessen? Vielleicht wegen der aktuellen Temperaturen...
 
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  • #8
Zitat von Philippa:
@Saibot: Wozu willst du denn reich sein/werden, wenn dir materielle Dinge nichts sagen?!
Ich reise gerne und bekomme dadurch Eindrücke/Erlebnisse. Außerdem bedeutet Reichtum eine gewisse Freiheit. Frei zu sein von Zwängen, irgendetwas machen zu müssen. Und ein sorgenfreieres Leben. Ich arbeite nicht hart für mein Geld. Ist bei mir umgekehrt: Mein Geld muss hart für mich arbeiten...
 
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Philippa

  • #9
Zitat von Saibot:
Ich reise gerne und bekomme dadurch Eindrücke/Erlebnisse.
Wenn du zu Fuss reisen und ab und zu einen kleinen Job annehmen würdest, hättest du bestimmt die interessanteren Eindrücke/Erlebnisse.

Zitat von Saibot:
Ich arbeite nicht hart für mein Geld. Ist bei mir umgekehrt: Mein Geld muss hart für mich arbeiten...
Du meinst: Andere Leute arbeiten hart für dich. :-(
 
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  • #10
Zitat von Dr. Bean:
Wo ich dich gerade an der Strippe hab, kannst du dir mal "ADVA Optical Networking SE" anschauen? Soll ich halten? Bin bei 7,30 € drin seit November.
ADVA Optical ist schon ein ganz interessantes Unternehmen. Habe auch ne kleine Position in meinem Depot. Was mich persönlich immer etwas stört ist, wenn ein Unternehmen keine Dividende ausschüttet. Im TecDax gibt es ziemlich viele interessante Unternehmen. Daher würde ich eher einen TecDax-ETF empfehlen...

Generell geb ich gerne einen allgemeinen Tipp: Ich verkaufe meine Aktien nicht. Beispiel Siemens: Die hab ich mir vor 20 Jahren als Jugendlicher gekauft und einfach liegengelassen. Dazwischen gab es auch zwei richtig große Krisen, das Platzen der Dotcom-Blase 2000/2001 und die Immobilienkrise 2008/2009. Der Kurs ist mir gar nicht so wichtig. Die Siemens-Aktie hat zum Beispiel ne gefühlte Ewigkeit gebraucht um über 100€€ im Kurs zu steigen. Aber die Dividende wurde in jedem Jahr erhöht. Gestern lag in meinem Briefkasten mal wieder die Einladung zur Siemens-Hauptversammlung. Da freu ich mich immer, auch wenn ich selbst noch nie auf irgendeiner HV von einem Unternehmen war. Denn am Tag nach der HV wird die Dividende auf mein Konto überwiesen. Bei Siemens werden das am 2. Februar 3,60€ sein, so viel wie noch nie. Im Verhältnis zu meinem Kaufkurs liegt die Dividendenrendite für die Siemens-Aktie bei mir mittlerweile bei ca. 15% (!!!). Das ist der Zauber von Buy and Hold. Ich kann mit Siemens auch kein Minus mehr machen, selbst wenn das Unternehmen in 6 Monaten pleite geht (und wer glaubt bitteschön daran?). Summiert hat mir Siemens schon mehr Dividende gezahlt, als ich für die Aktien damals bezahlt hab. Mich interessieren Aktien-Kurse gar nicht so sehr. Dividenden und Ausschüttungen sind mir viel wichtiger...;)
 
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  • #11
Tja, brauchen. Und auch noch dazu, um glücklich zu sein. Oder doch nur zum Leben?
Was ist mit dem genannten Papier, also das kam vorher in deiner Aufzählung nicht vor. Brauchst du es, oder das entsprechende Geld, das beim Verkauf rausspringt?
Also nett ists schon, das eine oder andere zu haben.

Ich sehe übrigens nicht, daß der Konsum von Erlebnissen irgendwie doller sein sollte als der Konsum von Dingen. Wobei das sowieso eine falsche Gegenüberstellung wäre. Wer ein schnelles Auto kauft, der kauft sich eben unter anderem bestimmte GEschwindigkeitserlebnisse. Oder das Erlebnis offener Münder usw.
Aber ein besseres Image haben vermutlich oft Erlebnisse, die weniger durch teure Dinge vermittelt werden. Gegenüber den Dingen ist man ja ohnehin skeptisch. Die sind ja so anders als man selbst. So fremd. Und mit der hier allseits großen Hochwertung des Innerlichen und der damit verbundenen Abwertung des Äußeren, erfährt halt alles Fremde eine Abwertung, insbesondere die Dinge. Wie auch die Natur. Die darf nicht fremd sein, sondern muß gescheit sein, damit man sie respektieren kann.
Ich glaub, die meisten Likes bekäme hier ein Beitrag, in dem jemand schriebe, er bräuchte nur Luft und Liebe zum Leben. Oder: nur sich selbst, und vielleicht noch einen geliebten Menschen. Wobei das Brauchen von anderen Menschen hier ja auch nicht hoch im Kurs steht. Also einfach: zum Glücke brauche ich nur den Blick in den Spiegel. Oder so.
 
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  • #13
Zitat von Dr. Bean:
Das finde ich ist eine gute Einstellung. Ich frag mich was mal mit unserer Wirtschaft passiert, wenn der ganze Konsum mal aufhört. Ich kann mir vorstellen, dass unsere Generation Potential dafür hat. Aber ich vermute auch, dass für unsere Generation im Moment vielleicht auch einfach zu viele langweilige produkte auf dem Markt sind. Irgendwann kriegt der Konsum uns auch wieder; vielleicht nicht uns Beide aber die Generation.
Und zum Thema Konsum durch die Masse: Mach dir mal keine Sorgen. Der hört so schnell nicht auf. Falls du daran zweifelst, dann setz dich mal an einem Samstag in einem Einkaufszentrum in ein Café und beobachte ein bißchen die Leute. Viele Einkaufstüten schleppend in größter Eile den nächsten "Schnäppchen" nachjagend. Bloß weil es ein paar "Verrückte" wie uns beide gibt (natürlich nur in den Augen anderer), die dem dauerhaften Konsum abgeschworen haben, weil wir eben nicht jedes mal das Neueste vom Neuesten brauchen. Die Masse denkt da ganz anders drüber. Da muss es doch immer das neueste Smartphone-Modell oder angesagte Klamotten, neue Deko für die Wohnung, neue Möbel und alle paar Jahre ein neues Auto sein (und am besten alles mit tollen Konsum-Krediten finanzieren). Schon etwas komisch, wenn dann gerade diese Leute sich wundern warum sie so wenig Geld haben...
 
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  • #14
Zitat von Dr. Bean:
Also was meint ihr, was braucht ihr um glücklich zu sein?
Habe gerade Langeweile, da krank und zu Hause.

Ich war sehr froh, als ich jahrelang AE-Mutter war, durch meine beidens Jobs materiell so abgesichert zu sein, dass ich als AE-Mutter einen bescheidenen Lebenstandard hatte und seit dem mein Kind ausgezogen ist, auch noch habe. Letztens war ich mit meinem erwachsenen Kind (noch in Ausbildung) für dessen neue Wohnung einkaufen, die erste Wohnung ist doch so wichtig. Da ich mit Geld gut umgehen kann, mein Kind hat das geerbt .-), brauchte ich nicht auf den Cent zu achten. Das ist für mich Luxus pur.

Grundlegende Dinge und das was uns wichtig ist und war, konnten wir uns immer "kaufen". Ich danke meinem Freund da oben, dass ich mir auch nie Sorgen machen musste, ob ich die nächste Klassenfahrt oder mir sofort eine neue Waschmaschine kaufen kann, wenn die Alte gerade gestorben ist.

Mit Demut bin ich sehr froh und glücklich, dass mein Kind ebenso bescheiden lebt, den Konsumwahn nie mitgemacht hatm auch als Teenie nicht. Im Gegenteil, shoppen gehen nervt uns nur. Manchmal muss ich doch in die nächst große Einkaufsstrasse bei mir. Ich bin auch immer wieder erstaunt, woher die Leute die Zeit und das Geld haben, stundenlang einzukaufen. Haben die nix anders zu tu?

Ansonsten ist mein Motto: Lieber wenig und dafür gut. Von Lebensmittel bis Schuhe, Taschen und was Frau sonst noch so braucht.
 
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Philippa

  • #15
Zitat von Heike:
Wie auch die Natur. Die darf nicht fremd sein, sondern muß gescheit sein, damit man sie respektieren kann.
Danke fürs implizite Kompliment! Da erröte ich ja fast... LOL

Zitat von Heike:
Wobei das Brauchen von anderen Menschen hier ja auch nicht hoch im Kurs steht.
Redest du von dir? Hattest du nicht kürzlich darüber gelästert, dass - wenn man einen Partner möchte, der einem gut tut - dies eine Instrumentalisierung des Partners sei?