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  • #1

Mit Emotionen dabei oder schon seelisch verarmt?

Ich möchte ein Thema aufgreifen, welches durch einen ganz anderen Beitrag bei mir das Interesse geweckt hat.

Inwieweit seid Ihr bei intensiverem Mail-Kontakt oder gar (erstem) Date eigentlich EMOTIONAL engagiert? Manche Beiträge lassen wohl den Schluss zu, dass nicht selten (nach längerem PS Gebrauch?) mehr Strategie/Ratio die treibende Kraft ist als Gefühl. Und wie weit lasst Ihr Euch emotional leiten/treiben, wenn - ganz nüchtern betrachtet - eigentlich noch gar nichts gewesen ist?

Hierzu vielleicht kurz mein Typ. Bisher wähle ich Kontakte sehr gezielt aus, engagiere mich dafür aber umso individueller, nicht ohne bei mir - angenehme - Emotionen entstehen zu lassen, wenn's rund läuft. Und wenn es zu einem Date kommt, bin ich nahezu frei von Ratio - ich lasse mein Gegenüber einfach auf mich wirken. Ich mag es auch nicht, vorher noch das Profil zu studieren und es im Detail abzuchecken oder abgecheckt zu werden. Gesprächsstoff ergab sich bisher immer genug, ohne dass man das Gefühl bekam, irgendwie die Hosen runterzulassen. Das fände ich auch viel zu emotionslos.

Ein aktuelles Beispiel. Hatte ein Date, bei dem sie sich etwas verspätet hatte. Das war ihr sehr unangenehm. Für mich war es nicht weiter tragisch - im Gegenteil. Die Art, wie sie sich entschuldigte, ohne eine flache Ausrede, empfand ich als sehr authentisch und sympathisch - und das hat bei mir Emotionen ausgelöst. Im weiteren Verlauf kam sie auch auf zwei drei eigene (liebevolle) Schwächen zu sprechen. Die hat sie so nett beschrieben, dass mir diese "Schwächen" am Ende vollkommen egal waren. Eine gesunde Portion Selbstkritik finde ich allemal sympathischer als ein etwas gequälter perfekt anmutender Eindruck. Ich lasse mich also auch hier emotional leiten. Ich führe keine interne Checkliste von pros und cons, bei der ich dann sage, "könnte passen" oder "geht nicht".
Ein Date ist - aus meiner Sicht - dazu da, den Menschen auf sich wirken zu lassen, einen Eindruck zu gewinnen. Und das ist für mich vor allem Bauchsache - die mir Freude bereitet. Warum soll ich überhaupt ein Date machen, wenn gar keine Emotionen im Spiel sind? Das bekommt das Gegenüber doch auch mit.
Ich muss allerdings sagen, dass man sich gerade zu Beginn eines Kontaktes auch selbst eine emotionale Grenze setzen muss, damit man nicht allzu leicht enttäuscht wird - quasi als Selbstschutz.

Ich hoffe, dass mir diese Eigenschaft möglichst lange erhalten bleibt, denn nur dadurch habe ich überhaupt Spaß an der Sache/dem anderen Geschlecht.
Man könnte mich jetzt vielleicht als völlig vernebelt oder hoffnungslosen Romantiker bezeichnen. Aber macht man sich die ganze Sache nicht total kaputt, indem man jeden Kontakt mechanisch abcheckt und - noch bevor man sich überhaupt richtig kennenlernt - eigentlich gar nicht mehr will, weil ja so viele Unbekannte im Spiel sind? PS kann/wird hierbei nicht helfen. Damit sich zwei Menschen kennenlernen ist eine gewisse Grundflexibilität Voraussetzung. Eine Funktion "Partnerkonfigurator" gibt es hier nicht - und das ist auch gut so.

Deshalb auch hier noch mein Aufruf. Setzt Euch selbst nicht zu viele Hürden, um einen Menschen kennenzulernen. Wohin ein zweites oder drittes Date führt, weiß im Vorfeld keiner. Die großen Überraschungen kommen eh erst später.
 
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  • #2
welcher Beitrag hier im Parship Forum hat Dich inspiriert?

Ich versuche nicht mehr viele Emotionen im Mailverkehr entstehn zu lassen bevor ich jemanden getroffen habe. Ich muß mich selbst schützen da meine Gefühle zu oft von der Realität zuerstört wurden.

"Ich mag es auch nicht, vorher noch das Profil zu studieren und es im Detail abzuchecken oder abgecheckt zu werden."
ich lese es mir vor einem Treffen nochmal durch um keine Fehler zu machen wg Kinderzahl, Ehestatus, Wohnort, Interessen. Da das Lieblingsthema vieler Leute die Kinder sind ist es peinlich und wurde auch schon moniert wenn ich die Anzahl und das Geschlecht der Kinder nicht parat hatte. Als wenn es nichts wichtiges gäbe.
 
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  • #3
Hi Leonie,
es war Beitrag #5 unter "Wer keinen Partner hat, der will nicht wirklich einen". Date als Bewerbungsgespräch? Sich in einem Date nach Art eines Bewerbungsgesprächs zu verkaufen, halte ich für ziemlich unpassend. Ich möchte doch in einem Date viel mehr als ich selbst rüberkommen und weniger als die Summe meiner Eigenschaften/Fähigkeiten minus Macken und Fehler. Das erwarte ich auch von meinem Gegenüber - Authenzität. Gerade die kleinen Ecken und Kanten, die vielleicht auch ganz ohne Worte rüberkommen, machen für mich einen Menschen aus, und können ihn sympathisch machen. Deshalb mag ich keine Faktenchecks, sondern eher das Gefühl, das sich beim Date einstellt, über das Gespräch oder auch kleine Gesten.
Ich fände es dann auch eher merkwürdig, wenn angemäkelt wird, dass die Kinder nicht gleich richtig aufgezählt wurden ;-).
 
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  • #4
manche Fakten zu kennen muß nicht immer ein Schaden sein.
Mich interessiert am meisten sein beziehungschema.

Mir wurde einmal im Mailwechsel vorgeworfen warum ich so wenig nach seinen Kindern frage. Mir war es wichtiger den Menschen kennenzulernen als Details über seine Kinder.Vielleicht gingen ihm aber auch mangels anderer Interessen andere gesprächsthemen aus.
 
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  • #5
Mit Emotionen dabei oder schon seelisch verarmt?

Hallo maddib,

erst mal Danke für diesen interessanten Beitrag. Das Thema spricht mir aus dem Herzen. Ich denke dass die Emotionalität genau der Unterschied zwischen Onlinebörse und dem Kennenlernen draußen auf der Straße, in der Arbeit oder dem Supermarkt ist. Kein Mensch (ich gehe jetzt mal von mir aus) würde doch einen Kontakt im realen Leben rein rational weiterverfolgen. Aber genau das ist anscheinend das Einfache hier. Breit streuen um Chancen zu erhöhen, selektieren, abchecken, ausmustern, abhaken...fast ein bisschen wie Lottospielen..
Was Du über Deine Vorgehensweise schreibst gefällt mir gut. Du bist offen, emphatisch, unvoreingenommen, beobachtest gut....(in meinen Augen keineswegs vernebelt oder hoffnungslos romantisch) Das mit dem Setzen der emotionalen Grenze bewundere ich fast ein bisschen. Wie machst Du das genau?
Also um Deine Frage zu beantworten, ich bin in jedem Fall auch mit Emotion dabei. Klar ein gewisses Verletzungsrisiko bleibt..

LG
Sternschnuppe*
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  • #6
Hi Leonie,

also wenn Dir schon vorgeworfen wird, dass Du das eine oder andere Thema nicht ansprichst oder der Verdacht aufkommt, dass die Themen ausgehen, ist das mit Sicherheit der (späte) Zeitpunkt, ein reales Treffen zu vereinbaren. Nur so lernst Du Dein Gegenüber besser einzuschätzen. Ich halte von dem vielen Hinundherschreiben eh nicht viel. Es führt u. U. in die komplette Irre, und jeder versteht den anderen nur noch so wir er/sie es will/vermutet, was vielleicht völlig verkehrt ist.
 
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  • #7
ich halte auch nicht viel von ewigem Schreiben aber ich habe auch keine Lust und Zeit mich mit jedem zu treffen. Mir gehen langsam die Lokale aus, wo man mich noch nicht mit einem Mann gesehen hat. Das ist mir dann auch peinlich immer mit einem neuen Date gesehen zu werden.
 
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  • #8
Hi Sternschnuppe*,

in meiner aktuellen Situation ist es für mich keineswegs leicht, die emotionale Grenze zu setzen. Für mein letztes Date empfinde ich noch recht viel und habe auch auf Nachfrage noch kein Feedback erhalten. Deshalb falle ich bei Ihr aber nicht gleich mit der Tür ins Haus, sondern lasse nur ein ganz klein bisschen die Hosen runter. Ich möchte es niemandem unnötig schwer machen, mir einen ausgesprochenen Korb zu geben.
So gesehen, wenn ich nicht weiß, wie die andere Seite wirklich denkt, halte ich mich erstmal etwas zurück, auch wenn's schwer fällt. Weiter öffnen kann man sich später immer noch.
 
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  • #9
Hi Leonie,

ich kenne zwar Dein Suchmuster nicht, aber ich suche so gezielt, dass sich bei mir nach erfolgreichem Erstkontakt fast immer auch ein Date einstellt. Zugegeben, dass sind nicht soo viele Kontakte, dafür aber fast ohne ausnahme sehr angenehme, freundliche lohnenswerte.
So gesehen habe ich auch locker die Zeit, mal an einem Wochenende zu daten. Zeit ist bei mir glücklicherweise selten ein Problem. Und ich habe am Ende deutlich mehr davon, als wenn ich noch tagelang schreibe und lese und erst gegen Ende zum Ergebnis komme. Davon abgesehen, ist Daten so viel schöner als schnöde vorm Computer zu hocken. Erst beim Daten können sich bei mir Emotionen richtig entfalten. Außerdem macht es aus meiner Sicht ohnehin auch mehr Sinn. Ich möchte einen Menschen kennenlernen, kein Schreiberling werden.
 
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  • #10
Ich kenne diese vernunftbetonten Dates - es ist nichts für mich. Ich muss bei ersten Treffen einen neuen Menschen kennenlernen und vergesse dabei fast automatisch eine Menge Informationen aus dem Profil. Wenn jemand pingelig ist und erwartet, dass ich seinen Lebenslauf gespeichert habe, dann hat er eben Pech.
 
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  • #11
So richtig gezwungene/emotionslose Dates hatte ich glücklicherweise noch nicht. Da wäre auch wohl schnell die Luft raus. Für ein Date hilft es natürlich sehr, wenn einem das Gegenüber auf Anhieb sympathisch ist - und auch da hatte ich bis jetzt Glück. Umso emotionaler und offener habe ich diese Dates erlebt. Das hat zwar noch nichts damit zu tun, ob man sich tatsächlich näher kommt/steht, aber es macht ein Date zu einem schönen Erlebnis. Und ich denke, das ist Grundvoraussetzung für Authenzität, die für mich sehr wichtig ist.
Ich möchte schon fast behaupten, dass ein emotionsloses Date von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.
 
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  • #12
Lieber hoffnungsvoll romantisch...

Ach Maddib,
ich finde es einfach nur schön, dass ich nicht allein mit dieser Haltung bin. Natürlich heisst es Zeit lassen und den einzelnen Menschen sehen. Profile können auf vielfältige Weise und in harter Arbeit entstehen, MPs sind wirklich nicht das einzige, weil sich Situationen verändern oder auf Standardfragen nicht unbedingt Standardantworten für jeden passen. Allein schon die Unschärfe zu akzeptieren und zu sagen, und wie ist dieser Mensch im wirklichen Leben.... das ist doch das, was Kribbeln verursacht.
Es ist schwer aus meiner Sicht immer wieder die Balance zu finden: auf der einen Seite interessiere ich mich für den Menschen hinter den Profilaussagen, aber auf der anderen Seite muss ich auf mich achtgeben, dass ich nicht zu viel Emotion hineinstecke.
Weil es Kopfkino ist, was mir eben nicht nur angenehme Gefühle bereitet, sondern auch mich bös 'runterziehen kann, wenn ich enttäuscht bin.
Deswegen bemerke ich durchaus unterschiedliche Reaktionen bei mir auch vor einem ersten Date... ja nachdem wie intensiv oder auch zeitnah der Kontakt vorab war.
Intensiv heisst nicht unbedingt lang oder von elegischen Ergüssen geprägt, aber doch wie geht man auf einander ein, auch in kleinen Nachrichten.
Ich habe gehört, dass Männer von sich sagen, sie können nicht so gut schreiben oder formulieren....wenn dann das Telefonat schleppend ist, weiss frau auch, dass es insgesamt hapert, wenn nach Bildfreigabe Schweigen herrscht, ist die Sache auch klar.
Und doch sind auch die Körbe in dieser virtuellen Welt kleine Verletzungen, mit denen das Ego umgehen muss.
Ich habe für mich entschieden, dass es sich für mich besser lebt, wenn ich das zulasse: also die Emotion mit dem Risiko der Verletzung. Das ist aber für jeden anders und ich versuche niemanden zu verurteilen, der sich anders entscheidet. Nur da ich glaube, dass Beziehungsmodelle und grundsätzliche Ansichten einigermassen stimmen sollte, wenn der Kontakt 'erfolgreich' sein soll, ist das eben auch ein echtes Kriterium für mich, in wiefern mein Gegenüber am Einlassen interessiert ist (oder am Abchecken).
Also Maddib - ich wünsche dir von Herzen Glück bei der Suche und weiterhin diese Offenheit und emotionale Stärke ;o)
 
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  • #13
emotionen sind super. ohne möchte ich nicht. zugleich achte ich aber sehr darauf, daß sie auch wirklich wirklichkeitskontakt halten.
wenn sich eine frau in ihrem profil zu arg als "romantikerin" bezeichnet, gehe ich meist davon aus, daß sie eigentlich lieber mit ihren eigenen gefühlen zu tun hat als mit einem konkreten gegenüber. in solchen fällen ist es ganz gut, in nüchterne fahrwasser einzubiegen und zu gucken, was dann bleibt.
 
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  • #14
Romantik vs. nüchternes Fahrwasser

Ach Mil,
Da sind wir doch sehr nah bei einander. Ich habe auch meine Erfahrungen gemacht mit romantischen Männern, die dann im Ergebnis aber eher unidirektional ausgerichtet waren und es als Ausrede benutzt haben.

Play it by ear....
Ach ja, und im übrigen bin ich der Meinung, dass ... mensch mit sich achtsam umgehen sollte, und achtsam mit den anderen, und dass jeder besonders ist ;o)
LG
 
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  • #15
Mir fiel auf, daß oft bei denen, die sich als Romantiker bezeichnen, es häufig um das drumherum geht als um den anderen an sich. Da wird großer Wert auf romantische SMS und Überraschungen gelegt, auf Verse und Träumereien und Pläne. Vielleicht sind das die, die in erster Linie in das Gefühl des Verliebtseins verliebt sind?