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Gast

  • #106
Es ist ja nicht so, dass es zu wenig psychologische Betreuung gäbe.
Die psychologische Betreuung ist flächendeckend gewährleistet. Bis hin zur Typberatung und ob man zum Date lieber graue Haare trägt oder nicht. Auch die allerbeste Freundin hat immer wertvolle Tipps. Die Qualitätsmedien tun ihr übriges.
 
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authentisch_gelöscht

  • #107
Zitat von chiller7:
Es ist ja nicht so, dass es zu wenig psychologische Betreuung gäbe.
Es ist nicht die Psychologie, die fehlt. Es mangelt an echten Mitmenschen. Wenn der Psychologe oder die Psychiaterin diese Qualität haben und nicht durch den Stress in ihrem System verlieren, dann können sie sehr wichtig sein.
Viele Psychiatrie-Erfahrene sagen übrigens, dass das was ihnen in der Klinik am Meisten geholfen hat, die Mitpatienten waren.
 
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Gast

  • #108
Wenn ich von einem Suizid erfahre, denke ich meist nicht: oh, das war aber unnötig.
 
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Gast

  • #109
Zitat von fafner:
Es war ja nicht Deine Meinung zum Artikel, sondern Dein Trigger, der dann etwas bei mir triggerte, was mir "nicht gut tat". Es ist kompliziert.
Trigger sind meist kompliziert ;). Mit Trigger meinte ich nicht einfach ein Ereignis, also den Tod meines Sohns, sondern schon im Sinne des Auslösers eines "alten" Musters. Bei mir war das der Stell-dich-nicht-so-an-Trigger (der ist aufgrund eines aktuellen Todesfalls in der Familie grade leichter aktivierbar), den ich aus der Buchbeschreibung herausgelesen habe, der dann zu meinen "geschmacklosen" Äußerungen führte.
Dass man auf die Idee kommen könnte, ich schriebe so was, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, war da gar nicht auf meinem Schirm; klar, in der Übertreibung liegt die Anschauung - Ähnliches (v.a. die letzte Aussage) habe ich durchaus öfter gehört.

Ja, kann dann Kettenreaktionen auslösen ...

Zitat von fafner:
Meine Liste mit Ratgebern wird immer länger. Das ist ja genau der Streß und deshalb kam mir der Artikel gerade recht.
Naja, die Ratgeber hast du dir ja selbst gekauft. Wenn's dir zu stressig wird, kannst du sie ja einfach liegen lassen.

Zitat von fafner:
Das Problem mit diesen Kommunikationsinkompatibilitäten ist halt, daß sie auf Gegenseitigkeit beruhen. Nach meiner Beobachtung bin ich nicht der einzige hier, dem das schon passiert ist. Klar kann man dann natürlich immer sagen, "nicht mein Problem, sondern Euers, wenn Ihr mich immer falsch versteht". Notiz: Ratgeber suchen, wie man das lernt. :-/ Oder selber schreiben. "Wie ich lernte, meine Harmoniesucht zu überwinden und mir ein dickes Fell zuzulegen".
Diesen Absatz von dir verstehe ich z.B. nicht. Beziehst du das auf dich oder auf mich? Harmoniesüchtig bin ich eher nicht; bei dir nehme ich das auch nicht wahr, sonst würdest du ja nicht so oft (aus meiner Sicht unbegründet) "austeilen".

Ich schrieb ja: "Nach meiner Wahrnehmung geht es ja meist nicht um die Diskussion des Themas, sondern um Selbstbestätigung, in der Regel verbunden mit Abwertung anderer."
Du schreibst im EP was von "selbsterkenntnisgeil", gleich im nächsten Beitrag geht’s dann schon um militante Veganer, Biofanatiker usw. (davon steht im Artikel gar nichts).

Wo siehst du denn für dich die Parallele zum Artikel? Im Pathologisieren? Ein bisschen dachte ich ja, als du in deinem anderen Thread "gejammert" hast, dass die Krankenkasse nicht deine 400€€ Therapiestunden zahlt, weil deine Freundin mal ein Wochenende alleine mit ihren Freunden verbringen will, dass das schon ein schmarotzerisches Ausnutzen der Solidargemeinschaft wäre (kenne allerdings auch die Schweizer Verhältnisse nicht). Da käme dir ja das Absenken diagnostischer Kriterien entgegen.

Oder weil im Artikel Ratgeber diskreditiert werden - hilft das irgendwie bei dem Widerspruch, dass du jetzt selbst welche hast, obwohl du bis dato für Ratgeberleser hier im Forum nur Hohn und Spott übrig hattest?

Oder fühlst du dich der "stetig größer werdende Gruppe der Gesellschaft, die sich hyperreflexiv und dauersensibel von allem genervt fühlt, sei es Zigarettenqualm, Parfümduft, Kindergeschrei, Klartext, Vogelgezwitscher oder der Ehepartner" zugehörig? - oder willst dich davon distanzieren?

An der Diskussion zum Artikel beteiligst du dich nicht. Daher verstehe ich diesen Bezug halt nicht (muss ich ja auch nicht ;)). Ich würde da von einem intelligenten Menschen wie dir mehr Substanz erwarten.

Da du aber meine Beiträge immer irgendwie als Angriff auffassen willst (ähnlich wie authentisch manchmal), werde ich mich zukünftig zurückhalten ;).
 
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authentisch_gelöscht

  • #110
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  • #111
Zitat von Butte:
Wem diese zu anspruchsvoll sind, schaue doch bitte weiter den Bergdoktor.
Öha, ein Single mit Niveau.

"Any man who must say 'I am the king' is no true king" - Tywin Lannister

Zitat von authentisch:
Aber wer sind wir denn, darüber zu urteilen, ob ein Mensch leben will oder nicht?
Ein sehr sehr guter Satz.

Zitat von tina*:
Naja, die Ratgeber hast du dir ja selbst gekauft. Wenn's dir zu stressig wird, kannst du sie ja einfach liegen lassen.
Dann habe ich wieder das Gefühl, ich komme mit meinen Problemchen nicht weiter. :-/

Diesen Absatz von dir verstehe ich z.B. nicht. Beziehst du das auf dich oder auf mich? Harmoniesüchtig bin ich eher nicht; bei dir nehme ich das auch nicht wahr, sonst würdest du ja nicht so oft (aus meiner Sicht unbegründet) "austeilen".
Auf mich. Und den - möglichen - Widerspruch kann ich auch nicht auflösen.

Wo siehst du denn für dich die Parallele zum Artikel? Im Pathologisieren?
Ehner in der Richtung, ja.

Ein bisschen dachte ich ja, als du in deinem anderen Thread "gejammert" hast, dass die Krankenkasse nicht deine Therapiestunden zahlt, weil deine Freundin mal ein Wochenende alleine mit ihren Freunden verbringen will, dass das schon ein schmarotzerisches Ausnutzen der Solidargemeinschaft wäre (kenne allerdings auch die Schweizer Verhältnisse nicht).
In Ermangelung richtiger Probleme bleibt einem in der CH kaum was anderes, als über hohe Preise zu jammern. Das ist hier Volkssport. Deshalb geht man dann für die Ferien oder wegen der Zähne in die billige EU, die man so haßt, oder lädt sich samstags den SUV bei Aldi in WT voll. (N.b.: Ich mach allenfalls das Feriending, aber nur, weil mich was interessiert. Daß es günstiger ist, nehm ich natürlich trotzdem gern mit. Und SUV find ich unpraktisch, ich liebe meinen Smart.)

Oder weil im Artikel Ratgeber diskreditiert werden - hilft das irgendwie bei dem Widerspruch, dass du jetzt selbst welche hast, obwohl du bis dato für Ratgeberleser hier im Forum nur Hohn und Spott übrig hattest?
Das könnte jetzt weniger werden. Bisher hatt ich halt selbst keinen Bedarf.

Oder fühlst du dich der "stetig größer werdende Gruppe der Gesellschaft, die sich hyperreflexiv und dauersensibel von allem genervt fühlt, sei es Zigarettenqualm, Parfümduft, Kindergeschrei, Klartext, Vogelgezwitscher oder der Ehepartner" zugehörig? - oder willst dich davon distanzieren?
Was mich wirklich nervt, ist Lärm. Von der S-Bahn (hier hat es viel Bahnhöfe mit Kurven, wo es so bestialisch quietscht; da halt ich mir immer die Ohren zu); oder von der Straße.

An der Diskussion zum Artikel beteiligst du dich nicht.
In dem Artikel ging es m.E. um Bagatellneurosen (so wie meine vermutlich). Die Diskussion ist ja jetzt mit Suizid richtig hard core geworden und geht damit am Artikel vorbei.

Da du aber meine Beiträge immer irgendwie als Angriff auffassen willst (ähnlich wie authentisch manchmal), ...
None taken (this time). :)
 
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  • #112
Zitat von authentisch:
Ich habe weder ihrem Wunsch entsprochen noch habe ich die Klinik darauf aufmerksam gemacht, dass sie suizidal war..
Das könnte man auch unterlassene Hilfeleistung nennen.

Ach.

Aber wer sind wir denn, darüber zu urteilen, ob ein Mensch leben will oder nicht?(...) Diese Desillusionierung vermochte sie nicht zu ertragen. Wir könnten sagen, dass das eine vorübergehende Sache gewesen wäre. Aber meine Freundin hatte einfach keine Kraft mehr und eine riesige Angst vor dem Weiterleben.
Aber wer sind wir denn, darüber zu urteilen, was sie zu ertragen vermochte und wieviel Kraft sie noch hatte? Wir könnten sagen, dass das eine aussichtslose Sache gewesen wäre. Aber ihre Freundin hatte einfach keine Kraft mehr und eine riesige Angst davor, zu handeln und für das Weiterleben ihrer Freundin zu kämpfen.

Aber man kann auf längere Sicht keine Suizide verhindern.
Ich verstehe, weshalb du dir das einzureden versuchst.
 
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  • #113
Und so hat jeder sein Ding und macht daraus etwas Allgemeines. Der eigene Bauchladen halt. Aber wehe ein Professioneller stabilisiert nur. Erstmal.

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Und das Beste: Zuvor schreiben, ich hätte eine seltsame Vorstellung von Empathie.
 
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  • #114
Zitat von fafner:
"Any man who must say 'I am the king' is no true king" - Tywin Lannister
Die Verteilung des Königtitels scheint dich zu interessieren. Mich eher, daß es ne interessante und nicht zu dumme Diskussion ist. So hat jeder sein Anliegen.

Zitat von billig:
Aber wer sind wir denn, darüber zu urteilen, was sie zu ertragen vermochte und wieviel Kraft sie noch hatte? Wir könnten sagen, dass das eine aussichtslose Sache gewesen wäre.
Mir persönlich geht es so, daß ich bei ziemlich vielen Äußerungen hier im Forum denke: Weiß ich, wieso der/die das so schreibt, wo es abgeschrieben ist, daß es Symptom einer bestimmten nicht durchschauten Situation, ein klarer Fehler ist o.ä.. Wenn ich von eine Suizid höre, denke ich so etwas gerade nicht. Offenbar habe ich da tendenziell mehr Respekt. Stelle mich nicht so einfach drüber, behaupte nicht so einfach, daß er da was Falsches gemacht hat, einem Irrtum aufgesessen ist. Sondern kann es ernster nehmen.
Offenbar ist die Einstellung anderer da genau umgekehrt. Das finde ich interessant.
 
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  • #115
Ein Mensch, der den Suizid plant ist am Ende und selbstverständlich hat er das Recht, am Ende zu sein, wenn das Leid unerträglich wird.
Aber da geht es nicht um Pillepalle und Gespräche am Kamin mit einem Portwein in der Hand. Ein Freund, ein guter Freund, das ist ihm nicht mehr das Schönste auf der Welt. Auch die Kalenderweisheiten hat er dann meist zu Ende gedacht. Manche rasen in den Gegenverkehr oder reißen andere anders mit in den Tod. Werden Täter und hinterlassen Leid.
Nicht jeder hängt sich einsam im Wald auf. Aber auch das ist eine Zumutung für den, der ihn findet.
Und da finde ich schon, dass da Kompetenz gefragt ist und keine warmen Umschläge.
 
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authentisch_gelöscht

  • #116
Zitat von billig:
Das könnte man auch unterlassene Hilfeleistung nennen.
Ja.
Man hätte sie vielleicht monatelang auf der Station eingesperrt.
Ich habe die Verzweiflung in ihren Augen gesehen.
Ich hätte sie zu mir nehmen sollen. Und dann? Ich hatte damals das Gefühl, zu ersticken. Ich hatte keine Kraft mehr, und konnte mich kaum mehr erholen, selbst wenn ich Ruhe hatte. Ich hätte ihr eine Matratze ins Wohnzimmer gelegt und mich im Schlafzimmer eingesperrt?

Zitat von chiller7:
Und das Beste: Zuvor schreiben, ich hätte eine seltsame Vorstellung von Empathie.
Jedenfalls hast du gerade keine.
 
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authentisch_gelöscht

  • #117
Ich empfinde nicht den Suizid als das Schlimmste, sondern die Verzweiflung, in der jemand steckt, wenn er keinen Ausweg mehr sieht.
 
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Gast

  • #118
Zitat von authentisch:
Bei mir aber nicht, gell? Sonst gibts ja keine Chance zu lernen, sie nicht als Angriff aufzufassen...
Ok :)

Zitat von billig:
Aber wer sind wir denn, darüber zu urteilen, was sie zu ertragen vermochte und wieviel Kraft sie noch hatte? Wir könnten sagen, dass das eine aussichtslose Sache gewesen wäre. Aber ihre Freundin hatte einfach keine Kraft mehr und eine riesige Angst davor, zu handeln und für das Weiterleben ihrer Freundin zu kämpfen.
Wenn jemand "plötzlich" stirbt, sei es durch Unfall, spontanes Versagen (Herzinfarkt o.ä.) oder Suizid, ist es für die Hinterbliebenen ein Schock. Es fehlt die Abschiedsphase. Neben dem Schmerz um den Verlust taucht oft u.a. auch Schuld auf, und Wut ("reflektieren, bis der Arzt kommt"). Hätte ich nur dies gemacht, hätte ich noch das gesagt; wären wir noch länger da geblieben, dann hätte er sich später auf den Weg gemacht. Wie konnte sie nur so was tun, warum hat er nicht besser aufgepasst usw. usf.

Da jetzt die Schuldfrage von außen wieder anzuschieben, finde ich richtig billig.

Zitat von authentisch:
Aber wer sind wir denn, darüber zu urteilen, ob ein Mensch leben will oder nicht?
Oder auch zu beurteilen (im wahrsten Sinne des Wortes), dass es jetzt zu früh ist? Wir sind nicht Gott. Es ist nicht alles machbar, oder lösbar. Sich das einzubilden, ist auch eine Form von Hochmut gegenüber dem Leben.
 
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  • #119
Zitat von authentisch:
Ich hätte sie zu mir nehmen sollen. Und dann? Ich hatte damals das Gefühl, zu ersticken. Ich hatte keine Kraft mehr, und konnte mich kaum mehr erholen, selbst wenn ich Ruhe hatte.
Also hattest du keine Kraft mehr, deine Freundin zu unterstützen und auch nicht den Mut, andere darüber zu informieren. Du sagst aber, deine Freundin hatte diese Kraft nicht mehr. Wobei, wenn sie zuvor noch Wünsche geäußert hatte, noch Lebenswille da war.
Und du meinst, sie wäre nur eingesperrt worden und geholfen hätte ihr das auch nicht. Aber du weißt es nicht.
 
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  • #120
Zitat von Butte:
Mir persönlich geht es so, daß ich bei ziemlich vielen Äußerungen hier im Forum denke: Weiß ich, wieso der/die das so schreibt, wo es abgeschrieben ist, daß es Symptom einer bestimmten nicht durchschauten Situation, ein klarer Fehler ist o.ä.. Wenn ich von eine Suizid höre, denke ich so etwas gerade nicht. Offenbar habe ich da tendenziell mehr Respekt. Stelle mich nicht so einfach drüber, behaupte nicht so einfach, daß er da was Falsches gemacht hat, einem Irrtum aufgesessen ist. Sondern kann es ernster nehmen.
Offenbar ist die Einstellung anderer da genau umgekehrt. Das finde ich interessant.
Ebenso.