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  • #31
Das Thema bzw der Titel trifft es gut. Wieso soll man das anders verpacken. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass es meist eine Kurzschlusshandlung ist, oft ein verzweifelter Hilferuf. Leider kann unter Umständen jede Hilfe zu spät kommen. Dem Gedanken sollte man sich in so einem Moment widmen, so blöd sich das nun auch anhören bzw lesen wird. In einer Woche ist vieles schon ganz anders.
 
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  • #32
Stell dir vor, es wäre akzeptierter Usus, dass man seinem Leben bei Nichtgefallen selbst oder mit fremder Hilfe ein Ende setzen darf.

Wie weit ist da der Weg, bis einem solches von wohlmeinenden Mitbürgern implizit oder offen angeraten wird?

Wie weit ist es dann noch, bis Leidende aus Schuldgefühl unter Druck geraten, weil sie ihren Mitmenschen doch unnötig arg (schließlich gibt es ja eine akzeptable Lösung!) zur Last fallen?
Diese "Auswüchse" sind aber nicht zwingend an die Möglichkeit eines ärztlich 'unterstützten" Suizids" gebunden.

Die Ausübung eines derartigen Drucks könnte auch bereits in heutigen Zeiten erfolgen - wenn auch unter "erschwerten Bedingungen".
 
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  • #33
Überhaupt nicht, der Patient hat das letzte Wort, nicht mehr oder weniger.

Kann ein Arzt nicht über seinen Eid hinaus, dann hat er den menschlichen Willen verloren, ein Widerspruch in sich, stimmt, nur geht es hier um anderes.

Die Qual der Seele und/ oder des Körpers, wenn der letzte Weg die Trennung vom Leben ist, sollte dieses respektiert werden und nicht mehr nach dem "warum" hinterfragt werden.
D.h. jeder Arzt ist von Gesetzes wegen verpflichtet, dem Willen des sterbewilligen Patienten nachzugeben/nachzukommen?

Oder muss auch das wiederum jeder Arzt für sich entscheiden? Würde bedeuten, dass der Patient sich einen "befürwortenden" Arzt suchen müsste.
 
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  • #35
Nein, überhaupt nicht. Ich bezog mich auf die Aussage von @ICQ, dass der von anderen auf Menschen ausgeübte Druck, seinem Leben doch "besser ein Ende zu setzen", möglicherweise zunehmen könne, wenn es erstmal von Gesetzes wegen eine durch ärztliche Unterstützung "sichere" Methode geben würde.

Und ich schrieb, dass die Möglichkeit an sich, anderen Menschen einen Suizid "nahezulegen", jedoch schon immer gegeben war - unabhängig von der jeweiligen Art.
 
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  • #37
Je nach Blickwinkel wird das Ergebnis unterschiedlich sein.
Juristisch, moralisch und medizinisch ergeben sich unterschiedliche Ergebnisse.
Meine Frage bezog sich auf die Aussage von @Nicefarrier, dass wenn der Arzt den Willen des Patienten nicht berücksichtigen würde, er seinen Beruf verfehlt hätte, weil letztlich ausschließlich der Wunsch des Patienten das einzig ausschlaggebende Argument sei.

Und daran knüpfte ich meine Frage, wie eine "Lösung" unter derartigen Gesichtspunkten aussehen könnte.
 
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  • #38

ICQ

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  • #39
Und ich schrieb, dass die Möglichkeit an sich, anderen Menschen einen Suizid "nahezulegen", jedoch schon immer gegeben war - unabhängig von der jeweiligen Art.
Und ich schrieb, dass der soziale und emotionale Druck auf Leidende im gleichen Maße zunehmen könnte, wie die gesellschaftliche Akzeptanz von Suizid größer würde.

Ich sehe die Gefahr, dass Suizid irgendwann zum Weg des geringsten Widerstandes werden kann.
 
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  • #40
Und ich schrieb, dass der soziale und emotionale Druck auf Leidende im gleichen Maße zunehmen könnte, wie die gesellschaftliche Akzeptanz von Suizid größer würde.

Ich sehe die Gefahr, dass Suizid irgendwann zum Weg des geringsten Widerstandes werden kann.

Nee das sehe ich nicht so.

Warum soll die Gesellschaft es nicht akzeptieren wenn jemand den Weg gehen möchte?

Also darf derjenige der sich entschieden hat, nicht mehr am Leben teilnehmen zu wollen, sich der gesellschaftlichen Moral zu beugen um totunglücklich sein Leben weiter Fristen zu müssen?

Hm, weiß nicht ob das ein guter Gedanke ist 🤔

Aber wie schon erwähnt, es gibt viele Ansichten und Meinungen dazu.
Letztendlich entscheidet eh der scheidende...
 
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  • #42
Nee das sehe ich nicht so.

Warum soll die Gesellschaft es nicht akzeptieren wenn jemand den Weg gehen möchte?

Also darf derjenige der sich entschieden hat, nicht mehr am Leben teilnehmen zu wollen, sich der gesellschaftlichen Moral zu beugen um totunglücklich sein Leben weiter Fristen zu müssen?

Hm, weiß nicht ob das ein guter Gedanke ist 🤔

Aber wie schon erwähnt, es gibt viele Ansichten und Meinungen dazu.
Letztendlich entscheidet eh der scheidende...
Ich finde das Argument als solches legitim und Missbrauch ist, wie in vielen Bereichen, eine berechtigte Sorge. Hier könnte der Staat/die Gesellschaft aber auch durchaus Voraussetzungen schaffen, die es Betroffenen ermöglicht, eine unabhängige, selbstbestimmte Entscheidung zu treffen, durch z.B. eine gut ausgebaute Palliativmedizin, vernünftige soziale Absicherung, ein Pflegesystem, das nicht auf dem letzten Loch pfeift etc. pp.
 
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  • #43
Zum Abschluss möchte ich doch noch was dazu schreiben.
Durch meine Meinung soll keiner ermutigt werden und eine Zustimmung darin insofern sehen, dass es ja soooo leicht ist, mit seinem Leben abzuschließen.

Sollten Menschen einfach nicht mehr weiter wissen, aus Gründen wie auch immer, wäre es auf alle Fälle ratsam, bevor was beendet wird, sich doch jemanden anzuvertrauen.

Viele von uns oder auch uns bekannten kennen sicherlich Zeiten wo wir emotional so Niedergeschlagen sind/waren und Zweifel in einen hoch stiegen, vielleicht auch noch derbere Gedanken und durch Austausch mit Freunden/Familie wieder halt fanden.

Kurz zu mir:
Auch in meinem Leben kamen durch gewisse Umstände ( Trennung, Scheidung, Tod, Geldsorgen usw. ) manchmal Zweifel am Leben, Gedanken wie, was habe ich getan weshalb mir das Leben so schwer gemacht wird?
Warum ich? und und und...

Irgendwann lernte ich, "wenn du ganz unten bist, dann kann es nur wieder bergauf gehen, egal was ich mache..." und danach versuche ich mich weiterhin zu orientieren.

Denn das was wir nur einmal haben, ist unser Leben!

In diesem Sinne wünsche ich allen, dass ihr euch, auch wenn es manchmal aussichtslos scheint immer an das Erfreut was ihr trotzdem noch habt, auch wenn es noch, nach so "wenig" (denn es ist mehr als ihr denkt) aussieht und würde gerne dieses Thema abschließen.

LG @all 🌻😘
 
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  • #45
Hallo ihr Lieben,

nach dem Anschauen des TV-Films "Gott" nach dem Roman von Ferdinand von Schirach, treibt mich dieses Thema doch sehr um.

Vielleicht mag der eine oder die andere hier mal seine/ihre Meinung dazu schreiben, denn sowohl das Thema "Tod", als auch das Thema "Suizid" sind seit "Pandemiebeginn" ja stärker in den Fokus gerückt.
Egoismus.
Wenn man mit Familie im Leben steht.
Persönliche „Entscheidung“, wenn man vorzieht, sich am Mt. Everest Schlafen zu legen, statt sich mit zehn abgefrorenen Zehen weiterzuschleppen.Die Frage ist doch: scheitert man an Persönlichem? Oder an anderem?
 
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  • #46
Egoismus.
Wenn man mit Familie im Leben steht.
Persönliche „Entscheidung“, wenn man vorzieht, sich am Mt. Everest Schlafen zu legen, statt sich mit zehn abgefrorenen Zehen weiterzuschleppen.Die Frage ist doch: scheitert man an Persönlichem? Oder an anderem?
Das like nehme ich hier zurück. Es geht nicht um scheitern. Das halte ich für eine strafende und verurteilende Aussage. Nicefarrier hat das Thema eigentlich sauber abgeschlossen.
 
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  • #50
Egoismus.
Wenn man mit Familie im Leben steht.
Aha, Wenn ich also "Familie" habe, dann muss ich mich absolut lust-, antriebs- und trostlos weiter durch's Leben schleppen?

Und was zählt dann bitte als Familie? Eigene Frau, Kinder, Eltern, Großeltern usw.?

Ist es wirklich die Aufgabe eines Menschen, für die Vermeidung von Trauer bei anderen zu sorgen, ohne überhaupt zu wissen, ob diese überhaupt vorhanden - und falls ja - wie groß/klein sie möglicherweise wäre?

Würde im Umkehrschluss auch bedeuten, dass ich für das Glück anderer zuständig/verantwortlich wäre, oder?
 
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  • #53
Ich finde, man sollte damit noch warten, bis endgültig geklärt ist, was freier Wille ist und ob es ihn wirklich gibt.
Die Frage wäre ja dann, was bis dahin ist, also dem Menschen den freien Willen, jegliche Autonomie per se absprechen? Wie würde das andere Gesellschafts- und Lebensbereiche beeinflussen, z.B. Patientenverfügungen, Abtreibungen etc.?
 
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  • #56
Die Frage wäre ja dann, was bis dahin ist, also dem Menschen den freien Willen, jegliche Autonomie per se absprechen? Wie würde das andere Gesellschafts- und Lebensbereiche beeinflussen, z.B. Patientenverfügungen, Abtreibungen etc.?

Wie steht es denn mit der Autonomie von Menschen, mehr Angst vor dem Leben als vor dem Sterben haben?

Wir denken natürlich zuerst an Schwerstkranke, die ohne Hoffnung auf Besserung ihrem Ende entgegensehen und nicht wissen, ob sie nochmal wach werden, wenn sie jetzt einschlafen. Wieder und wieder, bis sie die Ungewissheit nicht länger ertragen können.

Es gibt aber auch viele andere Gründe, aus denen sich jährlich tausende Menschen das Leben nehmen. Soll die Gesellschaft diese Gründe alle respektieren?
 
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  • #57
Eigene jüngere Kinder, da sehe ich schon eine besondere Verantwortlichkeit.
Auch dann, wenn Demjenigen das Leben absolut nicht mehr lebenswert erscheint? Mein Kind war zwei. Ja, es war sehr tragisch und erschien auch mir zunächst verantwortungslos der Familie gegenüber. Aber: mein Kind hat keine Erinnerung an seinen Vater. Das ist schlimm. Aber im Nachhinein wäre es sicher für das Kind viel schlimmer gewesen, die Auswirkungen der schweren Depressionen des Vaters jahrelang mitzuerleben. Ein Mensch mit suizidalen Gedanken ist ja durchaus nicht immer nur ein tieftrauriger Mensch, wie es oft dargestellt wird. Schwere Depressionen können sich extrem auf alle Beteiligten auswirken. Das, was ich da jahrelang ausgehalten habe, hätte ich meinem Kind nicht zumuten wollen. So hat das Kind zwar keine Erinnerungen an ihn, aber eben auch keine schlechten.
 
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  • #60
Es gibt aber auch viele andere Gründe, aus denen sich jährlich tausende Menschen das Leben nehmen. Soll die Gesellschaft diese Gründe alle respektieren?
Ich würde wahrscheinlich erst einmal zwischen Gründen und Auslösern unterscheiden. Auslöser können, ob ihrer vermeintlichen Banalität oder Bewältigbarkeit, schwer nachvollziehbar sein. Nimmt man als tieferliegenden Grund jedoch die psychische Struktur des Betroffenen an, kann die Tat verständlicher werden. Das macht m.E. die Entstigmatisierung seelischer Konflikte, als Voraussetzung für eine erfolgreiche Präventionsarbeit, so wichtig.
 
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