SineNomine

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  • #121
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von winzling:
Es gibt Bücher, die ich mehrmals gelesen habe, nur weil jemand zu Inhalten ganz andere Auffassungen vertrat bzw. mich auf Inhalte hinwies, die ich gar nicht bemerkt hatte. Man kann ein Buch oder einen Film oder ein Lied durchaus immer wieder anders erfahren, wenn sich der Blickwinkel ändert.

Auch das ist Offenheit für Neues und ein Bewahren der eigenen Neugier, ja. Letztlich ist die Vielschichtigkeit, die Vielzahl an möglichen Betrachtungswinkeln, ja das, was wirklich gute Bücher, Filme, Theaterstücke oder auch Musik ausmacht. Da gibt es oft nicht nur eine einzige, klar abgegrenzte Ebene, die auf den ersten Blick erkannt wird und fertig, vieles offenbart sich erst beim zweiten oder dritten Blick.

Zitat von winzling:
"Kultur" muss Spaß machen, wobei der Spaß beim Tanzen ein anderer ist als im Theater und wieder ein anderer im Museum. Das schließt auch den Spaß an der Konfrontation mit ernsteren oder sogar traurigen Dingen ein.

Hmm, auch ein interessanter Aspekt. Spaß muss sein, aber oft steht vor dem Spaß und dem Genuss auch ein gewisses Maß an Anstrengung, an Auseinandersetzung mit dem was man dann letztlich auf die eine oder andere Weise genießen will. Wer glaubt „Spaß“ durch reinen Konsum, hinsetzen und sich passiv bespaßen lassen, zu erreichen hat schon mal ein gänzlich anderes Verständnis vom Umgang mit „Kultur“ als ich, und das wäre einer Partnerschaft sicherlich nicht sonderlich zuträglich.
 

SineNomine

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  • #122
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von Schreiberin:
Für klassische Bildung hatten meine Eltern nicht so die Zeit - sie mussten hart schuften, damit wir alle 13 Jahre Schulbildung "genießen" konnten. Deshalb fehlt mir teilweise der Zugang (auf intellektueller Ebene).

Willkommen im Club. ;-)

Das Schöne ist aber, dass man sich als Proletarierkind, auch wenn einem der Zugang zu bestimmten Formen klassischer Bildung nicht als breit gepflasterte gerade Straße in die Wiege gelegt wurde, diesen im Zweifel jederzeit erarbeiten kann. Der Bildungsbürger hat es da umgekehrt wesentlich schwerer, wenn der mit Mitte 30 plötzlich beim Bau des eigenen Hauses mal schweres Werkzeug in die Hand nehmen muss legt man besser schon mal den Verbandskasten bereit. :)


Zitat von Schreiberin:
[…], wo ich einige Male zu oft vor "Werken" stehe, die mir wohl verschlossen bleiben SOLLEN, denn niemand hilft mir sie zu verstehen - selbst wenn ich in den ca. 4 kg schweren Ausstellungskatalog einen Haufen Geld investiere und dann nur abgedrehtes Blablabla lesen darf....

Da drängt sich mir oft der Verdacht auf, dass derjenige, der das Blablabla verfasst hat selbst keinen wirklichen Zugang zu dem Werk gefunden hat und am Ende schlicht /irgendetwas/ in den Ausstellungskatalog schreiben musste. An der Stelle bin ich inzwischen selbstbewusst genug zur Kenntnis zu nehmen, dass manches Werk offenbar auch wirklichen Kunstkennern nichts zu sagen vermag. :)
 
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Heike

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  • #123
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von nele5050:
.. eine documenta in Kassel würde ich nicht besuchen, weil ich wahrscheinlich gerade zu dem Termin ein date hätte, was ich wesenlich spannderner finde ... rein kulturell

Haha, sie dauert 100 Tage - das müßte ein recht langes Date sein.

Und verstehen muß man nicht alles gleich. Das kann mal ein guter Test sein: ein (partielles) Nichtverstehen auszuhalten.
 
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Löwefrau_geloescht

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  • #124
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von Heike:
Haha, sie dauert 100 Tage - das müßte ein recht langes Date sein.

Und verstehen muß man nicht alles gleich. Das kann mal ein guter Test sein: ein (partielles) Nichtverstehen auszuhalten.

Da muss ich aber auch schmunzeln.
Und ja, ich muss nicht alles verstehen. Manchmal reicht es, in einer Ausstellung zu fühlen.
In sich zu horchen.
Es mag Menschen geben, die über alles diskutieren wollen in der Kunst. Kann man denn nicht versuchen, nur Teile anzunehmen?
 
W

winzling_geloescht

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  • #125
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von SineNomine:
Spaß muss sein, aber oft steht vor dem Spaß und dem Genuss auch ein gewisses Maß an Anstrengung, an Auseinandersetzung mit dem was man dann letztlich auf die eine oder andere Weise genießen will. Wer glaubt „Spaß“ durch reinen Konsum, hinsetzen und sich passiv bespaßen lassen, zu erreichen hat schon mal ein gänzlich anderes Verständnis vom Umgang mit „Kultur“ als ich, und das wäre einer Partnerschaft sicherlich nicht sonderlich zuträglich.

Der Begriff "Spaß" schließt für mich auch den Spaß an Entwicklung ein. Das wiederum hat auch etwas mit Zulassenkönnen und Erkennen der eigenen Grenzen zu tun. Es gibt beispielsweise sehr gute Ausstellungen, Theateraufführungen oder Filme, die ich mir jedoch kein zweites Mal zumuten möchte. Einfach weil sie zu sehr an die Substanz gehen, an "meine" Substanz. Dass ich sie jedem empfehlen würde, der sie nicht kennt, ist eine ganz andere Sache.

Bei "passivem Bespaßen" fällt mir so auf den Plautz das Fernsehen ein, am besten rund um die Uhr mit allen "daily soaps" und wer weiß noch was. Keine Ahnung, da kenn ich mich so gar nicht aus. Wobei ich finde, auch "Triviales" hat seine Berechtigung, solange es Menschen gibt, die sich da wiederfinden und Freude dran haben. Ich muss ja nicht unbedingt dazugehören.

Sowas wie den Besuch eines Musicals könnte ich mir eher vorstellen, da fänd ich sicher was, was mir was gibt, vielleicht nicht so ganz viel, aber irgendetwas bestimmt. Auch so kleine Gigs von Bands aus dem "Nachwuchsbereich" find ich ganz spannend, auch wenn da nicht unbedingt die Werke großer Meister gespielt werden. Neugier halt, und möglicherweise die Fähigkeit, sich an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen zu können. Es sind nicht immer die "Hochgebildeten", die mich in meiner Entwicklung voranbringen.
 
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Löwefrau_geloescht

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  • #126
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von Schreiberin:
Für klassische Bildung hatten meine Eltern nicht so die Zeit - sie mussten hart schuften, damit wir alle 13 Jahre Schulbildung "genießen" konnten. Deshalb fehlt mir teilweise der Zugang (auf intellektueller Ebene).
Aber mein Vater konnte JEDES Lied auf dem Akkordeon einfach so nachspielen und hat mir mitgegeben, wie herrlich es ist, sich zu Musik zu bewegen. Deshalb berührt mich Musik der unterschiedlichsten Art - ob es nun Strauß, Pur, Debussy, die Backstreet Boys, Gregorianische Gesänge oder ein Lied aus "König der Löwen" ist. So vieles kann einen für einen Moment glücklich machen....
Und kulturelle Bereicherungen sind es für mich auch mit jemandem gut Bachata zu tanzen oder ein Kinderbuch wie "Die besten Beerdigungen der Welt" zu lesen....

Was mich eher negativ in Wallung bringt, ist zum Beispiel ein Besuch der Documenta , wo ich einige Male zu oft vor "Werken" stehe, die mir wohl verschlossen bleiben SOLLEN, denn niemand hilft mir sie zu verstehen - selbst wenn ich in den ca. 4 kg schweren Ausstellungskatalog einen Haufen Geld investiere und dann nur abgedrehtes Blablabla lesen darf....

Zusammengefasst : ja, die kulturellen Interessen sollten wohl einigermaßen zusammenpassen und da, wo es nicht so ist, wäre es schön, wenn "Vermittlungskompetenz" vorhanden wäre, um zumindest im Nachvollziehen wieder näher zueinander zu rücken...


Ich denke, das stimmt mit dem überein, was mit die Orchesterdirektorin sagte.....das mit dem Berühren und der Musik.
 
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winzling_geloescht

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  • #127

Heike

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  • #128
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von winzling:
Ich finde, man kann. Gerade in der Kunst. Etwas einfach nur schön finden, ohne es "zu zerreden" ;o).

Oder einfach durch etwas irritiert zu sein, ohne es immer schön finden zu müssen.
 
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Löwefrau_geloescht

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  • #129
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Nun...was ich hier lese von den Protagonisten, die Musicals für keine Kunst halten, ist schweres Zerreden. Ich stelle mir immer vor, wie sie vor einer Landschaft von van Gogh stehen und eher über Pinselführung und Farbintensität reden, als einfach nur darin zu versinken und sich nichts sehnlicher zu wünschen als genau jetzt da zu sein.
 
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winzling_geloescht

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  • #130
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von SineNomine:
Das Schöne ist aber, dass man sich als Proletarierkind, auch wenn einem der Zugang zu bestimmten Formen klassischer Bildung nicht als breit gepflasterte gerade Straße in die Wiege gelegt wurde, diesen im Zweifel jederzeit erarbeiten kann. Der Bildungsbürger hat es da umgekehrt wesentlich schwerer, wenn der mit Mitte 30 plötzlich beim Bau des eigenen Hauses mal schweres Werkzeug in die Hand nehmen muss legt man besser schon mal den Verbandskasten bereit. :)

Da sprichst du ein wahres Wort gelassen aus :-D.

Meine Eltern haben beide Musik (Klassik) studiert, daher auch der hohe Stellenwert von Musik in meinem Leben. Da braucht's bei handwerklicher Betätigung (und die auch nur dann, wenn mein Vater nicht drumrum kam) wirklich einen guten Vorrat an Pflaster und Verbandmull :-D.
 
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winzling_geloescht

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  • #131
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von Heike:
Oder einfach durch etwas irritiert zu sein, ohne es immer schön finden zu müssen.

Sicher auch das, wobei ich dann schon wieder anfange, nach den Ursachen meiner gefühlten Irritation zu suchen. Das ist dann wieder etwas, was ich nur schwer akzeptieren kann :-D.
 
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winzling_geloescht

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  • #132
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von Löwefrau:
Nun...was ich hier lese von den Protagonisten, die Musicals für keine Kunst halten, ist schweres Zerreden. Ich stelle mir immer vor, wie sie vor einer Landschaft von van Gogh stehen und eher über Pinselführung und Farbintensität reden, als einfach nur darin zu versinken und sich nichts sehnlicher zu wünschen als genau jetzt da zu sein.

Ein Thema hat viele Zugänge, auch und gerade in der Kunst. Jeder hat da seinen eigenen und es kann schon sehr spannend sein, wenn man sich für den Blickwinkel des anderen öffnet. Das eine schließt das andere nicht aus, man muss nur beides zulassen können. Wenn einer seine Sichtweise für die allein seligmachende hält und sie dem anderen aufzwingen möchte, dann wird es wohl Zeit zu gehen.
 

Heike

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  • #133
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von winzling:
Sicher auch das, wobei ich dann schon wieder anfange, nach den Ursachen meiner gefühlten Irritation zu suchen. Das ist dann wieder etwas, was ich nur schwer akzeptieren kann :-D.

Ja, und deswegen wird eben doch auch auseinandergesetzt werden, ohne daß das immer gleich als "Zerreden" diffamiert werden müßte.
Eine Art von Schönheit, die zu sehr davor bewahrt, dient womöglich zu sehr nur der Selbstversicherung durchs schon immer Bekannte.
 
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winzling_geloescht

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  • #134
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von Heike:
Ja, und deswegen wird eben doch auch auseinandergesetzt werden, ohne daß das immer gleich als "Zerreden" diffamiert werden müßte.
Eine Art von Schönheit, die zu sehr davor bewahrt, dient womöglich zu sehr nur der Selbstversicherung durchs schon immer Bekannte.

Alles zu seiner Zeit. Wenn ich das Bedürfnis nach "Selbstversicherung durchs schon immer Bekannte habe", dann gönn ich mir das. Habe ich das Bedürfnis nach Auseinandersetzung bzw. entsteht dieses Bedürfnis, dann gönn ich mir das genauso. Was ich mir zugestehe, gesteh ich auch meinen Mitmenschen zu.

Du empfindest es als "diffamierend", wenn jemand etwas nicht "zerredet" haben möchte, weil er sich momentan in einer Situation oder einfach nur Gefühlslage befindet, in der er genau diese Selbstversicherung durch schon immer Bekanntes sucht und vielleicht auch braucht? Das verstehe ich nicht. Solange dieses Bedürfnis kein grundsätzliches sondern eben nur augenblickliches oder temporäres ist, finde ich das völlig in Ordnung.
 

Heike

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  • #135
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von winzling:
Alles zu seiner Zeit. Wenn ich das Bedürfnis nach "Selbstversicherung durchs schon immer Bekannte habe", dann gönn ich mir das. Habe ich das Bedürfnis nach Auseinandersetzung bzw. entsteht dieses Bedürfnis, dann gönn ich mir das genauso. Was ich mir zugestehe, gesteh ich auch meinen Mitmenschen zu.

Du empfindest es als "diffamierend", wenn jemand etwas nicht "zerredet" haben möchte, weil er sich momentan in einer Situation oder einfach nur Gefühlslage befindet, in der er genau diese Selbstversicherung durch schon immer Bekanntes sucht und vielleicht auch braucht? Das verstehe ich nicht. Solange dieses Bedürfnis kein grundsätzliches sondern eben nur augenblickliches oder temporäres ist, finde ich das völlig in Ordnung.

Ja, jeder soll sich immer gönnen, was er möchte. Das ist doch eh klar. Aber es kann schon mal ganz interessant sein zu fragen, worum es einem bei einem bestimmten Kulturgenuß so geht. Soziale Funktion und für einen selbst persönlich.
Und man kann sich fragen, was es bedeutet, daß etwa hier im Thread für die sogenannten E-Musik nur Komponisten genannt wurden, die tot sind.

Eine diffamierende Tendenz hat das Wort "zerreden". Man kann mal schweigen wollen. Aber man kann auch mal schweigen wollen, ohne zugleich das Reden abwerten zu müssen. Das ist mein Punkt. Man kann Lust auf was Süßes zu haben, ohne damit behaupten zu müssen, Salziges sei eklig. Und umgekehrt.
Und es gibt sehr unterschiedliche Arten zu reden. Auch beim Sprechen über Musik. Viele scheinen an das Reden oftmals den Anspruch einer pädagogischen Vermittlung zu stellen. Das finde ich etwas eng.
 

nuit

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  • #136
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von equinox:
Aber die geforderte Offenheit setzt voraus, dass man die Dinge, denen gegenüber man offen ist, in irgendeiner Form einordnen, zuordnen, abgleichen, erfassen und ggf. auch adaptieren kann.

die von dir oben beschriebene fähigkeit erachte ich als für mich wesentlichen zugang zu kunst und die grundlage dafür ist eben wissen bzw. bildung. natürlich kann ich ein kunstwerk auch ohne hintergrundwissen rezipieren und genießen oder aufwühlend erleben. ich weiß dann aber auch nicht, was ich nicht sehe oder höre bzw. mir anderweitig entgeht, weil mir die entsprechenden kategorien dazu eben fehlen. so kann ich ein gemälde durchaus bewundern, weil die sprache des bildes beeindruckend und mächtig ist. die kommunikation zwischen mir und dem bild erschöpft sich allerdings dann auch in diesem ersten eindruck, weil mir zu einem tieferen verständnis das wissen um die codes der darstellung (z.b.: farbe, perspektive, symbolik) fehlt. diese herausforderung zur entschlüsselung macht für mich auch einen wesentlichen reiz aus. (das - weil so viel von schlager die rede war - fehlt zum beispiel dort eben völlig. hinter der eingängigkeit der melodie und der offensichtlichkeit des textes gibt es keine weiteren eingezogenen ebenen. bewertend würde ich sagen, das ist dann eben platt).

Zitat von equinox:
Die Wertigkeit einer Melodie oder Harmonie ergibt sich nicht aus sich selbst, sondern ist immer eine Frage des sozialen Kontexts. Und wer sich darüber keine Gedanken macht, entspricht nicht meinem Wertesystem ...
hm, ich glaube nicht, dass ich das auch so sehe. aber ich bräuchte eine erläuterung, was du damit meinst. geht es in die richtung des beispiels, dass man wagners musik aufgrund seiner politischen ansichten nicht mögen kann?

Zitat von winzling:
Wenn ich damit Leben retten könnte, würd ich's versuchen, ehrlich. Aber wirklich nur dann.
lol. aber, um hier auch eine lanze für den schlager zu brechen: kein apres ski ohne wolfgang petry und seinem wahnsinn, warum schickst du mich in die hölle... wer da als ösi nicht mitsingen kann, läuft gefahr expatriiert zu werden :).
 
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Else

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  • #137
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von equinox:
Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – sind gemeinsame kulturelle Interessen nur Surplus oder essentieller Ausdruck geistiger Nähe und Übereinstimmung?

Meine ganz persönliche Antwort zu diesem Thema ist eindeutig (und durfte wohl auch bereits im einen oder anderen meiner Beiträge mehr als nur durchschimmern): ein Muss. Aber wie sehen das andere? Ist möglicherweise, bevor es um die Frage nach inhaltlicher Nähe und Ähnlichkeiten bezüglich kultureller Interessen geht, nicht zu klären, welche Priorität diese für den anderen überhaupt einnehmen?

Gemeinsame kulturelle Interessen sind auch für mich ein Muss in einer Beziehung. Die von Dir angesprochenen Bereiche nehmen Raum in meinem Leben ein, und ich hätte gern, dass dies für meinen potentiellen Partner auch gilt. Also wer nicht liest, oder mit Musik gar nichts anfangen kann, wer außer Dailysoaps nichts im Fernsehen guckt, der käme für mich als Partner nicht in betracht. Insofern achte ich schon sehr genau auf die Angaben in den Profilen oder frage auch schon mal gezielt nach. Die Interessen müssen nicht deckungsgleich sein, dennn verschiedene Interessen können sehr bereichern, wenn man sich gegenseitig Anteil daran gibt. Eine gewissen Schnittmenge wäre schön, damit man "Kultur" auch gemeinsam genießen kann und sich über Gesehenes/Gehörtes austauschen kann.
 
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Löwefrau_geloescht

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  • #138
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von equinox:
...Wenn im Bausupermarkt „Girl from Ipanema“ in einer Plastikversion abgespielt wird und mir wird übel, dann liegt das bestimmt nicht an Tom Jobim. Die Wertigkeit einer Melodie oder Harmonie ergibt sich nicht aus sich selbst, sondern ist immer eine Frage des sozialen Kontexts. Und wer sich darüber keine Gedanken macht, entspricht nicht meinem Wertesystem ...

Hier eine Geschichte, die ein Ahaerlebnis bzgl. des "Zerredens" bei mir ausgelöst hat und mein Verständnis für Musik erneuert hat.
Quelle: netzwerk-gemeinsinn.de

"Etwas zum Nachdenken... über ein Sozialexperiment der Washington Post.

Washington D.C, U-Bahn-Station an einem kalten Januar-Morgen im Jahr 2007. Ein Mann mit Violine wird sechs Stücke von Bach spielen und dazu 45 Minuten benötigen. Während dieser Zeit werden etwa zweitausend Menschen an ihm vorbei gehen, durch die U-Bahn-Station, auf ihrem Weg zur Arbeit. Was wird geschehen?

Nach 3 Minuten nimmt ein Mann im mittleren Alter Notiz davon, dass ein Musiker spielt. Er verringert seine Geschwindigkeit und hält für ein paar Sekunden inne. Dann beschleunigt er wieder, um seinen Zeitplan einzuhalten.

4 Minuten später: Der Violinist erhält seinen ersten Dollar. Eine Frau wirft Geld in seinen Hut und, ohne zu Stoppen, läuft sie weiter.

6 Minuten später: Ein junger Mann lehnt sich an die Wand, um dem Musiker zuzuhören. Dann schaut er auf seine Uhr und geht weiter.

10 Minuten später: Ein Dreijähriger hält vor dem Musiker, aber seine Mutter macht Zeichen, dass er sich beeilen solle. Das Kind hält erneut, doch die Mutter stößt es unsanft, um weiter zu kommen. Das Kind geht zwar weiter, schaut sich jedoch permanent um. Dieses Schauspiel wiederholt sich bei mehreren Kindern. Alle Eltern, ohne Ausnahme, zwingen ihre Kinder schneller vorbei zu gehen.

45 Minuten später: Der Musiker spielte ohne Unterbrechung. Nur 6 Menschen hatten gehalten und für eine kurze Zeit zugehört. Etwa 20 Menschen gaben Geld, gingen aber unvermindert weiter. Der Mann sammelte insgesamt 32 Dollar.

1 Stunde später: Er beendet sein Spiel und verläßt den Platz. Niemand nimmt Notiz davon. Keiner applaudiert oder gibt eine andere Art der Anerkennung...

Niemand erkannte ihn, aber es war Joshua Bell, einer der bekanntesten Musiker der Welt. Er spielte einige der komplexesten Stücke, die je geschrieben wurden, auf einer Violine mit einem Wert von 3,5 Millionen Dollar. Zwei Tage zuvor spielte er vor einem ausverkauften Theater in Bosten, wo der Durchschnittspreis pro Platz 100 Dollar betrug.

Dies ist eine wahre Geschichte. Joshua Bell spielte incognito in einer Metro-Station, was die Washington Post als Sozialexperiment in Hinblick auf Wahrnehmung, Geschmack und Prioritätensetzung der Menschen organisierte.

Die folgenden Fragen wurden gestellt:

Können wir an einem Alltagsort, während einer unangemessenen Zeit, Schönheit wahrnehmen?
Werden wir anhalten, um sie zu genießen?
Können wir Talent in einem unerwarteten Kontext erkennen?

Hier eine mögliche Schlussfolgerung:

Wenn wir nicht einen Moment Zeit haben, um einem der besten Musiker der Welt zu lauschen, der einige der berauschendsten Musikstücke spielt, die je komponiert wurden, und das auf einem der schönsten Instrumente, die je hergestellt wurden, ...

was mögen wir dann noch alles verpassen? "
 

Heike

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  • #139
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Wo geht es in der Geschichte ums "Zerreden"?
 
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  • #140
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von Löwefrau:
....
Wenn wir nicht einen Moment Zeit haben, um einem der besten Musiker der Welt zu lauschen, der einige der berauschendsten Musikstücke spielt, die je komponiert wurden, und das auf einem der schönsten Instrumente, die je hergestellt wurden, ...

was mögen wir dann noch alles verpassen? "

Das hat mir die Augen geöffnet, in Zukunft mal mehr "die Zeit stehen zu lassen" und zu verweilen.

Zum Thema: ich hatte im Elternhaus nicht die Gelegenheit, die Schönheit der Musik, Literatur... kennenzulernen wie manche, die hier schreiben.

Trotzdem bin ich aufgeschlossen, wenn ich was Neues kennen lernen kann.

Die "Irritation" durch ein Kunstwerk lasse ich zu, weil ich mich dann damit auseinander setzen kann, warum es dieses Gefühl bei mir auslöst.
Auch schweigend die Kunst genießen gehört für mich dazu. Das kommt ganz darauf an, mit wem und in welcher Stimmung man/frau Kunst "erlebt".
 
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Löwefrau_geloescht

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  • #141
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von Heike:

gar nicht, muss aber auch nicht.
Für mich: Es gibt Momente, in dnen möchte ich nur genießen. Da würde jede Erklärung stören.
Und ich denke, dass ich dann auch das Kunstwerk verstehe - auf meine Weise.

Und ich kann mir gut vorstellen, dass es Leute gibt, sie immer und alles erklären müssen oder auch in Frage stellen müssen. Sie ersheinen mir dann ( und sowieso) emotionsarm...oder auch armseelig (im wahrsten Sinne des Wortes "Arm an Seele)
 

Heike

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  • #142
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Nee, muß es natürlich nicht. Aber du hattest die Geschichte so eingeleitet:
Zitat von Löwefrau:
Hier eine Geschichte, die ein Ahaerlebnis bzgl. des "Zerredens" bei mir ausgelöst hat

Und eigentlich hat die GEschichte eben gar nichts mit Zerreden zu tun. Die Leute auf der Straße, die nichts merken, die reden auch nicht drüber. Die haben einfach keine sonderliche Aufmerksamkeit dafür, weder redend noch nicht redend.

Zitat von Löwefrau:
Und ich kann mir gut vorstellen, dass es Leute gibt, sie immer und alles erklären müssen oder auch in Frage stellen müssen. Sie ersheinen mir dann ( und sowieso) emotionsarm...oder auch armseelig (im wahrsten Sinne des Wortes "Arm an Seele)

Ich bin bei derlei Dingen nicht so ängstlich. Drüber sprechen macht nicht notwendig kaputt. Es kommt darauf an, wie man es tut.
Was du da für Leute kennst, weiß ich nicht. Ich kenne wenig solche Leute.
Aber ich kenne Leute, die Emotionen und Verstehen in ein Gegensatzverhältnis bringen. Für sie schafft nur das Ressentiment Bedeutung. Ihr Leibspeise sind Argumente a la: Wer Aufmerksamkeit für das Äußere einer Person hat, hat keine für ihr Inneres. Und wer hübsch ist, ist dumm.
 

SineNomine

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  • #143
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von nuit:
diese herausforderung zur entschlüsselung macht für mich auch einen wesentlichen reiz aus. (das - weil so viel von schlager die rede war - fehlt zum beispiel dort eben völlig. hinter der eingängigkeit der melodie und der offensichtlichkeit des textes gibt es keine weiteren eingezogenen ebenen. bewertend würde ich sagen, das ist dann eben platt).

Mit Verlaub, aber das wiederum ist mir dann deutlich zu platt.

Schon alleine deshalb, weil wir, bevor wir ans Bewerten gehen, erst mal definieren müssten was genau wir überhaupt unter "Schlager" verstehen wollen. Schlager der 20er und 30er Jahre, etwa die Comedian Harmonists? Lili Marleen? Propaganda- und Durchhalteschlager der frühen 40er? Schlager aus der Wirtschaftswunderzeit, aus den 60er? Aus den 70ern? Rex Gildos "Fiesta Mexicana" oder doch eher Udo Jürgens mit dem "Ehrenwerten Haus", bei dem Text und Musik einen wunderbaren Kontrast bilden? Oder die Version der Söhne Mannheims von eben diesem Stück mit aktualisiertem Text? Teile der NDW? Oder Gildo Horn? Oder "Wolle" Petry und Andrea Berg? Oder das, was man auch unter volkstümlicher Musik subsumieren könnte? Wohin stecken wir Karnevalsschlager (alleine da reicht die Bandbreite mindestens vom für seien Zeit ziemlich politischen „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ bis hin zu irgendwelchen völlig inhaltsfreien Motto—Liedern von Marie--Luise Nikuta)? Oder all das zusammen?

Zugegeben, das Gros dessen was man gewöhnlich unter "Schlager" einsortiert kommt mit "platt" noch recht glimpflich weg. Manchem wird man damit aber auch nicht mal näherungsweise gerecht.
 

equinox

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  • #144
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von Löwefrau:
Washington D.C, U-Bahn-Station an einem kalten Januar-Morgen im Jahr 2007. Ein Mann mit Violine wird sechs Stücke von Bach (....) spielte einige der komplexesten Stücke, die je geschrieben wurden, auf einer Violine mit einem Wert von 3,5 Millionen Dollar. Zwei Tage zuvor spielte er vor einem ausverkauften Theater in Bosten, wo der Durchschnittspreis pro Platz 100 Dollar betrug. (....)

Wenn wir nicht einen Moment Zeit haben, um einem der besten Musiker der Welt zu lauschen, der einige der berauschendsten Musikstücke spielt, die je komponiert wurden, und das auf einem der schönsten Instrumente, die je hergestellt wurden, ...

Die Schlussfolgerungen teile ich so nicht.
- wer ist an einem kalten Januar-Morgen in der U-Bahn unterwegs? Menschen, die zur Arbeit müssen, und die einen fucking Ärger kriegen, wenn sie zu spät kommen.
- der Wiedererkennungswert der Bach’schen Sonaten für Solo-Violine dürfte insgesamt gering sein. Natürlich ist die Chaconne aus der D-Moll Partita für jeden Barock-Kenner ein Highlight. Aber irgendwann braucht es die Zeit und das Interesse, sich damit auseinander zusetzen. Erlebnisse ähnlich dem in der Washigtoner U-Bahn hatte ich auch schon in diversen Fußgängerzonen, auch an Sonntagen und ohne Kälte.
- es ist völlig egal, ob die Violine mit 3,5 M $ gehandelt wird oder mit 500 €, das schmälert den Bach nicht. Und in der U-Bahn macht es aufgrund der Hintergrundgeräusche und des hohen Hallanteils sowieso kaum einen Unterschied.
- natürlich war das Konzert in Bosten ausverkauft, so was ist schließlich ein gesellschaftliches Er(g)eignis.
- last but not least: welche sozialen Gruppen nutzen denn die U-Bahn? Die Aktion wäre vielleicht auch ein Anlass, die musikalische Breitenbildung zu befördern ...

... einer der „besten“ Musiker, eines der „berauschendsten“ Musikstücke, „schönstes“ Instrument? So viele Superlative auf einmal? Die braucht’s nicht, um Bach zu genießen. Aber die Verweise darauf wecken in mir den Verdacht, dass es auch da wieder mal nicht um seine Musik ging ...
 

Heike

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  • #145
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von SineNomine:
Zugegeben, das Gros dessen was man gewöhnlich unter "Schlager" einsortiert kommt mit "platt" noch recht glimpflich weg. Manchem wird man damit aber auch nicht mal näherungsweise gerecht.

Auch hier diese häufig anzutreffende Entkontextualisierung.
Der richtige Schlager zur rechten Zeit am rechten Ort in der richtigen Situation ... - das ist was ganz anderes als Taxonomien zu erstellen und einzelne Äste und Blätter so isoliert auf deren jeweilige "innere" Qualität beurteilen zu wollen.
Auffällig, daß Kulturprodukte immer so sehr dazu verleiten, sie so ganz an sich zu beurteilen, ohne auf die Situation und den eigenen Zugriff zu schauen.

Auch diesen Aspekt scheinen sie mit Parship-Dates gemeinsam zu haben. :)
 
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equinox

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  • #146
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Die rege Beteiligung an diesem Thread scheint mir darauf hinzuweisen, dass das Thema durchaus auf Interesse stößt. Mir geht es darum zu erfahren, welche Rolle Übereinstimmungen hinsichtlich kultureller Interessen (in einen durchaus nicht eng begrenzten Verständnis) im Rahmen der Partnerwahl spielen. Und es ist offensichtlich, dass es hier doch sehr unterschiedliche und weit voneinander abweichende Positionen gibt!

Was mir bisher auffiel:
1.) In meiner Eingangsfragestellung war nie die Rede vom Primat bürgerlicher Kultur. Dennoch wird dies implizit sehr oft unterstellt, sobald das Kultur-Thema als möglicherweise „beziehungsrelevanter“ Aspekt angesprochen wird. Natürlich kann ich mich notfalls auch über die Harmonik bei Wagner oder die Rezeptionsgeschichte der Wiener Klassik auslassen, aber das sind doch sehr spezifische Themen und vielleicht ebenso speziell, wie wenn der Herr Icecage über Fahrwerksgeometrie sinniert.

2.) Für viele der Mitdiskutanden scheint „Kultur“ etwas zu sein, bei dem es nur auf eine relativ oberflächliche Auseinandersetzung und Verständigung ankommt. Für andere manifestiert sich darin der „Überbau“ weltanschaulicher Kongruenzen. Sine nomine hat dazu ja sehr präzise und sehr genaue Überlegungen formuliert, finde ich ausnehmend anregend und nachdenkenswert.

3.) Selbst gefundene und manchmal recht aufwändige (Um-)Wege zum Kulturverstehen befördern im Zweifelsfall die persönliche Bedeutung dessen, was man dabei erfährt, ist jedenfalls mein Eindruck. Und es schadet gar nichts, wenn man sich trotzdem immer wieder mal daran erinnert, wie sich der Hammer in der Hand anfühlt ...
 
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Sid_geloescht

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  • #147
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von equinox:
- last but not least: welche sozialen Gruppen nutzen denn die U-Bahn? Die Aktion wäre vielleicht auch ein Anlass, die musikalische Breitenbildung zu befördern .....


An dieser Stelle der Diskussion habe ich den Eindruck, daß eigentliche Argumente inhaltlicher Art ausgehen. Ich ärgere mich.
 
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Löwefrau_geloescht

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  • #149
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zitat von Heike:
Nee, muß es natürlich nicht. Aber du hattest die Geschichte so eingeleitet:


Und eigentlich hat die GEschichte eben gar nichts mit Zerreden zu tun. Die Leute auf der Straße, die nichts merken, die reden auch nicht drüber. Die haben einfach keine sonderliche Aufmerksamkeit dafür, weder redend noch nicht redend.



.

Du hast mich hier aus dem Zusammenhag gerissen zitiert und darauf geantwortet.
In diesen Momenten, in denen ich die Emotionen geniesse, die dieses Musikstück oder auch Bild in mir wecken, wären jede Erklärung ein "Zerreden"

Ansonsten mag ich es sehr wohl, wenn mir Dinge, die ich vorher nicht verstanden habe, mit guter Rhetorik erklärt werden.
 

Heike

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  • #150
AW: Musik, Literatur, Theater, Kunst, Film – ist Kultur nur Surplus oder essentiell?

Zur U-Bahn-Geschichte: die Musik war einfach für die meisten Passanten nicht die richtige Musik zur rechten Zeit am rechten Ort. Der geringe "Erfolg" der Aktion kann doch eigentlich nur die verwundern, die meinen, so ein Violinenspiel müsse die Wirkung eines Meteoriteneinschlags haben, der uns Eingeborene, egal wo wir stehen und laufen und womit wir gerade beschäftigt, alle auf die Knie fallen und anbeten lassen würden. Wer diese Meinung über Kunst hat, dem tut ein solches Erweckungserlebnis zur Nüchternheit sicherlich gut. Und nein, das macht die Kunst nicht klein. Ganz im Gegenteil.