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  • #1

Von Ost nach West

Hier habe ich jetzt mal ne grundlegende Frage, eine Freundin sprach letztens über die Unterschiede zwischen ostdeutschen und westdeutschen Frauen. Sie ist der Meinung, ein Mann aus den alten Bundesländern könne mit einer Frau aus den neuen Bundesländern nichts anfangen und würde nach kürzester Zeit das Weite suchen. Ich würde das gern mal in der Runde bequatschen, interessiert mich, wie ihr das seht.
In wie weit habt ihr da Erfahrungen gesammelt?
 
D

Deleted member 20013

  • #2
Hallo Serafine,

das Thema ist etwas schwierig, weil in meinen Augen tabuisiert, denn die Wende ist doch schon so lange her und die Wiedervereinigung doch schon ach so lange im Gange.

Und davon abgesehen wird man sich in der Auseinandersetzung damit fast unweigerlich in unangemessenen Pauschalisierungen ergehen.

Jedoch, finde ich, nur weil die Mauer gefallen ist und gewisse Strukturen des Westens auf die des Ostens übergestülpt wurden, verändert sich nicht von heute auf morgen die Mentalität der Menschen, die über 40 Jahre in recht fundamental unterschiedlichen Wertesystemen herangewachsen sind und darin gelebt haben. Auch Menschen wie ich, die zur Zeit der Wende noch junge Teenager oder Kinder waren, haben nicht von heute auf morgen ihre Ost-Eltern/Leher/Nachbarn durch West-Eltern/Lehrer/Nachbarn ersetzt bekommen, sondern haben vermutlich in den meisten Fällen genau so wie vorher weiter gelebt (es sei denn sie waren enormen Repressalien ausgesetzt. Mit den alltäglichen kleine Repressalien [die aber auch schon Lebensgeschichten umgeschrieben haben] hat man vermutlich eher umzugehen gelernt und sie Stückweise akzeptiert.), nur dass sie dann auch große Urlaube hätten machen können und die Bilder davon bunt gewesen wären - wenn sie es sich denn noch hätten leisten können.

Ich (Ostgewächs, seit 12 Jahren im "Westen"), kann völlig übergeneralisierend sagen, dass mir die West-Männer zu weinerlich, verweichlicht und mimosenhaft sind (Weicheier halt, um es mal auf den Punkt zu bringen). Die West-Frauen erscheinen mir als feingliedriger (nicht körperlich, sondern mental), unselbstständiger und stärker in alten Rollenklischees (Paradebeispiel: Frau bleibt mit den Kindern daheim.) behaftet.
Folglich wäre die stereotype West-Frau eher eine geeignete Partie für den stereotypen West-Mann (in meinem Kopf).

Der Umkehrschluss zieht dann möglicherweise für den Eindruck der West-Männer von den Ost-Frauen.
Ich kann mir vorstellen, dass das worauf sich die Freundin bezog, damit zu tun hat, dass die Ost-Damen ihren Mund, in den Augen der West-Männer, zu häufig undamenhaft aufreißen (mehr Kraftausdrücke verwenden? Sehr direkt sind.), selbstständiger und selbstgenügsamer und dazu dann auch noch freizügiger sind und freimütiger über Sexualität denken und sprechen.
In diesem Sinne, kann ich mich der Freundin anschließen, dass der stereotype West-Mann eher früher, als später, das Weite suchen wird, wenn er etwas ernsthaftes mit einer stereotypen Ost-Frau anfängt. Für casual dating (oder kumpelhaften Gaudi) mag sie aber vielleicht vorzuziehen sein.

Aber zusammenfassend kann das so nicht stehen gelassen bleiben, weil es doch mehr auf die einzelnen Personen ankommt.
Aber Interkulturelle Beziehungen (was Ost-West ja eigentlich nicht so richtig wirklich ist, aber irgendwie dann doch schon wieder, v.a. in Kreisen ü25 [oder ü30, oder so]) sind schon nochmal eine zusätzliche Herausforderung zu den eh schon bestehenden möglichen Komplikationen und Missverständnissen in einer Beziehung(sanbahnung).
 
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  • #3
@ Serafine : Welche Gründe hat Deine Freundin denn genannt ?

Nur darüber kann man IMVHO diskutieren, nicht über diese doch recht pauschale Aussage !
 
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  • #4
Und die Frau aus Ostfriesland kann mit dem Urbayern (und seinem traditionellen Rollenverständnis) auch nichts anfangen.

Die Schwaben kann eh keiner leiden und dem Saarländer sind Fränkinnen ein Graus.

Ich habe aufgehört in solchen Kategorien zu denken.

Es *kann* passen, oder auch nicht - sowohl zwischen Frau und Mann aus dem gleichen Bundesland oder aus verschiedenen Ländern (wobei ich bewusst auf die Ost-/West-Differenzierung verzichte).
Hier kommt es auf jede Person ganz individuell an

Natürlich gibt es verschiedene Mentalitäten von Bundesland zu Bundesland - und das ist auch gut so, das macht die Sache doch erst interessant.

Vielleicht kann ich, als jemand der seine Wurzeln in Thüringen hat, im Schwabenland geboren und aufgewachsen ist und sich heute hier wie da sehr wohl fühlt, die Sache auch entspannter sehen.


Da denke ich gerade an einen Bekannten: Der war beruflich in China, hat sich dort unsterblich in eine Chinesin verliebt, sie dort geheiratet und lebt mittlerweile mit ihr und dem gemeinsamen Sohn wieder in Deutschland.

Gegen die Herausforderungen, die beim Aufeinandertreffen derartig verschiedener Kulturen und Mentalitäten zu bewältigen sind, mutet alles "Innerdeutsche" ja geradezu harmlos an.
 
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  • #5
Ost-West-Nord-Süd, alle haben so ihre Eigen- und Besonderheiten. Da muss man sich drauf einlassen wollen / können... So mit Neugierde und ohne Vorurteile. Es vereint nicht jeder die gängigen Klischees.

Warum hast Du den Beitrag im moderierten Teil eingestellt? Da muss doch alles erst freigeschaltet werden, was u. U. auch mal recht lange dauern kann....
 
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  • #6
Der stärkste Unterschied ist, wie ich und die "Gesellschaft für innerdeutsche Gynäkologie" fest gestellt haben, dass bei ostdeutschen Frauen das Geschlechtsteil um 90 Grad versetzt ist und der Penis ostdeutscher Männer eine negative Steigung aufweist, wobei der Steigungsgrad mit Entfernumng von der ehemaligen Zonengrenze zunimmt.

Hier geht es um persönliche Zuneigungen, da spielt doch die geographische Herkunft keine Rolle. Kulturelle Unterschiede und entsprechende Animositäten und Abneigungen gibt es bei uns schon zwischen Nachbardörfern. Dass man sich erhöht und den Anderen erniedrigt, komischerweise nie umgekehrt, ist eine der Grundlagen für Rassismus. Ich kann mich der Aussage von Ronzheimer nur anschließen.
 
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  • #8
Danke für eure Beiträge, @Ronzheimer ich gebe dir recht, in dem Fall hat es ja super funktioniert, freut mich für deinen Bekannten.
@Traumichnich , sie hat die Erfahrung gemacht, sobald die Männer erfuhren, dass sie aus dem Osten sei, hätten sie sich in Luft aufgelöst. Es ging ihr sehr oft so, sie und ich sind beide über 40, sie lebt in Berlin und ich im Ruhrgebiet, komme aber ursprünglich auch aus dem Osten Berlins. Das witzige an der Sache ist, dass es mir genauso geht und das ausgerechnet im Ruhrgebiet, wo ja nun wirklich Hinz und Kunz und alle Nationalitäten zusammen leben. Es ist schon verrückt
 
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Deleted member 20013

  • #10
(...) sie hat die Erfahrung gemacht, sobald die Männer erfuhren, dass sie aus dem Osten sei, hätten sie sich in Luft aufgelöst. Es ging ihr sehr oft so, sie und ich sind beide über 40, sie lebt in Berlin und ich im Ruhrgebiet, komme aber ursprünglich auch aus dem Osten Berlins. Das witzige an der Sache ist, dass es mir genauso geht und das ausgerechnet im Ruhrgebiet, wo ja nun wirklich Hinz und Kunz und alle Nationalitäten zusammen leben. Es ist schon verrückt
Ich kenne es auch, dass die Herren der Schöpfung nach dieser "Offenbarung" erst erschrocken scheinen, dann plötzlich sehr verhalten werden bzw. gänzlich verschwinden. Wenn es ganz früh, noch vor dem ersten Treffen/Telefonat, zu Tage tritt, könnte es damit zusammenhängen, dass der Ossi-Dialekt erwartet und für unattraktiv befunden wird. Und schon sind sie weg...
Wenn es wirklich sehr früh im Kennenlernen passiert, dann frage ich mich, wie es überhaupt dazu kommt, dass ihr - trotz eurer Erfahrung - so früh schon erwähnt, dass ihr im Osten aufgewachsen seid. Das lässt sich doch recht leicht (vorerst) umschiffen, wenn du meinst, dass sich die Männer wegen diesem "Geständnis" rar machen. Ich erwähne es nicht, sofern man(n) mich noch nicht hat sprechen gehört.
 
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  • #11
Wenn es wirklich sehr früh im Kennenlernen passiert, dann frage ich mich, wie es überhaupt dazu kommt, dass ihr - trotz eurer Erfahrung - so früh schon erwähnt, dass ihr im Osten aufgewachsen seid.
Wenn Dich der Kontakt fragt, woher Du stammst, dann ist es schwierig herumzueiern. Einfach dazu stehen. Wenn Vorurteile oder whatever bestehen, wirds sowieso nichts.

Ich habe mal mit einem Mann aus Kiel telefoniert, der sprach bayerisch - aber sowas von :D
 
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Deleted member 20013

  • #13
Wenn Dich der Kontakt fragt, woher Du stammst, dann ist es schwierig herumzueiern.
So schwer ist das gar nicht. Einfach den Landschaftsstrich oder die Stadt/das Dorf benennen. Das kann dann häufig nicht zugeordenet werden. Oder sagen, dass man sich in der neuen Gegend super heimisch fühlt und einfach das Gesprächsthema dezent umlenken und die Frage unter den Tisch fallen lassen. Wird in der Regel gar nicht bemerkt.

Einfach dazu stehen. Wenn Vorurteile oder whatever bestehen, wirds sowieso nichts.
Ja, natürlich, wenn man so spricht und keine "Fremdsprache" kann, dann hilft, außer dazu zu stehen, nix.
Aber ich will nicht aufgrund eines Vorurteils aussortiert werden. Ich finde den Dialekt selbst unattraktiv und kann nachvollziehen, wenn da jemand seine Grenze zieht. Von daher wäre es schön blöd, wenn ich mich mit einer vermuteten Eigenschaft ins Abseits buchsiere, die auf mich gar nich zutrifft.
 
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  • #14
Aber ich will nicht aufgrund eines Vorurteils aussortiert werden. Ich finde den Dialekt selbst unattraktiv und kann nachvollziehen, wenn da jemand seine Grenze zieht.
Aber es kommt ja doch raus. Und wer ein Vorurteil hat, wird es bei der kleinsten Unstimmigkeit ggf. bestätigt sehen. So einen würde ich dann gar nicht wollen. Ja, manche Dialekte sind schier unterträglich....

Einfach den Landschaftsstrich oder die Stadt/das Dorf benennen. Das kann dann häufig nicht zugeordenet werden.
Und wenn er dann gezielter nachfragt oder denkt, Du willst ihm was verheimlichen? Ne, immer raus mit der Wahrheit. Muss er durch oder er ist durch :p
 
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  • #15
Hier habe ich jetzt mal ne grundlegende Frage, eine Freundin sprach letztens über die Unterschiede zwischen ostdeutschen und westdeutschen Frauen. Sie ist der Meinung, ein Mann aus den alten Bundesländern könne mit einer Frau aus den neuen Bundesländern nichts anfangen und würde nach kürzester Zeit das Weite suchen.
Ich glaube ja, dass die Problematik eher darin begründet ist, dass es sich um unterschiedliche Geschlechter handelt, völlig egal, wo diese beheimatet sind ;-))