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  • #1

Melancholie - Sentimental Journey

Für alle Melancholiker, die sich einfach mal unterhalten oder aussprechen wollen.
 
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  • #2
Oh, ein gutes Thema. Ich denke da an Heines "Dichterliebe", diesen gefühlten Bruch zu Zeiten des Frühlings, der das Ende schon in sich trägt. Das ist fast zynisch, im Knospen und Blühen der Bäume befindet sich schon der Tod. Mich macht das melancholisch, und dann überwiegt doch wieder die Freude im ganz konkreten aktuellen Schauen.
Denn diesen Bruch weiß man erst im Nachhinein. Aber, ich weiß es halt.
 
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Deleted member 25594

  • #3
Kannte ich sinnlich gar nicht, vielen Dank.

Zitat: Ich will meine Seele tauchen
In den Kelch der Lilie hinein,
Die Lilie soll klingend hauchen
Ein Lied von der Liebsten mein.
Das Lied soll schauern und beben
Wie der Kuß von ihrem Mund,
Den sie mir einst gegeben
In wunderbar süßer Stund'.
 
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  • #7
Für alle Melancholiker, die sich einfach mal unterhalten oder aussprechen wollen.
Melancholie ein schönes Thema.
Ich lese dann entsprechendes ( derzeit Rilke für Gestresste )weil ich das ( für mich )nicht gut ausdrücken kann.
Durch Lesen kann ich es ausleben und die "schönen Worte" tun mir einfach gut.


Manches, was uns verstößt,
tut hinterher,
wenn wir vorüber sind,
ratlos die Arme auf.
Denn es gibt keinen Lauf
zurück.
Alles hebt uns hinaus,
und das spät offene Haus
bleibt leer.


Rilke 1924
 
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  • #8
Verarge mir es nicht, Melancholie,
daß ich die Feder, dich zu preisen, spitze
und daß ich nicht, den Kopf gebeugt zum Knie,
einsiedlerisch auf einem Baumstumpf sitze.
So sahst du oft mich, gestern noch zumal,
in heißer Sonne morgendlichem Strahle:
begehrlich schrie der Geier in das Tal,
er träumt' vom toten Aas auf totem Pfahle.

Auszug aus „An die Melancholie“ von Nietzsche
 
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  • #9
...oder auch bei Kettcar, "Im Taxi Weinen":

Der Tag an dem wir uns
"We're gonna live forever"
auf die Oberschenkel tätowierten,
war der Tag, an dem wir wussten:
Die Dinge, die wir sehen,
und die Dinge, die wir wollen,
sind 2 Paar Schuh.
Nur bitte, was für ein Verständnis
von Erkennen und Erkenntnis,
wenn ich sage:
Geld allein macht auch nicht glücklich,
aber irgendwie schon besser
im Taxi zu weinen
als im HVV-Bus, oder nicht?
Und wer hält was er verspricht,
wenn er nicht glaubt, was er sagt?
Ich hab zuerst gefragt..."
 
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  • #10
Mein spontaner Gedanke zu dem Thema: Wer keine Probleme hat, macht sich welche.
 
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  • #12
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  • #13
Weil man sich in der Melancholie auch irgdwie wohlfühlt, sie sich herbeiholt, wenn einem danach ist.
Weil man manchmal einfach ein bisschen (mehr) Leid braucht. Und wenn das Leid, das von allein da ist, nicht ausreicht, macht man es sich. Fotos rausholen. Richtige Musik auflegen.
Eine interessante Sicht auf dieses Thema.
Habe ich so, für mich noch nicht so wahrgenommen. Ich brauche kein zusätzliches Leid. Bilder stimmen mich nachdenklich. Musik befreit meinen Geist mehr als das es diesen einfängt.
 
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  • #14
Weil man sich in der Melancholie auch irgendwie wohlfühlt, sie sich herbeiholt, wenn einem danach ist.
Weil man manchmal einfach ein bisschen (mehr) Leid braucht. Und wenn das Leid, das von allein da ist, nicht ausreicht, macht man es sich. Fotos rausholen. Richtige Musik auflegen. Gedanken nachhängen.
Könnte das einen tieferen Sinn haben?
Die Dinge beschleunigen um schneller damit durchzukommen?
 
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  • #16
Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,
Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,
Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,
Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.

Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten
Träum ich nach ihren helleren Geschicken
Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.
So folg ich über Wolken ihren Fahrten.

Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.
Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.
Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,

Indes wie blasser Kinder Todesreigen
Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,
Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen.

Georg Trakl - Verfall
 
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  • #18
Mein spontaner Gedanke zu dem Thema: Wer keine Probleme hat, macht sich welche.
Grandios ihr Zwei. Tolles Beispiel für gute Kommunikation.
Ich (!) hab nämlich @Syni s Einwurf völlig falsch verstanden (falscher Bezug). Finde den Gedanken durch die Erklärung richtig gut. Dank der gelassenen Nachfrage von @JackSmith .
Ach Gelassenheit ... *rumsinnier
 
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  • #21
Melancholie muss man sich wahrlich leisten können. :)
Was ja quasi eine der genannten Aussagen stützt. Die holt man sich nur, wenn man sonst nicht genug Sorgen hat.
Mir fällt immer wieder auf, dass unter meinen paarhundert Lieblingsliedern ein beträchtlicher Anteil an melancholischen Herzschmachtsongs dabei sind. Erstaunlicherweise heben die aber eher meine Stimmung.
 
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  • #22
Ich glaube aber das Melancholie ein Charakterzug ist, den hat man oder nicht und das hat sicherlich mit Gehirnchemie zu tun. Ich bin z.B. melancholisch bis Nahe an einer Depression und wollen tue ich das überhaupt nicht. Gerade, wenn etwas nicht läuft, wie ich es erwarte, falle ich in tiefe Melancholie. Vielleicht arbeite ich deswegen im ingenieurstechnischen und naturwissenschaftlichen Bereich, denn da ist das meiste so wie erwartet. Bei der Partnersuche ist das leider nicht so. Wie war das ? Garantien gibt es nicht ... Ich jedoch bin sehr gut berechenbar ...
 
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  • #24
Nein. Ohne Frage-, aber mit Ausrufezeichen schon mal gar nicht.
Und: Binnen 1 Min zurückgezogen. Ich habe kein Ansinnen, mich mit dir darüber auszutauschen, ob in den Naturwissenschaften die Dinge meist gemäß Erwartung laufen oder nicht.

Ich glaube aber das Melancholie ein Charakterzug ist, den hat man oder nicht und das hat sicherlich mit Gehirnchemie zu tun. Ich bin z.B. melancholisch bis Nahe an einer Depression und wollen tue ich das überhaupt nicht. Gerade, wenn etwas nicht läuft, wie ich es erwarte, falle ich in tiefe Melancholie. Vielleicht arbeite ich deswegen im ingenieurstechnischen und naturwissenschaftlichen Bereich, denn da ist das meiste so wie erwartet. Bei der Partnersuche ist das leider nicht so. Wie war das ? Garantien gibt es nicht ... Ich jedoch bin sehr gut berechenbar ...
Mir klingt das eher nach mangelnder Frustrationstoleranz. Die ist erlernbar.
 
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  • #26
Nein. Ohne Frage-, aber mit Ausrufezeichen schon mal gar nicht.
Und: Binnen 1 Min zurückgezogen. Ich habe kein Ansinnen, mich mit dir darüber auszutauschen, ob in den Naturwissenschaften die Dinge meist gemäß Erwartung laufen oder nicht.


Mir klingt das eher nach mangelnder Frustrationstoleranz. Die ist erlernbar.
Ein typischer Syni ... dann lass es doch ganz ....
 
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  • #27
Mein spontaner Gedanke zu dem Thema: Wer keine Probleme hat, macht sich welche.
Hieße das für Dich, Melancholie ist eigentlich dekadent? Oder jedenfalls irgendwas zwischen unangebracht und überflüssig und "Habt Ihr nichts besseres zutun"?
In Deinem nächsten Post klingt es dann wieder mehr, als würdest Du sie doch auch mögen, die Melancholie. Oder zumindest tolerieren. Bei anderen. Bei Dir auch?
Ist Weltschmerz für Dich in diesem Sinne dekadent ("sonst keine Probleme") oder eher ein Versuch der generalisierten Empathie? Letzteres könnte ja auch der Schlüssel zu vielem sein...Achtsamkeit, Selbstvergebung usw. Das finde ich einen geradezu österlich positiven Gedanken.
In diesem Sinne, "Hello Darkness my old friend..." (The Sound of Silence)
Hier in der kraftvollen Version von Disturbed:
https://youtu.be/u9Dg-g7t2l4
Aber im Original von Simon & Garfunkel anders schön. Weniger brachial. Jeder, wie er mag.
 
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  • #28
Könnte das einen tieferen Sinn haben?
Die Dinge beschleunigen um schneller damit durchzukommen?
Für mich ist Melancholie keine Phase, eher eine Geisteshaltung. Und fühlt sich eher nach Verlangsamung als nach Beschleunigung an. Die Frage ist: Muss sie einen Sinn haben oder einen Zweck erfüllen, sozusagen als Daseinsberechtigung? "Damit Durchkommen" im Sinne von Akzeptanz, auch mal würdevoll Kapitulieren und sich selbst Vergeben - ja. Aber das geht bei mir nicht schnell und ist in meiner Wahrnehmung nicht aktiv zu steuern, was das Tempo angeht. Nicht mal bei der Richtung bin ich mir da sicher.
 
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  • #29
Ich glaube aber das Melancholie ein Charakterzug ist, den hat man oder nicht und das hat sicherlich mit Gehirnchemie zu tun. Ich bin z.B. melancholisch bis Nahe an einer Depression und wollen tue ich das überhaupt nicht. Gerade, wenn etwas nicht läuft, wie ich es erwarte, falle ich in tiefe Melancholie. ..
Das klingt, als wärst Du sie am liebsten los, die Melancholie. Ist das so?
Wenn Du Dir einen Deiner Charakterzüge wegwüschen dürftest, wäre das dann sie? Für Dich scheint sie der ätzende Anfang der gedanklichen Abwärtsspirale zu sein. Für mich ist sie der leichte Teil davon. Wenn sich die negativen Gedanken und Grübeleien verdichten, ist das wie die Einfahrt in die Geisterbahn. Und die Melancholie ist dagegen der Streichelzoo. Kann ich ja lieber hingehen, meine Entscheidung...
 
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  • #30
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