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  • #1

Partnerschaft eine Chance zur Weiterentwicklung als Paar?

Wann ist das so ?
Warum ist das so?
Warum ist es in manchen Partnerschaften überhaupt nicht so?
Was können zwei dafür tun, dass es zur Weiterentwicklung kommt?
Ein spannendes Thema, dass mich aktuell beschäftigt und ja auch damit zu tun hat, klappt es oder klappt es nicht.
Ist es ein Beziehungsversuch, oder wird mehr draus?
Vermutlich sind es ganz konkrete Aspekte, die eine Rolle spielen.
Ist Partnerschaft eine Chance zur persönlichen Weiterentwicklung und auch als Paar?
Vielleicht habt ihr eine konkrete Erfahrung gemacht?
 
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  • #2
Wenn beide glauben, dass es Sinn macht und es wollen. Wenn sie genauso sehr an sich selbst wie an der Partnerschaft festhalten.
Der Aufbau und die Pflege einer Partnerschaft im alltäglichen Leben schafft so viele Herausforderungen, dass nur der sie bewältigt, der sich ständig weiter entwickelt.
 
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  • #3
Weiterentwickeln kann man sich sowohl als Single als auch als Duo. Beides bietet die Chance.
Mit einem Partner an der Seite besteht die Gefahr des Stillstands, wenn man den Zustand des Glücks konservieren möchte. Nichts darf das holde Glück mehr stören und dann findet eine Abkapselung statt. Es werde soziale Kontakte vernachlässigt und man möchte nur noch mit dieser Person verschmelzen. Ich habe das einmal erlebt und fand es im Nachhinein sehr schädlich. Das Nest als Ort des Glücks strebe ich daher nicht mehr an. Ich möchte mit der Frau, die ich liebe ins Leben sinken, aktiv sein, Neuland betreten und daran wachsen. Wer nur um sich selbst kreist, wächst m. E. nicht. Oder besser: Die Peripherie definiert die Mitte des Kreises.
 
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  • #4
Der Aufbau und die Pflege einer Partnerschaft im alltäglichen Leben schafft so viele Herausforderungen, dass nur der sie bewältigt, der sich ständig weiter entwickelt.
Deshalb habe ich so ein besonderes Faible für das lateinische Wort coniugum = Ehe, Liebschaft. Wörtlich ein «Zusammengejochtes» (iugum = das Joch). Das Paar mag aus dem Tritt geraten, auch mal stehen bleiben, den gemeinsam gezogenen Karren für arg schwer halten -- aber es ist der gemeinsame Karren.
 
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  • #5
Auch hier gilt wohl: Alles ist möglich. Das ist wohl aber auch stark von den einzelnen Persönlichkeiten abhängig. Wenn jeman ohnehin neugierig, wissbegierig, aktiv, dynamisch und vielseitig interessiert ist, dann bringt er diese Eigenschaften in die Partnerschaft mit ein. Unterwirft er sich, was jedoch bei einer solchen Person relativ unwahrscheinlich ist, einem Partner, der relativ wenig Interessen hat und sehr gemütlich und phlegmatisch ist, dann könnte die agile Person in ihrer Entwicklung stark behindert werden und die eigenen Interessen stark zurückstellen.

Aber auch das Gegenteil kann der Fall sein. Wenn ein Mensch, der im Grunde genommen sehr wiss- und lernbegierig ist, jedoch im bisherigen Single-Leben nicht die Zeit/Lust etc. hatte, um sich diesbezüglich weiterzuentwickeln und diese Person gerät an jemanden mit gutem Allgemeinwissen, Lebenserfahrung und möglicherweise intellektuellem Niveau, kann das auch dazu führen, dass dieser Mensch von dem Erfahrenern inspiriert und neugierig gemacht wird, auf etwas Neues, Unbekanntes
 
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  • #6
@ Pit Bret: Deine lateinische Erläuterung sagt mir zu und auch die anderen Antworten finde ich konstruktiv. Danke
 
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  • #7
Ich sah vor kurzem mal in Facebook eine satirisch gemeinte fake-Meldung: "48jähriger hat seine Persönlichkeitsentwicklung abgeschlossen". Der Artikel schilderte dann im Detail, wie Herr Soundso, nach jahrelangen Bemühungen, nun mit 48, feststellt, dass er seine Persönlichkeit nicht mehr weiter entwickeln kann. Mit Yoga, Therapie, Beziehungsgesprächen usw. hat er alle Aspekte seiner Person so weit entwickelt wie nur möglich. Jetzt stellt er fest, dass er das Maximum erreicht hatte. Usw. :D (das ganze war in Norwegisch darum kann ich es nicht verlinken).
Ich fand das sehr erleichternd. In unserer Gesellschaft herrscht dieser populärpsychologische Glaube, dass wir uns immer noch weiter entwickeln müssen - immer noch bessere Menschen werden. Statt uns anzunehmen, wie wir sind, vom Leben zu lernen, und es einfach auch zu geniessen.
 
A

authentisch_gelöscht

  • #8
Spätestens wenn wir das Leben nicht mehr geniessen können, wäre es vielleicht an der Zeit, sich weiterzuentwickeln... Und was ist Weiterentwicklung anderes, als vom Leben zu lernen?
 
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  • #10
Ja, das mit dem Entwickeln kann einem schon auf die Nerven gehen. Und der Witz mit der abgeschlossenen Persönlichkeitsentwicklung ist schon ganz gut, funktioniert aber gerade dann, wenn man Entwicklung so als Entfaltung und Auswickeln eines inneren Kerns versteht, der zunächst nur eingewickelt ist. Die kann dann irgendwann an ihr Ende kommen. DAs ist vielleicht ein Problem dieser Entwicklungsmetaphorik. Da gehts immer so um das Innere, den Charakter usw.

Ich würde eher von Reagieren auf Umwelt, veränderte Situationen, Performance usw. sprechen. Und hierfür hängt, ob man da was Weitertreiben sollte, davon ab, wie man lebt. Hat man sich das Leben so eingerichtet, daß keine größeren Veränderungen mehr zu erwarten sind, muß man auch weniger Reaktionsbereitschaft trainieren. Man läuft einfach weiter in den gewohnten Bahnen. Und "genießt" das.
Kann natürlich trotzdem sein, daß eine Veränderung eintritt. Und vielleicht ist man dann nicht in der Lage, gut drauf zu reagieren, weil man zu wenig trainiert hat. Dann erlebt man zumindest mal was Einschneidendes und Forderndes. Kann man dann natürlich scheitern. Aber das ist ja auch eine Erfahrung.

Zitat von SchöneHelena:
IIn unserer Gesellschaft herrscht dieser populärpsychologische Glaube, dass wir uns immer noch weiter entwickeln müssen - immer noch bessere Menschen werden. Statt uns anzunehmen, wie wir sind, vom Leben zu lernen, und es einfach auch zu geniessen.
Stimmt schon. Aber genauso stimmte auch: In unserer Gesellschaft herrscht dieser populärpsychologische Glaube, dass wir immer noch mehr und besser genießen sollten.
Ich würde sogar behaupten, daß im Ranking der Forumsgemeinplätze das Genießen sogar noch einen Platz vor dem Entwickeln steht.

Weiterhin eignet sich das Fertigsein natürlich prima für die übliche Urteilsungerechtigkeit: Man selbst behauptet, einfach so zu sein wie man ist und der andere müsse einen so annehmen. Der andere dagegen habe sich in seinem Verhalten zu ändern. Und wenn er es nicht tut, dann paßt man halt nicht zusammen. Sich gemeinsam zu entwickeln oder eben eher: weiterzuformen, ist nicht so auf dem Schirm, denn jeder ist ja wie er ist und ist so authentisch. Und wenn der eine nicht paßt, kommt der nächste. Katalogmentalität eben. Bei anderen zu beklagen. Bei sich selbst gutzuheißen.
 
G

Gast

  • #11
Liebe Mrs. Right,

Zitat von Mrs.Right:
Meiner Meinung nach in jeder Beziehung/Partnerschaft.

Zitat von Mrs.Right:
Weil sich jeder in einer Partnerschaft auf die eine oder andere Weise weiterentwickelt und sie sich als Paar auf ihrem Entwicklungsweg ergänzen und miteinander harmonieren, wissen was sie wollen und gemeinsam als Paar miteinander reichen wollen.

Zitat von Mrs.Right:
Warum ist es in manchen Partnerschaften überhaupt nicht so?
In jeder Beziehung gibt es Entwicklungen, sei es im positiven oder im negativen Sinn. Wenn sich nur einer der beiden positiv weiterentwickelt und der andere sozusagen am selben Fleck stehen bleibt, oder sich gar negativ entwickelt, kann das zu großen Spannungen führen. Findet das Paar einen Weg, dass sie diese Spannungen oder Konflikte gemeinsam lösen können, ist wieder alles in Ordnung, wenn nicht, dann wird die Beziehung früher oder später scheitern und in die Brüche gehen. Es reicht in einer Beziehung halt nicht immer aus, dass sich nur einer um eine Weiterentwicklung bemüht, der andere muss auch seinen Beitrag leisten, wenn er/sie denn auch möchte.

Zitat von Mrs.Right:
Was können zwei dafür tun, dass es zur Weiterentwicklung kommt?
Indem sie miteinander reden und einander zuhören und jeder mitteilen kann, was er sich für sich selbst und auch für die Partnerschaft wünscht. Einen gemeinsamen Nenner finden und auch Kompromisse schließen können. Toleranz und gegenseitiger Respekt sind auch sehr wichtig.

Zitat von Mrs.Right:
Ist es ein Beziehungsversuch, oder wird mehr draus?
Jede (auf langfristige Sicht) eingegangene Beziehung startet in einem Versuch. Das Miteinander und die Zeit zeigen dann, ob es auf Dauer funktioniert oder nicht.

Zitat von Mrs.Right:
Vermutlich sind es ganz konkrete Aspekte, die eine Rolle spielen.
Ja.

Zitat von Mrs.Right:
Ist Partnerschaft eine Chance zur persönlichen Weiterentwicklung und auch als Paar?
Ja und dabei ist es meiner Meinung nach egal, ob sie auf Dauer beständig ist oder ob man sich endgültig getrennt hat. In beiden Fällen nimmt man etwas mit, was für einen in der nächsten Partnerschaft wichtig sein kann.

LG
t&l
 
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  • #12
Zitat von Heike:
Weiterhin eignet sich das Fertigsein natürlich prima für die übliche Urteilsungerechtigkeit: Man selbst behauptet, einfach so zu sein wie man ist und der andere müsse einen so annehmen. Der andere dagegen habe sich in seinem Verhalten zu ändern. Und wenn er es nicht tut, dann paßt man halt nicht zusammen. Sich gemeinsam zu entwickeln oder eben eher: weiterzuformen, ist nicht so auf dem Schirm, denn jeder ist ja wie er ist und ist so authentisch. Und wenn der eine nicht paßt, kommt der nächste. Katalogmentalität eben. Bei anderen zu beklagen. Bei sich selbst gutzuheißen.
sehr treffend!
 
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  • #13
Zitat von Heike:
Stimmt schon. Aber genauso stimmte auch: In unserer Gesellschaft herrscht dieser populärpsychologische Glaube, dass wir immer noch mehr und besser genießen sollten.
Ich würde sogar behaupten, daß im Ranking der Forumsgemeinplätze das Genießen sogar noch einen Platz vor dem Entwickeln steht.

Weiterhin eignet sich das Fertigsein natürlich prima für die übliche Urteilsungerechtigkeit: Man selbst behauptet, einfach so zu sein wie man ist und der andere müsse einen so annehmen. Der andere dagegen habe sich in seinem Verhalten zu ändern. Und wenn er es nicht tut, dann paßt man halt nicht zusammen. Sich gemeinsam zu entwickeln oder eben eher: weiterzuformen, ist nicht so auf dem Schirm, denn jeder ist ja wie er ist und ist so authentisch. Und wenn der eine nicht paßt, kommt der nächste. Katalogmentalität eben. Bei anderen zu beklagen. Bei sich selbst gutzuheißen.
O.k., aber wo hört das Weiterformen auf und fängt das "sich für den anderen verbiegen" an?

Ist das wieder die berühmte Gratwanderung?
 
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  • #14
Zitat von IMHO:
O.k., aber wo hört das Weiterformen auf und fängt das "sich für den anderen verbiegen" an?

Ist das wieder die berühmte Gratwanderung?
Bestimmt. Und ist individuell auch sehr verschieden.
Ich denke, einen Unterschied macht es schon, ob man es so sieht, daß der andere sich für einen und man sich für den anderen ändern muß, oder ob man es eher so auffaßt, daß man zu zweit in einer anderen Situation ist als alleine und dabei auch mit neuen Anforderungen konfrontiert ist.
Wenn man beispielsweise zusammenzieht, ist das mit Anforderungen verbunden, die man allein nicht hätte. Weil man eben nicht allein zu zweit wohnen kann. Insofern geht es dann nicht darum, ob man sich in der neuen Situation gleich bleibt oder ändert, sondern darum, wieweit man die neue Situation als eine neue anerkennt, mit neuen Aufgabenstellungen, für die eben auch neue Verhaltensweisen nötig sind.

Sich verbiegen können heißt ja Flexibilität. Das find ich noch nicht so problematisch. Aufpassen muß man eher, wenn man sich so verbiegt, daß man bricht oder so. Und das hängt eben von der eigenen Persönlichkeit ab, wie flexibel man ist. Und auch wie weit man Lust auf neue Situationen hat usw.
 
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  • #15
Zitat von IMHO:
O.k., aber wo hört das Weiterformen auf und fängt das "sich für den anderen verbiegen" an?

Ist das wieder die berühmte Gratwanderung?
Da bietet der Fachmann "Die vier Aspekte der Balance/der Differenzierung" an

Zitat:
Differenzierung entsteht durch ein inneres Gleichgewicht der zwei fundamentalen menschlichen
Antriebskräfte: Bindung und Autonomie. Sie gibt Ihnen ein stabiles Selbstbewusstsein
in direkter körperlicher und/oder emotionaler Nähe zu Menschen, die wichtig für Sie
sind und die Sie drängen, sich Ihnen anzupassen. Ein differenzierter Mensch kann
diese Spannung aushalten und in Kontakt bleiben.
Für Schnarch wird dieser Differenzierungsprozess durch vier Aspekte charakterisiert:

1. Stabiles, flexibles Selbst
Ihr Handeln wird durch Ihre ureigenen Werte, Prinzipien und Ziele – Ihrer Integrität -
bestimmt. Sie stehen zu sich und sind offen für Ihr Gegenüber. Auch dann, wenn die
Menschen um Sie herum und Situationen, in denen Sie sich befinden an Ihrer
emotionalen Ausgeglichenheit zerren. Ein stabiles, erwachsenes Selbst entsteht durch
die Abwesenheit der Bestätigung durch andere (wenn Sie z. B. etwas tun, was Ihr
Partner überhaupt nicht gut heißt). Das weit verbreitete Gegenteil davon ist das
gespiegelte Selbstbild, die Abhängigkeit von der Anerkennung und Bestätigung durch
Andere.

2. Stiller Geist, ruhiges Herz
Sie können Ihre eigenen Ängste und unangenehmen Gefühle fühlen, annehmen und
besänftigen. Sie übernehmen die Verantwortung für das Wohlbefinden des eigenen
Herzens. Diese emotionale Unabhängigkeit sorgt in der Beziehung für Stabilität und
Flexibilität.

3. Angemessenes Reagieren
Regulierte, angemessene Reaktionen auf schwierige Situationen und Menschen. Kein
Überreagieren auf die Überreaktionen anderer Menschen (insbesondere nahen
Beziehungspersonen). Sie sprechen Themen auch dann an, wenn Sie ihnen lieber
ausweichen würden.

4. Sinnvolle Beharrlichkeit
„Dranbleiben“, auch im Angesicht von Frustration, Versagen und Enttäuschung. Das
Aushalten unangenehmer Gefühle um des persönlichen Wachstums Willen. Das
Abfedern von Schwierigkeiten und die Fähigkeit, nach einer Niederlage wieder
aufzustehen. Menschliche Widerstandsfähigkeit.

Zitatende