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authentisch_gelöscht

  • #136
Ja, Butte, ich finde, es stimmt, was du schreibst. Nur weil es den Leuten nicht in den Kram passt, weil es anders ist und vielleicht auch mutiger als das Eigene, wird manchmal sehr schnell über eigenartig einzigartiges Verhalten (und auch Denken) geurteilt. Ich frage mich manchmal, ob etwas stärker real wird, nur weil es den meisten von uns in der Kindheit so weisgemacht wurde. Es gibt so Vieles, das wir heute nicht wissen und nicht verstehen. Aber es scheint trotzdem so leicht zu sein, andere als krank abzustempeln und sie zur "Behandlung" zu zwingen. Sogar wenn diese Behandlung sie dazu bringt, anderswie aus der Rolle zu fallen. Hauptsache man kann es erklären (lieber Nebenwirkungen in Kauf nehmen als etwas, wovon man die Ursache nicht wirklich versteht...).
 
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Gast

  • #137
Butte, 17:31 Uhr, ich sehe das ähnlich, möchte jedoch zu Bedenken geben, dass die Abweichung von der Norm oder vom gesellschaftlichen Konsens auch gefördert wird.
Darüber hinaus ist eine Anti-Haltung auch nur bedingt etwas Eigenes und basiert eher auf Ursache-Wirkungs-Prinzipien.
Und: Das Zusammenleben ist nunmal auch von Normen geprägt und dies ist unerläßlich. Hausordnung, Straßenverkehrsordnung usw.
Wenn man jedoch nur noch die Wahl hat zwischen iOS und Android (nur der Anschaulichkeit halber) wird es schwierig. Vor allem für Melancholiker, zu denen ich mich zähle.
 
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authentisch_gelöscht

  • #138
Zitat von chiller7:
Butte, 17:31 Uhr, ich sehe das ähnlich, möchte jedoch zu Bedenken geben, dass die Abweichung von der Norm oder vom gesellschaftlichen Konsens auch gefördert wird.
Darüber hinaus ist eine Anti-Haltung auch nur bedingt etwas Eigenes und basiert eher auf Ursache-Wirkungs-Prinzipien.
Und: Das Zusammenleben ist nunmal auch von Normen geprägt und dies ist unerläßlich. Hausordnung, Straßenverkehrsordnung usw.
Wenn man jedoch nur noch die Wahl hat zwischen iOS und Android (nur der Anschaulichkeit halber) wird es schwierig. Vor allem für Melancholiker, zu denen ich mich zähle.
Es ging doch gar nicht um eine Anti-Haltung, sondern um eine eigene, die aus der Norm fällt, oft gar nicht in beabsichtigter Weise. So habe ich es wenigstens verstanden.

Du Armer hast nur die Wahl zwischen iOS (was ist das?) und Android. Ich nehme an, es geht um Handys. Ich habe ein uraltes Nokia. Man könnte auch wählen, gar keins zu haben, aber vielleicht wäre das dann Anti.
 
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  • #139
Zitat von authentisch:
Es ging doch gar nicht um eine Anti-Haltung, sondern um eine eigene, die aus der Norm fällt, oft gar nicht in beabsichtigter Weise. So habe ich es wenigstens verstanden.

Du Armer hast nur die Wahl zwischen iOS (was ist das?) und Android. Ich nehme an, es geht um Handys. Ich habe ein uraltes Nokia. Man könnte auch wählen, gar keins zu haben, aber vielleicht wäre das dann Anti.
iOS ist glaube ich das Betriebssystem von Apple iPhone :)
 
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  • #140
Ach, authentisch, wir beide entstammen zwei verschiedenen Sonnensystemen. Nicht nur hinsichtlich der Verständigung. Da hilft alle Empathie nicht. Such a pity.
 
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  • #141
Individualismus wird unterstützt, ja, man ist offen dafür und stolz darauf. Aber nur, wenn er positiv besetzt ist, z.B. in Form "herausragender Leistung". Dann akzeptiert man auch noch kleine negative Auffälligkeiten, z.B. leichtes autistisches Verhalten, ADHS usw. Wenn derjenige aber nur "Rausfallendes" ohne etwas "Tolles" nebenher aufweisen kann, dann wird es eng. Das fängt schon in der Schule an. Wie oft habe ich bei Elternstammtischen, bei denen auch Lehrer anwesend waren, gehört: der/die ist echt schrecklich. Und hat schlechte Noten. Und das Elternhaus erst..........Aber, wenn jemand sehr gut ist, dann wird gesagt: der/die ist echt Besonders und wie toll er/sie das kann!
 
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  • #142
Manchmal denke ich, das Grundübel liegt einfach begraben in der Vereinzelung des Menschen, die unnatürlich ist. Im Dorf gab es früher immer einen "Dorfdeppen", eine immer angetrunkene Frau, einen Besoffenen, der im Graben liegt, Fremdgänger, einen, der zur Verwunderung Bücher las, einen, der in der Kirche den Drang hatte, die Orgel zu spielen usw. Man wusste Alles von Allen, hat darüber getratscht und hat aber leben lassen. Oder - verklär ich das jetzt?
 
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  • #144
Zitat von Marlene:
Manchmal denke ich, das Grundübel liegt einfach begraben in der Vereinzelung des Menschen, die unnatürlich ist. Im Dorf gab es früher immer einen "Dorfdeppen", eine immer angetrunkene Frau, einen Besoffenen, der im Graben liegt, Fremdgänger, einen, der zur Verwunderung Bücher las, einen, der in der Kirche den Drang hatte, die Orgel zu spielen usw. Man wusste Alles von Allen, hat darüber getratscht und hat aber leben lassen. Oder - verklär ich das jetzt?
Nein - denn in so einem Dorf wohne ich :)
 
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  • #145
Hm, ich finde schon einen Unterschied zwischen Depression und negativen Gedanken / Verstimmungen. Einen sehr großen sogar. Ich mag beispielsweise das Düstere. Dem gebe ich mich auch wieder hin seit ich mich selbst wieder stabil genug dazu fühle. Aber das... andere, was Ärzte auch als krankhaft bezeichnen... ich hoffe, ich muss nie wieder so fühlen. Es ist nicht auszuhalten. Ich kann mir nicht vorstellen, auf Dauer damit leben zu müssen.
Also, ja, es macht subjektiv einen Unterschied, ob ich etwas praktiziere, das andere nicht verstehen können und das nicht nur schön oder positiv besetzt ist oder ob ich psychisch krank bin. Und wegen dem "wahren selbst". In der Zeit, in der ich so krank war, habe ich selbst mich gar nicht mehr gespürt. Die Wirklichkeit war verzerrt. Es war als wäre ich aus meinem Körper rausgeprügelt worden, alles hatte begonnen sich zu verzerren. Angst und Schmerz peinigten mich am Tag und nachts hatte ich Alpträume, von denen ich so oft schreiend aufwachte, dass ich mich gar nicht mehr richtig erholen konnte.
Das war nicht einfach nur "anders".

Ich weiß nicht, ob Außenstehende den Unterschied zwischen andersartig und krankhaft so leicht erfassen können. Von innen ist er sehr gut erfassbar.
 
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  • #146
Zitat von billig:
Hm, ich finde schon einen Unterschied zwischen Depression und negativen Gedanken / Verstimmungen. Einen sehr großen sogar. Ich mag beispielsweise das Düstere. Dem gebe ich mich auch wieder hin seit ich mich selbst wieder stabil genug dazu fühle. Aber das... andere, was Ärzte auch als krankhaft bezeichnen... ich hoffe, ich muss nie wieder so fühlen. Es ist nicht auszuhalten. Ich kann mir nicht vorstellen, auf Dauer damit leben zu müssen.
Also, ja, es macht subjektiv einen Unterschied, ob ich etwas praktiziere, das andere nicht verstehen können und das nicht nur schön oder positiv besetzt ist oder ob ich psychisch krank bin. Und wegen dem "wahren selbst". In der Zeit, in der ich so krank war, habe ich selbst mich gar nicht mehr gespürt. Die Wirklichkeit war verzerrt. Es war als wäre ich aus meinem Körper rausgeprügelt worden, alles hatte begonnen sich zu verzerren. Angst und Schmerz peinigten mich am Tag und nachts hatte ich Alpträume, von denen ich so oft schreiend aufwachte, dass ich mich gar nicht mehr richtig erholen konnte.
Das war nicht einfach nur "anders".

Ich weiß nicht, ob Außenstehende den Unterschied zwischen andersartig und krankhaft so leicht erfassen können. Von innen ist er sehr gut erfassbar.
Ja, es gibt Unterschiede. Und mit der Betonung dessen ist man vermutlich gar nicht so weit weg vom verlinkten Artikel. Eben: Unterschiede machen, schauen, wo etwas wirklich ein Fall fürs Therapeutische ist, aber nicht alles darunter fassen, nicht diesen grenzenlosen Jargon.
Etwa wenn ich hier im Forum schaue. Ständig Therapeutensprech. Als gäbe es keine andere Sprache mehr für ein Gespräch über Persönliches und Seelisches. Ich empfinde das als eine ziemliche Armut und Oberflächlichkeit. Auch das gehört zu den Kosten des Therapiefeldzugs. Es sind die wohlfeilen Sprachangebote, diejenigen, die man heute von klein auf lernt. Und wieso sollte man sich auf die Suche nach anderen begeben, wenn man für den Jargon so belohnt wird?

Krank ist eine Art von "andersartig". Es ist ja nicht alles "Andersartige" gleich gut. Es ist überhaupt nicht alles gleich gut.
Wie würdest du den Unterschied charakterisieren?
 
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  • #147
Dieser Psychologiesprech hier geht mir tierisch auf die Nüsse.
 
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  • #148
Dieses Konglomerat aus Ratgeber-"Literatur", halbgarer Philosophie und savoir vivre.
 
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Gast

  • #149
Zitat von Marlene:
Manchmal denke ich, das Grundübel liegt einfach begraben in der Vereinzelung des Menschen, die unnatürlich ist. Im Dorf gab es früher immer einen "Dorfdeppen", eine immer angetrunkene Frau, einen Besoffenen, der im Graben liegt, Fremdgänger, einen, der zur Verwunderung Bücher las, einen, der in der Kirche den Drang hatte, die Orgel zu spielen usw. Man wusste Alles von Allen, hat darüber getratscht und hat aber leben lassen. Oder - verklär ich das jetzt?
Die gibt es auch in der Stadt und da sind sind nicht so einsam wie auf dem Dorf. Wenn man sich so umsieht, was für eigenartige Gestalten herumwackeln könnte man meinen, sie haben mittlerweile eine solide Mehrheit. Nur individuell sind sie nicht. Sie ähneln sich.
 
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  • #150
Ich habe jetzt mir mal diesen Thread durchreflektiert und zu Gemüte geführt. Der Erkenntnisgewinn hält sich jedoch in Grenzen.
Einerseits wird für Psychologie plädiert, andererseits wird sie als unnütz erachtet. Eine exakte Wissenschaft scheint sie nicht zu sein. Zu viele Schulen, zu viel Interdisziplinäres. Letzteres ist in Forschung und Lehre jedoch oft positiv besetzt. Vielleicht ist mit der Psychologie so wie mit dem erweiteren Kunstbegriff.