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Deleted member 20013

  • #16
Aber es kommt ja doch raus. Und wer ein Vorurteil hat, wird es bei der kleinsten Unstimmigkeit ggf. bestätigt sehen. So einen würde ich dann gar nicht wollen. Ja, manche Dialekte sind schier unterträglich....


Und wenn er dann gezielter nachfragt oder denkt, Du willst ihm was verheimlichen? Ne, immer raus mit der Wahrheit. Muss er durch oder er ist durch :p
Nein, es kommt ja eben nichts raus, in dem von mir beschriebenen Fall, in dem lediglich ein Vorurteil wach gerüttelt wird, ohne das dies tatsächlich auch eine Entsprechung in der Realität hat.
 
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Deleted member 20811

  • #18
Hallo Serafine,

das Thema ist etwas schwierig, weil in meinen Augen tabuisiert, denn die Wende ist doch schon so lange her und die Wiedervereinigung doch schon ach so lange im Gange.

Und davon abgesehen wird man sich in der Auseinandersetzung damit fast unweigerlich in unangemessenen Pauschalisierungen ergehen.

Jedoch, finde ich, nur weil die Mauer gefallen ist und gewisse Strukturen des Westens auf die des Ostens übergestülpt wurden, verändert sich nicht von heute auf morgen die Mentalität der Menschen, die über 40 Jahre in recht fundamental unterschiedlichen Wertesystemen herangewachsen sind und darin gelebt haben. Auch Menschen wie ich, die zur Zeit der Wende noch junge Teenager oder Kinder waren, haben nicht von heute auf morgen ihre Ost-Eltern/Leher/Nachbarn durch West-Eltern/Lehrer/Nachbarn ersetzt bekommen, sondern haben vermutlich in den meisten Fällen genau so wie vorher weiter gelebt (es sei denn sie waren enormen Repressalien ausgesetzt. Mit den alltäglichen kleine Repressalien [die aber auch schon Lebensgeschichten umgeschrieben haben] hat man vermutlich eher umzugehen gelernt und sie Stückweise akzeptiert.), nur dass sie dann auch große Urlaube hätten machen können und die Bilder davon bunt gewesen wären - wenn sie es sich denn noch hätten leisten können.

Ich (Ostgewächs, seit 12 Jahren im "Westen"), kann völlig übergeneralisierend sagen, dass mir die West-Männer zu weinerlich, verweichlicht und mimosenhaft sind (Weicheier halt, um es mal auf den Punkt zu bringen). Die West-Frauen erscheinen mir als feingliedriger (nicht körperlich, sondern mental), unselbstständiger und stärker in alten Rollenklischees (Paradebeispiel: Frau bleibt mit den Kindern daheim.) behaftet.
Folglich wäre die stereotype West-Frau eher eine geeignete Partie für den stereotypen West-Mann (in meinem Kopf).

Der Umkehrschluss zieht dann möglicherweise für den Eindruck der West-Männer von den Ost-Frauen.
Ich kann mir vorstellen, dass das worauf sich die Freundin bezog, damit zu tun hat, dass die Ost-Damen ihren Mund, in den Augen der West-Männer, zu häufig undamenhaft aufreißen (mehr Kraftausdrücke verwenden? Sehr direkt sind.), selbstständiger und selbstgenügsamer und dazu dann auch noch freizügiger sind und freimütiger über Sexualität denken und sprechen.
In diesem Sinne, kann ich mich der Freundin anschließen, dass der stereotype West-Mann eher früher, als später, das Weite suchen wird, wenn er etwas ernsthaftes mit einer stereotypen Ost-Frau anfängt. Für casual dating (oder kumpelhaften Gaudi) mag sie aber vielleicht vorzuziehen sein.

Aber zusammenfassend kann das so nicht stehen gelassen bleiben, weil es doch mehr auf die einzelnen Personen ankommt.
Aber Interkulturelle Beziehungen (was Ost-West ja eigentlich nicht so richtig wirklich ist, aber irgendwie dann doch schon wieder, v.a. in Kreisen ü25 [oder ü30, oder so]) sind schon nochmal eine zusätzliche Herausforderung zu den eh schon bestehenden möglichen Komplikationen und Missverständnissen in einer Beziehung(sanbahnung).
Ich finde deinen Beitrag klasse! Er ist differnziert, begründet sich auf eigene Erfahrungen und beantwortet vor allem die Fragestellung. Für mich ist das auch nachvollziehbar. Natürlich gab es in den unterschiedlichen Republiken mit ihren sehr verschiedenenen Rahmenbedingungen Entwicklungen, die auseinander liefen. Allein schon der Umstand, dass Kirche und Religion eine sehr unterschiedliche Rolle gespielt haben, dürfte ja in Fragen von Beziehungen und Sexualität größere Auswirkungen haben.
Meine Beobachtung ist auch die, dass Menschen aus dem Osten in vielen Dingen (im Schnitt) auf mich etwas moderner, aufgeklärter und weniger verkrampft wirken. Das gilt übrigens noch mehr, wenn ich ins Baltikum oder nach Skandinavien blicke.
Wenn jemand gleich davonläuft, wenn er die Herkunft von Menschen erfährt, dann entspringt das freilich Vorurteilen, und die sind ja dann nicht diskussionswürdig.
 
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  • #19
Meine Herkunft verleugnen, nur um dem Mann zu gefallen, der einen grundlegenden Teil meines Ich`s nicht mag, das kommt für mich nicht in Frage.
Wenn er ein Problem damit hat, dann darf er gerne seiner Wege ziehen. Dennoch ärgert es mich schon sehr. Und diese "oh Gott, eine aus dem Osten"- Phobie finde ich bei einem Maurer genauso wie bei Akademikern.
 
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Deleted member 20013

  • #23
Meine Herkunft verleugnen, nur um dem Mann zu gefallen, der einen grundlegenden Teil meines Ich`s nicht mag, das kommt für mich nicht in Frage.
Wenn er ein Problem damit hat, dann darf er gerne seiner Wege ziehen. Dennoch ärgert es mich schon sehr. Und diese "oh Gott, eine aus dem Osten"- Phobie finde ich bei einem Maurer genauso wie bei Akademikern.
Was ist denn deine Hypothese, was dieses "Oh Gott" auslöst?
Du sagt ja, dass "ein grundlegender Teil deines Ich's nicht gemocht" wird. Wie kannst du denn aber davon ausgehen, wenn du gar keine Vorstellung davon hast, worin die "Oh Gott"s begründet liegen?
Zumindest bei mir ist das reine Label "Ossi" kein grundlegender Teil meines Ich's. Einige Vorurteile sicher schon (z.B. Freizügigkeit), andere (z.B. Dialekt) wiederum nicht. Folglich, kann ich gar nicht sagen, ob ein zentraler Teil meines Ich's abgelehnt wird, wenn ich gar nicht weiß, worauf sich die Ablehnung begründet.
Wenn ich also wegen meiner freizügigen Einstellung abgelehnt werde, dann passt das in deine Argumentationsschiene und die ganze Angelegenheit kann natürlich nichts werden und eine Beziehungsanbahnung zu forcieren wäre Schwachsinn. Wenn ich aber wegen des (vermuteten) Dialekts abgelehnt werde, dann ist das jedoch kein Hinderungsgrund.
Ich denke, dass die Pauschalisierung "Da sagt einer 'Oh Gott, Ossi!' und folglich lehnt er meine Grundfeste ab" für völlig überzogen.

Auch würde es mich noch immer interessieren, wann ungefähr im Kennenlernprozess dir das entgegenschlägt.
 
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  • #25
Mir gefällt Sächsisch echt besser. ;)

Aber am besten natürlich Schwiizerdütsch. :D:D
 
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  • #26
Auch würde es mich noch immer interessieren, wann ungefähr im Kennenlernprozess dir das entgegenschlägt.
Das ist ganz witzig, ab dem Moment, wo es darum geht, auf welcher Seite der Mauer ich in Berlin gelebt habe, flaut das Interesse ab. Das kann beim ersten Telefonat sein, beim ersten Treffen oder wann auch immer. Ich bin solange interessant, bis klar ist, wo ich herkomme. Letztens hatte ich ein Telefonat mit einem Mann, der selbst wirklich nett war und sich sehr freute, dass mich seine 4 Kinder nicht abschrecken. Irgendwann kam also die besagte Frage und er meinte allen Ernstes, "...na das habe ich mir schon gedacht".
Auf meine Nachfrage meinte er nur, dass er mir das an anderer Stelle mal erklären würde. Auf diesen Moment warte ich heute noch....
 
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  • #27
@Serafine
Ich verstehe das ehrlich gesagt nicht. Was meinen die Männer denn damit? Ich habe in den letzten Jahren mit vielen Männern und Frauen aus dem "sogenannten Osten" zusammengearbeitet und erst durch die "Wertung" anderer Kollegen ist mir das überhaupt aufgefallen. Da wurde mir dann erklärt, dass Frauen aus dem Osten streng und fordernd sind und Männer ständig herumbaggern. Tja, und plötzlich habe ich meine Kollegen genauer betrachtet... bis mir aufgefallen ist, dass ich hier gerade die Vorurteils-Schublade aufmache. Was für ein Blödsinn... wenn man sich sympathisch ist, dann ist doch alles egal. Aber so nimmt die Ausgrenzung ihren Lauf...
 
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  • #28
Was ist denn deine Hypothese, was dieses "Oh Gott" auslöst?
Du sagt ja, dass "ein grundlegender Teil deines Ich's nicht gemocht" wird. Wie kannst du denn aber davon ausgehen, wenn du gar keine Vorstellung davon hast, worin die "Oh Gott"s begründet liegen?
Das genau ist ja die Frage, ich halte diese Pauschalisierung auch für völlig überflüssig, aber ich bekomme sie zu spüren. Eine Erklärung habe ich nicht.
Sicher gibt es den ein oder anderen Menschen, dem man sehr wohl anmerkt, wo er herkommt. Aber dazu zähle ich nicht. Ich war damals eher einer der unbequemen Mitbürger und habe mein Ding gemacht, egal was andere darüber dachten, so bin ich auch noch heute. In dieser Hinsicht hast du sicher recht, Vielleicht ist das ein Merkmal, was manche verschreckt.
Aber ein grundlegender Teil meines "ICH`s" ist meine Vergangenheit, meine Erfahrungen aus dieser Zeit, die mich zu dem gemacht haben, was ich heut bin. Sicherlich kommen noch sehr viele andere Aspekte dazu, die eine Persönlichkeit formen, jedoch spielte sich meine Kindheit im Osten ab. Ich bin ja deshalb kein schlechterer Mensch als ein "Wessi", oder doch?
 
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Deleted member 20811

  • #29
Das ist ganz witzig, ab dem Moment, wo es darum geht, auf welcher Seite der Mauer ich in Berlin gelebt habe, flaut das Interesse ab. Das kann beim ersten Telefonat sein, beim ersten Treffen oder wann auch immer. Ich bin solange interessant, bis klar ist, wo ich herkomme. Letztens hatte ich ein Telefonat mit einem Mann, der selbst wirklich nett war und sich sehr freute, dass mich seine 4 Kinder nicht abschrecken. Irgendwann kam also die besagte Frage und er meinte allen Ernstes, "...na das habe ich mir schon gedacht".
Auf meine Nachfrage meinte er nur, dass er mir das an anderer Stelle mal erklären würde. Auf diesen Moment warte ich heute noch....
Also das gibt's ja wohl nicht! Ist das ein Berlin-Problem? Oder findet es in der Nähe zu den Landesgrenzen der "neuen Bundesländer" statt? Ich hab davon noch nie gehört.
 
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  • #30
@Serafine
Ich verstehe das ehrlich gesagt nicht. Was meinen die Männer denn damit?.
Das würde ich auch gern mal wissen, deshalb habe ich diesen Beitrag ja geschrieben. Für mich ist völlig egal wo jemand herkommt, sein Charakter, seine Art die Dinge zu sehen, seine Vorlieben und Abneigungen sind doch viel wesentlicher als seine Herkunft. Es ist ein furchtbar verletzendes Gefühl, was diese Ausgrenzung auslöst.