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  • #151
(...) ob sie jemanden zwangsweise in die Psychiatrie einweisen/drinbehalten/überwachen etc. sollten.
Ich frage mich gerade, ob das überhaupt so einfach ist, jemanden zwangsweise einzuweisen? Gibt es dazu nicht klare Richtlinien ? Eine Art Regelung, wann das möglich ist und wann nicht?

...sehr lang ist´s her, dass ich in meiner Schulzeit ein Prakikum in einer solchen Klinik gemacht habe. Ich meine mich aber zu erinnern, dass mir vermittelt wurde, dass "Zwangseinweisung" eine schlechte Prognose hat (statistisch gesehen), und Patienten, die auf freiwilliger Basis kommen, eine siginifikant höhere Wahrscheinlichkeit haben, die Therapie erfolgreich abzuschließen. Die "Geschlossene" (wo auch die Suizid-gefährdeten sind) durft ich als Praktikant damals natürlich nicht betreten. Ich war ca. 16 Jahre alt und ich werde bis heute nicht vergessen, wie sehr es mich schockiert hat, dass die Medikamenten-Einstellung so kompliziert war. Ich sprach eine Leitung darauf an, warum Frau xy den einen Tag permanent den Tränen nahe ist und den anderen Tag euphorisch aus dem Lachen kaum heraus kommt. Das war sehr verstörend für mich. Sie antwortete mir, dass die "Medikamenten-Dosis" noch nicht gut eingestelllt wäre und die Stimmungsschwankungen damit zu begründen sein. Insofern ist eine Diskussion um Autonomie in diesem Zusammenhang absolut wünschenswert. Ich hatte Mitleid mit den Menschen dort, die letzten Endes den Mitarbeitern, Ärzten und der Klinikleitung mehr oder weniger ausgeliefert waren. Das war dieses Praktikum, dass man zur Berufsfindung macht. Ich habe mich danach gegen diesen Beruf entschieden.
 
D

Deleted member 20013

  • #155
Wenn du nachlesen magst und Lust hast, eine kurze Zusammenfassung zu geben, wäre das nett von dir.
Davon abgesehen, dass ich nicht nett bin und es somit gegen meine Natur wäre:
Nein, ich muss nicht nachlesen und ich habe schlicht keine Lust dazu eine Zusammenfassung zu erstellen.

Auch Zusammenfassungen lassen sich im www sicherlich finden. Höchstwahrscheinlich sogar in Stichpunktform.

Zusätzlicher Suchbegriff, neben den offensichtlichen: "akute Selbst- und/oder Fremdgefährdung"
 
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  • #156
Davon abgesehen, dass ich nicht nett bin und es somit gegen meine Natur wäre:
Nein, ich muss nicht nachlesen und ich habe schlicht auch keine Lust dazu eine Zusammenfassung zu erstellen.

Auch Zusammenfassungen lassen sich im www sicherlich finden. Höchstwahrscheinlich sogar in Stichpunktform.

Zusätzlicher Suchbegriff, neben den offensichtlichen: "akute Selbst- und/oder Fremdgefährdung"
Na dann muss ich wohl bei Gelegenheit mal selbst recherchieren ;)
Aber zumindest hätte ich Vertrauen darin gehabt, dass du keine falschen oder verwuschelten Angaben machst :)
 
A

*Andrea*

  • #157
@Julianna: Also bei uns in der Schweiz muss gemäss Erwachsenenschutzgesetz eine Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegen. Dies hat ein Arzt (je nach Kanton irgendein Arzt (muss also nicht unbedingt ein Facharzt sein, der sich mit psychischen Störungen auskennt!), ein Psychiater oder auch ein Amtsarzt, der einfach auch Hausarzt sein kann) zu beurteilen, was aber leider oft sehr unsorgfältig oder voreilig geschieht und weswegen es da auch in den Augen der Klinikärzte oft zu Fehlentscheidungen kommt. Es werden bei uns sehr viele Zwangseinweisungen gemacht. Einweisende Ärzte beurteilen Menschen manchmal sehr rasch als selbstgefährdet (wohl auch um sich selbst zu schützen, sollte etwas passieren), was aber eigentlich nicht der Sinn des Gesetzes ist. Meines Wissens gibt es keine standardisierten Kriterien oder Vorgehensweisen bei der Beurteilung, ob jemand selbst- oder fremdgefährdend ist. Dies liegt im Ermessen des einweisenden Arztes. Es gibt Ärzte, die sprechen keine fünf Minuten mit den Betroffenen, bevor sie solche Entscheide fällen und rechtfertigen dies dann später damit, dass z.B. eine Psychose vorliege, obwohl eine Diagnose alleine gemäss Gesetz noch lange kein ausreichender Grund für eine Zwangseinweisung ist.
Es ist ein haarsträubendes Thema. Und ja, Julianna, wie du sagst, wenn jemand freiwillig in eine Klinik eintritt, dann wird er/sie die Therapie in der Regel besser annehmen können, auch weil ihm dann weniger Unrecht angetan wurde/wird und weil es leichter ist, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Es wäre also zumindest auch wünschenswert, wenn sich die Notfallärzte Zeit nehmen würden und auch versuchen würden, jemanden für einen freiwilligen Eintritt zu motivieren.

Im Jahr 2016 gab es in der Schweiz 14'580 fürsorgerische Unterbringungen (=Zwangseinweisungen), das sind 19,7% aller Psychiatrie-Fälle und einer Rate von 1,7 Fällen pro 1000 EinwohnerInnen. Dabei gibt es aber grosse Schwankungen zwischen den Kantonen, was ja auch schon allerhand aussagt.
Auffallend hoch ist die Rate fürsorgerischer Unterbringungen im Kanton Waadt. Sie liegt bei 3,31 Fällen pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Raten der Kantone Zürich (2,06), Genf (2,02) und Solothurn (2,00) sind zwar deutlich tiefer als im Kanton Waadt, liegen aber dennoch statistisch signifikant über dem Schweizer Durchschnitt. Der Kanton Wallis (0,38) weist 2016 dagegen die tiefste Rate fürsorgerischer Unterbringung auf.
Die häufigsten Hauptdiagnosegruppen sind Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen (27%), Affektive Störungen (20%) und Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (17%), insbesondere durch Alkohol. Fürsorgerische Unterbringungen bei diesen Diagnosen sind vor allem im mittleren Alter verbreitet. Im höheren Alter sind Organische, einschliesslich symptomatischer psychischer Störungen (z. B. Demenz, Delir) und sonstige degenerative Krankheiten des Nervensystems (z. B. Alzheimer) häufiger.

Steinert, Noorthoorn und Mulder (2014) verglichen in ihrer Studie psychiatrische Zwangsmassnahmen in Deutschland und Holland und führten für Deutschland (2009) eine Rate unfreiwilliger Einweisungen von 1,72 pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohner auf.
 
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*Andrea*

  • #158
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  • #159
Hallo *Andrea*

Entschuldigung für meine verspätete Antwort, Auf deine Frage Zynimus war nicht vertippt.
Nehme Bezug auf den Zynismus und lehne mich an die alten Philosophen, die großen Denker der Stoa.
Beispiele: Marcus Aurelius (Marc Aurel), Seneca, Epiktet und co.
Der Stoizismus hat mir geholfen sowohl meine intensive Gefühlsbetonung und die dagegen stehenden anderen Persönlichkeitsmerkmale unter einen Hut zu bringen.
Beschreibe dies mal so. Mein Leben war nicht immer schön, weiß wie hart es sein kann. Es gibt zwei unterschiedliche Arten des Glücks.
Das eine Glück ist intensiv und kurz, suchtet ständig nach neuem und besserem. Auf jedes Hochgefühl kommt immer auch wieder ein abwärts.
Je stärker diese Schwänkungen sind, umso ruheloser die Seele. Die innere Stärke, denn die äußeren Einflüsse besimmern, wie man sich fühlt.
Die zweite Art des Glücks ist aus der inneren Ruhe und Gelassenheit heraus, tief und beständig. Äußere Einflüsse haben nur einen geringen Einfluss auf die eigene Stimmungslage. Man ist über die stoische Lebensphilosophie in der Lage, stürmische Zeiten mit Stärke und Souveränität zu meistern.

Bin Teamleiter, stelle mich jeden Tag Herausvorderungen und teils extem konträren Persönlichkeiten. Früher kam ich mit Unwegbarkeiten nur schwer zurecht, heute, mit meinem Wissen über die Mechanismen der psychologischen Zusammenhänge kann ich sowohl die eigenen Ängste, Sorgen und anderen destruktiven Gedanken überkommen.
UND! Hier zu deiner Frage:
Wenn ich merke, einem anderen Menschen machen seine Mitmenschen das Leben schwer, seine starke Emotionalität macht ihn anfällig, schwächt ihn, helfe ich denen ihre Gefühlswelt zu stabilisieren. Mache ihn resistent gegen diese Einflüsse, helfe ihnen die Gefühlswelt abschirmen zu können.
Bin mal ganz offen... Ich versuchte mal, den Schichtführer abgeben zu können, aber mein Team schätzt mich so, ich bin und bleibe Schichtführer. Meine Mitarbeiter schätzen mich so sehr, sie wollen mich als Schichtführer ;) Ich biete es oft genug an es einem anderen zu überlassen.

Dies ist die Bestätigung, mein Weg ist der Richtige. Ich merke wie um mich herum die Leute zunehmend zu Stoikern werden, das Betriebsklima war lange nicht so gut wie zur Zeit. Im privaten verhält sich das ähnlich, beobachte die gleichen Dinge. Größe zeigt sich, man muß sich nicht hervorheben, sie sendet ihre Botschaft von allein.
Bin oft erstaunt, wenn ich über dritte erfahre wie gut von mir gesprochen wird, dies ist meine Bestätigung. Auch ich bin nur ein Mensch, bin auch bestrebt nach Anerkennung. Mach die Augen und Ohren auf, du merks was über dich gesagt wird und ob andere sich an dir orientieren. Du weißt dann was du richtig oder falsch machst :)

Und warum ich das hier an dieser Stelle alles so betone? Nicht weil ich mich wichtig machen will, mir ist es ansich relativ gleichgültig ob hier jemand ist, der sich darüber aufregt oder auch nicht.
Habe mal einige Texte im Forum gelesen und die, welche sich für Mega erfolgreich halten, denken alles besser zu machen, behalten ihre Besserwisserrei einfach im Kopf.
Diese doch recht ausführlichen Texte sind gedacht für Menschen, welche im Leben Schwierigkeiten mit ihrer Gefühlswelt haben, denn:
Ich habe einfach nur die Intension, anderen eine Möglichkeit zu geben, einen anderen Weg zu gehen. Befasst euch mit Stoizissmus, die Ruhe und Gelassenheit führt zur Ausgeglichenheit und inneren Stärke. Es ist alles nur eine Veränderung der Sichtweisen und Blickwinkel. Mehr ist nicht nötig :)

Würde mich freuen, wenn auch nur ein Mensch durch meine Worte einen Weg findet, dem beständigen Glück die Tür zu öffnen. Es Funktioniert!
Habe Menschen voller Verzweiflung und Tränen in den Augen, nach kurzer Zeit wieder Lächeln schenken können. LEUTE, nichts besseres gibt es auf der Welt.
Zynismus muss ich nicht erklären, mach einen sprachlos, schau in sein Gesicht und beobachte die eins zwei Sekunden. Ist der Groschen gefallen und das Gelächter beginnt, weißt du bescheid
 
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  • #160
Ach, versuch es eben noch mal deutlich zu beschreiben. Zusammenfassend: Menschen denen ich, in teilweise stundenlangen Gesprächen, geholfen habe, sagen mir was ich kann und wie viel Einfluss ich hatte.
Ständig kommen diese Personen wieder und suchen nach meiner Gesellschaft. Aus ständigen Gefühlschaos heraus habe ich ihre Denkmuster verändert. Destruktive Verhaltensmuster erklärt und ihnen geholfen aus diesen zu entkommen.
Ich bekomme regelmäßig Kaffee gebracht von Menschen, die oft den Tränen nahe waren, nun aus der neuen Stärke heraus glücklicher sind.
Bekomme Komplimente für meine Führungsqualitäten und wenn ich nicht da bin ( z.B. Urlaub) sagen dritte, ich wurde herbeigesehnt.
Es wird bei uns gelacht, in anderen Ecken und Schichten gejammert und gehetzt.

Urteilt selbst.... Überlegt euch einfach:
Ich war schwer manisch depressiv, ich kenne mich damit bestens aus, merke wenn es notwendig ist etwas zu unternehmen und dem anderen zu helfen, nicht das gleiche Schicksal zu durchleben. Ist eine Veränderung der Presönlichkeit, hin Richtung stoischer Lebensphilosophie, denn so falsch?
Es ist die Veränderung der Philosophie, der Gedanken. Ein herzlicher Mensch bleibt herzlich, wird aber resistenter gegen Soziopathie. Er kann immer ehrlich sein, kann sogar besser und stärker sein. Selbstbewusstsein steigt, man verwurzelt sich an seinen Werten.

Kleiner Tip:
Taschenbuch Seneca Von der Gelassenheit
Lese ich zur Zeit gerade. Zugegeben, sprachlich nicht immer ganz einfach, aber interpretiert man etwas, wird man überrascht sein. Wirkt auf mich recht zeitlos, obgleich der Seneca schon ein paar Generationen früher lebte.
Denkt mal nach: Damals gab es viele Dinge nicht, Zeiten waren definitiv turbolenter... sind wir glücklicher? Nein! Man braucht in der Tat nicht viel um ein glückliches Leben zu führen, lediglich die passenden Gedanken und Einstellungen. Mein Kollege fand mein Zitat gut, er ist übrigens 60 und hat mit mir philosophiert... seine Tochter ist Bipolar erkrankt und Therapie hat alles andere als gewirkt.
Seit er mit mir redet ändert sich vieles ;)
Ist die Situation das Problem, oder wie du damit umgehst?
 
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*Andrea*

  • #161
Hallo @Zynimus!
Schön, dass du zurückgeschrieben hast. Leider an mir vorbei (und noch mehr am Thema dieses Threads...), habe ich den Eindruck. :(

Du kommst bei mir nicht als so ausgeglichen an, wie du dir selbst attestierst. o_O Bist du sicher, dass es dir gut geht?
 
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  • #162
Du kommst bei mir nicht als so ausgeglichen an, wie du dir selbst attestierst. o_O Bist du sicher, dass es dir gut geht?
Aber so was von ;) Eher schon wieder zu gelassen. Aber da gibts immer diese Besserwisser und Nachtreter oder Nörgler, welche anderen gern einreden, du kannst nichts und ich bin besser und Zeug.
Es ist völlig unerheblich für mein Glück. Nur sollen diese Personen nicht ständig andere Menschen entmutigen, sich dem Schönen im Leben wieder zuzuwenden. Ich habe es geschafft, zeige es anderen, und freue mich über jeden, dem ich dahin helfen kann.
Hmm... Jeder hat eine kleine Leidenschaft.
Mir hat das Thema sehr berührt, weil es ein Teil meiner Vergangenheit wiederspiegelt. Auch das, worüber ich mit anderen Menschen gesprochen habe.... kenne viele Gedanken der Hinterbliebenen bzw. Angehörigen.
Die Affinität zu dem Thema ist halt da.

Daraus folgt: Ich habe ein gutes Verständnis für alle diese Menschen, welche diese "seelische Erschütterung" haben.
Ich finde es richtig und wichtig diesen Menschen sehr deutlich zu machen: Es gibt einen Ausweg, nicht nur den, der Auslöser dieses Thema´s war.

Ich zitiere mal Seneca: "Nichts ist so bitter, daß ein gefaßtes Herz keinen Trost fände"
Schön, dass du zurückgeschrieben hast. Leider an mir vorbei (und noch mehr am Thema dieses Threads...), habe ich den Eindruck. :(
Und damit wiederspreche ich dir ganz deutlich, nicht am Thema vorbei.
Es soll, so wie ich das sehe, Menschen darauf aufmerksam machen.
Es hat einen Menschen erschüttert, denn sie konnte nicht verstehen, warum dies geschehen ist.
Jeden, den das Thema polarisiert, sei es als Betroffener einer seelischen Erschütterung, oder als Angehöriger: Es ist wichtig über diese Gedanken zu reden!
Kein Therapeut kann auch nur ansatzweise etwas tun, wenn der leidende keinen Lichtblick sieht.
Ich hoffe remember hiermit auch meine Anteilnahme zum Ausdruck gebracht zu haben, ihr hiermit auch sehr bestimmt folgendes zu vermitteln:
Ich verstehe dich, bin in Gedanken bei dir.... du bist damit nicht allein!

Für jemand mit ähnlich destruktiven Gedanken:
Man kann aus jedem Loch wieder heraus kommen und bitte... habt Mut einen anderen Weg zu suchen, damit dieses sich nicht wiederholt!

Ich hoffe nun wird deutlich, es war nicht am Thema vorbei, lediglich zielorientiert.
Verabschiede mich hiermit auch von diesem Beitrag. Denn nur deshalb hatte ich mich im Forum angemeldet.
 
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*Andrea*

  • #163
Danke für deine Antwort, @Zynimus. Alles Gute!