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  • #1

Sehnsucht

Eigentlich habe ich eine gute Lebensphase. Doch dann reicht ein sentimentales Lied dafür, dass in mir eine schmerzliche Sehnsucht aufsteigt nach einem Mann, den ich und der mich lieben kann. Kennt Ihr das, und wie holt Ihr Euch aus dieser Art hoher Emotionen wieder gut auf den Boden der Tatsachen zurück? Ich wäre diesbezüglich gerne rationaler.
 

anaj

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  • #2
AW: Sehnsucht

Zitat von delfin 1988:
Eigentlich habe ich eine gute Lebensphase. Doch dann reicht ein sentimentales Lied dafür, dass in mir eine schmerzliche Sehnsucht aufsteigt nach einem Mann, den ich und der mich lieben kann. Kennt Ihr das, und wie holt Ihr Euch aus dieser Art hoher Emotionen wieder gut auf den Boden der Tatsachen zurück? Ich wäre diesbezüglich gerne rationaler.

Manchmal habe ich dieses Gefühl der Sehnsucht auch. Aber ich empfinde es nicht als schmerzliche Sehnsucht. Dazu genieße ich mein Leben momentan viel zu sehr. Ich habe Pläne und arbeite daran. Diese Sehnsucht nach einem Mann zeigt mir eher, dass ich mich wieder auf einen Mann einlassen kann. Diese Sehnsucht zieht mich also nicht runter. Ich glaube irgendwie noch immer daran, dass da draußen irgendwo einer ist, zu dem ich passe und der zu mir passt. Wir haben uns nur noch nicht getroffen.

Wenn ich mich aber doch ablenken möchte, dann versuche ich eher an was Positives zu denken und führe mir das Schöne in meinem Leben vor Augen oder denke an meinen nächsten Urlaub oder meine Projektarbeit. Vielleicht rufe ich eine Freundin an, um mit ihr spontan was zu unternehmen oder gehe alleine raus, um mich aktiv abzulenken. Negative Gedanken möchte ich dann eigentlich nicht aufkommen lassen, denn ich glaube, dass mir das auch nicht wirklich helfen würde. Denn ich könnte daran denke wie verletzt ich war als ich erfahren habe, dass mein Freund beim Fremdgehen eine andere geschwängert hat. Aber das bringt mir auch nichts, denn zum Glück ist nicht jeder Mann so ein Arsch.
 
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  • #3
AW: Sehnsucht

Hallo!

Ja ich kenne solch eine Sehnsucht. Tief sitzend und genauso tief schmerzend.

Ich hatte nie ein Patentrezept, es verging nach einiger Zeit wieder. Aber in dieser Zeit ging es mir meist sehr schlecht. Dann fielen Pärchen oder Schwangere viel eher auf.
Meine spezielle Zeit ist der Frühling. Wie sehr wünschte ich mir, mich genau in dieser Zeit frisch zu verlieben. Der Wunsch war so groß, dass jeder Frühling emotional eine große Herausforderung wurde.

Nun bin ich in einer Phase angekommen, wo ich diese Sehnsucht nicht mehr spür. Weil ich im Großen und Ganzen derzeit eigentlich gar keine Beziehung möchte. Was vielerlei Gründe hat.
Ich bin sehr froh darüber, dass es heuer echt anders ist als in den letzten Jahren.

Ich hatte in den schlimmen Phasen viel Gespräche mit einer lieben Freundin, die auch so eine Situation kennt. Ansonsten habe ich sehr viele verheiratete Paare in meinem Freundes und Bekanntenkreis, was die Sache kaum leichter macht.
Und so gab es immer nur ein Rezept gegen die Sehnsucht: Zeit.

lg
Luna Shalima
 
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winzling_geloescht

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  • #4
AW: Sehnsucht

Ich finde ja, dass man ruhig mal ein bissl in Melancholie schwelgen darf, solange man sich dabei nicht ganz aus den Augen verliert. Ob mit oder ohne Partner, wenn beispielsweise Erinnerungen wachgerufen werden an Menschen, die es nicht mehr gibt. Zustände kann man akzeptieren oder verändern. Ein bisschen Selbstmitleid schadet nicht und tut hier und da ganz gut.

Schwierig wird's, wenn jemand in einem von ihm nicht als angenehm wahrgenommenen Zustand verharrt und sich die Gedanken sozusagen in einer Endloskette im Kreis drehen. Schafft man es da nicht allein, sich abzulenken, etwas zu tun, rauszugehen und die schönen Dinge des Lebens zu genießen, dann braucht es möglicherweise Hilfe von außen. Und falls die beste Freundin/der beste Freund ihren/seinen eigenen Frust grad selbst durch verbissenes Putzen bearbeitet, kann man mittun, einen anderen aufsuchen oder auf eigene Faust was unternehmen. Alles andere ist besser als rumzusitzen, zu grübeln und zu warten. Worauf?
 
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Sid_geloescht

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  • #5
AW: Sehnsucht

Ich persönlich wäre ja geradezu dankbar, wenn mich die Sehnsucht nur punktuell anschwappen würde. Da gibts bei mir eher ein allumfassendes Erleben. Als ständiger Begleiter sozusagen. Was ich damit mache? Neben Akzeptanz daß es, und dem Verstehen warum es so ist, fällt mir nicht wirklich viel ein. Erstaunlicherweise hilft Eigenaktivität nur begrenzt. Sie bleibt. Und ich nehme inzwischen an, daß das auch weiterhin so sein wird. Bisher hat mir ein annähernd freundlicher Umgang damit am besten geholfen.
 
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  • #6
AW: Sehnsucht

Zitat von delfin 1988:
Eigentlich habe ich eine gute Lebensphase. Doch dann reicht ein sentimentales Lied dafür, dass in mir eine schmerzliche Sehnsucht aufsteigt nach einem Mann, den ich und der mich lieben kann. Kennt Ihr das, und wie holt Ihr Euch aus dieser Art hoher Emotionen wieder gut auf den Boden der Tatsachen zurück? Ich wäre diesbezüglich gerne rationaler.

Ich glaube das kennt wohl jeder.
Diese Sehnsucht nach einer Seelenverwandtschaft.

Ich weiß nicht wie alt Du bist, aber in jungen Jahren hatte ich es stärker als heute mit fast 50 Jahren.

Ich genieße mein Leben auch ohne festen Partner, habe aber nix dagegen wenn es mal "funken" sollte.

Ich finde es ist überhaupt sehr wichtig erst mal mit sich selbst im Reinen zu sein.
Dann ist auch eine Partnerschaft erfüllend.

Sucht man den Sinn oder die Erfüllung durch einen andern, wird man immer Schiffbruch erleiden, wenn dieser jemand wieder weg ist.
 
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winzling_geloescht

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  • #7
AW: Sehnsucht

Zitat von Sid:
Bisher hat mir ein annähernd freundlicher Umgang damit am besten geholfen.

Warum nicht, ist doch gut, find ich. Portugal? Die Portugiesen zelebrieren ihren Fado, Wehmut zu empfinden gehört zum guten Ton. Sie leben gut damit, auch in Wehmut steckt Leben, ganz stark empfundenes. Das ist also nichts furchtbares, nur als Dauerzustand des inneren Leidens fänd ich's sehr schwierig. Dann sollte man sich nicht scheuen, professionelle Hilfe zu suchen.
 
S

Sid_geloescht

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  • #8
AW: Sehnsucht

Zitat von winzling:
Warum nicht, ist doch gut, find ich. Portugal? Die Portugiesen zelebrieren ihren Fado, Wehmut zu empfinden gehört zum guten Ton.

Ist Fado nicht ein wenig wie das Zelebrieren der Melancholie? Etwas Verklärendes in der Sehnsucht? Bzgl. der therapeutischen Hilfe bin ich eher bescheiden geworden. Sie hat Grenzen. Manches bleibt.
 
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  • #9
AW: Sehnsucht

Hallo Delfin !
Ich hatte deine Abwesenheit hier mit bestimmten positiven Entwicklungen bei dir verbunden... schade, wenn es nicht so ist.....
Viele liebe Grüße !
 
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  • #10
AW: Sehnsucht

@Schreiberin

An Dich dachte ich auch :)
Du liegst richtig. Das ergab sich aber tatsächlich erst nach meinem Posting hier. :)))
Es geht mir gut. :)
Mehr über privat.
 

faraway

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  • #11
AW: Sehnsucht

Zitat von Schreiberin:
Hallo Delfin !
Ich hatte deine Abwesenheit hier mit bestimmten positiven Entwicklungen bei dir verbunden... schade, wenn es nicht so ist.....
Viele liebe Grüße !

hey - und du du?
Lass dich wiedereinmal lieb grüssen von mir!
Warum sitzt du in letzter Zeit auf Flughäfen rum?

und gleich einmal "Happy meeting". (lieber zu früh als zu spät)

Dazu fällt mir ein:
-Do you have a sick bag?-
-No. Do you want an olive instead? -

Auch dir liebe Grüsse, delfin :)
 
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winzling_geloescht

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  • #12
AW: Sehnsucht

Zitat von Sid:
Ist Fado nicht ein wenig wie das Zelebrieren der Melancholie? Etwas Verklärendes in der Sehnsucht?

Naja? :eek:) Sie zelebrieren den ja nicht, weil sie sich so gern gegenseitig mit dem Taschentüchlein die Tränchen von den Wangen tupfen, sondern weil er etwas verkörpert, was zum Leben dazugehört, um es in seiner ganzen Schönheit zu begreifen: die Traurigkeit. Ich glaube aber, dass nur ein Portugiese das wirklich nachempfinden kann. Wir haben ja nur eine leise Ahnung davon, wie eng miteinander verknüpft ein Portugiese die Melancholie und die Fröhlichkeit sieht und spürt. Damit muss man wohl großgeworden sein.

Eine Therapie hat Grenzen, sicher. Sie kann nichts ungeschehen machen. Sie kann nur helfen zu akzeptieren. Das, was passiert ist und das, was es mit einem gemacht hat. Man hat sie Möglichkeit zu gucken, inwieweit man es zulassen kann, möchte, darf und muss, dass das Geschehene weiterhin Einfluss auf das eigene Leben nimmt und in welchem Ausmaß. Eine Therapie kann den Blick nach vorn öffnen und Möglichkeiten finden lassen, mit sich und der Zukunft umzugehen. Sie wird aus einem knuffigen Kaninchen keinen wildentschlossenen Löwen machen, aber immerhin die Mähne, Sid, die ist schon da ;o)
 
S

Sid_geloescht

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  • #13
AW: Sehnsucht

Zitat von winzling:
Wir haben ja nur eine leise Ahnung davon, wie eng miteinander verknüpft ein Portugiese die Melancholie und die Fröhlichkeit sieht und spürt. Damit muss man wohl großgeworden sein.

Hi winzling,
wies der Portugiese erlebt weiß ich ja nicht. Für mich ists in meinem Erleben schon so, daß Lebensfreude und Fröhlichkeit und die Erfahrung des Leids viel miteinander zu tun haben. Als deutliches dennoch und trotzdem. Auf dem Boden der Kenntnis des Leids. In ziemlicher Befreiung. Es gibt aber auch eine Lust am Leid. Ein wohliges Erschauern am Leid. Ein bisschen in der Romantik. Das meine ich nicht. Das ist mir fremd. Ich wusste nicht, welche der beiden Möglichkeiten beim Fado gemeint ist. Jetzt glaub ich verstanden zu haben, daß es die erste ist. Bzgl der Möglichkeiten von Therapie zerbreche ich mir jeden Tag den Kopf. Ich freue mich, wenn kleine Weichenstellungen möglich werden. Zumindest in unseren Kassenverfahren. Wobei ich an die Persönlichkeitsveränderung der Analyse auch nicht mehr glaube. Aber ich erlebe uns da gar nicht so weit auseinander.
 
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  • #14
AW: Sehnsucht

Hallo Faraway !
Ist hier heute der Privat-Schnack-Thread ? Danke, mir geht's gut, habe nur viel zu viel Arbeit und SEHNE mich (Threadbezug...) nach Erholung... Flughafen : war in Venedig, zum Zeugnisschreiben in Klausur...
Viele liebe Grüße !!!
 
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winzling_geloescht

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  • #15
AW: Sehnsucht

Hola Sid,
¿qué tal? - wie geht's? ;o) - Keine Ahnung, ob Nichtportugiesen den Fado überhaupt verstehen können. Vielleicht ja auch eine besondere Form des Zulassenkönnens von Gefühlen. Leid erfährt jeder im Leben, davon verschont bleibt ja keiner. Egal, in welchem Land er lebt. Nach (schweren) Schicksalsschlägen wird nichts mehr so sein wie vorher, damit klarzukommen ist mitunter sehr schwer, vielleicht zu schwer für einen allein. Man muss das aber nicht allein wuppen, ebensowenig muss man die gesamte Persönlichkeit umkrempeln wollen, die sich durch Geschehenes nun mal verändert und auch nicht mehr so wie vorher sein kann. Muss sie ja auch nicht.

Manchmal stößt man aber auf Dinge, von denen man gar nicht (mehr) wusste, dass es die auch noch in einem gibt. Es kann sich schon lohnen, das eine oder andere rauszukramen, sich (wieder) bewusst zu machen und sich zu freuen, dass es da ist. Dann kann man's auch nutzen, das eigene Potenzial, und die Ressourcen im Auge behalten. Ersteres ist immer da, auf das Vorhandensein von Letzterem musst man selbst achten.
 
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  • #16
AW: Sehnsucht

Zitat von faraway:
hey - und du du?
Lass dich wiedereinmal lieb grüssen von mir!
Warum sitzt du in letzter Zeit auf Flughäfen rum?

und gleich einmal "Happy meeting". (lieber zu früh als zu spät)

Dazu fällt mir ein:
-Do you have a sick bag?-
-No. Do you want an olive instead? -

Auch dir liebe Grüsse, delfin :)

Für Dich auch, Faraway :)
 
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  • #17
AW: Sehnsucht

@Schreiberin

Ich habe eben den Admins meine Mailadresse für Dich geschickt und hoffe, es klappt.

Delfin
 
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Sid_geloescht

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  • #18
AW: Sehnsucht

@winzling

asi,asi,?y tú
Wie krieg ich jetzt das Fragezeichen auf den Kopf?
Nein, muß nicht. Und geht auch nicht. Finds aber wichtig sich auf die Ressourcen zu besinnen. Doll wichtig. Und damit auch auf denjenigen, der man ja auch mal war.
Übrigens hoffe ich, daß Du nicht so schnell aufhörst hier zu schreiben.
Ich freue mich sehr, von Dir zu lesen.
Aber das hab ich ja schon erwähnt...
 
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winzling_geloescht

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  • #19
AW: Sehnsucht

Hola Sid, alles bestens, danke, das Fragezeichen ist unwichtig. Ressourcen sind wichtiger, da geb ich dir total müde recht. "Eines Menschen Vergangenheit ist das, was er ist. Sie ist der einzige Maßstab, an dem er gemessen werden kann" - Du magst doch Oscar Wilde. Man ist das, was man geworden ist, aus welchen Gründen auch immer. Da ist's doch schön zu gucken, was man noch so werden kann. Und auch ganz wichtig - mit wem. In diesem Sinne - schlaf gut und träum was schönes ;o)
 

faraway

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  • #20
AW: Sehnsucht

Im Brasilianischen gibt es ein wunderschönes Wort: saudade.
Es ist sehr schwer zu definieren/übersetzen
Es ist die Trauer über die Vergänglichkeit, die Trauer das etwas nicht (mehr) da ist, gegangen ist;
und gleichzeitig auch die Freude, in der Erinnerung , dies erlebt zu haben
so in etwa.
 
W

winzling_geloescht

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  • #21
AW: Sehnsucht

Fado ohne Saudade geht nicht, Portugiesen ohne Fado geht nicht, Brasilien ohne Portugiesen geht nicht mehr.
 

faraway

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  • #24
AW: Sehnsucht

Zitat von winzling:
Fado ohne Saudade geht nicht, Portugiesen ohne Fado geht nicht, Brasilien ohne Portugiesen geht nicht mehr.

Glaub ich auch.
Abgesehen davon, kann ich fado eigentlih nur musikalisch identifizieren.

Es gibt ja noch so manche Möglichkeiten....

Gestern dachte ich auch an "aware"
an dieses barmherzige, mitfühlende Verstehen, jenseits jeder moralischen Vorschrift
(aber darum geht es in diesem thread ja nicht -allerdings in manchen anderen .-)
 
S

Sid_geloescht

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  • #25
AW: Sehnsucht

Zitat von winzling:
Hola Sid, alles bestens, danke, das Fragezeichen ist unwichtig. Ressourcen sind wichtiger, da geb ich dir total müde recht. "Eines Menschen Vergangenheit ist das, was er ist. Sie ist der einzige Maßstab, an dem er gemessen werden kann" - Du magst doch Oscar Wilde. Man ist das, was man geworden ist, aus welchen Gründen auch immer. Da ist's doch schön zu gucken, was man noch so werden kann. Und auch ganz wichtig - mit wem. In diesem Sinne - schlaf gut und träum was schönes ;o)

Fein. Das freut mich.
Den Satz kannte ich nicht. Wunderbar. Analyse zusammen gefaßt. Danke Dir.
Auch für die Zukunftsorientierung.
Gute Nacht!
 

SineNomine

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  • #26
AW: Sehnsucht

Zitat von faraway:
Wir haben ja zwei Augen....
und ich, für mich, find zwischen Trauer und Freude durchaus manchmal eine Brücke.

ich weiss, wie blöd das klingt.

Das klingt ehrlich gesagt nicht mal in Ansätzen "blöd", sondern vielmehr sehr richtig und wichtig.

Ich finde zwischen Trauer und Freude nicht nur eine Brücke, für mich gehören beide oft untrennbar zusammen, beides bedingt einander mitunter geradezu.

Wenn ich beispielsweise an liebe Verstorbene denke, dann empfinde ich die Trauer dabei ja auch gerade deshalb, weil die Zeit mit ihnen eben auch viel Freude in sich hatte. Das eine Auge beweint den Verlust, das anderen lacht bei der Erinnerung an schöne Zeiten und beide zusammen blicken dabei gleichzeitig auch nach vorn.

Diese Form einer heiteren, vorwärts gerichteten und konstruktiven Melancholie, eines Bewusstseins für das was man verloren hat ohne daran zu verzweifeln, sondern mit der Fähigkeit gerade daraus die Kraft für Gegenwart und Zukunft zu ziehen, findet sich in vielen Kulturen, man denke nur an die ganzen wunderbar traurig—schönen irischen oder schottischen Volkslieder, „Fields of Athenry“,„Foggy Dew“ oder „Loch Lomond“ beispielsweise.
 

untertage

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  • #27
was alles unerträglich ist...

was alles unerträglich ist..

...morgens allein aufwachen
...nach der Arbeit nach Hause kommen
...Sonntags spazieren gehen
...zweisame Menschen sehen
...auf Partys gehen
...sinnlose Überstunden anhäufen
...abends am Küchentisch sitzen
...Fragen von Verwandten
...Tage mit Sonnenschein
...im Café sitzen
...über den Urlaub nachdenken
...warten
...ein guten Film sehen und mit niemanden darüber reden können
...am Feiertag aufwachen und den Werktag erwarten
...anderen Menschen davon erzählen
...abende an denen man nicht einschlafen kann
...seine Emails nachsehen
...suchen
...den leeren Briefkasten öffnen
...freiwillig am Wochenende auf Arbeit gehen
...überflüssige Zeit haben
...auf ein Konzert gehen
...Selbstgespräche führen
...die Wochen verschlafen
...in der Bibliothek sitzen
...unnützes Geld verdienen
...Leute lachen hören
...einfach alles
 

No_Kitty

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  • #28
AW: Sehnsucht

erträglich machen...

sich selbst für sich erträglich machen
sich selbst halten
Gänseblümchen auf der Wiese pflücken
Menschen schreiben, die einem nah sind
telefonieren und eine liebe Stimme hören
Lieblingsmusik anstellen, die vielleicht zu fröhlich ankommt und das aushalten
nach innen schauen
sich selbst ein Eis in der Sonne genehmigen
inneren Dialog auch zu lassen, zum Reflektieren, zum Annehmen
auch freuen, dass es weniger Altpapier aus dem Briefkasten zu entsorgen gibt
Sinn in der Pause verstehen, die Pause als Pause verstehen
sich selbst aushalten
Dinge schaffen, wie auch immer, und wenn es Streichholzhäuschen sind
Im Schaffen Energie schöpfen und sich selbst verlieren
etwas ansehen, was etwas bedeutet
Perspektive als verrückt erkennen
tragen, erkennen, was der eigene Wesenskern ist
sich in die Badewanne legen und entspannen
sich selbst nicht so wichtig und ernst nehmen
Laufen gehen im Wald
halbschlafdämmern und wunschträumen
Schlafdezit akzeptieren als normale Begleiterscheinung
ergründen, was es ist, das man braucht
Weiter machen, weil Zeit hilft zu heilen
sich auf beste Freunde verlassen und sich mit Ihnen treffen
Wertewelt auf den eigenen Prüfstand stellen
Ändern können, was einen selbst betrifft
Horizont suchen, finden, in Ruhe sehen
Atmen, Atmen, Atmen
Mitte finden
sich immer wieder erinnern, dass weiter geatmet wird
jeder Atemzug eine bewusste Entscheidung
und ein Keim von Hoffnung in sich tragen
 

Else

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  • #29
AW: Sehnsucht

Ist es nicht so, dass auch wenn man jemanden (die eine/den einen) gefunden hat, die Sehnsucht bleibt? Die Sehnsucht nach ihm/ihr, die Sehnsucht nach einem erfüllten, gelingendem Leben, die Sehnsucht nach den kleinen Momenten des Glücks mitten im Leben. So ist es jedenfalls bei mir.
 

No_Kitty

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  • #30
AW: Sehnsucht

Mir hilft es Sehnsucht anzunehmen, als ein weiteres Gefuehl. Ich stelle mir die Frage, ob es meine Sehnsucht ist, oder eine, die ich gelernt habe. Ob es irgendetwas von aussen ist, was nur mittelbar zu mir gehoert, oder etwas von innen, was meinen Wesenskern zum Schwingen bringt.

Wenn ich allein bin, heisst es erst einmal, dass ich fuer mich ein einzelner Mensch bin, das sagt nichts ueber einen Beziehungsstatus aus. Ich bin auch in einer Partnerschaft ein (einzelner) Mensch, mit meinen Sehnsuechten, meinen Gefuehlen.

Wenn ich in einer Partnerschaft bin, ist es so, dass vor lauter Normalitaet das Begreifen, was alles gut daran ist, leicht verschuettet wird von der Routine. Dann sind Alltagskabbeleien vordergruendiger als das Fuehlen, was alles schon als Geschenk da ist.

Dann sind meine ‚schwarzen‘ Zeiten wichtig, weil ich mit ihnen besser verstehe, mir auch klar machen kann, wann / warum es mir gut geht. Dann kann ich in diesem Moment wieder das Gluecksmoment fuehlen.

Wuwei.... moechte ich da rufen und
panta rei,
all things are connected‚
kein Schwarz ohne Weiss, kein Oben ohne ein Unten ....

Ich mache mir damit klar, dass es von dem einen Gefuehlszustand in den anderen nur ein kleiner Schritt ist – Risiko und Moeglichkeit in einem.