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Jenny Treibel

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  • #1

Vertrauen vs Naivität

Viele erwarten einen gehörigen Vertrauensvorschuß. Wir sollen glauben, daß der andere es ernst meint, tatächlich getrennt ist, keinen Kontakt zu anderen hat, tatsächlich eine Partnerschaft sucht, uns kein Übel antun will.
Unsere Lebenserfahrung hat uns gelehrt, daß Menschen auch lügen und täuschen, manchmal auch sich selber, bzw. selbst an das glauben, was sie vermitteln wollen.
Diejenigen, die bereits länger bei Parship sind, wissen, was ich meine. Wir wissen auch, daß etliche Menschen erst einen Prozeß durchmachen müssen, um zu erkennen, daß sie im Grunde noch gar nicht frei sind und sich selbst etwas vormachen.

Wie geht Ihr mit Euren Erfahrungen um, wenn ein neuer Mensch erscheint, der angeblich ganz anders ist, enttäuscht ist, weil ihr ihm nicht blind vertraut?
Viele Geschichten, die man hier erlebt, erzählt man sie im Freundeskreis, enden in Lachsalven und der unvermeintlichen Frage: Wie kannst Du nur so naiv sein und wirklich glauben, was Dir erzählt wird? Konfrontiert man aber den Menschen, um den es geht, mit diesen Gedanken, reagiert er meist enttäuscht, teilweise empört, daß Ihr ihm nicht vertraut.
Wie löst Ihr diese Problematik?
 
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  • #2
AW: Vertrauen vs Naivität

Zitat von Jenny Treibel:
Konfrontiert man aber den Menschen, um den es geht, mit diesen Gedanken, reagiert er meist enttäuscht, teilweise empört, daß Ihr ihm nicht vertraut.
Wie löst Ihr diese Problematik?

Zu meinen Erfahrungen zählt es, dass oft die besonders 'empört' reagieren, die besonders unaufrichtig sind. Vermutlich, weil das Gelingen ihres Betrugs vom Vertrauensvorschuss des/der anderen abhängig ist.
Ich meine, wenn man nichts zu verbergen hat, geht man mit Nachfragen und auch Skepsis entspannter um.
 
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  • #3
AW: Vertrauen vs Naivität

Das ist eine ausgesprochen schwierige Frage und ein sehr interessantes Thema.
Denn auch ich selbst versuche natürlich zu "täuschen", um mich selbst in einem besseren Licht darzustellen.
Zum Beispiel täusche ich in folgenden Punkten:

- Zahl der bisherigen Dates (ich würde nicht wahrheitsgemäß beantworten, wie viele Dates ich schon hatte, sondern eher allgemein antworten oder drastisch untertreiben)
- dass ich in Singlephasen "Affären" hatte würde ich ebenfalls verschweigen. Trifft man dann z.b. in einem Lokal auf eine "gewesene Affäre", würde ich sicher ins Schwitzen kommen, weil ich das gern verheimlichen würde
- eine dieser Affären ist ein Prominenter, der mir heute extrem peinlich ist (würde ich verschweigen!)
- ich würde verheimlichen, dass ich mir vor 10 Jahren habe Fett absaugen lassen.
- ich würde verheimlichen, dass ich eine Psychotherapie hinter mir habe

Naja, und einige andere Punkte gibt es auch noch, die ich nicht am Anfang eines Kennenlernens preisgeben würde, sondern erst später, wenn man sich schon besser kennt.
Und das sind ja vielleicht Dinge, bei denen der ein oder andere Mann total entrüstet wäre, wenn er das erführe und vielleicht sogar sagen würde: das ist ein No Go, hätte ich das von Anfang an gewußt, wäre ich nicht mit Dir zusammengekommen.

Was ich damit sagen will:

Wahrscheinlich hat jeder - oder zumindest fast jeder - irgendwelche Punkte im Leben, die er dem anderen nicht sofort auf die Nase bindet.
Der einzige Punkt, den ich indiskutabel schlimm finde, wäre es, wenn sich hier eine Art "Heiratsschwindler" herumtreiben würde, der Frauen Liebe vorgaukelt, in Wirklichkeit aber nur Sex oder Geld will und sich auch so verhält.
Alles andere kann man so oder so sehen.
Etwa habe ich mal jemanden kennengelernt, der mir gegenüber seine finanzielle und berufliche Situation deutlich rosiger dargestellt hat, als sie war. Er hat sich (deshalb) seltsam verhalten und ich vermutete damals tatsächlich auch, dass er mehrgleisig fährt oder kein Single ist.
Das ist zwar doof, dass er nicht ehrlich war - aber irgendwie kann ich es verstehen und habe es ihm nicht final übel genommen. Viele andere hätten dieses aber sicherlich getan.
Und wenn nun jemand in seiner Beziehung unglücklich ist und hier eine neue Partnerin sucht - tja. Ich könnte sogar diese "Anfangslüge" unter bestimmten Umständen tolerieren - nämlich dann, wenn er sich wirklich in mich verliebt und dann tatsächlich seine Partnerin verlässt.
Das ist zwar doof und ich wäre alles andere als erfreut - aber jeder von uns hat Fehler und den einen oder anderen Schatten in seiner Biografie. Deshalb kommt es m.E. letztlich auf das an, was am Ende wirklich zwischen den beiden stattfindet und ob die Gefühle aufrichtig sind.
 
B

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  • #4
AW: Vertrauen vs Naivität


Meiner Meinung nach 'darf' man, vor allem am Anfang, Dinge verschweigen, die nichts mit der konkreten Beziehungsperspektive zu tun haben. Z.B. das mit dem Fett absaugen oder auch Ex-Beziehungen und Affären bewerte ich da erstmal als irrelevant (außer vielleicht im Zusammenhang mit Sex und AIDS-Gefahr). Auch eine abgeschlossene Psychotherapie ist erstmal Privatsache.
Inakzeptabel finde ich Lügen in Bezug auf den eigenen Beziehungsstatus.
 

Lisa

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  • #5
AW: Vertrauen vs Naivität

@Fenster-zum-Hof:
Die verschwiegenen Punkte, die du aufgeführt hast, um dich in einem besseren Licht zu zeigen, sehe ich eigentlich gar nicht als Täuschung. Denn sie liegen in deiner Vergangenheit (und es war ja jetzt nichts kriminelles dabei) und haben mit deiner jetzigen Motivation, dich mit einem Mann einzulassen, meiner Meinung nach nichts zu tun.Und ich frage mich auch, ob du diese überhaupt irgendwann erzählen musst. Warum denn?
Wenn ich meinem Partner heute vertraue, muss ich seine "kleinen Sünden" der Vergangenheit nicht wissen, bzw. es würde nichts ändern oder nachträglich zum No-Go werden.

Etwas anderes ist es natürlich, wenn jemand seinen Familienstand verschweigt oder sogar lügt. Oder eben bewusst vortäuscht, eine Beziehung zu wollen, obwohl er nur eine Bettgeschichte sucht.Und das vielleicht noch gleichzeitig bei mehreren Frauen.

Aber zurück zur Eingangsfrage:
Ich habe auch immer wieder die Erfahrung gemacht, dass jemand, der nichts zu verbergen hat, meist auch Verständnis für meine anfängliche Skepsis hatte.
Wenn ich das Verhalten meines Gegenübers komisch finde, spreche ich ihn direkt darauf an. Ich finde, an der Reaktion kann man oft schon einiges erkennen.
 
B

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  • #6
AW: Vertrauen vs Naivität

Mal ein selbst erlebtes Beispiel aus einer anderen Singlebörse.
Ich bin, was die Preisgabe persönlicher Information und Bild-Freischaltung angeht, sehr zurückhaltend. Ich finde, dass ein Mann, mit dem ich über den ersten Mail- oder Chat-Kontakt hinaus keinen weiteren Kontakt haben möchte, mich nicht ohne weiteres googeln können soll und auch nicht wissen muss, wie ich aussehe. Ich sehe auch keinen Anlass, einem Menschen, den ich nichtmal persönlich kenne, 'blind zu vertrauen'. Das widerspricht meiner Meinung nach dem gesunden Menschenverstand.
Ich kam also via Chat ins Gespräch mit einem, der sich als "getrennt lebend" deklarierte und bin, wie immer, sparsam mit bestimmten Fakten gewesen (gegoogelt hat er mich dann trotzdem ...) . Auch da wurde schnell die Vertrauensfrage 'aufgemacht'.
Der Betreffende war dann allerdings ebenfalls problemlos zu googeln - und die ganze "getrennt lebend"-Nummer stellte sich als ein einziger Bluff heraus (was er schließlich auch zugab - aber nur, weil er sich bei seinem Rumgelüge so verheddert hatte, dass es immer peinlicher wurde).
 
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  • #7
AW: Vertrauen vs Naivität

meine eigene Erfahrung mit jemandem, der eben NICHT ehrlich war (ist) in Bezug auf seinen Familienstand und Beziehungsstatus (anderer Thread): Ich konnte davon ausgehen, je extremer seine Reaktion auf mein vorsichtig geäußertes Mißtrauen war, umso eher hatte ich ins Schwarze getroffen.

Irgendwie sind wir hier ja alle beziehungserfahren und jeder ist wohl schon mindestens einmal dabei auf die Nase gefallen. Deshalb ist eine gewisse Vorsicht und Zurückhaltung dessen, was man dem anderen (zu Beginn) erzählt, wohl mit zunehmendem Alter und zunehmender Erfahrung bei BEIDEN Parteien ganz normal. Die Dinge, die Fenster_zum_Hof aufzählt, würde ich auch nicht jedem gleich zu Beginn erzählen - warum auch. Andererseits ist es gerade diese (wie ich finde normale) Vorsicht des anderen, die uns vielleicht mißtrauisch werden läßt. Warum erzählt er mir so wenig/gar nichts über Thema X, Y, Z? Hat er etwas zu verbergen?

Ich denke, da braucht es einfach Zeit und viele kleine Schritte. Vertrauen muss (und kann auch) wachsen...
 

Heike

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  • #8
AW: Vertrauen vs Naivität

Ich versuche, den anderen wirklich gut kennenzulernen. Und damit meine ich nicht, irgendwelche Fakten abzufragen, ihn auf Bildung, Vermögen und andere “Äußerlichkeiten” abzuchecken. Sondern ihn als Person, seine Ängste, seine Wünsche, seine Pläne, seine Verhaltensweisen...
Und das teilnehmend, empathisch, nicht ihn primär für ein Analyseobjekt für mich, Freundinnen oder Forenuser haltend.
Wenn es da in Gespräch und Auseinandersetzung schnell stockt, verliere ich ohnehin die Zuversicht. Dann ist mir auch nicht so wichtig, ob der Mann noch eine Frau zuhause oder stattdessen Leichen im Keller hat.
Aber ich möchte wissen, ob er eine Psychotherapie gemacht oder Schönheits-OPs hat vornehmen lassen. Nicht um ihn abzuchecken, sondern weil ich ihn kennenlernen möchte, wie er wirklich ist und wie er Dinge tut.
Ich weiß, das geht nicht von einem Tag auf den nächsten. Aber ich fände es auch absurd, einen Partner fürs Leben in drei Tagen finden zu wollen. Und warum nicht schnell mit den wirklich wichtigen Dingen beginnen?
Das ist doch klar: Wer sich lange mit Fassaden beschäftigen möchte, der kann getäuscht werden, eben wenn hinter der Fassade nichts ist. Wer hingegen gleich wirklich hineingehen möchte, der ist ganz gut gefeit gegen Täuschung.
Bei mir kommt die Nähe durch das Interesse und durch die Tiefe, zu der mich jemand in ihn läßt.

Ich glaube, wer nur schnell einen Partner sucht, um nicht allein zu sein, kann leichter betrogen werden. Weil er selbst nicht so richtig auf sein Gegenüber schaut. Wer einen Mann mit tollen Job oder mit Boot sucht, die kann leicht betrogen werden: er kann schwindeln oder sich das Boot von einem Freund ausgeliehen haben. Wer vor allem darauf schaut, daß der Mann ihr liebe Worte sagt, die kann leicht betrogen werden: der Mann kann eine halbe Stunde später auch zu einer Frau liebe Worte sagen. Usw.
Betrogen können am leichtesten die werden, die sich nicht wirklich für ihr Gegenüber interessieren, sondern primär Checklisten abhaken möchten. Denn auf einer Checkliste kann der andere immer dafür sorgen, daß die Häkchen an der gewollten, aber falschen Stelle gemacht werden.
Am wirklichen Erkennen führt kein Weg vorbei. Beim Leser vieler Threads und Beiträge hier bekomme ich den Eindruck, daß es am schwersten ist. Daß viele das Erkennen überspringen wollen, oder vielleicht auch gänzlich beiseite rücken. Für mich ist es der Kern von Liebe. Und nicht lästiges Beiwerk, weil man ja eigentlich eher einen Partner für gemeinsame Unternehmungen sucht, oder einen Anheizer der eigenen Verliebtheitsgefühle oder was auch immer.
Das Problem ist nicht so sehr das Mißtrauen, glaube ich, das meist ja übrigens auch ziemlich naiv ist, sondern die mangelnde Bereitschaft an wirklichem Interesse für ein Gegenüber.
 
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  • #9
AW: Vertrauen vs Naivität

@ Heike:

Grundsätzlich stimme ich Dir zu und nur so geht es: aufmerksames Kennenlernen. Man wird nie nach nur ein, zwei Treffen herausfinden können, ob der andere es ernst meint und ob er wirklich Single ist oder etwas anderes gravierendes verheimlicht.

Ich kann dazu nur sagen, dass ich mich aus genau dem Grund auch tatsächlich nicht mehr so "Knall auf Fall" mit Feuerwerk und rosaroter Brille verliebe, wie ich es noch mit 16 und wohl auch noch mit 25 getan hätte. Es gibt so eine Art "Probephase", in der es auch Herzklopfen gibt und sowas wie ein erstes Verknalltsein. Aber in dieser Phase gebe ich mich nicht gleich mit Haut und Haaren in die Sache hinein, sondern schaue einfach aufmerksam hin. Ich achte speziell darauf, ob der andere mich gut behandelt, ob er sich für mich wirklich interessiert, wie er mit anderen umgeht, wie er kommuniziert - oder vielleicht auch, wie er streitet, ob er Kompromisse eingehen kann, ob er bereit ist, auf mich zuzugehen (oder ob er nur "nimmt" und ich mich ständig nach ihm richten muss). So eine Phase kann auch mal drei Monate lang dauern. Damit meine ich nicht, dass in dieser Zeit nichts zwischen uns passiert (z.B. Nähe haben, Zärtlichkeit oder Sex haben), aber entscheidend ist, dass ich einfach vorsichtig bin und erstmal genau hinsehe, bevor ich mein Herz komplett öffne.

Je besser ich den andern dann kennenlerne, desto mehr lasse ich ihn hinein in mein Herz. Dadurch beuge ich potentiellem tiefem Fall vor.
 
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  • #10
AW: Vertrauen vs Naivität

Übrigens muss ich noch etwas Wichtiges hinzufügen:

mir ist es trotz umfangreicher Online-Dating-Erfahrung noch nie passiert, dass ein Mann vorgab Single zu sein und es dann doch nicht war. Stattdessen sind mir schon viele andere Dinge passiert, die ich genauso schlimm fand - etwa, dass jemand sich als manisch eifersüchtig entpuppte (den hatte ich allerdings in beruflichem Zusammenhang kennengelernt). Ein anderer bevorzugte heftige SM-Praktiken (hat er mir anfangs auch verschwiegen...), ein dritter litt unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, es gab Männer, die bindungsunfähig waren und jemanden, der Alkoholiker war.

Das gehört für mich irgendwie alles zu dem Thema "den anderen erstmal kennenlernen müssen, um herauszufinden, ob es überhaupt passt". Und das eben auch dann, wenn man zunächst mal hingerissen und bezaubert vom anderen ist.
 

Heike

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  • #11
AW: Vertrauen vs Naivität

Hallo Fenster,
wenn ich dich recht verstehe, fandest du es schwierig, daß du die Diagnose auf Narzißmus von einem deiner Dates erst sehr spät erfahren hast. Zugleich schreibst du, daß du deine eigene Therapievergangenheit erstmal für dich behältst. Weswegen genau? Was hast du zu verlieren? Glaubst du, Männer können damit nicht umgehen? Aber möchtest du denn überhaupt einen Mann, der damit nicht gut umgehen kann?
 
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  • #12
AW: Vertrauen vs Naivität

Naja, ich erzähle das mit der Therapie nicht beim ersten date!
Und ich erzähle es deshalb nicht, weil man dann in der Tat ein schräges Bild bekäme. ich würde auch umgekehrt nicht erwarten, dass mir der Mann das beim ersten Date erzählt - wohl aber innerhalb der ersten drei Monate. Da würde ich das dann auch erzählen.

Und der mit dem Narzissmuss, das war mein Exfreund, mit dem ich zwei Jahre zusammen war.... das war kein Date. Das ist eine wirklich sehr schwierige Störung, die es schwer macht, mit jemandem zusammen zu leben.
Ich selbst war allerdings eher aus gegenteiligen Gründen in Therapie - nämlich, kurz gesagt, weil ich mich immer nicht getraut habe, meinem Partner mal "die Leviten zu lesen", sondern mir viel zu viel habe gefallen lassen, aus Furcht, er könne mich sonst verlassen. Das hat bei mir auch persönliche familiäre Gründe (ich wurde als Kind zur Adoption freigegeben), aber da muss man dann die ganze Geschichte erzählen, damit jemand sowas einordnen kann - und sowas ist mir für ein erstes Date wirklich zu intim.
 

Heike

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  • #13
AW: Vertrauen vs Naivität

Lieben Dank für deine Offenheit, Fenster. Ich verstehe das natürlich, wenn Dir so etwas zu intim ist, um es gleich jedem zu erzählen. Aber ich frage mich dennoch, was man in einer privaten Situation mit einem Mann, den man trifft, vielleicht nur einmal, vielleicht auch mehrmals, genau zu verlieren hat, wenn man ihm so etwas erzählt.
Ich hatte die besten Gespräche mit Männern, wo man sehr schnell über solche Dinge reden konnte.
Es kommt natürlich auch auf den Ton an. Ich möchte da keine Betroffenheitsstimmung. Aber es ist doch etwas, was zur eigenen Lebensgeschichte gehört. Und ist der Austausch über derlei nicht gerade am interessantesten?
 
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marlene_geloescht

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  • #14
AW: Vertrauen vs Naivität

Eine Psychotherapie zu machen oder gemacht zu haben ist in meinen Augen übrigens ein riesen Pluspunkt.
Es zeigt, dass die Person sich mit sich selbst auseinandersetzt und sich aktiv bemüht, sich selbst besser zu verstehen und ggf. Änderungen herbeizuführen.
 
M

marlene_geloescht

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  • #15
AW: Vertrauen vs Naivität

Zitat von Jenny Treibel:
Wie geht Ihr mit Euren Erfahrungen um, wenn ein neuer Mensch erscheint, der angeblich ganz anders ist, enttäuscht ist, weil ihr ihm nicht blind vertraut?
Viele Geschichten, die man hier erlebt, erzählt man sie im Freundeskreis, enden in Lachsalven und der unvermeintlichen Frage: Wie kannst Du nur so naiv sein und wirklich glauben, was Dir erzählt wird? Konfrontiert man aber den Menschen, um den es geht, mit diesen Gedanken, reagiert er meist enttäuscht, teilweise empört, daß Ihr ihm nicht vertraut.
Wie löst Ihr diese Problematik?

Ich führe mir vor Augen, dass ich es mit wildfremden Menschen zu tun habe, deren Eckdaten ich über die Partnerbörse kenne. Ich erzähle erstmal nichts, was ich nicht auch anderen Fremden beim Kennenlernen erzählen, und erwarte das auch nicht von meinem Gegenüber. Ich glaube dem Anderen, was plausibel klingt und nichts, was sich nach schräger Geschichte anhört.
 

SineNomine

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  • #16
AW: Vertrauen vs Naivität

Zitat von Heike:
Aber es ist doch etwas, was zur eigenen Lebensgeschichte gehört. Und ist der Austausch über derlei nicht gerade am interessantesten?

Sicher sind das mit unter sehr interessante weil tiefgehende und viele Informationen über Charakter, Lebensweise und Lebenseinstellung des jeweilige Gegenüber lieferende Gespräche. Aber für ein Gespräch zu einem solchen Themenkomplex braucht es, jedenfalls für mich, in beide Richtungen eine gemeinsame Ebene, einen gemeinsamen Kommunikationskanal jenseits von "small talk über das Wetter". Und einen solchen würde ich bei einem ersten Date, bei dem man sich ja primär erstmal "beschnuppert" und schaut, ob man überhaupt irgendeine halbwegs brauchbare Kommunikation hinbekommt, jedenfalls nicht zwingend voraussetzen wollen.

Zumindest mir geht es so, dass ich eine gewisse Weile brauche, bevor ich einen Zugang zu einem anderen Menschen finde, über den mich solche Gespräche wirklich intereressieren, ich möchte, etwas überspitzt formuliert, weder jedermann meine Lebensgeschichte erzählen noch die von jedermann erzählt bekommen.
 

Mabel

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  • #17
AW: Vertrauen vs Naivität

Hallo Fenster,

mir scheint, wir haben eine ähnliche Vergangenheit:

Du wurdest zur Adoption freigegeben? Ich auch.
Du hattest einen Freund mit narzißtischer Persönlichkeitsstörung? Ich auch.

Ich würde gerne mehr über Dich, Deine Geschichte und Deinen Entwicklungsstand erfahren. Ist das hier irgendwie möglich?

Lieben Gruß
Mabel
 
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  • #18
AW: Vertrauen vs Naivität

@ Mabel: hm... ehrlich gesagt würde ich mich darüber ungern öffentlich austauschen.
Vielleicht kann das Parship-Team ja einen Kontakt herstellen?
 

Heike

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  • #19
AW: Vertrauen vs Naivität

Zitat von SineNomine:
Zumindest mir geht es so, dass ich eine gewisse Weile brauche, bevor ich einen Zugang zu einem anderen Menschen finde, über den mich solche Gespräche wirklich intereressieren, ich möchte, etwas überspitzt formuliert, weder jedermann meine Lebensgeschichte erzählen noch die von jedermann erzählt bekommen.

Ja, aber beim ersten Beschnuppern bist du eben auch noch nicht so verletzlich, wenn ihr euch noch nicht in der Tiefe begegnet seid. Da ist dann auch nicht so sehr Täuschung und Betrug zu fürchten.
Sofern man sich erst mal eher oberflächlich begegnet, ist Täuschung leicht möglich - aber eben auch nicht so schmerzhaft.
Und wenn man sich wirklich in der Tiefe begegnet, wäre Täuschung zwar sehr schmerzhaft, aber ist zugleich eben auch weniger leicht möglich.
Wirkliche Angst vor Täuschung muß hingegen vor allem derjenige haben, der starke Gefühle entwickelt, ohne dem anderen in der Tiefe zu begegnen, ohne genau hinzuschauen.
Und für den habe ich ein Rezept: wirkliches Interesse am anderen.
 

Freitag

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  • #20
AW: Vertrauen vs Naivität

Zitat von Heike:
Ja, aber beim ersten Beschnuppern bist du eben auch noch nicht so verletzlich, wenn ihr euch noch nicht in der Tiefe begegnet seid. Da ist dann auch nicht so sehr Täuschung und Betrug zu fürchten.
Sofern man sich erst mal eher oberflächlich begegnet, ist Täuschung leicht möglich - aber eben auch nicht so schmerzhaft.
Und wenn man sich wirklich in der Tiefe begegnet, wäre Täuschung zwar sehr schmerzhaft, aber ist zugleich eben auch weniger leicht möglich.
Wirkliche Angst vor Täuschung muß hingegen vor allem derjenige haben, der starke Gefühle entwickelt, ohne dem anderen in der Tiefe zu begegnen, ohne genau hinzuschauen.
Und für den habe ich ein Rezept: wirkliches Interesse am anderen.
nennt man das weibliche Logik? :)
 
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  • #21
AW: Vertrauen vs Naivität

@ Heike: also, ich erzähle sehr private Dinge, wie z.b. dass ich adoptiert bin, niemals Menschen, denen ich das erste Mal begegne.
Das hat mehrere Gründe.
Der eine wird hier immer wieder angsprochen: Verletzbarkeit. Wenn ich mein Gegenüber nicht kenne und nicht einschätzen kann, dann ist das Risiko, dass er auf diese seher persönliche Geschichte verletzend reagiert, sehr hoch.
Ein Beispiel: ich habe das der Mutter meines Exfreundes erzählt. Sie reagierte total schlimm, indem sie sagte: "Ach, dann hast du ja gar keine richtigen Eltern! Ich bin froh, dass ich nicht adoptiert bin. Ich hatte ja einen TOLLEN Vater. Und sowas geht ja nicht, wenn man nichts blutsverwandt ist. Das hast du ja nie kennengelernt."
Davon abgsehen, dass das natürlich totaler Unsinn ist, weil ich zu meinen Adoptiveltern genau das selbe Verhältnis habe wie andere zu ihren leiblichen Eltern (mit allen Höhen und Tiefen) - es hat mich dennoch sehr verletzt. Man kann sich das als Außenstehender vielleicht nicht vorstellen - aber man IST verletzlich. Selbst wenn der andere nur ungeschickt ist und das überhaupt nicht einschätzen kann, weil man ja selbstsicher und "normal" wirkt.
Ich hatte auch mal ein Date mit jemandem, der mich gefragt hat, warum ich denn kein Kind habe - und ich sagte, dass ich darüber traurig sei, aber ich hätte keins, weil ich nie einen Partner, der ein Kind wollte. Das Date verlief im weiteren Verlauf dann nicht so wirklich gut und ich wollte ihn nicht wiedersehen. Daraufhin hat er angefangen, mich zu stalken und immer auf dem Kinderthema rumgeritten, von dem er wußte, dass ich da einen wunden Punkt habe: es sei ja kein Wunder, dass mit mir keiner ein Kind wolle, ich hätte es ja auch gar nicht verdient, dass ein Mann mir dieses "Geschenk" mache usw.

Es mag Leute geben, die nichts verletzen kann - mich aber verletzt schon so einiges und wenn ich diese Themen Menschen, die ich gar nicht kenne und von denen ich noch nicht weiß, ob ich sie wiedersehen will, beim ersten Treffen auf dem Silbertablett serviere, muss ich mich nicht wundern, wenn ich danach "eins auf die Schnauze" kriege.

Der zweite Punkt ist "Diskretion". Ich will nicht Menschen, die ich nicht kenne und von denen ich nicht einschätzen kann, wie diskret, aufrichtig und wohlwollend sie letztlich sind, Informationen geben, mit denen sie mir schaden können, wenn sie sie herumtratschen, im Internet veröffentlichen usw.
Dritter Punkt: Dazu kommt, dass die Infos "Sie ist adoptiert" oder "Sie ist traurig darüber, dass sie kein Kind hat" komplett anders aufgefasst und ggfs weitergetragen werden können, als es de facto ist.
Ich bin wegen des "fehlenden" Kindes manchmal traurig - aber in der Regel denke ich gar nicht groß darüber nach. Wenn der andere aber denkt, ich sei völlig frustrierte Frau in der midlife-crisis, die am Rande der Unzurechnungsfähigkeit täglich und ständig unter entgangener Mutterschaft leidet - das ist ein falsches Bild. so möchte ich nicht gesehen werden. Ich möchte auch nicht, dass mich jemand sofort in die Schublade "gestörtes Adoptivkind" hineinpackt.

Ich erzähle solche Dinge gern, wenn man sich besser kennt.
Aber das sind für mich keine guten Themen für den ersten Abend - ich habe damit so viele negative Erfahrungen gemacht, dass ich damit lieber warte.
Davon abgsehen gibt es ja noch eine Menge interessanter und auch "tiefer" Themen, bei denen man nicht gleich ans Eingemachte gehen muss. Wenn man über Werte redet zum Beispiel, oder über Liebe (naheliegend), über Freundschaft, über Erlebnisse, die man hatte, über Religion - es gibt hundert Themen!
 
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  • #22
AW: Vertrauen vs Naivität

@ Mabel: wie alt bist Du denn und wo wohnst Du?
Und: wie groß bist Du? Würde auch gern mit Dir in Kontakt treten. :)
 

Jan

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  • #23
AW: Vertrauen vs Naivität

Zitat von Fenster_zum_Hof:
@ Mabel: hm... ehrlich gesagt würde ich mich darüber ungern öffentlich austauschen.
Vielleicht kann das Parship-Team ja einen Kontakt herstellen?


Hallo Fenster_zum_Hof und Mabel,


senden Sie uns doch am besten beide eine Mail – dann leiten wir die an die jeweils andere von Ihnen weiter.

Mit besten Grüßen,

Jan vom PARSHIP-Forum.
 
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  • #24
AW: Vertrauen vs Naivität

@ Jan, super, vielen Dank!
Mail ist schon raus.
 

Heike

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  • #25
AW: Vertrauen vs Naivität

Danke für die ausführliche Antwort, Fenster! Ich verstehe die Punkte und teile auch manche. Hinsichtlich der Verletzungen habe ich in Gesprächen manchmal eine offensive Art, schwierige Stellen meiner Biographie zu benennen, und dadurch zu "entwaffnen". Aber ist natürlich kein Allheilmittel.
Ich selbst habe mich ja vor allem auf das Belogen- und Betrogenwerden bezogen. Das ist dann eine andere Art von Verletzung. Und die scheint mir tatsächlich schlimmer zu werden mit den emotionalen Wünschen und Erwartungen an mein Gegenüber, aber zugleich im Risiko durch echtes Interesse an meinem Gegenüber zu sinken.
Wirkliche Gefahr lauert, wenn man es mit jemandem zu tun hat, der einen so übers Ohr hauen will wie etwa ein betrügerischer Wertpapierverkäufer. Die leichtesten Opfer sind die, die sich vom leichten schnellen Gewinn blenden lassen. Sie interessieren sich aber zugleich überhaupt nicht für das angebotene Papier noch diesen Verkäufer, sondern nur für ihre eigenen Gewinnaussichten. Deswegen können sie dann so auf die Nase fallen. Wer sich aber wirklich für sein Gegenüber interessiert, in welchem Sinne sollte der dann belogen und betrogen werden können?

@Freitag: ob männliche oder weibliche Logik, hast du irgendwas an dem Argument auszusetzen? Dann schreib doch gerne hin, was!
 

Heike

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  • #26
AW: Vertrauen vs Naivität

Der Vergleich mit dem Wertpapier war übrigens nicht so gemeint, daß man seinen Partner, bevor man sich einläßt, wie ein Wertpapier auf Herz und Nieren prüfen soll.
Im Gegenteil: so ein Prüfen scheint mir das Kennenlernen ja gerade zu vergiften.
Wenn ich ein wirkliches Interesse an einer Person habe, dann kriege ich das, was in einem Austesten kästchenweise ermittelt, aber eben auch getäuscht werden könnte, implizit und ganzheitlich mit.
 

Mabel

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  • #27
AW: Vertrauen vs Naivität

@ Jan und Fenster-zum-Hof: Meine Mail ist auch gerade raus. Danke! :)
 

Buntauge

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  • #28
AW: Vertrauen vs Naivität

Guten Morgen
@ Fenster_ zum_ Hof

Verletzbarkeit: ja, ein sehr intensiv sensibles Thema , denn alle und jeder ist auf irgendeiner weise verletzlich und doch genau diese Verletzbarkeit brauchen wir, um unsere Charaktere und Seelen reifen zu lassen . Da Du die Mutter Deines Exfreundes kennst und ich nicht .... verbrenne ich mir vielleicht die Finger indem ich jetzt meinen Gedanken andeute,das auch sie nur ein Mensch ist der ihren 2.Mann im Haus "zu verlieren"droht und nicht jünger wird, sodaß Ihr Dein auf Silberbrett servierter "Schwachpunkt"( Blödsinn) sehr gelegen kam ihn gegen dich " "Konkurrentin"auszuspielen.? Reifegrad?

Stalker: ziemlich dreist und unverschämt! Behauptungen die nicht bewiesen sind , werden zu Lügen. Damals konnte Du womöglich nicht so denken. Heute vielleicht schon.
Direkte entwaffnende Kommunikation @ Heike :) wären Dir hilfreich gewesen
Naivität ist blindes Gottvertrauen, Vertrauen lässt sich durch den Menschenverstand hilfreich prägen.
Und ein Zurückhalten von intimen Lebensdetails am Anfang und späteren sich öffnen insofern das gegenseitige echte Interesse am Kennenlernen der Auserwählten vorliegt ist m. E. der richtige Weg.
Ich für meinen Teil, fühle mich geehrt die tiefen Lebensdetails ,nach etwas Zeit, zu erfahren und sehe dies als Beweis von Vertrauen an, welches ich dann ebenso gerne erwidere.

Eben,es gibt genügend zu Besprechen, das Date zu genießen und sich näher kennenzulernen. Bei echten Interesse!
 
J

Jenny Treibel

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  • #29
AW: Vertrauen vs Naivität

Nachdem die letzten Antworten auf meinen Beitrag sehr abgeschweift sind, das andere Thema geschlossen wurde, da jemand meinte, es sei bereits erschöpfend beantwortet, nun an dieser Stelle: Der Mann, um den es geht, unser Treffen, es war nicht wie gedacht, wie befürchtet, sondern grandios.
 

da capo

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  • #30
AW: Vertrauen vs Naivität

Zitat von Jenny Treibel:
Nachdem die letzten Antworten auf meinen Beitrag sehr abgeschweift sind, das andere Thema geschlossen wurde, da jemand meinte, es sei bereits erschöpfend beantwortet, nun an dieser Stelle: Der Mann, um den es geht, unser Treffen, es war nicht wie gedacht, wie befürchtet, sondern grandios.

Dazu fällt mir ganz spontan ein: "Und erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt"! Ich wünsche dir, dass auch die nächsten Treffen "grandios" bleiben :)