Beiträge
2.405
Likes
1.337
  • #91
Heinz Erhardt hat sicherlich zu einem guten Teil Deutschland erfunden, wie es jetzt ist.
 
Beiträge
84
Likes
17
  • #93
Ein Gedicht von Friedrich Hölderlin (erschienen 1804)

Hälfte des Lebens


Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm’ ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.
Da zeigt jemand, was man aus der Sprache herausholen kann. Es sind Bilder, assoziiert mit Gefühlen und Vorstellungen. Im Vergleich dazu wirkt die "Gebrauchslyrik" geradezu armselig.
 
Beiträge
84
Likes
17
  • #95
Du solltest mehr heilignüchternes Wasser trinken ;)
Warum? In der Literatur ist mir die Verpackung wirklich wichtiger als der Inhalt, soll heißen, Autoren, die Botschaften und ähnliches über das Vehikel Sprache transportieren, interessieren mich nicht so sehr. Besser formuliert, ich sehe sie weniger als Literaten an, darunter fällt auch Jean Paul Sartre, der mit Sicherheit ein beeindruckendes Werk abgeliefert hat, aber er ist halt Philosoph, die Wirkung von Sprache war ihm - vermutlich - nicht so sehr ein Anliegen.
 
Beiträge
1.430
Likes
2.123
  • #96
Die Straßenbahn kommt mit Gebimmel,
und fährt dem Darrough über'n Fuß.
 
D

Deleted member 24797

  • #98
Der Sartre hat ja angeblich, zum Teil unter Drogeneinfluss, in einem irren Tempo geschrieben. Vielleicht so, als ob er sich seinem eigenen Tod davonschreiben wollte. Er hatte viel zu sagen. Sein Hauptwerk ist ein grauenhaft dicker Schinken, und ja, die Sprache ist nicht unbedingt verführerisch.
 
A

apfelstrudel

  • #99
lyrik empfindet ja auch jeder anders... kommt auch auf den gemütszustand an...
 
  • Like
Reactions: Look
A

apfelstrudel

  • #101
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Beiträge
84
Likes
17
  • #102
Zu freundlich, appelmus. Ich erläutere trotzdem einmal, was Hölderlin da - meiner Meinung nach, bzw. so, wie das bei mir ankommt - im Sinn gehabt habt, nämlich die Vorstellung eines Fetzens Stoff, der auch im Winter draußen hängt - Fahne! - und durch den Frost bretthart gefriert, so dass er beim Runterfallen klirrend in Stücke bricht. Schockfrieren mittels flüssigem Stickstoff ermöglicht das und heute kennt das jeder, zu H.s Zeiten gab es das noch nicht, ich glaube, er hat sich das so vorgestellt. Warum? Es ist irgendwo eine befriedigende Vorstellung. "Das Parfum" von Sueskind - noch so ein Wortgewaltiger - steckt voll solcher Dinge, Grenouille hat Augen irgendwo zwischen Creme und Perlmutt, die Leute stanken - nicht nach dreckiger Wäsche - sondern nach Geschwulstkrankheiten und verrotteten Zähnen.
 
Beiträge
84
Likes
17
  • #104
Na, dann lies mal seine Autobiographie der frühen Jahre, die ja nicht zufällig Les mots heißt. :)
Muss ich nicht, wenn du meine posts aufmerksam gelesen hast, dann kann ich bei ihm nur inhaltlich etwas entdecken, jedoch nicht sprachlich, d.h. selbst wenn ihm die Wirkung von Sprache ein Anliegen war, so hat er doch das Talent nicht gehabt, das auch umzusetzen.
 
Beiträge
84
Likes
17
  • #105
Hab bez. "les mots" gerade mal bei wikipedia nachgeschaut, es geht da wohl mehr darum, wie der kleine Jean Paul die Erwachsenen dadurch beeindruckt hat, dass er sich mit Wortungetümen befasst hat.:)
 
Zuletzt bearbeitet:
Beiträge
2.405
Likes
1.337
  • #106
Muss ich nicht, wenn du meine posts aufmerksam gelesen hast, dann kann ich bei ihm nur inhaltlich etwas entdecken, jedoch nicht sprachlich, d.h. selbst wenn ihm die Wirkung von Sprache ein Anliegen war, so hat er doch das Talent nicht gehabt, das auch umzusetzen.
Ach so, das Talent. Na, also ein großer Lyriker war er nicht. Die Romane sind zwar nicht Tolstoi, aber halt auch nicht Süskind.
 
Beiträge
84
Likes
17
  • #109
Natürlich, @apfelstrudel . - Hölderlin hat sein Gedicht so knapp gehalten wie nur irgend möglich, daran ist kein Wort zuviel und damit entspricht es einer Forderung, die an Lyrik gerichtet wird.. Er erreicht damit einmal,, dass der Text auf das reduziert wird, was ihm wichtig ist, diese Bilder und Vorstellungen, gelbe - = reife, saftstrotzende - Birnen, Schatten der Erde, im Sommer unter heißer Sonne sind schattige Flecken, vielleicht von einem Schuppen geworfen auf nackten Erdboden, der noch etwas Feuchtigkeit hat, etwas ... Angenehmes. Und er erreicht auch phonetische Schönheit, da holpert nichts, die Worte gleiten, die verwendeten Substantive sind ... bunt. Und auch die erforderliche Genauigkeit in der Beobachtung ist gegeben, die ebenfalls ein Kennzeichen von Lyrik ist.
 
A

apfelstrudel

  • #110
Hölderlin hat sein Gedicht so knapp gehalten wie nur irgend möglich, daran ist kein Wort zuviel und damit entspricht es einer Forderung, die an Lyrik gerichtet wird.
Ich teile deine Auffassung, was diese Forderung an die Lyrik anbelangt nicht. Eher ist das eine Anforderung, wie sie einer Gebrauchsanweisung gerecht wäre. :)
Aber was red ich da, der Lyrik nur konsumiert, wenn er dazu genötigt wird.
Nun ist das so. OK.
Und da ist so etwas, womit ich nicht ganz klar komme, in deiner Argumentation Lyrik betreffend. Es geht dir nicht um den Sinn der Lyrik, sondern um das Spiel mit den Worten. Denkst du denn, dass Worte das kollektive Unterbewußtsein berühren können? Das ist schon eine sehr gewagte These.
Und nochmal... ich zähle hier offensichtlich nicht zu dem von dir definierten "Kollektiv". Denn mich muß ein Text berühren, damit er mir gefällt. Das kann sehr wohl durch die Schönheit der Worte sein... selten aber bergen schöne Worte keinen kleinen Schatz in sich, den es zu bergen gilt. Diesen Schatz zu bergen... erfordert auch, dass einem in dem Moment die Muse küßt - man sozusagen in der richtigen Stimmung dazu ist. So geht es halt mir damit, aber weil ich ja nicht Teil deines Kollektivs bin, wirst du da vermutlich eine andere Meinung dazu haben.
Der Eingangsbeitrag in diesem Thema transportiert doch die selbe Botschaft, nur leichter bekömmlich. Hätte der Herr, der Dame das Hölderlin-Gedicht geschrieben, hätte es seinen Sinn verfehlt, denn es ging ihm ohne Zweifel nicht um Lyrik.
Aber das hast du ja schon erkannt und hier kundgetan... :)
Ein Beispiel:
Ich mag Nietzsche nicht. Aber er ist bemerkenswert. Der Satz "Der Lauf einer Pistole ist Quell relativ angenehmer Gedanken von mir.", der kann einfach was. Er ist wie ein handwerklich perfektes Bild - gefallen muß es mir deshalb noch lange nicht.
Ich bin da aber kein Maßstab. Ich lese viel zu selten, dass ich da eine qualifizierte Meinung dazu haben könnte...
Danke für dein Bemühen, mir Lyrik anhand dieses Gedichtes näher zu bringen.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • Like
Reactions: Look
Beiträge
15.805
Likes
12.979
  • #111
Ich teile deine Auffassung, was diese Forderung an die Lyrik anbelangt nicht. Eher ist das eine Anforderung, wie sie einer Gebrauchsanweisung gerecht wäre. :)
Aber was red ich da, der Lyrik nur konsumiert, wenn er dazu genötigt wird.
Nun ist das so. OK.
Und da ist so etwas, womit ich nicht ganz klar komme, in deiner Argumentation Lyrik betreffend. Es geht dir nicht um den Sinn der Lyrik, sondern um das Spiel mit den Worten. Denkst du denn, dass Worte das kollektive Unterbewußtsein berühren können? Das ist schon eine sehr gewagte These.
Und nochmal... ich zähle hier offensichtlich nicht zu dem von dir definierten "Kollektiv". Denn mich muß ein Text berühren, damit er mir gefällt. Das kann sehr wohl durch die Schönheit der Worte sein... selten aber bergen schöne Worte keinen kleinen Schatz in sich, den es zu bergen gilt. Diesen Schatz zu bergen... erfordert auch, dass einem in dem Moment die Muse küßt - man sozusagen in der richtigen Stimmung dazu ist. So geht es halt mir damit, aber weil ich ja nicht Teil deines Kollektivs bin, wirst du da vermutlich eine andere Meinung dazu haben.
Der Eingangsbeitrag in diesem Thema transportiert doch die selbe Botschaft, nur leichter bekömmlich. Hätte der Herr, der Dame das Hölderlin-Gedicht geschrieben, hätte es seinen Sinn verfehlt, denn es ging ihm ohne Zweifel nicht um Lyrik.
Aber das hast du ja schon erkannt und hier kundgetan... :)
Ein Beispiel:
Ich mag Nietzsche nicht. Aber er ist bemerkenswert. Der Satz "Der Lauf einer Pistole ist Quell relativ angenehmer Gedanken von mir.", der kann einfach was. Er ist wie ein handwerklich perfektes Bild - gefallen muß es mir deshalb noch lange nicht.
Ich bin da aber kein Maßstab. Ich lese viel zu selten, dass ich da eine qualifizierte Meinung dazu haben könnte...
Danke für dein Bemühen, mir Lyrik anhand dieses Gedichtes näher zu bringen.

Und du hast kein Wort zuviel geschrieben!
 
  • Like
Reactions: apfelstrudel
Beiträge
2.253
Likes
1.425
  • #112
Aber "klirrende Fahnen" stoßen, glaube ich, auf das kollektive Unbewusste. Was da angerührt wird, ist wohl gar nicht so individuell.
finde ich interessant. Welcher kollektive Archetyp ist deiner Meinung von den "klirrenden Fahen" angesprochen?
Was bedeuten "klirrende Fahnen" für dich, als Teil des Kollektiven Ganzen, auf deiner Bewusstheitsebene? Sozusagen Welcher Archetyp springt im speziellen bei Dir selbst an?
 
Beiträge
84
Likes
17
  • #113
Ich glaube, lieber @apfelstrudel, du hast das kleine "-" nach meiner Begrüßung in besagtem post übersehen, das den erläuternden Teil davon abtrennte, soll heißen, der war für die Allgemeinheit gedacht bzw. für die, die ihn lesen wollen.

Du fragst nach dem Sinn von Lyrik, ist das gemeint in dem Sinne, was uns der Dichter damit sagen will? Und soweit ich Lyrik verstehe, IST sie das Spiel mit den Worten, das gekonnte, sollte man ergänzen.

Erläutere mir bitte, was dir an dem zitierten Nietzsche-Satz so gefällt? Ein einzelner Satz ist - fast - wie ein Punkt, daraus kann auch ein Miro-Bild werden.

@Look: Keiner.
 
Zuletzt bearbeitet:
Beiträge
2.405
Likes
1.337
  • #114
Dann aber bitte den Nietzschesatz korrekt zitieren!
 
A

apfelstrudel

  • #117
Ja, aber es ging doch um Schönheit - und ein bißchen schöner formulierts der Nietzsche halt schon.
sicher? ich find es nicht mehr... und das Buch... vermutlich... ich weiß nichtmal mehr aus welchem Buch ist das hab. Hm. glücklicherweise sind Bücher für mich Gebrauchsgegenstände.... ich hab sicher ein Eselsohr in die Seite gemacht und den Satz markiert. :)