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  • #1

Misstrauen - gesund oder ein Beziehungskiller ?

In vielen Thread wird deutlich, dass es in neuen Beziehungen schnell zu Situationen kommt, die von Misstrauen geprägt werden : irgendwas in der Kommunikation geht schief, schlechte Erfahrungen kommen hoch, man ist verunsichert und nicht soooo selbstbewusst, bei Unklarheiten mal einen Vertrauensvorsprung zu geben.

Es heißt ja auch "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser".
Und man kennt ja auch "die Männer"/"die Frauen" - positiv sein grenzt ja direkt an Naivität !!
Lieber auf Nummer sicher gehen und alle Alarmanlagen anstellen...

Da hier ja am besten diskutiert wird, wenn man schön einseitig übertreibt, sage ich mal ganz undifferenziert, aber voller Überzeugung : wer nicht vertrauen kann, sollte besser erst gar nicht eine neue Beziehung beginnen.

Auch, wenn man verstehen/nachvollziehen kann, dass jemand das Vertrauen verliert - meiner Meinung nach ist die Fähigkeit zu vertrauen extrem wichtig.

Kann ich es nicht, werde ich dem anderen oft nicht gerecht, stülpe ihm Erfahrungen über, die nichts mit ihm zu tun haben, öffne mich nicht wirklich.....

Was meint ihr ? Und wie kommt ihr klar mit eurem Vertrauen und Misstrauen ?
 
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  • #2
AW: Misstrauen - gesund oder ein Beziehungskiller ?

Ja, liebe Schreiberin, da triffst du (bei mir) den Nagel auf den Kopf.
Mir ist im laufe der Jahre und der gescheiterten Beziehungen mein Urvertrauen abhanden gekommen! Das finde ich schon schlimm, ist aber einfach so.
Der Nächste kann ja nichts dafür, was vorher gelaufen ist. Und so vergrellt man vielleicht jemanden, der es wirklich ehrlich meint. Das ist die Crux....
Allerdings bin ich im laufe meines nun fast zweijährigen Singledaseins auch nicht mehr wirklich in der Situation gewesen, zu schauen, ob ich noch Vertrauen kann.......mangels an "Bewerbern".....
Da ich aber festgestellt habe, dass ich immer noch schnell "entflammbar" bin, habe ich die Hoffnung längst noch nicht aufgegeben. Das ist doch schon mal was... :) bin weiterhin mit offenen Augen unterwegs.
Und eine gesunde Portion Skepsis finde ich nicht nicht sooo ganz falsch. Solange es nicht von vornherein eine Abwehrhaltung ist. Und die habe ich nicht.
 
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  • #3
AW: Misstrauen - gesund oder ein Beziehungskiller ?

Man spricht ja von gesundem Misstrauen, also ein Quäntchen sollte schon sein.

Ich habe immer wieder in meinen Beziehungen erlebt, dass die anfangs gemachten Aussagen meiner Partner sich im Laufe der Zeit ins Gegenteil verkehrten. Ich mache das aber nicht den Männern zum Vorwurf, sondern mir selber, habe anscheinend vieles überhört oder falsch gedeutet. Mit anderen Worten: Ich traue meinem eigenen A**** nicht mehr und bin entsprechend zurückhaltend. Das macht es natürlich potenziellen Partnern nicht leicht mit mir. Wahrscheinlich bin ich der personifizierte Beziehungskiller geworden. Aufgeben is aber nich ;-)
 
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  • #4
AW: Misstrauen - gesund oder ein Beziehungskiller ?

Zitat von Dreamerin:
Und eine gesunde Portion Skepsis finde ich nicht nicht sooo ganz falsch. Solange es nicht von vornherein eine Abwehrhaltung ist. Und die habe ich nicht.
Tja, wo sind da die Grenzen ?
Skepsis hört sich abgeklärt und vernunftgesteuert an. Das Problem mit dem Misstrauen, wie ich es meine, ist doch aber oft, dass es sehr untergründig im Stillen "lauert", manchmal sehr ungesteuert hervorbricht und in Mäntelchen gepackt wird, die nicht ganz ehrlich sind:
Du machst das und das schlecht - statt : da rührt etwas an meinen alten Wunden/Ängsten..
 
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  • #5
AW: Misstrauen - gesund oder ein Beziehungskiller ?

Zitat von co.bo.:
Ich habe immer wieder in meinen Beziehungen erlebt, dass die anfangs gemachten Aussagen meiner Partner sich im Laufe der Zeit ins Gegenteil verkehrten. Ich mache das aber nicht den Männern zum Vorwurf, sondern mir selber, habe anscheinend vieles überhört oder falsch gedeutet.
Das Phänomen kenne ich auch : totale Betriebsblindheit und -Taubheit und erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, sagt man sich ehrlich : eigentlich war es klar, dass es so kommen musste.....
Misstrauen/Zurückhaltung dann also eher als Verunsicherung und Zweifel am eigenen Urteilsvermögen.. Da bist du doch eigentlich schon ein Stück weiter gekommen, dass du dir da auf die Schlichte kommst... Mich überrascht nur, dass die Erkenntnis dich eher lähmt statt dich zu beflügeln - oft findet es ja fast gleichzeitig statt, dass man etwas schon in dem Moment überwindet, wo man es erkennt... Aber vielleicht passiert das ja auch bald ! Klar - nicht aufgeben ;-)
 
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  • #6
AW: Misstrauen - gesund oder ein Beziehungskiller ?

Tiefes Misstrauen in den anderen, so dass es auf einer fast unbewussten Ebene mein gesamtes Beziehungsverhalten steuert, kenne ich. Das ist definitiv zerstörerisch. Der Grund lag bei mir auch nicht im Partner, sondern ausschließlich im mangelnden Bewusstsein für meinen eigenen Wert.
 
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  • #7
AW: Misstrauen - gesund oder ein Beziehungskiller ?

Zitat von Schreiberin:
Tja, wo sind da die Grenzen ?
Skepsis hört sich abgeklärt und vernunftgesteuert an. Das Problem mit dem Misstrauen, wie ich es meine, ist doch aber oft, dass es sehr untergründig im Stillen "lauert", manchmal sehr ungesteuert hervorbricht und in Mäntelchen gepackt wird, die nicht ganz ehrlich sind:
Du machst das und das schlecht - statt : da rührt etwas an meinen alten Wunden/Ängsten..
Da magst du recht haben. Abgeklärt und vernunftgesteuert. Ja, den Schuh ziehe ich mir an.
Ich nenne es Komfortzone, in der ich mich gemütlich eingerichtet habe.......oder auch passend zu meinem Tierkreiszeichen: Krebs in der Schale, harte Schale, weicher Kern. Doch ich bin überzeugt, diese Schale ist leicht zu knacken, wenn der Richtige kommt!
 
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  • #8
AW: Misstrauen - gesund oder ein Beziehungskiller ?

Es gibt "gesundes" Misstrauen? In einer Beziehung? Hmm, vielleicht habe ich da ja eine etwas zu naive Vorstellung, aber sollte man nicht VOR dem Eingehen einer festen Bindung checken, ob man dem anderen wirklich vertraut?
Ich bin dahingehend zwar ein gebranntes Kind, aber dem Partner, für den ich mich entschieden habe, nicht zu vertrauen, kommt in diesem Leben nicht mehr in Frage! Ich fände das viel zu anstrengend, da Energie in solche Gedankengänge zu stecken, zumal immer die Gefahr besteht, sich zu verrennen und dann möglicherweise tatsächlich alles auf's Spiel zu setzen. Nur, um nicht verletzt zu werden, im Vorfeld einen "Sicherheitszaun" zu errichten? Selbsterfüllende Prophezeiung? Nein danke, da bleib ich lieber positiv optimistisch, im Falle des Falles reagieren, kann man immer noch, wenn die Eier gelegt sind ;-)

Das ist allerdings nur meine Einstellung IN einer Beziehung. Bei der Anbahnungsphase hege ich, wie sicher viele, auch gewisses Misstrauen, v.a. hinsichtlich solch wichtiger Fragen wie "Bin ich gerade der einzige, mit dem sie sich trifft?" oder "Hat sie die gleichen Gefühle für mich wie ich für sie?". Wenn sich das alles schlussendlich jedoch geklärt hat, finde ich weiteres Misstrauen sinnlos und unnötig kräftezehrend. Aber da wir Menschen ja alle verschieden sind, und jeder anders mit vergangenen Niederschlägen umgeht, wird es hier wohl kein Patentrezept geben, das jedem gerecht wird. Wäre wohl am Ende auch langweilig, wenn sich alle gleich verhielten ;-)
 
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  • #9
AW: Misstrauen - gesund oder ein Beziehungskiller ?

Zitat von Schreiberin:
...... Auch, wenn man verstehen/nachvollziehen kann, dass jemand das Vertrauen verliert - meiner Meinung nach ist die Fähigkeit zu vertrauen extrem wichtig.
Mir ist das auch sehr wichtig - aus vielen verschiedenen Gruenden. Fuer mich ist Misstrauen daher ein Beziehungskiller.

Zitat von Schreiberin:
...Kann ich es nicht, werde ich dem anderen oft nicht gerecht, stülpe ihm Erfahrungen über, die nichts mit ihm zu tun haben, öffne mich nicht wirklich.....
So sehe ich das auch.

Ich musste schon mal in einer Beziehung darunter leiden, dass mein Partner mir nicht vertrauen konnte. Das lag aber nicht an mir, sonern an ihm und seinen Unzulaenglichkeiten. Am Ende haette ich eigentlich Grund zum Misstrauen haben sollen, denn er ging fremd und projezierte sein Fehlverhalten und seine schlechten Erfahrungen auf mich. Sowas muss ich nicht noch mal haben. Ich meide daher Maenner, die zu misstrauisch sind. Ich glaube, dass ein Mensch, der zu misstrauisch ist, nicht beziehungsfaehig ist (mir also in der Beziehung nicht das bieten kann, was ich brauche) und auch kein gesundes Selbstbewusstsein hat. In so einem Fall kann man tun und lassen was man will, man wird das Vertrauen des anderen niemals gewinnen.

Beim Kennenlernen oder Fremden gegenueber finde ich eine gewisse Vorsicht und ein gesundes Misstrauen voellig ok. Aber wenn man sich kennenlernt, dann sollte Vertrauen entstehen. Tut es das nicht, dann passt irgendwas nicht und man sollte dann die Konsequenzen ziehen. Ich moechte nur mit Menschen naeher zu tun haben und meine (Frei-)Zeit verbingen, denen ich auch wirklich vertrauen kann und die auch mir vertrauen (koennen). Alles andere macht einfach keinen Sinn.
 
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  • #10
AW: Misstrauen - gesund oder ein Beziehungskiller ?

Prinzipiell sind Worte Wind und Papier geduldig. Die Fähigkeit sich toll zu "verkaufen" könnte auch eine Inselbegabung sein. Ja, es soll sogar Menschen geben, die sehr gut darin sind, zu sagen, was der Gegenüber hören möchte. Da verschwinden auch ganz fix mal die Ersparnisse im fernen Afrika.

Ich glaube, so ziemlich jeder Mensch macht irgendwann mal schlechte Erfahrungen und überlegt sich, wie sich eine Wiederholung derselben künftig vermeiden ließe. Oft liest man im Nachgang Muster aus Begleitumständen und deutet diese als Vorzeichen, die es künftig zu beachten gilt. Oft sind ähnliche Begleitumstände aber mit unterschiedlichen Ursachen verbunden und die Heuristik gibt schnell mal falschen Alarm. Da kann die vermeintliche Erkenntnis auch zur selbst erfüllenden Vorhersage werden.

Wieder andere laufen unter ähnlichen Umständen wiederholt vertrauensvoll in ähnliche Desaster.

Wann ist Vertrauen richtig und wann Kontrolle?
Wo ist ein Point of no Return erreicht und wie entscheide ich richtig ob ich weiter gehe oder umkehre?

Was passiert, wenn man seine Komfortzone verlässt und ins kalte Wasser springt? Das was ich erhoffe? Das was ich befürchte?

Man sollte sich gut überlegen, was kann nüchtern und realistisch betrachtet passieren und welche Risiken kann/will man eingehen? Das zu lernen, dabei können schlechte Erfahrungen hilfreich sein. Man muss sie ja nicht alle selber machen.

Ich bin selbst schon mehrmals auf die Nase gefallen und wieder aufgestanden. Immerhin habe ich dadurch gelernt, dass eine Krise zwar das Ende von etwas sein kann, aber nicht das Ende von allem ist.

Es kommt nicht darauf an, wie der Wind weht, sondern wie man die Segel setzt.
 
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  • #11
Ist bitte mal jemand so lieb und erklärt mir,

(a) auf was sich das Mißtrauen da jeweils richtet? Ich stell mich nicht blöd, sondern verstehe nicht, wovon überhaupt die Rede ist.

und

(b) wenn Vertrauen enttäuscht worden ist: In was eigentlich?
 
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  • #12
AW: Misstrauen - gesund oder ein Beziehungskiller ?

a) Vertrauen in die Echtheit der Gefühle meines Partners für mich fehlte.
Etwas vorgemacht bekommen und Angst davor haben, es nicht zu merken. Deshalb grundlegendes Misstrauen.
 
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  • #13
AW: Misstrauen - gesund oder ein Beziehungskiller ?

Was hier und in anderen Beiträgen im Forum gelegentlich andiskutiert wurde: oft werden Veränderungen in einer Beziehung lange Zeit nicht wahrgenommen - und wenn dann endlich klar ist, dass etwas nicht mehr stimmt, ist die Enttäuschung um so größer und nachhaltiger.

Ist aber Misstrauen, das der Angst entspringt, solche Entwicklungen, solche Änderungen im Beziehungsgefüge, nicht (rechtzeitig) zu merken, nicht eher Misstrauen gegenüber den eigenen Fähigkeiten, Veränderungen zu registrieren? Und entwickelt sich dann - um eine solche Situation zu vermeiden - zur Kontrolle des anderen?
 
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  • #14
AW: Misstrauen - gesund oder ein Beziehungskiller ?

@equinox

Ganz genau so sehe ich das. Fehlendes Vertrauen auch in die eigene Wahrnehmung und der Versuch, das zu kompensieren, indem jedes Partnerverhalten abseits eines als "sicher" eingestuften Verhaltens unverzüglich innere Ängste und entsprechende, dem Partner unverständliche Reaktionen hervorruft. Misstrauen ist so gesehen der Feind des Lebendigen. Es steht für Starre, Verharren.
 
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  • #15
AW: Misstrauen - gesund oder ein Beziehungskiller ?

Zitat von Pit Brett:
Ist bitte mal jemand so lieb und erklärt mir,

(a) auf was sich das Mißtrauen da jeweils richtet? Ich stell mich nicht blöd, sondern verstehe nicht, wovon überhaupt die Rede ist.
Für mich kann es mehrere Bedeutungen haben. Misstrauen bedeutet für mich in einer Beziehung z.B. der Zustand, wenn ein Partner dem anderen nicht vertraut - bezüglich Treue. Oder wenn ein Partner ständig die Gefühle des anderen anzweifelt. Oder wenn einer den Absichten des anderen nicht traut und alles hinterfragt und nur skeptisch beäugt.