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Deer One

  • #241
Ach Fraunette.... da menschelt es.... unter dem akademischen Grad steckt ein ganz normaler Mensch, und manche sind halt so zum wegrennen. Ob und warum die "Besonderen" sich in der höheren Ebenen einer Uni tummeln könnte man noch diskutieren.
Aber so abwertend verurteilen und verallgemeiner finde ich nicht so prall.
Ich meine auch, Stil & Benimm lernt man nicht auf der Uni, sondern seien zu allererst Folgen guter Kinderstuben. Was Hänschen nicht lernt…

Andererseits muss man klar konstatieren, auf Universitäten fänden sich häufiger Personen, die bereits einem Akademikerhaushalt entspringen. Das ist zwar immer noch keine Garantie für eine gute Kinderstube, erhöht aber die Wahrscheinlichkeit einer solchen.

Benimm hatte selbst zu Kniggezeiten im Grunde schon keine andere Aufgabe, als sich über das G‘scherr zu erheben und die Herkunft, sprich adelige Kinderstube, zu demonstrieren.
 
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  • #242
Andererseits muss man klar konstatieren, auf Universitäten fänden sich häufiger Personen, die bereits einem Akademikerhaushalt entspringen. Das ist zwar immer noch keine Garantie für eine gute Kinderstube, erhöht aber die Wahrscheinlichkeit einer solchen.
Falls du mal mit Akademikern, deren Familien und "guten Kinderstuben" zu tun haben wirst, wirst merken, dass das gar nicht so dolle ist. :)
 
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  • #243
Benimm hatte selbst zu Kniggezeiten im Grunde schon keine andere Aufgabe, als sich über das G‘scherr zu erheben und die Herkunft, sprich adelige Kinderstube, zu demonstrieren.
Nicht ganz! Knigges Buch "Vom Umgang mit Menschen" war im Original nämlich gar keine Sammlung von Benimmregeln, sondern ein von der Aufklärung geprägter Ratgeben, der zum geselligen Miteinander und zum freien Denken anregen wollte. Er wollte eben "nicht bloß Regeln einer konventionellen Höflichkeit" aufstellen, sondern Umgangsregeln "die wir allen Arten von Menschen schuldig sind, und wiederum von ihnen forden können".

Traurig, dass 230 Jahre später sein Name stattdessen verwendet wird, um Menschen voneinander abzugrenzen und zu trennen. :(
 
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Deer One

  • #244
Nicht ganz! Knigges Buch "Vom Umgang mit Menschen" war im Original nämlich gar keine Sammlung von Benimmregeln,
Da hast Du mal wieder total recht. Noch schlimmer: Gerade ich sollte das eigentlich wissen, und schiebe ihn trotzdem in die Ecke der Abgrenzer. :(

Falls du mal mit Akademikern, deren Familien und "guten Kinderstuben" zu tun haben wirst, wirst merken, dass das gar nicht so dolle ist. :)
Creolo, mein engeres Umfeld besteht ausschließlich aus Akademikern und/oder Unternehmern (stamme selbst aus einem Unternehmerhaushalt. Hochschule war bei uns weniger entscheidend als die Selbstständigkeit), und beobachte vor allem zu Tisch.

Klares Ergebnis: Es ist ausschließlich abhängig von deren Kinderstube. Je länger die Generationen vor ihnen aber Akademiker oder Unternehmer waren, desto gepflegter wirkt das Tischgebaren.

Und noch eine Erkenntnis: Bringe ich feinfühlig Optimierungsvorschläge an, wird das von „meinen“ Akademikern deutlich objektiver angenommen, als von „meinen“ Unternehmern. Letzteren, so scheint mir, fehle schon ab 40 nicht nur jedes Korrektiv, sie dulden erst gar keins. Stets mit der unausgesprochenen Begründung: „Schau mal meinen Betrieb an und sag mir, was ich falsch gemacht haben soll?!“ Beratungsresistenz at it‘s best!

Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.
 
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  • #245
… ein von der Aufklärung geprägter Ratgeben, der zum geselligen Miteinander und zum freien Denken anregen wollte. …
Die Form ist die Schwester der Freiheit. Hab ich in den Sturm- und Drang-Jahren nicht verstanden, weil ich dachte, die Form könne man auch ohne Formkorsett wahren. Heute scheint mir, die Brüderlichkeit als Ausgleich zwischen Freiheit und Gleichheit liege nicht mehr allen im Blute – vielleicht, weil die Formen nicht mehr gelernt werden müssen.
 
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fleurdelis*

  • #247
Klares Ergebnis: Es ist ausschließlich abhängig von deren Kinderstube. Je länger die Generationen vor ihnen aber Akademiker oder Unternehmer waren, desto gepflegter wirkt das Tischgebaren.
Nicht unbedingt, meine Kinderstube direkt entstammt nicht aus diesen beiden Gruppen, jedoch entstammt meine Oma einem alten Adelsgeschlecht, nur im 2. Weltkrieg auf der Flucht aus Ostpreussen ging dass jedoch alles verloren ... und zählt heute hier nichts mehr. Aber die gepflegten Tischsitten und andere Höflichkeiten/Benimmregeln wurden ziemlich streng beibehalten.
 
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  • #248
Nicht unbedingt, meine Kinderstube direkt entstammt nicht aus diesen beiden Gruppen, jedoch entstammt meine Oma einem alten Adelsgeschlecht, nur im 2. Weltkrieg auf der Flucht aus Ostpreussen ging dass jedoch alles verloren ... und zählt heute hier nichts mehr. Aber die gepflegten Tischsitten und andere Höflichkeiten/Benimmregeln wurden ziemlich streng beibehalten.
Alles, was blieb - und man hat nur einen guten Ruf !
 
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  • #253
Ich mache einen Unterschied zwischen Benimm und Etikett.
Den Gegenüber kann es grausen, wenn mit vollen Mund geredet wird. Das fällt für mich unter Benimm. Ob der Mann auf der Treppe unterhalb geht, ist für mich Etikett und empfinde ich als entbehrlich.
Da ist es mir wichtiger, auf die Bedürfnisse der einzelnen Person einzugehen, als Regeln zu befolgen. Mir macht es zB nicht so viel aus mit dem Rücken zur Türe/Lokal zu sitzen, dafür sitz ich gerne auf einer Bank.
 
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  • #254
Lieber deer One! Ich habe deine Headline gelesen, und finde das Thema interessant und würde mich gerne der Diskussion anschliessen. Ich bin nur überwältigt von der Masse deiner Worte. Würdest du es eventuell zusammenfassen und präzisieren? Wenn nicht ist es auch ok. LG Paula
 
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Deer One

  • #255
Ich bin nur überwältigt von der Masse deiner Worte. Würdest du es eventuell zusammenfassen und präzisieren?
Hallo liebe Paula.

Wie könnte man 17 Seiten dieses Freds in wenigen Worten zusammenfassen? Einen Thread durchlesen ist wie ein Gang in den Supermarkt: Manchens braucht man, manches nicht.

Eine Conclusio aber scheint mir schwerdings möglich, zumal zwei verschiedene Themen diskutiert wurde: Das Rollenbild lt. PS-Persönlichkeitsanalyse und Benimm & Etikette, wobei magenas Idee eine genauere Betrachtung verdient:
Ich mache einen Unterschied zwischen Benimm und Etikett.
Den Gegenüber kann es grausen, wenn mit vollen Mund geredet wird. Das fällt für mich unter Benimm. Ob der Mann auf der Treppe unterhalb geht, ist für mich Etikette und empfinde ich als entbehrlich.
Der Ansatz spricht mich an, wähne aber einen Grenzstrich zwischen Benimm & Etikette nach seiner/ihrer Vorgehensweise als schwierig.

Greez, Deer One