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  • #31
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Wer der "Schwächere" ist, kann natürlich auch variieren.....

Der Faktor ist Angst, Unausgewogenheit, Fehlen von Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen
bei zuviel, zuwenig Nähe
 
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  • #32
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von Freitag:
manche sind nimmersatt. ich kann aus eigener leidvoller erfahrung berichten. es ist die hölle. das ist als wenn dir alles ausgesaugt wirst.
...ja, das stimmt. Einer saugt und einer lässt saugen. Eine Freundin von mir sagte mir wie selbstverständlich, das sei ein Psychovampir.
? ........ :-o
Ich habe mich dann mit dem Thema beschäftigt und meinen Schalter in dieser Angelegenheit geschlossen.
 
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  • #33
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Wenn ein Mensch weiß, wer er ist,
hat er keine Angst, verschlungen zu werden.

Wenn er über Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl verfügt,
hat er keine Angst, verlassen zu werden.

John Bradshaw
 
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  • #34
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von faraway:
ein sehr komplexes Thema.
- Nähebedürfniss ist variabel - in mir, im anderen wahrscheinlich auch
- möglicherweise hat in einer Beziehung der "Schwächere" (Unsicherere) mehr Nähebedürfnis, weil er mehr effektive Nähestätigung braucht. = wenn ich mich "verständlich" geliebt fühle, brauche ich weniger Nähebestätigung. Wenn mich der andere verunsichert, brauche ich mehr.
Das heisst nicht unbedingt, dass der eine den anderen a priori weniger liebt. Kann aber zur Entfremdung beitragen: weil, je mehr ich z.B. Nähebestätigung "brauche", der andere vielleicht "allergisch" reagiert. and so on. Der Ball ist ins Rollen gebracht.
Du bringst es wunderbar auf den Punkt. Beide Partner haben Nähebedürfnisse und Autonomiebedürfnisse. Dann passiert eine Irritation (einer ist genervt oder einer ist gerade mal besonders bedürftig), schon nimmt der eine nur noch seine Autonomiebedürfnisse wahr und der andere nur noch seine Nähebedürfnisse, beide spielen eine einseitige Rolle. Der Distanzsucher ist nur noch genervt und fühlt sich wie ein A..., weil er den anderen verletzt. Der Nähesucher vergisst seine Individualität und wartet nur noch auf Zuwendung. Das kann wieder ausgeglichen werden, es sei denn, dass die Bedürfnisse von vornherein zu extrem unterschiedlich sind.
 
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  • #35
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von SineNomine:
in einer Situation in der wir krank sind und jeden Knochen einzeln spüren oder versuchen am Wochenende ein paar Stunden konzentriert zu Arbeiten um den Berg Papier auf dem Büroschreibtisch ein wenig abzubauen. Gleichzeitig hat aber gerade in solchen Momenten die Partnerin oder der Partner oft den Eindruck, dass ihre oder seine Nähe uns helfen könnte. Und wenn wir das Angebot von Nähe dann vielleicht noch etwas unwirsch und/oder genervt zurückweisen hängt halt der Haussegen schief.
O ja, das kenne ich (aus der Perspektive der Nähe-Suchenden, die sich wundert, warum der Partner sagt, ich könne vorbeikommen, dann aber in die Garage geht, um etwas zu reparieren). Das war (mit mir und meinem Ex) ein Problem der Kommunikation. Mir ist es wichtig, vorher zu wissen, dass mein Partner jetzt mal 2 Stunden arbeiten will und wann in etwa wir uns wieder miteinander beschäftigen, damit ich nicht sinnlos warten muss.
Um noch einen anderen Aspekt einzubringen: Diese Kommunikation ist in Fernbeziehungen viel einfacher als wenn man zusammen (oder um die Ecke) wohnt. Bei getrennten Wohnungen erledigt jeder seine Angelegenheiten, wann und wie er oder sie will, wenn man sich dann trifft, sind beide füreinander da. In einer gemeinsamen Wohnung muss das ständig neu verhandelt werden, und es gibt viele Überraschungen nach dem Motto: Wie, du willst jetzt arbeiten, ich dachte, wir machen xyz?? Ich finde diese Absprachen nicht einfach und habe schon Paare gefragt, wie sie das hinkriegen. Die Antwort lief meistens darauf hinaus, dass die Beziehung so ritualisiert abläuft, dass beide sich z.B. jeden Abend um 20 Uhr zum Abendessen treffen. Wäre bei meinem Lebenswandel nicht unbedingt praktikabel!
 
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Sid_geloescht

  • #36
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von SineNomine:
Eben. Und die Gründe sind im Wesentlichen die gleichen. Wir sind schlicht leichter reizbar und gereizt, unser Wohlfühlbereich ist kleiner. Nicht, weil wir plötzlich irgendeine Angst in uns spüren, sondern schlicht deshalb, weil uns der blöde grippale Infekt zum ungünstigsten Zeitpunkt erwischt hat und einfach nervt oder weil wir uns an einem schönen sonnigen Sonntagnachmittag irgendwelche Texte gegenlesen müssen und die Zeit viel lieber mit der Partnerin oder dem Partner verbringen würden.
Ich glaube wohl, daß es um Angst geht. Wobei diese nicht unbedingt spürbar wird. Spüren tun wir dann, beim gewählten Beispiel, das Genervtsein bei unerwünschter Fürsorge des Anderen.
 
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  • #39
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von SineNomine:
Hmm, wie definiert man "Sich nah sein?". Vielleicht so: geben und nehmen, fühlen, mitfühlen und den anderen mitfühlen lassen, ein Stück gemeinsames Leben teilen, physisch und/oder emotional. Wobei das eine nicht unbedingt mit dem anderen zusammenhängen muss, man kann im Zweifel auf dem gleichen Sofa sitzen und unendlich viel Distanz zwischen sich haben oder sich trotz großer räumlicher Distanz sehr nah sein.




Ich denke das "richtige", oder besser: das als richtig empfundene, Maß hängt stark von der jeweiligen Situation, vom Augenblick, ab. Wenn ich beispielsweise mal krank bin und es mir so richtig schlecht geht, dann empfinde ich eine bestimmte Form von Nähe, von sich umeinander kümmern, durchaus noch als angenehm, werde aber fast wahnsinnig, wenn mir die Partnerin zu sehr mit gut gemeinter Fürsorglichkeit ("Willst Du noch 'nen Tee? Oder lieber was anderes? Wir haben auch noch...") eindeckt und mich damit schier erdrückt. Das richtige Maß ist also sicher nicht zuletzt auch immer tagesformabhängig.

Ein grundsätzlich sehr unterschiedliches Bedürfnis nach Nähe und Distanz in einer Beziehung kann ich mir ehrlich gesagt kaum vorstellten, das ist für mich einer derjenigen Punkte an denen es ganz einfach zumindest leidlich gut passen muss, damit eine Partnerschaft funktionieren kann. Natürlich ist dieses Gleichgewicht von Nähe und Distanz, s.o., auch tagesformabhängig, natürlich passt es mal ein wenig besser und mal etwas schlechter, aber wenn es an der Stelle ganz grundsätzlich und immer nicht passt, dann kann für mich daraus keine Beziehung werden.
Wieder mal gut geschrieben
 
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  • #40
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Was man jeweils unter Nähe oder Distanz verstehen kann, variiert meinen Erfahrungen zufolge sehr weit. Insofern hilft da nur, herauszufinden, wie weitgehend das jeweilige Verständnis davon übereinstimmt. Das kann durchaus eine mühsame Veranstaltung sein.

Aber es gilt - wie bei allen anderen Aspekten, die man als beziehungsrelevant einstuft -, dass nicht nur die grundsätzlichen Bedürfnisebenen möglichst eng beeinanderliegen müssen und sondern ebenso auch die Art und Weise, wie die allfälligen und immer wieder zu führenden Verhandlungen ob tagesformbedingter Unterschiede organisiert sind. Denn auch wenn Kommunikation manchmal schwer fällt, sie ist ebenso unverzichtbar wie die beidseitige Bereitschaft zu Kompromissen.
 
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  • #41
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von Sid:
Ist das dann nicht auch schon eine grundsätzliche Frage des Bedürfnisses nach Nähe rsp.Distanz? Also nicht situationsbezogen. Wenn wir unsere "Schwäche"( bspw.bei Krankheit) spüren, nicht mehr so "wehrhaft" sind und dann Angst entwickeln, daß wir vom Anderen überwältigt oder erdrückt werden könnten in unserem labilen Zustand? Daß also Fürsorge eine potentielle Gefahr impliziert?
Die Sorge vor "Schwäche" kann ich nachvollziehen, weil diese ggf. einhergeht mit Kontrollverlust. Daher ist meines Erachtens weniger die Fürsorge an sich die Gefahr, sondern das potentielle Abhängigsein von jener Fürsorge.

Vielleicht verweise ich mittlerweile einmal zu oft auf Michael Hanekes Film "Liebe", doch finde ich darin sehr präzise behandelt, was mir zu Deinem obigen Zitat durch den Kopf geht.
 
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  • #42
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von equinox:
Was man jeweils unter Nähe oder Distanz verstehen kann, variiert meinen Erfahrungen zufolge sehr weit. Insofern hilft da nur, herauszufinden, wie weitgehend das jeweilige Verständnis davon übereinstimmt. Das kann durchaus eine mühsame Veranstaltung sein.

Aber es gilt - wie bei allen anderen Aspekten, die man als beziehungsrelevant einstuft -, dass nicht nur die grundsätzlichen Bedürfnisebenen möglichst eng beeinanderliegen müssen und sondern ebenso auch die Art und Weise, wie die allfälligen und immer wieder zu führenden Verhandlungen ob tagesformbedingter Unterschiede organisiert sind. Denn auch wenn Kommunikation manchmal schwer fällt, sie ist ebenso unverzichtbar wie die beidseitige Bereitschaft zu Kompromissen.
Ich stimme Dir sehr zu, möchte aber ergänzen, dass das Verständnis von Nähe und Distanz nicht nur zwischen Partnern differieren kann, sondern auch bei einem selbst. Damit meine ich nicht den hier schon häufiger angesprochenen Krankheitsfall, sondern durch Veränederungen und Entwicklungen bei einem selbst. Also, in dem ich mich verändere und entwickel, können sich auch mein Verständnis von und mein Bedürfnis nach Distnaz und Nähe verändern. Das wiederum muss ich meinem Partner vermittelen können, und wir beide müssen ggf eine neue Art und Weise des Umgehens miteinander finden.
 
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Sid_geloescht

  • #43
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von weltenbummler:
Die Sorge vor "Schwäche" kann ich nachvollziehen, weil diese ggf. einhergeht mit Kontrollverlust. Daher ist meines Erachtens weniger die Fürsorge an sich die Gefahr, sondern das potentielle Abhängigsein von jener Fürsorge.

Vielleicht verweise ich mittlerweile einmal zu oft auf Michael Hanekes Film "Liebe", doch finde ich darin sehr präzise behandelt, was mir zu Deinem obigen Zitat durch den Kopf geht.
Ja. Und wie Fürsorge oder Nähe in unseren abhängigen Zeiten auch erlebt wurde.
 

vhe

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  • #44
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von Else:
Liebe Foristen,
die Frage nach Distanz und Nähe in Paarbeziehungen begleitet mich nun in Variationen durch bisher jede meiner Beziehungen. Mal ist es mir zu viel, mal zu wenig Nähe. Und manche verstehen auch etwas anderes als ich unter Nähe. Darum:
Wie definiert Ihr Nähe in einer Beziehung? Was ist für Euch das richtige Maß? Wie geht ihr damit um, wenn die Bedürfnisse nach Nähe und Distanz verschieden sind?
Meine Vermutung (zumindest bei mir) ist, je mehr man das Gefühl hat, sich verstellen zu müssen, umso mehr wird Nähe zur Belastung.

"Verstellen" ist jetzt vielleicht etwas hart, aber ich meine, z.B. benimmt man sich anders, wenn man Gäste hat, als wenn man allein ist. Wenn man nun der Meinung ist, 24/7 die Gästemaske aufhaben zu müssen, wird es anstrengend.

Oder, als Beispiel: Man hat eine Beziehung zu einer Frau, bei der man sich ein bisschen anstrengen muß.Will. (Also man liebt sie und will sich vielleicht auch selber ein bisschen weiterentwickeln.) Also, bessere Restaurants, die Arbeitsklamotten eines ITlers (T-Shirt, Shorts, Sandalen) gegen was zünftigeres eingetauscht und jeden Abend noch Smalltalk. Dann wird aus "Nähe" ein Stresszustand. Und irgendwann sehnt man sich förmlich danach, dass sich die Frau mal in einen Yoga-Kurs einschreibt, damit man sich endlich mal wieder unbehelligt seine Lieblingspizza kommen und sich fallen lassen kann.
 
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  • #45
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von vhe:
...t und jeden Abend noch Smalltalk. Dann wird aus "Nähe" ein Stresszustand.
tja... small talk hat ja mit Nähe auch nicht so rasend viel zu tun,
Ich versteh schon was du meinst, aber wenn man sich selber "fern" ist, ist man ja dem anderen trotzdem nicht "nah".