Lucilla

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  • #1

Trennung unausweichlich?

Hallo ihr Lieben,
ich bin sehr verzweifelt und wäre dankbar, um Feedback, damit ich die Situation besser einschätzen kann.
Vor etwa 2 Monaten bemerkte ich, dass meine Beziehung in eine Krise rutschte. Ich versuchte gegenzuwirken, zuletzt auch mit Sicherheit falsch, in dem ich ihn "eingeengt" habe. Die ganze vorige Zeit kam von ihm jedoch nichts, was mich zu dieser Handlung brachte, in der Hoffnung, er würde dann wieder seine Aufmerksamkeit auf mich lenken. Ich habe ihn monatelang zuvor untersützt in Familienangelegenheiten, ich war da, als keiner sonst da war. Ohne mich hätte er beispielsweise nicht mal ein Dach über dem Kopf.Ich habe ihm immer wieder in der dunklen Zeit Lichtblicke gegeben, sei es dass ich da war, Massagen, Adventskalender, Überraschungs-Geburtstagsparty, etc. Ich habe meine Bedürfnisse unter seine gestellt. Nach dieser Phase hatten wir des Öfteren Streit, weil ich mich nicht mehr geliebt gefühlt habe und unsere "Beziehungsprobleme" auf Grund seiner familiären nicht angsprochen worden waren. Er hat nun vor 3 Wochen plötzlich vor meiner Prüfung Schluss gemacht im Wissen, dass es eine wichtige Klausur ist und ohne mit mir über etwaige Probleme geredet zu haben. Er bettelte danach um Verzeihung, ich gab ihm eine zweite Chance. Wir haben über die Probleme geredet. Ich habe in diesem Gespräch kein einziges Mal ein negatives Wort gegen ihn gerichtet, im Gegenteil. Ich habe erwartet, auch nach allem was ich für ihn getan habe, dass er diese Chance nutzt. Im Gegenteil, sein Interesse an mir war genauso gering wie vorher. Die letzte Klausur musste dementsprechend umso besser sein, da ich seinetwegen die vorige schlecht geschrieben hatte. Auch vor der Klausur hat er mich wieder für seine "Familie" sitzen lassen. Ich war sehr sauer, erst recht, nachdem er nicht mal angerufen hat nach der Klausur, sondern nur eine blöde SMS kam. Danach war Funkstille. Ich habe den Kontakt wieder gesucht... Aber: Jetzt behandelt er mich nur noch "wie Dreck", neutral gestellte Fragen (wegen meiner Verunsicherung) werden als "du willst mich beleidigen, du willst mich verarschen, das ist nur noch traurig" abgehandelt, kein bisschen Trauer, Bedauern, Verständnis. Will er die Beziehung auslaufen lassen, indem er fies ist, damit ich Schluss mache und er als armer Verlassener da steht? Ich verstehe das alles nicht, nach allem, was ich für ihn getan habe. Und widersprüchlicher Weise sagt er mir immer wieder, er würde mich lieben, aber von Liebe keine Spur.

Danke für Euer Lesen! Was meint ihr dazu? LG
 

IMHO

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  • #2
Zitat von Lucilla:
Hallo ihr Lieben,
ich bin sehr verzweifelt und wäre dankbar, um Feedback, damit ich die Situation besser einschätzen kann.
Vor etwa 2 Monaten bemerkte ich, dass meine Beziehung in eine Krise rutschte. Ich versuchte gegenzuwirken, zuletzt auch mit Sicherheit falsch, in dem ich ihn "eingeengt" habe. Die ganze vorige Zeit kam von ihm jedoch nichts, was mich zu dieser Handlung brachte, in der Hoffnung, er würde dann wieder seine Aufmerksamkeit auf mich lenken. Ich habe ihn monatelang zuvor untersützt in Familienangelegenheiten, ich war da, als keiner sonst da war. Ohne mich hätte er beispielsweise nicht mal ein Dach über dem Kopf.Ich habe ihm immer wieder in der dunklen Zeit Lichtblicke gegeben, sei es dass ich da war, Massagen, Adventskalender, Überraschungs-Geburtstagsparty, etc. Ich habe meine Bedürfnisse unter seine gestellt. Nach dieser Phase hatten wir des Öfteren Streit, weil ich mich nicht mehr geliebt gefühlt habe und unsere "Beziehungsprobleme" auf Grund seiner familiären nicht angsprochen worden waren. Er hat nun vor 3 Wochen plötzlich vor meiner Prüfung Schluss gemacht im Wissen, dass es eine wichtige Klausur ist und ohne mit mir über etwaige Probleme geredet zu haben. Er bettelte danach um Verzeihung, ich gab ihm eine zweite Chance. Wir haben über die Probleme geredet. Ich habe in diesem Gespräch kein einziges Mal ein negatives Wort gegen ihn gerichtet, im Gegenteil. Ich habe erwartet, auch nach allem was ich für ihn getan habe, dass er diese Chance nutzt. Im Gegenteil, sein Interesse an mir war genauso gering wie vorher. Die letzte Klausur musste dementsprechend umso besser sein, da ich seinetwegen die vorige schlecht geschrieben hatte. Auch vor der Klausur hat er mich wieder für seine "Familie" sitzen lassen. Ich war sehr sauer, erst recht, nachdem er nicht mal angerufen hat nach der Klausur, sondern nur eine blöde SMS kam. Danach war Funkstille. Ich habe den Kontakt wieder gesucht... Aber: Jetzt behandelt er mich nur noch "wie Dreck", neutral gestellte Fragen (wegen meiner Verunsicherung) werden als "du willst mich beleidigen, du willst mich verarschen, das ist nur noch traurig" abgehandelt, kein bisschen Trauer, Bedauern, Verständnis. Will er die Beziehung auslaufen lassen, indem er fies ist, damit ich Schluss mache und er als armer Verlassener da steht? Ich verstehe das alles nicht, nach allem, was ich für ihn getan habe. Und widersprüchlicher Weise sagt er mir immer wieder, er würde mich lieben, aber von Liebe keine Spur.

Danke für Euer Lesen! Was meint ihr dazu? LG

Hallo,

das, was du aus Liebe für einen Menschen tust, machst du, weil du ihn liebst - und nicht, weil du Dankbarkeit erwartest.
Dankbarkeit ist das, was du dir wünschst - aber nicht immer erhalten wirst.

Sein Verhalten ist in der Tat sehr auf einen Affront ausgelegt und provoziert förmlich eine Aussprache, um die du wohl nicht herumkommen wirst.
 
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Lucilla

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  • #3
Zitat von IMHO:
Hallo,

das, was du aus Liebe für einen Menschen tust, machst du, weil du ihn liebst - und nicht, weil du Dankbarkeit erwartest.
Dankbarkeit ist das, was du dir wünschst - aber nicht immer erhalten wirst.


Ich erwarte in dem Sinne keine Dankbarkeit, ich habe allerdings erwartet, dass diese Person anders mit mir umgeht. Nämlich direkt und ehrlich. Muss ich noch mit ihm reden? Macht das überhaupt noch Sinn, nachdem ich wochenlang das Gespräch vergeblich gesucht habe.
 

ENIT

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  • #4
@Lucilla
Dem ersten Absatz meines "Vorschreibers" stimme ich voll und ganz zu. Dem zweiten Absatz aber nicht. Ich denke, eine Partnerschaft sollte anders aussehen als die, die du beschreibst. Du hast wahrscheinlich so eine Art "Helfersyndrom", welches dazu führt, dass man anderen immer helfen möchte, und dadurch oft auch an Personen geräte, die einem, ich schreib mal, nicht gut tun. Verständnis, Fairness, Offenheit, Ehrlichkeit und eine ordentliche Kommunikation auf beiden Ebenen ist Grundvoraussetzung für einen Aufbau einer Beziehung. Selbst, wenn er Schluss machen würde, würde er das anders auslegen können. Er ist nur auf dein Mitleid aus, und dass ist das, was mich stört. Er macht sich keine Gedanken um dich, und das kann ja wohl nicht sein. Ein Mann, der dir wirklich dankbar ist, und nicht nur aus Dankbarkeit bei dir bleibt, und dich wirklich liebt, verhält sich ganz anders. Mach dir darum keinen Kopf, wie mitleiderregend er wieder rumläuft, sondern denk daran, dass du die Schule (denke ich) bei aller Liebe nicht vernachlässigst, denn dein Weiterkommen im Beruf ist für dich erst einmal das aller aller aller Wichtigste. Es wäre schön, wenn du schreibst, wie es ausgegangen ist. Viel Glück.
 

Tipser

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  • #5
ihr zwei seit noch recht jung... schule? studium?
es liest sich schon so, dass er deine hilfe, (er durfte bei dir wohnen?) gerne (aus)genutzt hat !
um dich jetzt links liegen zu lassen! denke für ratschläge ist es da fast zu spät...!!!
so blöd wie das jetzt für dich klingt...
wie lang seit ihr denn zusammen?

VG
 

Lucilla

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  • #6
Ja, wir sind beide am Studieren. Mein anstrengendes Medizinstudium ist natürlich auch eine Belastung, die aber eine Beziehung aushalten muss, sofern sie auf Dauer halten soll. Ich erwarte keine Dankbarkeit in dem Sinne. Was ich erwartet habe, ist ein faires Miteinander. Das erwarte ich grundsätzlich, aber in diesem besondern Fall erst recht. Wir sind tatsächlich nur 9 Monate erst zusammen. Die rosa Brille und Verliebtheit war durch seine Probleme schnell weg. 9 Monate ist weiß Gott nicht viel, aber lang genug, um nach der Geschichte sehr enttäuscht zu werden. Ich kann nicht nachvollziehen, wieso er einerseits immer wieder sagt, er liebe mich, andererseits aber absolut nicht dieses Verhalten an den Tag legt. Ebenfalls verstehe ich nicht, dass er keine "klare Linie" fährt, sondern so rumeiert aus "ich meld mich", dann nicht..
 

Tipser

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  • #7
hallo lucilla,
also anstrengend ist ein medizinstudium ohne frage!! aber das als belasung zu bezeichnen?? denke da gibt es ganz andere dinge!!!
und "ich liebe dich" ist natürlich schnell mal gesagt, wenn ich dafür bei meiner liebsten wohnen darf... ;-)
also ich hab ja keine ahnung wie eure beziehung bisher verlaufen ist??
und dankbarkeit oder fairness sind in der heutigen gesellschaft so eine sache...!?
du weißt ja selbst in welcher schnelllebigen welt wir mitlerweile leben!
denke von enttäuschungen können dir hier seeehr viele berichten...
VG
 

Lucilla

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  • #8
Das Studium empfinde ich momentan nur als "belastend", weil eben auch das Problem mit meinem Freund besteht. Ich kann mich weder auf das eine noch auf das andere richtig konzentrieren. Unsere Beziehung empfand ich grundsätzlich als harmonisch, er hat sich immer wieder sehr viel Mühe gegeben. Es kamen jedoch auch immer wieder Kleinigkeiten vor, die ich persönlich als respektlos empfunden habe und nie selber so gemacht hätte. Beispiel: Zeit, als ich noch um einen Medizinstudienplatz gebangt hab. Eigentlich waren wir zwei verabredet, er hat seinen besten Freund eingeladen (hat mich schon grundsätzlich geärgert). Und dann erzählt er seinem besten Freund in meiner Anwesenheit noch, wie toll es doch sei, dass seine SChwester schon einen Studienplatz in Medizin hat, jetzt eine Wohnung sucht, etc. Obwohl er ganz genau wusste, wie sehr mich das mitgenommen hat, zudem Zeitpunkt noch keine Zusage zu haben. Auf meine Frage, was das soll, wo wir ja eigentlich verabredet waren und dass er mich und die Situation nicht respektiert, kam ein : "ich kann meinem besten Freund doch erzählen was ich will". Naja, also ich bin ihm so NIE gegenübergetreten.... So Sachen kamen immer mal wieder vor, die mich enttäuscht haben. Nichtsdestotrotz hat er mir immer das Gefühl gegeben, dass er mich wirklich liebt. Wir waren sogar über Silvester in Urlaub und es war absolut nicht unharmonisch. Er sagte mir danach, er würde sich wahnsinnig auf weitere Urlaube mit mir freuen. Diese Zusammenhänge verstehe ich dann nun mal jetzt einfach nicht, weil Worte und Taten hier nicht mehr übereinstimmen.
 

Carsten

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  • #9
Hallo Lucilla
Anhand weniger Zeilen eine Einschätzung zu geben, ist immer schwierig. Deswegen reihe ich hier mal ein paar Vermutungen aneinander.

Ich glaube ihm, wenn er sagt, er liebe Dich, so naiv bin ich.
Sein Verhalten richtet sich nicht gegen Dich, es betrifft Dich nur.
Er ist emotional gerade mit etwas Anderem beschäftigt, dies muss ihm nicht "wichtiger" sein sondern vielleicht "drängender". Und deswegen wendet er sich Dir nicht so zu wie er "sollte", "möchte" oder wie Du es von ihm erwartest.
In diesem Sinne empfindest Du gerade mehr für ihn als er für Dich, und das ist immer sch..., schlecht wollte ich sagen.

Ein guter Freund von mir hat mich in einer ähnlichen Situation dazu ermuntert, einer Frau ihren Freiraum zu geben, und meinen Alltag weiter zu leben. Ich sollte weder hoffen noch enttäuscht sein. Das hat mal so gar nicht geklappt, aber die Idee finde ich bis heute gut. ;)

Herzliche Grüsse
Carsten
 
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Elbuscar

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  • #10
Hallo Lucilla,

da schließe ich mich überwiegend den Vorrednern an, insbesondere Tipser.

Ein Medizinstudium bringt sicher die ein oder andere Herausforderung mit sich, dieses aber als Belastung für eine Beziehung anzusehen, wäre m.E. dann doch eher zu viel des Guten. Wenn dies bereits eine Belastung darstellt - wie würde sich Dein Freund erst verhalten, wenn es wirklich zu zwischenmenschlichen Belastungen kommt?

Und ja, sicherlich wirst Du hier die ein oder andere negative Erfahrung erfahren können. Die meisten wachsen aber daran und gehen gestärkt daraus hervor oder gar in eine neue Partnerschaft.

Aus - nennen wir es mal - unterschiedlicher Erwartungshaltung bei "Geben & nehmen" habe auch ich erst Ende letzten Jahres eine Beziehung beendet. Das fällt zunächst nicht unbedingt leicht, richtige Entscheidungen zeigen sich oft erst zeitverzögert als solche - dann aber ist alles gut ;)

Ich hoffe, Du findest die für Dich richtige...
 

Mentalista

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  • #11
Hallo Lucilla,

ich schreibe mal, wie deine Zeilen auf mich wirken und stelle Fragen in den Raum.

- junge liebebedürftige Frau, vom Intellekt her sehr klug, aber emotional m. E. nicht
- warum lässt sich eine kluge Frau mit einem so Problembeladenen und ambivalenten Mann ein?
- warum zieht eine junge Frau so schnell mit einem Mann zusammen?
- warum achtet eine junge Frau viel zu viel auf den Mann, stellt ihre Bedürfnisse immer hinten an, anstatt auf sich selbst zu achten?
(macht nicht mal meine Tochter und die hat erst letztes Jahr Abi gemacht)
- warum erwartet junge Frau so viel von Mann als "Gegenleistung"
- seine abwertende Kommunikation mit der jungen Frau kommt ja nicht von heute auf morgen
- wie will junge Medizinstudentin den harten Alltag im Studium und später in Klinik als AiP überstehen, wenn sie sich von einem
Typen so behandeln lässt?

Er scheint eine andere Form von Liebe zu dir zu empfinden, als du deine Liebe ihm gegenüber empfindest. Ich weiss nicht, wie lange ihr zusammen seid, aber was da abläuft ist nicht gesund. Weder bei dir, noch bei ihm.

Ich empfehle dir ein für mich sehr kluges Buch: "Warum die zickigsten Frauen, die besten Männer abbekommen... kann es sein, dass Sie zu nett sind?" Google mal danach, lies das Buch, ich hoffe und wünsche dir sehr, dass du einen ganz anderen neuen Blickwinkel auf das Thema Beziehung und Partnerschaft, dadurch finden wirst, zu deinem Wohle.

Mir scheint, du bist ne ganz Liebe, zu lieb, die viel zu viel für einen Mann macht und gerade das veranlasst "böse" Männer Frau dann erst recht respektlos zu behandeln.

Mir scheint, du musst dich auch in Sachen Selbstliebe, Eigenrespekt, Persönlichkeitstypen bei Männer/Menschen, fortbilden, damit du in Zukunft nicht wieder auf solche Männer/Menschen reinfällst, denn da draussen laufen viele rum und auch im medizinischen Berufsalltag.

Und schau mal bitte bei dir selbst, warum du für mich so ein "Helfersyndrom" hast, bzw. vielleicht denkst, dir durch "Leistung" für einen Mann seine Liebe verdienen zu müssen? Kennst du dieses sich Liebe und Anerkennung verdienen müssen vielleicht aus deinem Elternhaus?

Sind nur so Gedanken, ich kann mich irren...!

Fazit:

Trennung unausweichlich? Im Interesse deines Studiums und deiner Persönlichkeit? Ja, so schnell wie es geht, von deiner Seite aus. Souverän, ohne große Worte.

Abwertungen und Respektlosigkeiten muss sich keiner gefallen lassen. Er hat dir ja mit seinen Taten gezeigt, darauf kommt es letztendlich drauf an, wie wenig du ihm wichtig bist. Das lese ich jedenfalls aus deinen Zeilen.

Ich hoffe, du hast gute Freunde, Familie, die dich seelisch und praktisch unterstützen können.

Alles Gute für dich, du schaffst das! Sei über die vergangene Zeit mit Ihm nicht traurig, Er hat dir geholfen, dich selber besser zu erkennen, und was für´s Leben zu lernen.

Mentalista
 
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Pit Brett

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  • #12
Hallo Menta,

ganz wohl fühle ich mich nicht bei meiner Antwort, zumal ja gerade in einem anderen Faden die Art und Weise des Umgangs miteinander diskutiert wird. Und das Einprügeln auf den jeweiligen TO. Aber nachdem ich Deinen Beitrag gelesen habe, ist mir der Spitzname «das lächelnde Fallbeil» eingefallen, den sich der eine oder andere auf unterschiedliche Weise eingehandelt hat. Du schlägst häufig rasche Trennungen vor, und ich empfinde das gelegentlich als einseitig. Also als einseitige Sichtweise.

Die Gegenmeinung, auch das wiederholt sich, geht im Großen und Ganzen dahin, jeder müsse bei sich selbst anfangen. Dieser Gegenmeinung neige ich auch in diesem Fall zu. Dass das mit meinem eigenen Blick auf die Welt zusammenhängt, versteht sich von selbst. Denn mir ist nicht ganz verständlich, wie ein Studium belasten kann. Wenn man die Voraussetzungen mitbringt –– die sich nicht unbedingt aus den Abiturnoten ergeben ––, dann sollte ein Studium doch eigentlich Freude bereiten. Man will etwas lernen, und dazu sollte einen eine geradezu unbändige fachliche Neugier treiben. Treiben, nicht antreiben. Vor ein paar Wochen war in der Zeit Campus ein Interview zu lesen, in dem folgender Witz vorkam:

Zitat von Zeit Campus:
Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Medizinstudenten und einem Jurastudenten? Hält man einem Medizinstudenten ein Telefonbuch hin und sagt: "Lernen Sie das bitte auswendig", antwortet der Mediziner: "Bis wann?" Der Jurist antwortet auf die gleiche Aufgabe: "Warum?"
(Das Interview http://tinyurl.com/ZeitCampus ist mit einem Juristen geführt worden).

Der Witz ist natürlich falsch, weil es auch bei einem Mediziner nicht nur auf das Pauken von Einzelwissen ankommt, sondern auf das systematische Verständnis. Wer aber verstehen will, wie ein Körper funktioniert, was ihn wie beeinträchtigen kann, was man dagegen unternehmen kann – den sollte die von mir erhoffte Neugier treiben. Und wenn sie nicht treibt, wenn das Studium belastet, anstatt den Studenten so sehr staunen zu lassen, dass er unbedingt noch mehr wissen möchte, dann kann sich der Student auch selbst ein paar Fragen zu seiner Eignung oder zu seiner Methode des Studierens stellen. Und zwar, bevor der Freund als der eigentlich Schuldige ausgemacht wird. Soll man wirklich glauben, dass die erste Klausur «seinetwegen» schief gegangen ist? Ist es nicht vorstellbar, dass dieser Grund den wahren Grund ersetzen muss?
 
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Bauhaus

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  • #13
Zitat von Pit Brett:
Soll man wirklich glauben, dass die erste Klausur «seinetwegen» schief gegangen ist? Ist es nicht vorstellbar, dass dieser Grund den wahren Grund ersetzen muss?
dein Denkansatz ist sicherlich nicht verkehrt, jedoch ist gerade das Medizinstudium von Pauken, Pauken, Pauken geprägt. Wenn man da vor einer Klausur nicht alle Sinne beisammenhat, klappt das nicht mehr mit dem Pauken. Klar hat der Typ nicht die Alleinschuld daran, wenn sie durchfällt, aber ich verstehe, was sie meint.
 

Bauhaus

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  • #14
Zitat von Pit Brett:
Aber nachdem ich Deinen Beitrag gelesen habe, ist mir der Spitzname «das lächelnde Fallbeil» eingefallen, den sich der eine oder andere auf unterschiedliche Weise eingehandelt hat. Du schlägst häufig rasche Trennungen vor, und ich empfinde das gelegentlich als einseitig. Also als einseitige Sichtweise.
Manchmal macht das lächelnde Fallbeil (klasse Ausdruck :)) Sinn. Es gibt Fälle, wo alles zwecklos ist. Aber ich denke auch, dass diese radikalen Schlussmachlösungen mit ein Grund dafür sind, warum so viele Beziehungen scheitern. es ist nicht weit weg von der wegklockmentalität, die so oft hier kritisiert wird. aussenstehende erfassen aufgrund der Natur der Sache nie alle Aspekte einer Beziehung. Können sie auch gar nicht. Ich denke, so ein Forum kann nicht entscheiden, ob man was beenden soll. Es kann aber wertvolle Hinweise geben, wo man genauer hinschauen könnte und wo man ansetzen kann.
 
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Eiterblase

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  • #15
Ich hätt noch eine Frage an Lucilla: am Anfang deines Textes schreibst du, dass du die Krise mitverursacht hast, indem du deinen Freund "eingeengt" hast. Was kann man sich darunter vorstellen?
 

Lucilla

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  • #16
Es ist so ärgerlich, dass ich hier neu bin und meine Antworten immer erst freigeschaltet werden und dadurch so lange brauchen :( Ich möchte an dieser Stelle etwas klarstellen: meine Aussage "Studium Belastung" fiel nicht im Zusammenhang damit, dass das STUDIUM an sich eine Belastung ist. Ich mache das von Herzen und es macht mir Spaß. Bekannt ist aber auch, dass die Zeit bis zum Physikum rein aus Physik, Chemie, Biologie etc besteht. Dafür musste ich pauken. Und da mein Freund eigentlich von mir als der mögliche "Richtige" gehalten wurde, hat es mich AUS DER BAHN GEWORFEN. In diesem Zusammenhang kam "Belastung des Studiums" zustande.
 

Lucilla

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  • #17
@ Eiterblase: Ich habe gemerkt, dass irgendwas nicht stimmte. Ich habe ganz normal versucht das Gespräch zu suchen, bin mehrfach zu ihm hin. Er wollte jedoch nicht reden. Irgendwann kam sogar ein "Ich möchte nicht dass du kommst, sonst reg ich mich auf", damit er nicht mit mir reden musste. So vergingen viele Tage ohne dass wirklich mal gesagt worden ist, was los sei, was Probleme sind. Und ich merkte: So gehts ja nicht weiter. Ich hab ihm dann mehr Sms geschrieben oder ihn mal 2 Mal am Tag angerufen. Er hat dies als "kontrolle" verstanden. Und ich als "ich hab ihn eingeengt" interpretiert. Jedoch geschah dies nicht als Aktion, sondern Reaktion weil seinerseits wochenlang nichts kam.
 

Eiterblase

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  • #18
Zitat von Lucilla:
Er wollte jedoch nicht reden. Irgendwann kam sogar ein "Ich möchte nicht dass du kommst, sonst reg ich mich auf"

Das klingt echt heftig. Also ich würd dein Verhalten in dem Zusammenhang nicht als einengend bezeichnen. Eher besorgt.


Mir fällt grad nur so ein dummer Spruch ein: "Man sollte absteigen, wenn man merkt, dass das Pferd tot ist." Tschuldigung.
 

Eiterblase

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  • #19
Überleg dir, was du willst. Versuch für dich herauszufinden, ob du ihn auch so noch liebst, überhaupt lieben kannst. Wenn du merkst, dass du das aushalten kannst und trotzdem darüber glücklich bist, mit ihm zusammen zu sein, dann bleib mit ihm zusammen. Es klingt zwar etwas grausig, was du hier beschreibst, aber wie die Beziehung im Ganzen aussieht, kannst am Ende nur du selbst beurteilen.
Wenn du die Schnauze voll hast und nicht mehr kannst, dann gönn dir eine Auszeit. Überdenke alles gut und nimm dir auf jeden Fall ausreichend Zeit dazu.
Viel Glück :)
 

Lucilla

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  • #20
Mich hat der Beitrag zum Nachdenken gebracht, ob "mein Studienproblem" nicht das echte Problem sei statt seiner Trennung. Nein, defintiv nicht. Die Trennung hat mich aus der Bahn geworfen, dadurch kam das Problem mit der Klausur. Nicht die Klausur bedingte die Trennung. Ich habe ja das Gespräch gesucht und er wollte nicht. Bei jedem Streit war ich diejenige, die den Kürzeren gezogen hat, akzeptiert hat keine richtigen Antworten zu bekommen. Auch war ich diejenige, die den ersten Schritt zur Versöhnung immer gemacht habe, auch wenn er dran gewesen wäre.

@Eiterblase: Ich stelle mir vor allem eine Frage. Wir sind ein Paar, keiner hat eine Trennung ausgesprochen. Nach außen sieht auch alles "gut" aus. Seine Familie weiß nichts davon, Freunde auch nicht (außer dem besten Freund), in Facebook, Whatsapp, etc. wird auch der Schein weiter aufrechtgehalten. Ich frage mich, ob ich ihm Zeit geben soll, weil er irgendwie mit sich beschäftigt ist oder ob ich jetzt die Trennung aussprechen soll, obwohl ich ja eigentlich nicht mal weiß, was der Grund ist.
 

Eiterblase

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  • #21
Zitat von Lucilla:
Ich frage mich, ob ich ihm Zeit geben soll, weil er irgendwie mit sich beschäftigt ist oder ob ich jetzt die Trennung aussprechen soll, obwohl ich ja eigentlich nicht mal weiß, was der Grund ist.

Du führst mit ihm eine Beziehung, weil du mit ihm zusammen sein willst. Wenn du das nicht mehr willst, ist der richtige Zeitpunkt für die Trennung. Apropos Zeit geben.. die hättest du vielleicht für deine Klausur gebraucht.
 

Eiterblase

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  • #22
Werd nicht gleich zu einer Egoistin, aber du darfst auch mal an dich denken.
 

Lucilla

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  • #23
Das Problem für mich ist, dass ich im Moment nicht weiß, was ich fühle und das Ganze eben auch nicht einordnen kann. Ich liebe ihn nachwievor und ich bin der Meinung, hätte er rechtzeitig geredet, wäre so viel Streit erst gar nicht entstanden. Dadurch dass er aber nicht wollte, kann ich nicht einschätzen, ob er einfach nicht mehr will (und nicht den Ars... in der Hose hat Schluss zu machen) und ich dementsprechend aufgeben soll (Versuche meinerseits gab es ja genug) oder ob er wirklich gerade ein Problem hat und sich "nicht auch noch mit uns belasten kann". Vll hat er wieder familiäre Probleme, von denen ich nichts weiß. Das Ganze ändert natürlich NICHTS daran, dass sein Verhalten inakzeptabel ist. Es würde aber für mich verändern, dass wir ggf. im Guten auseinandergehen oder eine Beziehungs"pause" eingelegt wird, in der sich jeder auf sich konzentrieren kann, um die falschen Handlungen etc. zu reflektieren. Dann erst könnte, wenn überhaupt, ein Weiterführen der Beziehung in Erwägung gezogen werden.

Kennt jemand von euch, dass der Partner einen so im Ungewissen gelassen hat?
 

Pit Brett

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  • #24
Auch war ich diejenige, die den ersten Schritt zur Versöhnung immer gemacht habe
Das passt nicht ganz zusammen. Mir scheint, Du erlebst das so, auch das «sitzen gelassen werden» vor und kein Anruf nach der Klausur. Er erlebt es vielleicht anders. Gehört er vielleicht zu jenen, die sich auf Prüfungen nicht groß vorbereiten müssen und gar nicht verstehen, was Prüfungsstress und Prüfungsangst sein sollen? Dann kann er womöglich gerade noch mit dem Kopf nachvollziehen, dass er gebraucht werden könnte. Aber sich in Dich hineinversetzen und sich entsprechend verhalten, das kann er nicht. (Das ist natürlich wieder ein Schuss ins Blaue, aber das erste, was mir dazu eingefallen ist.)

Ergänzung, falls der Schuss doch sitzt: Das sind dann oft Menschen, die ihren Abstand von anderen brauchen und sich leicht belästigt fühlen. Daran würdest Du nichts ändern können. Abgesehen davon: Unsichere Kantonisten sind sie auch.
 
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  • #25
Liebe Lucilla,
ich war lange Zeit in einer destruktiven Beziehung, in der ich gefühlt ewig in der Ambivalenz verharrte und immer die Reagierende war, nie die Agierende.
irgendwann hab ich aus der Not eine Tugend gemacht und mich nur noch um mich selbst gekümmert, darum, dass es mir gut geht. Hab Unternehmungen geplant, die mir Freude bereiteten, mich mit Freunden getroffen, die mich mochten, alles Mögliche. Das hatte ich vorher komplett aufgegeben, mich nur noch um meinen Partner gedreht, um alles so hinzubiegen, dass es gut ist zwischen uns.

Entschieden hab ich erst mal gar nichts, aber die Distanz, die _ich_ geschaffen hab, hat irgendwann die Entscheidung ermöglicht. Es gibt eine andere Dynamik, wenn man die Dinge loslässt und andere gestaltet.

Nach einer gewissen Zeit ist mir klar geworden, dass ich vieles als Liebe interpretiert habe, was eigentlich keine war, sondern eine perfide Abhängigkeit, die sich genau aus dem schwierigen Verhalten meines Partners generierte.

Die Einsicht war schmerzhaft, das Beenden der Beziehung sehr langsam und noch einmal sehr zerstörerisch, aber die Zeit damals hat mich viel gelehrt, was ich heute für mein Leben nicht mehr missen möchte.

Vielleicht kannst du einiges von dem, was ich hier geschrieben habe, auf deine Situation übertragen. Und es gibt ein Buch, das ich dir empfehlen möchte: "Giftige Beziehungen" von Harriet Braiker.

Ich wünsch dir ganz viel Selbstliebe...
 

Pit Brett

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  • #26
Nach einer gewissen Zeit ist mir klar geworden, dass ich vieles als Liebe interpretiert habe, was eigentlich keine war, sondern eine perfide Abhängigkeit, die sich genau aus dem Verhalten meines Partners generierte.
Auch sehr gut denkbar. Aber ich bin neugierig: Selber drauf gekommen, oder hast Du Nachhilfe gebraucht?
 

Lucilla

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  • #29
Also grundsätzlich sehe ich schon Unterschiede was die Vorbereitung auf eine Prüfung angeht. Ich bin es gewöhnt, täglich lernen zu müssen. Bei ihm reicht eine Vorlaufzeit von maximal 2 Wochen, er studiert an einer FH. Das ist schon deutlich ein Unterschied. Er hat viel mehr Zeit sich um sich selbst zu kümmern, die ich nicht habe. Und ich erwarte eben, dass man mir nicht noch Steine in den Weg schmeißt, die nicht sein müssten, sondern ruhig ist oder sogar hilft (im Sinne von Arbeit abnehmen, etc.). Ein Beispiel: Er war einige Tage bei mir, bevor er mich vor der letzten Klausur wieder im Stich gelassen hat. Die ganze Hausarbeit habe ICH gemacht , obwohl ich lernen musste und er bereits Semesterferien hatte ohne Klausuren. Sowas hat mich schon sehr gereizt, ich finde, das mutet man dem Partner einfach nicht zu.

@ Pit Brett: Das mit dem sich schnell belästigt fühlen, etc. kommt mir in den letzten 2 Monaten defintiv so vor. Seltsam ist nur, dass er davor immer froh war, so viel Zeit wie möglich mit mir zu verbringen. Denn ich war die Einzige, bei der er eine Schulter zum Anlehnen hatte. Aber da wären wir wieder an dem Punkt, an dem ich denke, dass er gerne genommen hat und jetzt, wo dieses Problem weg ist, er sich belästigt fühlt. aber das beides geht nicht zusammen, für mich zumindest.
 

Pit Brett

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  • #30
Die ganze Hausarbeit habe ICH gemacht, obwohl ich lernen musste und er bereits Semesterferien hatte ohne Klausuren. Sowas hat mich schon sehr gereizt, ich finde, das mutet man dem Partner einfach nicht zu.
Aber Du hast es still ertragen? Erinnert mich an meine WG-Zeit. Ungefähr mittwochs war das saubere Geschirr alle, und dann habe ich halt gepült für die ganze Bande. Zu zweit geht das weniger harmlos ab, da musst Du auch mal was sagen und die Zumutung als solche laut und deutlich kennzeichnen. Denn unter dem Strich bist sonst Du es, der es Dir zumutet. Klare Kante tut da not, das müssen aber keine harten Worte sein.