Else

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  • #1

Nähe? Ja, aber wie viel?

Liebe Foristen,
die Frage nach Distanz und Nähe in Paarbeziehungen begleitet mich nun in Variationen durch bisher jede meiner Beziehungen. Mal ist es mir zu viel, mal zu wenig Nähe. Und manche verstehen auch etwas anderes als ich unter Nähe. Darum:
Wie definiert Ihr Nähe in einer Beziehung? Was ist für Euch das richtige Maß? Wie geht ihr damit um, wenn die Bedürfnisse nach Nähe und Distanz verschieden sind?

LG, Else
 
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  • #2
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von Else:
Liebe Foristen,
die Frage nach Distanz und Nähe in Paarbeziehungen begleitet mich nun in Variationen durch bisher jede meiner Beziehungen. Mal ist es mir zu viel, mal zu wenig Nähe. Und manche verstehen auch etwas anderes als ich unter Nähe. Darum:
Wie definiert Ihr Nähe in einer Beziehung? Was ist für Euch das richtige Maß? Wie geht ihr damit um, wenn die Bedürfnisse nach Nähe und Distanz verschieden sind?

LG, Else

Hallo Else,
das ist auch gerade mein Thema. Lange als Single gelebt. Manche (normale) Freundschaften habe ich als zu eng erlebt, weil meine Grenzen nicht akzeptiert wurden
.
Was meinst Du mit Nähe:
a) räumliche
b) alles immer von dem anderen Wissen wollen
c) innere Verbundenheit (auch wenn körperlich nicht anwesend)
d)...
 

Else

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  • #3
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von silberdistel:
Hallo Else,
das ist auch gerade mein Thema. Lange als Single gelebt. Manche (normale) Freundschaften habe ich als zu eng erlebt, weil meine Grenzen nicht akzeptiert wurden
.
Was meinst Du mit Nähe:
a) räumliche
b) alles immer von dem anderen Wissen wollen
c) innere Verbundenheit (auch wenn körperlich nicht anwesend)
d)...

Zu einer Beziehung könnte alles gehören. Ich hatte aber nicht das Problem Fernbeziehung im Sinn. Man kann ja auch in den eigenen vier Wänden Nähe und Distanz (er)leben.
 
J

jolie_geloescht

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  • #4
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Also, bei mir wäre es so:
Wenn ich von der Arbeit komme, brauche ich meine Ruhe und Kaffee. Also müsste er bitte ca.30Min.nicht mit mir reden. Ich habe immer Menschen um mich herum ubd dann brauche ich es halt. Morgens will ich auch erstmal,meine Ruhe und Kaffee. Ich steh schin extra früher auf um in Ruhe es geniessen zu können.
Das klingt schon schlimm, wenn ich darüber nachdenke. Traurig, aber wahr!
 
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  • #5
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von jolie:
Also, bei mir wäre es so:
Wenn ich von der Arbeit komme, brauche ich meine Ruhe und Kaffee. Also müsste er bitte ca.30Min.nicht mit mir reden. Ich habe immer Menschen um mich herum ubd dann brauche ich es halt. Morgens will ich auch erstmal,meine Ruhe und Kaffee. Ich steh schin extra früher auf um in Ruhe es geniessen zu können.
Das klingt schon schlimm, wenn ich darüber nachdenke. Traurig, aber wahr!

Mir geht es so ähnlich wie Jolie.
Ich habe Zeiten, da freue ich mich über die Anwesenheit eines Menschen, will aber noch nicht schon gleich "wichtige Diskussionen führen müssen", wenn gerade wenn ich aufgestanden bin, oder einen anstrengenden Tag hatte.

Ich denke, jedes Paar muss da seine eigene Art der Verständigung finden.

Das hat bei mir auch mal gut geklappt. Wenn beide merken, dass man sich grundsätzlich freut, dass der andere da ist, aber erst mal vor sich hin wursteln, sinnieren, mucken kann, um dann entspannt was gemeinsam zu machen.
Praktisch war das so, dass jeder in der gemeinsamen Wohnung "seinen Bereich" hatte, und wir uns dann getroffen haben, wenn es gepasst hat.
Ich würde eine Wohnung auch entsprechend so einrichten "mein Zimmer" und "sein Zimmer" statt dem klassischen "unser Wohnzhimmer" unser "Schlafzimmer".

Was ich in einer (nicht gut gelaufenen Beziehung) gar nicht mochte, ist wenn ich mich zu einem Thema geäußert habe, und meine es wäre alles gesprochen, und der/die andere gibt keine Ruhe. Wenn mir in diesem Sinne zu Nahe getreten wird. Das heißt nicht, dass ich zu einem anderen Zeitpunkt nicht wieder gesprächsbereit gewesen wäre.
Auch eine zu häufige Nachfragerei, was machst Du gerade, was denkst Du, Was... kann mich zur unpassenden Zeit sehr "verärgern".
 

dialogues

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  • #6
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Denke es braucht soviel Nähe in einer Beziehung, dass auch der "Hungrigere" noch "satt" wird, sonst wird es auf Dauer nicht (gut) funktinonieren.
 
J

jolie_geloescht

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  • #7
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Richtig Silberdistel, oder was ich nicht mag, sind anrufe auf dem Handy, wo bist du gerade, wann kommst, wer ist bei dir. Wenn ich an das denke, dann bin ich wieder gerne Single ;-)
 

Mathilda

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  • #8
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Hallo liebe Else, ein schönes Thema.

Meine Erfahrung: Wenn es passt, dann stellt sich mir die Frage nicht.
Ein Tauziehen findet erst statt, wenn irgendwas im Argen liegt.

Emotionale Nähe ist für mich der Schlüssel.
Der beinhaltet für mich u.a. Aufrichtigkeit, Vertrauen, Respekt, Eigenständigkeit
und sich gegenseitig auf dem Laufenden halten.
Wer hat schon wirklich allerschlimmste Lebensnöte - Nähe bedeutet für mich daher auch,
dass ich weiß, dass mein Partner gerade auf dem Zahnarztstuhl sitzt und er mir anschließend erzählt, obs weh getan hat.
Sich austauschen - gerade über scheinbar banales....

Ich bin geschmeichelt von Forderung des Partners an Nähe, wenn ich weiß, dass er indirekt mit mit flirtet, mich kitzeln will -------> obwohl er versteht und akzeptiert, dass ich gerade KEINE Zeit habe. Das verleitet mich oft, doch Zeit zu schaffen.

Anstrengend ists, wenn der Partner fordert / mir den Eindruck vermittelt, dass er meine Zeitnot gar nicht nachvollziehen kann und mir den Schwarzen Peter aufnötigt, in dem er anhand Zeit meine Wertschätzung ihm gegenüber meint prüfen zu können bzw. er mir dadurch reine Bedürftigkeit vermittelt.
 
S

Sid_geloescht

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  • #9
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Das sind jetzt aber wirklich spannende Fragen.
Für mich hat Nähe etwas mit emotionaler Berührbarkeit zu tun. Inwieweit lasse ich es zu, einem Menschen Vertrauen zu schenken, Verbindlichkeit möglich werden zu lassen, mich bedürftig nach der Liebe des anderen zu zeigen. Und den Schmerz in Kauf zu nehmen, der bei Zurückweisung, Abwendung oder Verlust des Gegenübers drohen kann. Mich im Bewusstsein der vielfältigen Enttäuschungs- und Verletzungsmöglichkeiten in all meinen möglichen Facetten zu zeigen. Ohne mich den verschiedensten Ängsten zu unterwerfen.Vielleicht im Sinne des gegenseitigen sich im Innersten Erkennens und Begegnens. Als zwei getrennte Menschen. Die sogar an manchen Stellen gelegentlich miteinander verschmelzen, ohne ihr Ich zu verlieren.So ungefähr stelle ich mir Nähe vor.
Und glaube, wenn es da unterschiedliche Bedürfnisse gibt, haut eine Beziehung nicht hin.
 
Zuletzt bearbeitet:

SineNomine

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  • #10
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von Else:

Hmm, wie definiert man "Sich nah sein?". Vielleicht so: geben und nehmen, fühlen, mitfühlen und den anderen mitfühlen lassen, ein Stück gemeinsames Leben teilen, physisch und/oder emotional. Wobei das eine nicht unbedingt mit dem anderen zusammenhängen muss, man kann im Zweifel auf dem gleichen Sofa sitzen und unendlich viel Distanz zwischen sich haben oder sich trotz großer räumlicher Distanz sehr nah sein.


Zitat von Else:
Was ist für Euch das richtige Maß? Wie geht ihr damit um, wenn die Bedürfnisse nach Nähe und Distanz verschieden sind?

Ich denke das "richtige", oder besser: das als richtig empfundene, Maß hängt stark von der jeweiligen Situation, vom Augenblick, ab. Wenn ich beispielsweise mal krank bin und es mir so richtig schlecht geht, dann empfinde ich eine bestimmte Form von Nähe, von sich umeinander kümmern, durchaus noch als angenehm, werde aber fast wahnsinnig, wenn mir die Partnerin zu sehr mit gut gemeinter Fürsorglichkeit ("Willst Du noch 'nen Tee? Oder lieber was anderes? Wir haben auch noch...") eindeckt und mich damit schier erdrückt. Das richtige Maß ist also sicher nicht zuletzt auch immer tagesformabhängig.

Ein grundsätzlich sehr unterschiedliches Bedürfnis nach Nähe und Distanz in einer Beziehung kann ich mir ehrlich gesagt kaum vorstellten, das ist für mich einer derjenigen Punkte an denen es ganz einfach zumindest leidlich gut passen muss, damit eine Partnerschaft funktionieren kann. Natürlich ist dieses Gleichgewicht von Nähe und Distanz, s.o., auch tagesformabhängig, natürlich passt es mal ein wenig besser und mal etwas schlechter, aber wenn es an der Stelle ganz grundsätzlich und immer nicht passt, dann kann für mich daraus keine Beziehung werden.
 

Freitag

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  • #11
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von dialogues:
Denke es braucht soviel Nähe in einer Beziehung, dass auch der "Hungrigere" noch "satt" wird, sonst wird es auf Dauer nicht (gut) funktinonieren.
manche sind nimmersatt. ich kann aus eigener leidvoller erfahrung berichten. es ist die hölle. das ist als wenn dir alles ausgesaugt wirst.
 
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  • #12
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Ich unterteile das mal in Innere Nähe und ihre Umsetzung im sichtbaren Alltag.

Innere Nähe ist für mich die klare Entscheidung füreinander, in dem anderen einen guten Menschen sehen und das Leben schöner finden, wenn er dazu gehört. Sich aufeinander verlassen können und sich vertrauen, perspektivisch für eine lange Zeit. Sich so zu nehmen wie man ist, mit den bekannten Ecken und Kanten. Ist diese Grundhaltung da, entsteht Nähe.

Wie sich dies nun im Alltag zeigt , kann sehr verschieden (ausgeprägt) sein : ob man viele Freizeitinteressen teilt oder nicht, wie intensiv man im Kontakt steht (Verabredungen, telefonieren, simsen oder auch nicht), wie selbstverständlich man kleine und große Entscheidungen mit dem anderen berät und gemeinsam trifft, wie intensiv Körperkontakt gesucht wird , wie stark Kompromisse gesucht werden, wenn die Pläne/Vorstellungen mal nicht übereinstimmen....

Meine letzte Beziehung ist an dem Thema gescheitert und (nicht nur) deshalb sehe ich es wie SineNomine : Übereinstimmung ist hier sehr wichtig. Wenn es nicht passt, hilft auch keine Anstrengung, sich oder den anderen zu ändern - es ist so, als spräche man zwei verschiedene Sprachen und Annäherung funktioniert kaum oder nur zu dem Preis, sich zu verbiegen, sich permanent "anzustrengen" und nicht mehr wie man selbst zu agieren... Und der andere ist trotzdem enttäuscht und wertet den Abstand immer persönlich...

Für mich ist die innere Nähe sehr wichtig und absolute Vorraussetzung - da kann ich keine halbherzigen Kompromisse eingehen. Ich finde es auch schön, wenn sie im Alltag spürbar ist, aber es sollte nicht so weit gehen, den eigenen individuellen Lebensraum komplett aufzugeben. Oder es zu engstirnig zu nehmen, wenn äußere Umstände einem ab und zu einen Strich durch die Rechnung machen (Beispiel Kranksein oder eingeschränkte Verfügbarkeit bei großer Arbeitsbelastung etc.).
 

anka

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  • #13
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von dialogues:
Denke es braucht soviel Nähe in einer Beziehung, dass auch der "Hungrigere" noch "satt" wird, sonst wird es auf Dauer nicht (gut) funktinonieren.

Das finde ich schön/treffend formuliert!

Vielleicht auch eine Frage der Kommunikation?

Ist ja selten so, dass beide Seiten exakt das gleiche Bedürfnis nach Nähe haben. Schwierig wird es meist, wenn der Umgang mit den versch. Bedürfnissen nicht funktioniert. Eine Seite fängt dann immer mehr an zu fordern/ zu klammern, die andere Seite zieht sich zunehmend zurück...
Manchmal reicht es schon, wenn der, dem es zuviel wird, dies klar kommuniziert. Und ausdrückt, dass sein Bedürfnis nach Ruhe/Abstand nicht am anderen liegt. Sollte es doch am anderen liegen, umso wichtiger, zum Ausdruck zu bringen, was einen stört.
 

Freitag

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  • #14
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von anka:
Manchmal reicht es schon, wenn der, dem es zuviel wird, dies klar kommuniziert. Und ausdrückt, dass sein Bedürfnis nach Ruhe/Abstand nicht am anderen liegt. .
leider ändert sich dann in den allermeisten fällen auch nichts zum besseren. manche kapieren es nie und man redet gegen windmühlen.
 
S

Sid_geloescht

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  • #15

Else

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  • #16
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Schwierig ist es dann, wenn beide unterschiedliche Bedürfnisse haben: hier Distanz - da Nähe. Wenn es wirkliche Bedürfnisse sind, dann wird sich da kaum ein Ausgleich ergeben, bzw. ein Kompromiss nur schwer finden lassen. Weil Bedürfnisse eben befriedigt sein wollen, und ein Abrücken von Positionen nicht möglich scheint.
 
S

Sid_geloescht

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  • #17
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von Else:
Schwierig ist es dann, wenn beide unterschiedliche Bedürfnisse haben: hier Distanz - da Nähe. Wenn es wirkliche Bedürfnisse sind, dann wird sich da kaum ein Ausgleich ergeben, bzw. ein Kompromiss nur schwer finden lassen. Weil Bedürfnisse eben befriedigt sein wollen, und ein Abrücken von Positionen nicht möglich scheint.

Insbesondere wenns um so frühe Bedürfnisse geht.
 

anka

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  • #18
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von Freitag:
leider ändert sich dann in den allermeisten fällen auch nichts zum besseren. manche kapieren es nie und man redet gegen windmühlen.

Vorausgesetzt, du hast dich wirklich offen mitgeteilt:
Aber dann stimmt doch die Basis nicht, oder?

Ich finde es normal, dass man nicht immer das gleiche Bedürfnis nach Nähe hat und der andere ggf. auch mal enttäuscht ist, weil ich ihm gerade nicht geben kann, was er gerne hätte (oder auch, dass ich mal enttäuscht bin).

Dass er aber trotzdem meine Grenze respektiert, erwarte ich und empfinde ich als Zeichen von Respekt. Ohne den geht es nämlich wirklich nicht.
 

Freitag

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  • #19
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von anka:
Vorausgesetzt, du hast dich wirklich offen mitgeteilt:
Aber dann stimmt doch die Basis nicht, oder?

Dass er aber trotzdem meine Grenze respektiert, erwarte ich und empfinde ich als Zeichen von Respekt. Ohne den geht es nämlich wirklich nicht.
die basis hat null gestimmt.

respektlosigkeit ist oft gekoppelt mit solchen egozentrischen charakteren die alles auf sich selbst beziehen. ich hab wirklich in jeder hinsicht erläutert, erklärt und auch wenn es so aussah, dass für 5 minuten was angekommen war, so änderte es sich wieder nach wenigen tagen.
 

SineNomine

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  • #20
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von Schreiberin:
Innere Nähe ist für mich die klare Entscheidung füreinander, in dem anderen einen guten Menschen sehen und das Leben schöner finden, wenn er dazu gehört. Sich aufeinander verlassen können und sich vertrauen, perspektivisch für eine lange Zeit. Sich so zu nehmen wie man ist, mit den bekannten Ecken und Kanten. Ist diese Grundhaltung da, entsteht Nähe.

Schön formuliert.


Zitat von Schreiberin:
Oder es zu engstirnig zu nehmen, wenn äußere Umstände einem ab und zu einen Strich durch die Rechnung machen (Beispiel Kranksein oder eingeschränkte Verfügbarkeit bei großer Arbeitsbelastung etc.).

Das spannende ist, dass, jedenfalls bei mir und meiner Beobachtung nach sicher auch bei vielen anderen, das Empfinden für das richtige Maß von Nähe und Distanz gerade in solchen Situationen mitunter sehr "digital" ist. Bis zu einem gewissen Punkt genießt man die Nähe und die Zugewandtheit der Partnerin oder des Partners, aber ein klein wenig zu viel davon und schon schlägt das bis dahin gute und angenehme Gefühl mitunter in ein „Von Fürsorge und Nähe erdrückt werden“ um. Was die richtige Dosis an „Nähe“ angeht sind wir mitunter recht empfindlich.
 

Else

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  • #21
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von anka:
Dass er aber trotzdem meine Grenze respektiert, erwarte ich und empfinde ich als Zeichen von Respekt. Ohne den geht es nämlich wirklich nicht.

Da gebe ich Dir vollkommen recht. Ich glaube aber, dass es Situationen gibt, in der man auf sein Bedürfnis zurückgeworfen wird. Und dann kann man nur noch sich und z.B. das Bedürfnis nach Nähe sehen. Vielleicht registriert man sogar noch, dass der andere dem Wunsch jetzt nicht im gleichen Maß entsprechen kann, aber man kann eben nicht anders, als es trotzdem zu fordern. Und ist unendlich enttäuscht und verletzt, wenn die Nähe in subjektiv nicht ausreichendem Maß hergestellt wird (werden kann).
 

Else

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  • #22
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von SineNomine:
Das spannende ist, dass, jedenfalls bei mir und meiner Beobachtung nach sicher auch bei vielen anderen, das Empfinden für das richtige Maß von Nähe und Distanz gerade in solchen Situationen mitunter sehr "digital" ist. Bis zu einem gewissen Punkt genießt man die Nähe und die Zugewandtheit der Partnerin oder des Partners, aber ein klein wenig zu viel davon und schon schlägt das bis dahin gute und angenehme Gefühl mitunter in ein „Von Fürsorge und Nähe erdrückt werden“ um. Was die richtige Dosis an „Nähe“ angeht sind wir mitunter recht empfindlich.

Dieses Umschlagen habe ich in einer Beziehung sehr deutlich erlebt. Ich kam aus einer, die mir zu distanziert war, und habe anfangs sehr die Nähe und seinen Wunsch nach Nähe sehr genossen. Ich fühlte mich gewertschätzt und umsorgt. Sehr bald schlug das aber um ins Gegenteil. Nicht nur gefühlt, sondern auch real. Ich wurde kontrolliert und eingeschränkt. So habe ich diese Beziehung sehr schnell beendet.
 
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  • #23
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von SineNomine:

Oh - ein Podest !..... :)

Zitat von SineNomine:
Das spannende ist, dass, jedenfalls bei mir und meiner Beobachtung nach sicher auch bei vielen anderen, das Empfinden für das richtige Maß von Nähe und Distanz gerade in solchen Situationen mitunter sehr "digital" ist. Bis zu einem gewissen Punkt genießt man die Nähe und die Zugewandtheit der Partnerin oder des Partners, aber ein klein wenig zu viel davon und schon schlägt das bis dahin gute und angenehme Gefühl mitunter in ein „Von Fürsorge und Nähe erdrückt werden“ um. Was die richtige Dosis an „Nähe“ angeht sind wir mitunter recht empfindlich.

Das kenne ich auch : häufiges Melden - wunderschön. Und dann plötzlich ist es der falsche Moment und erwischt dich auf dem falschen Bein und der Haussegen hängt schief...
Ich frage mich da nur, ob es dabei wirklich so ist, dass das Maß grundsätzlich richtig ist und nur der Moment zufällig zugünstig - oder ob es ein Zeichen dafür ist, dass man sich die ganze Zeit immer ein Stück "bemüht", sich auf das Maß einzustellen und in einer Stresssituation "fällt dann die Maske" und es wird deutlich, dass es doch nicht das Maß ist, das der eigenen Natur entspricht....
 
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Sid_geloescht

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  • #24
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von SineNomine:
Schön formuliert.




Das spannende ist, dass, jedenfalls bei mir und meiner Beobachtung nach sicher auch bei vielen anderen, das Empfinden für das richtige Maß von Nähe und Distanz gerade in solchen Situationen mitunter sehr "digital" ist. Bis zu einem gewissen Punkt genießt man die Nähe und die Zugewandtheit der Partnerin oder des Partners, aber ein klein wenig zu viel davon und schon schlägt das bis dahin gute und angenehme Gefühl mitunter in ein „Von Fürsorge und Nähe erdrückt werden“ um. Was die richtige Dosis an „Nähe“ angeht sind wir mitunter recht empfindlich.

Ist das dann nicht auch schon eine grundsätzliche Frage des Bedürfnisses nach Nähe rsp.Distanz? Also nicht situationsbezogen. Wenn wir unsere "Schwäche"( bspw.bei Krankheit) spüren, nicht mehr so "wehrhaft" sind und dann Angst entwickeln, daß wir vom Anderen überwältigt oder erdrückt werden könnten in unserem labilen Zustand? Daß also Fürsorge eine potentielle Gefahr impliziert?
 

anka

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  • #25
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von Else:
Da gebe ich Dir vollkommen recht. Ich glaube aber, dass es Situationen gibt, in der man auf sein Bedürfnis zurückgeworfen wird. Und dann kann man nur noch sich und z.B. das Bedürfnis nach Nähe sehen. Vielleicht registriert man sogar noch, dass der andere dem Wunsch jetzt nicht im gleichen Maß entsprechen kann, aber man kann eben nicht anders, als es trotzdem zu fordern. Und ist unendlich enttäuscht und verletzt, wenn die Nähe in subjektiv nicht ausreichendem Maß hergestellt wird (werden kann).

Ja, das ist dann natürlich auch nicht leicht. Auszuhalten, dass der andere jetzt unendlich enttäuscht und verletzt ist. Da hilft manchmal nur ein dickes Fell. Und die Fähigkeit, dem anderen seine Gefühle zu lassen.
 

SineNomine

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  • #26
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von Schreiberin:

Lach, ich wollte es noch dazugeschrieben haben… ;-)


Zitat von Schreiberin:
Ich frage mich da nur, ob es dabei wirklich so ist, dass das Maß grundsätzlich richtig ist und nur der Moment zufällig zugünstig - oder ob es ein Zeichen dafür ist, dass man sich die ganze Zeit immer ein Stück "bemüht", sich auf das Maß einzustellen und in einer Stresssituation "fällt dann die Maske" und es wird deutlich, dass es doch nicht das Maß ist, das der eigenen Natur entspricht....

Hmm, ich glaube da kommen oft eher andere Dinge zusammen als dass da jemand plötzlich eine Maske fallenlässt. Wenn wir gemütlich und entspannt auf dem Sofa liegen ist unser „Wohlfühlfenster“ was Nähe angeht vermutlich schlicht weit größer als in einer Situation in der wir krank sind und jeden Knochen einzeln spüren oder versuchen am Wochenende ein paar Stunden konzentriert zu Arbeiten um den Berg Papier auf dem Büroschreibtisch ein wenig abzubauen. Gleichzeitig hat aber gerade in solchen Momenten die Partnerin oder der Partner oft den Eindruck, dass ihre oder seine Nähe uns helfen könnte. Und wenn wir das Angebot von Nähe dann vielleicht noch etwas unwirsch und/oder genervt zurückweisen hängt halt der Haussegen schief.

Dort, wo es im Normalfall einen genügend großen Überlapp zwischen den Wohlfühlfenstern beider Partner gibt muss sich niemand großartig „bemühen“ oder gar verbiegen und Masken tragen, man findet als Paar ein Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz mit dem beide gut klarkomme. Das verhindert aber trotzdem nicht, dass im Einzelfall auch mal kein Überlapp existiert. Solange das wirklich der Einzelfall und nicht die Regel ist wird eine ansonsten stabile Beziehung damit schon fertig.
 

SineNomine

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  • #27
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von Sid:
Daß also Fürsorge eine potentielle Gefahr impliziert?

Das würde ich für deutlich überinterpretiert halten.
Es dürfte doch eher schlicht so sein, dass, wenn wir beispielsweise krank sind, unsere "Wohlfühlfenster" ganz allgemein schrumpfen. Musik die ich, wenn es mir gut geht, unter "so gerade noch erträglich" verbuche ist dann unerträglich, der Baulärm den ich ansonsten vielleicht noch ausblenden kann raubt mir den letzten Nerv, irgendein Geruch wird zum penetranten Gestank und die Nähe der Partnerin halt für den Augenblick erdrückend.
 
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Sid_geloescht

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  • #28
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von SineNomine:
Das würde ich für deutlich überinterpretiert halten.
Es dürfte doch eher schlicht so sein, dass, wenn wir beispielsweise krank sind, unsere "Wohlfühlfenster" ganz allgemein schrumpfen. Musik die ich, wenn es mir gut geht, unter "so gerade noch erträglich" verbuche ist dann unerträglich, der Baulärm den ich ansonsten vielleicht noch ausblenden kann raubt mir den letzten Nerv, irgendein Geruch wird zum penetranten Gestank und die Nähe der Partnerin halt für den Augenblick erdrückend.

Du beschreibst gerade die Veränderung in der Wahrnehmung sensorische Qualitäten betreffend wenns uns nicht gut geht. Riechen,Hören etc. Und die Nähe ist auf diesem Niveau angesiedelt.Insofern finde ichs nicht überinterpretiert.
 

SineNomine

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  • #29
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

Zitat von Sid:
Du beschreibst gerade die Veränderung in der Wahrnehmung sensorische Qualitäten betreffend wenns uns nicht gut geht. Riechen,Hören etc. Und die Nähe ist auf diesem Niveau angesiedelt.

Eben. Und die Gründe sind im Wesentlichen die gleichen. Wir sind schlicht leichter reizbar und gereizt, unser Wohlfühlbereich ist kleiner. Nicht, weil wir plötzlich irgendeine Angst in uns spüren, sondern schlicht deshalb, weil uns der blöde grippale Infekt zum ungünstigsten Zeitpunkt erwischt hat und einfach nervt oder weil wir uns an einem schönen sonnigen Sonntagnachmittag irgendwelche Texte gegenlesen müssen und die Zeit viel lieber mit der Partnerin oder dem Partner verbringen würden.
 

faraway

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  • #30
AW: Nähe? Ja, aber wie viel?

ein sehr komplexes Thema.
- Nähebedürfniss ist variabel - in mir, im anderen wahrscheinlich auch
- möglicherweise hat in einer Beziehung der "Schwächere" (Unsicherere) mehr Nähebedürfnis, weil er mehr effektive Nähestätigung braucht. = wenn ich mich "verständlich" geliebt fühle, brauche ich weniger Nähebestätigung. Wenn mich der andere verunsichert, brauche ich mehr.
Das heisst nicht unbedingt, dass der eine den anderen a priori weniger liebt. Kann aber zur Entfremdung beitragen: weil, je mehr ich z.B. Nähebestätigung "brauche", der andere vielleicht "allergisch" reagiert. and so on. Der Ball ist ins Rollen gebracht.
ich kenne das aus beiden Richtungen.
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