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  • #16
AW: Vertrauen vs Naivität

Zitat von Heike:
Aber es ist doch etwas, was zur eigenen Lebensgeschichte gehört. Und ist der Austausch über derlei nicht gerade am interessantesten?
Sicher sind das mit unter sehr interessante weil tiefgehende und viele Informationen über Charakter, Lebensweise und Lebenseinstellung des jeweilige Gegenüber lieferende Gespräche. Aber für ein Gespräch zu einem solchen Themenkomplex braucht es, jedenfalls für mich, in beide Richtungen eine gemeinsame Ebene, einen gemeinsamen Kommunikationskanal jenseits von "small talk über das Wetter". Und einen solchen würde ich bei einem ersten Date, bei dem man sich ja primär erstmal "beschnuppert" und schaut, ob man überhaupt irgendeine halbwegs brauchbare Kommunikation hinbekommt, jedenfalls nicht zwingend voraussetzen wollen.

Zumindest mir geht es so, dass ich eine gewisse Weile brauche, bevor ich einen Zugang zu einem anderen Menschen finde, über den mich solche Gespräche wirklich intereressieren, ich möchte, etwas überspitzt formuliert, weder jedermann meine Lebensgeschichte erzählen noch die von jedermann erzählt bekommen.
 
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  • #17
AW: Vertrauen vs Naivität

Hallo Fenster,

mir scheint, wir haben eine ähnliche Vergangenheit:

Du wurdest zur Adoption freigegeben? Ich auch.
Du hattest einen Freund mit narzißtischer Persönlichkeitsstörung? Ich auch.

Ich würde gerne mehr über Dich, Deine Geschichte und Deinen Entwicklungsstand erfahren. Ist das hier irgendwie möglich?

Lieben Gruß
Mabel
 
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  • #18
AW: Vertrauen vs Naivität

@ Mabel: hm... ehrlich gesagt würde ich mich darüber ungern öffentlich austauschen.
Vielleicht kann das Parship-Team ja einen Kontakt herstellen?
 
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  • #19
AW: Vertrauen vs Naivität

Zitat von SineNomine:
Zumindest mir geht es so, dass ich eine gewisse Weile brauche, bevor ich einen Zugang zu einem anderen Menschen finde, über den mich solche Gespräche wirklich intereressieren, ich möchte, etwas überspitzt formuliert, weder jedermann meine Lebensgeschichte erzählen noch die von jedermann erzählt bekommen.
Ja, aber beim ersten Beschnuppern bist du eben auch noch nicht so verletzlich, wenn ihr euch noch nicht in der Tiefe begegnet seid. Da ist dann auch nicht so sehr Täuschung und Betrug zu fürchten.
Sofern man sich erst mal eher oberflächlich begegnet, ist Täuschung leicht möglich - aber eben auch nicht so schmerzhaft.
Und wenn man sich wirklich in der Tiefe begegnet, wäre Täuschung zwar sehr schmerzhaft, aber ist zugleich eben auch weniger leicht möglich.
Wirkliche Angst vor Täuschung muß hingegen vor allem derjenige haben, der starke Gefühle entwickelt, ohne dem anderen in der Tiefe zu begegnen, ohne genau hinzuschauen.
Und für den habe ich ein Rezept: wirkliches Interesse am anderen.
 
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  • #20
AW: Vertrauen vs Naivität

Zitat von Heike:
Ja, aber beim ersten Beschnuppern bist du eben auch noch nicht so verletzlich, wenn ihr euch noch nicht in der Tiefe begegnet seid. Da ist dann auch nicht so sehr Täuschung und Betrug zu fürchten.
Sofern man sich erst mal eher oberflächlich begegnet, ist Täuschung leicht möglich - aber eben auch nicht so schmerzhaft.
Und wenn man sich wirklich in der Tiefe begegnet, wäre Täuschung zwar sehr schmerzhaft, aber ist zugleich eben auch weniger leicht möglich.
Wirkliche Angst vor Täuschung muß hingegen vor allem derjenige haben, der starke Gefühle entwickelt, ohne dem anderen in der Tiefe zu begegnen, ohne genau hinzuschauen.
Und für den habe ich ein Rezept: wirkliches Interesse am anderen.
nennt man das weibliche Logik? :)
 
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  • #21
AW: Vertrauen vs Naivität

@ Heike: also, ich erzähle sehr private Dinge, wie z.b. dass ich adoptiert bin, niemals Menschen, denen ich das erste Mal begegne.
Das hat mehrere Gründe.
Der eine wird hier immer wieder angsprochen: Verletzbarkeit. Wenn ich mein Gegenüber nicht kenne und nicht einschätzen kann, dann ist das Risiko, dass er auf diese seher persönliche Geschichte verletzend reagiert, sehr hoch.
Ein Beispiel: ich habe das der Mutter meines Exfreundes erzählt. Sie reagierte total schlimm, indem sie sagte: "Ach, dann hast du ja gar keine richtigen Eltern! Ich bin froh, dass ich nicht adoptiert bin. Ich hatte ja einen TOLLEN Vater. Und sowas geht ja nicht, wenn man nichts blutsverwandt ist. Das hast du ja nie kennengelernt."
Davon abgsehen, dass das natürlich totaler Unsinn ist, weil ich zu meinen Adoptiveltern genau das selbe Verhältnis habe wie andere zu ihren leiblichen Eltern (mit allen Höhen und Tiefen) - es hat mich dennoch sehr verletzt. Man kann sich das als Außenstehender vielleicht nicht vorstellen - aber man IST verletzlich. Selbst wenn der andere nur ungeschickt ist und das überhaupt nicht einschätzen kann, weil man ja selbstsicher und "normal" wirkt.
Ich hatte auch mal ein Date mit jemandem, der mich gefragt hat, warum ich denn kein Kind habe - und ich sagte, dass ich darüber traurig sei, aber ich hätte keins, weil ich nie einen Partner, der ein Kind wollte. Das Date verlief im weiteren Verlauf dann nicht so wirklich gut und ich wollte ihn nicht wiedersehen. Daraufhin hat er angefangen, mich zu stalken und immer auf dem Kinderthema rumgeritten, von dem er wußte, dass ich da einen wunden Punkt habe: es sei ja kein Wunder, dass mit mir keiner ein Kind wolle, ich hätte es ja auch gar nicht verdient, dass ein Mann mir dieses "Geschenk" mache usw.

Es mag Leute geben, die nichts verletzen kann - mich aber verletzt schon so einiges und wenn ich diese Themen Menschen, die ich gar nicht kenne und von denen ich noch nicht weiß, ob ich sie wiedersehen will, beim ersten Treffen auf dem Silbertablett serviere, muss ich mich nicht wundern, wenn ich danach "eins auf die Schnauze" kriege.

Der zweite Punkt ist "Diskretion". Ich will nicht Menschen, die ich nicht kenne und von denen ich nicht einschätzen kann, wie diskret, aufrichtig und wohlwollend sie letztlich sind, Informationen geben, mit denen sie mir schaden können, wenn sie sie herumtratschen, im Internet veröffentlichen usw.
Dritter Punkt: Dazu kommt, dass die Infos "Sie ist adoptiert" oder "Sie ist traurig darüber, dass sie kein Kind hat" komplett anders aufgefasst und ggfs weitergetragen werden können, als es de facto ist.
Ich bin wegen des "fehlenden" Kindes manchmal traurig - aber in der Regel denke ich gar nicht groß darüber nach. Wenn der andere aber denkt, ich sei völlig frustrierte Frau in der midlife-crisis, die am Rande der Unzurechnungsfähigkeit täglich und ständig unter entgangener Mutterschaft leidet - das ist ein falsches Bild. so möchte ich nicht gesehen werden. Ich möchte auch nicht, dass mich jemand sofort in die Schublade "gestörtes Adoptivkind" hineinpackt.

Ich erzähle solche Dinge gern, wenn man sich besser kennt.
Aber das sind für mich keine guten Themen für den ersten Abend - ich habe damit so viele negative Erfahrungen gemacht, dass ich damit lieber warte.
Davon abgsehen gibt es ja noch eine Menge interessanter und auch "tiefer" Themen, bei denen man nicht gleich ans Eingemachte gehen muss. Wenn man über Werte redet zum Beispiel, oder über Liebe (naheliegend), über Freundschaft, über Erlebnisse, die man hatte, über Religion - es gibt hundert Themen!
 
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  • #22
AW: Vertrauen vs Naivität

@ Mabel: wie alt bist Du denn und wo wohnst Du?
Und: wie groß bist Du? Würde auch gern mit Dir in Kontakt treten. :)
 

Jan

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  • #23
AW: Vertrauen vs Naivität

Zitat von Fenster_zum_Hof:
@ Mabel: hm... ehrlich gesagt würde ich mich darüber ungern öffentlich austauschen.
Vielleicht kann das Parship-Team ja einen Kontakt herstellen?

Hallo Fenster_zum_Hof und Mabel,


senden Sie uns doch am besten beide eine Mail – dann leiten wir die an die jeweils andere von Ihnen weiter.

Mit besten Grüßen,

Jan vom PARSHIP-Forum.
 
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  • #24
AW: Vertrauen vs Naivität

@ Jan, super, vielen Dank!
Mail ist schon raus.
 
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  • #25
AW: Vertrauen vs Naivität

Danke für die ausführliche Antwort, Fenster! Ich verstehe die Punkte und teile auch manche. Hinsichtlich der Verletzungen habe ich in Gesprächen manchmal eine offensive Art, schwierige Stellen meiner Biographie zu benennen, und dadurch zu "entwaffnen". Aber ist natürlich kein Allheilmittel.
Ich selbst habe mich ja vor allem auf das Belogen- und Betrogenwerden bezogen. Das ist dann eine andere Art von Verletzung. Und die scheint mir tatsächlich schlimmer zu werden mit den emotionalen Wünschen und Erwartungen an mein Gegenüber, aber zugleich im Risiko durch echtes Interesse an meinem Gegenüber zu sinken.
Wirkliche Gefahr lauert, wenn man es mit jemandem zu tun hat, der einen so übers Ohr hauen will wie etwa ein betrügerischer Wertpapierverkäufer. Die leichtesten Opfer sind die, die sich vom leichten schnellen Gewinn blenden lassen. Sie interessieren sich aber zugleich überhaupt nicht für das angebotene Papier noch diesen Verkäufer, sondern nur für ihre eigenen Gewinnaussichten. Deswegen können sie dann so auf die Nase fallen. Wer sich aber wirklich für sein Gegenüber interessiert, in welchem Sinne sollte der dann belogen und betrogen werden können?

@Freitag: ob männliche oder weibliche Logik, hast du irgendwas an dem Argument auszusetzen? Dann schreib doch gerne hin, was!
 
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  • #26
AW: Vertrauen vs Naivität

Der Vergleich mit dem Wertpapier war übrigens nicht so gemeint, daß man seinen Partner, bevor man sich einläßt, wie ein Wertpapier auf Herz und Nieren prüfen soll.
Im Gegenteil: so ein Prüfen scheint mir das Kennenlernen ja gerade zu vergiften.
Wenn ich ein wirkliches Interesse an einer Person habe, dann kriege ich das, was in einem Austesten kästchenweise ermittelt, aber eben auch getäuscht werden könnte, implizit und ganzheitlich mit.
 
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  • #27
AW: Vertrauen vs Naivität

@ Jan und Fenster-zum-Hof: Meine Mail ist auch gerade raus. Danke! :)
 
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  • #28
AW: Vertrauen vs Naivität

Guten Morgen
@ Fenster_ zum_ Hof

Verletzbarkeit: ja, ein sehr intensiv sensibles Thema , denn alle und jeder ist auf irgendeiner weise verletzlich und doch genau diese Verletzbarkeit brauchen wir, um unsere Charaktere und Seelen reifen zu lassen . Da Du die Mutter Deines Exfreundes kennst und ich nicht .... verbrenne ich mir vielleicht die Finger indem ich jetzt meinen Gedanken andeute,das auch sie nur ein Mensch ist der ihren 2.Mann im Haus "zu verlieren"droht und nicht jünger wird, sodaß Ihr Dein auf Silberbrett servierter "Schwachpunkt"( Blödsinn) sehr gelegen kam ihn gegen dich " "Konkurrentin"auszuspielen.? Reifegrad?

Stalker: ziemlich dreist und unverschämt! Behauptungen die nicht bewiesen sind , werden zu Lügen. Damals konnte Du womöglich nicht so denken. Heute vielleicht schon.
Direkte entwaffnende Kommunikation @ Heike :) wären Dir hilfreich gewesen
Naivität ist blindes Gottvertrauen, Vertrauen lässt sich durch den Menschenverstand hilfreich prägen.
Und ein Zurückhalten von intimen Lebensdetails am Anfang und späteren sich öffnen insofern das gegenseitige echte Interesse am Kennenlernen der Auserwählten vorliegt ist m. E. der richtige Weg.
Ich für meinen Teil, fühle mich geehrt die tiefen Lebensdetails ,nach etwas Zeit, zu erfahren und sehe dies als Beweis von Vertrauen an, welches ich dann ebenso gerne erwidere.

Eben,es gibt genügend zu Besprechen, das Date zu genießen und sich näher kennenzulernen. Bei echten Interesse!
 
J

Jenny Treibel

  • #29
AW: Vertrauen vs Naivität

Nachdem die letzten Antworten auf meinen Beitrag sehr abgeschweift sind, das andere Thema geschlossen wurde, da jemand meinte, es sei bereits erschöpfend beantwortet, nun an dieser Stelle: Der Mann, um den es geht, unser Treffen, es war nicht wie gedacht, wie befürchtet, sondern grandios.
 
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  • #30
AW: Vertrauen vs Naivität

Zitat von Jenny Treibel:
Nachdem die letzten Antworten auf meinen Beitrag sehr abgeschweift sind, das andere Thema geschlossen wurde, da jemand meinte, es sei bereits erschöpfend beantwortet, nun an dieser Stelle: Der Mann, um den es geht, unser Treffen, es war nicht wie gedacht, wie befürchtet, sondern grandios.
Dazu fällt mir ganz spontan ein: "Und erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt"! Ich wünsche dir, dass auch die nächsten Treffen "grandios" bleiben :)