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  • #61
AW: Nichtraucher?

@Tlaloc
Es würde mich nur wenig stören, wenn das Einatmen von Zigarettenrauch lediglich etwas ungesund wäre -mein Schokoladen- und Gummibärchenkonsum ist auch nicht gesund. Es gibt aber einige Menschen -und dazu gehöre ich auch- die tatsächlich auch körperlich allergische Reaktionen bekommen, wenn sie Rauch ausgesetzt sind. das geht also bei mir gar nicht darum Raucher zu tolerieren oder nicht, sondern darum, anschließend nicht Medikamente gegen die gereizten Schleimhäute einwerfen zu müssen und Unwohlsein/Schwindel zu vermeiden. Jeder andere Allergiker vermeidet auch die Konfrontation mit den Allergie auslösenden Stoffen.
Ich maule auch keinen Raucher im Straßencafe an, sondern sitze im Zweifelsfall eben auch bei schönem Wetter drinnen.
 
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  • #62
AW: Nichtraucher?

Beim Lesen der letzten Beiträge von Tlaloc, equinox und Sophia wird mir deutlich, dass auch bei so einem Thema wie Rauchen letztendlich ganz persönliche Sichtweisen bei der Bewertung den Ausschlag geben.
Egal, ob es jetzt um ein "großes Thema" (Partnerschaft) geht und es erwiesene Gesundheits-schädigungen durch das (passive) Rauchen geben kann - letztendlich strickt sich doch jeder seine eigene Sicht zusammen : der eine ist total kontra aufgrund von Allergien, Geruchsempfindlichkeit, Gesundheitsempfinden oder charakterlicher Interpretation - der andere ist vielleicht nicht begeistert von einem rauchenden Partner, aber zu Kompromissen bereit (je nach Verliebtheit, Ausprägung der Raucherei etc.).
Ich fände einen exzessiven Schuhtick jedenfalls charakterlich nachdenkenswerter als die Raucherei (nicht in extremen Auswüchsen).

Wenn man nie geraucht hat, ist man natürlich fein raus. Ich denke schon, dass es ganz schön schwierig ist, komplett aufzuhören, wenn man sein Leben lang geraucht hat, einen stressigen Alltag hat und nur in einem Ausmaß raucht, dass es jetzt nicht völlig den Tagesablauf bestimmt.
Viele Leute nehmen sich andauernd vor, ein paar Kilo abzunehmen - die meisten schaffen es absolut nicht. Da spricht man ja auch nicht gleich von charakterlicher Schwäche, oder ?
 

Tlaloc

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  • #63
AW: Nichtraucher?

Na klar, Sophia. Bei Allergikern ist's natürlich eine andere Kiste, aber das gilt ja für Allergiker jeglicher Art und nicht nur bei denen, deren Schleimhäute besonders massiv auf Rauch reagieren.

Wobei ich jemandem, der zwar das Rauchen im Profil verschweigt, dann aber beim ersten Date ungebeten eine nach der anderen quarzt, sowieso einen Sprung in der Schüssel bescheinigen würde. :p
 
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  • #64
AW: Nichtraucher?

Zitat von Tlaloc:
Es ist eben ein zweischneidiges Schwert. Du machst es dir zu einfach, wenn du pauschal allen Rauchverschweigern Rücksichtslosigkeit bzw. Schwäche unterstellst. Ich will das eigentlich auch gar nicht verteidigen, sondern eher erklären. Raucher verschweigen ihr Laster halt nicht aus einer Laune heraus, oder weil sie die Naivität ihres Dates ausnutzen wollen, sondern sie haben dafür womöglich gute Gründe, die sich aus Erfahrungen speisen. :)

Ich bin auch kein Fan von Schwindeleien, aber ich finde deine Gedanken trotzdem gut. Bei der Online-Suche wird man sehr schnell aufgrund von oberflächlicher Fakten und Daten weggeklickt, dann wohnt man vielleicht noch in einer ungünstigen Region und ist nicht gut im Profilerstellen - da kann ich es schon verstehen, wenn der eine oder andere auf die Idee kommt, etwas an der Realität zu drehen. Letztendlich in der Regel nicht zielführend, aber "erstmal" eine Möglichkeit, zumindest einen Kontakteinstieg zu bekommen.

Ich war in einer Beziehung, wo mein Partner HEFTIG im Alter gelogen hat und ich habe es auch erst gemerkt, als wir schon lange zusammen waren. Als es rauskam, war ich "not amused", aber es war sowas von klar, dass er ansonsten grundehrlich war und ich konnte seine Beweggründe so gut nachvollziehen, dass es der Liebe keinen Abbruch getan hat.

Deshalb : ich selber würde nie lügen, aber ich würde auch nicht grundsätzlich ausflippen, wenn jemand anderes es tut. Der Großzügigkeitsbalken wahrscheinlich wieder......:))
 
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  • #65
AW: Nichtraucher?

wenn Du ihm sein Alter nicht angesehen hast, ist es doch kein Problem. Wieviel Jahre hat er verschwiegen? War er älter als Du oder jünger? was war seine Begründung?
 

equinox

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  • #66
AW: Nichtraucher?

Zitat von Tlaloc:
(..) Raucher verschweigen ihr Laster halt nicht aus einer Laune heraus, oder weil sie die Naivität ihres Dates ausnutzen wollen, sondern sie haben dafür womöglich gute Gründe, die sich aus Erfahrungen speisen ...

Dieser Satz ist m.E. sehr problematisch. Denn damit verbindet sich die Forderung, das Verschweigen von Gewohnheiten zu tolerieren, von denen bekannt ist, dass sie sehr häufig als Belästigung oder Beeinträchtigung empfunden werden. Das öffnet dann jeder Art von Fehlinformation Tür und Tor. Ich denke da an Aspekte, die hier bereits mehrfach beklagt wurden, also z.B. falsche Altersangaben, mehr als beschönigende Angaben zum Körpergewicht, Aussagen zum Familienstatus etc. Auch dafür gibt es sicherlich jeweils gute Gründe - und ebenso verbindet sich damit die Hoffnung, der zunächst fehlinformierte Interessent möge doch so überwältigt sein, dass alle Einschränkungen nicht zählen. Nur ist das ein Trugschluss, denn in aller Regel ist genau das Gegenteil der Fall - und das Klima des Misstrauens bei der Partnersuche verschärft sich damit zunehmend.

Und als Nachsatz :
Zitat von Tlaloc:
(..) Bei nicht kettenrauchenden Individuen ist diese Ausdünstung aber nicht dauerhaft und ganz allgemein auch nicht per se schlimmer oder besser als jegliche andere Ausdünstung ....

Das ist schlichtweg falsch. Ich spreche auch jedem Raucher die Fähigkeit einer sensiblen olfaktorischen Wahrnehmung ab. Aus eigener Erfahrung, denn auch ich habe fast 20 Jahre lang (mein Ausstieg liegt aber schon 25 Jahre zurück) geraucht, nur mäßig, aber dennoch dauerte es einige Jahre, bis meine Geruchsempfindlichkeit wieder normalisiert war.
 

Tlaloc

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  • #67
AW: Nichtraucher?

Zitat von Schreiberin:
Der Großzügigkeitsbalken wahrscheinlich wieder......:))

Den kenne ich irgendwoher... :-D

Letztlich ist die Frage ja auch nicht nur aufs Rauchen oder Gewicht beschränkt. Vielleicht mal ein Beispiel, um zu verdeutlichen, wie schwer es ist, da abzuwägen.

Eine Dame verabschiedete mich mal und wies (dankenswerterweise begründete sie das, das weiss ich zu schätzen) darauf hin, ich sei erstens Raucher und hätte zweitens auf einem der eingestellten Bilder eine Bierflasche in der Hand. Daraus schloss sie vermutlich, dass ich eine Art unzuverlässiger Partyhengst sei.
Das Bild flog daraufhin aus der Galerie, obwohl es ein völlig harmloses und eigentlich sehr freundliches Bild ist, kein "Partybild" oder so, sondern einfach meine Wenigkeit, der an einem Sommerabend entspannt und frohen Mutes ein Bier trinkt. Ich hatte überhaupt nicht daran gedacht, dass jemand das als Zeichen für Alkoholismus oder sonstiges missverstehen könnte. Ein kaltes Bier ist an einem warmen Sommerabend ganz einfach eine tolle Sache, und entsprechend war auch die Ausstrahlung auf dem Bild - so dachte ich.

Und jetzt? "Lüge" ich, wenn das Bild nicht mehr im Profil ist, weil ich solche Missverständnisse ganz gerne bei der Kontaktanbahnung vermeiden will? Immerhin könnte eine Betrachterin den Eindruck gewinnen, ich sei Bierverächter. Der Unterschied zum Rauchen ist doch im Grunde lediglich, dass es für Alkoholkonsum keine Checkbox im Profil à la "täglich", "gelegentlich", "nie" gibt.

Edit meint bezüglich equinox:

Das ist schlichtweg falsch. Ich spreche auch jedem Raucher die Fähigkeit einer sensiblen olfaktorischen Wahrnehmung ab. Aus eigener Erfahrung, denn auch ich habe fast 20 Jahre lang (mein Ausstieg liegt aber schon 25 Jahre zurück) geraucht, nur mäßig, aber dennoch dauerte es einige Jahre, bis meine Geruchsempfindlichkeit wieder normalisiert war.

Da widerspreche ich nichtmal. Wohl aber darin, dass Raucher (die keine Kettenraucher sind) ständig stinken. Tun sie nicht. Wenn sie draußen rauchen, bleibt der Rauch zum Beispiel nur minimal in den Klamotten hängen. Und der Mundgeruch nach einer Zigarette bleibt auch nicht ewig kleben. Jedenfalls wurde ich in meiner letzten Beziehung durchaus darauf hingewiesen, wenn ich nach Rauch müffelte - und das war halt eher selten der Fall.
 
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  • #68
AW: Nichtraucher?

Zitat von ChickenGeorge:
wenn Du ihm sein Alter nicht angesehen hast, ist es doch kein Problem. Wieviel Jahre hat er verschwiegen? War er älter als Du oder jünger? was war seine Begründung?

Er war älter und hat mal eben locker 6 Jahre verschwinden lassen - er war also nicht 6, sondern 12 Jahre älter. Ich weiß, dass sich das für Außenstehende total schräg anhört, aber die Jahre waren absolut nicht zu bemerken und seine gesamte Lebensführung war die eines erheblich jüngeren Manns - nicht aufgesetzt, sondern "einfach so". Ich glaube, er hatte manchmal so ein Lebensgefühl wie ein Transsexueller, der einfach das Gefühl hat, in einem fremden Körper zu stecken (wobei, wie gesagt, Körper, Geist, Denkweisen, Freizeitgestaltung und Sexualität alle "jung" waren).
 

equinox

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  • #69
AW: Nichtraucher?

Zitat von Tlaloc:
... dass Raucher (die keine Kettenraucher sind) ständig stinken. Tun sie nicht. Wenn sie draußen rauchen, bleibt der Rauch zum Beispiel nur minimal in den Klamotten hängen. ....

Hmm, wie sollte das jemand beurteilen können, der selbst raucht?
 
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  • #71
AW: Nichtraucher?

was riecht schlimmer aus dem Mund? Raucher oder Menschen mit Fahne? wie lange wird es dauern, bis Weintrinker endlich an den Pranger gestellt werden? Schmeckt eigentlich ein Kuss mit Kaffee oder Fischgeschmack gut?
 

anaj

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  • #72
AW: Nichtraucher?

Zitat von ChickenGeorge:
was riecht schlimmer aus dem Mund? Raucher oder Menschen mit Fahne? wie lange wird es dauern, bis Weintrinker endlich an den Pranger gestellt werden? Schmeckt eigentlich ein Kuss mit Kaffee oder Fischgeschmack gut?

Also wenn ich jemanden so gar nicht leiden mag, (ja, ich bin ehrlich, das kann auch mal vorkommen), dann ist es egal, ob der Atem nach Rauch, Alkohol, Kaffee, Fisch, Knoblauch oder sonstwas riecht. Ich mag dann alle strengen / aufdringlichen Gerueche an der Person nicht.
Wenn ich die Person mag, dann kann ich sehr tolerant sein und genau da liegt das Problem.
denn ich koennte mich tatsaechlich auf einen Gelegenheitsraucher einlassen, aber .... ich weiss nicht, ob es dann irgendwann nicht doch zum "Problem" wird. Vielleicht fange ich dann doch irgendwann mit dem Noergeln an. Denn ich denke, das ich da doch ziemlich vorbelastet bin.
 
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SineNomine

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  • #73
AW: Nichtraucher?

Zitat von Tlaloc:
Der Witz ist ja, dass man diese Fragen im Prinzip genauso gut umdrehen könnte. Wie ist es um das Selbstbild und das Selbstbewusstsein eines Menschen bestellt, der nicht bereit ist, sich auf einen anderen Menschen einzulassen sondern stattdessen mit einem womöglich überdimensionierten Schutzschild namens No-Go-Liste hantiert?

Darüber, das seitenlange No—Go—Listen oftmals die Wirkung eines Schutzschildes haben (sollen), welches die diese Liste führende Person zuverlässig vor jeder Form von Partnerschaft bewahrt müssen wir nicht lange diskutieren, da sind wir uns einig.
Trotzdem ist es natürlich völlig legitim für sich festzustellen, dass man sich keine Partnerschaft mit einem Menschen mit einer bestimmten Eigenschaft vorstellen kann. Ob das nun „Raucher“, „Lehrerin“, „Alleinerziehend“, „getrennt lebend“, „weiße Tennissocken zu Sandalen tragend“, „Sternzeichen XY“ oder was auch sonst immer spielt letztlich keine Rolle. Ich für meinen Teil kann mir, nachdem ich in einem Raucherhaushalt aufgewachsen bin, schlicht keine Partnerschaft mit einer Raucherin vorstellen. Und solange das so ziemlich mein einziges hartes No—Go ist sehe ich darin nicht das geringste Problem. Wir alle haben bestimmte Kriterien bei der Partnerwahl, und das ist halt eines der meinen, so what?


Zitat von Tlaloc:
Beim Rauchen verhält es sich so, dass uns seit Jahren eingehämmert wird, es sei schmutzig, widerlich, rücksichtslos und ganz allgemein sowieso nur was für willensschwache Menschen, die sich ihrer Sucht ergeben.

Interessanterweise ist Rauchen, also der Konsum der Droge Nikotin, eine von recht wenigen gesellschaftlich und staatlich nach wie vor /akzeptierten/ Formen von Rauschmittelkonsum und Sucht. Wer „lustige Kräuterkekse nach holländischem Originalrezept“ backt oder sich ein Haschpfeifchen anzündet verstößt nach wie vor gegen Recht und Gesetz, wer raucht verlässt den Rahmen unserer Gesetze selbst dann nicht, wenn er andere mit seinem Qualm mindestens belästigt und wohlmöglich gar gefährdet. Wenn sich Raucher also schon als Opfer böser gesellschaftlicher Repressalien (in Form von Verordnungen die letztlich nicht viel mehr sicherstellen als die Möglichkeit im Restaurant sein Essen ohne Zigarettenqualmzugabe verzehren zu können) sehen, was sollen dann erst die sagen, die erst mal gefilzt würden, würde sie die Polizeistreife mit Joint an der Bushaltstelle stehen sehen? Die „Raucher sind die armen Opfer militanter Nichtraucher“—Masche zieht nicht, wenn man sich einfach mal die Fakten, auch und insbesondere in Bezug auf andere Formen des Drogenkonsums, ansieht.


Zitat von Tlaloc:
Raucher sind ja, wie wir alle wissen, ganz allgemein charakterschwach.

Sagt wer?


Zitat von Tlaloc:
Aber man wird gute Chancen haben, eine Wette zu gewinnen, die etwa wie folgt lautet: Innerhalb der ersten fünf Minuten nach der Offenbarung man sei Raucher, wird man gefragt werden, wieviel man denn so raucht. Die Implikation dieser Frage verrät schon eine ganze Menge über das gesellschaftliche Ansehen.

Und? Wer zugibt schon mal besagte holländische „Kräuterkekse“ nicht nur gebacken sondern gar verzehrt zu haben wird mit guter Chance die Fünf--Minuten--Marke erst gar nicht erreichen. Das Image von Rauchern mag nicht das allerbeste sein, aber es gibt reichlich andere Gruppen, denen es bei ähnlicher und mitunter sogar noch „harmloserer“ Ausgangslage noch weit schlimmer ergeht. Wenn Raucher jammern, dann auf vergleichsweise hohem Niveau.
 

SineNomine

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  • #74
AW: Nichtraucher?

Zitat von Tlaloc:

Nun hängt das Feedback massiv von demjenigen ab der es gibt.

Wer mit einem Raucher liiert ist stört sich offenkundig nicht sonderlich am "normalen" Raucher--"Gemüffel", sei es weil die persönliche Wahrnehmungsschwelle höher liegt oder sei es weil der wahrgenommene Geruch als nicht sooo unangenehm empfunden wird.

Meine Wahrnehmungsschwelle für bestimmte Dinge liegt recht niedrig, ich rieche Frische Farbe mitunter noch Wochen nachdem sie verstrichen wurde --- "Habt ihr renoviert?" --- "Ähm, ja, vor drei Wochen. Schatz, ich hab' Dir doch gesagt, dass das dringend nötig war, selbst SineNomine hat gemerkt, dass das jetzt wieder viel besser aussieht" --- "Nö, aber die Farbe riecht man noch" --- "??..." ;-)
Ähnlich ergeht es mir mit Zigarettenqualm, selbst Kleidung, die nicht direkt dem Qualm ausgesetzt war sondern beispielsweise an der Garderobe anderthalb Zimmer weit weg von der nächstgelegenen Zigarette hing "stinkt" für mich nach Qualm.
 

Yamagata83

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  • #75
AW: Nichtraucher?

Ich würde es nicht als so Wild ansehen wenn jemand beim Rauchen flunkert. Ich sehe es aber wie viele andere Hier. Wenn bei Größe, Alter, Gewicht und anderen schlimmen Sachen geflunkert wird. Wie z.b Trinken (Alkohol), Dauer Party und dauer Urlaub. das wären für mich alles Nogo´s und das Date wäre vorbei. Ich trinke keinen Alkohol also kann ich dies auch von meiner zukünftigen erwarten.

Grüße:Yamagata83
 

Heike

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  • #76
AW: Nichtraucher?

Zitat von SineNomine:
Interessanterweise ist Rauchen, also der Konsum der Droge Nikotin, eine von recht wenigen gesellschaftlich und staatlich nach wie vor /akzeptierten/ Formen von Rauschmittelkonsum und Sucht.

??? Tee, Kaffee, Energydrinks, Alkohol, Johanneskraut, Schokolade, Salat mit Putenbruststreifen, Computerspiele, Youtube, das Parshipforum, Fernsehen, Teeniebands, der Musikantenstadl, Sonnenschein undundund ...
 

Tlaloc

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  • #77
AW: Nichtraucher?

Zitat von SineNomine:
Und solange das so ziemlich mein einziges hartes No—Go ist sehe ich darin nicht das geringste Problem. Wir alle haben bestimmte Kriterien bei der Partnerwahl, und das ist halt eines der meinen, so what?

Ich sehe da auch kein Problem, abgesehen davon, dass man sich mit jedem nicht objektiv begründbaren No-Go (z.B. Allergien) um Chancen bringt. Ich nehme mich davon übrigens wie erwähnt nicht aus, aber es lohnt sich, darüber nachzudenken. Auch darüber, ob und wenn ja unter welchen Umständen das vermeintliche No-Go vielleicht doch kein so hartes ist.

Der Punkt war aber auch eher, dass eine Fragestellung, wie du sie bezüglich ihren Rauchstatus verbergenden Rauchern aufgeworfen hat, sie seien womöglich nicht sehr selbstbewusst oder verzweifelt, sich analog auf die Leute anwenden lässt, die rigoros Rauch ablehnen. Das ist halt vermutlich arg pauschalisiert, oder? Genau. ;-)

Wenn sich Raucher also schon als Opfer böser gesellschaftlicher Repressalien (in Form von Verordnungen die letztlich nicht viel mehr sicherstellen als die Möglichkeit im Restaurant sein Essen ohne Zigarettenqualmzugabe verzehren zu können) sehen, was sollen dann erst die sagen, die erst mal gefilzt würden, würde sie die Polizeistreife mit Joint an der Bushaltstelle stehen sehen?

Mal ganz unabhängig von der ganzen Drogenthematik, die ich gleich nur ganz am Rande anschneiden werde: Die gesellschaftlichen "Repressalien" in Form der meisten bisherigen Gesetze bzw. Verordnungen sind, glaube ich, für viele Raucher gar nicht das Problem. Dir fällt das als Nichtraucher vermutlich nicht so auf, aber die Repressalien sind VIEL tiefgehender und machen nicht beim Schutzkreis des Gesetzes halt. Ein ganz banales Beispiel: Die Bahn ist wohl kaum verpflichtet, auf Bahnsteigen gelbe Vierecke aufzumalen, in denen sich die Raucher möglichst aufhalten sollen. Die Raucher sind dazu nicht verpflichtet - rauchen dürfen sie ab dem entsprechenden Schild. Trotzdem entblödet sich die Bahn nicht, diese Vierecke in Schuss zu halten. Und das Schlimme ist: Viele stellen sich wirklich in die 10 Quadratmeter, oder wieviele das sind. Oder neulich auf einem Flughafen. Der Raucherbereich bestand aus einem Glaskasten - hatte was von einem Zoo. Derlei Beispiele gibt es wie Sand am Meer.

Zum Beispiel auch der Umstand, dass in anderen Fällen Belästigung schwerlich für ein generelles gesetzliches Verbot ausreicht, vor allem, wenn sie gar nicht stattfindet, beim Rauchen aber schon. Raucherclubs zu verbieten ist... ein interessantes Konzept, vor dem Hintergrund, dass man Leute vor Belästigung schützen möchte.

Wie dem auch sei. Rauchen auf Drogenkonsum zu reduzieren, greift auf vielerlei Weise zu kurz. Und es reduziert den Raucher im Kern auf seine "Sucht". Was wiederum die Antwort auf deine Frage ist, wer Raucher als charakterschwach bezeichnet. Süchtige Menschen sind mehr oder weniger per Definition schwach, weil sie sich nicht aus den Klauen ihrer Sucht befreien können, und ihr überhaupt erst verfallen sind. So jedenfalls würden viele argumentieren - und tun es auch.
Als kleines notabene: Derzeit findet vor allem in Latein- und Südamerika ein langsames Umdenken bezüglich des Kriegs gegen Drogen statt. Aus ganz pragmatischen und absolut nicht linken oder allgemein ideologischen Erwägungen heraus, denkt man ziemlich ernsthaft darüber nach, sämtliche Drogen zu legalisieren.

Das alles ist jetzt eigentlich völlig ab vom eigentlichen Thema...
 

Setanta

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  • #78
AW: Nichtraucher?

Ganz ehrlich ...Nichts einfach als das, denn in einer kennenlernphase bin ich ebenfalls offen und direkt, wie sonst auch ...wenn ich also genannte Situation feststelle, spreche ich die Person einfach drauf an ... Die Reaktion ist dann entscheidend wie es weiter geht ... Wenn ich ein Date verlasse und mir mitten im Date fragen stellen muss, die mich im nachhinein weiter beschaeftigen, ohne dass ich die Situation angesprochen habe, dann ist ein weiteres kennenlernen "meist" zum scheitern verurteilt...
 

SineNomine

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  • #79
AW: Nichtraucher?

Zitat von Tlaloc:
[...], abgesehen davon, dass man sich mit jedem nicht objektiv begründbaren No-Go (z.B. Allergien) um Chancen bringt.

Natürlich. Aber es steht halt jedem frei bestimmte Chancen nicht nutzen zu wollen und niemand hat ein Anrecht darauf eines anderen „Chance“ zu sein.


Zitat von Tlaloc:
Der Punkt war aber auch eher, dass eine Fragestellung, wie du sie bezüglich ihren Rauchstatus verbergenden Rauchern aufgeworfen hat, sie seien womöglich nicht sehr selbstbewusst oder verzweifelt, sich analog auf die Leute anwenden lässt, die rigoros Rauch ablehnen. Das ist halt vermutlich arg pauschalisiert, oder? Genau. ;-)

Zum einen schrieb ich sehr bewusst, dass ich mir, wenn ich solche Schönfärberei, egal ob bzgl. des Raucherstatus, des Gewichts, des Alters oder was auch sonst immer, wahrnehme entsprechende /Fragen/ stelle. Fragen sind etwas anderes als Antworten oder (Vor-)Urteile.
Und zum anderen vergleichst Du gerade eine glatte Lüge damit „Rauch abzulehnen“ (was auch immer das konkrete bedeuten mag. Das ist schon kein Äpfel—und—Birnen—Vergleich mehr, das ist bestenfalls noch ein Äpfel—und—Schinkenwurst—Vergleich. ;-)



Zitat von Tlaloc:
Ein ganz banales Beispiel: Die Bahn ist wohl kaum verpflichtet, auf Bahnsteigen gelbe Vierecke aufzumalen, in denen sich die Raucher möglichst aufhalten sollen.

Nun ja, mir wäre es auch lieber, wenn das ohne Schilder, gelbe Markierungen und Gesetze funktionieren würde: Raucher stellen sich auf dem Bahnsteig so hin, dass sie niemanden übermäßig und unnötig belästigen, beispielsweise indem sie einfach nur die Windrichtung beachten, entsorgen ihre Kippen in den von der Bahn dafür freundlicherweise bereitgestellten Behältnissen und fertig. Wenn man sich allerdings mal das Gleisbett eines beliebigen Bahnsteigs so anschaut, dann scheint das mit den Kippen schon mal nicht zu funktionieren. Und sich einfach nur mal so hinzustellen, dass der nächste Windzug nicht dem nächststehenden Fahrgast den Qualm mitten ins Gesicht bläst hat etliche wohl überfordert, so jedenfalls meine Erinnerung. Folglich gibt’s jetzt „Rauchfreie Bahnhöfe“, haufenweise Schilder und gelbe Vierecke.
Das gleiche Spiel in der Kneipe. Wenn es eine nennenswerte Anzahl an Menschen offenbar regelmäßig überfordert zumindest so viel Rücksicht auf andere zu nehmen, dass man sich nicht ausgerechnet dann eine Zigarette anzündet wenn am Nebentisch in Abluftrichtung gerade das Essen serviert wird, dann gibt es halt irgendwann entsprechend harte Regeln die dieses Minimum an Rücksichtnahme anderweitig sicherstellen.

Kurz: Vieles von dem was es heute an Einschränkungen für Raucher gibt gibt es nicht zuletzt auch deshalb, weil sich ein nennenswerter Teil der Raucher in früheren Tagen einem halbwegs kooperativen Miteinander konsequent entzogen und sich stattdessen wie die sprichwörtliche Axt im Walde aufgeführt hat, O—Ton aus meiner Stammkneipe „Ich rauche wann und wo es mir passt“, als Reaktion auf die freundliche Bitte die nächste Zigarette doch noch ein paar Minuten warten zu lassen bis wir mit dem Essen fertig gewesen wären --- der Köbes hat ihm dann nahegelegt sein nächstes Bier doch bitteschön woanders zu trinken. :)


Zitat von Tlaloc:
Oder neulich auf einem Flughafen. Der Raucherbereich bestand aus einem Glaskasten - hatte was von einem Zoo.

In der Tat, als ich das zum ersten Mal gesehen habe habe ich mich auch gefragt wo die Fütterungszeiten angeschlagen sind. Allerdings dürfte es da weniger um die Belästigung der anderen Fluggäste und mehr um den Brandschutz gehen, insofern weiß ich nicht, wie man das, abgesehen vielleicht von etwas weniger Zoo-Flair, besser lösen kann.


Zitat von Tlaloc:
Rauchen auf Drogenkonsum zu reduzieren, greift auf vielerlei Weise zu kurz. Und es reduziert den Raucher im Kern auf seine "Sucht". Was wiederum die Antwort auf deine Frage ist, wer Raucher als charakterschwach bezeichnet.

Weder reduziere ich Rauchen auf Drogenkonsum noch Raucher auf ihre Sucht. Ich nenne die Dinge aber beim Namen: Nikotin ist eine Droge und viele Raucher sind von dieser abhängig.

Wenn ich aus diesen simplen Fakten auf eine grundlegende Charakterschwäche bei Rauchern schließen würde würde ich mich letztlich selbst als charakterschwach einstufen: Wenn ich morgens keinen ordentlichen Kaffee bekomme komme ich nicht nur nicht in Gang, bei längerem Coffeinentzug stellen sich bei mir auch die klassische körperliche Entzugserscheinungen wie Kopfschmerzen ein.
 

Tlaloc

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  • #80
AW: Nichtraucher?

Zitat von SineNomine:
Natürlich. Aber es steht halt jedem frei bestimmte Chancen nicht nutzen zu wollen und niemand hat ein Anrecht darauf eines anderen „Chance“ zu sein.

Das sehe ich genauso. Ich wollte auch ganz gewiss niemanden verpflichten, anderen irgendwelche Chancen zu gewähren. Ich denke mir nur des Öfteren, wie schade es ist, dass wir uns nur so schwer von Vorurteilen - und das meine ich jetzt im Wortsinn ohne negative Konnotation - frei machen können.

Zum einen schrieb ich sehr bewusst, dass ich mir, wenn ich solche Schönfärberei, egal ob bzgl. des Raucherstatus, des Gewichts, des Alters oder was auch sonst immer, wahrnehme entsprechende /Fragen/ stelle. Fragen sind etwas anderes als Antworten oder (Vor-)Urteile.
Und zum anderen vergleichst Du gerade eine glatte Lüge damit „Rauch abzulehnen“ (was auch immer das konkrete bedeuten mag. Das ist schon kein Äpfel—und—Birnen—Vergleich mehr, das ist bestenfalls noch ein Äpfel—und—Schinkenwurst—Vergleich. ;-)

Ich glaube, hier reden wir ein bisschen aneinander vorbei. Ich vergleiche nicht Lügen mit der Ablehnung von Rauch in der näheren persönlichen Umgebung - oder eben ganz allgemein No-Gos -, sondern die Ursachen. Die können sowohl für das eine als auch für das andere ähnlich sein, und wenn man die Fragen für das eine aufwirft, muss man die Fragen für das andere gelten lassen. Und wenn man eine gewisse Fragestellung aufwirft, impliziert das auch schon die Antwort, denn es ging ja nicht um die Frage, was für Ursachen das Lügen hat, sondern ob das Lügen an fehlendem Selbstwert liegt. Aber... das ist fürchterlich formalistisch, entschuldige. Ich glaube, wir sind hier eh gar nichtmal so weit voneinander entfernt.

Nun ja, mir wäre es auch lieber, wenn das ohne Schilder, gelbe Markierungen und Gesetze funktionieren würde: ...

Daraus folgt, dass man jegliches Belästigungsrisiko durch Maßnahmen nicht nur unterbinden darf, sondern es auch noch sollte, die in einiger Hinsicht durchaus grenzwertig sind.

Ich bin insofern d'accord, dass es wirklich wünschenswert wäre, würden mehr Menschen Rücksicht nehmen. Dass sie das nicht tun, ist oft ziemlich ärgerlich. Allerdings betrifft das nicht nur Raucher, sondern eigentlich jeden - es ist ja nicht so, als seien Raucher besonders rücksichtslos, sie fallen aktuell nur mehr auf, weil sie recht konsequent stigmatisiert werden. Absehbar ist, dass in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ähnliche Regelungen bezüglich Alkoholkonsum durchgesetzt werden, und bei Übergewicht kann man den Schatten auch schon erahnen. Persönlich bin ich nicht der Meinung, dass man Rücksichtnahme gesetzlich erzwingen sollte, außer in manchen Ausnahmefällen - oder das langfristig überhaupt kann.

Und über den Sinn oder Unsinn von demütigenden Maßnahmen, wie eben beispielsweise diese gelben Vierecke, um ausgerechnet Rücksicht zu fördern, wird man sich trefflich streiten können.

Das gleiche Spiel in der Kneipe. Wenn es eine nennenswerte Anzahl an Menschen offenbar regelmäßig überfordert zumindest so viel Rücksicht auf andere zu nehmen, dass man sich nicht ausgerechnet dann eine Zigarette anzündet wenn am Nebentisch in Abluftrichtung gerade das Essen serviert wird, dann gibt es halt irgendwann entsprechend harte Regeln die dieses Minimum an Rücksichtnahme anderweitig sicherstellen.

Ich begrüße übrigens, dass in Restaurants nicht mehr geraucht werden darf. Unterm Strich begrüße ich es sogar für Cafés, von Theatern, Kinos und was nicht alles ganz zu schweigen. Deswegen erwähnte ich explizit den "Raucherclub". Eine Kneipe, wo höchstens Würstchen mit Senf an kulinarischen Köstlichkeiten angeboten werden. In der der Wirt Raucher ist, und in der eine oder zwei rauchende Bedienungen arbeiten. In der die Gäste Raucher sind, und wo am Eingang ein dickes Schild prangt: Raucherkneipe! Es ist ein bisschen albern, hier gesetzlich Rücksichtnahme einzufordern und sowas zu verbieten, oder? Genau genommen ist es in diesem Hinblick sogar reichlich ironisch. ;-)

In der Tat, als ich das zum ersten Mal gesehen habe habe ich mich auch gefragt wo die Fütterungszeiten angeschlagen sind. Allerdings dürfte es da weniger um die Belästigung der anderen Fluggäste und mehr um den Brandschutz gehen, insofern weiß ich nicht, wie man das, abgesehen vielleicht von etwas weniger Zoo-Flair, besser lösen kann.

Kann sein, dass es um Brandschutz geht. Aber früher durfte zum Beispiel im Wartebereich geraucht werden, ohne dass man sich zuvor in einen Glaskasten begeben musste. Von daher halte ich das eher für unwahrscheinlich, aber die Maßstäbe können sich da natürlich geändert haben. Nicht, dass ich übrigens gegen ein Rauchverbot auf Flughäfen wäre, aber ich glaube, es dürfte nicht allzu schwer sein, einen Raucherbereich ein bisschen weniger demütigend zu gestalten.

Weder reduziere ich Rauchen auf Drogenkonsum noch Raucher auf ihre Sucht. Ich nenne die Dinge aber beim Namen: Nikotin ist eine Droge und viele Raucher sind von dieser abhängig.

Da hatte ich dich dann wohl missverstanden. Entschuldige. Viele Menschen reduzieren das Rauchen aber in der Tat auf den Drogenkonsum und haben ernste Probleme, sich zum Beispiel einen Genussfaktor da auch nur vorzustellen. Beim Kaffee ist das witzigerweise nicht so. Nebenbei bemerkt: Wenn sich in der Ubahn jemand mit Kaffee-Fahne neben mich setzt, finde ich das auch irgendwie unangenehm... komisch eigentlich, ich bin Kaffee-Junkie.
 

faraway

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  • #81
AW: Nichtraucher?

Wie wär's mit einem weltweiten Gesetz gegen Stress? Auch ziemlich gesundheitsgefährlich - oder? Aufregen, Schimpfen, Nörgeln ist auch nicht gut.. Schlechte Laune auch nicht... nicht einmal beim Autofahren (glaub ich als Laie).....es gäbe da so einiges, glaubt ihr nicht?

Schwarz(lungige) Schafe sind auch eine Superablenkung.
Und je mehr man das fördert, desto besser...
long live overweight, z.B. Mc Donald junkies...U.S. know. Die sind ja auch recht gut im Erfinden von puritanischen Massnahmen.

Geht es nicht letztendlich immer um Respekt, Toleranz, Mittelweg? geziemendes Verständnis und alle diese grundlegenden menschlichen Möglichkeiten?
Auch ums Eingestehen von möglichen Schwächen?

Ich rauche, ergo bin ich schwach. Es ist beileibe nicht meine einzige Schwäche.UND/ABER/NICHTDESTOTROTZ hab ich sicher auch gewisse Stärken, gottseidank.
Ich kann mich z. B. u.a. auch beherrschen, auch dir zuliebe... trotz Sucht... ich möchte/muss nicht unbedingt arme Nichtraucher quälen. Ich sehe ein, dass mein Habit nicht gerade gesund ist und auch nicht jedermann's Sache. Ich dräng es dir nicht auf. Ich find es gut, dass in Flugzeugen nicht mehr geraucht werden darf und ich mag auch verqualmte Lokale nicht wirklich.
Ich will mit meiner Raucherei niemanden belästigen oder schädigen .Aber ich will auch nicht von heiligen Nichtrauchern verpuht und angeprangert werden. So heilig find ich das dann nicht.
Und ausserdem bin ich vermeidbar.
 
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equinox

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  • #82
AW: Nichtraucher?

Zitat von faraway:

... damit sind wir endlich wieder bei der Ausgangsfragestellung: Warum werden Gewohnheiten, von denen immerhin allgemein bekannt ist, dass es sehr viele (!) Menschen gibt, die damit Probleme haben / darunter leiden / sich beeinträchtigt fühlen, ganz bewusst und absichtsvoll (!!) verschwiegen? Denn die Intention der Forderung nach Offenlegung von Rauchgewohnheiten ist ja nur die: eine klare Grundlage für eine gezielte Vermeidung zu schaffen.

Die Argumentation von Tlaloc insinuiert allerdings vehement, dass ein bewusstes und absichtsvolles Vermeidungsverhalten hier nur eine vordergründige Anpassung an böswillige Diskrimierungskampagnen gegenüber Rauchern ist. Und spricht damit Nichtrauchern die Fähigkeit ab, ihre Entscheidung gegen rauchende Kandidaten (oder auch ein rauchgeschwängertes Umfeld) sehr wohl durchdacht zu haben, und wertet damit gleichzeitig auch die persönlichen Bedürfnisse von Nichtrauchern als ohnehin nicht wirklich ernst zunehmende ab. Das halte ich für eine sehr rücksichtslose Position.

Aber vielleicht ist meine Auffassung, dass individuelle Freiheit ihre Grenzen immer da finden muss, wo sie andere beeinträchtigt, auch zwischenzeitlich überholt und nicht mit dem hedonistischen Zeitgeist vereinbar. Naja, dann bin ich möglicherweise hoffnungslos altmodisch, aber das ist auch gut so.
 

Tlaloc

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  • #83
AW: Nichtraucher?

Zitat von equinox:
Die Argumentation von Tlaloc ... spricht damit Nichtrauchern die Fähigkeit ab, ihre Entscheidung gegen rauchende Kandidaten (oder auch ein rauchgeschwängertes Umfeld) sehr wohl durchdacht zu haben, und wertet damit gleichzeitig auch die persönlichen Bedürfnisse von Nichtrauchern als ohnehin nicht wirklich ernst zunehmende ab. Das halte ich für eine sehr rücksichtslose Position.

Nö. Wenn ich das Verhalten von Rauchern begründe, spreche ich nicht automatisch Nichtrauchern die Fähigkeit ab, Entscheidungen zu durchdenken bzw. zu treffen. Ich habe auch nie gesagt, der lügende Raucher sei im Recht. Vor allem dann nicht, wenn er beim ersten Treffen sein nichtsahnendes Date vollqualmt. DAS ist dann tatsächlich rücksichtslos. Und außerdem sehr viel kontraproduktiver, als von vornherein die Wahrheit zu sagen.

Aber vielleicht ist meine Auffassung, dass individuelle Freiheit ihre Grenzen immer da finden muss, wo sie andere beeinträchtigt, auch zwischenzeitlich überholt und nicht mit dem hedonistischen Zeitgeist vereinbar. Naja, dann bin ich möglicherweise hoffnungslos altmodisch, aber das ist auch gut so.

Diese Auffassung ist bestimmt nicht überholt, und ich teile sie im Übrigen auch. Das Problem besteht allerdings darin, zwischen verschiedenen Freiheiten und Beeinträchtigungen abzuwägen. Oftmals ist es nicht ganz so schwarz-weiss.
 
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  • #84
AW: Nichtraucher?

@Tlaloc
Offenbar bist Du hier noch recht neu, aber gleich, was ich von Dir lese... Ich denke stets: Hut ab! Stringente Argumentation und unendliche Geduld. Das imponiert mir. Ich hätte diese Geduld nicht. Und grüsse Dich.
 
G

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  • #85
AW: Nichtraucher?

Für mich gehört Rauchen auch zu den wenigen, absolut "nicht-verhandelbaren" No-go's.
Dass ein Mensch über seinen Rauch-Status - gilt ja leider oft auch für andere Status-Themen - falsche Angaben macht, geht für mich auch gar nicht. Einfach, weil das für mich eine Form von Manipulation ist. Ich brauche die aufrichtige Wahl(möglichkeit), ob ich mich auf einen Menschen mit gewissen Themen/Eigenheiten einlasse. Dafür muss ich diese Fakten von Anfang an kennen. Werden sie mir vorenthalten, will der andere mich unterschwellig dirigieren. Ich kann das auch bis zu einem gewissen Punkt verstehen oder sogar nachfühlen und bin dennoch konsequent in meinem Ausstieg aus solch einer Kommunikation. Mir ist das einfach zu toxisch, in vielerlei Hinsicht.

Wenn ich einen bekennenden Raucher verabschiede - manchen wird ja mein Nichtraucher-Profil dennoch angezeigt (was ich übrigens gar nicht gut finde) - , mache ich dies immer mit ein paar netten Zeilen. Es ist "für mich" und nicht "gegen den Raucher". Er soll machen, was für ihn stimmig ist, und ich halte es genauso.

Saubere Luft ist für mich in jedem Falle immer schützenswerter als das Verlangen von Menschen, deren (vermeintlicher?!) Genuss andere in mehr als einer Hinsicht beeinträchtigt. Ganz ohne Moralin... Einfach weil auch bekannt ist, wie schädlich Passivrauchen ist. Einfach als Fakt und Akt der Selbstliebe.
 
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  • #86
AW: Nichtraucher?

Hallo zusammen.
Habe mich für die Profilberatung hier angemeldet und möchte nun was zu diesem Thema schreiben, weil ich damit beim Online-Daten auch schon Erfahrung gemacht habe.
Ich bin Nichtraucherin (schon immer) und mir geht es wie einigen anderen hier: Ich habe einen ganz normalen Umgang mit Rauchern, aber als Partner kommt jemand, der raucht eben nicht in Frage. Geruch und Geschmack des Anderen sind für mich bei der Partnersuche wichtig, und selbst wenn sich einige hier das nicht vorstellen können: die Nichtraucher-Sinne nehmen das Rauchen (anders) wahr. Für manche ist das trotzdem kein Problem, für mich wäre es eins, weil ich es rein sensorisch eklig finde. Ich ärgere mich dann über den Vorwurf, ich sei "intolerant" (wie mir das dann von Rauchern schon gelegentlich geschrieben wurde, weil ich die Kontaktaufnahme wg. des Rauch-Status abgelehnt habe).

Zu der Frage der gesellschaftlichen Tolerierung. Dass das Rauchen bis vor ein paar Jahren fast überall möglich war, heißt nicht, dass es die Nichtraucher nicht gestört und beeinträchtigt hätte. Man hat es halt erduldet - auch, weil es z.B. unglaublich mühsam ist, in jeder Besprechung darum bitten zu müssen, dass nicht geraucht wird; oder im Restaurant fremde Menschen um Rücksichtnahme bitten zu müssen. Ich hatte dann irgendwann keine große Lust mehr zum Ausgehen, weil mich das bequalmt werden total gestört hat.
Der gesellschaftliche Konsens ist ja auch sonst in Bewegung: früher wurde z.B. auch gesellschaftlich 'toleriert', dass man Kinder ohrfeigte (und schlimmer). Das wird doch hier sicher niemand verteidigen, nur weil es mal so üblich war?
 

equinox

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  • #87
AW: Nichtraucher?

Zitat von Tlaloc:
Das Problem besteht allerdings darin, zwischen verschiedenen Freiheiten und Beeinträchtigungen abzuwägen.

Kein ganz neues Problem. Im vorliegenden Fall scheint mir aber die Frage, wo Beeinträchtigungen vorliegen, recht einfach festzustellen. Die Freiheit der Selbstschädigung ist schließlich jedem unbenommen - die anderer zu verhindern, sollte eine der wichtigen Aufgaben eines organisierten Sozialstaats sein.
 

Weib

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  • #88
AW: Nichtraucher?

Zitat von delfin 1988:
Ihr lernt jemanden kennen, mailt eifrig, seid sehr angetan, in seinem Profil steht Nichtraucher, ihr trefft ihn und riecht sofort, dass er (oder sie) doch raucht. Wiegt für Euch diese Datinglüge schwer?

Ob Lüge hin oder her, es kommt letztlich darauf an, ob Dich das Rauchen sehr stören würde. Für mich wäre es ein ziemliches Ausschlusskriterium (ich könnte keinen Raucher küssen, es würde mich ekeln), für andere vielleicht nicht. Die "kleine Lüge" lässt nebenbei auf den Charakter schließen, es sei denn, er hat tatsächlich DIE EINE Zigarette im Jahr geraucht, gerade vor dem Dating... was sehr unwahrscheinlich ist.
 

Heike

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  • #89
AW: Nichtraucher?

Zitat von equinox:
Aber vielleicht ist meine Auffassung, dass individuelle Freiheit ihre Grenzen immer da finden muss, wo sie andere beeinträchtigt, auch zwischenzeitlich überholt und nicht mit dem hedonistischen Zeitgeist vereinbar. Naja, dann bin ich möglicherweise hoffnungslos altmodisch, aber das ist auch gut so.

Der Raucher, der im Beisammensein mit dem Nichtraucher raucht, überschreitet dessen Grenzen. Der Nichtraucher, der sich im Beisammensein mit dem Raucher dessen Rauchen verbittet, überschreitet dessen Grenzen. Die Formel, die eigene Freiheit höre bei der des anderen auf, mag sich abstrakt hübsch anhören, gibt aber in solchen Fällen noch nicht unbedingt eine klare Handlungsanweisung.

Und hoffnungslos altmodisch ist vermutlich nur die Rede vom hedonistischen Zeitgeist. Im HInblick auf die Einstellung zum Rauchen und zu manchem anderen ließe sich angemessener von einem asketischen Zeitgeist sprechen.
 

Tlaloc

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  • #90
AW: Nichtraucher?

Zitat von equinox:
Die Freiheit der Selbstschädigung ist schließlich jedem unbenommen - die anderer zu verhindern, sollte eine der wichtigen Aufgaben eines organisierten Sozialstaats sein.

Heike bringt es schon gut auf den Punkt. Ergänzend nur der Hinweis, dass die potentielle Schädigung durch einen Raucher, noch dazu an der frischen Luft, da man woanders ja ohnehin nicht mehr rauchen darf, so lächerlich gering ist (man könnte auch sagen: gleich null), dass eine Fürsorgepflicht des Staates hier wohl kaum in Betracht kommt. Selbst wenn man die statistischen Untersuchungen hinsichtlich des Gesundheitsrisikos von Passivrauch vollumfänglich gelten lässt. Was, nebenbei bemerkt, verfehlt wäre.

Allgemein sollte man sich der Erkenntnis nicht verschließen, dass wir im Leben ständig und überall "Übergriffen" (im Sinne von bloßen Rücksichtslosigkeiten) durch andere ausgesetzt sind, die, wenn überhaupt, durch soziale Mechanismen "bekämpft" werden können, nicht durch den Gesetzgeber. Der Gesetzgeber sieht das zunehmend anders - nur stellt sich dann die Frage nach der Konsequenz. Man möge das einmal zu Ende denken, bevor man wirklich staatliches Handeln für läppische Beeinträchtigungen im Alltag fordert. Die Ansicht, der Staat möge seine Bürger durch eine Fülle von Sanktionen erziehen, was unterm Strich das Ergebnis einer solchen Haltung ist, finde ich persönlich ziemlich gruselig. Abgesehen vom Offensichtlichen auch deswegen, weil es der sozialen Interaktion jeden Spielraum nimmt.

@ Merle

Oh, vielen lieben Dank für das nette und noch dazu unverhoffte Kompliment! Sei ebenfalls gegrüßt. :)