Claudi

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  • #1

Things we lost in the fire

Liebes Forum,
ich bin jetzt seit dreieinhalb Jahren Single. Scheidung, Patchworkversuch, ONS, Salsakurs, Blind Date, Affäre, Online Dating...das alles hat Spuren hinterlassen. Zeit, mal Bilanz zu ziehen.

Was habt Ihr verloren, behalten oder gewonnen durch Eure Trennung(en)?

20 Dinge "I lost in the fire":
- den Glauben, dass Liebe alles kann
- 87% meines Beziehungsselbstbewusstseins (gefühlter Wert)
- 5 kg (in der schlimmsten Phase waren es 10)
- meine Skrupel, Männer anzusprechen
- meinen Lebensmut (viel davon)
- meine Eifersucht
- den kleinen Schneebesen von WMF
- meinen Optimismus
- meine Fähigkeit, mit einem Mann zusammen zu leben (nie wieder!)
- den Traum vom ganz normalen Familienleben
- das Elterngefühl
- die meisten gemeinsamen Freunde
- Geschenke zu Weihnachten oder zum Geburtstag, die eine Überraschung sind
- jemanden, der nie da ist, wenn man ihn am nötigsten hat
- meinen sexuellen Dornröschenschlaf
- das Angeschwiegen-Werden
- die Rückenschmerzen
- den Ring am Finger
- den hohen Lebensstandard, den wir uns erarbeitet hatten
- die Bedenken gegenüber ONS und Affären.

Und jetzt kommt Ihr. Bin gespannt auf Eure Antworten.
LG, Claudi
 

Zabzarap

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  • #2
AW: Things we lost in the fire

Hoi Claudi

Das tönt übel. Ich wünsche Dir, dass der einte oder andere Punkt nur von vorübergehender Natur ist.

Nun zu Deiner Frage: etwas der wenigen Dinge, die ich verloren oder wohl eher abgelegt habe, ist ein rosaroter Lebensentwurf. Aber das war gut so. Da ich heute weiss, es ist gut Ziele zu haben im Leben, aber es lässt sich halt nicht alles planen oder streuern. Ansonsten habe ich mehr gewonnen -Selbstkenntnis, Erfahrung, Freiheit und Stärke. Ich kann heute denn Augenblick mehr geniessen, da ich um die Vergänglichkeit weiss.

Aber Kopf hoch, ich war auch schon ganz weit unten, aber wenn Du schon das Sinnbild Feuer wählst, dann vielleicht das von Phönix aus der Asche :eek:)

Gruess Zabzarap
 

Alice

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  • #3
AW: Things we lost in the fire

Liebe Claudi

Das finde ich jetzt mal einen sehr interessanten und auch ein Bisschen amüsanten Thread. Ich habe da auch ein paar Punkte, die ich deiner Liste noch anfügen kann:

- meinen Soulmate
- den Glauben, nochmals wirklich einen Seelenverwandten zu finden
- meine Bedenken, offen für eine Beziehung zu sein, auch wenn nicht alles passt
- meine Lebensfreude (wurde aber ersetzt, ist fast wieder wie neu ;)
- meine Offenheit - als Single - Affären und ONS gegenüber
- Motivation fürs Vorantreiben der Karriere (die schönen Momente im Leben sind zu wichtig, als dass man sie alle der Arbeit wegen verpassen sollte)
- einen Teil meiner Ersparnisse (Frustkaufen tut ja sooooo gut, lach)
- meine Bedenken, eigene Haustiere zu haben (ICH habe ja schliesslich keine Katzenallergie)
- ein paar meiner nicht-grauen Haare (kamen wieder als graue!)
- meinen Rubik's Cube
- meinen schönen Hüftgürtel
- die Vorfreude aufs Fliegen
- den Glauben an schöne Worte (da müssen jetzt immer Taten folgen, sonst bleib' ich unbeeindruckt)
- Zeit, die ich noch mit meiner Mutter gehabt hätte
- ein paar iPhone Accessoires
- meinen Drang, mich rechtfertigen zu müssen oder alles richtigstellen zu wollen
- meinen Glauben an Versprechen
- die Befürchtung, nie eigene Kinder zu haben (yay :)
- den Willen, meine Diamantohrringe und Halskette je wieder zu tragen

Und wahrscheinlich noch andere Dinge, die mir gerade nicht einfallen. :)

Liebe Grüsse, Alice
 
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Marvin

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  • #4
AW: Things we lost in the fire

Klingt leicht frustig was du schreibst ...

Ich habe bisher keine so richtig negativen Beziehungserfahren (14,16 zb) angesammelt - eher positive (1,15). Abgesehen davon, das Trennungen unschön sind - auch wenn das freundschaftlich - ohne viel Stress verläuft. In dem Fall ist die Ausgangspostition auch eine andere. Da ist nix wirklich kaputt gegangen, 'nur' ein gewisses Mass an Frust (8) - eine Gefühl von Verlust geblieben. Entsprechend habe ich mehr die Motivation beim nächsten mal 'besser' zu sein - mehr zustande zu bringen.

Punkt 20 wird bei mir akut, wenn ich denke nix geht mehr - die richtige taucht einfach nicht auf oder arg verletzte Gefühle im Spiel sind - den Blick vernebeln. Ich werte das aber nicht - das ist eine Entscheidung - die jeder für sich treffen muss. Ich möchte da eher nicht landen, lieber mit der nächsten Beziehung weiter kommen als bisher.
 

Howlith

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  • #5
AW: Things we lost in the fire

was ich verloren habe?
* dieses Urvertrauen in große Gefühle
* dieses unbeschreibliche Gefühl „eine Familie zu sein“
* den Glauben, gemeinsam alles erreichen zu können
* das Vertrauen in Versprechungen, Schwüre und den ganzen Mist
* fast alle gemeinsamen Freunde (wenn es denn je welche waren ...)
* ne ganze Stange Geld, das Haus
* so ungefähr 10 Lebensjahre

was ich behalten habe?
* wenige, dafür aber wirklich gute Freunde
* einen gesunden Rest Optimismus & Lebensfreude
* alle meine Bücher & CDs !!!
* Erinnerungen

gewonnen habe ich
* neue Freunde & neue Freiheiten sowie die Erkenntnis,
* … dass es auch alleine geht (und zwar sehr viel besser als gedacht!)
* … dass ich die Freiheiten meines Singledaseins liebe (aber eigentlich nicht brauche)
* … dass nicht alles im Leben planbar (dafür vieles machbar) ist
* … dass es ohne Egoismus offensichtlich nicht geht (ohne Liebe aber auch nicht)

@Claudi: Danke für diesen Gedankenanstoß … und Dir vor allem wieder … Lebensmut!

(Falls jemand der Claudi was zu Weihnachten schenken will … hier ein kleiner Tipp … ;-)))
http://www.wmf.de/shop/de_de/schneebesen-25-cm-profi-plus.html ...)

Howlith
Getrennt/geschieden seit knapp 2 Jahren
 
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  • #6
AW: Things we lost in the fire

Claudi, hast Du denn gar nichts gewonnen oder behalten? Da gibt's doch bestimmt auch was...?
Bzw.: Du formulierst auch die eigentlich positiven Dinge (z.B. Verlust des Rückenschmerzes) unter der Verlust-Kategorie.
Es könnte doch ein erster (?) Schritt sein, diese Dinge auf die Zugewinn-Liste zu setzen.
 
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Tollpatsch

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  • #7
AW: Things we lost in the fire

Hallo Claudi

Du hast vergessen zu erwähnen, ob Du irgendeinem dieser Dinge noch nachtrauerst. So wie es sich für mich anhört, bist Du eine Menge Balast losgeworden und fühlst Dich jetzt besser denn je. Liege ich richtig?

Ich verzichte jetzt darauf, den verbrannten Etat im Detail aufzulisten und beschränke mich auf meine zentrale Erkenntnis: Es ist stets wichtiger, was man selber will, als das, was andere von einem wollen.

Gruss
 
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  • #8
AW: Things we lost in the fire

Zitat von Tollpatsch:
So wie es sich für mich anhört, bist Du eine Menge Balast losgeworden und fühlst Dich jetzt besser denn je. Liege ich richtig?
Lieber Herr Tollpatsch,
Sie machen ihrem Namen große Ehre.
Mir kommen fast die Tränen, wenn ich lese, was diese Frau alles verloren hat.
Wie man daraus interpretieren kann, daß es ihr besser denn je gehen soll, ist mir schleierhaft.
Beste Grüße von der Truppenursel
 

Mentalista

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  • #9
AW: Things we lost in the fire

Zitat von Truppenursel:
Lieber Herr Tollpatsch,
Sie machen ihrem Namen große Ehre.
Mir kommen fast die Tränen, wenn ich lese, was diese Frau alles verloren hat.
Wie man daraus interpretieren kann, daß es ihr besser denn je gehen soll, ist mir schleierhaft.
Beste Grüße von der Truppenursel

Naja, man kann Geschehnisse immer aus verschiedenen Blickwinkel betrachten. Eine Trennung bzw. Scheidung kann auf den ersten Blick immer ein Drama sein, ein Jahr später sich aber als die beste Entscheidung bzw. als was gutes heraus stellen und man froh ist, dass es so kam, wie es kam, auch wenn es einen erstmal fast "umgebracht" hat.
 

Blanche

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  • #10
AW: Things we lost in the fire

Hm - also ich lebe die guten, die schönen Momente im Leben durch meine gewonnene "Trennungserfahrungen" noch intensiver als zuvor. Ich genieße anders.
Eben weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass alles "unerwartet" wieder zu Ende sein kann. Bin ich jetzt einfach besser in der Lage "Glück" und "tolle Momente" zu schätzen.

Zurück bleibt zwar zum Teil auch Traurigkeit, dass die Beziehung gescheitert ist, aber auch viel Dankbarkeit, für alles, was schön war.

Gewonnen habe ich den Hund meines Expartners ;-) (und der ist im Gegensatz zum alten Herrchen 100% treu *g*)
 
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  • #11
AW: Things we lost in the fire

Liebe Claudi,

Deine Bilanz klingt für mich sehr negativ.
Auf der positiven Seite würde ich nur fünf der 20 Punkte einordnen können:

- meine Eifersucht
- jemanden, der nie da ist, wenn man ihn am nötigsten hat
- meinen sexuellen Dornröschenschlaf
- das Angeschwiegen-Werden
- die Rückenschmerzen

Drei weiteren Verlusten, die ich als Dinge sehe, die für mich im Leben keine große Bedeutung haben

- den kleinen Schneebesen von WMF
- den Ring am Finger
- Geschenke zu Weihnachten oder zum Geburtstag, die eine Überraschung sind (obwohl sehr schön)

stehen elf Negativpunkte gegenüber.

Die Wertigkeit von Optimismus, Beziehungsselbstwertgefühl, Lebensmut schätze ich so hoch ein, dass kein Ausgleich möglich wäre, selbst wenn dem noch viel mehr Positives mehr gegenüber stehen würde.
Falls Du Dich im Moment sehr schlecht fühlst (und für mich hört es sich so an), können Dir wahrscheinlich nur wirklich gute Freunde oder andere Menschen, die Dich sehr gut kennen, raten.
Es gibt immer einen Weg aus einer Krise. Durch unsere Verschiedenheit sind die für uns gehbaren Wege nur verschieden.
Sollte es so sein, wie ich das von Dir Geschriebene empfinde, und Du Deine Bilanz nicht aus eigener Kraft ins Positive ändern kannst, es aber möchtest, dann wäre professionelle Hilfe vielleicht eine Möglichkeit.

Einen Deiner Punkte habe ich bei meinen Bewertungen nicht einbezogen.

- den hohen Lebensstandard, den wir uns erarbeitet hatten

Dies wird wahrscheinlich bei den meisten Trennungen der Fall sein. Wenn danach ein finanzielles Gutgehen für beide übrigbleibt – kein Problem.

Meine Bilanz ähnelt der von Zapzarap.
Ich habe gewonnen: Selbsterkenntnis, Erfahrung, Freiheit und Stärke. Dazu sehr viel gedankliche Kapazität, denn zehn Jahre Trennungsprozess/Beziehungsaufrechterhaltung hatten viel davon gebunden, wie ich sehr schnell nach der Trennung (26 Jahre Beziehung) festgestellt habe.

Auf der Negativseite steht mittlerweile nichts mehr.

Zumindest ich würde Dir den kleinen Schneebesen von WMF sehr gern sofort schenken.
Geht nicht, deshalb klaue ich Zapzaraps Schlusssatz und hoffe, sie nimmt es mir nicht übel.

Kopf hoch, ich war auch schon ganz weit unten, aber wenn Du schon das Sinnbild Feuer wählst, dann vielleicht das von Phönix aus der Asche.

Mein Wunsch für Dich ist, dass Deine Bilanz viel negativer bei mir angekommen ist, als Du sie empfindest.

Ganz liebe Grüße an Dich

Alice-im Wunderland
 
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  • #12
AW: Things we lost in the fire

Verloren:

Das Gefühl "Familie"

Behalten:

Das Gefühl, meine Kinder waren diese Ehe wert.
Das Gefühl, das Leben geht weiter, oft besser.
Meine besten Freunde und meine Ursprungsfamilie.

Gewonnen:

Neue sexuelle, bereichernde Erfahrungen
Zu wissen, was ich nicht mehr will
Freiheit
Neue Freunde
Eine große große Liebe
 

Anistou

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  • #13
AW: Things we lost in the fire

Irgendwo habe ich mal gelesen, als ein altes Ehepaar interviewt wurde, wie es denn geschafft hätten, eine Ehe über 75 Jahren aufrecht zu erhalten? Die Antwort war: "Früher hatte man was kaputt war wieder repariert und nicht weggeworfen"

Mit Beziehungen und Ehen verliert man immer das ein oder andere. Bei mir waren es in der Vergangenheit oft Wechselspiele aus Kurzbeziehung (Eine bis 2 Wochen), Beziehung und Freundschaften. Nach den Trennungen ist immer irgend etwas kaputt gewesen oder hatte ich vermisst. Sowie Materiell, als auch seelisch. Aber eines hat man immer gewonnen: Erfahrung. Im Moment ist es mir egal, ob ich jemanden an meiner Seite habe oder nicht. Es wäre zwar schön, aber zum knuddeln muss halt die Katze her halten. :)

Das Leben geht weiter und was es uns bringt, dass werden wir sehen. :)

Ach ja und eines habe ich gelernt. Es sind nicht immer nur die Männer, die unbedingt Sex haben wollen. Die Frauen sind da genauso schlimm.
 
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Howlith

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  • #14
AW: Things we lost in the fire

Sorry Leute, aber so wie ich Claudi verstanden habe, will sie, dass ihr von Euren eigenen, ganz persönlichen Erfahrungen berichtet, nicht dass ihr Claudis Eingangsthread kommentiert ...

Zitat von delfin 1988:
Das Gefühl, meine Kinder waren diese Ehe wert.

Das muss ein schönes Gefühl sein ...
 
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  • #15
AW: Things we lost in the fire

@Howlith

Ich weiß nicht. Eigentlich sollte eine Ehe noch anderes Wert (gewesen) sein, das, was an Liebe und Wertschätzung zwischen Mann und Frau war.
 
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  • #16
AW: Things we lost in the fire

Sorry, das Wort Bilanz löst anscheinend einen Automatismus bei einer Buchhalterin aus, so dass ich sofort Soll und Haben gegenüberstelle, die Positionen bewerte und ein Ergebnis bilde.
 

Howlith

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  • #17
AW: Things we lost in the fire

@ delfin 1988

Hmmm, meine Anmerkung entstand aus dem Gedanken, dass ich genau dieses Gefühl bei mir - wenn auch nur für sehr kurze Momente - schmerzlich vermisst habe. Was sicherlich auch mit daran liegt, das Du Deine Kinder bei Dir hast (wenn ich mich richtig erinnere ...) und ich den Kontakt fast verloren habe ... zumindest aktuell, ändert sich vielleicht ja auch wieder. (Dies aber nur als Erklärung und nicht als Aufforderung zur Diskussion missverstehen. Bitte!)
 
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Howlith

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  • #18
AW: Things we lost in the fire

Zitat von alice-im-wunderland:
(...) wie ich sehr schnell nach der Trennung (26 Jahre Beziehung) festgestellt habe. (...)

Nun, ich denke, dass solche "Bilanzen" recht unterschiedlich ausfallen. Je nachdem, ob wir von einer 3-jährigen Beziehung irgendwo Anfang Mitte 20 oder wie in Deinem Fall nach 26 Jahren (puh!) reden. Wenn beide (!!) die Trennung wollen, werden die "positiven Dinge" wohl zwangsläufig überwiegen. Andere müssen sich diese positiven Dinge eben erst noch erarbeiten ...
 
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  • #19
AW: Things we lost in the fire

@Howlith

Das ist allerdings schmerzlich. Ich wünsche Dir, dass Du und Deine Kinder wieder zueinander finden. Bei uns ist der Kontakt zum Vater sehr gut. Darüber bin ich froh. Mit der anderen Variante hätte ich erhebliche Schwierigkeiten.
 
D

Deleted member 4363

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  • #20
AW: Things we lost in the fire

Ich glaube, dass alle Menschen ähnliche Erfahrungen mit Trennungen und deren Auswirkungen haben. Diese jedoch aus vielerlei Gründen sehr individuell verarbeiten.
Ich habe z.B. nach der Trennung vom Vater meines Kindes sehr lange unter dem Gefühl gelitten "Familie nicht hingekriegt zu haben" und bin meiner IDEE von Familie ewig nachgelaufen.
Das heisst, ich habe mich oft verbogen und nicht auf meine Bedürfnisse geachtet. So habe ich z.B. jahrelang Annährungsversuche von Männern entweder nicht wahrgenommen oder sogar abgeblockt. Geschweige denn selber nach einer neuen Beziehung gesucht.
Erst als mein ehemaliger Partner (der übrigens auch keine neue Beziehung begann) erkrankte und verstarb war es vorbei.
Mittlerweile ist dies alles aufgearbeitet und es geht mir sehr gut.
 
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  • #21
AW: Things we lost in the fire

@ Howlith,

ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es davon abhängig ist, wie lange eine Beziehung dauerte, ob die Verarbeitung der Trennung leichter oder schwerer fällt. Auch das Alter ist nicht unbedingt von Bedeutung.
Es werden auch immer wieder Menschen nach noch viel längerer Beziehung von plötzlichen Trennungen „überrollt“.

Wie verarbeitet wird, hängt vielleicht von der Eigenständigkeit (und diese von seiner Persönlichkeit) eines Menschen während dieser Beziehung ab und davon, ob derjenige noch sehr liebt. Und anderem.
Bei Trennungen befinden sich nicht zwangsläufig beide Partner auf identischer emotionaler Ebene.
Trennungen erfolgen auch gegen den Willen eines Partners, der hat es dann schwer mit der Verarbeitung.
Sollte es dann auch noch Kinder geben, wird es noch schwerer.

Und nein, ich habe die Trennung zu diesem Zeitpunkt nicht gewollt. Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, ich wäre zu feige gewesen, diesen Schritt zu gehen. Bin also auch „überrollt“ worden.
Nur mein Leben innerhalb der Beziehung war sehr selbständig, Beruf, Hobbys, alles vorhanden.
Es gab beste Grundlagen für die Erarbeitung der positiven Bilanz.
Hinzu kam nach sehr vielen bösen Streitigkeiten die Erkenntnis, wenn wir so miteinander umgehen, „schreddern“ wir viele Jahre unseres Lebens. Dies hat dann mit der Dauer einer Beziehung zu tun.

Es war nicht die erste Trennung meines Lebens und auch nicht die letzte.
 

Claudi

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  • #22
AW: Things we lost in the fire

Guten Morgen, Forum,
das sind ja jede Menge interessante Beiträge hier. Mit jeder Menge Denkanstöße. Eigentlich weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll.

@Zabzarap:
An Deinem post ist mir als erstes "Das tönt übel" aufgefallen. Da bin ich ein bisschen zusammen gezuckt, dass Deine Wahrnehmung so war. Denn eigentlich wollte ich das gar nicht so bewerten, sondern erstmal nur Sachen aufzählen, die weg sind. Und bei manchen bin ich wirklich froh (z.B. die Rückenschmerzen, irgendjemand hier hat es auch bemerkt). Bei anderen wünsche mir selbst auch sehr, dass sie nur von vorübergehender Natur sein mögen. Zum Beispiel die Sache mit dem Lebensmut (dessen Verlust aber nicht automatisch mit "lebensmüde" gleichzusetzen ist. Ich liebe das Leben. Es gibt Dinge, die ich wahnsinnig genieße. Es sind einige wenige kostbare Momente. Und da hast Du auch etwas Entscheidendes geschrieben: Ich sehe auch als einen großen Gewinn die Fähigkeit, den Augenblick genießen zu können als ob es kein Morgen gäbe. Der Punkt ist nur: Das Basisgefühl ist tieftraurig. Und so lange schon. Zu lange vielleicht.

Um die Besorgten hier zu beruhigen: Natürlich hab ich mir professionelle Hilfe gesucht. Das ist auch eine gute Sache, kann ich jedem nur empfehlen, so eine Einzelberatung bei einer Familienberatungsstelle. Solche Listen zu schreiben, wäre übrigens eine typische Hausaufgabe dabei. Dass ich nur die Verlustdinge aufgeschrieben habe, hängt damit zusammen, dass mein Thema beim Schreiben "Loslassen" war. Ist aber interessant zu sehen, dass andere es anders angehen und sofort auf die "Haben"-Seite schauen. Das meine ich jetzt ohne Bewertung. Aber darüber nachzudenken, was dem einzelnen mehr hilft und dass vielleicht beides in unterschiedlichen Phasen eines Trauer- oder Trennungsprozesses seine Zeit hat, finde ich spannend.
Ja, der rosarote Lebensentwurf...Gibt's den eigentlich auch in himmelblau, Männer? Meine Erfahrung ist, dass es eine schwere Übung ist, die wirklich großen "Träume", z.B. von einer intakten Familie oder einer lebenslangen Beziehung aufzugeben. Vor allem weil an der Stelle ein Vakuum entsteht. Und Zweifel. An ungefähr allem. Ich stelle fest, dass ich zunehmend orientierungslos bin, was Ziele und Grundwerte angeht. Zum einen ist das befreiend. Kein Lebensmut bedeutet umgekehrt keine Angst mehr vor dem Tod zum Beispiel. Wer aus Erfahrung fatalistisch geworden ist und einen negativen Ausgang in Betracht zieht ohne ihn zu erwarten, kann weniger verletzt werden. Wer begreift, dass ihn die Angst verletzt zu werdenwohlmöglich an vielen positiven Erfahrungen hindert, hat sicher schon viel Selbsterkenntnis auf der "Haben"-Seite. Deswegen kann er aber noch lange nicht aus seiner Haut. Und man kann numal nicht verhindern, aus Erfahrung zu lernen. Auch nicht die Dinge, auf die man lieber verzichtet hätte. Es macht einen nicht alles stärker und weiser. Mit manchem schlägt man sich auch fortan herum. Ich gehöre zu den Leuten, die inzwischen einen hübschen kleinen Zoo von Monstern und Dämonen unter dem Bett haben. Und mein Gefühl ist, ich stehe damit nicht alleine da. Auch wenn viele da lieber gar nicht nachschauen ;-).
 
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  • #23
AW: Things we lost in the fire

@Claudi

Sicher hat jeder seine Monster und Dämonen. Der eine redet darüber, der andere macht es mit sich aus. Wenn ich so überlege, was mir Lebensmut gibt, dann unter anderem die Erfahrung, dass ich auch mit oder trotz Monstern und Dämonen immer wieder auf die Füße falle, manchmal dauert es halt eine Weile. Ich strapaziere zu diesem Thema erneut das Wort Dankbarkeit. Sie empfinden zu können, ist eine große Kraftressource. Vielleicht fällt das Menschen leichter, die in ihrem Leben schon allerhand gesundheitliches Ungemach ertragen mussten und dadurch früh lernten, sich auch an Winzigkeiten zu freuen und dafür dankbar zu sein. Ich vermute aber, das lässt sich auch auf andere Weise lernen. Viel Kraft für Dich.
 

Tollpatsch

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  • #24
AW: Things we lost in the fire

Zitat von Claudi:
Wer aus Erfahrung fatalistisch geworden ist und einen negativen Ausgang in Betracht zieht ohne ihn zu erwarten, kann weniger verletzt werden. Wer begreift, dass ihn die Angst verletzt zu werdenwohlmöglich an vielen positiven Erfahrungen hindert, hat sicher schon viel Selbsterkenntnis auf der "Haben"-Seite.
Hallo Claudi

Ich finde Du bist da auf dem Guten Weg, aber ich möchte Dir noch einen kleinen Tipp mitgeben, wie man Fatalismus in Stärke umwandeln kann. Dazu musst Du lediglich die schlimmstmögliche Situation mit Deiner eigenen Erfahrung abgleichen und Dich fragen, ob diese Situation wirklich ein unüberwindbares Problem für Dich darstellt.

Wieso Angst haben, in eine Grube zu fallen, wenn man weiss, dass man sich jederzeit daraus befreien könnte? Man kann sich auch problemlos auf eine Grube zubewegen, ohne gleich hineinzufallen. Denn oft ist es auch nur eine kleine Senke oder einen Fleck am Boden. Auf diese Weise kann man sich davon überzeugen, dass man aus der Erfahrung klüger geworden ist, und das gibt einem Sicherheit.

Was meinen persönlichen himmelblauen Lebensentwurf betrifft, so gaben sich meine Mitmenschen alle Mühe, ihn schon in der Pubertät regelmässig mit Rabenschwarzer Farbe zu übertünchen und mir alle möglichen Stempel aufzudrücken. Leider bin ich ziemlich lange davon weggelaufen, ehe ich gemerkt habe, dass ich einfach nur den Pinsel fest in die Hand nehmen muss und allen Schmierfinken einen ordentlichen Tritt verpassen soll.

Dass Vakuum das Du beschrieben hast, kenne ich nur zu gut und ich glaube, das entsteht bei jedem Menschen, der sein Leben radikal ändert. Wie man es genau füllen soll, weiss ich jedoch nicht. Sicher ist nur, dass sich das selber tun muss und es auch tun will.

Jedenfalls möchte ich Dir danken, dass Du Deine Erfahrungen mit uns allen teilst, denn Du stehst mit deinem Zoo nicht ganz alleine da. Wobei ich selber eher einen kleinen Wanderzirkus habe, der aber dennoch immer mal wieder vorbeikommt.
 
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carlo

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  • #25
AW: Things we lost in the fire

Hi Claudi,

ich meinte schon beim ersten Lesen, ein Augenzwinkern im Threadtitel zu sehen. Und hatte auch mal überlegt, was ich denn in diese Waagschale einzuwerfen habe. Dabei fand ich dann die Negation der Negativität (z.B. Rückenschmerzen verloren) auch etwas im Schweren verhaftet.

Zitat von Claudi:
... Bei anderen wünsche mir selbst auch sehr, dass sie nur von vorübergehender Natur sein mögen. Zum Beispiel die Sache mit dem Lebensmut (dessen Verlust aber nicht automatisch mit "lebensmüde" gleichzusetzen ist. Ich liebe das Leben. Es gibt Dinge, die ich wahnsinnig genieße. Es sind einige wenige kostbare Momente. Und da hast Du auch etwas Entscheidendes geschrieben: Ich sehe auch als einen großen Gewinn die Fähigkeit, den Augenblick genießen zu können als ob es kein Morgen gäbe. Der Punkt ist nur: Das Basisgefühl ist tieftraurig. Und so lange schon. Zu lange vielleicht. ... .

Nachdem du ja schon eine ganze Weile hier schreibst, möchte ich dir - auch aus eigener Erfahrung - an´s Herz legen: irgendwann ist der Punkt gekommen, an dem man ganz aktiv entscheiden muss, dass es jetzt wieder aufwärts geht. Dass man jetzt wieder mehr die positiven Dinge gewichten will und die anderen einfach mal eine Weile unter den Tisch fallen lässt.

Nur, indem man ganz bewusst diese Änderung plant und durchzieht, kommt man aus der Negativspirale und wieder auf positiven Grund, wo sich dann auch positive Erlebnisse wieder gegenseitig verstärken. Es braucht einen Moment, aber es geht, wenn man will.

Denn: was nützt es dir, dass du dich schlecht fühlst? Es macht ja den beklagten Umstand nicht besser. Und: du bist die Einzige, die letztendlich entscheidet, wie es dir geht, wie du deine unwiederbringliche Lebenszeit verbringst. Du allein hast das Recht dazu. Und: es darf dir gut gehen !!

Ich wünsche Dir alles Gute !

Carlo
 

maxine195

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  • #26
AW: Things we lost in the fire

@ Claudi

Ich finde deine Offenheit erfrischend und sehr sympathisch. Grundsätzlich stimme ich Carlo zu, aber die Zeit mag für dich noch nicht reif dafür sein.

Und neulich hat mir einer gesagt, seine letzte Beziehung empfinde er noch heute als so tragisch und traurig, dass er wünschte, sie wäre ihm nie begegnet. Und er erzählte weiter, nicht jede Erfahrung mache stärker, das sei ein Klischee und stimme so nicht.
.
Das hatte mich sehr berührt, weil er den Absprung aus einer sehr intensiven, aber auch destruktiven Beziehung geschafft hatte und oft zu hören bekam, dass er so gestärkt aus der Sache heraus gekommen wäre. Er aber empfand und empfindet es heute noch gar nicht so.
 

carlo

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  • #27
AW: Things we lost in the fire

.... wie gesagt, es ist eine Frage ob man es selbst will ....
 

maxine195

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  • #28
AW: Things we lost in the fire

Zitat von carlo:
.... wie gesagt, es ist eine Frage ob man es selbst will ....

Wie gesagt : Grundsätzlich ja, aber letztlich wird man annehmen müssen, dass nicht alles mit dem Willen zum Positivem zu wenden ist.

Das Leben beinhaltet eben auch, dass vieles, aber nicht alles gut wird, nicht für jeden.

Unabhängig von Claudi: Nicht jeder, nicht jede schafft alles und jedes letztlich zum Guten zu wenden. Verluste müssen auch mal erlitten und akzeptiert werden, als das was sie sind ..
 
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  • #29
AW: Things we lost in the fire

Zitat von maxine195:
Wie gesagt : Grundsätzlich ja, aber letztlich wird man annehmen müssen, dass nicht alles mit dem Willen zum Positivem zu wenden ist.

Das Leben beinhaltet eben auch, dass vieles, aber nicht alles gut wird, nicht für jeden.

Unabhängig von Claudi: Nicht jeder, nicht jede schafft alles und jedes letztlich zum Guten zu wenden. Verluste müssen auch mal erlitten und akzeptiert werden, als das was sie sind ..


Genau so.
 

carlo

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  • #30
AW: Things we lost in the fire

Zitat von maxine195:
... Verluste müssen auch mal erlitten und akzeptiert werden, als das was sie sind ..

Auf jeden Fall !

Und irgendwann ist es Zeit, das Trauern wieder loszulassen.

In der katholischen Kirche (aus der ich vor sehr vielen Jahren ausgetreten bin) gibt es zum Beispiel beim Tod eines nahen Angehörigen einen für mich sehr sinnvollen und heilsamen Prozess des schrittweisen wieder in´s normale Leben Zurückkehrens.

Solch ein Prozess fehlt in unserer Gesellschaft für Verluste anderer Art, z.B. Trennungen. Daher müssen wir selbst dafür sorgen, dass wir irgendwann aus der Gewohnheit des Betrauerns wieder in die Gewohnheit des Leben-geniessens zurück finden.

Ich wünsche Allen, die hier lesen, ein schönes Wochenende !!

Carlo