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Löwefrau_geloescht

  • #1

Sexismus in Deutschland

Angeregt durch die heutige Sendung mit Günther Jauch möchte ich mal in die Runde fragen:
Wie geht ihr mit der Tatsache um, das wir in einem sexistischen Land leben?
Tun wir das?
oder wollen wir es nicht wahr haben?
Warum werden Frauen eigentlich so oft sexistisch belästigt?
Ist es nur, dass wir Frauen uns nicht wehren können/wollen?
oder sollten wir nicht langsam in eine Gesellschaft wachsen, in der wir Frauen es einfach nicht mehr nötig haben, uns zu wehren.
Und wie sollen Frauen sich wehren, wenn "blöde Anmache" in Abhängigkeitsverhältnissen passiert.

Innerhalb kürzester Zeit haben sich 60.000 Frauen auf Twitter zu Wort gemeldet, die sexistisch belästigt wurden.....alles Einzelfälle?

Wissen Männer warum sie das tun? Ist es Machtdemonstration?

Viele Fragen. Eine Antwort?
 
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  • #2
AW: Sexismus in Deutschland

Nö, finde gar nicht das wir in einem sexistischen Land leben. In Deutschland ist alles streng geregelt, wer zu weit geht, kann schnell Probleme mit dem Gesetz bekommen. Und auch die Gesellschaft ist sensibilisiert.

Gibt für mich keinen Grund sich in Deutschland sexuell belästigen zu lassen. Weder als Frau, noch als Mann. Auch vom Chef nicht.

Edit: In welcher Abhängigkeitszuständen muss man sich sowas gefallen lassen? Mir fällt keiner ein, aber ich habe die Sendung auch nicht gesehen.
 
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  • #3
AW: Sexismus in Deutschland

Zitat von Maribo:
Nö, finde gar nicht das wir in einem sexistischen Land leben. In Deutschland ist alles streng geregelt, wer zu weit geht, kann schnell Probleme mit dem Gesetz bekommen. Und auch die Gesellschaft ist sensibilisiert.

Gibt für mich keinen Grund sich in Deutschland sexuell belästigen zu lassen. Weder als Frau, noch als Mann. Auch vom Chef nicht.

Edit: In welcher Abhängigkeitszuständen muss man sich sowas gefallen lassen? Mir fällt keiner ein, aber ich habe die Sendung auch nicht gesehen.

Natürlich leben wir in einem Land, in dem Frauen sexualisiert, Ausländer, Behinderte, Arbeitslose diskriminiert werden. Dass Dir das nicht auffällt kann evtl. daran liegen, dass Du an weißer, deutscher Mann bist.

Sexuelle Gewalt beginnt da, wo das Opfer sich als Opfer fühlt. Ein Blick, ein Spruch, eine Berührung wird von der einen Frau als Übergriff empfunden, von der anderen nicht. Ob der Mann das als Übergriff gemeint hat, ist bei der Beurteilung dessen, ob die Handlung sexualisierte Gewalt ist oder nicht, vollkommen irrelevant.
 
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  • #4
AW: Sexismus in Deutschland

Else, seh ich ganz und gar nicht so. Wie wird sowas denn gemessen? Das es Ausländer hier schwer haben, halte ich eh für den größten Mythos der Medien. Wenn ein Ausländer in Deutschland etwas erreichen möchte (egal welches Aussehen), kann er dies auch ohne Probleme bzgl. des Aussehens tun. In meinem Bekanntenkreis gibt es etliche. Wer es aber nicht will... gut, wie viel sollte die Gesellschaft in solche Menschen investieren? Sicherlich gibt es genug Fälle, bei denen Ausländer diskriminiert werden - doch Ausländer diskrimieren teilweise auch Inländer. Ist halt so.

Aber nochmal, wie wird es gemessen? Im Vergleich mit anderen Ländern? Schau nach Nahost, da sind wir im Gegensatz ja nahezu perfekte Gastgeber. Ein Blick in die EU? Vermutlich schneidet DE auch da gut ab. Hab da selbst mal üble Erfahrungen in Kroatien gemacht. Okay, wir wollen nicht zu sehr vom Thema abdriften.

Ohne jetzt wie ein Macho wirken zu wollen: Wenn eine Frau sich von einem einzigen Blick sexuell belästigt fühlt... boah, da läuft doch dann was falsch. Da kannst du dem Mann doch keine sexuelle Belästigung vorwerfen. Der Arme!!
Aber klar, wenn er definitv zu weit geht, mit Sprüchen oder sogar Handlichkeiten, sollte es ihm klargemacht werden und ggfs. auch Dritte miteinbezogen werden.

Aber die Gesellschaft ist sensibilisiert. Ein Beispiel: In jedem anständigen Club reicht es aus, wenn eine Frau zum Türsteher geht, und behauptet, "dieser eine Mann" hat sie angegrapscht. Sein Wort zählt nicht mehr, er fliegt sofort aus dem Club.
Das zeigt, wie hoch der Druck der Gesellschaft ist. Und ich finde es gut, sieht man ja in anderen Ländern, was sonst passiert.
 
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  • #5
AW: Sexismus in Deutschland

Zitat von Löwefrau:
Angeregt durch die heutige Sendung mit Günther Jauch möchte ich mal in die Runde fragen:
Wie geht ihr mit der Tatsache um, das wir in einem sexistischen Land leben?
Tun wir das?
oder wollen wir es nicht wahr haben?
Warum werden Frauen eigentlich so oft sexistisch belästigt?
Ist es nur, dass wir Frauen uns nicht wehren können/wollen?
oder sollten wir nicht langsam in eine Gesellschaft wachsen, in der wir Frauen es einfach nicht mehr nötig haben, uns zu wehren.
Und wie sollen Frauen sich wehren, wenn "blöde Anmache" in Abhängigkeitsverhältnissen passiert.

Innerhalb kürzester Zeit haben sich 60.000 Frauen auf Twitter zu Wort gemeldet, die sexistisch belästigt wurden.....alles Einzelfälle?

Wissen Männer warum sie das tun? Ist es Machtdemonstration?

Viele Fragen. Eine Antwort?

den Frauen in unseren Breitengraden geht es ja sooooo schlecht. Als ob es nicht sonst genug Abhängigkeitsverhältnisse gibt... am besten wäre es, das Geld abzuschaffen. Dieses produziert die meisten Abhängigkeitsverhältnisse.. und die Ungleichheiten bei Geburt und mangelnde Chancengleichheit allgemein. Diese Themen müsste man mal dringend voranbringen, nicht die Seelentröstung einer Journalistin, die ein Jahr post festum bemerkt, dass ihr ein (unsympathischer) Politiker auf den Busen geschaut hat.

Schaut mal den Film "Paradies: Liebe". Ein Lehrstück, wie Frauen auch sein können..

Erstaunlich, wie wenig Niederhall im Sinne von "kollektiver Entrüstung" die Brüderle-Debatte in den Medien findet...
 
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  • #6
AW: Sexismus in Deutschland

Zitat von Else:
Sexuelle Gewalt beginnt da, wo das Opfer sich als Opfer fühlt. Ein Blick, ein Spruch, eine Berührung wird von der einen Frau als Übergriff empfunden, von der anderen nicht. Ob der Mann das als Übergriff gemeint hat, ist bei der Beurteilung dessen, ob die handlung sexualisierte gewelt ist oder nicht, vollkommen irrelevant.

Ist das als Ausdruck einer privaten Vorliebe für die Verwendung der Buchstabenfolge "Gewalt" gemeint oder als Vorschlag, unter Gewalt so etwas zu verstehen? Wenn letzteres: nein, abgelehnt.
So ein Gewaltbegriff ist - im harmlosen Fall - ziemlich unsinnig, im weniger harmlosen Fall hingegen ziemlich gewalttätig.
Bitte nachdenken nämlich, was an der Rede von "Gewalt" alles so hängt: etwa die Auszeichnung von jemandem als gewalttätig usw. - Der hier geäußerte Vorschlag würde dazu führen, daß man jemand zum Gewalttäter machen kann, indem man sich soundso fühlt.
Das grenzt mal wieder an Zauberei, wie das gehen sollte.
 
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  • #7
AW: Sexismus in Deutschland

Ich stimme Maribo und Frauenversteher zu. Ich finde auch nicht, dass wir in einem sexistischen Land leben.

Ich denke schon, dass es Menschen mit einer sexistischen Einstellung gibt und solche leben auch hier, aber die sind in der Minderheit.
Sexismus ist kein Problem in Deutschland. Denn gegen solche Menschen kann man sich wehren. Dafür braucht man keine Debatte.

So eine Debatte würde auch nur die reinste Heuchelei werden, weil sie nur unter dem Mantel der political correctness geführt werden dürfte. Und das macht wenig Sinn.
 
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  • #8
AW: Sexismus in Deutschland

Ich würde zwar auch nicht von einem sexistischen Land reden, aber die bisherigen Antworten kommen mir doch ein bisschen platt vor. Nur zwei Einwürfe :

Es ist immer noch sehr weit verbreitet, dass Frauen in gleichen Positionen bei gleicher Leistung geringer bezahlt werden, oder täusche ich mich ? Wie würdet ihr das nennen, wenn nicht Sexismus (Benachteiligung aufgrund des Geschlechts).

Natürlich muss man aufpassen, Begriffe nicht inflationär zu gebrauchen, aber gerade bei "Gewalt" sind die Übergänge doch sehr fließend.

"Vereinfacht gesagt, ist Gewalt jedes Mittel, das eingesetzt wird, um einem anderen Menschen den eigenen Willen aufzuzwingen oder etwas machen zu lassen, was er/ sie nicht will (Durchsetzung von Macht)."

Ich war als Kind sehr schüchtern und überhaupt nicht in der Lage, mich gegen irgendwelche tätschelnden Onkel zu wehren. Mir ist nichts schlimmes passiert, aber ich habe diese kleinen Übergriffe gehasst wie die Pest.
Vielleicht ist dies kein sexistisches Land, aber ich glaube, vielen Männern ist überhaupt nicht klar, wie oft Frauen automatisch und ohne nachzudenken Schutzmaßnahmen nutzen, damit ihnen nichts passiert - bei der selbstverständlichen Wahl von Verkehrsmitteln nachts, bei der Auswahl von Wohnungen, beim automatischen Wechsel der Straßenseite , wenn nachts ein Mann auf uns zukommt.
Mit Sicherheit gibt es auch viele erwachsene Frauen, die sich nicht gut wehren können und die heutige Wirtschaftslage ermuntert einen ja auch nicht gerade dazu, sich mit dem Vorgesetzten anzulegen.
Wann ist es ein "übertreiben" und ein "sich anstellen" - wann beginnt "Gewalt" ?

Ich will das wirklich nicht dramatisieren, nur mal etwas überspitzt darauf hinweisen, dass es sooo paradiesisch nun wirklich nicht ist...
 
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  • #9
AW: Sexismus in Deutschland

Zitat von Frauen-Versteher:
nicht die Seelentröstung einer Journalistin, die ein Jahr post festum bemerkt, dass ihr ein (unsympathischer) Politiker auf den Busen geschaut hat.

Im Verhalten dieses Politikers erkenne ich etwas, das wir auch hier im Forum schon häufiger diskutiert haben: dass sich alte/ältere Männer aufgrund von Macht und/oder Statussymbolen als sexuell attraktiv für sehr viel jüngere Frauen einschätzen.
Als Mann - ohne seine politische Funktion - würde Herr Brüderle von einer jungen Frau doch überhaupt nicht mehr zur Kenntnis genommen.

Mir hat als Studentin mal ein völlig fremder Mann auf dem Bürgersteig an den Busen gegrapscht und bei einem Ferienjob hat mir ein Mitarbeiter der Firma an den Hintern gefasst. Beide Male war ich perplex und habe mich gedemütigt gefühlt. Dem auf der Straße konnte ich dann nur noch ein Schimpfwort nachbrüllen, um meine Wut loszuwerden. Das in der Firma hab ich gleich weitererzählt und bin dann nur noch in Begleitung in das Zimmer dieses Mannes gegangen - was er natürlich registriert hat. Seine 'Entschuldigung': War doch nur Spaß. Ha ha ha.
Später hat mir dann ein 'prominenter' Mann, der ca. 40 Jahre älter war, in einer Arbeitssituation ebenfalls an den Hintern gefasst. Ich wäre am liebsten handgreiflich geworden, hab es dann aber 'nur' meinem Chef erzählt.

Und noch nicht so lange her: zwei gute Bekannte, die in der gleichen Branche wie ich arbeiten (und die ich für glaubwürdig halte), haben mir unabhängig voneinander erzählt, wie sie von ein und demselben Mann, der in Bezug auf die Auftragsvergabe zu den Entscheidern zählte, mehrfach begrapscht wurden. Ich kenne diesen Mann auch, finde ihn körperlich (und auch sonst) ziemlich abstoßend und hätte mir 'gewünscht', dass ich - wenn er das mit mir gemacht hätte - mutig genug gewesen wäre, das publik zu machen. Sch**ß auf die Aufträge...
 
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  • #10
AW: Sexismus in Deutschland

Zitat von Heike:
Ist das als Ausdruck einer privaten Vorliebe für die Verwendung der Buchstabenfolge "Gewalt" gemeint oder als Vorschlag, unter Gewalt so etwas zu verstehen? Wenn letzteres: nein, abgelehnt.
So ein Gewaltbegriff ist - im harmlosen Fall - ziemlich unsinnig, im weniger harmlosen Fall hingegen ziemlich gewalttätig.
Bitte nachdenken nämlich, was an der Rede von "Gewalt" alles so hängt: etwa die Auszeichnung von jemandem als gewalttätig usw. - Der hier geäußerte Vorschlag würde dazu führen, daß man jemand zum Gewalttäter machen kann, indem man sich soundso fühlt.
Das grenzt mal wieder an Zauberei, wie das gehen sollte.

Nein, das ist keine private Vorliebe.
Es ist vom Opfer her gedacht, nicht vom Täter.
 
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  • #11
AW: Sexismus in Deutschland

natürlich ist vieles nicht so, wie es grundsätzlich gehört und auch die Bemühungen müssen weitergehen, schon alleine aus dem Grund, dass es keinen Rückschritt gibt, aber hätte nur 50% der Weltbevölkerung, den Standard von Deutschland oder Österreich, dann wäre wirklich etwas geschafft - also nicht beim Tellerrand aufhören ...
 
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Löwefrau_geloescht

  • #12
AW: Sexismus in Deutschland

Zitat von iceage:
natürlich ist vieles nicht so, wie es grundsätzlich gehört und auch die Bemühungen müssen weitergehen, schon alleine aus dem Grund, dass es keinen Rückschritt gibt, aber hätte nur 50% der Weltbevölkerung, den Standard von Deutschland oder Österreich, dann wäre wirklich etwas geschafft - also nicht beim Tellerrand aufhören ...

Nein, aber hier anfangen!
60.000 Frauen, die innerhalb weniger Tage über den alltäglichem großen und kleinen Sexismus ausgestzt sind. Die sich macnhmal wehren (und dann hören sie seien zickig, im schlimmsten Fall gehören sie durchgev...) oder drüber weg gehen. Sei es aus Scham, Resignation oder weil sie diese Männer nicht ernst nehmen ( kann doch für die Männer auch kein schönes Gefühl sein).

Vor rund 20 Jahren wurde mir von meinem Vorgesetzten mitgeteilt, dass ich die Beförderung nicht bekommen würde, weil ich mich geweigert hatte, mit ihm zu schlafen.
Vor rund zwie Jahren hatte ich einen Vorgesetzten, bei dem ich nach drei mal mich weigerte allein in einem geschlossenen Raum zu sein. Er setzte sich immer sackkratzend und breitbeinig hin und grinste süffisant, wir müssten mal ein paar Probleme klären und das kann man ja auch anders regeln.
Bei meinem jetzigen Unternehmen habe ich daraug geachtet, sofort als schwierig und unangenehm eingestuft zu werden. Das hilft meiner Karriere nicht, wohl aber meinem Selbstgefühl.

Wie würde sich ein Mann fühlem, wenn seine Vorgesetzte ihm in den Schritt fasst und ihm sagt, nanana.....der ist aber klein! Da hatte ich mehr erwartet.

Wissen Männer eigentlich, wo die Grenzen sind?
Wenn ich Posts wie von Frauenverstehe lese, zweifele ich daran.

Muss ich es mögen, dass mir ein sabbernder geiler alter Bauarbeiter, den kaum eine Frau mit Kneifzange anfassen würde nachruft: ey du heiße Schnitte, dir kann ich es besorgen.
Nein, ich muss es nicht mögen.....
Ich soll mich wehren?..
Warum?
Warum gehen wir nicht in eine Zeit, wo das sich wehren einfach nicht mehr nötig ist.
Vielleicht würden dann viele Frauen auch eine bessere Meinung von Männern bekommen und nicht mehr schreiben: die wollen eh nur das eine....
 
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Löwefrau_geloescht

  • #13
AW: Sexismus in Deutschland

http://www.sueddeutsche.de/leben/twitter-aufschrei-gegen-sexismus-1.1582797
 
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Löwefrau_geloescht

  • #15
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  • #16
AW: Sexismus in Deutschland

Zitat von Else:
Nein, das ist keine private Vorliebe.
Es ist vom Opfer her gedacht, nicht vom Täter.

Losgelöst vom konkreten Kontext dieser Diskussion sollten solche Definitionen weder aus der Opfer- noch aus der Tätersicht sondern aus einer distanzierten, möglichst objektiven Sicht heraus erfolgen, da, wie Heike schon richtig anmerkte, beide, vermeintliches oder tatsächliches Opfer wie vermeintlicher oder tatsächlicher Täter, ansonsten ja geradezu zu einem manipulativem Mißbrauch eingeladen werden.
Es hat, um es mal an einem gänzlich anderen Beispiel zu verdeutlichen, durchaus einen guten Grund, warum in den meisten Sportarten nicht die Spieler selbst sondern ein Schiedsrichter als objektive Zwischeninstanz die Regeln auslegt. Es reicht nicht, wenn der gefoulte das Einsteigen seines Gegenüber für zu hart hält, und das Spiel läuft auch nicht nur deshalb weiter weil der "Täter" seine Blutgrätsche mit Anlauf von hinten für gesunde Härte hält.

Was die Debatte die hier gerade durch das Land rollt so schwierig macht ist im Grunde das Fehlen einer objektiven Instanz und das Fehlen "harter" Regeln, welche die Grenzen festlegen.
Darüber, dass Begrapschen sicher jenseits der Grenze ist wird man nicht lange streiten müssen. Aber bei irgendwelchen anzüglichen Bemerkungen fällt es schon deutlich schwerer auch nur für sich selbst eine genaue Grenze zu ziehen. Nicht zuletzt deshalb, weil solche Dinge natürlich sehr kontextabhängig sind. Was im privaten Freundeskreis nach dem dritten Bier vielleicht noch als harmlose flapsige Bemerkung durchgeht hat in einem beruflichen Umfeld, ggf. mit Abhängigkeiten wie "Chef und Mitarbeiter" oder "Auftragsvergabe und Auftragnehmer", u. U. einen gänzlich anderen Charakter. Und was hier im Forum in so manchem Nach--Mitternacht--Thread zu allgemeinen Erheiterung beiträgt reicht an der Hotelbar in einer Runde mit Politkern und Journalisten möglicherweise schon für eine bundesweite Sexismusdebatte.

Ich mag Herrn Brüderle nun wirklich nicht zu Seite springen, dafür ist er mir aus ganz anderen Grunde deutlich zu unsympathisch. Und irgendwie passt er auch ein wenig ins gängige Klischee "Lüsterner älterer Herr in Machtposition". Aber angesichts der Tatsache, dass es jeden Tag vermutlich hunderte deutlich klarere und schweriegendere Fälle gibt weiß ich nicht so recht, ob gerade dieser Fall als Aufhänger für eine bundesweite Generaldebatte zum Thema Sexismus taugt. Denn da besteht durchaus die Gefahr, dass am Ende "Wenn eine Frau von Sexismus spricht meint sie eine anzügliche Bemerkung abends an der Hotelbar" hängen bleibt, und das wäre angesichts der Bandbreite desen was in diesem Land immer noch an sexistischem Verhalten existiert fatal.
 
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  • #18
AW: Sexismus in Deutschland

Ich kann leider nicht alle meine Geschlechtsgenossinnen in Schutz nehmen. Manch eine spaziert aufdringlich ihres Weges, dass Mann fast schon gar nicht anders kann, als wie zugreifen.

--

Und diese Journalistin hat sich ein Jahr lang an dem Kompliment gefreut und jetzt nicht mehr? Sorry. Da passt was nicht.
 
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Löwefrau_geloescht

  • #19
AW: Sexismus in Deutschland

Danke Sinenomine für deine differenzierte Betrachtung.
Sicher bin ich auchnnicht der Meinung, dass jeder Flirtversuch geregelt werden muss, aber manchmal wäre es wirklich wünschenswert wenn einige dieser Täter sich nur mal eine Sekunde in das Opfer einfühlen könnten.
Wenn sie nur mal die unterdrückte Wut und vielleicht auch diese Scham spüren könnten.

Ps: in einer nahen Großstadt wird nun jemadem der Prozess gemacht, der eine junge Frau halbtot geschlagen hat, weil sie sich gegen seine "Annäherungsversuche" gewehrt hat.
 
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Löwefrau_geloescht

  • #20
AW: Sexismus in Deutschland

Zitat von Polly:
Ich kann leider nicht alle meine Geschlechtsgenossinnen in Schutz nehmen. Manch eine spaziert aufdringlich ihres Weges, dass Mann fast schon gar nicht anders kann, als wie zugreifen.

--

Und diese Journalistin hat sich ein Jahr lang an dem Kompliment gefreut und jetzt nicht mehr? Sorry. Da passt was nicht.

Um Gottes Willen Polly...das ist nicht Dein Ernst. Sollen wir uns verschleiern?
 
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  • #21
AW: Sexismus in Deutschland

Zitat von Polly:
Ich kann leider nicht alle meine Geschlechtsgenossinnen in Schutz nehmen. Manch eine spaziert aufdringlich ihres Weges, dass Mann fast schon gar nicht anders kann, als wie zugreifen.

Ja, ich finde ja auch, dass man - wenn man kein Geld hat, um sich Dinge zu kaufen - einfach Schaufensterscheiben einschlagen sollte, in denen Waren verführerisch präsentiert werden.

Warum erstaunt es mich nicht, dass so ein Statement von einer Foristin kommt, die andernorts ihre 'christliche' Weltanschauung zur Schau stellt...?
 

Mrs

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  • #22
AW: Sexismus in Deutschland

Ich bin eine Frau. Ich bin noch nie mit Sexismus in Berühung gekommen. Und ich habe auch keine einzige Freundin, die jemals sowas erzählte, egal aus welcher Branche oder mit welcher Optik. Ich finde es eine Frechheit, zu behaupten, wir leben in einem sexistischen Land. Da geht mir die Hutschnur hoch! Erzähle so etwas mal einer Frau, die aus einem WIRKLICH sexistischem Land kommt, in dem sie keine Rechte hat. Wir jammern hier auf sehr hohem Niveau, oder?
Es kommt wohl auch darauf an, wie schnell man sich in der Opferrolle sieht!?!? Oder auf die Erziehung? Meine war offensichtlich in punkto Frauenrechte ziemlich gut. Meine Mutter, Jahrgang 43, ist eine mehr als selbstbewusste und emanzipierte Frau, die sich nicht mal in den frühen 60er Jahren als junge blonde, attraktive Sekretärin in Sachen Sexismus hat angreifen lassen. Das hat sie an mich weitergegeben mit Erfolg. Allen denen es anders geht, haben vielleicht die Chance, es zumindest bei ihren Töchtern - sofern vorhanden - besser zu machen.
 
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  • #23
AW: Sexismus in Deutschland

In einigen Beiträgen wurde es ja deutlich: sich zu diesem Thema zu äußern ist - losgelöst vom Auslöser Brüderle - schwierig, da jeder etwas anderes unter Sexismus oder sexueller bzw. sexualisierter Gewalt versteht. Auch im wissenschaftlichen Kontext gibt es verschiedene Definitionen. Zudem trägt auch die Verwendung der Begriffe in der Gesetzgebung und Rechtssprechung zur Komplexität der klaren Begrifflichkeit bei.
Im StGB wird unter dem Begriff "sexueller Missbrauch" ein sexuelles Fehlverhalten
unter Missbrauch einer Beziehung, die durch Abhängigkeit oder Unterordnung des Opfers geprägt ist, verstanden. Es kommt dabei zu sexuellen Handlungen an, durch oder vor der missbrauchten Person, zum aufreizenden Zur-Schau-Stellen der Genitalien oder der Schamgegend oder einer Einwirkung durch Schriften oder pornografische Darstellungen
(vgl. §§ 174 bis 174c, 176 bis 176b, 179 und 182, 183)

Im AGG geht es um sexuelle Belästigung, die eine Verletzung der Menschenwürde und des Rechts auf sexuelle Selbstbestimmung darstellt.
§ 3 Abs. 4 AGG nennt als Beispiele von sexueller Belästigung:
– unerwünschte sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen;
– sexuell bestimmte körperliche Berührungen;
– Bemerkungen sexuellen Inhalts;
– unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornografischen Darstellungen.
Konkret kann sexuelle Belästigung hiernach beispielsweise bedeuten:
– herabsetzende Bemerkungen über die sexuelle Identität oder das Äußere;
– obszöne und beleidigende Witze;
– Äußerungen am Telefon, in Briefen oder in elektronisch übermittelten
Mitteilungen mit unerwünschten sexuellen Anspielungen;
– Androhungen beruflicher Nachteile bei sexueller Verweigerung oder auch
Versprechen beruflicher Vorteile bei sexuellem Entgegenkommen.

Der Begriff „sexualisierte Gewalt“ benennt die Instrumentalisierung von Sexualität unter Macht und Gewaltausübung ohne das Wort "Missbrauch" zu verwenden, da es suggerieren kann, dass es auch einen positiven „Gebrauch“ von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen geben kann.
 
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Löwefrau_geloescht

  • #24
AW: Sexismus in Deutschland

Zitat von Mrs:
Ich bin eine Frau. Ich bin noch nie mit Sexismus in Berühung gekommen. Und ich habe auch keine einzige Freundin, die jemals sowas erzählte, egal aus welcher Branche oder mit welcher Optik. Ich finde es eine Frechheit, zu behaupten, wir leben in einem sexistischen Land. Da geht mir die Hutschnur hoch! Erzähle so etwas mal einer Frau, die aus einem WIRKLICH sexistischem Land kommt, in dem sie keine Rechte hat. Wir jammern hier auf sehr hohem Niveau, oder?
Es kommt wohl auch darauf an, wie schnell man sich in der Opferrolle sieht!?!? Oder auf die Erziehung? Meine war offensichtlich in punkto Frauenrechte ziemlich gut. Meine Mutter, Jahrgang 43, ist eine mehr als selbstbewusste und emanzipierte Frau, die sich nicht mal in den frühen 60er Jahren als junge blonde, attraktive Sekretärin in Sachen Sexismus hat angreifen lassen. Das hat sie an mich weitergegeben mit Erfolg. Allen denen es anders geht, haben vielleicht die Chance, es zumindest bei ihren Töchtern - sofern vorhanden - besser zu machen.

Das ist sehr schön für dich.
Und ich weiss mich eben auch zu wehren, wenn auch auf Kosten meiner Finanzen.

Ach und mir geht die Hutschnur hoch, wenn ich lese, dass du die Erfahrungen anderer Frauen so abbügelst.
Es liest sich, als würdest du sie Lügnerinnen schimpfen.
 
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  • #25
AW: Sexismus in Deutschland

Zitat von Mrs:
Ich bin eine Frau. Ich bin noch nie mit Sexismus in Berühung gekommen. Und ich habe auch keine einzige Freundin, die jemals sowas erzählte, egal aus welcher Branche oder mit welcher Optik.

Ich hab z.B. auch keine Freundinnen oder Bekannte, von denen ich wüsste, dass sie vergewaltigt worden sind. Also gibt's keine Vergewaltigungen?
Und tatsächlich ist auch noch niemand aus meinem Bekanntenkreis ermordet worden oder hat jemanden ermordet. Ist das nicht paradiesisch?!: Ich lebe in einem Land, in dem niemand ermordet wird!
 
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  • #26
AW: Sexismus in Deutschland

Zitat von Löwefrau:
Nein, aber hier anfangen!
60.000 Frauen, die innerhalb weniger Tage über den alltäglichem großen und kleinen Sexismus ausgestzt sind.

solche Zahlen sind populistisch und nicht repräsentativ! Wenn ich diese Zahl hernehme, dann leite ich davon ab, dass 99,8% in Deutschland keinem Sexismus ausgesetzt sind - ist fast wie ein Wert von einem Vaterschaftstest - dort bist du mit 99,99% 100% dabei!

Und jetzt habe ich noch nicht mit eingerechnet, dass auch ein Anteil von Zicken in den 60.000 dabei sind ...
 
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  • #27
AW: Sexismus in Deutschland

Zitat von Mrs:
Ich bin eine Frau. Ich bin noch nie mit Sexismus in Berühung gekommen. Und ich habe auch keine einzige Freundin, die jemals sowas erzählte, egal aus welcher Branche oder mit welcher Optik. Ich finde es eine Frechheit, zu behaupten, wir leben in einem sexistischen Land. Da geht mir die Hutschnur hoch! Erzähle so etwas mal einer Frau, die aus einem WIRKLICH sexistischem Land kommt, in dem sie keine Rechte hat. Wir jammern hier auf sehr hohem Niveau, oder?

Ich kann Dir auch nur zustimmen. Denn sexistische Erfahrungen habe ich noch nicht gemacht, auch keine Freundinnen von mir.

Gewisse Sprueche haben wir uns natuerlich auch anhoeren muessen, aber nie von Kollegen. Die kamen nur aus einer gewissen Ecke, wenn wir mal um die Haeuser gezogen sind. Das waren allerdings keine Bauarbeiter, sondern "Machos", die ihre sexistische Weltanschauung mit hierher gebracht haben.

In den letzten 40 Jahren haben wir grosse Fortschritte gemacht. Als Frau braucht man sich in DEU nicht verstecken und kann selbstbewusst und selbstbestimmend das Leben planen und geniessen.
Frauenquote, Sexismus-Debatte usw.... man muss es nicht uebertreiben.

Man kann sich heutzutage gegen sexuelle Uebergriffe wehren. Gegen Taeter wird ermittelt und diese werden auch bestraft. Die Gesellschaft ist sensibilisiert. Muss man jetzt eine debatte forcieren? ich finde nicht. Bald weiss man gar nicht mehr was man ueberhaupt noch sagen darf, da alles irgendwie von irgendwem als diskriminierend empfunden werden koennte.
 
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Löwefrau_geloescht

  • #28
AW: Sexismus in Deutschland

Zitat von iceage:
solche Zahlen sind populistisch und nicht repräsentativ! Wenn ich diese Zahl hernehme, dann leite ich davon ab, dass 99,8% in Deutschland keinem Sexismus ausgesetzt sind - ist fast wie ein Wert von einem Vaterschaftstest - dort bist du mit 99,99% 100% dabei!

Und jetzt habe ich noch nicht mit eingerechnet, dass auch ein Anteil von Zicken in den 60.000 dabei sind ...

Sorry..ich habe mich falsch ausgedrückt.
60000 frauen, die sich innerhalb weniger Tage gemeldet haben.
 
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  • #29
AW: Sexismus in Deutschland

Bei allem Verständnis dafür (und aller Einigkeit darüber), daß Frau sich auch keine "dummen Sprüche" anhören, geschweige denn "Handgreiflichkeiten" ausgesetzt wissen möchte : Mich erinnert diese ganz Diskussion an die unsägliche "Emazipatonsdebatte" à la Alice Schwarzer - und ja : Das meine ich genauso negativ, wie es sich anhört.

Zum einen ist diese bewußt geschürte Emotionalität, ja, Militanz der Sache nicht dienlich, im Gegenteil : Es führt eher zu einer Debatte über Äußerlichkeiten denn Inhalte.

Zum anderen stelle ich mir ernsthaft die Frage, wie weit "wir" - also die Gesellschaft - mit der Emanzipation gekommen sind, wenn wir - immer noch - solche Debatten führen, vor allem aber : Warum auf diesem Niveau ?

Ich wage zu behaupten, daß das eine mit dem anderen zusammenhängt : Wirklich emanzipierte Frauen haben "das Beste beider Welten" für sich mitgenommen und mit alledem keine, na gut : wenig Probleme.

Beispiel : Auf das Angebot eines Mannes, der Dame in den Mantel zu helfen, zu antworten "Danke, das kann ich selber !" zeugt nach meinem Empfinden nicht unbedingt von Emanzipation, sondern von einem falschen Verständnis derselben.

Daher stellt sich für mich eher die Frage, was diese Frauen anders gemacht haben ?

Daß diese in der Regel zugelich auch ein ganz anderes Selbstbewußtsein haben, scheint mir nicht unerheblich zu sein. Die Frage ist : Was ist Ursache, was Wirkung ?

Ach ja, und ich habe nicht nur volles Verständnis dafür, sondern ich unterstütze es höchst ausnahmsweise *ausdrücklich*, wenn Frauen, die "begrapscht" werden, das unverzüglich "handgreiflich" beantworten ! Die Frage "entweder Ohrfeige oder Beschwerde/Anzeige" sollte sich IMVHO - zumal im Arbeitsleben - gar nicht stellen : Immer beides, das eine unverzüglich, postwendend (am besten den Schwung vom Umdrehen noch mitnehmend), das andere in Ruhe und mit Verstand.

Begründung : Frau fühlt sich besser, Mann schlechter, und wenn er "mit 5 Fingern auf der Backe" aus ihrem Büro kommt (oder sie aus seinem und der ächste ihn dann sieht), hat ER Erklärungsbedarf, nicht sie !

Gruß,

Traumichnich.
 
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  • #30
AW: Sexismus in Deutschland

Zitat von Traumichnich:
Bei allem Verständnis dafür (und aller Einigkeit darüber), daß Frau sich auch keine "dummen Sprüche" anhören, geschweige denn "Handgreiflichkeiten" ausgesetzt wissen möchte : Mich erinnert diese ganz Diskussion an die unsägliche "Emazipatonsdebatte" à la Alice Schwarzer - und ja : Das meine ich genauso negativ, wie es sich anhört.

Genau das waren auch meine ersten Gedanken. Die Frauenquote darf man dann auch nicht vergessen.
 
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