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  • #46
AW: Untreue

Zitat von Benutzerin:
Ja, ist es. Aber ganz ehrlich: Wie viele ideal funktionierende Beziehungen kennen Sie (bzw.: wie soll man das als Außenstehender überhaupt beurteilen)?
Ideal vielleicht nicht, aber zum Glück war ich noch nie in der Situation, solche Verdachtsmomente erleiden zu müssen. Dass die Beziehungen dann nicht geklappt haben, hatte andere Gründe. Darüber haben wir aber meist kommuniziert, bevor einer das Bedürfnis hatte, fremd zu gehen.
 
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  • #47
AW: Untreue

Zitat von Minze:
Außerdem finde ich schon, dass zu gegenseitigem Vertrauen gehört, dass man nichts voreinander zu verstecken braucht.
Es geht wie gesagt nicht nur um die beiden Partner, sondern auch um Dritte -- das können, wie schon mehrmals hier gesagt, Freunde/Bekannte/Familienangehörige sein, aber auch berufliche E-Mail-Konten und sensible Daten, z.B. Administrator-Passwörter. Ich möchte einfach (und beruflich bin ich darauf angewiesen), dass Dritte mir vertrauen können, dass ihre Daten/Informationen bei mir sicher sind. Es geht dabei gar nicht vordergründig darum, zu verhindern, dass der Partner schnüffeln könnte, sondern dass Informationen versehentlich oder durch Einbruch Dritter im unbefugte Hände geraten. Es reicht doch schon, wenn man sein Handy verliert oder einem das Notebook geklaut wird. Auf solche Risiken kann ich mich einfach nicht einlassen. Deswegen ist bei mir von vornherein vieles passwortgeschützt/verschlüsselt.

Ich sehe das ganze auch noch andersherum: Ich schlafe am ruhigsten, wenn ich so wenig wie möglich sensible Daten besitze. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ich bei merkwürdigen Vorfällen in den Kreis der Verdächtigen gerate, weil ich einer der wenigen bin, die z.B. das Passwort besitzen. Einmal hat mir meine selbstauferlegte Datensparsamkeit nämlich schon den Hals gerettet.
 
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  • #48
AW: Untreue

Zitat von Freitag:
weil alle so gut in Praxis und Theorie Bescheid wissen wie es richtig sein muß, sind auch alle noch auf der Suche nach dem perfekten Ideal :)
Ich habe noch nie nach einem "Ideal" gesucht (was immer das sein mag).
Ich versuche! einfach nur, auch in einer Beziehung mir selber treu zu bleiben und so zu leben, dass ich noch in den Spiegel bzw. meinem Partner in die Augen schauen kann (im "Idealfall" ist das dann mein Spiegel :))

Ausserdem bin ich ja nicht mehr auf der Suche :).
 
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  • #50
AW: Untreue

ah stimmt, ihr beide habt euch ja gefunden. Wieso seid Ihr dann jetzt beide online und anstatt euch gemeinsam im bett zu räkeln? :)
 
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Minze

  • #54
AW: Untreue

Zitat von Lisa:
Aber auch das ist doch wieder ein Zeichen, dass es in der Beziehung generell hakt. Da braucht keiner erst fremd zu gehen
Manchmal merkt einer der beiden das aber nicht so gleich. Es ist möglich, dass für einen von beiden noch alles in Ordnung war bis er die veränderten Verhaltensweisen des anderen dann irgendwann wahrgenommen hat. Es gibt die Möglichkeit der unterschiedlichen Weiterentwicklung. Der Moment des Wahrnehmens kann ein großer Schreck sein. Ungewissheit zermürbt. Gespräche wären notwendig und sehr sinnvoll, doch selbst wenn sie geführt werden könnten, wie klar kann einer, der sich still und leise veränderte, sich zu seinen Veränderungen äußern? Was, wenn er nicht wehtun will, aus Rücksicht nicht die Wahrheit sprechen mag? Einen beruhigt und doch verändert bleibt?

Die Wahrnehmung fokussiert sich auf des Partners Verhalten und die Sensibilität steigt... alles Anzeichen dafür, dass man die Ungewissheit nicht ertragen kann, loswerden möchte. Wenn der Partner nicht bereit ist,sich mit den Veränderungen auseinanderzusetzen, keine lösungsorientierte Gesprächsbereitschaft zeigt, was dann? Ist es wirklich nicht nachzuvollziehen, dass solche Menschen sich selber Klarheit verschaffen wollen?
 
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Minze

  • #56
AW: Untreue

Zitat von Lisa:
Wenn sie/er im Handy und den Nachrichten des Partners ohne Erlaubnis rumschnüffelt und es stellt sich heraus, da war nix, dann wäre der andere zu Recht stinksauer.
Er /sie hätte nämlich in einer Partnerschaft erwarten können, dass vielleicht mal auch geredet wird?
Klar, das ist immer der erste Schritt, das Gespräch suchen. In einer Partnerschaft und Liebesbeziehung erwarte ich, dass Schnüffeln deshalb kein Thema ist, weil es niemand nötig haben muss, da die betreffenden Personen sich vertrauen können, sich sicher sein können, dass der jeweils andere keine heimlichen Geschichten anfängt. Und wenn einer was anderes sucht und anfangen möchte, dass er das dann selbstverständlicherweise mitteilt. So viel muss einem der andere wert sein, dass man ihn nicht hinhält oder ihm was vormacht.

Zitat von Lisa:
Natürlich ist so ein Verdacht sehr schmerzhaft und nagend. Aber er ist doch auch ein Zeichen dafür, dass etwas Grundlegendes in der Beziehung nicht mehr stimmt. Dann sollte man vielleicht erst darüber reden? Ohne irgendeinen konkreten Verdacht zu äussern oder jemand zu beschuldigen.
Es ging nicht um Beschuldigungen. Es ging um Verunsicherungen und den Wunsch nach Klarheit. Was tun, wenn Verdachtsmomente auftreten, wenn verändertes Verhalten wahrgenommen wird, Verhalten, das auf Fremdgehen hindeuten könnte?

Natürlich gehe ich davon aus, dass vor Überprüfungen irgendwelcher Kommunikationsmittel das persönliche Gespräch gesucht wird. Und zwar nicht vorwurfsvoll, sondern die eigenen Wahrnehmungen, das eigene Empfinden, die Verunsicherungen reflektierend.
Und dennoch kann ich verstehen, dass man zum Überprüfen neigen kann, wenn dies alles kein Licht in die Dunkelkeit bringt, die Ungewissheit also bestehen bleibt.
 
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  • #57
AW: Untreue

Oh Gott, public viewing ;-)
 
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  • #58
AW: Untreue

Nee, das ist morgen.
 
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Minze

  • #59
AW: Untreue

Zitat von Lisa:
Nur weil man in einer Partnerschaft ist, verschmilzt man doch nicht zu einem Hybrid. Jeder ist doch noch ein eigenständiger Mensch mit eigener Privatsphäre. Zumindest möchte ich das, und ich respektiere das auch im Gegenzug bei meinem Partner. Dabei geht es nicht um Heimlichtuerei oder "etwas verstecken".
Wie redest du von einer *Partnerschaft*? Ich verstehe darunter eine Nahbeziehung zwischen zwei sich sehr nahestehenden Menschen. Diese besondere Nähe und Zuneigung verbindet zwei Menschen. "Hybrid" klingt so technisch.

In der Kommunikationswissenschaft wird von Hybridisierung gesprochen, wenn sich mehrere Genres zu einem Neuen zusammenfügen.

In einer Partnerschaft finden zwei Menschen zusammen, die Lust darauf haben, ihr Leben gemeinsam zu gestalten, miteinander zu teilen. Da verschmilzt nichts, aber aus zwei Menschen wird ein Paar, auf freiwilliger Basis, versteht sich. Natürlich hat jeder Teil dieses Paares auch ein Eigenleben, eine individuelle Persönlichkeit mit eigener "Ursprungsfamilie" / Familienkreis, mit eigenen Freunden usw. ..., doch all das muss doch nicht versteckt oder verheimlicht werden. Diese Kontakte können doch offen bestehen.

Wenn mir eine Freundin oder ein Freund etwas anvertraut, dann kann ich das meinem Partner doch sagen, dass der ein oder andere Austausch mit xy nur für mich bestimmt ist, weil die Freundin oder der Freund nur mit mir darüber sprechen möchte.
Noch wesentlicher: Nachrichten von bekannten Adressen verleiten doch eher weniger zum Überprüfen und müssen deshalb auch nicht verschlüsselt werden.

Mir erscheint die Argumentationsschiene, welche die "Eigenständigkeit und Privatsphäre" so hervorheben muss suspekt. Selbstverständlichkeiten einer intakten, klaren und offenen Partnerschaft sind in einer unklaren und ungewissen Partnerschaft eben nicht mehr selbstverständlich. Diese Selbstverständlichkeiten brauchen eine stabile Vertrauensbasis und die schafft man nicht durch Verschlüsselungen. Wenn ich erlebe, dass mein Partner unverschlüsselt seine Kontakte pflegt, dann muss ich nicht beunruhigt sein. Wenn ich erlebe, dass wir uns beide unbeschwert frei entfalten können, dass wir sein können, die wir sind, dass wir uns gegenseitig so annehmen und lieben, dann haben wir beide keine Verschlüsselungen nötig. Dann gehören freundschaftliche Kontakte zu unserer Beziehung, auch wenn es sich nicht um gemeinsame Freunde handelt.
 
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Minze

  • #60
AW: Untreue

Zitat von Lisa:
Das heisst, ein Unrecht (Fremdgehen) wird mit einem anderen (in Privatsachen rumschnüffeln) bekämpft? Das kann es ja wohl nicht sein. Ich finde nicht, dass der Zweck alle Mittel heiligt.
*Bekämpft*... ich denke nicht so. Die eine Sache hat die andere zur Folge, Überprüfen ist die Folge von Ungewissheit durch Anzeichen von Untreue. Letzteres ist erlebt viel zu schmerzhaft als dass ich so reden, geschweige denn denken wollte. Glaubst du, es ist spannend zu überprüfen?? Glaubst das befriedigt? In der Regel tut es verdammt weh. Geheiligt wird da gar nichts und wie gesagt das Überprüfen ist eine Verzweiflungstat, die man vornimmt, wenn man die Ungewissheit nicht mehr erträgt, wenn es schmerzt. So stelle ich mir das vor.

Zitat von Lisa:
Und klare Umstände schafft man am besten durch klare Kommunikation. Ich habe das Gefühl, dass das Miteinanderreden irgendwie völlig aus der Mode gekommen ist. Da wird rumspekuliert, es werden Dritte gefragt, Tests gemacht, Ratgeber gelesen.
Nee, wenn ich in meiner Beziehung schon soweit gekommen bin, dann ist es völlig wurscht, ob der andere fremdgeht, dann stimmt schon was Grundsätzliches nicht mehr.
Das hört sich so leichtfüßig an, so locker und mir zu theoretisch. Für eine klare Kommunikation zwischen Zweien braucht es *zwei* Kommunikationsbeteiligte mit dem Willen dazu. Was, wenn einer nicht kann oder nicht will? Wenn Kommunikation so einfach wäre, dann gäbe es gewiss weniger Interaktionsprobleme und bestimmt auch weniger schmerzvolle Trennungen.