IMHO

User
Beiträge
14.234
  • #1

Selbsttötung - Egoismus oder persönliche Freiheit

Hallo ihr Lieben,

nach dem Anschauen des TV-Films "Gott" nach dem Roman von Ferdinand von Schirach, treibt mich dieses Thema doch sehr um.

Vielleicht mag der eine oder die andere hier mal seine/ihre Meinung dazu schreiben, denn sowohl das Thema "Tod", als auch das Thema "Suizid" sind seit "Pandemiebeginn" ja stärker in den Fokus gerückt.
 
  • Like
Reactions: evelyn_75
D

Deleted member 27056

Gast
  • #2
Meines Erachtens hat es sicher nichts mit Egoismus zu tun. Ausser in Fällen, wo zuerst Familienangehörige mit getötet worden sind. Da war die Reihenfolge falsch, immer zuerst sich selbst töten.
 
  • Like
Reactions: tomek

Erin

User
Beiträge
1.158
  • #3
So, hier noch meine Antwort auf die Frage im Stammtisch:

Darüber würde ich gerne mit dir diskutieren. Gäbe bestimmt viele Gedanken dazu. Aber ist es die richtige "Stelle" hier um das zu besprechen. Zumal schon einige beim Thema Freitod einen Schrecken kriegen.

Aber mal ein kleiner Ansatz aus meiner Sicht. Ich habe ein nahes Familienmitglied vor Jahrzehnten durch einen Suizid verloren. Somit kann ich Vergleiche ziehen, zwischen Suizid und begleitetem Freitod. Was ich sicher sagen kann, ist, dass man sich die "Schuld" zu schiebt, wenn jemand nahestehendes Selbstmord macht. Schuld im Sinne von ganz viele Gedanken, wie hätte man helfen können, was habe ich falsch gemacht.

Beim begleiteten Freitod machte ich mir die Gedanken nie. Es ging einzig und alleine darum, was der schwerstkranke Mann sich wünscht. Alles andere wäre rein egoistisch. Einige in unserem nahen Umfeld konnten den Entscheid nicht nachvollziehen, sagten dann auch, aber doch noch ein paar Monate, damit wir nochmal zusammen ein paar Stunden verbringen können. Das ist einfach egoistisch, wenn sich jemand zu dem Schritt entscheidet und über ein Jahr darüber nachgedacht hat, dann soll es genau so sein.
 
  • Like
Reactions: Cosy, Megara and evelyn_75

Erin

User
Beiträge
1.158
  • #4
Hier in der Schweiz wird ja immer wieder darüber diskutiert, ob auch depressive Menschen durch den Freitod begleitet werden sollen. Es gab ein/zwei Fälle wo dies gemacht wurde, aber zuvor gab es sehr viele Abklärungen durch Experten, ob der Sterbewillige über längere Zeit depressiv war, dass keine Therapien mehr helfen etc. Aber wie du schon geschrieben hast, besser auf die Art als sich vor einen Zug zu werfen. Wobei die Abklärungen halt schon seriös sein sollten, nicht so im Sinne: "seit einer Woche fühle ich mich schlecht, ich geh zu Exit".
 
  • Like
Reactions: evelyn_75

Erin

User
Beiträge
1.158
  • #5
Noch ein paar Gedanken dazu; meine ganz persönlichen Gedanken aus den Erfahrungen die ich gemacht habe. Wenn jemand sich selber umbringt und das eine Kurzschlussreaktion war, dann finde ich es egoistisch. Eben, weil sich Angehörige und Freunde ewig Gedanken machen, wie sie hätten helfen können.

Nach jahrelangem Leidensweg, sei es wegen körperlichen Beschwerden oder seelischem Leiden kann ich das nachvollziehen.

Schade, dass das Thema nach wie vor Tabu ist. Ich kann ganz offen über das Sterben reden und es half mir damals auch, als mein Mann den Weg über Exit gewählt hat.
 
  • Like
Reactions: Cosy, IMHO, Megara und 4 Andere

Do_

User
Beiträge
133
  • #6
Hermann Hesse - Der Steppenwolf, S. 52-55

Ein anderes war, daß er zu den Selbstmördern gehörte. Hier muß gesagt werden, daß es falsch ist, wenn man nur jene Menschen Selbstmörder nennt, welche sich wirklich umbringen. Unter diesen sind sogar viele, die nur gewissermaßen aus Zufall Selbstmörder werden, zu deren Wesen das Selbstmördertum nicht notwendig gehört. Unter den Menschen ohne Persönlichkeit, ohne starke Prägung, ohne starkes Schicksal, unter den Dutzend- und Herdenmenschen sind manche, die durch Selbstmord umkommen, ohne darum in ihrer ganzen Signatur und Prägung dem Typus der Selbstmörder anzugehören, während wiederum von jenen, welche dem Wesen nach zu den Selbstmördern zählen, sehr viele, vielleicht die meisten, niemals tatsächlich Hand an sich legen. Der »Selbstmörder« – und Harry war einer – braucht nicht notwendig in einem besonders starken Verhältnis zum Tode zu leben – dies kann man tun, auch ohne Selbstmörder zu sein. Aber dem Selbstmörder ist es eigentümlich, daß er sein Ich, einerlei, ob mit Recht oder Unrecht, als einen besonders gefährlichen, zweifelhaften und gefährdeten Keim der Natur empfindet, daß er sich stets außerordentlich exponiert und gefährdet vorkommt, so, als stünde er auf allerschmalster Felsenspitze, wo ein kleiner Stoß von außen oder eine winzige Schwäche von innen genügt, um ihn ins Leere fallen zu lassen. Diese Art von Menschen ist in ihrer Schicksalslinie dadurch gekennzeichnet, daß der Selbstmord für sie die wahrscheinlichste Todesart ist, wenigstens in ihrer eigenen Vorstellung. Voraussetzung dieser Stimmung, welche fast immer schon in früher Jugend sichtbar wird und diese Menschen ihr Leben lang begleitet, ist nicht etwa eine besonders schwache Lebenskraft, man findet im Gegenteil unter den »Selbstmördern« außerordentlich zähe, begehrliche und auch kühne Naturen. Aber so wie es Naturen gibt, die bei der kleinsten Erkrankung zu Fieber neigen, so neigen diese Naturen, die wir »Selbstmörder« heißen und die stets sehr empfindlich und sensibel sind, bei der kleinsten Erschütterung dazu, sich intensiv der Vorstellung des Selbstmordes hinzugeben.

[..]

Wie jede Kraft auch zu einer Schwäche werden kann (ja unter Umständen werden muß), so kann umgekehrt der typische Selbstmörder aus seiner anscheinenden Schwäche oft eine Kraft und eine Stütze machen, ja er tut dies außerordentlich häufig. Zu diesen Fällen gehört auch der Harrys, des Steppenwolfes. Wie Tausende von seinesgleichen, machte er aus der Vorstellung, daß ihm zu jeder Stunde der Weg in den Tod offenstehe, nicht bloß ein jugendlich-melancholisches Phantasiespiel, sondern baute sich aus ebendiesem Gedanken einen Trost und eine Stütze. Zwar rief in ihm, wie in allen Menschen seiner Art, jede Erschütterung, jeder Schmerz, jede üble Lebenslage sofort den Wunsch wach, sich durch den Tod zu entziehen. Allmählich aber schuf er sich aus dieser Neigung gerade eine dem Leben dienliche Philosophie. Die Vertrautheit mit dem Gedanken, daß jener Notausgang beständig offen stehe, gab ihm Kraft, machte ihn neugierig auf das Auskosten von Schmerzen und üblen Zuständen, und wenn es ihm recht elend ging, konnte er zuweilen mit grimmiger Freude, einer Art Schadenfreude, empfinden: »Ich bin doch neugierig zu sehen, wie viel eigentlich ein Mensch auszuhalten vermag! Ist die Grenze des noch Erträglichen erreicht, dann brauche ich ja bloß die Tür zu öffnen und bin entronnen.« Es gibt sehr viele Selbstmörder, denen aus diesem Gedanken ungewöhnliche Kräfte kommen.

Andrerseits ist allen Selbstmördern auch der Kampf gegen die Versuchung zum Selbstmord vertraut. Jeder weiß, in irgendeinem Winkel seiner Seele, recht wohl, daß Selbstmord zwar ein Ausweg, aber doch nur ein etwas schäbiger und illegitimer Notausgang ist, daß es im Grunde edler und schöner ist, sich vom Leben selbst besiegen und hinstrecken zu lassen als von der eigenen Hand.
 
  • Like
Reactions: Megara and evelyn_75

chrissi22

User
Beiträge
1.196
  • #7
Genau, das Thema ist uralt. Hat nicht @IMHO erfunden, knurrr...

Aber gut, in Ruhe kann man ja mal reden, wenn auch ein Partnerschaftsforum ein seltsamer Ort dafür ist.
Ich denke, dass manche Suizide tatsächlich eine heftige egoistische Komponente haben, denn offenbar spielten die Gefühle der zurück Bleibenden keine Rolle oder eine zu kleine. Es ist eine gewisse Machtdemonstration, ich habe das finale Wort und niemand kann mir das nehmen. Aber aus Spaß macht es halt niemand. Die Beweggründe dahinter sind so vielfältig wie die Menschen. Und ich würde mir kein Urteil darüber anmaßen, wenn ich nicht mitten drin steckte.
Ich habe mir mit 12 ausgemalt, dass ich im Wald sterben will, und wenn es nicht klappen will, dann muss ich eben nachhelfen. Nunja, ich denke heute, dass ich gar nichts weiß, was ich dann will, weil das Sterben ein sehr persönlicher Akt ist und einmalig, das kann man nicht probieren. Und wie ich dann wirklich fühle - keine Ahnung. Für alles andere fehlt mir die Fantasie, es geht mir einfach zu gut für so Gedanken.
Ich sehe nur, wie heldenhaft manche wirklich besch.....e schwere Leben leben und hoffe, das reicht mir als Vorbild, was auch noch kommen mag.
 
  • Like
Reactions: Megara and evelyn_75

evelyn_75

User
Beiträge
1.697
  • #8
Ich musste mich noch nie damit auseinandersetzen und habe deswegen Respekt vor jeder Entscheidung.
Habe gelernt, dass sich die Bewertung einer Situation sehr verändern kann, wenn man auf einmal selbst betroffen ist.
 
  • Like
Reactions: Pit Brett, fraumoh and Megara
Beiträge
115
  • #9
Wenn sich die betroffene Person dazu entschieden hat, dann sollte dieses respektiert werden.
Es liegen sicherlich genügend Gründe vor weshalb jemand dieses Leben nicht mehr möchte und in der Ewigkeit seinen Frieden findet.

Der Gedanke der Hinterbliebenen spielt dabei sicherlich eine Rolle, nur geht es nicht darum, sondern um die Entscheidung der Person die nicht mehr wollte.

Der Tod ist die letzte Konsequenz sich zu befreien, egal ob es ein physischer oder psychischer Schmerz ist.

Diese letzte Entscheidung sollte uns einzig und alleine bleiben!
Meine Meinung spiegelt sicherlich nicht die der Allgemeinheit dar, aber wir werden ja auch nicht gefragt ob wir in dieser Welt Leben wollen, nein wir werden einfach hinein geboren und wenn es uns nicht gefällt, dann sollten wir auch ohne Erlaubnis wieder gehen dürfen...
 
  • Like
Reactions: Mentalista, Eisener_Jung, Deleted member 26452 und 2 Andere

Megara

User
Beiträge
13.033
  • #10
Warum sollte man den Freitod oder überhaupt das Sterben zum Tabu erklären?
Welche Ängste könnten dies verursachen.
Der Tod, auch der selbstbestimmte, gehört für mich zu einem selbstbestimmten Leben.
Ich hatte da ein gutes Vorbild in der Familie, der es geschafft hat, ohne andere damit zu belasten ( strafrechtlich oder emotional ) das Ende für sich zu regeln.Sagen wir mal etwas vorzuziehen, was auf Grund der Art der Erkrankung sicherlich in größtmöglicher Abhängigkeit und menschenunwürdig geendet hätte.
Diese offenen ( Abschieds-) Gespräche darüber waren prägend für mich.
Sollte ich irgendwann in eine vergleichbare Situation kommen ( krankheitsbedingt ) werde ich mir zu helfen wissen.
 
  • Like
Reactions: Eisener_Jung and evelyn_75

Rise&Shine

User
Beiträge
3.547
  • #11
Verwandte eines Selbstmörders. – Verwandte eines Selbstmörders rechnen es ihm übel an, daß er nicht aus Rücksicht auf ihren Ruf am Leben geblieben ist.

(Friedrich Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches, Werke in drei Bänden. München 1954, Band 1, S. 629.)
 
  • Like
Reactions: Megara and fraumoh

Maron

User
Beiträge
17.237
  • #12
Stimmt, ich hatte als Kind den Versuch meiner Mutter beängstigend empfunden und übel wurde mir dabei auch immer wieder, wenn ich später daran dachte. Aber es ist auch nicht lustig wenn jemand aus Verantwortungsgefühl auf dieser Welt bleibt aber sein Leben nicht schätzt. Der Ausgang ist verschlossen und Eingang gibt es keinen. Traurig.
 
  • Like
Reactions: Eisener_Jung, IMHO, fraumoh und ein anderer User

fraumoh

User
Beiträge
7.479
  • #13
Stimmt, ich hatte als Kind den Versuch meiner Mutter beängstigend empfunden und übel wurde mir dabei auch immer wieder, wenn ich später daran dachte. Aber es ist auch nicht lustig wenn jemand aus Verantwortungsgefühl auf dieser Welt bleibt aber sein Leben nicht schätzt. Der Ausgang ist verschlossen und Eingang gibt es keinen. Traurig.
Wenn du im unteren Teil so was wie Selbstmord auf Raten ( Alkoholismus u co. ) oder exzessives Freeclimbing meinst, bin ich ganz bei dir...
Um so Leute mache ich inzw einen Bogen..
 
  • Like
Reactions: Maron

Maron

User
Beiträge
17.237
  • #14
Zuletzt bearbeitet:
  • Like
Reactions: fraumoh

IMHO

User
Beiträge
14.234
  • #15
Meines Erachtens hat es sicher nichts mit Egoismus zu tun. Ausser in Fällen, wo zuerst Familienangehörige mit getötet worden sind. Da war die Reihenfolge falsch, immer zuerst sich selbst töten.
Das Argument des Egoismus kam hinsichtlich der Trauer der Angehörigen und Freunden und Bekannten auf, über welche der aus dem Leben Scheidende sich möglicherweise keinerlei Gedanken macht bzw. sich über diese völlig hinwegsetzt.
 
D

Deleted member 27056

Gast
  • #16
Das Argument des Egoismus kam hinsichtlich der Trauer der Angehörigen und Freunden und Bekannten auf, über welche der aus dem Leben Scheidende sich möglicherweise keinerlei Gedanken macht bzw. sich über diese völlig hinwegsetzt.
Schlussendlich war SEIN Egoismus gemeint, wohl kaum derjenige der Angehörigen. Wie Du selbst schreibst, der Scheidende sich keinerlei Gedanken macht. Das sehe ich in diese Richtung. Denn würde er sich dazu Gedanken machen, hätte er schon eine Hemmschwelle.
 

ICQ

User
Beiträge
2.257
  • #17
Wer solche Freunde hat braucht wahrlich keine Feinde mehr.
 
  • Like
Reactions: Rise&Shine

Rise&Shine

User
Beiträge
3.547
  • #18
Das Argument des Egoismus kam hinsichtlich der Trauer der Angehörigen und Freunden und Bekannten auf, über welche der aus dem Leben Scheidende sich möglicherweise keinerlei Gedanken macht bzw. sich über diese völlig hinwegsetzt.

Und genau das ist unter anderer Betrachtung der Egoismus der Angehörigen und Freunde, die auf sich und ihre Trauer schauen und sich möglicherweise keinerlei Gedanken machen, wie hoch der Leidensdruck desjenigen war, der Hand an sich gelegt hat.
 
  • Like
Reactions: Julianna, IMHO, Dreamerin und ein anderer User

IMHO

User
Beiträge
14.234
  • #20
Genau, das Thema ist uralt. Hat nicht @IMHO erfunden, knurrr...
Es ist schon seltsam, was teilweise unterstellt wird. Ich hatte/habe überhaupt keinen Anspruch darauf erhoben, das Thema "erfunden" zu haben. Ebensowenig wie die Menschen, die hier begonnen haben, über Corona, Gewalt in der Beziehung oder Alkoholismus in der Partnerschaft zu schreiben. :oops:
Aber gut, in Ruhe kann man ja mal reden, wenn auch ein Partnerschaftsforum ein seltsamer Ort dafür ist.
Ich denke, dass der Tod an sich, aber auch eben diese spezielle Form
ein Teil des Lebens und somit auch ein Thema innerhalb der Beziehung ist und sein kann/darf und sollte.
 
  • Like
Reactions: maxim and Megara

IMHO

User
Beiträge
14.234
  • #21
Schlussendlich war SEIN Egoismus gemeint, wohl kaum derjenige der Angehörigen. Wie Du selbst schreibst, der Scheidende sich keinerlei Gedanken macht. Das sehe ich in diese Richtung. Denn würde er sich dazu Gedanken machen, hätte er schon eine Hemmschwelle.
Wir schreiben etwas aneinander vorbei, glaube ich. Ich meine, genau wie du, den Egoismus des Suizidenten, der sich möglicherweise keine Gedanken über die Gefühle/Trauer der Hinterbliebenen macht - oder sich schlicht darüber hinwegsetzt.
 
  • Like
Reactions: Deleted member 27056

IMHO

User
Beiträge
14.234
  • #22
Und genau das ist unter anderer Betrachtung der Egoismus der Angehörigen und Freunde, die auf sich und ihre Trauer schauen und sich möglicherweise keinerlei Gedanken machen, wie hoch der Leidensdruck desjenigen war, der Hand an sich gelegt hat.
So sehe ich das auch. Andere Menschen, die glauben, es besser/anders zu wissen und dem Suizidenten "Egoismus" vorwerfen, können sich eben nicht in die Lage desjenigen hineinversetzen, können weder den körperlichen Schmerz, noch die seelische Pein des Suizidenten nachempfinden.
 
  • Like
Reactions: Eisener_Jung, Megara and Rise&Shine

IMHO

User
Beiträge
14.234
  • #23
Diese letzte Entscheidung sollte uns einzig und alleine bleiben!
Meine Meinung spiegelt sicherlich nicht die der Allgemeinheit dar, aber wir werden ja auch nicht gefragt ob wir in dieser Welt Leben wollen, nein wir werden einfach hinein geboren und wenn es uns nicht gefällt, dann sollten wir auch ohne Erlaubnis wieder gehen dürfen...
So sehe ich das auch.

Nun aber eine weitere Frage/Thematik:
Inwieweit darf ein Arzt die für eine "sichere" und erträgliche Selbsttötung notwendigen Medikamente, die für den Suizidenten im freien Markt nicht zu erhalten sind, besorgen - auch wenn er diese letztlich nicht aktiv verabreicht.

Was ist mit dem "Eid des Hippokrates"? Was mit der Einstellung, ein Arzt soll leben retten/erhalten? Wie stark ist hier der Wunsch/Wille des Patienten zu beachten/berücksichtigen?
 
Zuletzt bearbeitet:

chrissi22

User
Beiträge
1.196
  • #24
Und genau das ist unter anderer Betrachtung der Egoismus der Angehörigen und Freunde, die auf sich und ihre Trauer schauen und sich möglicherweise keinerlei Gedanken machen, wie hoch der Leidensdruck desjenigen war, der Hand an sich gelegt hat.
Nein aus Spaß tut das wirklich niemand. Nur ist es tw so, dass die Menschen ihren nahestehenden lieben was vormachen und ihnen damit die Chance nehmen, diesen letzten Schritt vielleicht überflüssig zu machen. Ich denke dabei an eine bekannte, die ihren Bruder so verloren hat, es ist so eine unsagbare Last für sie, an der sie Jahre tragen wird, weil immer ein Schuldgefühl zurück bleibt.
 
  • Like
Reactions: Deleted member 26132

ICQ

User
Beiträge
2.257
  • #25
Was ist mit dem "Eid des Hippokrates"? Was mit der Einstellung, ein Arzt soll leben retten/erhalten? Wie stark ist hier der Wunsch/Wille des Patienten zu beachten/berücksichtigen?

Dazu wird man jeden Einzelfall für sich betrachten und auch Erfahrungen aus düsterer Vergangenheit berücksichtigen müssen.

Stell dir vor, es wäre akzeptierter Usus, dass man seinem Leben bei Nichtgefallen selbst oder mit fremder Hilfe ein Ende setzen darf.

Wie weit ist da der Weg, bis einem solches von wohlmeinenden Mitbürgern implizit oder offen angeraten wird?

Wie weit ist es dann noch, bis Leidende aus Schuldgefühl unter Druck geraten, weil sie ihren Mitmenschen doch unnötig arg (schließlich gibt es ja eine akzeptable Lösung!) zur Last fallen?
 
  • Like
Reactions: chrissi22 and Megara
D

Deleted member 26132

Gast
  • #26
Nein aus Spaß tut das wirklich niemand. Nur ist es tw so, dass die Menschen ihren nahestehenden lieben was vormachen und ihnen damit die Chance nehmen, diesen letzten Schritt vielleicht überflüssig zu machen. Ich denke dabei an eine bekannte, die ihren Bruder so verloren hat, es ist so eine unsagbare Last für sie, an der sie Jahre tragen wird, weil immer ein Schuldgefühl zurück bleibt.

Schlimm ist es auch für die Leute, die den Selbstmörder finden. Oft sind das auch Familienangehörige. Oder wenn man an die Leute denkt, die sich vor den Zug werfen, wenn die Lokführer, zusehen dürfen, wie sie jemanden überfahren. Und ich kenne jemanden aus meinem näheren Umfeld, der als TF arbeitet, man soll wohl die Knochen zerbrechen hören, es muss ganz schlimm sein.

Bei Familienangehörigen bleiben nicht nur Schuldgefühle zurück, sondern ne Menge unbeantworteter Fragen. Für die Hinterbliebenen ist es einfach furchtbar.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:

Parship

Administrator
Beiträge
531
  • #27
Hallo Zusammen,

selbstverständlich möchten wir euch im Forum auch den Raum bieten über sehr ernste Themen zu diskutieren. Bitte habt jedoch Verständnis, dass wir diesen Thread künftig vollständig moderieren werden. Wir sind zu diesem Entschluss gekommen da es doch passieren kann, dass sich Mitglieder durch bestimmte Aussagen getriggert fühlen. Sollte dies bei jemandem von euch der Fall sein oder ihr mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen habt bitten wir euch, diese nicht "herunterzuschlucken" sondern euch an eine Person eures Vertrauens oder auch an die Seelsorge zu wenden.

Diese erreicht ihr in Deutschland telefonisch unter 0800/1110111 oder auch online unter https://www.telefonseelsorge.de/

in Österreich unter der Telefonnummer 142 und unter https://www.telefonseelsorge.at/

und in der Schweiz unter der Telefonnummer 143 sowie unter https://www.143.ch/

euer Moderatoren-Team
 
  • Like
Reactions: IMHO, Julianna, pleasure und 8 Andere
Beiträge
115
  • #28
So sehe ich das auch.

Nun aber eine weitere Frage/Thematik:
Inwieweit darf ein Arzt die für eine "sichere" und erträgliche Selbsttötung notwendigen Medikamente, die für den Suizidenten im freien Markt nicht zu erhalten sind, besorgen - auch wenn er diese letztlich nicht aktiv verabreicht.

Was ist mit dem "Eid des Hippokrates"? Was mit der Einstellung, ein Arzt soll leben retten/erhalten? Wie stark ist hier der Wunsch/Wille des Patienten zu beachten/berücksichtigen?
Überhaupt nicht, der Patient hat das letzte Wort, nicht mehr oder weniger.

Kann ein Arzt nicht über seinen Eid hinaus, dann hat er den menschlichen Willen verloren, ein Widerspruch in sich, stimmt, nur geht es hier um anderes.

Die Qual der Seele und/ oder des Körpers, wenn der letzte Weg die Trennung vom Leben ist, sollte dieses respektiert werden und nicht mehr nach dem "warum" hinterfragt werden.
 

chrissi22

User
Beiträge
1.196
  • #29
Hallo Zusammen,

selbstverständlich möchten wir euch im Forum auch den Raum bieten über sehr ernste Themen zu diskutieren. Bitte habt jedoch Verständnis, dass wir diesen Thread künftig vollständig moderieren werden. Wir sind zu diesem Entschluss gekommen da es doch passieren kann, dass sich Mitglieder durch bestimmte Aussagen getriggert fühlen. Sollte dies bei jemandem von euch der Fall sein oder ihr mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen habt bitten wir euch, diese nicht "herunterzuschlucken" sondern euch an eine Person eures Vertrauens oder auch an die Seelsorge zu wenden.

Diese erreicht ihr in Deutschland telefonisch unter 0800/1110111 oder auch online unter https://www.telefonseelsorge.de/

in Österreich unter der Telefonnummer 142 und unter https://www.telefonseelsorge.at/

und in der Schweiz unter der Telefonnummer 143 sowie unter https://www.143.ch/

euer Moderatoren-Team
Super! Denn hier lesen ja ungesehene Leute mit und keiner von uns weiß, was manche Aussagen anrichten können. Vielleicht kann @IMHO den Strang auch umbenennen, weniger frontal? Tut mir leid, es ist ja in Ordnung so ein Thema mal aufzugreifen, aber der Titel haut schon gleich um. Danke
 

Elbo

User
Beiträge
8
  • #30
Ich versteh nicht warum diejenigen, die sich für den mFreitot entscheiden, an den Pranger gestellt werden... Vor allem mit Egoismus beschimpf werden.

Aber was ist mit denjenigen die genauso Familie zuhause Haben und ungesicherten Extrem Hobby Sport tätigen! Hier wird nur von tragischem Unglück gesprochen obwohl eine Überlebenschance bei evtl 30 % liegt...(wie egoistisch ist das)

Ebenso einer der voll alkoholisiert einen Unfall baut. (Einfach nur unzurechnungsfähig?)
Ist nicht ganz das selbe aber die Hinterbliebene sind genauso voller Trauer, Ratlos und voller Schuldgefühle die sie nie wieder loslässt, wenn sie nicht daran arbeiten.

Diejenigen die den Freitot wählen sind oft so verzweifelt und wissen oder meinen zu wissen dass sie den Hinterbliebenen, sonst nur eine Last wären oder ihnen nichts bietet können, was sie weiter in die Depression wirft.
Es ist sehr traurig dass es trotz der heutigen Psychotherapie immer noch Menschen gibt die keinen Anderen Ausweg mehr sehen
 
  • Like
Reactions: fraumoh