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  • #91
@60+ zum aktuellen Thema 68 und die Wirkungen ( vgl. Post #28 ):
"Bist du etwa aus der Altersgruppe? Ich bin es und kann dir daher sagen, wie das war."

1. Ich sprach von Nachfolgegeneration. Rechnen wir mal nach: wer 1967/68 an einer Universität studierte, war auch damals mindestens 20, die zentralen Protagonisten dieser Jahre deutlich älter. D.h. die Generation der 68 Aktiven ist mittlerweile Mitte 75.
2. Du bist 60+, aber noch nicht 75. Also ebenfalls Nachfolgegeneration.
3. War der Sohn des zitierten konservativen Finanzbeamten aus Goslar (?) dein Ex? Egal. Dass Neuerungen in der Provinz oft später ankommen, ist keine elementar neue Erkenntnis. Aber man konnte auch 1974 beispielsweise Lehramtsstudentinnen aus der schwäbischen Provinz kennenlernen, die nicht weniger aufgeschlossen und neugierig als Aktivisten der Frankfurter Hausbesetzerszene waren. Dass gerade Goslar so unbeleckt von den Zeitläuften gewesen sein soll, würde ich bezweifeln. (Persönliche Bereitschaft, sich auf neue Ideen einzulassen, gehörte allerdings auch damals dazu - die Nachhaltigkeit ist ein anderes Thema.)
4. Wie weit vor diesem (oder ähnlichem) persönlichen Hintergrund Erläuterungen zu 68 und den Folgen besonders aufschlussreich sein könnten, sei dahingestellt.

@60+ ( ebenfalls Post #28) "Die 68er Generation war keine Massenbewegung, es waren einige "Revoluzzer", eine Minderheit von Studenten. Der Mief der 50er hat noch weit bis in die 80er hinein das Leben bestimmt."

Nur mal am Rande bemerkt: Das, was heute als 68er Bewegung bezeichnet wird, war ein zunächst von den Universitäten ausgehender kultureller Umbruch, der in allen westeuropäischen Ländern und auch in den USA stattfand. Der 'Mief der 50er Jahre', d.h. der unmittelbaren restaurativen Nachkriegsdekade, der in der Bundesrepublik mit dem spezifischen Beigeschmack der verdrängten nationalsozialistischen Vergangenheit versehen war, wurde endlich offen kritisiert und zumindest in Teilen auch verändert. Profitiert haben davon die Nachfolgegnerationen, die die Chance hatten, die erkämpften Freiheit und Möglichkeiten tatsächlich zu nutzen. Ganz speziell: Frauen in Führungspositionen, die Liberalisierung des §218, die sexuelle Befreiung usw. usf. wären ohne 68 nicht denkbar.
 
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  • #92
@equinox : sicherlich hat 68 auf uns heute sehr starke auswirkungen auf die gesellschaft und auch das beziehungsverhalten. dennoch habe ich immer wieder den eindruck, dass selbst jüngere männer an teils sehr konventionellen ansichten festhalten. zu besichtigen beispielsweise in der profilberatung. jedesmal, wenn dort wieder empfohlen wird, "angaben zum kleidungsstil und zur bevorzugten absatzhöhe zu machen, weil das ein positives bild beim mann erzeugt", wähne ich mich im jahr 1955.
 
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  • #93
@equinox : sicherlich hat 68 auf uns heute sehr starke auswirkungen auf die gesellschaft und auch das beziehungsverhalten. dennoch habe ich immer wieder den eindruck, dass selbst jüngere männer an teils sehr konventionellen ansichten festhalten. zu besichtigen beispielsweise in der profilberatung. jedesmal, wenn dort wieder empfohlen wird, "angaben zum kleidungsstil und zur bevorzugten absatzhöhe zu machen, weil das ein positives bild beim mann erzeugt", wähne ich mich im jahr 1955.
... nun, z.t. haben Jüngere (und zwar nicht nur Männer) durchaus konventionellere Ansichten als Ältere. Aber die Suche nach 'Gleichgesinnten' ist ja eben genau die schwierige Aufgabe.

Aber das mit den Angaben zu 'Kleidungstil und Absatzhöhe' ist natürlich immer wieder ein interessanter Aspekt. Weil Äußerlichkeiten oder vielleicht besser Selbstdarstellung spielen ja durchaus eine wichtige Rolle bei der Wahrnehmung anderer im Alltag und sagen zweifellos auch etwas über die Personen aus. Das fällt auf Online-Plattformen zunächst mal völlig aus (es sei denn, jemand hat ein komplettes Fotoalbum freigeschaltet). Ich wurde mal von einer Frau gefragt, ob ich auch Hemden tragen würde. Im weiteren Diskurs klärte sich dann, dass es für sie wichtig war, mit einem (ebenfalls) 'gut gekleideten' Mann unterwegs zu sein, und sie bereits einige ernüchternde Erfahrungen in dieser Hinsicht verbucht hatte. Das war für mich durchaus nachvollziehbar und fühlte ich mich keineswegs beleidigt oder auf eine mögliche Rolle als repräsentativer Kleiderständer reduziert (in meinem Kleiderschrank hängen rd. 40 Hemden). Es ist nur so, die Problematik einer solchen Frage stellt sich beim Kennenlernen im RL einfach nicht. Ob entsprechende Nachfragen bei Online-Kontakten dann eher unbeholfen oder humorvoll/elegant daherkommen, ist allerdings nochmal eine andere Sache.

NB: ich kenne Menschen, die einen sehr legeren Kleiderstil bevorzugen und erschreckend konventionell und konservativ sind - und umgekehrt ausnehmend offene und liberale Menschen, die immer elegant und gepflegt gekleidet sind. Man sollte da vorsichtig mit Vorurteilen sein.
 
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  • #94
@equinox : sicherlich hat 68 auf uns heute sehr starke auswirkungen auf die gesellschaft und auch das beziehungsverhalten. dennoch habe ich immer wieder den eindruck, dass selbst jüngere männer an teils sehr konventionellen ansichten festhalten. zu besichtigen beispielsweise in der profilberatung. jedesmal, wenn dort wieder empfohlen wird, "angaben zum kleidungsstil und zur bevorzugten absatzhöhe zu machen, weil das ein positives bild beim mann erzeugt", wähne ich mich im jahr 1955.
Kommt aber immer vom gleichen Berater - einfach ignorieren :p
 

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  • #95
Ich sprach von Nachfolgegeneration. Rechnen wir mal nach
Genau, ich bin eben diese Nachfolgegeneration, etwas anderes habe ich nicht geschrieben. Ich war damal eine junge Jugendliche (hatte ich geschrieben)
Aber wenn wir schon beim Rechnen sind: Die jungen Studenten von damals sind jetzt genau 70 und darüber. Ich kenne also schon einige dieser Altersgruppe aus meinem erweiterten Freundes- und Kollegenkreis. Und da gibt es eben sowohl die Gruppe der damaligen Aktivisten - die wirklich in erster Linie in den Großstädten Berlin, München, Hamburg gelebt/studiert haben. Es gibt eben aber auch die (viel größere) Gruppe der damaligen Kleinbürger (da war der Junge aus dem Harz nur ein Beispiel, könnte auch aus dem bayrischen Wald sein - eben aus der Provinz).
Ja, die hatten damals auch ein Ché-Plakat im Zimmer, aber das war eben modern, mehr nicht.
Ich weiß, was wir der Studentenbewegung zu verdanken haben - und die meisten Frauen in meinem Alter wissen es auch. Den Männern ist das aber anscheinend ein Dorn im Auge. Sie würden es manchmal gerne wieder umkehren. Dabei möchten sie vielleicht gerne eine brave Frau, so wie die Mutter aus den 50er Jahren. Möchten aber auch nicht mehr so leben wie die Väter damals (Alleinverdiener...)
 

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  • #96
Die sind doch mittlerweile selbst in ausnehmend konventionellen Beziehungsmustern Normalität.
Sollten sie sein - sind sie aber nicht. Das ist ja das Problem.
Eine Bekannte von mir ist 58, ihr Mann 5 Jahre älter. Sie "durfte" erst wieder halbtags arbeiten, als alle 3 Kinder aus dem Haus waren. Wenn er in 2 Jahren in Rente geht, erwartet er, dass sie ihren Job wieder aufgibt, weil er nicht einsieht, dass er dann vielleicht einen Teil des Haushalts machen solle. Sie darf sich nur mit uns zum Mädelsabend treffen, wenn er an dem Abend auch aus dem Haus ist. Sonst müsste er ja sein Bier selbst aus dem Kühlschrank holen.
Ich hätte mich schon lange scheiden lassen, aber das schafft sie nicht.
Soviel zum Freiraum - verstehst du nun, was ich meine? Und ich gebe nicht ihr die Schuld, das war eine jahrelange Gehirnwäsche.
Glaub mir, solche Männer gibt es immer noch - und nicht so selten, wie man denkt. Viele Frauen trauen sich auch heute noch nicht, das in die Öffentlichkeit zu bringen.
 
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  • #97
Wochenende: Bin auf eine Bande Feiergestalten gestoßen, alle zwischen 40 und 55. Toller Abend. Alles Paare, verheiratet oder/und zusammen lebend, 6 Stück an der Zahl. In keinem der Paare hatte die Frau einen festen Job, geschweige denn einen, der sie ernähren würde :eek:. Von keinem der Männer war dies gewünscht.
Jetzt weiß ich, aus welcher Parallelwelt Datinglusche seine Vorstellungen von Partnerschaft bezieht.
 
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  • #98
... Aber wenn wir schon beim Rechnen sind: Die jungen Studenten von damals sind jetzt genau 70 und darüber.
Darüber, und zwar ALLE. Ich darf erinnern, Abitur mit 19, anschließend Bundeswehr (oder wer es geschafft hatte, Zivildienst oder notfalls eben Berlin als Ausweichoption.) Die allerjüngsten der 68er Aktivisten waren Jg. 47.

Hier mal die Daten einiger bekannten Personen:
Rudi Dutschke Jg. 1940
Benno Ohnesorg Jg. 1940
Daniel Cohn Bendit Jg. 1945

Das berühmte Transparent „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“ wurde übrigens 1967 an der Uni Hamburg u.a. vom damaligen AStA Vorsitzenden Detlev Albers getragen - und der kam aus Goslar. Soviel noch zum Harz.

Wer 1968 14 oder 15 war, konnte - entsprechende Neugier und Offenheit vorausgesetzt - natürlich sehr wohl mitbekommen, dass da ein kulturelles Beben im Gang war. Was das für den Einzelnen in seinem weiteren Leben bedeutete, wie er das umsetzte, welche Schlüsse er daraus zog, ist zweifellos sehr verschieden. Aber, wie ich schon mal geschrieben habe, es geht darum Gleichgesinnte zu finden. Und wer zu lange in einer ihm nicht zuträglichen Beziehung verharrt hat, wer sich in die Hausfrauenrolle drängen ließ, usw. usf. muss sich auch sagen lassen, dass er/sie es hätte wissen können. Auch wenn's weh tut.
 
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  • #99
Sie würden es manchmal gerne wieder umkehren. Dabei möchten sie vielleicht gerne eine brave Frau, so wie die Mutter aus den 50er Jahren. Möchten aber auch nicht mehr so leben wie die Väter damals (Alleinverdiener...)
Das kenne ich auch so. Verallgemeinern kann man es nicht, aber es sind noch zu viele Männer, die so denken. Das erklärt vielleicht auch die vielen Single?

Interessant ist..., dass die Männer dann oft von der fehlenden Kompromissbereitschaft der Frauen meinen, aber selber damit ihre eigene fehlende Kompromissbereitschaft/Entwicklung zeigen.
 
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  • #100
Wochenende: Bin auf eine Bande Feiergestalten gestoßen, alle zwischen 40 und 55. Toller Abend. Alles Paare, verheiratet oder/und zusammen lebend, 6 Stück an der Zahl. In keinem der Paare hatte die Frau einen festen Job, geschweige denn einen, der sie ernähren würde :eek:. Von keinem der Männer war dies gewünscht.
Jetzt weiß ich, aus welcher Parallelwelt Datinglusche seine Vorstellungen von Partnerschaft bezieht.
Interessant, dass die Gehälter in Hamburg, da kommst du doch her, oder, so gut sind, dass es für einen Verdiener reicht.

Aus Berlin kenne ich das von den Einheimischen nicht, dass Frau nicht arbeiten geht. Nur von den Zugezogenen aus dem Wessi-Land, die dann die noch gut bezahlten Jobs bekommen haben und inzwischen den neu Zugezogenen zuschanzen. Deren Frauen gehen auch nicht arbeiten, viele jedenfalls nicht.
 

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  • #102
Und wer zu lange in einer ihm nicht zuträglichen Beziehung verharrt hat, wer sich in die Hausfrauenrolle drängen ließ, usw. usf. muss sich auch sagen lassen, dass er/sie es hätte wissen können. Auch wenn's weh tut.
Frauen um die 60, die heute Single sind, haben doch nicht zwangsläufig vorher in einer unterdrückten Hausfrauenrolle gelebt. Wie kommst du darauf.
Klar gibt es die (wie ich geschrieben habe). Aber es gibt eben auch Frauen wie mich, die eine ganz normale Ehe geführt haben, mit Höhen und Tiefen, die ihr Leben lang gearbeitet und Kinder großgezogen haben und sich immer ihre Freiräume erkämpft haben. Was ich falsch gemacht habe: Ich habe den falschen Mann geheiratet (er war aber kein Patriarch). Aber den Fehler hat er ja auch gemacht.
Die unterdrückten Hausfrauen trauen sich oft nicht zu gehen.
Aber meine Erfahrungen in meiner Such-Zeit hat mir gezeigt, dass es noch unheimlich viele Männer gibt, die schon noch recht altmodisch ticken. Da ist eben von der 68er Zeit nichts geblieben. Besonders häufig habe ich das bei Witwern erlebt. Ist aber nur meine persönliche Erfahrung. Aber ich habe eben auch Männer kennengelernt, die sehr schnell auf ihre Ex geschimpft haben, weil diese nur an sich gedacht hatte, ihn immer vernachlässigt habe und sich dann auch noch scheiden ließ. Diese Männer wollten wohl nun endlich auch einmal das ideale Leben eines Patriarchen erleben.
 
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  • #103
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  • #104
98% der Foristen hier verstehen doch keine drei Sätze von dem, was damals in den Audimax so zum Besten gegeben wurde.
Die interessante Frage wäre, ob das schlimm oder eher ein Segen ist.