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  • #1

Psychische Störungen in der Partnerschaft

Ein Thema, das finde ich viel zu oft totgeschwiegen wird, sind psychische Störungen in der Partnerschaft.

Eine Frau mit der ich eine längere und eigentlich sehr harmonische Beziehung geführt habe, hatte mit einer Angststörung und Depressionen zu kämpfen. Von beidem hatte ich zwar schon mal gehört, kannte aber niemanden, der ähnliches durchlitt. Ich wusste bei ihr nichts davon, was ja irgendwie auch verständlich ist, mit solch privaten Dingen geht man halt nicht zu Beginn hausieren. Dementsprechend unbeholfen war meine Reaktion, als sie erstmals in meiner Gegenwart so eine Panikattacke überkam. Ich meine, was machst du da, wenn der Mensch den du liebst plötzlich in Panik aufgelöst ist, hektisch atmet, sich die Hände vors Gesicht hält und weint? So von jetzt auf gleich? Ich war damals völlig hilflos, nahm sie in den Arm, versuchte zu trösten und verstand die Welt nicht mehr.

Der Moment ging vorbei und später "beichtete" sie mir, dass sie gelegentlich solche Angstanfälle bekäme. Häufig kündigten die sich nicht vorher an, sondern kamen so aus dem Nichts. Dazu kam bei ihr eine, ich will es mal depressive Neigung nennen. Neigung, weil es nie diagnostiziert wurde, von den Symptomen her aber zu dem passte was ich mir daraufhin über Depressionen und Angststörungen anlas. Besonders schlimm wurde es in der dunklen Jahreszeit.

Das perfide an der ganzen Sache war, dass es halt kam und ging, nur um dann von einem Moment auf den nächsten wieder aufzutauchen. Irgendwann hatte ich das Gefühl eine Art Paranoia zu entwickeln: Geht es ihr gut? Was tu ich wenn sie wieder einen Anfall kriegt? Was mach ich, wenn ich sie nicht rechtzeitig geerdet und irgendwie in Sicherheit gebracht kriege, wenn sie sich hineinsteigert und es richtig übel wird? Und, so gemein das auch klingt wenn ich es jetzt schreibe: Es schwebt wie eine Wolke über allem, ganz besonders über den schönen Momenten: Bitte, bitte, lass uns dieses Mal eine schöne Zeit haben, lass uns doch diesen einen Moment zusammen haben und einfach so genießen.

Weil ich mir wirklich Sorgen um sie machte, versuchte ich das Ganze anzusprechen. Also sagte ich, was mir durch den Kopf ging: "Ich mache mir Sorgen um dich und ich seh doch, dass es dir nicht gut geht. Ich glaube, du brauchst Hilfe." Bei ihr schien nur "Du hast ein Problem" anzukommen, oder noch schlimmer: "Du bist das Problem". Sie war sehr verletzt, weil sie sich von mir erwartet hatte, dass ich sie einfach so akzeptiere wie sie war. Und das tat ich eigentlich. Ich konnte damit sein, dass sie Probleme hatte und ich war bereit mit ihr daran zu arbeiten. Aber nur daneben zu stehen und zuzusehen, das konnte ich nicht. Und das wollte ich auch nicht. Es machte mich richtiggehend innerlich wütend, dass diese Krankheiten sie so beutelten und sie nicht dagegen kämpfen wollte. Schwächen akzeptieren hin oder her, aber kann man das wirklich in einer Partnerschaft verlangen? Das meine ich jetzt ganz ehrlich als Frage: Kann man das von jemandem erwarten, dass er neben dem Menschen steht den er liebt und sagt: Ja, lass es dir so schlecht gehen wie du magst und fall in dir zusammen, ich schau da gerne bei zu. Ich konnte das jedenfalls nicht, und ich glaube ich könnte es auch heute nicht.

In Kombination verstärkten sich die beiden Störungen nur noch mehr. Ich hatte das Gefühl nicht mehr zu ihr durchzudringen, als wenn sie mir irgendwie fremd wurde. Da half kein Reden, keine Umarmung und auch kein Ignorieren. Über die Zeit brach unsere Kommunikation zusammen und damit am Ende auch die Beziehung. Kleines Trostpflaster: Heute scheint es ihr besser zu gehen, nachdem sie für sich erkannt hat, was sie da mit sich rumträgt.

Habt ihr Erfahrungen mit psychischen Störungen in euren Partnerschaften gemacht? Was habt ihr gelernt, was würdet ihr heute anders machen als damals? Was genauso?
 

TPT

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  • #2
Für mich klingt es sehr unberechenbar und schwer nachvollziehbar, daß jemand so aus dem Nichts, plötzlich so einen Anfall bekommt. So nach dem Motto, wir haben gerade einen lustigen Film gesehen, das Wetter ist super, alle sind prima gelaunt und auf einmal fängt sie an zu zittern und zu weinen. Ich könnte mit so einem Menschen keine Beziehung führen. Meine Vermutung ist aber eher, daß nichts einfach so aus dem nichts kommt, sondern irgendwelche Dinge aktuell vorgefallen sind? also ich würde denken, wenn wirklich alles in ihrem Leben prima ist und sie dennoch solche Anfälle bekommt, eine ernstzunehmende Krankheit vorliegt?
 
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  • #3
Obersatz : Du kannst niemanden zu seinem Glück zwingen.

Ich vergleiche solche Krankheitsbilder gerne mit denen Abhängiger, Süchtiger : Erst wenn der (Leidens-) Druck so groß wird, daß sie selbst eine Änderung herbeiführen möchten, hast Du eine Chance, mit Theraphievorschlägen auch nur durchzudringen.

Und ähnlich wie bei Abhängigen mußt Du selbst gut auf Dich aufpassen, wie weit Du mitzugehen bereit und - was IMVHO viel wichtiger und letztlich entscheidend ist - in der Lage bist. Und notfalls mußt Du halt die Reißleine ziehen und Dich zurückziehen, um Dich selber zu schützen. Sonst läufst Du Gefahr, daran kaputt zu gehen.

Und damit hilfst Du weder ihr noch Dir.
 
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  • #4
Habt ihr Erfahrungen mit psychischen Störungen in euren Partnerschaften gemacht?
Also Panikattacken sind keine "psychische Störung". Für mich jedenfalls nicht. Hatte ich anfangs meiner 30er ein paar mal. Etwa ein Drittel aller Erwachsenen hat die mindestens einmal im Leben. Insofern irritiert mich das überhaupt nicht.

Ich konnte mich damals selbst von befreien, in dem Moment, wo ich wußte, daß es nichts organisches ist. Ich war beim Kardiologen. Man hat halt Todesangst. Das ist nicht witzig. Ich vermute, ein echter Herzanfall fühlt sich haargenau so an.

Depressive Stimmungen sind ja nun auch nicht gerade selten. Schon gar nicht in dieser scheiß Jahreszeit. Und die Spanne bei den Betroffenen ist riesig. Das kann halt bis zur völligen Unfähigkeit gehen, ein normales Leben führen zu können. Ab wann die Behandlungswürdigkeit einsetzt, kann ich nicht sagen.
Es machte mich richtiggehend innerlich wütend, dass diese Krankheiten sie so beutelten und sie nicht dagegen kämpfen wollte.
Das ist natürlich äußerst egoistischer Unfug. :(
 
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  • #5
Das ist natürlich äußerst egoistischer Unfug. :(

Natürlich ist es das. Ich habe ja nicht behauptet alles richtig gemacht zu haben damals. Ich bin halt auch nur ein Mensch und ich bin damals schier verzweifelt. Ich habe bewusst geschrieben, dass ich innerlich am kochen war, ich bin ihr gegenüber nicht ausfällig geworden oder habe sie bedrängt oder so. Es hat mir einfach innerlich nur weh getan und mich Verzweifeln lassen, dass sie so gar nichts dagegen tun wollte - im Gegensatz zu dir ist sie nicht beim Hausarzt vorstellig geworden oder hat sich sonst irgendwie Hilfe geholt.

Obersatz : Du kannst niemanden zu seinem Glück zwingen.
Das war irgendwann auch meine Erkenntnis, und die ist sehr sehr bitter in der Situation.
 
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  • #6
Naja, wenn jemand ein Problem hat und daran nicht arbeiten will, finde ich es ganz normal, wütend zu werden.
So als ob jemand mit Diabetes weder auf seine Ernährung noch sonst etwas achtet und dann vom Partner erwartet, dass dieser einen dann schön pflegt...

Ohne Übernahme von Eigenverantwortung ist m.E keine Beziehung möglich.

Edit: natürlich ist gegenseitige Unterstützung essentiell, aber es gibt Menschen, die sich nicht mit sich selbst auseinander setzen wollen und vom Gegenüber grenzenloses Verständnis erwarten... Diese Situationen meine ich.
 
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  • #7
Ja klar. Alkoholiker sind auch selbst schuld, daß sie nicht loskommen.

STUSS! o_O
 
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  • #8
Ich liebe dich gesund ist also deine Einstellung @fafner ? :)

Dann viel Erfolg. Man kann ja nur sich selbst treu bleiben.
 
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Deleted member 20013

  • #9
@tigersleep
Meine Vorahnung: eine anständige Diskussion/ Auseinandersetzung/ Unterhaltung zum Thema wirst du hier nicht zustande bekommen...

Viel Glück, dennoch.
 
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Sandbank

  • #10
Natürlich ist es das. Ich habe ja nicht behauptet alles richtig gemacht zu haben damals. Ich bin halt auch nur ein Mensch und ich bin damals schier verzweifelt. Ich habe bewusst geschrieben, dass ich innerlich am kochen war, ich bin ihr gegenüber nicht ausfällig geworden oder habe sie bedrängt oder so. Es hat mir einfach innerlich nur weh getan und mich Verzweifeln lassen, dass sie so gar nichts dagegen tun wollte - im Gegensatz zu dir ist sie nicht beim Hausarzt vorstellig geworden oder hat sich sonst irgendwie Hilfe geholt.
zuerst, tigersleep, möcht ich dir sagen, dass ich deine Gedanken ihr zu helfen, deine Verzweiflung, sie leiden zu sehen ohne helfen zu können, völlig verstehen kann...und ich empfinde für deine Offenheit hier und auch ihr gegenüber große Hochachtung!
Ich glaube, das Problem bei Panik- oder Angst- Attacken ist, dass man sich das Gefühl dabei nicht wirklich vorstellen kann, wenn man sie nicht selbst erlebt hat- es bleibt immer ein Stück graue Theorie. Dafür gibt es, insbesondere um die hyperventilierende Atmung wieder reguliert bekommen, relativ einfache Hilfsmittel wie in eine Tüte atmen. (das klingt albern, ist aber ziemlich wirkungsvoll)
Solche Anfälle kündigen sich kaum länger vorher an, aber wenn sie da sind, geht alles rasant schnell. Und natürlich gibt es dafür Ursachen, die oft nichts mit der eigentlichen Situation zu tun haben außer, dass die Situation möglicherweise eine Stressituation oder sehr emotionale Situation ist. ( fallabhängig)

Es machte mich richtiggehend innerlich wütend, dass diese Krankheiten sie so beutelten und sie nicht dagegen kämpfen wollte. Schwächen akzeptieren hin oder her, aber kann man das wirklich in einer Partnerschaft verlangen?

Der Irrtum an diesem Gedanken ist glaube ich, der/diejenige will nur nicht kämpfen, es sei eine Schwäche. Depressionen/ depressive Episoden machen aber genau das, sie nehmen jegliche Kraft zum Kämpfen. Man KANN nicht (mehr) kämpfen. Und es ist wohl auch oft so, dass gerade die Menschen, die einem am nächsten sind, einem nicht helfen können. Zumindest hat man das Gefühl als Betroffener....weil man sich selbst, den eigenen Körper anfangs oft gar nicht versteht, wiedererkennt und dieses Eingeständnis der eigenen 'Unfähigkeit' auch sich selbst gegenüber zu Scham führt...befeuert dadurch, dass es immer noch und trotz aller Publicity ein Tabuthema ist, dem der Beigeschmack von Unzulänglichkeit des Betroffenen anhaftet. Dieses Gefühlschaos braucht Zeit, um entwirrt werden zu können, und wie auch schon von anderen geschrieben, es ist für den Partner eine unsägliche psychische Belastung, die man nicht unterschätzen und für die man sich, das wäre immer mein Rat, auch als nächster Angehöriger professionelle Unterstützung holen sollte.
Letztendlich, und das bestätigst du ja auch, ist es durchaus möglich, dass sich ein Betroffener sowohl von Panikattacken als auch von depressiven Episoden 'erholt' und im besten Falle nie wieder in seinem Leben davon betroffen sein wird, wenn er die wirklichen "Auslöser" verstanden hat. Das heißt manchmal, das Leben 'neu' lernen zu müssen, hört sich pathetisch an, ist aber genau das.
 
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  • #14
Wenn man bedenkt wie viele Menschen in ihrem Leben mal an einer psychischen Erkrankung leiden, kann man sich leicht ausrechnen, wie viele Beziehungen davon betroffen sind.
In deinem Fall, @tigersleep wäre es sicher wünschenswert gewesen, wenn dich deine damalige Freundin vor ihrer ersten Panikattacke informiert hätte, dass dies bei ihr vorkommen kann. Ich hatte einmal in meinem Leben eine solche Panikattacke als ich in einer für mich extrem schwierigen Lebenssituation war. Ich bin dann auch zum Arzt, weil ich dachte, dass mein Herz stehen bleiben könnte. (Es ist irrational, aber es fühlt sich halt genauso an.)
Viele Menschen mit Depressionen erkennen ihre Krankheit nicht als solche und statistisch gesehen, dauert es im Schnitt sieben Jahre (!) bis sich jemand damit in Behandlung begibt. In der Zeit kannst du als Partner wirklich nicht viel machen und ich kann nachvollziehen, wie zermürbend das sein muss.

Ich glaube nicht, dass es einen "richtigen" Umgang mit einem Partner mit einer psychischen Erkrankung gibt. Und es gibt Forschung dazu, dass bei Partnern von Depressiven mit der Zeit ähnliche Depressionswerte gemessen werden wie beim Erkrankten selber. Es ist also sicher auch eine Wechselwirkung da.

Ich denke, die Frage ist ganz einfach: Wie viel bist du bereit zu ertragen? Wie viel vom Leiden des Anderen kannst und möchtest du mittragen. Ich denke, da ist es enorm wichtig ehrlich zu sich zu sein. Und es kann eine sehr gesunde Haltung sein, an einem bestimmten Punkt zu sagen: Nein, ich möchte diese Beziehung, in der Form wie wir sie leben, nicht mehr aufrecht erhalten.
Man ist kein schlechter Mensch deswegen. Man ist einfach ein Mensch mit Schwächen und Begrenzungen, wie jeder andere auch.
 
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  • #15
... wenn dich deine damalige Freundin vor ihrer ersten Panikattacke informiert hätte, dass dies bei ihr vorkommen kann.
Hast Du Dich schon über Krebs informiert und was es bedeutet, wenn es Dich erwischt? Wer macht denn so was?
Wie viel bist du bereit zu ertragen? Wie viel vom Leiden des Anderen kannst und möchtest du mittragen. Ich denke, da ist es enorm wichtig ehrlich zu sich zu sein. Und es kann eine sehr gesunde Haltung sein, an einem bestimmten Punkt zu sagen: Nein, ich möchte diese Beziehung, in der Form wie wir sie leben, nicht mehr aufrecht erhalten.
Das ist natürlich eine einfache Methode, sich zur Beendigung auch noch ein "reines Gewissen" einzuschenken. Schließlich hat das Gegenüber ja ein Problem und ist irgendwo auch noch selbst schuld ("will sich nicht helfen lassen" etc.)
Vielleicht verursachen solche Depressionen ja auch unempathische Partner... o_O
 
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  • #16
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  • #17
? Der Beitrag von @Sandbank erscheint mir aber doch sehr konstruktiv. Ist der nicht hilfreich?
Mir ging beim Lesen deines Eingangsposts der Gedanke durch den Kopf, dass du vielleicht nicht wissen kannst, ob es jemand anderem besser geht, wenn er die "Hilfe" von dir annehmen soll. Wir machen da bestimmt oft den Fehler, zu glauben dass wir sehr gut wissen, was für unser Gegenüber das Beste ist...
Und ich sehe auch ein ganz grundsätzliches Mann-Frau-Problem: Männer wollen Probleme lösen. Frauen wollen meist verstanden und akzeptiert werden, und sie wollen definitiv kein Problem sein.
 
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  • #18
Hast Du Dich schon über Krebs informiert und was es bedeutet, wenn es Dich erwischt? Wer macht denn so was?
Das ist natürlich eine einfache Methode, sich zur Beendigung auch noch ein "reines Gewissen" einzuschenken. Schließlich hat das Gegenüber ja ein Problem und ist irgendwo auch noch selbst schuld ("will sich nicht helfen lassen" etc.)
Vielleicht verursachen solche Depressionen ja auch unempathische Partner... o_O
Das mit dem Krebs verstehe ich jetzt nicht. Wenn du eine solche Krankheit hättest, was ich natürlich nicht hoffe, dann würdest du doch bestimmt deine Freundin auch darüber informieren.
Ja, wenn man eine Beziehung beendet, kann man immer ein reines Gewissen haben, wenn man das anständig tut. Man ist doch nicht verpflichtet, mit jemandem zusammenzubleiben.
 
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  • #20
Der Beitrag von @Sandbank erscheint mir aber doch sehr konstruktiv. Ist der nicht hilfreich?
Doch, sehr sogar :) Hier läuft nur gerade parallel Störfeuer.

ob es jemand anderem besser geht, wenn er die "Hilfe" von dir annehmen soll.

Klar, die Frage habe ich mir auch x mal gestellt, und war mir ziemlich sicher, dass ich zum Helfen in der Situation allein nicht qualifiziert war - ich hätte mir nur sehr gewünscht, sie hätte sich professionell helfen lassen und wäre gerne bereit gewesen sie, wo ich konnte, dabei zu unterstützen.

Verstehst du, wie ich meine? Es hätte nicht meine Hilfe sein müssen, die sie weiterbringt, was immer ihr geholfen hätte, wäre gut. Ich habe mit ihr - auf ihren Wunsch hin - so ziemlich alles ausprobiert: Mehr Nähe, mehr Distanz, viele, lange Gespräche, bei denen man meinte es hat etwas gebracht, nur damit wenig später das Gesagte wieder vergessen schien. Gar nichts sagen, einfach nur in den Arm nehmen, Sport alleine und zu zweit, Urlaub in die Sonne im Winter. Das alles funktioniert kurzfristig, aber hatte keinen dauerhaften Effekt, weil es nicht so richtig verankerte. Und dann glaube ich, ist das Problem tiefer und es braucht jemanden, der es versteht solche Probleme aufzudecken und Hilfestellung zu geben. Ich wäre gern bereit gewesen zu tun was immer nötig gewesen wäre, um sie auf dem Weg zu begleiten. Aber ich kann und konnte sie nicht dazu zwingen sich irgendwo Hilfe zu holen.
 
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  • #21
Das mag bei einfachen Fällen gehen. Und die anderen? Als hoffnungslos aufgeben?
Ob man los kommt oder nicht hängt vermutlich von vielen verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend (als Grundvoraussetzung) wird aber immer sein, ob man das überhaupt will.
Und ich glaube, dass es für @tigersleep ein ganz wichtiger Aspekt war, dass er bei seiner Freundin die Bereitschaft vermisst hat, sich helfen zu lassen.
 
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  • #23
Klar, die Frage habe ich mir auch x mal gestellt, und war mir ziemlich sicher, dass ich zum Helfen in der Situation allein nicht qualifiziert war - ich hätte mir nur sehr gewünscht, sie hätte sich professionell helfen lassen und wäre gerne bereit gewesen sie, wo ich konnte, dabei zu unterstützen.

Verstehst du, wie ich meine? Es hätte nicht meine Hilfe sein müssen, die sie weiterbringt, was immer ihr geholfen hätte, wäre gut. Ich habe mit ihr - auf ihren Wunsch hin - so ziemlich alles ausprobiert: Mehr Nähe, mehr Distanz, viele, lange Gespräche, bei denen man meinte es hat etwas gebracht, nur damit wenig später das Gesagte wieder vergessen schien. Gar nichts sagen, einfach nur in den Arm nehmen, Sport alleine und zu zweit, Urlaub in die Sonne im Winter. Das alles funktioniert kurzfristig, aber hatte keinen dauerhaften Effekt, weil es nicht so richtig verankerte. Und dann glaube ich, ist das Problem tiefer und es braucht jemanden, der es versteht solche Probleme aufzudecken und Hilfestellung zu geben. Ich wäre gern bereit gewesen zu tun was immer nötig gewesen wäre, um sie auf dem Weg zu begleiten. Aber ich kann und konnte sie nicht dazu zwingen sich irgendwo Hilfe zu holen.
Ja, ich verstehe dich gut. Du hast getan was du konntest und letztlich hat die Situation euch beide überfordert. Sehr schade, aber menschlich.
 
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  • #24
Im Würgegriff von Angststörungen leidet der Betroffene sehr - sein Umfeld aber auch.
Es gibt Hilfe dagegen. Wer denkt, dass er den Schritt nicht gehen kann, der kann seinem Parter vertrauen, dass es nötig ist und daran arbeiten, sich helfen zu lassen. Gerade bei Angststörungen, die ja anfallsweise auftreten, kann man sehr wohl beschließen, sich Hilfe zu holen, wenn der Anfall vorbei ist.
Die Einstellung „Ich würde mir ja helfen lassen, aber ich kann nicht, denn ich bin ja krank“, zementiert die seelische Erkrankung. Der Betroffene fühlt sich von jeder Pflicht, an sich zu arbeiten, befreit. Dem kann man sich als Partner dann nur ergeben - oder beschließen, dass man so eine Partnerschaft nicht möchte.
Meine Meinung.
 
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  • #25
Ja, klar. "Du willst Dich ja nicht ändern" ist vermutlich die häufigste Begründung für eine Trennung. Und so bequem. :eek:
Reflektionsvermögen braucht's dafür nicht. :rolleyes:
 
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  • #26
Bei dem Thema fällt mir umso mehr auf, wie unterschiedlich man Beiträge verstehen kann und was für verschiedene Bilder wir wahrscheinlich im Kopf haben.

@fafner deinen Beitrag zu Alkoholidmus hab ich zumindest ganz anders verstanden und so wie du @tigersleep s Beitrag deutest, so habe ich das gar nicht verstanden (kann man aber).

Mir wäre da ein Gespräch zu diesem heiklen Thema von Angesicht zu Angesicht lieber und halte mich jetzt zurück.



Wir lieben und wir wissen nichts.
(Finde den Titel super, an das dazu gehörige Theaterstück von Moritz Rinke erinnere ich mich nur dunkel)
 
P

Philippa

  • #27
Also Panikattacken sind keine "psychische Störung". Für mich jedenfalls nicht. Hatte ich anfangs meiner 30er ein paar mal. Etwa ein Drittel aller Erwachsenen hat die mindestens einmal im Leben. Insofern irritiert mich das überhaupt nicht.
...
Depressive Stimmungen sind ja nun auch nicht gerade selten. Schon gar nicht in dieser scheiß Jahreszeit.
...
Das ist natürlich äußerst egoistischer Unfug. :(
Du machst da etwas Seltsames in diesem Post, lieber fafner.
Du betonst, dass weder Panikattacken noch depressive Stimmungen eine "psychische Störung" seien und auch gar nicht selten. Das klingt so, als ob du sagen möchtest: Das ist nichts Schlimmes. Du willst es deutlich abgrenzen gegen schlimmere "Störungen".
Wenn aber @tigersleep beschreibt, wie es ihn hilflos und wütend machte, daneben stehen zu müssen, ohne zu wissen, was zu tun, wenn er also von seinen eigenen Gefühlen und Bedürfnissen schreibt, dann nennst du das "egoistischen Unfug".
Für mich klingt das so, als ob du dich - resp. eine Person mit Panikattacken oder depressiven Verstimmungen (obwohl du sagst, es sei nichts Schlimmes und nichts Seltenes und auch nicht unbedingt etwas Behandlungsbedürftiges) - in die Position eines Kindes stellst, dessen Bedürfnisse klar Vorrang haben, während die Emotionen und Bedürfnisse eines Partners als Unsinn und egoistisch gebrandmarkt werden. Der Partner muss also aus deiner Perspektive über allem stehen, darf sich keine Blösse geben, so wie man es von den Eltern erwarten würde, wenn ein kleines Kind sich weh getan hat. Der Partner ist sozusagen ausserhalb, es geht nicht mehr um ihn.
Das empfinde ich überhaupt nicht als eine Partnerschaft auf Augenhöhe, sondern als eine ungleiche Beziehung.
Weshalb "darf" der eine Panikattacken und Depressionen haben (sogar ohne sich darum zu kümmern), der andere darf dagegen keine Emotionen und Bedürfnisse entwickeln?

@tigersleep: Ich denke, damit eine Partnerschaft eine befriedigende Beziehung auf Augenhöhe sein kann, muss jeder die Verantwortung für seine Gesundheit und sein Leben selbst übernehmen. Dass es grosse oder kleine Baustellen geben kann, ist normal. Aber wenn es grössere gibt, dann würde ich von meinem Partner die Bereitschaft erwarten, sich damit aktiv auseinanderzusetzen und - wo nötig - Hilfe zu suchen.
 
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  • #28
Ja, klar. "Du willst Dich ja nicht ändern" ist vermutlich die häufigste Begründung für eine Trennung. Und so bequem. :eek:
Reflektionsvermögen braucht's dafür nicht. :rolleyes:

Ich wüsste tatsächlich nicht, wieso ich in einer frischen Partnerschaft darüber reflektieren soll, warum es an mir liegt, dass sich mein Partner nicht helfen lassen möchte. Es gibt Menschen, in deren Persönlichkeit liegt es, sich helfen zu lassen, wenn sie ein offensichtliches Problem haben. Es gibt psychisch kranke Menschen, die ihrem Partner vertrauen, dass professionelle Hilfe notwendig ist und zum Arzt gehen. Mit beiden käme ich klar und würde mit ihnen zusammen kämpfen.
Dann gibt es die, die alles so lassen möchten, wie es ist und mich mit in den Strudel ihrer Ängste ziehen, aber von sich meinen, dass sie alles im Griff haben. Mein Job ist dann, allzeit ängstlich bereit zu stehen, um bei der nächsten Angstattacke alles stehen und liegen zu lassen, um Beistand zu leisten und mir, wenn alles überstanden ist und ich vorschlage, die Ängste endlich behandeln zu lassen, anhören zu dürfen, dass ich ihn ja nicht verstehen würde, unter Druck setzen würde,...
Nein danke!
 
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Hafensänger

  • #29
Na ja, wenn man den shrink im Bollerwagen als Übersetzer für die Kommunikation "Ich & Welt; Welt & Ich" in Anspruch nimmt, dann sind heftigere Reaktionen bei so einem Thema absehbar.

Es gibt aber Unterschiede in solchen Störungen, Erkrankungen, bezüglich ihren Auswirkungen auf die Partnerschaft und ich denke, das ist die Intention des TE. Das kann harmlos sein. So etwas habe ich mal früh erleben dürfen, ich war mit ihr das erste Mal Spazieren und habe mich nicht schlecht gewundert, als sie unvermittelt dicht um mich herumlief um mich dann zu umarmen, besser, mich kraftvoll umklammerte! Auslöser war ein Hund, der mir nicht mal aufgefallen war. Sie hatte Angst vor Hunden, klappte später aber problemlos, weil sie das Problem an mich "übertrug". Mit Hunden kann ich gut umgehen und sie vertraute mir völlig. Sie war nicht nur entspannt, sondern erlebte auch, wie ich mit Hunden umging. Das, sprich Hunde, hat ihr dann, trotz ihres andauernden Problems, sogar gefallen. Der Masterplan sah sogar vor, nach dem Ende des Arbeitslebens einen Hund zu halten. Nicht meine Idee, ich hatte schon genug Hund in meinem Leben.

Anders sieht es aus, wenn es auf die Partnerschaft durchschlägt und trotz bester Absichten nicht lösbar, schlimmer noch, nicht mal ansprechbar ist.

Auch wenn es schwer zu erkennen ist, aber wenn ich es gewahr würde oder Sie einen shrink im Gepäck hat, dann kann sie bei mir schon von weitem die Alarmglocken schrillen hören! Ich bin inzwischen egoistisch genug zu sagen, wir sind mit Ü50 alt genug die Psychobude halbwegs sauber bekommen zu haben und zu halten. Das spielte zweimal eine Rolle, einmal Partnerschaft belastend, einmal Partnerschaft verunmöglichend. Und wenn man sich die langen Zeiträume vergegenwärtigt, die zur Lösung solcher Probleme erforderlich sind - so es denn überhaupt zu einer Lösung kommt, denn das ist alles andere als gewiss - achte ich bei einer bei mir möglicherweise anstehenden Beziehungsanbahnung schon darauf und bin nicht mehr bereit mich solchen, die Partnerschaft belastenden Erscheinungen noch einmal auszusetzen! In beiden Fällen kam es übrigens zu keiner Lösung!
 
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  • #30
Das mag bei einfachen Fällen gehen. Und die anderen? Als hoffnungslos aufgeben?
So hart das klingt (und ist ! ) : Genau das !

Und zwar in der Hoffnung, daß die/der Erkrankte - auf sich allein ( ! ) gestellt - schließlich womöglich doch erkennt, wie es um ihn steht und das selbst ändern will.

Das ist erfahrungsgemäß leider tatsächlich erst dann möglich, wenn es ihr/ihm so richtig dreckig geht, sie/er so richtig am Boden liegt, sprichwörtlich "am Ende" ist und es eigentlich nicht mehr schlimmer kommen kann.

Warum soll die/der Betroffene etwas ändern, solange sein Umfeld sich nicht ändert und sie/ihn weiter "betreut" ?!?

Letztlich dürfte es für die "Betreuer" wenigstens so schwer sein, die/den Erkrankten "aufzugeben" wie für den Erkrankten, sich aufzuraffen, sein Leben zu ändern.

Ich behaupte : es ist sogar schwerer. :(
 
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