Chirat

User
Beiträge
112
  • #31
AW: Things we lost in the fire

Zitat von carlo:
Solch ein Prozess fehlt in unserer Gesellschaft für Verluste anderer Art, z.B. Trennungen. Daher müssen wir selbst dafür sorgen, dass wir irgendwann aus der Gewohnheit des Betrauerns wieder in die Gewohnheit des Leben-geniessens zurück finden.

Wie wahr...
 

Heppy

User
Beiträge
588
  • #32
AW: Things we lost in the fire

was ich verloren habe:

-Weggefährten
-"moderne" Technik wie Fernseher, PC,Handy, etc.

was ich behalten habe:

-das Interesse auf einen neuen Partner/Menschen sich gegenseitig entdecken zu dürfen und sich zu entwickeln
-Dankbarkeit das es "ihn" gab, verbunden mit Erinnerungen
-"ältere" Technik

was ich gewonnen habe:

-mehr Gelassenheit
-mehr Erkenntnis und Lebenserfahrung
-das es auch Weg/Lebensgefährten nur für bestimmte Abschnitte im Leben geben kann/darf
-das ich "Gott sei Dank" auch mit etwas älterer Technik noch leben kann ;O)

Vieles wurde hier ja schon benannt und schreibe es daher nicht nochmal.

@Howlith, schön das Du so tolle Fortschritte gemacht hast und Du anscheinend auf einem guten Weg bist.
 

Howlith

User
Beiträge
2.024
  • #33
AW: Things we lost in the fire

Zitat von Heppy:
@Howlith, schön das Du so tolle Fortschritte gemacht hast und Du anscheinend auf einem guten Weg bist.

Äh, also, ob ich wirklich "Fortschritte" gemacht habe, weiß ich nicht. Darüber gehen die Meinungen in meinem Freundeskreis doch sehr weit auseinander. Pendelt so zwischen "Du machst das richtig" bis "Du stellst Dich nicht Deinen Problemen". Je nach dem auf welchen Aspekt der Trennung (Beruf, "Single-Leben, Kids, ...) der/diejenige den Focus richtet.

Lass es mich so formulieren: ich bin auf meinem Weg ...

Ich stimme Carlo an dieser Stelle gerne zu: ...

Zitat von carlo:
(...) irgendwann ist der Punkt gekommen, an dem man ganz aktiv entscheiden muss, dass es jetzt wieder aufwärts geht. Dass man jetzt wieder mehr die positiven Dinge gewichten will und die anderen einfach mal eine Weile unter den Tisch fallen lässt.

... würde es aber "vorsichtiger" formulieren. Ich war an einem Punkt, an dem ich erkannt habe, dass es von nun an nicht mehr schlimmer werden kann. ("Wenn Du Dich in einer Grube wieder findest, hör auf zu graben!") - Ja, den positiven Dingen eine Chance geben, ganz bewusst, das hilft. Vielleicht nicht sofort. - Bei mir waren es am Anfang bestimmt nicht viele positive Dinge. Ich glaube, monatelang war es nur der Job. Mehr nicht. Dann kamen neue & alte Freunde. Wiederentdeckte Hobbies. Ne neue Wohnung. Ein seltsamer Wandel von Leere in neu gewonnene Freizeit & Freiheit ...

Einfach ist es aber nicht. (Howlith)
 
D

Deleted member 4363

Gast
  • #34
AW: Things we lost in the fire

Zitat von Howlith:
Lass es mich so formulieren: ich bin auf meinem Weg ... (Howlith)

Ja, genau darum geht es doch. Sich wieder auf den Weg machen. Das Leben mit anderen Menschen/Dingen/ Ideen/Lieben füllen. Alles in Deinem Tempo.
Ich wünsch Dir dafür ganz viel Energie, Neugierde und Vertrauen auf Gefühle und Versprechen.

@Heppy
Es spricht mich sehr an, dass Du das Leben so positiv und gelassen sehen kannst. Dass freut mich für Dich und gibt mir neuen Ansporn. Danke!

Lieber Gruß
Mohnblume
 

suzanne

User
Beiträge
266
  • #35
AW: Things we lost in the fire

Lieber Howlith,

grundsätzlich stimme ich Mohnblume zu und kann doch eigentlich keine angemessene Aussage machen, da ich noch nie in Deiner Situation war (z.B. habe ich keine Kinder) und Dich nicht kenne. Aber dennoch fühle ich eine gewisse Nähe zu Dir, forumsbedingt.

Jedenfalls freut es mich auch, wenn es Dir besser geht, das weisst Du ja vielleicht schon, weil ich es Dir schon so schrieb. Und doch bist Du, was das Leben betrifft, nun eher zögerlich-zurückhaltend. Was ich soweit evtl. nachempfinden kann.

Ich habe den Eindruck, Du bist auf dem richtigen Weg. Gib’ Dir ausreichend Zeit, zurückhaltend zu sein, sei geduldig mit Dir und stress’ Dich nicht. Es wird schon. Das Leben geht weiter, ganz von allein.

Ich schätze, dass es vor allem wichtig ist, diese gelassene Stimmung, die nun bei Dir durchschimmert, auch Deiner Ex gegenüber zu vermitteln, damit sie die Kinder (ich glaube, es waren zwei?) aus der Sache raushält. Und damit Ihr dort neue Formen des Umgangs entwickeln könnt. Was aber wohl das wichtigste ist: Soweit es geht authentisch sein, einfach für das eigene Seelenheil. Und wenn das bedeutet, dass Deine Ex Dir die Kinder deswegen noch vorenthält (was eigentlich so nicht sein darf! Das wäre dann ihr blinder Fleck & Defizit), dann muss es so sein. Ich habe den Eindruck, dass eben gerade dies bei Dir passiert, aber was weiss ich denn schon?

Ist wohl wieder nur mal wieder meine Überreaktion? Meine Tendenz, anderen etwas überzustülpen, hier im Diskurs?

Das will ich nicht. Sorry about that! Alles Gute jedenfalls, für Dich.
Suzanne
 

Howlith

User
Beiträge
2.024
  • #36
AW: Things we lost in the fire

Oh, ich will nicht, dass dieser thread komplett OT geht. Nur dies ganz klar: ich will hier meine Situation nicht diskutieren. Trotzdem danke für Eure/Deine Gedanken.

Zitat von suzanne:
(...) dass Deine Ex Dir die Kinder deswegen noch vorenthält

Aber das will ich schnell richtig stellen: meine Ex hält die kids nicht von mir fern. Ich hatte kurz nach meinem Auszug (eigentlich Rauswurf) um ne Pause gebeten um Abstand zu gewinnen und das alles zu verarbeiten. Und diese Entscheidung war rückwirkend betrachtet konsequent und richtig. In wenigen Wochen werden uns dann 100 km trennen. Mal sehen was dann passiert.

Lassen wir dieses Thema damit ein wenig ruhen.

@suzanne: Danke!
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:

Claudi

User
Beiträge
710
  • #37
AW: Things we lost in the fire

@carlo und maxine
schön, dass ihr hier was schreibt. Und Eure beiden posts enthalten etwas für mich bis jetzt Unauflösliches.
@carlo: ich finde den Gedanken bestechend, sich zu erlauben, einfach nicht mehr über bestimmte, schmerzhafte Dinge nachzudenken. Dass es ok sein könnte, das nicht immer wieder anzuschauen, sondern es einfach mal sein zu lassen, wenn man nicht weiter kommt. Auf die Idee wäre ich von selber nicht gekommen. Also etwas, dass ich nicht ändern kann, mit dem ich aber auch meinen Frieden nicht machen kann: Einfach nicht mehr dran denken. Zwei Menschen die mir wichtig sind, haben mir das auch schon geraten. Meine kleinere Tochter formulierte es gestern so, als sie mich mal wieder beim Grübeln erwischte: "Mama, nicht über Dein Leben nachdenken, hopp-hopp!" Das kam tatsächlich kurz nach Deinem post ;-). Die zweite Person, die etwas Ähnliches formuliert hat, ist Bett Man (immer noch...). Der hat ja nun schätzungsweise genauso viele Dämonen und Monster wie ich. Auf die Frage, wie er denn mit denen fertig wird (oder auch nicht), meinte er "Einfach nicht mehr drüber nachdenken. Damit gibst Du den Dingen so viel Macht über Dich." Es scheint also was dran zu sein, und die Idee fasziniert mich. Ich hab gedacht, ich muss meinen Dämonen allen "Sitz", Platz" und "Bleib" beibringen, um die Dinge richtig zu verarbeiten, abzuschließen, zu verzeihen usw. Stimmt vielleicht gar nicht ;-).

aber - und jetzt kommt das, was maxine geschrieben hat - ich kann nicht so tun, als wäre ich "besser und stärker" aus der Krise/den Krisen hervorgegangen. Ich hab auch nicht, wie das offenbar bei vielen ist, mehr Klarheit gewonnen. Es ist nicht so, dass ich nun besser wüsste, was ich will oder was ich nächstes Mal anders machen kann. Im Grunde gilt fast nichts von dem mehr, was mir früher selbstverständlich war. Das heißt nicht, dass ich verbittert wäre und die alten Werte nicht mehr gut finden würde. Es gibt da aber eine große Verwirrung und jede Menge Zweifel, und eben dieses zunehmend stärkere Gefühl, dass eben nicht alles wieder gut wird. Offenbar scheint wenigstens das normal zu sein. Jedenfalls bin ich Jesper Juul zutiefst dankbar für Sätze wie: "Eine gescheiteret Liebesbeziehung sollte Anlass zu emotionalem Zweifel und persönlicher Reflexion geben." und (bezogen auf Patchworkfamilien): "Wenn Sie und Ihr Partner bereits mindestens ein "Fiasko" hinter sich haben, gehört nicht mehr viel dazu, sie beide ernsthaft an Ihrem Wert als Partner oder sogar als Mensch zweifeln zu lassen." Und diese skeptische innere Stimme ist schwer zum Schweigen zu bringen. Wegatmen kann man die Angst und die Zweifel auch nicht wirklich.

Obwohl einer der wertvollsten Tipps, die ich mal in einem Beziehungsratgeber mitgenommen habe, tatsächlich "10x tief in den Bauch atmen" ist. Ohne Witz! Danach fühlt es sich wirklich nicht mehr ganz so schlimm an, aber das ist natürlich eine noch kurzfristigere Notfall Maßnahme als das "Nicht-mehr-dran-denken".

Also, was meint Ihr, ist Verdrängen legitim? Ist es das "Gib mir die Kraft, hinzunehmen, was ich nicht ändern kann"? Oder schiebt man einfach nur noch ein weiteres Monster unters Bett? Und holt einen das auf jeden Fall irgendwann ein? Und nützt es dann was, das zu erkennen? Dass es das eigene Monster ist, was da unterm Bett hervorkommt? Meine Erfahrung ist, dass das kaum einer reflektiert, und wenn, rettet es trotzdem keine Beziehung. ich würde da inzwischen auch für mich selbst nicht mehr dei Hand ins Feuer legen. Manche Dinge brechen erst dann wieder auf, wenn tatsächlich "Beziehung" auf dem Spiel steht. Die kann man vorher nicht trainieren.

Meine Vermutung ist, dass das hinter den meisten der traurigen Geschichten über die plötzlichen Kontaktabrüche hier steckt. Keine Böswilligkeit, keine Trophäensammler oder gefühlskalte, gedankenlose Narzissten. Sondern Menschen mit den besten Absichten, die plötzlich merken, dass sie gar nicht so können wie sie dachten dass sie wollen...Und das wirklich erst, wenn´s schon wieder zu spät ist: Wenn wieder mal jemand real verletzt wird.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:

maxine195

User
Beiträge
803
  • #38
AW: Things we lost in the fire

@claudi

Liebe Claudi, danke dir für deine Antwort, die viel in mir auslöst.

Komisch eigentlich. Grad gestern habe ich beschlossen einem sehr traurigen Ereignis in meinem Leben nicht mehr so viel Beachtung zu schenken, es wegzuschieben und zwar bewußt.

Ich habe es - und da scheine ich wie du zu sein! - lange angeschaut, gedreht und gewendet, bis mir quasi selbst ganz schwindelig wurde und der Erkenntnisgewinn nicht mehr hoch.

Deshalb soll es jetzt ruhen, es wird sowieso irgendwann , immer mal wieder hochkommen, aber dann habe ich -hoffentlich - das meiste davon verarbeitet. Ob ich stärker geworden bin merke ich erst dann. Aber man muss ja auch nicht durch alles stärker werden, das ist auch so ein unrealistischer Anspruch. Zu seiner Schwäche zu stehen kann hingegen sehr heilsam sein.

Und ja, mittlerweile halte ich verdrängen für legitim. Nicht komplett . Man sollte sich schon eine Zeit einräumen und nicht gleich zur Tagesordnung übergehen, das funktioniert auch nicht wirklich. aber dann muss irgendwann mal Schluss sein und man sollte sich - da gehe ich völlig mit Carlo überein - bewußt abwenden, dem Leben , dem Alltag zuwenden. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut, auch das braucht seine Zeit . Setz dir einen Zeitpunkt. stell dir eine Kiste vor, in die du alles packst. Dann stellst du die Kiste weg. Ab und zu holst du sie mal wieder hervor, aber sie bestimmt nicht mehr dein Leben.

Du hast deine Atemübungen. Die kenne ich auch und wende sie an, um mich vor öffentlichen Auftritten, schwierigen Gesprächen usw. "runterzufahren".

Ich kann noch diese Übung empfehlen, die ich aus Achsamkeitsübungen kenne: Gedanken kommen und gehen lassen, nicht festhalten, nicht bewerten. Und dabei zu wissen, du bist nicht deine Gedanken.

Liebe Grüße

maxine
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:

Nettmann

User
Beiträge
1.135
  • #39
AW: Things we lost in the fire

Hallo zusammen,
die Gedanke von Claudi, Carlo, Maxine haben mich ziemlich nachdenklich gemacht. Die Geschichte mit den Monstern, die da unterm Bett lauern, in Momenten herausbrechen, wenn es um Beziehung geht, das Loslassen, Zulassen der eigenen Schwächen, das Akzeptieren des Scheiterns.
@Claudi
Ja, ich glaube inzwischen auch, dass sich hinter manch unerwarteter Verabschiedung, manchem plötzlichen Kontaktabbruch das plötzliche Erkennen steht, dass man nicht so weit ist, wie man dachte.
Ob man "so weit ist", eine neue Beziehung riskieren zu können - Ich glaube, bevor man das Risiko eingegangen ist, es zu versuchen, ich weiß es nicht. Wer allerdings in der Schockstarre verharrt, wie das Kaninchen auf den Fuchs starrt, in der Höhle bleibt, weil man immer nur an den Hauptausgang denkt, obwohl es auch Nebenausgänge gibt, der wird kaum je wieder erfolgreich in eine Beziehung einsteigen können.
Ich denke, dass wir oft im Leben ein Problem so lange anstarren, bis es als unüberwindlicher Berg da steht. Wie offen machen wir aber im Leben die Erfahrung, dass im Rückblick eines dieser Hindernisse eigentlich lächerlich klein war oder es einen kleinen Umweg gab, auf dem man, manchmal mit einem viel schöneren Weg sein Ziel erreicht hat. Wie viele Ziele (wenn nicht der Weg das Ziel ist?) gibt es, die sich auf verschiedenen Wegen erreichen lassen, bei denen man bei einer Weggabelung eine Richtung einschlagen muss? Wie oft steht da auf den Schildern nur eine Richtung auf dem Weg zum Ziel, auch wenn es in die andere Richtung auch dort hin geht?
Wie oft wollen wir unbedingt auf kürzestem Weg zum Ziel kommen?
Wie oft stellen wir fest, dass auf dem Weg Täler zu überwinden sind, von denen wir glauben, dass sie nicht durchquert werden können? Ja, manchmal muss man Schritte, manchmal ein gutes Stück zurück gehen, manchmal sich auch durch Gestrüpp schlagen, um auch eine seichte Stelle im Fluss zu erreichen. Manchmal auf einem anderem Weg eine Brücke, die schon da ist. Manchmal baut einem auch jemand eine Brücke, nimmt einen auch an der Hand, wenn die Brücke all zu wacklig erscheint. Manchmal muss man sich auch nasse Füße holen, sich dem Unangenehmen stellen.
Wer an der Weggabelung sitzen bleibt, wird nicht voran kommen, immer auch die Monster in der Nähe wähnen.
Habt Mut, nehmt auch mal jemanden mit, wenn ihr an einer Brücke steht. Gemeinsam kann man sich oft Halt geben. Lasst aber los, wenn die Last zu schwer ist und ihr vom anderen mit in die Tiefe gezogen werdet.
Wenn der Weg all zu steil ist, holt euch einen professionellen Bergführer, der gibt euch Sicherheit, manchmal ein Seil. Wer in den Bergen unterwegs war, weiß, wie hilfreich so ein Seil sein kann - weniger, weil man sich daran hängt, sondern weil es einfach gut tut, zu wissen, man stürzt nicht gleich unendlich weit ab.

Nettmann

sorry für den Exkurs. Wenn ich zum eigentlichen Thema noch was sage, dann dass es hilfreich ist manch schweres Gepäckstück zurück zu lassen, auch wenn man daran tolle Erinnerungen hat, es einem an anderer Stelle geholfen hat. Was hilft einem ein Bergseil in der Wüste, einer komplett anderen Situation?
 

carlo

User
Beiträge
1.244
  • #40
AW: Things we lost in the fire

Hallo in die Runde !

In aller Kürze, weil ich „eigentlich“ arbeiten müsste…

Erstens: mir geht es nicht um Verdrängen. Mir geht es mehr darum zu sagen: „o.k., das war jetzt nicht schön, was da passiert ist, aber ich nehme es ab sofort nicht mehr als Grund mein weiteres Leben zu beschweren. (Denn davon wird es auch nicht besser.)“ Gerade wenn anderen Menschen, vor allem Kinder im Spiel sind finde ich auch, dass es zur Verantwortung von uns Erwachsenen gehört, eine gewisse Lebenslust und Leichtigkeit vorzuleben. Dieses sich nicht vom Trauern und Hadern lösen können pflanzt sich ja fort…. davon kann ich ein Liedchen singen…

Zweitens: wenn man trotz all des Leidens nicht so viel „gelernt“ hat, wie man sich wünschen würde, dann kann das ja mindestens Zweierlei bedeuten. Entweder gibt es gerade nicht mehr zu lernen, wer kann das schon wissen? Oder es geht eben gerade nicht auf diese Weise, des Trauerns. Vielleicht ist die Lehre eben gerade, die Dinge weniger schwer zu nehmen.

Drittens: Ja, gerade das Trauern und Hadern gibt den „Dämonen“ ihre Macht und „Sitz, Platz, Geh“ bringe ich denen eben gerade dadurch bei, dass ich meine eigenen Regeln aufstelle. Das bedeutet auch Verantwortung für das eigene Wohlergehen und das eigene Leben zu übernehmen und hier scheint mir der Hase im Pfeffer zu liegen.
(NB: Auch in der Therapie von Depressiven und in der Paartherapie weisen ja neue Ansätze dahin, dass die wirksamsten Methoden die sind, wo der Mensch oder das Paar sich einfach wieder positiv erleben kann und das damit mehr und schneller Verbesserungen zu erreichen sind, als mittels reinem Analysieren.)

Viertens: die Kontaktabbrüche. Ich glaube eher, dass sie daher kommen, dass jemand sich einmal wieder auf sein Leid zurück zieht, anstatt zu sagen: so, das wird jetzt anders. Ich will eine Beziehung, ich will sie mit diesem Menschen probieren und ich tue das in einer Weise, die für uns beide verträglich ist.

Ich wünsche allen, die hier lesen einen freudvollen und schönen Tag. Schließlich ist es der Anfang vom Rest unseres Lebens, das sollten wir feiern… ;-)

Carlo
 

Elli

User
Beiträge
480
  • #41
AW: Things we lost in the fire

...das sind ganz tolle und einfühlsame Beiträge hier...zu dem bunten Strauß verschiedener Ansätze und Gedanken hier noch meine Farbe:

Zitat von Claudi:
Der Punkt ist nur: Das Basisgefühl ist tieftraurig. Und so lange schon. Zu lange vielleicht.

Ich habe auch schon schwere Verluste erlitten, die über Jahre betrauert werden mussten.
Mir hilft die Vorstellung, daß die Seele in Bildern lebt - und auf solche reagiert. (auf Worte alleine weniger)

Wie sieht Deine Trauer aus?
Schau ihr in's Gesicht - wie sieht sie aus? Was hat sie Dir zu sagen? Frag sie danach, hör ihr zu. Gib ihr eine Daseinsberechtigung - eine Würde.
Sie repräsentiert einen Teil von uns, den wir brauchen, um ein volles Leben leben zu können - und ganz sicher keinen schlechten!



Das ist schmerzlich. Aber es befördert uns Stück für Stück von einer Ideal-Vorstellung in die Realität - das halte ich für gut.


Ich gehöre zu den Leuten, die inzwischen einen hübschen kleinen Zoo von Monstern und Dämonen unter dem Bett haben. Und mein Gefühl ist, ich stehe damit nicht alleine da. Auch wenn viele da lieber gar nicht nachschauen ;-).

Genau - was ich nicht fühlen will, lasse ich den anderen spüren ;-)

Dein Zoo ist "hübsch"....finde ich eine gute Wortwahl. Ich glaube auch, daß der menschliche Wille ganz Unglaubliches zu leisten vermag - in Gefühlsdingen allerdings kommen wir recht schnell an Grenzen, denn die Gefühle lassen sich nur sehr begrenzt dirigieren und beherrschen - und wenn, dann zu einem hohen Preis.

Ich halte es für energiesparender, sinnvoller und zielführender, sich anzufreunden mit den kleinen und größeren Angstmachern unterm Bett. Auch hier helfen meiner Erfahrung nach Bilder: Unter's Bett greifen, einen rausholen - und ihn anschauen, mit ihm reden, ihm zuhören. Oder sich vor's Bett auf den Bauch legen und einen rauslocken - ich könnte mir vorstellen, die trauen sich gar nicht so einfach hervor.

Vielleicht beklagt sich einer: "Keiner will mich, keiner liebt mich"...da hätten wir vielleicht schon etwas gemeinsam.

Das ist alles gar nicht so einfach - aber leicht. Man muß es nur tun. Und jetzt..kommt der Wille...:)

PS: Und auch der hat seine Grenzen, denn die Seele wird immer dafür sorgen, daß wir uns nicht übernehmen mit unserer Aufräumaktion. Jedes neue Puzzle-Teilchen an Einsicht oder wachsendem Bewußtsein braucht wieder Zeit zum Einwachsen, das ganze System braucht Zeit zur Stabilisierung - und wir sind immer so gut, wie wir gerade sein können.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:

franinda

User
Beiträge
4
  • #42
AW: Things we lost in the fire

Hallo,

auch ich habe viel verloren, aber auch viel gewonnen. Nach einer gescheiterten Ehe, 8,5 Jahren als alleinerziehende Mutter mit einer 6jährigen Beziehung, die letztendlich auch in Scherben gegangen ist, hätte ich den Himmel samt der ganzen Engelschar anbrüllen können. Was soll's?
Denn gewonnen habe ich auch. Mich selbst. Das meiste (!!!!), was mich jetzt ausmacht und erfüllt, habe ich meiner ungewollten Scheidung zu verdanken und meine endgültige Aussöhnung mit meinen Selbstzweifen habe ich meinem Exfreund zu verdanken, der das noch nicht mal weiß. Aber das ist ja egal. Nun würde ich allerdings gerne wirklich mit einem Mann ankommen und wenn das jetzt beim nächsten Mann nicht so sein wird, werde ich in den himmelanjaulenden Klagegesang mit einstimmen.
Und noch eins habe ich gewonnen. Die tiefe Erkenntnis daran, dass es allemal besser ist Single zu sein, als mit dem falschen in einer drögen Beziehung zu verschimmeln und es noch nicht einmal zu merken...
Liebe Grüße,
franinda
 

carlo

User
Beiträge
1.244
  • #43
AW: Things we lost in the fire

Zitat von Elli:
...daß die Seele in Bildern lebt - und auf solche reagiert. (auf Worte alleine weniger) .....

Super Input, liebe Elli !

Menschen verarbeiten ja unterschiedlich.

Zitat von Elli:
... - was ich nicht fühlen will, lasse ich den anderen spüren ;-) .....

Das ist ja auch sehr weise !!

Zitat von Elli:
...Unter's Bett greifen, einen rausholen - und ihn anschauen, mit ihm reden, ihm zuhören. Oder sich vor's Bett auf den Bauch legen und einen rauslocken - ich könnte mir vorstellen, die trauen sich gar nicht so einfach hervor......

Ich glaube ja, dass die alle in uns selbst wohnen, ja Teil von uns selbst sind. - Vorteil daran: man ist selbst der Boss, muss allerdings führen. Ich habe in der letzten Zeit so Hunde-Flüsterer-Dokus im Fernsehen gesehen. Da ist es auch so: ein Hund, der sich schlecht benimmt, weiß es einfach nicht besser, weil Herrchen/Frauchen zu wenig klare Ansage macht. - Ist wohl zur Zeit mein Thema....

LG
Carlo
 

carlo

User
Beiträge
1.244
  • #45
AW: Things we lost in the fire

Hi Claudi,

ich muss es loswerden: ich habe dein Eingangspost noch mal gelesen. Da schreibst du zwar, es gehe dir um die Dinge die wir verloren und/oder gewonnen haben, deine eigene Aufzählung scheint aber nur aus der Verlust-Perspektive zu schauen.

Vielleicht magst du ja mal die gleiche Liste mit allen jetzt auch genannten Punkten aus der Gewinn-Perspektive schreiben. Vielleicht fällt dir das im ersten Moment gar nicht so leicht. Ich könnte mir vorstellen, dass es dir hilft, mal den Blickwinkel zu ändern. Und natürlich, dass es interessant sein könnte, welche Gedanken und Gefühle dazu dann hoch kommen.

Viel Glück!

Carlo
 

maxine195

User
Beiträge
803
  • #46
AW: Things we lost in the fire

Ein Thema war hier, dass man nicht alles glücklich wenden kann und ich finde es auch vermessen alles und jedes dann auch noch positiv sehen zu sollen. Das erzeugt ja noch Druck . und dann laufen da draussen massenhaft Leute rum, mit Fassaden , an die sie selbst glauben. Und lernst du die näher kennen, dann siehst du , alles ist voll gerümpelt mit den Monstern, nur eben unters Bett oder sonstwohin geschoben.

Also "think positiv" , amerikanisch steter Optimismus kann es auch nicht sein. Was wiederum ja gar nicht heißen soll, dem Elend zu verfallen , es hegen und pflegen und stets am Leben zu erhalten.

Claudis Beitrag fand ich grad so sympathisch, weil sie ehrlich schreibt , welche Verluste sie grad fühlt. Ohne dies gleich positiv für sich wenden zu wollen oder eben nicht, noch nicht können..
 

carlo

User
Beiträge
1.244
  • #47
AW: Things we lost in the fire

Zitat von maxine195:
... und dann laufen da draussen massenhaft Leute rum, mit Fassaden , an die sie selbst glauben. Und lernst du die näher kennen, dann siehst du , alles ist voll gerümpelt mit den Monstern, nur eben unters Bett oder sonstwohin geschoben.
.....

Hallo maxine,

ich glaube, ich verstehe, was du meinst. Nur: mir geht es gerade nicht darum, alles positiv zu zwingen und an allem auch noch einen Gewinn finden zu müssen.

Ich meine einfach, dass unser Leben so lebenswert und schön ist und dass wir das manchmal mit unserer Fokussierung auf all unser erfahrenes Leid nicht mehr sehen. Es geht mir mehr darum, irgendwann zu sagen: ich schließe ab. ich wende mich dem Leben wieder zu. ich erinnere mich nicht mehr so oft, was mir alles widerfahren ist und wieder öfter daran, was mir alles geschenkt wurde.

Ich war selbst lange Zeit nach der Trennung von meinem Mann - depressiv. Ich habe Wochenende um Wochenende mit der Katze auf der Couch gesessen und geheult. Ich habe meine Freundschaften und Interessen nicht gepflegt und mich nur schlecht und elend gefühlt. Meine Scheidung überforderte mich, wie so vieles andere und es ging einfach nicht aufwärts. Dann habe ich irgendwann gesagt: "so geht das nicht weiter!". Und dann habe ich mit mir die Verabredung getroffen, mein Leben wieder in meine Hände zu nehmen. Das hat funktioniert, wenn es auch ein Prozess in mehreren Schritten war und viel Kraft gekostet hat. Aber ich habe von Anfang an viel Resonanz bekommen. Ich ging zum Friseur und meine Mandy (Name von der Redaktion geändert) sagte: "wow; was ist denn bei Ihnen passiert? beim letzten Mal noch so ein grauer Schwan und jetzt eine strahlend schöne Frau?? Ich habe mich bei der ersten PB angemeldet und da meine Erfahrungen gemacht. Ich habe mit Freunden offen über meine Situation geredet und vielleicht zum ersten Mal wirklich gefühlt, dass die auch für mich da sind, wenn es mir nicht gut geht. Diese ganze Energie hatte ich nur, weil ich sie nicht mehr in mein Selbstmitleid gesteckt habe.

Es ist dein Leben. Du entscheidest, was du daraus machst.

LG
Carlo
 

maxine195

User
Beiträge
803
  • #48
AW: Things we lost in the fire

Hallo carlo,

so kann ich das sehr gut nachvollziehen, ich hatte das wirklich in den falschen Hals bekommen. Schön,dass du den Hintergrund deiner Einstellung geschrieben hast!. Da bekommt man mit, wie das, diese Haltung bei dir auch erst wachsen und sich entwickeln mußte/konnte.

lg maxine
 

Claudi

User
Beiträge
710
  • #49
AW: Things we lost in the fire

@maxine und carlo
Ihr seid in der Kombination einfach unschlagbar für den Erkenntnisgewinn hier. Ihr solltet das professionell machen (oder macht ihr schon was in der Richtung?), so ein "good cop, bad cop" Ding, je nach Persönlichkeitsstruktur oder Trauerphase oder, oder...des Lesenden.

@maxine: Bei Dir hab ich das Gefühl, Du verstehst mich, weil Du so ähnlich tickst wie ich.

@carlo: Bei Dir habe ich das Gefühl, ich hab Dich grad verstanden. Ich wollte gerade allgemein was schreiben, dass es ja auch auf die Summe der persönlichen Erfahrungen ankommt, inwieweit man noch daran glauben kann, dass alles gut wird und man das aus eigener Kraft schaffen kann. Und Du hast die Erfahrung gemacht, dass Du Dich "an den Haaren aus dem Sumpf" gezogen hast (sofern das keine Münchhausen-Geschichte war ;-)). Das gibt Dir natürlich viel mehr Selbstvertrauen.

Wenn die eigenen Erfahrungen eher so sind, dass es doch wahrscheinlich wieder schief geht. Ist das a) vielleicht eine self fulfilling prophecy - (und der Gedanke ist eines meiner schlimmsten Monster)- und b) vielleicht gleich ganz Beziehungs vereitelnd, dann hat man zumindest Problem a) nicht. Nur: Es bringt ja nichts, positiv zu tun, wenn man es so nicht fühlt. Da hat maxine recht mit der Fassade, die einem vielleicht hilft, Leute zu beeindrucken oder Ziele zu erreichen, aber auf lange Sicht bestimmt verhindert, dass man endlich zur Ruhe kommt und mit sich und jemand anderem glücklich werden kann. Ich hab mit Mr. Fassade den Patchworkversuch gemacht. Und die Fassade brach genau in dem Moment in sich zusammen, als ihn seine ganzen Monster wieder einholten. Das wäre nicht nötig gewesen. Mir musste er nichts vormachen. Aber er hat entschieden, sich genau an dem Punkt abzuwenden, wo er sich mir - vermutlich unabsichtlich, er war einfach buchstäblich aus seiner Rolle gefallen - zu erkennen gegeben hat.

@carlo:ich kann verstehen, dass Du ein bisschen genervt bist, wenn Du den Eindruck hast, Leute lassen sich hängen oder versuchen nicht genug, was Du mit großer Anstrengung doch auch hinbekommen hast (und worauf Du zu Recht stolz sein kannst). Aber ich wette, Du hast es auch nur geschafft, weil der Impuls dazu ganz von Dir selbst kam. Es hätten Dir wahrscheinlich zu dem Zeitpunkt, als Du depressiv mit deiner Katze auf dem Sofa gesessen hast, fünf gute Freunde sagen können: "Nun mach doch mal so..." und es hätte Dich nur wütend gemacht. Weil das Gras nicht schneller wächst, wenn man dran zieht.
ich hab gar nicht den Anspruch, dass alles gut werden soll. Vieles ist ja auch gut (vielleicht mach ich die Liste auch noch :)), und anderes ist es eben nicht und wird sich auch nicht dahin wenden lassen. Im Moment würde ich nur gerne stärker sein. Mich nicht so machtlos und verletzt fühlen. Und meine Erfahrungen sind leider so, dass sie diese Gefühle verstärkt haben. Würde ich nicht ständig die "flash backs" in diese Trauer haben, könnte ich noch öfter den Moment genießen und viel zufriedener (von Glück wollen wir hier mal gar nicht reden) vor mich hin leben.
Ich denke, der Weg "man muss nur wollen" funktioniert nicht für jeden oder setzt zumindest voraus, dass man entsprechende Erfahrungen gemacht hat. Ich hatte mal einen Freund, der glaubte "Ich kann jede Frau kriegen die ich will, wenn ich mich nur genug anstrenge." Und es stimmte für ihn. Ich nehme an, weil er intuitiv gut einschätzen konnte, wo es Zweck hatte und wo nicht.
Bei mir ist es so, dass ich mich gar nicht wieder "auf Hochglanz bringen will" (ich kann das temporär, z.B. für Dates, aber das nützt doch nichts, wenn ich dabei nicht ich selbst bin). Ich möchte nur in Frieden ein bisschen kaputt und einzigartig sein dürfen und dabei nicht mehr so traurig, dass es meine Lebensqualität so nachhaltig beeinträchtigt (gegen ein bisschen Melancholie hab ich nichts).
Vielleicht sind Menschen unterschiedlich hart, oder, falls das zu negativ bewertend klingt, widerstandsfähig. Dann gehöre ich eben nicht zu härtesten Sorte, Typ "robustes Stehaufmännchen".
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:

Claudi

User
Beiträge
710
  • #50
AW: Things we lost in the fire

Na klar ist das Leben lebenswert und schön. Bloß der Tag ist immer zu kurz. Ich würde hier gerne noch vielen anderen antworten, aber ich muss morgen so früh raus...
Ich danke allen, die bis hierher mitgeschrieben haben und bin gespannt was noch so kommt.
 

Elli

User
Beiträge
480
  • #51
AW: Things we lost in the fire

Zitat von carlo:
Ich glaube ja, dass die alle in uns selbst wohnen, ja Teil von uns selbst sind.
Hi Carlo :)
Ja, ich bin sicher, daß die Dinge, die uns im Außen aufstoßen und Probleme bereiten, am nachhaltigsten und wirkungsvollsten durch Integration in das eigene Innere verstanden, gelöst und gerade gezogen werden können.
Und die Monster und Dämonen unterm Bett oder im geheimen Kämmerchen werden umso potenter und mächtiger, jeh weiter wir sie von uns abspalten und ihre Existenz leugnen.

Was du verdrängst, gewinnt Macht über dich.


- Vorteil daran: man ist selbst der Boss, muss allerdings führen. Ich habe in der letzten Zeit so Hunde-Flüsterer-Dokus im Fernsehen gesehen. Da ist es auch so: ein Hund, der sich schlecht benimmt, weiß es einfach nicht besser, weil Herrchen/Frauchen zu wenig klare Ansage macht. - Ist wohl zur Zeit mein Thema....

Das erlebe ich nicht so - in dieser Umfänglichkeit: Sicher ist es sehr wichtig, sich Ziele zu setzen, sonst kommt man ja nirgends an oder hin.

Aber ist mein Verstand mit seinen Entscheidungen der Boss über eine Hundemeute,(bestehend aus Irrationalem, Emotinalem usw.) die er nur fest genug im Griff haben muß, dann klappt das schon mit dem guten Leben?
Meine Erfahrung : das klappt nicht. Das wird ein dürres Schmalspurleben.

Das gute, voll-wertige Leben bedarf eben nicht in erster Linie der Kontrolle - sondern des Vertrauens.
Vertrauen in das Leben selber - Vertrauen (auch) in all die Erscheinungen, die das Leben z.B. in mir in Form von Gefühlen, Gedanken, Unsinnigem, Sinnigem...hervorbringt.

Meiner Erfahrung nach habe ich ein vielfältiges inneres Instrumentarium - der Wille ist nur eines davon. Manchmal ist er genau der richtige Ratgeber - aber längst nicht immer.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:

Elli

User
Beiträge
480
  • #53
AW: Things we lost in the fire

Zitat von Claudi:
Ich möchte nur in Frieden ein bisschen kaputt und einzigartig sein dürfen und dabei nicht mehr so traurig, dass es meine Lebensqualität so nachhaltig beeinträchtigt (gegen ein bisschen Melancholie hab ich nichts).
Vielleicht sind Menschen unterschiedlich hart, oder, falls das zu negativ bewertend klingt, widerstandsfähig. Dann gehöre ich eben nicht zu härtesten Sorte, Typ "robustes Stehaufmännchen".

Ich empfinde diese Selbstaussage als sehr ehrlich, sympathisch, liebenswert - nah dran am Eigentlichen - und damit an der Quelle Deiner Kraft.
Falls Du Goldgräberin bist - ich glaube, dort lohnt es sich, weiterzugraben...

Wenn Ereignisse so große Trauer auslösen, lohnt es sich, nachzuspüren, woher diese Trauer eigentlich wirklich kommt.
Oft ist es so, daß die neue Trauer alle alten und uralten Trauergefühle wieder mitbelebt und aktiviert - und die Tatsache, daß wir schon so lange und so viele Trauergefühle mit uns herumtragen, führt zu dem Gefühl, dies sei quasi die Grundlage unseres Daseins - wir sind schon IMMER so abgrundtief traurig - und das wird (und kann) sich NIE ändern.

Mit jeder Zurückweisung erleben wir wieder das Drama des zurückgewiesenen Kleinkindes - und die Gefühlswelt dieses Kleinkindes, das nicht relativieren kann, sondern direkt abhängig ist von der Fähigkeit zur Einfühlung seiner Bezugspersonen.

Wenn diese Bezugsperson sich nicht oder schlecht einfühlen kann, denkt und fühlt das Kind nicht: "Menschenskinder, Mama ist wieder so in ihren eigenen Kram verstrickt, die merkt ja gar nix von mir und was mit mir los ist - naja, ich versuch's später nochmal.."

- sondern: die Welt den Kindes geht buchstäblich und alternativlos UNTER. Das Kind zweifelt seine Daseinsberechtigung an, empfindet sich selber als häßlich, überflüssig, lästig, unbequem, schwierig, anspruchsvoll - und vor allem fühlt es, daß es den Sinn seinem Daseins verfehlt - nämlich lieben und geliebt zu werden.
Und darüber muß ein Mensch (und sei er noch so klein) wahrlich abgrundtief traurig sein, das ist absolut angemessen.

Alle diese Gefühle sind da. Bei jeder neuen Beziehungspleite werden sie erinnert und geben dem jetzigen Ereignis die Dramatik, Unausweichlichkeit und Unlösbarkeit, die wir als Kleinkind real so erlebt und gefühlt haben.

Aber jetzt - sind wir in einer anderen Position. Wir sind erwachsen und nicht mehr direkt abhängig. Wir können reflektieren und auseinanderdividieren, was unsere und was fremde Anteile am Geschehn sind.
Wir können (jetzt kommt Carlo :)) die Dinge in die Hand nehmen und lösen. Wir können uns Hilfe und Unterstützung suchen. Wir können etwas MACHEN, etwas ändern, uns auf den Weg machen - raus aus diesem Land der Trauergeister.
Es gibt ein anderes Land.
 

maxine195

User
Beiträge
803
  • #54
AW: Things we lost in the fire

@ claudi


Du schaust den Dämonen, Monstern ins Auge, das ist mutig und auch stark, daran scheitern schon viele. Du hälst es aus, eine Weile mit der tiefen Traurigkeit zu leben, auch das ist stark. Und du schreibst hier darüber, kannst deine Gefühle so gut ausdrücken, das ist sicher eine Stärke von dir.

So banal es klingt, du brauchst offensichtlich noch Zeit, die Zeit, die wirklich so oft für einen arbeitet. Dennoch würde ich anfangen, den Dämonen immer mehr, immer öfter den Rücken zu zukehren, indem du etwas Schönes für dich tust, dich bewusst ablenkst und eben auch mal verdrängst!
Grad wenn man so ist wie du (und ich in diesem Punkt) hat man jedes, wirklich jedes Recht das auch mal zu verdrängen, wegzuschieben!

Total super fand ich den Spruch deiner Tochter: Hopp Hopp, hör jetzt auf über das Leben nachzudenken (frei nachformuliert von mir) .

Ich muss jetzt - Hopp Hopp - was arbeiten gehen, schönen Tag für alle!:)
 
Beiträge
1.337
  • #55
AW: Things we lost in the fire

Zitat von Elli:
Wenn Ereignisse so große Trauer auslösen, lohnt es sich, nachzuspüren, woher diese Trauer eigentlich wirklich kommt.
Oft ist es so, daß die neue Trauer alle alten und uralten Trauergefühle wieder mitbelebt und aktiviert - und die Tatsache, daß wir schon so lange und so viele Trauergefühle mit uns herumtragen, führt zu dem Gefühl, dies sei quasi die Grundlage unseres Daseins - wir sind schon IMMER so abgrundtief traurig - und das wird (und kann) sich NIE ändern.

Mit jeder Zurückweisung erleben wir wieder das Drama des zurückgewiesenen Kleinkindes - und die Gefühlswelt dieses Kleinkindes, das nicht relativieren kann, sondern direkt abhängig ist von der Fähigkeit zur Einfühlung seiner Bezugspersonen.

Wenn diese Bezugsperson sich nicht oder schlecht einfühlen kann, denkt und fühlt das Kind nicht: "Menschenskinder, Mama ist wieder so in ihren eigenen Kram verstrickt, die merkt ja gar nix von mir und was mit mir los ist - naja, ich versuch's später nochmal.."

- sondern: die Welt den Kindes geht buchstäblich und alternativlos UNTER. Das Kind zweifelt seine Daseinsberechtigung an, empfindet sich selber als häßlich, überflüssig, lästig, unbequem, schwierig, anspruchsvoll - und vor allem fühlt es, daß es den Sinn seinem Daseins verfehlt - nämlich lieben und geliebt zu werden.
Und darüber muß ein Mensch (und sei er noch so klein) wahrlich abgrundtief traurig sein, das ist absolut angemessen.

Alle diese Gefühle sind da. Bei jeder neuen Beziehungspleite werden sie erinnert und geben dem jetzigen Ereignis die Dramatik, Unausweichlichkeit und Unlösbarkeit, die wir als Kleinkind real so erlebt und gefühlt haben.
.

Danke Elli!
 

carlo

User
Beiträge
1.244
  • #56
AW: Things we lost in the fire

Zitat von Elli:

Genau!

Wir können verstehen, dass diese Gefühle in uns aufkommen und so stark sind, weil sie aus einer Erfahrung in der Kindheit stammen. Die Dämonen gehören in die Kinderzeit.

Und wir können uns bewusst machen, dass wir jetzt erwachsen sind und nicht mehr diese Ängste haben müssen, weil wir stark und unabhängig sind. Die Dämonen haben in unserem Erwachsenenleben nix mehr zu suchen.

Noch zu dem Hundebeispiel: es geht mir nicht um Hunde, die von ihrem Herrchen mit Gewalt im Zaum gehalten werden und bei jeder Gelegenheit bellen und knurren. Es geht mir um die, die ganz entspannt und froh neben ihrem Herrchen herlaufen, weil sie sich an seiner Seite sicher fühlen. Mein neuer Partner, ein Hundehalter, sagt immer, wenn wir (er und sein Hund) einem anderen Hund begegnen und der Halter hat schon die Leine so gespannt, weil er Angst hat, dann ist der andere Hund so aggressiv, dass es automatisch zu Gekläffe kommt (sein Hund gehört einer sehr wehrhaften Rasse an); wenn aber der andere Halter entspannt die Hunde aufeinander zugehen lässt, dann wird sich meist nur freudig beschnuppert, vielleicht ein bisschen gespielt und dann gehen alle zufrieden weiter... (Eine ganz andere Geschichte sind natürlich komplett unerzogene Hunde, die meinen, sie seien der Boss - aber die meine ich auch nicht...)

Ach, claudi: nein ich bin nicht genervt. Dann würde ich hier nicht schreiben. Bist du es denn darüber, dass wir in diesem Thread eine ähnliche Diskussion führen, wie schon vor einigen Monaten? Bei mir war es in der Tat so, bzw. ist in der Tat so, dass ich irgendwann etwas ändern wollte und dann Impulse von außen geholfen haben, wo es weiter ging. Deswegen schreibe ich dir. Du schreibst immer wieder, du wollest nicht mehr soo traurig sein. Da sehe ich den Anfang. Ich verstehe übrigens nicht, warum du "kaputt" sein willst. Warum nicht einfach "DU"? Und ich verstehe auch nicht, warum du nicht darauf eingehst, was das alles mit deinem Kind macht. Das legt sich ja gerade auch solche Dämonen an....

Zurück an den Broterwerb ;-))

Schönen Tach allerseits !

C.
 

Sesam

User
Beiträge
72
  • #57
AW: Things we lost in the fire

ich bin gewiß kein religiöser Mann, aber als ich die Einleitung las, was man alles verlieren kann und wohin wir mit unseren Wünschen und unseren Zielen so wollen, fiel mir diese Geschichte ein:

Das Land eines reichen Menschen trug viel ein. Und er überlegte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Denn ich habe nicht, wohin ich meine Früchte einsammeln soll. Und er sprach: Dies will ich tun: Ich will meine Scheunen niederreißen und größere bauen und will dahin all mein Korn und meine Güter einsammeln; und ich will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast viele Güter liegen auf viele Jahre. Ruhe aus, iss, trink, sei fröhlich! Gott aber sprach zu ihm: Du Tor! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Was du aber bereitet hast, für wen wird es sein? So ist, der für sich Schätze sammelt und nicht reich ist im Blick auf Gott.

Lukas 12 , 16 - 21

Gruß von Sesam
 

Elli

User
Beiträge
480
  • #58
AW: Things we lost in the fire

Zitat von Sesam:

Für mein Gefühl ist "..reich im Blick auf Gott" derjenige, der lieben kann - und mit seiner Liebe dort ankommt, wo sie hinsoll und -will - und derjenige, der sich lieben lassen kann - ohne Angst und Abwehr (oder realistischer, mit wenig Angst und Abwehr) aus Furcht vor Abhängigkeit.

Für mein Auge ist das hier genau das Thema.
 

carlo

User
Beiträge
1.244
  • #59
AW: Things we lost in the fire

Mir würde ja "nicht reich ist im Blick auf sich selbst" am besten gefallen...
C.
 

Satjamira

User
Beiträge
1.118
  • #60
AW: Things we lost in the fire

Interessanter, reichhaltiger Thread, auch wenn ich nicht alles gelesen habe.

Es gibt ein inneres Kind - das meldet sich denke ich das ganze Leben lang. Es will Beachtung. Je besser man sich selbst kennt, desto klarer erkennt man woher Sehnsucht, Enttäuschung kommt und auch ob wir nicht zuviel vom anderen Menschen erwarten, was wir selbst fähig werden sollten uns zu schenken.
Sobald wir diesem inneren, liebesbedürftigen, spielerischen Anteil die notwendige Aufmerksamkeit geben, ihn auch leben lassen, ihn trösten, lieben wie er ist, geschieht Heilung.

Wie wir den Weg dahin finden ist unterschiedlich, doch er schenkt uns die Möglichkeit, vieles was geschieht besser einzuordnen
- am Besten ohne Schuldige zu suchen, weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart.

Wie schon von anderen beschrieben, liegt in jedem Verlust auch ein Gewinn.

Fire - Feuer ist Transformation. Es vernichtet zu Asche doch der Phoenix steigt aus der Asche. Wer zudem gesehen hat wie sich die kleinste Pflanze durch Teer, Gestein, Lava hindurchzukämpfen weiss, erkennt plötzlich die eigene Kraft und weiss, dass auch wir viel stärker sind als wir es oft glauben.
Im besten Fall gewinnen wir den Zugang zum wertvollen, eigenen Kern zurück, damit das Selbst daraus leuchten möge und darin finden wir das Glück, welches dann auch das Glück im aussen anzieht und möglich macht.

Es ist keine Utopie, sondern eine sich wiederholende Erfahrung meines Lebens.