TIoBE

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  • #1

"This could be heaven for everyone." -- Freddy Mercury

Hallo Allerseits,

da wir alle hier auf der Seite sind, haben wir wahrscheinlich ähnliche Probleme: Wir finden nicht die oder den Richtigen oder hatten zumindest bisher keinen Erfolg damit, im Alltag die passende oder den passenden Kandidaten festzuhalten.

Dieser Thread soll im Kern ein Sammelbecken für Erfahrungen, Ansichten und Ideen zum Thema Partnerschaften und Beziehungen sein. Weil jedoch alles mit dem passenden Suchbild anfängt, geht es hierbei zunächst um den einzigen Faktor in einer möglichen Beziehung, den jeder für sich beeinflussen kann: sich selbst. Kerngedanke des Ganzen hier ist also der, dass ich vermutlich ein paar Ansichten und Ideen habe, die anderen weiterhelfen können. Umgekehrt fehlen mir bestimmte Impulse, um meine eigene Entwicklung weiter zu beschleunigen.

Die Motivation hierzu stammt aus der folgenden Ansicht.

Angenommen, jeder Mensch sei ein Individuum. Dann folgt daraus, dass es eine sehr kleine Gruppe von anderen Menschen gibt, die zu ihr oder zu ihm passen.

Anschaulich betrachtet: Wenn die gesamte Menschheit ein grosses Gesamtbild wäre, dann wäre sie ein riesiges Puzzle, bei dem jedes Individuum als greifbares Puzzleteil seinen Platz im Gesamtbild einnehmen kann. Dementsprechend gäbe es dann wenige Menschen die zu einer bestimmten Person passen, ähnlich zu den Puzzleteilen untereinander, die sich nur jeweils benachbart ohne verformende Einflüsse zusammenfügen lassen.

Die Konsequenz aus dieser Anschauung ist die, dass passende Partner sehr selten sind. Daraus folgt jedoch die traurige Erkenntnis, dass unter einer schlechten Beziehung mindestens vier Menschen leiden: Die zwei Personen, die sich "gemeinsam einsam" durch den Beziehungsalltag quälen und nur aus Gewohnheit, Bequemlichkeit oder Ausreden zusammenbleiben. Und darüber hinaus jeweils die Menschen, die besser zu den zwei Partnern passen würden, aber ihrererseits Kompromisse eingehen müssen, um nicht alleine zu bleiben. Mit anderen Worten: wenn alle ihr persönliches Glück suchen würden, dann wären die Chancen deutlich höher, dass jeder Mensch das individuelle Glück und den eigenen Platz im Leben finden kann.

Soviel zur Theorie. Mal sehen, was die Erfahrung dazu sagt.

"This could be heaven for everyone." -- Freddy Mercury

Deshalb beginne ich diesen Thread hier, um meine eigenen Eindrücke, Anekdoten und Ideen einzubringen. Natürlich ist hier jeder willkommen, ob nun aktiv kommentierend oder still mitlesend.


The Importance of Being Earnest -- TIoBE
 

billig

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  • #2
Liebe ist kein Puzzle. Menschen verändern sich, ohne dass sie umgeknickt oder abgebrochen werden müssen. Sie verändern sich einfach so.
 

fafner

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  • #3
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  • #4
Zitat von fafner:
Die Ansicht ist zwar hier sehr weit verbreitet, aber ich halte sie für falsch. Dann dürften Paare ja weltweit eher die Ausnahme sein. Tatsächlich sind sie aber die Regel.


nein, sind sie nicht...es geht um "Passende" Paare...solche, die ein Leben zusammen verbringen und glücklich sind...wieviele davon gibt es?
 

lisalustig

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  • #5
Zitat von TIoBE:
.... wenn alle ihr persönliches Glück suchen würden, dann wären die Chancen deutlich höher, dass jeder Mensch das individuelle Glück und den eigenen Platz im Leben finden kann.

Was suchen die Menschen Deiner Meinung? Ihr Unglück? Und das Suchen heißt ja nicht zwangsläufig, dass man auch fündig wird. Und selbst wenn man findet, ist das Glück keine Sache, die auf "Automatik" gestellt werden kann. Da sind immer Arbeit und Kompromisse erforderlich. Gerade auch aus dem Kontext, dass sich Menschen und Umstände im Laufe des Lebens verändern. Manchmal eben in unterschiedliche Richtungen. Das was früher super passte, funktioniert dann einfach nicht mehr....
 
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Philippa

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  • #6
Zitat von TIoBE:
Dieser Thread soll im Kern ein Sammelbecken für Erfahrungen, Ansichten und Ideen zum Thema Partnerschaften und Beziehungen sein.

Du willst also ein Forum im Forum?

Und gehe ich recht in der Annahme, dass du den "Thread zum Thema Partnerschaften und Beziehungen" unter der Rubrik "Single-Leben" postest, weil es darum gehen soll, was Leute, die Single sind, an den Beziehungen der anderen auszusetzen haben?
So jedenfalls kommt dein Beitrag bei mir an.

Zitat von TIoBE:
Angenommen, jeder Mensch sei ein Individuum. Dann folgt daraus, dass es eine sehr kleine Gruppe von anderen Menschen gibt, die zu ihr oder zu ihm passen.

Kannst du erklären, weshalb die Tatsache, dass jeder ein Individuum ist, bedeuten soll, dass er nur zu sehr wenigen anderen Menschen passt? Ich finde diese Aussage nicht zwingend.

Zitat von TIoBE:
Anschaulich betrachtet: Wenn die gesamte Menschheit ein grosses Gesamtbild wäre, dann wäre sie ein riesiges Puzzle, bei dem jedes Individuum als greifbares Puzzleteil seinen Platz im Gesamtbild einnehmen kann. Dementsprechend gäbe es dann wenige Menschen die zu einer bestimmten Person passen, ähnlich zu den Puzzleteilen untereinander, die sich nur jeweils benachbart ohne verformende Einflüsse zusammenfügen lassen.

Das klingt nach einem sehr statischen Menschenbild. Alle haben ihren vorgegebenen Platz und da sollen sie gefälligst bleiben und sich nicht bewegen und sich schon gar nicht verändern! So tönt deine Puzzle-Analogie für mich, nach einem Gefängnis. Meine Erfahrung ist jedoch eher, dass das Leben ständig Neues bringt und, je authentischer ich lebe, desto eher gilt es, Entscheidungen zu fällen, mich auf Dinge einzulassen, die mich verändern.

Zitat von TIoBE:
Daraus folgt jedoch die traurige Erkenntnis, dass unter einer schlechten Beziehung mindestens vier Menschen leiden: Die zwei Personen, die sich "gemeinsam einsam" durch den Beziehungsalltag quälen und nur aus Gewohnheit, Bequemlichkeit oder Ausreden zusammenbleiben. Und darüber hinaus jeweils die Menschen, die besser zu den zwei Partnern passen würden, aber ihrererseits Kompromisse eingehen müssen, um nicht alleine zu bleiben.

Da hast du ja eine gute Ausrede, weshalb du dich nicht auf eine Beziehung einlässt. Weshalb du allfällige Chancen nicht nutzt und keinem anderen Menschen eine Chance gibst... Du findest also Menschen in einer Partnerschaft, die sich auf jemanden eingelassen haben, sich in Dialog und Auseinandersetzung begeben und für ihren Partner auch bereit sind, gewisse Kompromisse einzugehen, seien die Einsamen, in Gewohnheiten Erstarrten, Bequemen, und die Langzeit-Singles, die von Perfektion träumen und sich nicht bewegen mögen, seien ihre Opfer? (Anmerkung: Ich halte natürlich nicht alle Langzeit-Singles für unbewegliche von Perfektion Träumende, aber Ernst (ich hoffe, ich darf dich so nennen, das schreibt sich einfacher...) kommt mir, ausgelöst durch das, was er hier schreibt, ein wenig so vor.)

Zitat von TIoBE:
Mit anderen Worten: wenn alle ihr persönliches Glück suchen würden, dann wären die Chancen deutlich höher, dass jeder Mensch das individuelle Glück und den eigenen Platz im Leben finden kann.

Glaubst du, es gäbe Menschen, die nicht ihr persönliches Glück suchen würden? Und so, wie du das schreibst, klingt es sogar so, als ob du glauben würdest, nur ganz ganz seltene Exemplare (vor allem du selbst) würden glücklich sein wollen. Das ist doch absurd.

Zitat von TIoBE:
Soviel zur Theorie. Mal sehen, was die Erfahrung dazu sagt.

Dass diese "Theorie" ein Hirngespinst von einem ziemlich einsamen, unglücklichen Menschen ist, der meint, er sei praktisch der einzige, der wisse, wo das Problem liege und wie es behoben werden könne. Und dass dieser Mensch weniger einsam und vermutlich auch glücklicher wäre, wenn er - statt des Versuches, die Welt auf den Kopf zu stellen - seine eigene Einstellung und seine Annahmen über sich selbst, die Mitmenschen und das Leben reflektieren würde.

Lieber Ernst, ich wünsche dir den Mut dazu und viel Glück bei der Suche nach einer Partnerin!
 
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  • #7
Zitat von lisalustig:
Da sind immer Arbeit und Kompromisse erforderlich. Gerade auch aus dem Kontext, dass sich Menschen im Laufe des Lebens verändern. Manchmal eben in unterschiedliche Richtungen. Das was früher super passte, funktioniert dann einfach nicht mehr....

Ganz genau und das will keiner mehr, das kann vermutlich auch nahezu niemand mehr. "Partnerschaft bedeutet Arbeit? ...Um Gottes Willen nein!" "Mir geht es doch nur um ein Vergnügen, so neben meinem Leben her...ich bin doch für mein Glück verantwortlich!"

Und niemand erkennt noch, dass es pures Glück sein kann, wenn man einen richtigen echten Partner hat, der da ist und zuverlässig da bleibt...in guten UND in schlechten Zeiten... Das sind Vorstellungen aus einem vergangenen Jahrhundert... Und selbst Leute, die einmal dieses Konzept leben wollten, wurden eines Besseren belehrt und passen sich dann früher oder später an die gegebenen Bedingungen an. Wäre ja auch dumm, wenn sie es nicht täten..
 
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Philippa

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  • #8
Und noch was, Ernst. Ich habe gerade deinen gestrigen Beitrag im 11-Minuten-Thread gelesen:

Zitat von TIoBE:
Alles in Allem kann ich den Eindruck bestätigen: Frauen, die ihre Prioritäten im Leben gerade gerückt haben (und eben nicht an falschen Vorstellungen festhalten), parshippen definitiv nicht, sondern haben bereits an der Bushaltestelle, auf dem Parkplatz, beim Einkaufen oder sonstwo jemanden gefunden, mit dem sie schöne Stunden verleben. OK, den kann man jetzt nicht unbedingt ausschneiden und neben sich auf das Kopfkissen legen, aber irgendwas ist halt immer.

Wie jetzt?! Wenn eine Frau nur ihre Prioritäten im Leben gerade gerückt hätte, dann würde sie problemlos im Alltag den Richtigen gefunden haben?! Wo es doch nur so wenige passende Puzzle-Teile gibt... Oder gilt das nur für Männer? Das wären dann aber schon sehr krude Logik-Fehler, die du da so denkst.

Könnte es vielleicht sein, dass dein obiger Gedanke nicht ganz falsch ist, nämlich dass es helfen könnte, die eigenen Prioritäten (oder auch allgemein die eigene Denke) gerade zu rücken? Aber das gilt dann nicht nur für Frauen, oder?
 

lisalustig

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  • #9
Philippa, wür müssen einfach mehr shoppen, Bus fahren und uns auf Parkplätzen aufhalten. Dann klappts auch mit der "großen, ewigen Liebe" :)

Und natürlich ohne falsche Vorstellungen
 

billig

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  • #10
Zitat von Philippa:
Da hast du ja eine gute Ausrede, weshalb du dich nicht auf eine Beziehung einlässt. Weshalb du allfällige Chancen nicht nutzt und keinem anderen Menschen eine Chance gibst... Du findest also Menschen in einer Partnerschaft, die sich auf jemanden eingelassen haben, sich in Dialog und Auseinandersetzung begeben und für ihren Partner auch bereit sind, gewisse Kompromisse einzugehen, seien die Einsamen, in Gewohnheiten Erstarrten, Bequemen, und die Langzeit-Singles, die von Perfektion träumen und sich nicht bewegen mögen, seien ihre Opfer? (Anmerkung: Ich halte natürlich nicht alle Langzeit-Singles für unbewegliche von Perfektion Träumende, aber Ernst (ich hoffe, ich darf dich so nennen, das schreibt sich einfacher...) kommt mir, ausgelöst durch das, was er hier schreibt, ein wenig so vor.)

Philippa, das liest sich sehr streng, "Ausrede" und so. Und er schrieb doch nur von schlechten Beziehungen, dass dann 4 Menschen drunter leiden (was ich ja auch nicht so sehe). Er schrieb nicht über sämtliche Beziehungen, in denen Kompromisse eingegangen werden. Warum reagierst du auf diese Aussage so stark?

Zitat von Philippa:
Glaubst du, es gäbe Menschen, die nicht ihr persönliches Glück suchen würden? Und so, wie du das schreibst, klingt es sogar so, als ob du glauben würdest, nur ganz ganz seltene Exemplare (vor allem du selbst) würden glücklich sein wollen. Das ist doch absurd.

Ist zwar nicht an mich gerichtet, aber ich denke, dass es Menschen gibt, die nicht ihr persönliches Glück suchen. Manche opfern alles für ein höheres Ziel. Andere haben die Suche aufgegeben, weil sie denken, für sie gäbe es kein Glück. Wieder andere haben einfach ganz andere Prioritäten oder sich die Frage nach ihrem persönlichen Glück noch nicht gestellt. Ich finde das gar nicht so absurd.

Zitat von Philippa:
Dass diese "Theorie" ein Hirngespinst von einem ziemlich einsamen, unglücklichen Menschen ist, der meint, er sei praktisch der einzige, der wisse, wo das Problem liege und wie es behoben werden könne.

Bist du ein bissl aggro grad? Jede Idee ist irgendwo ein Hirngespinst, weil sie im Hirn zusammen gesponnen wurde - unabhängig davon, ob man diese Idee (oder Theorie) dann gut findet. Und er hat ja auch nach anderen Ideen und Hirngespinsten gefragt, also eigentlich nicht seine als die einzige hingestellt.
 
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Philippa

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  • #11
Zitat von lisalustig:
Philippa, wür müssen einfach mehr shoppen, Bus fahren und uns auf Parkplätzen aufhalten. Dann klappts auch mit der "großen, ewigen Liebe" :)

Danke. Aber ich bin schon eine Weile nicht mehr am Suchen, obwohl ich selten shoppe, mehr im Tram als in Bussen sitze und sehr selten auf Parkplätzen stehe... Wünsche auch dir viel Glück!
 
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Philippa

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  • #12
@billig: Nein, ich bin nicht aggro. Ich habe einfach den Eröffnungsbeitrag offenbar anders interpretiert als du. Vielleicht falsch, kann sein.
 
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fafner

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  • #13
Zitat von gwen:
nein, sind sie nicht...es geht um "Passende" Paare...solche, die ein Leben zusammen verbringen und glücklich sind...wieviele davon gibt es?
Mir fallen auf Anhieb acht Paare ein von je 20+ und 25+ Jahren des Zusammensein. Das sind nach meiner Beobachtung jedenfalls deutlich mehr Leute als ewige Singles.
 

sugar

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  • #14
Wie kommst du darauf, dass der Mensch ein Individuum sei?
 

sugar

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  • #16
Ja. Worauf stützt sich diese These?
 

sugar

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  • #17
Vielleicht springst du aber für ihn ein. Das sagst, sie scheint die einzig wahre Aussage. Warum?
 
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Philippa

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  • #18
Ich glaube, dass zwei Menschen, die freiwillig ein Paar sind, immer - solange sie es bleiben - die Richtigen füreinander sind, auch wenn sie vielleicht unglücklich dabei sind.
 

sugar

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  • #19
Und warum?
 

sugar

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  • #20
Hier wird immer so viel geglaubt und gemeint und ein Bauchladen der Lebensweisheiten feilgeboten.
 
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Philippa

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  • #21
Zitat von sugar:

Warum nicht? Wenn sie doch freiwillig zusammen sind!

Wenn sie die Falschen wären, würden sie sich trennen. Sie bleiben die Richtigen, solange sie noch irgendetwas voneinander oder von der Beziehung wollen. Vielleicht müssen sie von der Situation noch etwas lernen. Und sei es nur das Eingestehen des Scheiterns.
 

sugar

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  • #22
Auch eine Idee wie das Individuum, das so individuell sein darf wie alle.
 
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Philippa

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  • #23
Vielleicht hat Ernst auch einfach eine Ader für Satire. Andererseits ist hier ja manches, das fast nicht zu fassen ist, durchaus ernst gemeint. Und die Verbindung des Nicks zur Persönlichkeit ist oft den anderen klarer als denjenigen, die dahinter stecken...
 

TIoBE

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  • #24
Hallo liebes Forum,

da ich momentan wenig Freizeit habe, werde ich vermutlich nur einmal die Woche einen Beitrag hier rein schreiben. Allerdings werde ich immer dem Ziel folgen, dass möglichst für alle Mitlesenden etwas Brauchbares dabei rauskommt.

Heute möchte ich ein wenig aus der psychologischen Richtung beginnen. Vorneweg: Ich bin _kein_ Psychologe. Mich hatte es nur im Großen und Ganzen interessiert. Auf der anderen Seite konnte ich mir einige Ideen zueigen machen, die vielleicht auch euch weiterhelfen können.

Ganz allgemein werden sehr viele psychologische Tests früher oder später mit den sogenannten "Big Five" verglichen. Die Big Five sind sogenannte "Persönlichkeitsdimensionen", auf denen die charakterlichen Ausprägungen eines Individuums in einem einigermaßen genormten Verfahren so festgehalten werden, dass die Ergebnisse verschiedener Testpersonen miteinander verglichen werden können.

Der Vollständigkeit halber sei hier folgendes erwähnt: Es wird für die Big Five auf die Dimensionen "Offenheit für neue Erfahrungen" (Openess), "Selbstwahrnehmung" (Consciousness), "Extraversion" (Extraversion), "Verträglichkeit" (Agreeableness) und "Neurotizismus" (Neuroticism) getestet.
Was diese Dimensionen hierbei im Einzelnen sind, vertiefe ich aus dem Grund nicht, weil ich gleich eine andere Richtung einschlagen möchte.

Die Big Five sind nämlich deshalb so beliebt, weil die einzelnen Dimensionen unabhängig voneinander existieren. D.h. wird z.B. auf "Verträglichkeit" getestet, so kann von diesem Ergebnis nicht auf Ausprägungen im Bereich der "Extraversion" geschlossen werden.

In der Psychologie hat es einige Testverfahren gegeben, die genau dieses Problem hatten: Sie testeten z.B. auf drei Charaktereigenschaften und als Ergebnis kam raus, dass eine Ausprägung in der einen getesteten Charaktereigenschaft immer eine Ausprägung einer anderen Charaktereigenschaft mit sich brachte. Somit beeinflussten sich die Ergebnisse gegenseitig und die entsprechenden Schlussfolgerungen waren nicht mehr so aussagekräftig.

Seitdem dieses Phänomen bekannt ist, suchen die Psychologen nach Testverfahren, die voneinander unabhängige Persönlichkeitsdimensionen abfragen. Der Fluch ist der, dass es nur sehr wenige Verfahren gibt, die einwandfrei voneinander unabhängige Dimensionen testen.

Was jedoch für die Psychologen ein Fluch ist, ist für jeden von uns ein Segen. Es bedeutet im Kern nämlich, dass bestimmte Muster an Äußerungen, Handlungen, Abneigungen und Vorlieben auf nicht sichtbare Persönlichkeitsmerkmale schließen lassen. Illusionisten und Mentalisten machen sich diese Zusammenhänge zunutze, um das skeptische Publikum wirklich zu verblüffen.

Der Trick ist eigentlich nur der, dass man anhand der Kenntnis des richtigen Zusammenhanges von einem "A" unweigerlich auf ein "M" schließen kann. Natürlich nur bei Menschen, die weder pathologische Lügner, noch ausgebildete Illusionisten, Mentalisten oder Persönlichkeitspsychologen sind.

Der Grund warum ich das hier schreibe ist simpel: Angenommen ich würde auf Fallschirmspringen so abfahren, dass ich mindestens zweimal die Woche in einem Flugzeug auf dem Weg nach oben wäre, dann wäre das ein recht gutes Indiz (also bitte nicht mit Beweisen verwechseln) für einen anderen Charakterzug. Nämlich dass ich eigentlich jemand wäre, der seine Ziele wohlüberlegt verfolgt, auch mal die Normen beiseite lassen kann und so gut wie nie Ärger oder Aggressionen zeigen würde (in diesem Fall, weil ich diese so gut wie nie hätte: meine objektive Einstellung zu allem würde meinen Ärger sofort relativieren).

In Wirklichkeit stehe ich auf Sportwagen und Motorräder, was in diesem Punkt ein komplett anderes Charakterprofil zeichnet -- aber das ist eine andere Geschichte. ;)

Inwiefern wäre die Erkenntnis nützlich für mich, dass ich ein sehr objektiv-distanzierter Mensch bin? Nun, ich wüßte z.B., dass ich mir besser keine Frau suchen sollte, die sich selbst zu einem überwiegenden Teil in praktischen Maßstäben misst. Welche also bei allem, was sie tut, selbstkritisch fragt, ob das praktikabel sei und ob es nicht einen "ökonomischeren Weg" gäbe. Also sollte ich Profile erstmal mit Vorsicht genießen, die als Hobbys "Gartenarbeit" oder "Puzzles lösen" haben. Das sieht zwar aufgrund der zurückhaltenden Art auf beiden Seiten erstmal gut aus, führt jedoch dazu, dass die angesprochenen Charakterausprägungen beim jeweils anderen so erstmal nicht ankommen. Somit bleiben die Wünsche auf beiden Seiten (ich: Unkonventionalität; sie: Sicherheit) unerfüllt. Leider gehören solche Merkmale zu einem überwiegenden Teil zu den sogenannten "Traits". D.h. ein "Umlernen" (also: "ich lerne, mich an Konventionen zu halten" oder "sie lernt mehr Unkonventionalität") wird auf keiner Seite stattfinden. Sollte das dennoch passieren, besteht das Risiko, sich von sich selbst zu entfremden.

Dafür wäre ich gut beraten, mir Profile genauer anzusehen, die z.B. Motorradfahren oder fechten sehr interessant finden. Im zweiteren Fall würde mir die diplomatisch-unverbindliche Grundhaltung meiner Partnerin in meinem Streben nach Unkonventionalität genau den Freiraum bieten, den ich für meine Entfaltung suche.


Fazit: Dadurch, dass es dieses Phänomen gibt (nämlich dass sich Charaktereigenschaften auf mehrere Arten zeigen), kann sich jeder aufgrund von bestimmten Merkmalen im Profil schon ein recht gutes Bild von der oder dem "Anderen" machen. Hinzu kommt, dass mit etwas Übung ein Muster bei den als "attraktiv" empfundenen Menschen erkennbar ist. Sie wirken nämlich aus einem bestimmten Grund attraktiv. Das kann dazu führen, mehr über sich selbst zu erfahren (Was suche ich? Was will ich? Und schließlich: Wer bin ich?). Zusätzlich kann sich eine Person, die sich damit beschäftigt, besser in der Partnerwahl werden (Wer passt zu mir? Mit wem kann ich meine Wünsche und Träume am besten umsetzen?).
Die wesentliche Änderung ist dann halt die, dass nicht mehr nach fremder Meinung ausgewählt wird, sondern nach eigenen Vorlieben. Damit rückt die Bequemlichkeit in den Hintergrund und kann Platz für neue Erfahrungen machen.


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Hafensänger

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  • #25
Philippa, dich halte ich für einen klugen, fähigen Menschen. Manchmal drängt es mich zum Kompliment. Nimm es bitte als solches, es ist leicht und kommt von Herzen. Trotzdem ist die Frage nach dem Individuum berechtigt, vielleicht sind es nur individuelle Merkmale, ist mir aber auch wegen der mir nicht ersichtlichen Intention nicht weiter verfolgenswert.

Ernsts Ansatz ist insofern nachvollziehbar, als dass er annimmt bei einer mehr oder weniger großen Anzahl nur mäßig passender Paare hätte es das Potenzial mehr passendere Paare zu ergeben. Scheitert halt daran, dass auch an weniger passenden Beziehungen festgehalten wird und der Schwierigkeit den passenden Partner oder auch nur das mögliche Potenzial von Partnerschaft zu erkennen. Ich war kurz versucht dazu etwas zu schreiben, wird aber zu lang, das will keiner lesen. Auch das Bild vom Puzzlestück mit der Passung anderer Puzzlestücke ist nicht schlecht, auch wenn das die Passung sehr eng zieht. Ich kann ja ganz gut in Strukturen und es gibt grundsätzliche Passungen. die eine Partnerschaft begünstigen, die lassen sich erkennen. Die sehe ich auch schriftlich, weshalb mir Schreiben mit Jemandem ein wichtiges Mittel ist. Ein sich nun sehr einfach ergebendes Beispiel von Passung einer Facette ist meine sehr grundsätzliche Eigenschaft bezüglich Strukturen. Ich fühle mich von "emotionalen Naturchaoten" sehr angezogen, wobei ich mit emotional eine für das Beispiel nicht relevante weitere Passung genannt habe. Strukturiert und chaotisch ist unbedingt nicht wertend zu betrachten, nur hinsichtlich der resultierenden Spannung und Anziehung. Es muss sich auch gar nicht offensichtlich zeigen. Es kommt auch gleich und gleich vor, aber für mich habe ich es schon erfahren, das ist zwar außerordentlich harmonisch, aber ohne jede Spannung, d.h. es wird langweilig, ohne Anziehung!
Daraus kann ich ableiten, dass sowieso nur ein Viertel meiner Kontakte überhaupt die Möglichkeit zur Partnerschaft "mit Anziehung" eröffnet. Unberücksichtigt bleibt hier aber, inwieweit mein sprechendes Profil selektierende Wirkung hat und dann kommen weitere Einschränkungen wie unterschiedliche Ausprägungen hinzu. Oder eben die Geschichte mit der persönlichen Entwicklung kann nicht passen. Und dann sollte man nie aus den Augen verlieren, dass man selbst im Mustopf sitzt und die angenommene eigene Übersicht nur eine relative ist.
Aus meinem ursprünglichen, auslösenden Problem bin ich sozusagen Fachmann in eigener Sache geworden und hatte anfang 20 einfach auch nur nicht zu unterschätzendes Glück, dass das Richtung bekam, beschäftige mich also schon sehr lange interessehalber damit. Das nette daran ist, wenn man das erkennt, dann zeigt das einen Raum an erwartbarem/n Verhalten und Eigenschaften eines Menschen. Dann habe ich über die lange Zeit meinen Standpunkt auf der Zeitachse verändert, d.h. ich habe vornehmlich gleichaltrige Menschen betrachtet. Das ergab über den langen Zeitraum einen weiteren interessanten Aspekt, denn bei jüngeren Menschen sind diese Ausprägungen viel deutlicher, leichter zu erkennen. Mit zunehmendem Alter gibt es immer eine mehr oder weniger ausgeprägte Entwicklung dahingehend die eigenen, geringeren Ausprägungen zu entwickeln. Mit zunehmendem Alter werden Persönlichkeiten immer "runder", vollständiger und sie sind dann für mich hinsichtlich ihrer Schwerpunkte bis hin zu sehr schwer zu erkennen. Das ist nur eine Tendenz! Diesen Kram und noch erheblich deutlicher hatte ich meinem ersten PS-Kontakt auseinander- und wieder zusammengesetzt. Das war unfassbar blauäugig, denn auch hier werden mich die meisten nun unter mittelprächtigem intellektuellem Kapitalschaden einordnen, spielt keine Role, aber jene verstand das. Sie ist so rund, dass ich das auch nach geraumer Zeit persönlichen Kontaktes nicht sicher zuordnen konnte. Geistige Anziehung war da, körperlich war ich nicht sicher, so "weit" kam es nicht. BTW, ich muss körperliche Anziehung nicht "auszuprobieren". Hier wird ja gerne sexuell getrennt betrachtet. Das kann ich nicht, dazu brauche ich sowohl die körperliche als auch geistige Anziehung. Beruflich war sie übrigens entsprechend, d.h. psychologisch unterwegs. Wie auch immer, jede Partnerschaft hat etwas von einem Wunder und nicht selten braucht es Glück, viel Glück. Bei jener könnte "getrennt lebend" den Ausschlag gegeben haben. Die Chancen sind tatsächlich mehr oder weniger gering, aber im Idealfall sucht man sich. ^^
Ist doch lang geworden, sorry, aber ich hätte es noch viel anstrengender, provozierender schreiben können. :)
 

TIoBE

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  • #27
Zitat von lisalustig:

Die meisten wissen einfach nicht, was sie konkret suchen. Es ist aus meiner Sicht oftmals so, dass sie nach "der Liebe des Lebens" oder nach "dem absoluten Glück" suchen, ohne sich klar zu werden, was es für sie konkret bedeutet. Fast so, als hätten sie es in einem Werbespot gesehen und würden das jetzt auch haben wollen: "One-size-fits-all"!

Z.B. bei der Suche nach dem richtigen Job führt diese Sichtweise zum Misserfolg (spätestens im Vorstellungsgespräch oder Assessment Center ist dann Schluss).

Bei der Sinnsuche führt diese Sichtweise zum Misserfolg (davon können diejenigen berichten, die so ziemlich jedem Guru der letzten 20 Jahre hinterhergelaufen sind).

Dasselbe gilt z.B. auch für die Themen: "was möchte ich besitzen/was gefällt mir", "was empfinde ich als meine Familie/wo liegen meine Wurzeln" und als abschließendes Beispiel "mit wem möchte ich befreundet sein". In allen genannten Lebensbereichen ist eine diffuse unkonkrete Vorstellung vom Gesuchten der Erfolgskiller Nr. 1. Aber auch bei detaillierteren Themen führt eine ungenaue Vorstellung von dem, was gewollt ist, zum Misserfolg: Ausbildung/Studium, "der richtige" Job, die passende Berufung, das richtige Umfeld und wie der nächste Urlaub aussehen soll.

Aber gerade bei der Partnersuche soll das anders sein?

Wie soll das gehen? "Der andere wird sich schon nach meinen Vorstellungen verändern, weil er oder sie mich liebt!?"

Was ist aber, wenn wirkliche Liebe eigentlich etwas Bedingungsloses sein will? Was ist, wenn wir es bisher nur missverstanden haben?

Wann immer ich Paare beobachtete, deren Liebe zum offensichtlichen Tauschobjekt wurde, passte irgendwas nicht richtig zusammen. Meistens verriet mir die Körpersprache, dass Unsicherheiten und Ängste im Spiel waren. Auf der anderen Seite konnte ich dann im überwiegenden Teil der Fälle erkennen, dass der dann eingegangene Kompromiss gegen das Naturell eines Partners verstieß.

Dass diese Sichtweise so wenig verbreitet ist, bedeutet, dass die Meisten nur die Muster ihrer Eltern unhinterfragt wiederholen -- und damit unweigerlich die Fehler noch einmal begehen. So entstehen aus unglücklichen Ehen Kinder, die wiederum nur unglückliche Beziehungen führen können. Dieser Kreis kann dann nicht durchbrochen werden.


Alles was ich anbieten kann, ist die Möglichkeit, einen (kleinen) Aha-Effekt von sich selbst zu bekommen. Als Gegenleistung bekomme ich die Chance zu erkennen, wo ich Denkfehler mache bzw. wo meine Beobachtungen bisher zu unscharf waren.


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TIoBE

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  • #28
Zitat von fafner:
Die Ansicht ist zwar hier sehr weit verbreitet, aber ich halte sie für falsch. Dann dürften Paare ja weltweit eher die Ausnahme sein. Tatsächlich sind sie aber die Regel.

Deshalb ist auch inzwischen strittig, ob die Erkenntnisse der Wahrscheinlichkeits_theorie_ tatsächlich überall angewendet werden können. In meinem Freundeskreis findet sich z.B. ein Doktor der Mathematik, der begründete Zweifel an der Allgemeingültigkeit der Wahrscheinlichkeitstheorie hegt.

Außerdem bedeutet "zusammen sein" nicht das Gleiche wie: "zusammen _glücklich_ sein".


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TIoBE

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  • #30
Zitat von Philippa:
Du willst also ein Forum im Forum?

Und gehe ich recht in der Annahme, dass du den "Thread zum Thema Partnerschaften und Beziehungen" unter der Rubrik "Single-Leben" postest, weil es darum gehen soll, was Leute, die Single sind, an den Beziehungen der anderen auszusetzen haben?
So jedenfalls kommt dein Beitrag bei mir an.
Beides: Nein.

Es steht unter "Single-Dasein", weil es um jede Einzelne und jeden Einzelnen geht.


Zitat von Philippa:
Kannst du erklären, weshalb die Tatsache, dass jeder ein Individuum ist, bedeuten soll, dass er nur zu sehr wenigen anderen Menschen passt? Ich finde diese Aussage nicht zwingend.

Natürlich kann ich das erklären. Angenommen, die ganze Welt bestünde aus genau vier Personen (der Überschaubarkeit halber sind alle heterosexuell). Und jede dieser Personen hätte genau eine charakteristische Eigenschaft, die diese auszeichnet, die aber bei den anderen Personen nicht auftreten würde.

Um es abzukürzen (und nicht ganze Bände mit Anekdoten, Erzählungen und Zitaten zu schreiben), wähle ich die vier individuellen Eigenschaften willkürlich: Anton z.B. sei stark extravertiert. Hier kommt der Kniff: Was individuell ist, ist eben nicht der Ausdruck, sondern die dahinterliegende Motivation. Der Ausdruck kann sich ähneln. Der Wunsch und die daraus folgende Motivation ist so individuell, wie der pinkfarbene Jaguar, den ein entfernter Bekannter von mir fährt (ehrlich: Meine Augen brennen immernoch!).

Also stellt sich an dieser Stelle die Frage: Warum ist Anton stark extravertiert? Die Antwort: Er braucht Bestätigung und ein Publikum. Er braucht das Gefühl, die anderen zu beeindrucken.

Bea ist ebenfalls nicht auf den Mund gefallen. Sie möchte alles mit ihrem Verstand erfassen. Sie ist clever, scharfzüngig und hat immer einen Kommentar parat. Die Motivation dahinter: Sie misst sich selbst an der nach außen vermittelten Klugheit.

Carl hingegen sieht in Allem eher die eigene Komponente. Er verhält sich nahezu unbeweglich zu allen äußeren Einflüssen, weil ihm Beständigkeit wichtig ist. Er mag keine unverbindlichen Wörter. Er mag nur den leiblichen Genuss mit allen Sinnen. Was er ist, macht er sich zueigen.

Kommen wir jetzt zu Doro: Sie fühlt sich in anderen Sphären sehr wohl. Sie träumt. Die leiblichen Genüsse, die Carl so liebt, kann sie sich lebhaft vorstellen.

Und damit sind wir schon beim Matching bzw. bei der Katastrophe.

Anton und Doro (1. Katastrophen-Matching):
Auf den ersten Blick passt das zusammen. Er hat seinen Auftritt und sie schaut scheinbar zu und applaudiert. Wenn sie während der Phasen nicht zusehr damit beschäftigt wäre, ihre Phantasien zu beobachten. Das fällt natürlich früher oder später auf. Anton: "Hast Du gesehen, wie ich das gemacht habe?", Doro: "Ja, klar. Es war einfach traumhaft, wie Du das Mikrofon in Deiner linken Hand gehalten hast!", Anton: "Aber das Mikro habe ich doch gar nicht in meinen Händen gehabt. Ich habe einen Moonwalk performt. Du siehst mir gar nicht zu! Bei der nächsten Performance schaust Du aber."

Er kommt bei ihr nicht an und sie findet bei ihm kein Verständnis, weil er sie als Publikum vereinnahmen möchte.

Carl und Bea (2. Katastrophen-Matching):
Auf den ersten Blick ist auch das eine gute Kombination. Carl genießt und beschreibt hin- und wieder die Empfindungen und Bea kommentiert es wie eine Reporterin. Bis auf den Umstand, dass Carl irgendwann einfach nur auf das Spektrum der verschiedenen leiblichen Eindrücke fixiert ist und es deshalb stört, wenn von Bea Kommentare wie z.B.: "Und war dieses Schnitzel genau so wie das Ei vorher? Besser oder schlechter? Warum antwortest Du mir nicht? Kannst Du auch noch was anderes, als Essbares in Dich hineinzustopfen?" Carls Antwort zunächst: "Kannst Du auch was anderes, als solche Unruhe zu verbreiten und Wirbel zu verursachen?", waraufhin dann Ignoranz folgt.

Konfliktalarm!

Carl möchte einfach genießen und für sich die Eindrücke einordnen. Er möchte erfassen, wie sich das empfundene mit der Zeit ändert. Das ist die Motivation dahinter. Bea will aber die Rolle der schlagfertigen Frau ausleben. Damit beißt sie bei ihm buchstäblich "auf Granit".

Anton und Bea (1. Traum-Matching):
Antons Auftritte werden immer sehr genau von Bea analysiert, die stundenlang von der neuen Performance zu berichten weiß und durch ihre Wortneuschöpfungen wiederum Inspiration für Anton ist. Durch dieses Feedback kann Anton seine Performance verfeinern und erneuern.

Carl und Doro (2. Traum-Matching):
Carls Wunsch nach angenehmen, körperlichen Empfindungen findet durch Doros Individualität den nötigen Entfaltungsraum. Demgegenüber kann Doro sich von ihren Träumen leiten lassen, ohne dass sich Carl gestört fühlt. Jetzt kommt der Clou: Doros träumerische Art ist Inspiration für Carl, weitere Kombinationen zu versuchen. Doro träumt durch Carls Beschreibungen von dem Geschmack und kann in dem Chaos verschiedener Eindrücke regelrecht schlafwandlerisch neue Kombinationen finden, die Carls Spektrum erweitern.


Zitat von Philippa:
Das klingt nach einem sehr statischen Menschenbild. Alle haben ihren vorgegebenen Platz und da sollen sie gefälligst bleiben und sich nicht bewegen und sich schon gar nicht verändern! So tönt deine Puzzle-Analogie für mich, nach einem Gefängnis. Meine Erfahrung ist jedoch eher, dass das Leben ständig Neues bringt und, je authentischer ich lebe, desto eher gilt es, Entscheidungen zu fällen, mich auf Dinge einzulassen, die mich verändern.
Wohin hast Du Dich denn während Deines Lebens verändert?

Letztendlich entwickelte sich jede Person, die mir begegnete, früher oder später zu sich selbst. Das ist der Platz im Leben. Das ist kein Gefängnis. Das ist der Stoff, aus dem "Erfüllung" gemacht wird. Das ist die Grundlage, aus der die Erinnerungen gemacht werden, die wir vor uns haben, wenn sich unser Leben dem Ende neigt. Das ist das Gute, was die meisten Menschen suchen. Das ist der Maßstab, nach dem Glück gemessen werden kann. Das sind die Momente, die unweigerlich ein Schmunzeln verursachen, wenn wir davon berichten.

Jeder Mensch hat seinen Platz in der Welt.

Und ja, diese Anschauung ist nur ein Modell. Glücklicherweise hat auch dieses Modell eine begrenzte Aussagekraft. Es sollte jedoch hierbei nur den Zweck erfüllen, einen komplizierten Zusammenhang zu veranschaulichen. Da kann die Dynamik im Leben ruhig einmal ignoriert werden, da es um Zusammenhänge und Zusammengehörigkeit geht.

Zitat von Philippa:
Du findest also Menschen in einer Partnerschaft, die sich auf jemanden eingelassen haben, sich in Dialog und Auseinandersetzung begeben und für ihren Partner auch bereit sind, gewisse Kompromisse einzugehen, seien die Einsamen, in Gewohnheiten Erstarrten, Bequemen, und die Langzeit-Singles, die von Perfektion träumen und sich nicht bewegen mögen, seien ihre Opfer?

Es gibt einen Unterschied zwischen "Kompromiss" und "Selbstaufgabe". Beide Partnerschaftsformen habe ich schon beobachten dürfen. Jede Partnerschaft vom Typ "Selbstaufgabe" führte in meiner Beobachtung zu Paartherapien, Social Events (z.B. einmal die Woche Tanzkurs! -- was in Wirklichkeit wieder ein "Kompromiss" war...), psychologischer Betreuung und in etwa der Hälfte der mir in Erinnerung gebliebenen Fälle zu erhöhtem Konsum einer Droge (also: Koffein, Tabak, Alkohol oder Schlafmittel).

Witzigerweise machten die anderen Paare schon alleine von der Körpersprache her einen viel vertrauteren und gelösteren Eindruck.

Der Unterschied ist der: "Kompromisse" geht man ein und fühlt sich hinterher nicht verfremdet. Nachdem der Kompromiss geschlossen wurde, ist jeder mit sich selbst weiterhin im Reinen. Meistens verbessert ein echter Kompromiss die Situation auf beiden Seiten, ohne dass das vorher so gesehen wurde.

"Selbstaufgabe" sind jene Aktionen unter dem Etikett "Kompromiss", bei dem ein Partner etwas tun muss, was ihr oder ihm überhaupt nicht entspricht (meistens in Verbindung mit der Floskel: "Wenn Du mich wirklich liebst..."). Siehe oben z.B. Anton und Doro: Er verlangt von ihr, dass sie ihre gesamte Aufmerksamkeit auf ihn lenken soll, das kann sie jedoch nur scheinbar geben. Versucht sie, seinem Wunsch ehrlich nachzukommen, gerät sie mit der Zeit aus dem Gleichgewicht und braucht einen anderen Ausgleich.
Unter den Vorzeichen wären Alkohol oder Schlaftabletten die wahrscheinlichsten Kandidaten für sie.


The Importance of Being Earnest -- TIoBE
 
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