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  • #1

Sie kann nicht sie selbst sein

Hallo zusammen!
Meine Partnerin und ich (beide 22) sind seit etwa drei Monaten ein mehr oder weniger glückliches Paar. Es mag komisch klingen, doch meine Freundin tut sich schwer damit sie selbst zu sein, wenn wir zusammen sind. Es ist nicht so, dass sie ein komplett anderes Wesen hat, aber sie kann sich nicht zu 100% öffnen und fühlt sich wie eine "abgeschwächte Version" von sich selbst (ihre eigenen Worte), wenn sie bei mir ist.

Bei ihren Freundinnen hat sie das zum Beispiel natürlich nicht. Jedoch ist es nun so, dass sie dadurch an der Beziehung hin und wieder zweifelt. Und das bringt mich auch zum Grübeln, weil ich ansonsten sehr glücklich bin. Für uns beide ist Kommunikation äußerst wichtig. Aber wenn man sich nicht ganz öffnen kann, kommuniziert man eben nicht alles. Und das ist ein Problem.

Dadurch stellt sie viele Dinge in Frage, z.B ob es überhaupt menschlich zwischen uns passt und ob sie der Beziehungstyp ist. Es ist ihre erste richtige Beziehung. Sie weiß nun nicht, ob diese Zweifel irgendwann verschwinden mit der Zeit. Wir sind bisher alles sehr locker und gelassen angegangen, was auch der Wunsch von uns beiden war. Ich meinte zu ihr, dass dies ein temporäres Problem sei, da für uns beide eine Beziehung etwas Neues ist und man nach drei Monaten einfach noch nicht richtig da drin ist.

Wir haben uns darauf geeinigt, es jetzt einfach wie bisher weiter laufen zu lassen und uns mehr zu treffen, um zu schauen was sich dahinter verbirgt. Jedoch ist es schon eine Belastung für mich, da ich alles nicht zu 100% genießen kann. Dieses Wissen, dass sie eigentlich Zweifel hat, schwebt permanent über mir.

Keiner, auch nicht sie kann wissen, ob sich das verändern wird. Jedoch frage ich mich, ob dies nicht bereits ein triftiger Grund ist, es sein zu lassen?

Wie seht ihr das?
 
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  • #2
Jedoch frage ich mich, ob dies nicht bereits ein triftiger Grund ist, es sein zu lassen?
Na ja, etwas arg übertrieben. Euer "Problem" ist doch nur, daß es nicht (permanent) wie im 7. Himmel erscheint. Das finde ich aber schon etwas ein Luxusproblem... :rolleyes:

Kannst Du versuchen, für Dich selbst es positiver zu sehen und das in die Beziehung hineinzutragen, sie quasi mitzunehmen?
 
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  • #3
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  • #4
@NaturKlänge Manche brauchen eben mehr als 3 Monate, um aufzutauen.
In 1-2 Jahren sähe das wahrscheinlich ganz anders aus.
Wenn sie Vertrauen nur langsam aufbaut, versuche dies zu akzeptieren. Du weisst ja nicht, wieso dem so ist. Nachfragen kannst du natürlich und versuchen die Gründe herauszufinden- zu deinem eigenen, besseren Verständnis. Wohl wird das aber nichts an ihrer Zutraulichkeit ändern. Denn Vertrauen braucht vorallem Zeit! Sie muss mit der Zeit die Erfahrung machen, dass sie so sein darf, wie sie ist. Die Ängste vor Ablehnung können nur Stück für Stück abgebaut werden. Du kannst unterstütztend agieren, wenn du das nötige Feingefühl mitbringst.
Das bedeutet, du musst ein gutes Auge haben, eine Beobachtungsgabe, um den Kern ihrer Persönlichkeit, der ab und zu durchblitzen wird, dann auch erkennen zu können. Da ist großes Feingefühl gefragt und eine differenzierte Beobachtungsgabe. Wenn du das kannst, kannst du genau diese Aspekte ihrer Persönlichkeit fördern, indem du interssiert nachfragst oder Komplimente machst.
Manchmal sind es kleine, unscheinbare Sätze, worin sich der andere in seinem wahren Wesen erkannt fühlt.

Mal ein ganz blödes Beispiel:
Sie trägt keinen Nagellack oder nur farblosen. Trägt nie Schmuck oder nur sehr dezenten. Du findest aber bei ihr roten Nagellack, nicht nur eine Farbe und Schmuck, der alles andere als Zurückhaltend ist, den sie aber nie trägt. Solche banalen Dinge können "Extrovertiertheit" symbolisieren. Wer verschlossen ist und sein Wesen nicht zeigen möchte, wird also auch optisch sich eher introvertiert zeigen. Obwohl das Ich vielleicht andere Sehnsüchte hat und sich gerne zeigen möchte. Du kannst dann versuchen diese Schranken abzubauen. "Diese Kette hier, die steht dir bestimmt gut. Passt irgendwie zu dir"... wäre so ein Satz. Und obiges ist nur ein blödes Beispiel. Aber du kannst durch Beobachtung und geschicktes Darauf-eingehen, ihr helfen, ihre versteckte Persönlichkeit hervorzuholen. Lg
 
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  • #5
@NaturKlänge

Edit:
Und manche tragen Glaubenssätze in sich, die blockierend wirken.

Beispiele:
"Ich bin nicht gut genug"
"Ich will mich nicht zumuten"
"Ich will niemandem zur Last fallen"

Usw.

Falls Sie solche unbewussten Sätze in sich trägt, solltest du ihr immer wieder klar machen, dass sie gut genug ist, dass sie sich zumuten darf in all ihren Facetten, Ideen und Vorstellungen. Dass sie um ihrer selbstwillen von dir geliebt wird - einfach so ohne Bedingungen - ohne, dass sie sich verstellen muss.

Vielleicht denkt sie, wenn sie sie selbst ist, wäre sie nicht mehr liebenswert?

Manche glauben nur dann Liebe verdient zu haben, wenn sie Bedingungen erfüllen. Das sie irgendwelchen Ansprüchen genügen müssen, Erwartungen erfüllen müssen, um geliebt zu werden.
Dass ihnen Liebe nur dann zusteht, wenn sie Leistung erbringen oder sich für den anderen verbiegen müssen!

Ihr könntet vielleicht mal in einem Gespräch thematisieren, wie ihr Liebe empfindet und worin sich Liebe zeigt. Liebe hat unterschiedliche Gesichter und es gibt verschiedene Vorstellungen davon, was Liebe ist. Falls sich im Gespräch herausstellt, dass sie mit Liebe verbindet, sich dem anderen anzupassen, permanent die Harmonie zu bewahren oder andere solche Dinge, hättest du einen Ansatzpunkt, warum es ihr schwer fällt sie selbst zu sein. Dazu gehört auch das Thema "Ablehnung" . Ihr solltet das mal so ganz grundsätzlich besprechen (ohne direkten Bezug zu eurer Beziehung). Vielleicht könnte das Licht ins Dunkle bringen :)
 
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  • #6
Denn Vertrauen braucht vorallem Zeit! Sie muss mit der Zeit die Erfahrung machen, dass sie so sein darf, wie sie ist. Die Ängste vor Ablehnung können nur Stück für Stück abgebaut werden.
Das sehe ich absolut genau so.
Du kannst unterstütztend agieren, wenn du das nötige Feingefühl mitbringst.
Das bedeutet, du musst ein gutes Auge haben, eine Beobachtungsgabe, um den Kern ihrer Persönlichkeit, der ab und zu durchblitzen wird, dann auch erkennen zu können. Da ist großes Feingefühl gefragt und eine differenzierte Beobachtungsgabe. Wenn du das kannst, kannst du genau diese Aspekte ihrer Persönlichkeit fördern, indem du interssiert nachfragst oder Komplimente machst.
Das wiederum klingt für mich nach Anstrengung und, im schlechtesten Fall, nach Überforderung des TE. Dieses "MUSS" ist in seiner Situation ("kann die Zweisamkeit mit seiner Freundin nicht wirklich genießen") fatal.
Sein Agieren würde noch kopflastiger werden.
Ich sehe hier den Ansatz eher so, dass vor allem er sich so geben sollte, wie er ist - ohne eine Rolle zu spielen oder sich massiv Gedanken zu machen. Ein solches authentisches Verhalten würde ihr aufzeigen,
a. dass er ihr vertraut
b. dass man keine Rolle spielen muss/sollte, um dem anderen zu gefallen
c. ob es tatsächlich passt zwischen den beiden.
 
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  • #7
Vielleicht nimmt sie dich mal an einen Mädelsabend mit ihren Freundinnen mit? Ich könnte mir vorstellen, je lustiger der Abend ,desto mehr vergisst sie, dass du auch noch da bist und ist ganz sie selbst...;)
 
A

*Andrea*

  • #10
Es mag komisch klingen, doch meine Freundin tut sich schwer damit sie selbst zu sein, wenn wir zusammen sind. Es ist nicht so, dass sie ein komplett anderes Wesen hat, aber sie kann sich nicht zu 100% öffnen und fühlt sich wie eine "abgeschwächte Version" von sich selbst (ihre eigenen Worte), wenn sie bei mir ist.
Für mich klingt das schon ziemlich schwerwiegend.

Dadurch stellt sie viele Dinge in Frage, z.B ob es überhaupt menschlich zwischen uns passt und ob sie der Beziehungstyp ist.
Vielleicht ist es ja umgekehrt: Weil sie daran zweifelt, ob es überhaupt zwischen euch passt, kann sie nicht sich selbst sein. So ein ständiges Gefühl, dass man etwas tut, was sich doch nicht wirklich stimmig anfühlt, kann einen schon sehr blockieren. (Vielleicht ist sie sich auch aus anderen Zusammenhängen gewohnt, dass in ihrem Leben allerlei nicht stimmig ist und dass sie das meint aushalten zu müssen. Vielleicht hat sie gar noch nie oder nur selten die Erfahrung gemacht, dass sich das Leben wirklich stimmig anfühlt.)

Jedoch ist es schon eine Belastung für mich, da ich alles nicht zu 100% genießen kann. Dieses Wissen, dass sie eigentlich Zweifel hat, schwebt permanent über mir.
Das klingt naheliegend. Du möchtest ganz geliebt werden, mit einer gewissen Klarheit.

Ich würde mit ihr über Folgendes sprechen: Was mag sie an dir? Was findet sie an dir einzigartig? Weshalb ziehst du sie an? Was findet sie schön an der Vorstellung, ihr Leben (oder die nächsten Jahre) mit dir zu verbringen?

Ich könnte mir vorstellen, dass sie diese Fragen schwierig zu beantworten findet. Das müsste aber nicht heissen, dass es all das nicht gibt, sondern nur, dass es ihr eventuell nicht so bewusst ist oder dass sie zu "grossartige" Dinge oder Eigenschaften sucht. Du könntest ihr Zeit geben, darüber nachzudenken. Möglicherweise versteht sie dann ihre Zuneigung zu dir besser und kann ihre Zweifel langsam abbauen und loslassen. Oder aber sie merkt klarer, dass du der Falsche bist, und möchte sich trennen. Dieses Risiko gehst du aber wohl so oder so ein.
 
D

Deleted member 21128

  • #12
Ich glaube, wenn man im Zusammensein mit einem speziellen Menschen nicht sich selbst sein kann, dann geht entweder von diesem Menschen etwas aus, was die Freiheit von einem einschränkt oder man reagiert aus irgendwelchen Gründen so auf ihn, dass man selbst seine Freiheit einschränkt. Vermutlich tritt ersteres häufiger auf.
Zur Verdeutlichung mal ein Satz, den man in einer Liebesbeziehung gerne sagen würde: Bei dir kann (darf) ich so sein, wie ich bin.