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  • #256
AW: Nps

Zitat von Minze:
Nun, eine Fernbeziehung lebt man wohl nur, wenn die Gefühle groß genug sind, um der "großen" Entfernung umgehen zu können. Von daher möglicherweise die überhöhte Ausdrucksweise. Eine Fernbeziehung fordert größere Taten bezüglich der räuml. Entfernung, die es zu managen gilt, ja, dem ist wohl so.
Ich frage mich, ob in diesem Fall nicht manchmal auch eine 'Überstilisierung' der Gefühle stattfindet. Gerade, wenn die Fernbeziehung am Anfang steht.
Bei anderen Paaren entsteht die räumliche Trennung ja auch erst im Lauf der Beziehung, meist aufgrund der 'Mobilitätsanforderungen' der modernen Leistungsgesellschaft.

Zitat von Minze:
Ich mag die Kleinigeiten des Lebens. Ich kenne es, sich so gut zu kennen und zu verstehen, dass man die Aussagen des anderen vervollständigen könnte, weil man seine Art zu denken und zu fühlen kennt und liebt. Solch tiefes Verständnis kann sich m.E. nur durch gemeinsame Alltagsgestaltung entwickeln.
Geht mir ähnlich. Und ich frag mich immer wieder, inweit das Kennenlernen über's Internet mit dieser Sehnsucht kompatibel ist. Mir kommt das immer wie so eine Art 'Speed Dating' vor.
 
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  • #257
AW: Nps

Zitat von Benutzerin:
Geht mir ähnlich. Und ich frag mich immer wieder, inweit das Kennenlernen über's Internet mit dieser Sehnsucht kompatibel ist.
Das kommt wohl ganz wesentlich darauf an, wie man "das Kennenlernen über's Internet" gestaltet, wann man die "virtuelle Welt" verlässt und wie schnell man sich gemeinsam eben Alltagssituationen, insbesondere auch solchen mit Konfliktpotenzial, aussetzt.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
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Minze

  • #258
AW: Nps

Zitat von Benutzerin:
Ich frage mich, ob in diesem Fall nicht manchmal auch eine 'Überstilisierung' der Gefühle stattfindet. Gerade, wenn die Fernbeziehung am Anfang steht.
Bei anderen Paaren entsteht die räumliche Trennung ja auch erst im Lauf der Beziehung, meist aufgrund der 'Mobilitätsanforderungen' der modernen Leistungsgesellschaft.
Den Eindruck habe ich auch, vonwegen "Überstilisierung der Gefühle". Doch wie Heike an anderer Stelle erwähnte, es finden sich meist die zueinander passenden. Wenn beide eine solche Überstilisierung der Gefühle mögen, dann passt es ja wieder.
 
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  • #259
AW: Nps

Ich möchte mal wieder auf das Thema NPS zurück kommen.

Es wird tatsächlich ein bisschen leichtfertig mit der Begrifflichkeit umgegangen. Narzisstische Züge hat jeder von uns und sollte sie auch haben. Bis zu einem bestimmten Grad sind diese ganz normal und wichtig für jeden von uns. Wer sich nicht selbst liebt, hat ein Problem.

Für mich ist dieses Thema besonders heikel, weil ich ein sog. narzisstisch missbrauchtes Kind bin. Ich durfte meine Mutter ertragen. Es geschehen lassen zu haben, ist ein Vorwurf, den ich mir nicht gefallen lasse. Ich hatte keine Chance. Um mich herum merkten alle, wie sie mich manipulierte, unter Druck setzte, emotional erpresste und mir Schuldgefühle einpflanzte, an denen ich viel therapieren lassen musste, um damit umgehen zu können.
Sie selber hat bis heute keinen Leidensdruck. Dass sich alle nach einer gewissen Zeit von ihr abwenden, wundert sie nicht, denn sie hat für alles ihre Erklärung, die natürlich sie von jeglicher Verantwortung entbindet. Dass auch ich mich abgewendet hat, begründet sie damit, dass sie nie streng genug mit mir gewesen sei und ich schon immer ein undankbarer Mensch gewesen sei. Ich könnte Bücher füllen mit Erlebnissen, die jedes für sich schon schlimm genug gewesen sind. Wie oft habe ich als Kind weinend an ihrem Bett gesessen und sie angefleht, sie möge bitte nicht sterben. Ich würde den vergessenen Müll auch sofort zur Mülltonne bringen. Ich würde auch alles tun, damit sie nicht stirbt. Danach erfolgte meist eine Spontanheilung und ich müsset Buße tun.
Erst in den 30ern schaffte ich es, mich von ihr loszusagen.

Als Fazit stelle ich fest, dass es viele Menschen mit narzisstischen Zügen gibt, die mitunter vielleicht auch ein bisschen zu stark ausgeprägt sind. Aber man sollte verdammt vorsichtig sein, von einer echten NPS zu sprechen. Wirklich in einer Ausprägung, dass es eine ausgeprägte NPS ist, ist es mir nie wieder wissentlich begegnet.
Es fällt aber auch verdammt schwer, das zu realisieren. Meine Mutter konnte sich ausgesprochen liebenswert zeigen, wenn sie etwas erreichen wollte oder vor anderen (um mich Lügen zu strafen, wenn ich als Kind bei anderen Menschen Hilfe suchte). Das ist so perfide, dass man erst lange Zeit an sich selbst zweifelt, bis man realisiert, dass man es nicht selber ist.
 
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  • #260
AW: Nps

Hallo Kristin,
ja, das ist schlimm. Als Kind hat man keine Chance. Das ist eine andere Situation als beim Aufeinandertreffen zweier Erwachsener. Mutter und Kind finden sich nicht erst, und die Abhängigkeit des Kindes von der Mutter besteht jenseits aller Persönlichkeitsmerkmale.

Zitat von Kristin:
Um mich herum merkten alle, wie sie mich manipulierte, unter Druck setzte, emotional erpresste und mir Schuldgefühle einpflanzte, an denen ich viel therapieren lassen musste, um damit umgehen zu können.
...
Sie selber hat bis heute keinen Leidensdruck. Meine Mutter konnte sich ausgesprochen liebenswert zeigen, wenn sie etwas erreichen wollte oder vor anderen (um mich Lügen zu strafen, wenn ich als Kind bei anderen Menschen Hilfe suchte). Das ist so perfide, dass man erst lange Zeit an sich selbst zweifelt, bis man realisiert, dass man es nicht selber ist.
Die Menschen, die das Vorgehen durchschaut haben, haben keinen Einfluß genommen? Das ist dann zusätzlich schreckliche Erfahrung: daß einem Dritte nicht helfen, obwohl sie doch merken, was vorgeht.
 
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Minze

  • #261
AW: Nps

Zitat von Kristin:
Für mich ist dieses Thema besonders heikel, weil ich ein sog. narzisstisch missbrauchtes Kind bin. Ich durfte meine Mutter ertragen. Es geschehen lassen zu haben, ist ein Vorwurf, den ich mir nicht gefallen lasse. Ich hatte keine Chance.
Meine Gedanken galten der Interaktion zwischen zwei *erwachsenen Menschen*! Ganz klar! Und sie waren auch da überhaupt gar nicht als Vorwurf gedacht, sondern als *mögliche* Anregung zur Selbstreflektion, die ja wichtig ist, um aus Fehlern zu lernen.

Ich hatte nicht auf *deine schlimmen Kindheitserfahrungen* geantwortet, wusste ja noch nicht davon, weshalb meine Gedanken nicht an dich gerichtet waren und hätte ich davon gewusst, hätte ich gewiss betont, dass sich meine Gedanken auf erwachsene Persönlichkeiten beziehen.
 
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  • #262
AW: Nps

Nein, nein mach dir jetzt bitte keine Gedanken.
Ich fühlte mich von dir nicht angesprochen. Mir war doch klar, dass du andere Zusammenhänge meintest.
Ich stimme dir zum Teil sogar zu. Gebe aber zu bedenken, dass mein Vater selbst und ihre Geschwister auch nicht in der Lage war, sich gegen sie zu wehren. Mein Vater brauchte ebenfalls Jahre bis er vor ihr fliehen konnte. Zeit seines Lebens hat er nicht verstanden, was mit ihr los war.
Vor ein paar Jahren sagte meine Tante zu mir, dass sie alle genau gemerkt hätten, wie ich unter ihr leide. Auf meine Frage, warum mir nie einer geholfen hätte, antwortete sie: "Wir hatten Angst vor ihr. Wir haben uns nicht getraut."
Ich weiß nicht, ob du verstehen kannst, dass ich diese Entschuldigung nicht annehmen konnte.
Das waren Erwachsene und sie waren nicht allein. Dennoch haben sie aus Feigheit geschehen lassen, was mit einem einzelnen Kind machte, und Unwissenheit war das nicht.

Deine Kritik ist durchaus berechtigt, aber es ist noch diffiziler. Wer in dieser Falle drinsteckt, ist wie im Netz der Spinne.
 
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  • #263
AW: Nps

Zitat von Kristin:
Gebe aber zu bedenken, dass mein Vater selbst und ihre Geschwister auch nicht in der Lage war, sich gegen sie zu wehren. Mein Vater brauchte ebenfalls Jahre bis er vor ihr fliehen konnte. Zeit seines Lebens hat er nicht verstanden, was mit ihr los war.
Dann war Ihr Vater in einer ähnlichen Situation wie einige der Foristen hier?
 
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  • #264
AW: Nps

Sorry, ich habe unsauber formuliert. Natürlich war mir klar, dass ihr von Erwachsenen geredet habt. Dass ich mir den Vorwurf nicht gefallen lassen würde, war nicht redlich ausgedrückt.

Jedoch gibt es jede Menge Erwachsener, die einem Narzissten in die Finger geraten sind und auch nicht wirklich eine Chance haben. Wenn die erst mal so richtig tief verstrickt sind, laufen Mechanismen, denen auch Erwachsene sich nicht so ohne weiteres entziehen können. Bis denen klar wird, was passiert und bis sie dann merken, dass sie es nicht selber sind, sitzen die schon tief in der Falle. Mein Vater hat Jahre gebraucht. Heute weiß ich, dass er als kaputter Mensch gegangen ist und bis zu seinem Lebensende Probleme hatte.
Der war so fertig, dass er sogar mich ihr überlassen hat. Nun muss man bedenken, dass er Anfang der 1970er keine Chance hatte, mich zu sich zu nehmen. Versucht hat er es, aber er musste aufgeben... und ihr glaubt gar nicht, wie überzeugend meine Mutter sein konnte.
 
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  • #265
AW: Nps

Genau, eben weil ich weiß, wie mein Vater reagiert hat und der Rest der Familie, kann ich nicht einfach sagen, dass die Forsten hier erwachsen wären und sie es nicht hätten zulassen müssen.

Es ist alles viel, viel schwieriger als sich das jemand denken kann, der nie mit einem echten Narzissten zu tun hatte.
Ich glaube nicht, dass es mir passieren würde, aber wenn jemand ahnungslos ist, wird der es lange nicht realisieren.
Auf der anderen Seite sind auch viele ein bisschen schnell mit der Diagnose NPS. Das sind nicht einfach nur schwierige Egomanen.
 
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  • #266
AW: Nps

Ob und inwieweit und zu welchem Zeitpunkt ein Erwachsener eine Chance hat, sich selbst zu befreien oder auch einem schutzbedürftigem Kind zu helfen, ist eine Sache.
Eine andere ist es, welche Persönlichkeitsmerkmale Menschen schon mitbringen, so daß sie eher Gefahr laufen, in solche Verstrickungen hineinzugeraten. Ein Erwachsener fängt ja nicht einfach bei Null an, sondern er hat bereits eine Menge von Verstrickungen hinter sich, die es ihm erleichtern oder auch erschweren, sich in einer neuen Verstrickung auf irgendeine Weise gut zu behaupten.
Und Kristin, du hast ja gerade selber geschrieben, daß du deiner Tante ihren Entschuldigungsversuch, dir nicht beigestanden zu haben, abnimmst. Insofern nimmst du ja in einem bestimmten Sinne schon an, daß sie sich anders hätte verhalten können, also "eine Chance" hatte.
 
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  • #267
AW: Nps

Korrigiere: ... NICHT abnimmst.
 
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  • #268
AW: Nps

Stimmt Heike, wobei ich aber meiner Tante (und meinen anderen Tanten und Onkels) eben nicht zugestehen, so betroffen gewesen zu sein. Sie waren nicht so emotional verstrickt wie mein Vater. Sie waren keine Opfer sondern nur betroffene Zuschauer.

Es stimmt zwar, dass Erwachsene das früher durchschauen können und ihre Grenzen ziehen können. Aber es ist einfach eine andere Sache, ob man einem Narzissten einfach nur begegnen oder ob man sich in einem verliebt und nicht versteht, warum es nicht läuft. Die Nähe ist der Unterschied.
 
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  • #269
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Ja, und in wen man sich verliebt und wen man liebt, hängt meist schon von den Persönlichkeiten der Beteiligten ab. Das ist mein Punkt.
 
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Minze

  • #270
AW: Nps

Zitat von Heike:
Und Kristin, du hast ja gerade selber geschrieben, daß du deiner Tante ihren Entschuldigungsversuch, dir nicht beigestanden zu haben, abnimmst. Insofern nimmst du ja in einem bestimmten Sinne schon an, daß sie sich anders hätte verhalten können, also "eine Chance" hatte.
Ich selbst achte darauf, was ich aktiv veranlasse und geschehen lasse, sehe mich als handlungsfähige Person, die agieren und reagieren darf, muss und kann. Achte sehr auf den Erhalt meiner Handlungsfähigkeit, die ich in Interaktionen mit anderen brauche, die ich beim Vertreten meiner Haltungen / Standpunkte und in Auseinandersetzungen damit benötige.

Ich merke manchmal auch erst in einer gewissen Situationen selbst, dass ich etwas geschehen lasse hinter dem ich nicht stehen kann, das ich so nicht möchte und reagiere dann entsprechend. Auch reflektierend bleibt noch Handlungsspielraum.

Erwachsene, die Angst haben, sich gegen Unrecht, auch gegen Unrecht durch Persönlichkeitsstörungen zu stellen, die beugen sich dem schlimmen Unrecht oder den Störungen, machen sich klein und nehmen schlimmes Leid in Kauf. Kinder haben ganz klar keine Chance sich aus so verzwickten und schlimmen Situationen herauszuhelfen, aber Erwachsene sollten sich wenigstens darum bemühen, ihnen zu helfen. Die Entschuldigung der Tante zeigt ja, dass diese das Elend erkannt hatte und da frage ich mich, wieso Menschen dennoch nicht ihre Handlungsfähigkeit nutzen, wieso die Angst vor der Übeltäterin mehr Bedeutung, mehr Gewicht hatte als das Leid des Kindes. Das ist grausam, sehr.
 
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