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  • #1

Was bedeutet Abgrenzung?

Und warum ist das (angeblich) so wichtig?
 
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  • #2
In welchem Bezug zu was?
 
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  • #3
Meinst du, sich emotional abzugrenzen? Also meiner Erfahrung nach, sollte man sich abgrenzen, wenn die Gefahr besteht, dass man als emotionaler Mülleimer benutzt wird. Oder jemand missbraucht meine Gefühle zum eigenen Vorteil uä.


Eine Grenze ziehen Menschen immer dann, wenn sie sich angegriffen fühlen. Für manche Menschen kann auch Liebe Angriff bedeuten...
 
M

Marlene

  • #4
Abgrenzung passiert immer auch dann, wenn irgend etwas ZU VIEL ist oder wird. Man muss nicht unbedingt das Gefühl eines Angriffes haben, es passiert auch dann, wenn das Thema zu einseitig wird, raumerfüllend ist und einem die Kraft wegnimmt. Das ist dann zwar auch Selbstschutz, aber aus dem Motiv heraus, nicht aufgesogen zu werden, permanent damit beschäftigt zu sein, sondern durch Anderes, Eigenes wieder Kraft zu bekommen.
 
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  • #5
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  • #6
Paradebeispiel : Du gibst Dich in einer Beziehung quasi auf, ordnest Deine eigenen Interessen Wünsche und Ziele stets denen Deiner Partnerin unter. Dann fehlt sie. Abgrenzung bedeutet auch, Du selbst zu bleiben und sich nicht zu verbiegen.

Der Witz besteht IMVHO darin, daß beide sich eben nicht zu Gunsten des Gegenübers aufgeben, ihre Identität und Persönlichkeit bewahren und gemeinsam daraus etwas Neues schaffen.

@ Marlene : Das, was Du da beschreibst, scheint mir eher in Richtung "übergriffig" zu gehen ... ?!?
 
P

Philippa

  • #7
Ich grenze mich immer dann ab, wenn ich nein sage zu etwas, was ein anderer Mensch von mir will.
 
M

Marlene

  • #8
@ Marlene : Das, was Du da beschreibst, scheint mir eher in Richtung "übergriffig" zu gehen ... ?!?
Vielleicht. Dann halt "übergriffig ohne Absicht".:) Und man lässt es ja auch zu, merkt es nicht, ist bereit, zu teilen, vielleicht auch zu unterstützen, ist offen usw. und irgendwann kippt es um, wird zu viel. Kann auch ein Wesenszug sein.
Und dann kommt halt die Abgrenzung.
 
P

Philippa

  • #10
Das ist eine Definition. Mit der ich durchaus was anfangen kann.

Jetzt müßte ich nur noch wissen, wieviel Abgrenzung denn "richtig" ist... Vor allem, welches Maß an Abgrenzung von mir erwartet wird. Sehr schwierig, scheint's mir.
Es gibt meines Erachtens nicht ein allgemeingültig richtiges Mass an Abgrenzung. Ich glaube, wenn du dir darüber den Kopf zerbrichst, dann denkst du in die falsche Richtung. Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass es darum geht, was andere von einem bezüglich Abgrenzung erwarten. Das richtige Mass an Abgrenzung ist das, was sich für dich als gut anfühlt. Dabei geht es wohl einerseits darum, zu spüren, was du brauchst, damit es dir (und dann auch den dir nahen Menschen) gut geht. Dies gilt sowohl an Dingen, Aktivitäten und Raum für dich selbst wie auch an Anteilnahme und Anteilgabe (ich habe letzteres Wort gerade erfunden, weil mir kein passendes einfiel) am und ans Leben der anderen Menschen. Andererseits geht es auch darum zu lernen, wie man sich abgrenzen kann, ohne andere zu verletzen.
Es geht meines Erachtens nicht um eine "allgemeingültige Ethik" sondern um ein stetiges Kennenlernen von sich selbst, davon, was man mag und braucht und davon wieviel man geben kann und sollte, damit man in gutem Austausch und interessant und angenehm für die anderen bleibt/wird. Gutes Abgrenzen braucht Erfahrung. Es ist aber auch normal, dass einem das nicht immer so gelingt, wie man es (im Nachhinein) möchte. Manchmal merkt man, dass man seine eigenen Grenzen mal wieder nicht genügend geschützt hat, mal merkt man, dass man sich im falschen Moment zu stark abgegrenzt und damit jemanden verletzt hat oder zumindest damit nicht hilfreich war.
Dass es nicht einfach ist, ist aber normal. Man braucht nicht ängstlich auf dieses Thema zuzugehen, sondern darf es vielleicht als spannendes Feld sehen, um zu lernen, ein Feld, in dem man auch mal experimentieren darf. Damit, was man selbst braucht, aber es kann auch ein Lernfeld sein, was ein Partner braucht.
 
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  • #11
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Hafensänger

  • #12
Na ja, Abgrenzung war ja mal mein Thema. Wenn ich das reduziere, dann findet Abgrenzung statt, wenn man mit äußeren, auf sich selbst wirkenden Einflüsssen nicht ausreichend klar kommt und sich davor schützen zu müssen glaubt.
Ich glaubte auch einen statthaften Grund zu haben, mir war die Welt zu laut, zu grob. Natürlich war das nicht aus der Rationalität sondern meinem Erleben entstanden. Wenn man sich dann abgrenzt, dann hat das allerdings weitere Folgen, es beeinträchtigt den Umgang mit anderen Menschen. Mir war relativ schnell klar, dass ich "laut und grob", das was ich als tagtägliche Verletzung empfand, zulassen muss. Irgendwann stellte ich fest, dass viele der empfundenen Verletzungen keine sind, allermeist Missverständnisse.

Man mag das für sich als ein notwendiges Austarieren notwendigen Schutzes erachten, Für mich ist es das nicht. Es hat die eindeutige Tendenz Abgrenzung gegen Null zu entwickeln. Für mich ist Nichtabgrenzung laufendes Thema. Was ich für mich als abgrenzungswürdig empfinde, hat seine Ursache allermeist darin, damit nicht umgehen zu können, es nicht zu verstehen. Wobei das "damit Umgehen können" wichtiger ist als das "Verstehen". Wie auch immer, inzwischen lebe ich Nichtabgrenzen relativ locker, weil es mir nichts schlimmeres beschert als mögliche Verletzungsgefühle. Und die sind idR. in meiner Verständnislosigkeit begründet. Das kann ich zulassen und wichtiger auch wirken lassen. Oft löst es sich dann noch auf. Falls es sich doch zum Problem auswächst, stehen mir mir meine "Mechanismen" der Abgrenzung immer noch vollständig zur Verfügung. Die verlernt man nicht, ich brauche sie halt kaum mehr.
Das hängt sicher auch vom Umfeld ab, es mag welche geben, da ist das Nichtabgrenzen, das offen bleiben wegen des möglichen, zu häufigen Missbrauchs zu schwer. Das habe ich auch schon erlebt, trotzdem halte ich es für die Ausnahme und ich habe in der Summe ein sehr positives Menschenbild - akzeptierend, dass jeder glaubt sich subjektiv irgendwie als Besonderheit abgrenzen und andere als durchschnittlich betrachten zu müssen. Ich muss das nicht, denn ich bin Teil des Mainstreams und fühle mich in dieser Vielfalt außerordentlich wohl. Das war nicht immer so.
 
P

Philippa

  • #13
@Hafensänger
Das, was du schreibst, finde ich sehr interessant.

Wenn ich dich richtig verstehe, dann beziehst du dich auf Abgrenzung gegen Themen, die von aussen auf dich zukommen. Ist das richtig so?
Ich glaube, es gibt einen Unterschied, ob man sich von Dingen abgrenzt, mit denen es vielleicht gut wäre, sich auseinanderzusetzen (und das sind wohl viele Themen, die sich "laut" aufdrängen!), oder ob ich mich abgrenze von Dingen, gegen die ich zwar nicht unbedingt etwas habe, aber die einfach im Moment zu viel sind. Ich habe, als ich an meinem Beitrag #10 geschrieben habe, eher an Solches gedacht: z.B. Freundinnen, die mit mir abmachen wollen, wenn ich eigentlich ganz dringend einen friedlichen Spaziergang für mich ganz allein im Wald brauche, um zur Ruhe zu kommen, wenn sonst schon viel zu viel läuft bei mir; oder der Vorschlag meines Partners, ins Kino zu gehen, wenn ich einfach zu müde bin. Ich grenze mich dann nicht gegen ein Thema ab oder etwas, das mir gesagt wird, sondern es geht eher darum, meine Grenzen als Mensch mit limitierter Energie und einem Bedürfnis an Ruhe und Zeit für einsame Reflexion wahrzunehmen und zu schützen. Gerade auch mit dem Ziel, im Austausch und in der Auseinandersetzung mit den Menschen um mich herum offen und interessiert bleiben zu können, auch bei ungewohnten Themen oder Wünschen, statt mich zu verschliessen oder gar in Widerstand zu gehen.
 
H

Hafensänger

  • #14
Wenn ich dich richtig verstehe, dann beziehst du dich auf Abgrenzung gegen Themen, die von aussen auf dich zukommen. Ist das richtig so?
Ja. *

Ich glaube, es gibt einen Unterschied, ob man sich von Dingen abgrenzt, mit denen es vielleicht gut wäre, sich auseinanderzusetzen (und das sind wohl viele Themen, die sich "laut" aufdrängen!), oder ob ich mich abgrenze von Dingen, gegen die ich zwar nicht unbedingt etwas habe, aber die einfach im Moment zu viel sind.
Wenn ich einen äußeren Einfluss, sei es der Vorschlag ins Kino zu gehen, verneine, dann ist das Kommunikation, keine Abgrenzung. Ich bleibe weiter offen. Abgrenzung bezieht sich auf den Fall, wenn ich (angenommenen) Schaden vermeiden will. Ich schütze mich, bin nicht mehr offen.

An eine mögliche Innere Abgrenzung habe ich gar nicht gedacht, aber du hast Recht. Zu meiner Entlastung würde ich anführen wollen, dass ich nicht zwischen äußerer und innerer Abgrenzung unterscheide. Kann natürlich sein, dass ich eine innere Abgrenzung nicht bemerke, die machte sich aber irgendwie indirekt, unangenehm bemerkbar.
Ich bin für mich schon sicher, dass eine geringere äußere Abgrenzung eine ebenso geringe innere Abgrenzung nach sich zieht. Es ist mir spontan ein interessanter Gedanke ob überhaupt erst äußere Abgrenzung die innere Abgrenzung ermöglicht.

* Mein Gedanke ist vor allem dieser: Wir sind jeder für uns ein Mikrokosmos und ein Austausch mit anderen läuft nur über eine sowieso bestenfalls ausreichende Wahrnehmung, kommunikation. Grenze ich mich zusätzlich ab - im Sinne des Schutzes vor (angenommenem) Schaden und verschließe mich - dann beeinträchtige ich auch die Kommunikation mit anderen. Die ist nicht mehr offen sondern belastet von unseren Vorstellungen, die wir uns hinter unserer Abgrenzung mit eingeschränkter Wahrnehmung und Kommunikation ausdenken.
Gleich wie ich das durchdenke, Kommunikation steht und fällt mit der Offenheit. So offen wie möglich, so oft wie möglich. Das führt umgekehrt dazu mit anderen sorgsamer umzugehen.
Inkauf zu nehmender Schaden wäre ein emotionaler, physischer und materieller. Das ist sicher abhängig von der Umgebung, aber nach meinem Eindruck wird das oft überbewertet. Man kann sich darauf einlassen, erkennt das als halb so wild und erweitert seine Offenheit. Und je offener man ist desto mehr nimmt man am Leben teil.
 
P

Philippa

  • #15
@Hafensänger
Ich glaube, jetzt hast du mich falsch verstanden. Meine Betonung lag nicht auf dem "von aussen", sondern auf "Themen".

Wenn ich einen äußeren Einfluss, sei es der Vorschlag ins Kino zu gehen, verneine, dann ist das Kommunikation, keine Abgrenzung. Ich bleibe weiter offen. Abgrenzung bezieht sich auf den Fall, wenn ich (angenommenen) Schaden vermeiden will. Ich schütze mich, bin nicht mehr offen.
Für mich ist es durchaus - eine schwierig zu lernende Abgrenzung (und nicht einfach Kommunikation!) - nein zu sagen, wenn jemand mit mir abmachen will; nein zu sagen, wenn von mir gewünscht wird, dass ich in irgendeiner Fachgruppe mitmache, dass ich innert wenigen Tagen einen Artikel schreibe oder dass ich irgendwo ein Referat halte. Es ist für mich sogar Abgrenzung zu sagen, ja, ich mache das, aber nur unter gewissen Bedingungen, z.B. gegen Entgelt. Ich sage ja in all diesen Fällen nicht nein, weil ich es nicht gerne machen würde, sondern, damit ich nicht Stress und schlaflose Nächte bekomme. Ich grenze mich ab, um meine Gesundheit und meine Ausgeglichenheit zu schützen. Also auch, um Schaden zu vermeiden.