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  • #1

Überfrachtung ?

Ich brauche keinen Rat, würde aber mal gerne eure Gedanken dazu hören.

Die meisten Menschen haben andere Menschen in ihrem Leben, die ihnen wichtig sind und die sie lang, manchmal lebenslang durchs Leben begleiten : Freunde und Freundinnen, Kollegen, eigene Kinder, Nachbarn.....
Viele dieser Beziehungen haben ganz unterschiedliche Inhalte, erfüllen verschiedene Zwecke, auch innerhalb dieser Gruppierungen. In der Regel habe ich da eine Vielzahl von Leuten, die mir wichtig sind und wo der Umgang miteinander in der Regel entspannt und "unaufgeregt" läuft. Wenn mal etwas schiefläuft, hängt nicht gleich mein ganzes Lebensglück davon ab, ich kann auch mal 5 gerade sein lassen und Schwächen und Nervigkeiten der einzelnen gelassen hinnehmen.

Warum ist das in Hinblick auf Liebesbeziehungen so anders, zumindest in den Anfangsphasen ? Da wird oft erhofft und erwartet bis zum Anschlag - wenige kommen durch den ersten Check hindurch und die Liste, wo es "passen" muss, ist elendig lang.
Warum ist das eigentlich so ? Wenn ich mit so einer Einstellung Freunden oder Kollegen begegnen würde, wäre ich so ziemlich allein.

Was ist so besonders an einer Liebesbeziehung, dass sie so "aufgebauscht" wird. Erfüllung für das ganze Lebensglück ? Es scheint manchmal so.

Liegt das irgendwo in unseren Genen, dass der "Bestand der Art" unbedingt mit enger Verschmelzung einher gehen muss ? Ist das noch zeitgemäß ?
Oder ist es eine kulturelle Fessel, ständig hochgepuscht durch Hollywood und gesellschaftliche Erwartungen, unbedingt die große und einzige Liebe finden zu müssen ?

Warum kann ich eine Freundin mit zig verschrobenen Eigenheiten ein Leben lang als Bereicherung empfinden und mir selbstverständlich erhalten - einen Liebespartner, der sich ähnlich "kompliziert" entwickelt, aber schnell auf die Abschussliste setzen ?

Wäre es nicht einfacher, ein bisschen entspannter zu schauen, mit wem man sich verbinden kann, ohne die allumfassende Lebensglückerwartung immer mitzuschleppen ?

Kann ich das denn, wenn ich das will ? Oder komme auch ich nicht aus meiner Haut heraus ?
 
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  • #2
Hallo Schreiberin,

ich denke, das hängt u.a. damit zusammen, dass Freunde häufig kommen und gehen und man mit diesen Menschen nicht einen so engen und häufigen Umgang hat, wie mit einem Partner. Freunde stellen eine Gruppe von Menschen dar, der Partner steht ganz allein für sich.

Eine Partnerschaft gehen viele Menschen (zumindest in Gedanken geplant) für eine längere Zeit ein. Über die Dauer von Freundschaften macht man sich keine Gedanken. Diese "wachsen" mit der Zeit - oder eben nicht.

Da man sich jedoch mit einem Partner im besten Falle auf viel tieferen emotionalen und vor allem, im Gegensatz zu Freunden, intimen Ebenen verbindet, bekommt diese Person einen komplett anderen Stellenwert im Leben eines Menschen.

Hinzu kommt, dass Freundschaften sich sehr häufig beiläufig ergeben. Durch ähnliche Interessen, andere Freunde, Zufall etc. Freunde werden in der Regel nicht gezielt gesucht.

Partner dagegen schon. Und deshalb meinen viele Menschen, dass sie diese Suche und das Finden anhand von Parametern steuern und optimieren können, um das vermeintlich bestmögliche Ergebnis zu erhalten.

Da viele Leute feststellen, WIE schwierig, kompliziert, verkopft, umständlich und oftmals langwierig die Suche nach dem/der Richtigen ist,
möchten Sie diesen "Prozess" auf keinen Fall noch einmal durchlaufen müssen. Und deshalb MUSS der nächste Partner der "Richtige" - und vor allem soll er/sie der "Letzte" sein. Für immer - bis an's Lebensende.

Um diesem Anspruch genügen zu können, muss schon das "Optimum" her, oder nicht?
 
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  • #3
Hallo IMHO
Das wird sicher sehr unterschiedlich gelebt. Ich habe oft den Eindruck, dass viele Männer Freunden nicht so eine Wichtigkeit beimessen.

Ich kann für mich nur sagen, dass ich diverse Freundinnen und Freunde habe, die in keinster Weise "kommen und gehen", sondern mich teilweise seit meiner Jugendzeit begleiten. Da steckt auf jeden Fall auch viel emotionale Tiefe und Verbundenheit drin. Und die Häufigkeit des Sehens hat für mich nicht immer direkt was mit der Qualität der Beziehung zu tun.
Wer das nicht mit Freunden hat, dann vielleicht mit Brüdern oder Schwestern.

Interessant, dass du die Beiläufigkeit erwähnst. Tatsächlich ist das so, dass aus einer zufälligen Situation richtige Freundschaften entstehen können.
Gerade wenn ich hier im Forum lese, scheint es mir, dass etwas mehr Beiläufigkeit für viele Leute vielleicht erfolgversprechender wäre, bei der Partnersuche....

Die These, dass man aus lauter Horror vor der schwierigen Suche so eine Endgültigkeit und hohe Ansprüche einbringt, halte ich für gewagt.
Ich schätze, es geht eher darum, etwas Himmliches zu erhalten als etwas Höllisches zu vermeiden...
 
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  • #4
P.S. Die Intimität durch den Sexfaktor und dadurch entstehende Beschränkungen hat man doch in anderen Bereichen in Teilen auch, oder ? So könnte ich zum Beispiel auch nicht mit jeder Freundin zusammenwohnen oder in Urlaub fahren oder tanzen gehen..
 
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  • #5
P.P.S. Warum sucht man nicht im Freundeskreis auch "das Optimum" an bestem Freund ? Sondern ist da gnädiger, weniger fordernd und trotzdem zufrieden ?
 
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  • #6
Erster Schritt dazu war vermutlich der Übergang zur Seßhaftigkeit und der Pflege von Landwirtschaft. Der zweite dann mit der Erfindung der romantischen Liebe. Vielleicht gabs auch noch den einen oder anderen Zwischenschritt mittendrinn. Und heute kommt dann noch diese Verletztheits- und Selbstschutzideologie hinzu.

Im Hinblick auf Suche und Beiläufigkeit gibts beides in beiden Fällen. Mir sind genug Leute bekannt, die recht aktiv Freundschaften suchen und pflegen, weil sie neu in eine Stadt kommen, sich in einem neuen Arbeitsumfeld orientieren, Gefährten für bestimmte Aktivitäten suchen. Und umgekehrt habe ich nicht den Eindruck, daß Partnerfindung in der Reegel auf explizite Partnersuche zurückzuführen ist. Und gerade selbst bei explizit Suchenden scheint die Vorstellung der Unberechenbarkeit und Unherstellbarkeit von Liebe großen Anklang zu finden. Man möchte lieber Opfer von Amors Pfeil oder anderen höheren Mächten sein, so sehr man sich auch sonst als Macher versteht.

Was meint ihr: welche Beziehungen beruhen bei euch ehrlicher auf gegenseitigem Nützen: romantische Liebesbeziehungen oder Freundschaftsbeziehungen?
 
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  • #7
Das mit dem Nutzen und Bedürfnisbefriedigung kam letztens schon mal in irgendeinem Thread vor. Da wurde mir klar, dass man IMMER irgendwelche Bedürfnisse befriedigt - in allen Arten von Beziehungen. Wozu sonst sollte man die Mühe auf sich nehmen ?

Was die Ehrlichkeit angeht : in freundschaftlichen Beziehungen ist man da etwas unverkrampfter und sagt auch ganz offen - mit dir kann ich das und das gut, anderes klappt nicht bei uns.

In Liebesbeziehungen kann da schnell eine kleine Krise entstehen : zum einen wird auf die Fahne eine gewisse Selbstlosigkeit geschrieben - nur für dich aus reiner Liebe, dein Glück ist mein Glück und so. Andererseits kriegen manche gleich Schnappatmung wenn zu deutlich gesagt wird : das und das lassen wir lieber, das kriegen wir nicht zusammen hin (Haushaltsführung, Geld verwalten, Hobbys bestreiten) . Viele hätten da gerne allumfassende Glückseligkeit (daher mein Überfrachtungsgedanke).
 
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  • #8
Ich glaube, dass Dein Wort/Begriff "Überfrachtung" an eine gewünschte Beziehung sehr nahe kommt. Meistens sind die Erwartungen, gerade auch in der Anfangsphase sehr hoch geschraubt. Es soll alles auf einmal in sehr kurzer Zeit passen. Entwicklung ist dort überhaupt nicht möglich und wird auch nicht mit bedacht. Des weiteren sind die Erwartungen realitätsfremd, widersprüchlich, märchenhaft. Dazu kommt, das viele in Beruf, Hobby,Familie etc. sehr eingespannt bzw. angespannt sind, so dass man meint, in einer Beziehung könnte und müsste man sich ausruhen können oder es soll harmonisch zugehen. Ich habe mir mal sagen lassen, dass wir uns lieber von Partnern trennen, niemals jedoch von unseren Idealen. Ich denke, da ist was wahres dran. Dann kommt, wie butte schon schrieb, die Verletztheits- und Selbstschutzideologie und auch immer wieder gern genommen, die Unabhängigkeit und nicht gern genommen, die Bequemlichkeit hinzu.
Jedoch ist es so, wenn ich mit Paaren gesprochen habe, dass gerade erst Krisen die sie bewältigt haben, ihre Liebe haben wachsen und gedeihen lassen. Doch dazu braucht es Zeit und Geduld und Sprache. Und die Entscheidung für die Liebe. Ich denke außerdem, dass zu oft auf das geschaut wird was fehlt, anstatt auf das, was man hat bzw. bekommen kann.
Hmm, liest sich wohl gerade ein bisschen durcheinander, doch ich habe gerade keine Lust mehr es noch ordentlich zu sortieren. Sorry. Sonst dauert es wieder Stunden bei mir, ich muss mich im Schreiben hier erst mal wieder üben.

Ob Du aus Deiner Haut raus kommst liebe Schreiberin, kann ich Dir nicht beantworten. Jedoch wenn Du es willst, dann kannst Du es. ;O)
 
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hmm

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  • #9
Sehr gutes Thema, beschäftigt mich auch. Der Unterschied mit Freunden ist u.a., dass man ja von denen meist mehrere hat. Mit dem einen kann man reden, mit dem anderen ins Kino gehen, mit wieder einem anderen Bier trinken. Nervt einen der eine grad , trifft man sich eben mit dem anderen. Partner oder eine Partnerin habe ich nur eine. Wenn es mit dem Sex grad nicht gut läuft gibt es In der Regel (oder doch?) keine Andere mit der ich dann eben guten Sex habe. Oder eine Andere fürs Kinder aufziehen oder zum reden. Ein Partner muss daher viel mehr Bedürfnisse abdecken bzw. soll das ...mal fünfe grade stehen lassen dazu braucht es eine solide Basis, in sich und in der Partnerschaft, eine gewisse Sicherheit. Das haben aber viele nicht, sie sind unsicher, haben zu wenig Freunde oder überhaupt andere Menschen in ihrem Leben...dieser eine Mensch soll dann alles erfüllen, das ist wirklich Überfrachtung.

Und leider viel zu viele lesen viel zu viele Kitschromane, hängen an vermeintlichen Konventionen, überhöhen das Ganze noch zur Seelenverwandtschaft, dabei kennen sie weder sich und schon gar nicht den anderen. Idealisierungen, Unreife...da fällt der andere schnell,w erden diese unrealistischen Riesen-Erwartungen schnell enttäuscht.
 
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  • #10
Zitat von Schreiberin:
P.P.S. Warum sucht man nicht im Freundeskreis auch "das Optimum" an bestem Freund ? Sondern ist da gnädiger, weniger fordernd und trotzdem zufrieden ?
Dort sucht man nicht das optimum, weil man ja weiss, dass das sehr schwer zu finden ist.
Mit seinen Freunden teilt man auch nicht das Bett, was der Ursprung vieler Partnerschaftsprobleme ist. In Freundschaften erwartet man auch nicht, dass der andere im Haushalt hilft, an alle Jahrestage denkt, die richtigen Blumen mitbringt, sich um die Kinder kümmert.
 
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  • #11
Zitat von hmm:
.dieser eine Mensch soll dann alles erfüllen, das ist wirklich Überfrachtung.

Und leider viel zu viele lesen viel zu viele Kitschromane, hängen an vermeintlichen Konventionen, überhöhen das Ganze noch zur Seelenverwandtschaft, dabei kennen sie weder sich und schon gar nicht den anderen. Idealisierungen, Unreife...da fällt der andere schnell,w erden diese unrealistischen Riesen-Erwartungen schnell enttäuscht.
Sind diese Erwartungen wirklich so unrealistisch?
Viele, die eine Ehe hinter sich haben, wissen, dass das alles machbar ist, weil man es ja bereits erlebt hat. Sonst hätte man ja auch nicht geheiratet, ausser den Unglücklichen, die aus verqueren Gründen geheiratet haben oder sich nicht lange genug kannten).
Jedenfalls ist doch der Partner im Idealfall auch bester Freund, Vertrauter, Geliebter und oftmals Seelenverwandter gewesen. Also will man ja eigentlich nichts anderes, und auch nichts shclechteres, als man schon mal gehabt hat.
 
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  • #12
Liebe Heppy,
das fand ich gar nicht wirr, sondern gut auf den Punkt gebracht !
Zum Aus-der-Haut-rauskommen : ich hab wohl die letzten Jahre zu viel Heike/Butte gelesen und frag mich jetzt regelmäßig : hab ich mich verändert oder mach ich mir nur gekonnter was vor ?... ;-)
 
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  • #13
Zitat von hmm:
Sehr gutes Thema, beschäftigt mich auch. Der Unterschied mit Freunden ist u.a., dass man ja von denen meist mehrere hat. Mit dem einen kann man reden, mit dem anderen ins Kino gehen, mit wieder einem anderen Bier trinken. Nervt einen der eine grad , trifft man sich eben mit dem anderen. Partner oder eine Partnerin habe ich nur eine. Wenn es mit dem Sex grad nicht gut läuft gibt es In der Regel (oder doch?) keine Andere mit der ich dann eben guten Sex habe. Oder eine Andere fürs Kinder aufziehen oder zum reden. Ein Partner muss daher viel mehr Bedürfnisse abdecken bzw. soll das ...

Das ist ja gerade die Frage : MUSS ein Partner/eine Partnerin das alles abdecken ? Wenn in einer Freundschaft jemand gerade mal in bestimmten Bereichen nicht zur Verfügung steht, schickt man ihn ja auch nicht gleich zum Teufel, sondern nimmt es zumindest eine Weile hin und holt sich das, was man braucht woanders, ohne dass gleich alles in Frage gestellt wird...
Sicher kann man da nicht beliebig und grenzenlos auf Bedürfnisbefriedigung verzichten, aber es wäre schon hilfreich, wenn die Erwartungen da von Anfang an nicht gleich in den Himmel wachsen...
 
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Dr. Bean

  • #14
Ohne überheblich klingen zu wollen aber genau das ist der Grund warum ich mich in der modernen datingwelt wie ein alien fühle.
Ich habe 0 Anspruch an eine Beziehung, sowas kann man auch nicht haben, ich geh ja nicht shoppen.
Ich suche eine Freundin, keine Lebenspartnerin oder Mutter meiner Kinder, sondern Freundin und nen Freund tuts auch.
Liebe braucht mal gerne nen Jahr um zu entstehen.
Und infrage kommt jeder den ich sympathisch find und nicht derjenige der die richtigen Schuhe zum date anzieht.

Ich war 12 Jahre mit ner Frau zusammen, die hat geschnarcht, gefurzt und wenn man deswegen genervt wird und seine Partnerschaft in Gefahr sieht, sollt man überlegen ob man für dieses teamspiel überhaupt geschaffen ist.
 
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  • #15
Zitat von Truppenursel:
Dort sucht man nicht das optimum, weil man ja weiss, dass das sehr schwer zu finden ist.
Mit seinen Freunden teilt man auch nicht das Bett, was der Ursprung vieler Partnerschaftsprobleme ist. In Freundschaften erwartet man auch nicht, dass der andere im Haushalt hilft, an alle Jahrestage denkt, die richtigen Blumen mitbringt, sich um die Kinder kümmert.

Ich glaube eher, man sucht nicht das Optimun, weil man einfach nicht im Hirn hat, dass einer für alles herhalten soll. Was man aber innerhalb der Partnerschaft gerne mal zumutet.
 
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  • #16
Zitat von Truppenursel:
Jedenfalls ist doch der Partner im Idealfall auch bester Freund, Vertrauter, Geliebter und oftmals Seelenverwandter gewesen. Also will man ja eigentlich nichts anderes, und auch nichts shclechteres, als man schon mal gehabt hat.

Das ist schön, dass du das anscheinend mal so erleben durftest. Wenn die Ehe dann aber trotzdem nicht hält, scheint die Sicht des anderen leider anders gewesen zu sein.
Sicher schwierig, sich damit abzufinden und auch, nicht daran zu messen und jemanden zu finden, der oder die dagegen anstinken kann...
 
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  • #17
nicht jede Frau ist so ungehobelt und schlecht erzogen, Mr Bean! Jedem Topf sein Deckelchen.
 
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Dr. Bean

  • #18
Ja sorry mein Beitrag liest sich sehr aggro aber bin ich gar nicht. Ich hab den Beitrag von Schreiberin schon heut vor ein paar Stunden gelesen und fand ihn super, weil er endlich mal dem Pudels Kern näher kommt. Wenn ich besser im überzeugen wäre, würd ich auch mal meine Gedanken dazu schreiben, nur ich hab leider nicht genug inneren antrieb im Moment dafür.
 
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Dr. Bean

  • #19
Ist auch einer der Gründe warum ich mich nie auf ner Partnerbörse anmelden könnte. Ich hätt ja dann schon bei gesprachsaufnahme eine Intention verraten. Wo bleibt da das Spiel. Und ich müsste der Frau auch gleich zeigen, dass ich sie u.U. Will, sonst fühlt sie sich ungeliebt, dabei weiss ich das ja noch gar nicht.
Wenn ich jemanden beim sport treffe man kommt ins Gespräch findet sich sympathisch, entsteht eine Freundschaft und viel später vielleicht mehr. So sollte es laufen.
Insziniertes Dating wird das nie ersetzen können und kann nur irgendwann frustrieren.
 
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  • #20
Ich glaube nicht, dass jemand seinen ersten Partner jemals nach diesen Checklisten, die hier mitunter hochgehalten werden wie Schilder ausgewählt hat. Mag sein das Ansprüche sich im Alter verändern, ich glaube aber, dass mit dem Alter auch eine Art verhängnisvoller Irrglaube auftreten kann. Der Irrglaube, die richtige Checkliste würde dauerhaftes Glück beinhalten oder ist es nur noch die Suche nach einer Zweckgemeinschaft, der optimale Mehrwehrt ? Ich kann mich nach diesen Kriterien gar nicht verlieben, sehe diese SB als Kontaktanbahnung.
 
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Dr. Bean

  • #21
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Dr. Bean

  • #22
Noch eine letzte Idee dann muss ich ins Bett. Man nehme mal an die Grundlage einer schönen Beziehung wäre Freundschaft und Sympathie und man könne sich ganz frei und unverfänglich kennen lernen. So wie einige Leute immer sagen, suchst du nicht mehr findet sie dich von ganz allein. Hat das mit der inneren Ausstrahlung zu tun? Ich glaub nicht, die zählt nur die ersten 5 Sekunden. Ist jetzt der kriterienkatalog geschlossen und man hat aufgegeben? Vielleicht ein bisschen, denn wie entstehen Ansprüche, warum sucht man nach dem Optimum, was macht einen so unflexibel?
Es ist die Sehnsucht, die Sehnsucht die einen motivierte sich all das überhaupt anzutun, ist auch diejenige, die den Anspruch schafft, denn man will doch auch endlich mal den großen Wurf.

Ich mein daran kann man nichts ändern, das ist nur menschlich. Ich finds einfach nur wichtig zu wissen, wie mein Feind heisst. Und ich Spiel schon mit dem Gedanken mir Östrogen spritzen zu lassen, um diesen Feind zu bekämpfen, denn ich hasse es wenn ein Gefühl so viel macht hat über mich. Aber vermutlich steh ich dann auf männer und das bringt auch nix.
 
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  • #23
Zitat von Schreiberin:
Wäre es nicht einfacher, ein bisschen entspannter zu schauen, mit wem man sich verbinden kann, ohne die allumfassende Lebensglückerwartung immer mitzuschleppen ?

Hallo Schreiberin! (Viel-Schreiberin ;-)

Meine Frau ist 2012 im Alter von 53 Jahren an Krebs gestorben und ich blieb nach 28 Ehejahren alleine übrig. Wir waren uns sehr ähnlich. Sensibel, interessiert an eigentlich allem, wir hatten gemeinsam viel zu lachen, eigentlich bis zum Schluss, auch wenn das schon manchesmal einen Beigeschmack von Verzweiflung hatte.

Ich blieb als ein Rudiment meiner selbst zurück und wusste lange Zeit nicht, wie ich weiterleben sollte. Ich existierte irgendwie stumpf vor mich hin.
Durch Freunde, Hausarzt und Selbsthilfegruppe bin ich tatsächlich wieder "in's Leben zurückgekehrt" und habe jetzt die Kraft und den Mut, noch einmal druchzustarten.

Wenn ich lese (hier oder anderswo) wie manche sich Beziehung vorstellen, kann ich mich nur wundern.
Der Partner ist doch kein Ersatzteillager für all das, was mir fehlt. Was passiert, wenn er/sie mir das gar nicht geben will - sondern etwas anderes?
Ich denke, die Überfrachtung der modernen Beziehung besteht darin, dass fast unendliche Wünsche und/oder Erwartungen an den Partner herangetragen werden, bei einer dem eher nicht entsprechenden Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, auch in schwierigen Zeiten zueinander zu stehen, sich selbst so zu entwickeln, dass man mit dem anderen in Frieden leben kann. das heisst heute "der andere schränkt mich in meiner Individualität ein", "ich kann mit diesem Menschen nicht so ich selber bleiben, wie ich es könnte, wenn ich allein wäre"

Die äußeren Zwänge, lebenslang zusammen zu bleiben, sind weitgehend nicht mehr existent. So driftet jeder Einzelne zusehends in die Vereinzelung der Individualisierung, die kein Miteinander mehr zulässt, weil sie sich dafür selbst beschränken müsste.

Es wird ja so viel von Beziehungsfähigkeit gesprochen. Vielleicht ist es eben diese Bereitschaft, sich in allererster Linie unterzuordnen in Sachen Wichtigkeit - unter die Beziehung, auch ein Stück weit unter den Partner/die Partnerin (nicht immer und grundsätzlich, aber wenn es nötig ist oder angemessen oder ...ziemlich oft jedenfalls in der Praxis. Wenn beide das tun, ist es schön :)
 
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  • #24
Zitat von Dr. Bean:
Noch eine letzte Idee dann muss ich ins Bett. Man nehme mal an die Grundlage einer schönen Beziehung wäre Freundschaft und Sympathie und man könne sich ganz frei und unverfänglich kennen lernen. So wie einige Leute immer sagen, suchst du nicht mehr findet sie dich von ganz allein. Hat das mit der inneren Ausstrahlung zu tun? Ich glaub nicht, die zählt nur die ersten 5 Sekunden. Ist jetzt der kriterienkatalog geschlossen und man hat aufgegeben? Vielleicht ein bisschen, denn wie entstehen Ansprüche, warum sucht man nach dem Optimum, was macht einen so unflexibel?
Es ist die Sehnsucht, die Sehnsucht die einen motivierte sich all das überhaupt anzutun, ist auch diejenige, die den Anspruch schafft, denn man will doch auch endlich mal den großen Wurf.

Ich mein daran kann man nichts ändern, das ist nur menschlich. Ich finds einfach nur wichtig zu wissen, wie mein Feind heisst. Und ich Spiel schon mit dem Gedanken mir Östrogen spritzen zu lassen, um diesen Feind zu bekämpfen, denn ich hasse es wenn ein Gefühl so viel macht hat über mich. Aber vermutlich steh ich dann auf männer und das bringt auch nix.
Ich finde genau diese Wahrnehmung könnte das Problem sein: Das Gefühl als Feind anzusehen - begrüße das Gefühl als Freund und lass es zu - denk dran, es sind menschliche Gefühle und die können nicht falsch sein - sie haben ihren Grund und erfüllen diesen Zweck.
 
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  • #25
Der Wille ist das Eine, und die Bereitschaft - das Andere ist das Vertrauen. Das Vertrauen in diesen Menschen neben mir. Das Vertrauen in das Leben, dass dieser Prozess des "Geschliffenwerdens" im weitesten Sinne gut für mich ist. (merke ich oft erst hinterher)
 
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  • #26
Zitat von c.henning:
Hallo Schreiberin! (Viel-Schreiberin ;-)

Meine Frau ist 2012 im Alter von 53 Jahren an Krebs gestorben und ich blieb nach 28 Ehejahren alleine übrig. Wir waren uns sehr ähnlich. Sensibel, interessiert an eigentlich allem, wir hatten gemeinsam viel zu lachen, eigentlich bis zum Schluss, auch wenn das schon manchesmal einen Beigeschmack von Verzweiflung hatte.

Ich blieb als ein Rudiment meiner selbst zurück und wusste lange Zeit nicht, wie ich weiterleben sollte. Ich existierte irgendwie stumpf vor mich hin.
Durch Freunde, Hausarzt und Selbsthilfegruppe bin ich tatsächlich wieder "in's Leben zurückgekehrt" und habe jetzt die Kraft und den Mut, noch einmal druchzustarten.

Wenn ich lese (hier oder anderswo) wie manche sich Beziehung vorstellen, kann ich mich nur wundern.
Der Partner ist doch kein Ersatzteillager für all das, was mir fehlt. Was passiert, wenn er/sie mir das gar nicht geben will - sondern etwas anderes?
Ich denke, die Überfrachtung der modernen Beziehung besteht darin, dass fast unendliche Wünsche und/oder Erwartungen an den Partner herangetragen werden, bei einer dem eher nicht entsprechenden Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, auch in schwierigen Zeiten zueinander zu stehen, sich selbst so zu entwickeln, dass man mit dem anderen in Frieden leben kann. das heisst heute "der andere schränkt mich in meiner Individualität ein", "ich kann mit diesem Menschen nicht so ich selber bleiben, wie ich es könnte, wenn ich allein wäre"

Die äußeren Zwänge, lebenslang zusammen zu bleiben, sind weitgehend nicht mehr existent. So driftet jeder Einzelne zusehends in die Vereinzelung der Individualisierung, die kein Miteinander mehr zulässt, weil sie sich dafür selbst beschränken müsste.

Es wird ja so viel von Beziehungsfähigkeit gesprochen. Vielleicht ist es eben diese Bereitschaft, sich in allererster Linie unterzuordnen in Sachen Wichtigkeit - unter die Beziehung, auch ein Stück weit unter den Partner/die Partnerin (nicht immer und grundsätzlich, aber wenn es nötig ist oder angemessen oder ...ziemlich oft jedenfalls in der Praxis. Wenn beide das tun, ist es schön :)
Das tut mir Leid.
 
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  • #27
Zitat von flower_sun:
Ich finde genau diese Wahrnehmung könnte das Problem sein: Das Gefühl als Feind anzusehen - begrüße das Gefühl als Freund und lass es zu - denk dran, es sind menschliche Gefühle und die können nicht falsch sein - sie haben ihren Grund und erfüllen diesen Zweck.

Da hast du natürlich nicht unrecht. Ich hab die Situation mal analysiert in den letzten Jahren: und zwar fing dieses Gefühl der Sehnsucht schon vor meiner Trennung an. Ich habe erst Jahre danach wirklich begriffen, dass ich auch unzufrieden war. Ich hatte zwar in den letzten Jahren der Beziehung immer mal wieder Phantasien, wie das Leben so gelaufen wäre, ohne diese Frau aber die hab ich nicht so wirklich ins Bewußtsein aufsteigen lassen. Ich hab selber gemerkt, wieviel ich mir manchmal vorgaukel, obwohl ich auch nicht mit der Gesamtsituation zufrieden bin.
Ich bin ein sehr loyaler Mensch - sagen die einen - die anderen sagen: ich bin sehr bequem. Wenn etwas funktioniert und ich mich eingerichtet habe, bleib ich bequem sitzen und merke dann gar nicht, wie sehr ich mich selbst anöde. Ich habe gelernt, da auch mal besser in mich hinein zu horchen und mir bestimmte Regungen, Gefühle und Gedanken bewußter vorzuknöpfen.
Nun wurde diese Sehnsucht ganz stark, als wir uns trennten. Was vorher schon psychisch manifestiert war, wurde dann durch die Körperlichkeit manifestiert. Nach so einer Trennung hat man ja regelrechte Entzugserscheinungen. Für mich war das erste halbe Jahr körperlich eine Katastrophe. Geistig habe ich mich damit abgefunden aber mein Körper reagierte wie bei einem Heroinentzug. Ich hatte Schlafstörungen, Panikattacken mitten in der Nacht, wurde schweißgebadet mit Herzrasen wach und war lange Zeit tagsüber depressiv, reizbar, verstimmt und hatte ein Gefühl der völligen Leere in mir. Mit der Zeit besserte sich das, so Schritt für Schritt. Mittlerweile bin ich da über den Berg. Doch was sich konstant durch alles zog, war diese ewige Sehnsucht. Dieses Gefühl im Bauch, was sich nach irgendetwas sehnt, was einen zerreißt, nervös macht, euphorisch macht, enthusiastisch werden lässt und dann wieder in ein tiefes Loch stürzt.

Gut für mich war die Erklärung einfach: ich brauch ne Frau. Also suchte ich mir eine Frau, zwei Frauen, drei Frauen, vier Frauen... es klappte nicht. Ich lernte wirklich tolle nette Frauen kennen, sympathisch und bodenständig und sobald der Moment kam, wo in mir Gefühle für eine Beziehung aufkeimten, hatte ich das starke Bedürfnis abzuhauen. Ich will diese Gefühle nicht zu lassen. In der Zeit hab ich vielen Frauen vor den Kopf gestoßen, worauf ich nicht stolz bin - wenn ich mich besser verstanden und im Griff gehabt hätte - wäre das nicht passiert, aber es wird ja niemand weise geboren.

Heute bin ich an dem Punkt, wo ich die Sehnsucht anfange zu begreifen. In puncto Beziehung hat sich für mich nichts geändert, ich bin noch lange nicht wieder so weit, mich zu öffnen. Die Trennung hat bei mir Wunden hinterlassen, die müssen heilen. Ich merke, dass die Zeit hilft aber ich brauche viel davon. Doch in puncto Sehnsucht komme ich immer besser auf den Dampfer. Und zwar: als kleiner Junge war ich immer enthusiastisch neues zu entdecken. Doch desto erwachsener ich wurde, desto mehr hab ich das vergessen. Und irgendwann hörte ich damit auf. Was mich glücklich macht, was mein Wesen ist, ist ein Entdecker zu sein - egal worum es geht - ich liebe Überraschungen oder Entwicklungen mit denen ich nicht gerechnet habe. Ich entdecke das wieder im Sport, in Reisen, in Büchern, in Filmen, in der Bildung es fasziniert mich und ist mein Wesen. Doch als ich damit aufhörte, hatte es mich fast umgebracht. Und die Depression, die ich damals hatte, die meine ExFreundin auch maßgeblich in die Trennung bewegte, hat ich mir selbst zuzuschreiben. Es war damals passiert, weil ich erschöpft war. Ich hatte all meine Lebenszeit in die Karriere investiert, Studium und Beruf und hatte keine Hobbies, kaum Freizeitaktivitäten, keine Freunde mehr und war 10 Jahre nicht im Urlaub. Irgendwann hat dieses Workaholikertum mich ausgebrannt.

Ich habs begriffen, ich hab verstanden woher meine Sehnsucht herrrührt und was mir fehlt. Eine Partnerschaft fehlt mir nicht, denn ich kann mir mehr und mehr selbst geben, was ich mir sonst von der Partnerin gewünscht hätte. Ich bin da nun völlig unabhängig von irgendwelcher Pflege und selbstständig. Eine Partnerschaft werde ich mir wieder suchen, weil Frauen einfach geil sind. Aber erst wenn ich bereit bin.

Vielleicht helfen euch diese Überlegen ja auch zu irgendwas. :)
 
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  • #29
Zitat von Schreiberin:
Die These, dass man aus lauter Horror vor der schwierigen Suche so eine Endgültigkeit und hohe Ansprüche einbringt, halte ich für gewagt.
Ich schätze, es geht eher darum, etwas Himmliches zu erhalten als etwas Höllisches zu vermeiden...

Ich bin der festen Überzeugung, dass die vermeintliche Optimierung der Suche und das damit verbundene Gefühl, das Bestmögliche finden zu können, klar verdeutlicht, dass kaum jemand wirklich Lust und Spaß an der Partnersuche hat.

Viele möchten mögllichst schnell wieder die früher erlebten schönen Gefühle, als die Partnerschaft noch intakt war, erleben. Dass viele ihren damaligen Partner auf völlig andere Weise als über eine SB kennen- und lieben gelernt hat, wird gar nicht bedacht.

Nun nutzt man die vielen Filterkriterien und Parameter, um die Suche und das Finden des nächsten Partners zu optimieren. Da man, sowohl in der SB als auch im RL feststellt, wie schwierig (oder schier unmöglich) und auch zeitaufwändig dies ist, möchte man diese "Lebensphase" möglichst nicht noch einmal durchleben. Deshalb auch dieser Punkt der Endgültigkeit.
 
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  • #30
Zitat von Dr. Bean:
Da hast du natürlich nicht unrecht. Ich hab die Situation mal analysiert in den letzten Jahren: und zwar fing dieses Gefühl der Sehnsucht schon vor meiner Trennung an. Ich habe erst Jahre danach wirklich begriffen, dass ich auch unzufrieden war. Ich hatte zwar in den letzten Jahren der Beziehung immer mal wieder Phantasien, wie das Leben so gelaufen wäre, ohne diese Frau aber die hab ich nicht so wirklich ins Bewußtsein aufsteigen lassen. Ich hab selber gemerkt, wieviel ich mir manchmal vorgaukel, obwohl ich auch nicht mit der Gesamtsituation zufrieden bin.
Ich bin ein sehr loyaler Mensch - sagen die einen - die anderen sagen: ich bin sehr bequem. Wenn etwas funktioniert und ich mich eingerichtet habe, bleib ich bequem sitzen und merke dann gar nicht, wie sehr ich mich selbst anöde. Ich habe gelernt, da auch mal besser in mich hinein zu horchen und mir bestimmte Regungen, Gefühle und Gedanken bewußter vorzuknöpfen.
Nun wurde diese Sehnsucht ganz stark, als wir uns trennten. Was vorher schon psychisch manifestiert war, wurde dann durch die Körperlichkeit manifestiert. Nach so einer Trennung hat man ja regelrechte Entzugserscheinungen. Für mich war das erste halbe Jahr körperlich eine Katastrophe. Geistig habe ich mich damit abgefunden aber mein Körper reagierte wie bei einem Heroinentzug. Ich hatte Schlafstörungen, Panikattacken mitten in der Nacht, wurde schweißgebadet mit Herzrasen wach und war lange Zeit tagsüber depressiv, reizbar, verstimmt und hatte ein Gefühl der völligen Leere in mir. Mit der Zeit besserte sich das, so Schritt für Schritt. Mittlerweile bin ich da über den Berg. Doch was sich konstant durch alles zog, war diese ewige Sehnsucht. Dieses Gefühl im Bauch, was sich nach irgendetwas sehnt, was einen zerreißt, nervös macht, euphorisch macht, enthusiastisch werden lässt und dann wieder in ein tiefes Loch stürzt.

Gut für mich war die Erklärung einfach: ich brauch ne Frau. Also suchte ich mir eine Frau, zwei Frauen, drei Frauen, vier Frauen... es klappte nicht. Ich lernte wirklich tolle nette Frauen kennen, sympathisch und bodenständig und sobald der Moment kam, wo in mir Gefühle für eine Beziehung aufkeimten, hatte ich das starke Bedürfnis abzuhauen. Ich will diese Gefühle nicht zu lassen. In der Zeit hab ich vielen Frauen vor den Kopf gestoßen, worauf ich nicht stolz bin - wenn ich mich besser verstanden und im Griff gehabt hätte - wäre das nicht passiert, aber es wird ja niemand weise geboren.

Heute bin ich an dem Punkt, wo ich die Sehnsucht anfange zu begreifen. In puncto Beziehung hat sich für mich nichts geändert, ich bin noch lange nicht wieder so weit, mich zu öffnen. Die Trennung hat bei mir Wunden hinterlassen, die müssen heilen. Ich merke, dass die Zeit hilft aber ich brauche viel davon. Doch in puncto Sehnsucht komme ich immer besser auf den Dampfer. Und zwar: als kleiner Junge war ich immer enthusiastisch neues zu entdecken. Doch desto erwachsener ich wurde, desto mehr hab ich das vergessen. Und irgendwann hörte ich damit auf. Was mich glücklich macht, was mein Wesen ist, ist ein Entdecker zu sein - egal worum es geht - ich liebe Überraschungen oder Entwicklungen mit denen ich nicht gerechnet habe. Ich entdecke das wieder im Sport, in Reisen, in Büchern, in Filmen, in der Bildung es fasziniert mich und ist mein Wesen. Doch als ich damit aufhörte, hatte es mich fast umgebracht. Und die Depression, die ich damals hatte, die meine ExFreundin auch maßgeblich in die Trennung bewegte, hat ich mir selbst zuzuschreiben. Es war damals passiert, weil ich erschöpft war. Ich hatte all meine Lebenszeit in die Karriere investiert, Studium und Beruf und hatte keine Hobbies, kaum Freizeitaktivitäten, keine Freunde mehr und war 10 Jahre nicht im Urlaub. Irgendwann hat dieses Workaholikertum mich ausgebrannt.

Ich habs begriffen, ich hab verstanden woher meine Sehnsucht herrrührt und was mir fehlt. Eine Partnerschaft fehlt mir nicht, denn ich kann mir mehr und mehr selbst geben, was ich mir sonst von der Partnerin gewünscht hätte. Ich bin da nun völlig unabhängig von irgendwelcher Pflege und selbstständig. Eine Partnerschaft werde ich mir wieder suchen, weil Frauen einfach geil sind. Aber erst wenn ich bereit bin.

Vielleicht helfen euch diese Überlegen ja auch zu irgendwas. :)
Eine Trennung ist ein kalter Entzug, die gleichen Gehirnregionen sind aktiviert, deshalb ist der Vergleich richtig. Zudem ist es auch richtig, dass des Pudels Kern in früher Kindheit und Jugend liegt / liegen kann - unerfüllte Bedürfnisse, beabsichtigt oder auch nicht, durch die Eltern ... da wächst ein enormer Kompensationsbedarf, den man dann gerne über die Partnerschaft befriedigt ... Drittens ist dieses "entweder" "oder": Job, Karriere, Beruf ... ein Phänomen: Hast du schon mal mit der Work-Life-
Balance Idee gearbeitet? Bestimmt! Wie verbringst du 24 h eines Tages? Auch kein Dreieck in dem Kreis drin wo Freunde, Freizeit, Familie vorkommt!? Das finde ich immer sehr plakativ und erschreckend - aber gut, der Mensch ist ja unglaublich wandelbar, anpassungsfähig, der Körper verzeiht viel, aber nicht alles .. schein mir, dass du JETZT auf dem richtigen "Dampfer" bist, wie du schreibst - bereit für eine Beziehung? Muß ja noch nicht sein - nur wenn dir DIE liebe Frau über den Weg läuft, du bist bereit, aber sie noch nicht? Oder umgekehrt? Das scheint mir auch ein Problem zu sein, dass man sich verpasst, weil einer noch nicht oder schon wieder soweit ist ... das Leben ist spannend, in diesem Sinne.