Unmöglich

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  • #1

Mich selbst verstehen

Hallo, ich wende mich an die virtuelle Öffentlichkeit, weil ich mich selbst nicht verstehe.
Wie wohl fast jeder Mensch halte ich mich für einen doch recht integeren Menschen mit guten Absichten. Ich bin sozial gut eingebunden, habe Freunde und gute familiäre Beziehungen. Dennoch ertappe ich mich selbst immer wieder dabei, dass ich offenbar nicht geradlinig bzw. treu sein kann, und ich weiß nicht warum. Es ging beinahe mein ganzes Leben so: Kaum gab es eine festere Beziehung, habe ich nach der nächsten Ausschau gehalten. Zwischendrin gab es auch eine viele Jahre dauernde Beziehung (mit Kindern, also Familienleben), nachdem diese aber zerbrochen ist, bin ich wieder am emsig Suchen und Sammeln... Obwohl ich nun wieder in einer doch sehr glücklichen Beziehung bin, kann ich es nicht lassen, mein Potential abzuschätzen und andere Möglichkeiten abzuchecken. Leider habe ich meinen Partner trotz meiner Überzeugung, es passiert mir mit ihm nicht, schon einmal betrogen. Mich treibt einfach die Neugier und der Kitzel... Bin ich einfach nicht monogam veranlagt? Ich wage zu behaupten, meinen Partner wirklich zu lieben, mein sexuelles Interesse schlägt aber oft einfach über die Stränge. Zugegebenermaßen bin ich auch was das anbelangt oft unzufrieden in meinen Beziehungen.
Ich habe bei einem Forumsteilnehmer gelesen, dass Sigmund Freud der Meinung war, dass diese Verhaltensweisen in uns geprägt seien von frühester Jugend an und wir uns im Laufe des weiteren Lebens dementsprechend weiter verhalten. So "bio-bestimmt" möchte ich aber nicht sein! Habe ich mich und mein Leben eigentlich selbst im Griff oder sind wir wirklich ferngesteuert durch unsere Gene und Hormone? Habe ich eine Möglichkeit, mich mehr zu kontrollieren? Warum passieren mir immer wieder diese sog. schwachen Momente?
Danke für Eure Antworten, gerne auch für Erfahrungen ähnlich Betroffener!
 

Heike

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  • #2
AW: Mich selbst verstehen

Zitat von Unmöglich:
Ich habe bei einem Forumsteilnehmer gelesen, dass Sigmund Freud der Meinung war, dass diese Verhaltensweisen in uns geprägt seien von frühester Jugend an und wir uns im Laufe des weiteren Lebens dementsprechend weiter verhalten.
Echt, das hast du bei einem Forumsteilnehmer gelesen? Wie hieß der denn?

So "bio-bestimmt" möchte ich aber nicht sein! Habe ich mich und mein Leben eigentlich selbst im Griff oder sind wir wirklich ferngesteuert durch unsere Gene und Hormone?
Ich persönlich mach es so, daß ich die Gene und Hormone ganz nah, nämlcih mitten in mir drinnen hab. Dadurch entkomm ich der Fernsteuerung. Vielleicht ne ANregung?
 
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  • #4
AW: Mich selbst verstehen

Eine interessante Antwort nach dem Beitrag im Singlebereich :)

Ferngesteuert? Immer eine schöne Begründung wenn man nicht zu seiner Entscheidung stehen kann, bewusstes langfristiges Planen und Entscheiden unterscheidet Meschen von Tieren.
Menschen können sich kontrollieren - je nach ihrer emotionalen Intelligenz, vielleicht bist Du
krank, sexsüchtig, Minderwertigkeitskomplexe?

Falls die Frage ernsthaft ist, wer soll hier eine Ferndiagnose stellen und wenn Gleichgesinnte schreiben?
Ich bin gespannt.
 

Marvin

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  • #5
AW: Mich selbst verstehen

Ferngesteuert durch Hormone sind wir doch alle - nur mit angezogener 'sozialer Bremse' im Kopf, die uns einschränkt nicht immer / überall gleich nachzugegeben. Kannst ja mal versuchen Kick / Kitzel (als Rollenspiel??) in deine laufende Beziehung einzubauen - schauen - ob du den Kick innerhalb der Beziehung zustande bringst :)-

gibt auch nen Literatur Tip zum Fest: 'Candida Royalle - How to tell a ...' -
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:

maxine195

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  • #6
AW: Mich selbst verstehen

Vielleicht ein Selbstwertproblem? Immer die Bestätigung von außen brauchen?
 

Romulus

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  • #7
AW: Mich selbst verstehen

Wenn ich den Schreibstil von Unmöglich betrachte, könnte ich fast zu Schluss kommen, dass es ein Mann ist. Wie dem auch sein ...

Zitat von Unmöglich:
Mich treibt einfach die Neugier und der Kitzel... Bin ich einfach nicht monogam veranlagt?
Der Mensch scheint von Geburt an neugierig und habgierig (physisch und psychisch) zu sein, sonste würde er vielleicht nie das Laufen und Sprechen lernen. Manche schaffen es mit dem Erwachsenwerden diese "fatalen" Eigenschaften abzulegen. Andere leider nicht.
Versuch es doch mal mit Nächstenliebe. Ist das Nächstenliebe den Partner zu betrügen und fremd zu gehen? Ist das Nächstenliebe aus einer Ehe heraus mehr zu wollen und seine Ehefrau und Kinder dadurch ins Unglück zu stürzen?
In unserer Wirtschaft wird leider Habgier vorgelebt und als gute Eigenschaften von den Mitarbeitern erwartet. Wer keine Karriere machen will gilt als schlechter resignierter Mitarbeiter. Wer weniger verdient als "ich" gilt als minderwertiger Mitarbeiter. Usw.
Wenn man mit solch einer kranken Denkweise Beziehungen führen will steht man m.E. irgend wann vor eine Scherbenhaufen.


Zitat von Unmöglich:
Ich habe bei einem Forumsteilnehmer gelesen, dass Sigmund Freud der Meinung war, dass diese Verhaltensweisen in uns geprägt seien von frühester Jugend an und wir uns im Laufe des weiteren Lebens dementsprechend weiter verhalten. So "bio-bestimmt" möchte ich aber nicht sein!
Es gibt da den Spruch, "die positive Erziehung eines Menschen erfolgt in den ersten drei Lebensjahren (danach können die Eltern nur noch den Schaden begrenzen)". Insofern stimme ich dem zu, dass die eigene Verhaltensweise vorprogrammiert ist wenn man sich selbst nicht wirklich im Griff hat und/oder in kleinen oder grossen Schritten an sich selbst arbeitet. Es ist m.E. nie zu späht zu beginnen an sich selbst zu arbeiten.
 
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  • #8
AW: Mich selbst verstehen

Zitat von Unmöglich:
Leider habe ich meinen Partner trotz meiner Überzeugung, es passiert mir mit ihm nicht, schon einmal betrogen. Mich treibt einfach die Neugier und der Kitzel... Bin ich einfach nicht monogam veranlagt? Ich wage zu behaupten, meinen Partner wirklich zu lieben, mein sexuelles Interesse schlägt aber oft einfach über die Stränge. Zugegebenermaßen bin ich auch was das anbelangt oft unzufrieden in meinen Beziehungen.

Damit hast du ja schon die richtigen Hinweise gegeben. Natürlich ist es im allgemeinen so, dass Männer oft die mit dem größeren sexuellen Interesse sind, aber mit dem guten alten Pareto kann man das blank nur für 80% sagen, in den anderen Fällen ist es durchaus umgekehrt.

Hinzu tritt, dass dein Lebensmodell im Kopf das allgemein propagierte System sexueller Exklusivität noch drin hat. Lass dir sagen, dass es viel mehr als diese Lebensmodelle gibt, in denen ebenso eine erfüllte Partnerschaft möglich ist. Das wird öffentlich manchmal in die Schmuddelecke getan, ist aber in der Praxis eher unkompliziert. Man muss das nur mit dem jeweiligen Partner abklären - offen und ohne Anwürfe.

Nach meiner Erfahrung fällt es Männern auch leichter zu akzeptieren, wenn die Frau sexuell aktiver ist, und dafür etwas Freiraum braucht. Wenn du schon etwas älter bist, dann finden sich auch schon genug Männer, die sich ganz bewusst in so ein Lebensmodell einfügen können. Such doch einfach diese, und du kommst aus dem geistigen Dilemma mit dem Selbstvorwurf heraus.

Vermutlich schieße ich mit dem Ratschlag schon übers Ziel hinaus, weil es gar nicht sooo ausgeprägt bei dir ist, aber vielleicht beschäftigst du dich einfach mit dem Bereich, und übernimmst etwas, was gut passen könnte.
 

Polly

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  • #11
AW: Mich selbst verstehen

@Unmöglich
Nur auf die Triebe reduziert zu werden, wie bei Freud, das ist zu wenig. Der Mensch hat mehr zu bieten. Viktor Frankl bietet da schöne Gedankengänge.
Prägend sind die ersten Lebensjahre sicher. Veränderungen sind aber möglich. Nur Mut.

Die Kirschen in Nachbar's Garten scheinen immer röter und saftiger zu sein.... ... wenn du den Wunsch hast, treu zu sein, dann gehe diesen Weg weiter. Mach kleine Schritte. Stundenweise treu sein. JA. Oder heute treu sein. Morgen dann wieder usw., gleich die ganze Woche treu sein zu wollen, kann zu viel sein. Such dir einen guten Coach.

Gutes Gelingen :)
 

passion67

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  • #12
AW: Mich selbst verstehen

Ohne Worte....-.
Ist das wirklich eine ernstgemeinte Frage?
 
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winzling_geloescht

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  • #14
AW: Mich selbst verstehen

Ist das nicht schnurz, ob's Männlein oder Weiblein ist?
 

Venturu

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  • #15
AW: Mich selbst verstehen

Zitat von winzling:
Ist das nicht schnurz, ob's Männlein oder Weiblein ist?

In einem Forum? Nein!
Da hängt die Art der Antworten sehr eng damit zusammen ob die Frage von einem Mann oder einer Frau kommt.
In einem elitären Forum gab es mal einige Parallelstränge. Gleiche Fragestellung, aber einmal von einem angeblichen Mann und einmal von einer angeblichen Frau. Die Antworten (insbesondere die der Damen) waren höchst unterschiedlich. Lustigerweise haben sogar teilweise dieselben Damen in beiden Strängen völlig gegensätzliche Meinungen vertreten.
 
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  • #16
AW: Mich selbst verstehen

Wenn Dein Leidensdruck wegen Deiner Untreue groß genug wäre, würdest Du es dann nicht lassen? Ich bin mir sicher, es gibt Menschen, die sind "von Natur aus" sexuell sehr umtriebig. Mit einem Partner, der das mag/auch für sich beansprucht, wird das klappen. Mit einem Treuen wird es die Beziehung zerstören. Ich denke nicht, dass Du dich ändern kannst. Muss auch nicht sein.
 
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  • #17
AW: Mich selbst verstehen

Zitat von Heike:
Echt, das hast du bei einem Forumsteilnehmer gelesen? Wie hieß der denn?


Ich persönlich mach es so, daß ich die Gene und Hormone ganz nah, nämlcih mitten in mir drinnen hab. Dadurch entkomm ich der Fernsteuerung. Vielleicht ne ANregung?

Vieles im Menschen kann ihn so steuern, dass er nicht weiß, ob das SEIN Bewusstsein ist. Ganz vorne dran: Hormone, u.a. die von Schilddrüse und Geschlecht, aber auch die aus Fettgewebe oder außer Hormonen auch die Komponenten der Darmflora. Da kommt es schon mal vor, dass Mensch sich ferngesteuert fühlt, weil er anders tut, als er eigentlich will.
 

Heike

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  • #18
AW: Mich selbst verstehen

Zitat von delfin 1988:
Vieles im Menschen kann ihn so steuern, dass er nicht weiß, ob das SEIN Bewusstsein ist. Ganz vorne dran: Hormone, u.a. die von Schilddrüse und Geschlecht, aber auch die aus Fettgewebe oder außer Hormonen auch die Komponenten der Darmflora. Da kommt es schon mal vor, dass Mensch sich ferngesteuert fühlt, weil er anders tut, als er eigentlich will.

Näher besehen teilt die Threadstarterin an keiner Stelle mit, sie wolle anders als sie tut.
 
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winzling_geloescht

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  • #19
AW: Mich selbst verstehen

Zitat von Venturu:
In einem Forum? Nein!
Da hängt die Art der Antworten sehr eng damit zusammen ob die Frage von einem Mann oder einer Frau kommt.
In einem elitären Forum gab es mal einige Parallelstränge. Gleiche Fragestellung, aber einmal von einem angeblichen Mann und einmal von einer angeblichen Frau. Die Antworten (insbesondere die der Damen) waren höchst unterschiedlich. Lustigerweise haben sogar teilweise dieselben Damen in beiden Strängen völlig gegensätzliche Meinungen vertreten.

Meine Forenerfahrung beschränkt sich auf dieses hier, ist also verschwindend gering. Auf mich wirkt's wie ein Spiegelbild der (deutschen) Gesellschaft mit all den Rollenzuweisungen und Verhaltenserwartungen von Männlein und Weiblein. Bisweilen sehr verwunderlich und manchmal erinnert's mich dann an "Meinungsaustausch" mit meiner Oma. Das wird wohl in anderen deutschen Foren ähnlich laufen, keine Ahnung. Irgendwie entwicklungshemmend so für das einzelne Individuum nach meinem Empfinden. Mit Auswirkungen wiederum auf die Gesellschaft, die diese Individuen ja bilden. Was den Wohlfühlfaktor in dieser Gesellschaft mindert.
 

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  • #20
AW: Mich selbst verstehen

Zitat von Unmöglich:
Mich treibt einfach die Neugier und der Kitzel... Bin ich einfach nicht monogam veranlagt? Ich wage zu behaupten, meinen Partner wirklich zu lieben, mein sexuelles Interesse schlägt aber oft einfach über die Stränge. Zugegebenermaßen bin ich auch was das anbelangt oft unzufrieden in meinen Beziehungen.

Da stellt sich mir die Frage: Wieso gehst du eine Beziehung ein, in der du mit der sexuellen Ebene nicht zufrieden bist?

Was wäre, wenn du eine Beziehung hättest, die dich sexuelle komplett auslasten und befriedigen würde? Meinst du, dass du trotzdem noch weiter suchen würdest?

Offensichtlich fehlt dir in deinen Beziehungen die Bestätigung durch deine jeweiligen Partner, dass du die begehrenswerteste und liebenswerteste Frau auf der Welt bist.
 

Venturu

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  • #21
AW: Mich selbst verstehen

Zitat von winzling:
Meine Forenerfahrung beschränkt sich auf dieses hier, ist also verschwindend gering. Auf mich wirkt's wie ein Spiegelbild der (deutschen) Gesellschaft mit all den Rollenzuweisungen und Verhaltenserwartungen von Männlein und Weiblein.

Wenn das so ist, bin ich ehrlich froh das ich nicht mehr in Deutschland lebe. Das wäre mir einfach zu "eng".
 
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winzling_geloescht

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  • #22
AW: Mich selbst verstehen

Zitat von Venturu:
Wenn das so ist, bin ich ehrlich froh das ich nicht mehr in Deutschland lebe. Das wäre mir einfach zu "eng".

Och weißte, da mach ich mir mal mehr, mal weniger draus. Kommt Zeit, kommt Rat. Ein Teil meiner Kinder sieht's aber wie du und ich kann's gut verstehen.
 

Andre

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  • #23
AW: Mich selbst verstehen

Zitat von Venturu:
In einem elitären Forum gab es mal einige Parallelstränge. Gleiche Fragestellung, aber einmal von einem angeblichen Mann und einmal von einer angeblichen Frau. Die Antworten (insbesondere die der Damen) waren höchst unterschiedlich. Lustigerweise haben sogar teilweise dieselben Damen in beiden Strängen völlig gegensätzliche Meinungen vertreten.
Muhaha! – Manchmal sind Trolle doch zu was nutze.

(Mir fällt in solchen Momenten immer wieder der Text einer 4000 Jahre alten Tontafel ein, den der Schreiber als Stoßseufzer auf der Rückseite hinterließ: "Die Menschheit ist dumm und begreift nichts". Ach, was heißt "Schreiber"! Der Mann war ein Seher, ein Visionär!)
 

Andre

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  • #24
AW: Mich selbst verstehen

Zitat von Venturu:
Wenn das so ist, bin ich ehrlich froh das ich nicht mehr in Deutschland lebe. Das wäre mir einfach zu "eng".
Nein, das ist nicht typisch deutsch. Mann-Frau-Rollenbilder sind in vielen anderen Kulturen deutlich "härter" ausgebildet und es wird viel mehr Wert auf deren Einhaltung gelegt – da haben wir es hier noch gut!
 

Chocolat

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  • #25
AW: Mich selbst verstehen

Hallo Du!
Mir kommt das, was du erzählst, ziemlich bekannt vor. Ich war bis Oktober letzten Jahres in so einer Beziehung zu einem Mann, wir waren insgesamt 12 Jahre "zusammen", wovon die letzten 5 durch on-off-Phasen und seine wiederkehrende Untreue gekennzeichnet waren. Meistens bin ich draufgekommen, weil er sich nach einer anfänglichen Hochphase suczessive immer wieder von mir emotional zurückgezogen hat. Auch er hat jedesmal, wenn ich draufgekommen bin, beteuert, er würde mich lieben, aber er könne eben nicht treu sein.
Ich habe sehr viel darüber gelesen, wie so ein Beziehungsmodus zustandekommen kann, dabei war mir vor allem wichtig, draufzukommen, warum ICH mir ausgerechnet so einen Mann suche.
Fazit: es hat etwas mit Bindungsphobie zu tun. Menschen, die Bindungsängste aufweisen ( die Ursachen gehen auf die Kindheit zurück, in der wahrscheinlich zu einem der beiden Elternteile eine ziemlich unsichere Bindung bestand), versuchen durch verschiedene Arten des "Rückzugs" zu Abstand zu gelangen, eine der Möglichkeiten davon ist die Untreue. Du sagst, du liebst deine Partnerin, das wird vielleicht sogar so sein, aber wenn du sie "hast" und die Beziehung sich vertiefen sollte, entfernst du dich, in dem du Ausschau nach einer Anderen hältst. So bringst du dich selbst dazu, dich nicht zu tief mit deiner Partneriin auseinandersetzen zu müssen, denn ich denke, wenn sie draufkommt, wird das Ganze wieder auseinandergehen und das Spielchen beginnt von vorne.
Du wirst dem Ganzen nur entgegenwirken können, in dem du alleine, oder noch besser mit deiner Partnerin, eine Therapie machst. Nur so kannst du dein unsicheres Bindungsverhalten ergründen und der wiederholten Untreue entgegenwirken, indem du daran arbeitest.
Tust du das nicht, wirst du ewig dieses Verhalten beibehalten und riskierst, dass du irgendwann mal alleine im Park sitzt und Tauben fütterst. Tu was! Du tust das nicht nur für deine Partnerin, indem du ihr viel Kummer ersparst, sondern auch für dich selbst. Denn mit jedem Mal Untreue sinkt auch deine Selbstachtung! Ist es nicht so? Du mußt dir doch nicht mehr beweisen, dass du ein tollter Hecht bist, denn wenn du eine tolle Frau an deiner Seite hast, dann spricht das ja auch für dich!
Denk nach! Und handle!
 
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winzling_geloescht

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  • #26
AW: Mich selbst verstehen

Zitat von Andre:
Nein, das ist nicht typisch deutsch. Mann-Frau-Rollenbilder sind in vielen anderen Kulturen deutlich "härter" ausgebildet und es wird viel mehr Wert auf deren Einhaltung gelegt – da haben wir es hier noch gut!

Das stimmt. Es ist aber ein recht individuelles Ding, was für gesellschaftliche Normen jemand kennen- und liebengelernt hat und wer sich demzufolge wo mit den gegebenen Lebensumständen wohlfühlt. Ich zumindest hab in Deutschland noch keine Mitarbeiterinnen beim Straßenbau oder bei der Müllabfuhr gesehen, was woanders ganz selbstverständlich ist, wie viele andere Dinge auch, die in Deutschland für eine Frau noch immer schwer bis gar nicht zu bewerkstelligen sind. Was einem Mann, der seine Position nicht als gefährdet betrachten muss, möglicherweise ja schnurz sein kann. Weil hey, euch Frauen geht's doch vergleichsweise gut hier in Deutschland. Versteh ich.

Natürlich hat's was Tröstliches, dahin zu gucken, wo's noch schlechter ist. Hilft mir auch (Betonung auf "auch") manchmal in schwachen Momenten. Auf Dauer orientier ich mich dann aber doch lieber nach oben als nach unten.
 

Unmöglich

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  • #27
AW: Mich selbst verstehen

Zitat von Romulus:
Wenn ich den Schreibstil von Unmöglich betrachte, könnte ich fast zu Schluss kommen, dass es ein Mann ist. Wie dem auch sein ....

Interessant, Romulus - aus Rom? - aber nein, ich bin eine Frau. Aber die Wahrnehmung, ich würde männlich handeln, hörte ich schon öfter.

Zitat von Romulus:
Der Mensch scheint von Geburt an neugierig und habgierig (physisch und psychisch) zu sein, sonste würde er vielleicht nie das Laufen und Sprechen lernen. Manche schaffen es mit dem Erwachsenwerden diese "fatalen" Eigenschaften abzulegen. Andere leider nicht.

Ich finde diese Eigenschaften an sich überhaupt nicht fatal, sondern sie sind für mich Teil und Sinn des Lebens. Neugier treibt und weiter, Habgier ist in gewissem Maße von der Evolution in uns vorgegeben. In der heutigen Zeit können wir das sicherlich steuern und diese auf ein Mindestmaß beschränken.

Zitat von Romulus:
Versuch es doch mal mit Nächstenliebe. Ist das Nächstenliebe den Partner zu betrügen und fremd zu gehen? Ist das Nächstenliebe aus einer Ehe heraus mehr zu wollen und seine Ehefrau und Kinder dadurch ins Unglück zu stürzen?
In unserer Wirtschaft wird leider Habgier vorgelebt und als gute Eigenschaften von den Mitarbeitern erwartet. Wer keine Karriere machen will gilt als schlechter resignierter Mitarbeiter. Wer weniger verdient als "ich" gilt als minderwertiger Mitarbeiter. Usw.
Wenn man mit solch einer kranken Denkweise Beziehungen führen will steht man m.E. irgend wann vor eine Scherbenhaufen.

Dass man mit "mehr wollen" automatisch andere ins Unglück stürzt, ist kausal nicht begründbar. In Beziehungen können sich die Partner auch gemeinsam höherentwickeln. Das ist für mich kein überzeugendes Argument.

Zitat von Romulus:
Es gibt da den Spruch, "die positive Erziehung eines Menschen erfolgt in den ersten drei Lebensjahren (danach können die Eltern nur noch den Schaden begrenzen)". Insofern stimme ich dem zu, dass die eigene Verhaltensweise vorprogrammiert ist wenn man sich selbst nicht wirklich im Griff hat und/oder in kleinen oder grossen Schritten an sich selbst arbeitet. Es ist m.E. nie zu späht zu beginnen an sich selbst zu arbeiten.

Jaja, die Erziehung. Meine Eltern haben gute, perfekte Arbeit geleistet. Ich war ein Musterkind, eine Musterschülerin. Und kaum war ich dem Elternhaus entfleucht, habe ich mich erstmal ausgelebt! Nein, so einfach ist das nicht. Man trägt Veranlagungen in sich, über die staunt man selbst! Und man selbst ist dann letztlich verantwortlich, wie man mit ihnen umgeht. Das ist die eigentliche Aufgabe. Vielleicht ist das eine Gnade des Alterns, dass man irgendwann erkennt, dass man nicht alles tun muss, was möglich erscheint. Dass man anfängt abzuwägen, zu selektieren, Prioritäten zu setzen. Lernt, zu verzichten. Okay, das könnte man auch als Erwachsenwerden bezeichnen. Ich bin allerdings froh, dass ich auf diese Art nicht zu früh "erwachsen" geworden bin, sonst wäre mein Leben um einiges ärmer und trauriger verlaufen ;-) Der Prozess des Lernens und Erkennens hört eben nicht auf!
 

Unmöglich

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  • #28
AW: Mich selbst verstehen

Zitat von Chocolat:
Fazit: es hat etwas mit Bindungsphobie zu tun. Menschen, die Bindungsängste aufweisen ( die Ursachen gehen auf die Kindheit zurück, in der wahrscheinlich zu einem der beiden Elternteile eine ziemlich unsichere Bindung bestand), versuchen durch verschiedene Arten des "Rückzugs" zu Abstand zu gelangen, eine der Möglichkeiten davon ist die Untreue. Du sagst, du liebst deine Partnerin, das wird vielleicht sogar so sein, aber wenn du sie "hast" und die Beziehung sich vertiefen sollte, entfernst du dich, in dem du Ausschau nach einer Anderen hältst. So bringst du dich selbst dazu, dich nicht zu tief mit deiner Partneriin auseinandersetzen zu müssen, denn ich denke, wenn sie draufkommt, wird das Ganze wieder auseinandergehen und das Spielchen beginnt von vorne.

Hallo Chocolat,
Danke für Deine Antwort. Ich bin durchaus weiblich und kein Mann. Insofern stimmt Dein Beitrag, dass ich meinen Partner liebe, aber dennoch nicht völlig den Blick nach "draußen" lassen kann. Aber ich kann auch versichern, dass das absolut nichts mit Erfahrungen in der Kindheit zu tun hat. Ich hatte und habe eine sehr stabile und konstante Bindung zu meinen beiden Elternteilen, da gab und gibt es keine Verunsicherungen, es gab auch keine Trennungsängste oder sonstiges in der Kindheit. Meine Eltern selbst haben mir zudem eine absolut treue Beziehung vorgelebt. Also nichts mit frühkindlicher Prägung oder so... Es ist einfach in mir selbst drin. Möglicherweise ein früher dagewesenes mangelndes Selbstvertrauen, dass ich nun unbewusst weiter und weiter kompensieren will, das würde passen. Dann wäre es an der Zeit, dieses - nun erkannte - Muster zu durchbrechen! Danke an alle, die mir das klargemacht haben!
 

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  • #29
AW: Mich selbst verstehen

Zitat von Unmöglich:
Hallo, ich wende mich an die virtuelle Öffentlichkeit, weil ich mich selbst nicht verstehe.
Wie wohl fast jeder Mensch halte ich mich für einen doch recht integeren Menschen mit guten Absichten. Ich bin sozial gut eingebunden, habe Freunde und gute familiäre Beziehungen. Dennoch ertappe ich mich selbst immer wieder dabei, dass ich offenbar nicht geradlinig bzw. treu sein kann, und ich weiß nicht warum. Es ging beinahe mein ganzes Leben so: Kaum gab es eine festere Beziehung, habe ich nach der nächsten Ausschau gehalten. Zwischendrin gab es auch eine viele Jahre dauernde Beziehung (mit Kindern, also Familienleben), nachdem diese aber zerbrochen ist, bin ich wieder am emsig Suchen und Sammeln... Obwohl ich nun wieder in einer doch sehr glücklichen Beziehung bin, kann ich es nicht lassen, mein Potential abzuschätzen und andere Möglichkeiten abzuchecken. Leider habe ich meinen Partner trotz meiner Überzeugung, es passiert mir mit ihm nicht, schon einmal betrogen. Mich treibt einfach die Neugier und der Kitzel... Bin ich einfach nicht monogam veranlagt? Ich wage zu behaupten, meinen Partner wirklich zu lieben, mein sexuelles Interesse schlägt aber oft einfach über die Stränge. Zugegebenermaßen bin ich auch was das anbelangt oft unzufrieden in meinen Beziehungen.
Ich habe bei einem Forumsteilnehmer gelesen, dass Sigmund Freud der Meinung war, dass diese Verhaltensweisen in uns geprägt seien von frühester Jugend an und wir uns im Laufe des weiteren Lebens dementsprechend weiter verhalten. So "bio-bestimmt" möchte ich aber nicht sein! Habe ich mich und mein Leben eigentlich selbst im Griff oder sind wir wirklich ferngesteuert durch unsere Gene und Hormone? Habe ich eine Möglichkeit, mich mehr zu kontrollieren? Warum passieren mir immer wieder diese sog. schwachen Momente?
Danke für Eure Antworten, gerne auch für Erfahrungen ähnlich Betroffener!

Ersetze jedes "kann" durch ein "will" und du kommst der Lösung ein beträchtliches Stück näher.