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Gast

  • #61
Mit "tiefer" habe ich "über Gefühle reden" gemeint. "Du Vollpfosten" zeugt ja auch von Gefühlen, aber ist halt so eine liebevolle Kumpelebene. Mir ist halt aufgefallen, dass Männern es schwer fällt, über Sorgen, über Verletzungen, über Ängste mit ihren Freunden zu reden. Andeutungsweise schon, aber halt nicht tiefer. Ich weiß nicht, vielleicht reicht ja auch nur so ein gegenseitiges nicht wortreiches Verständnis, halt so ein "hm".
 
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Gast

  • #62
Kann ich nicht bestätigen. Es ist doch nicht so, dass die Frau generell für "das Tiefe, die "tiefen" Gefühle und das gute Gespräch stünde und der Mann für das Flache.
Mit dem Geschlecht hat solches wenig bis nichts zu tun.
 
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Gast

  • #63
Ich finde, Tiefe hat etwas damit zu tun, wie tief man einsteigt und wie tief das, worum es geht, eine Persönlichkeit ausmacht.
Viele Gespräche über Gefühle und Verletzungen, die ich so mitkriege, empfinde ich eher als pseudotief. Bewegen sich wie automatisiert in einem gewissen Jargon. Man hat gelernt, daß man auf bestimmte Worte bestimmte Reaktionen bekommt, und macht dann diese Worte und kriegt dann diese Reaktionen. Wieweit wirklich die Bereitschaft ist, tief einizusteigen, würde erst deutlich, wenn das Schema erschüttert würde.
Mit Gefühlen und Sorgen ist es eigentlich wie mit allem anderen auch: gibt es tief und oberflächlich. Arthouse und soap oder so. Und viele Gespräche darüber unterscheiden sich gar nicht so sehr von so etwas wie Porno. Den würden viele ja auch nicht als so tief einschätzen, auch wenns da ins Eingemachte geht. Aber es bleibt halt so unpersönlich und oberflächlich. Und so ists beim Verletzungsjargon ähnlich.
Deswegen eignet der sich auch so gut für so Formate, die es vor dem Internet im Fernsehen gab, wo sich zwei oder mehr Beteiligte vor der Kamera mal so richtig ihre Meinung gesagt und Gefühle offenbart haben. Damals hat man sich über das Unterschichtsfernsehen amüsiert. Heute hat man die Seiten gewechselt und macht es selbst, im Internet.
 
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Gast

  • #64
Wobei erstere Filme manchmal für den sich die Haare raufenden Künstler stehen und daneben die schöne Geliebte, die ihm den Rücken stärkt, Muse und Halt ist.
Ein Grund, warum ich das Theater so liebe und die Television nicht. Und ganz besonders Thomas Bernhards Theatermacher.
 
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Gast

  • #65
Oftmals ist schon eine bestimmte Unterscheidung von Oberflächlichkeit und Tiefe Zeichen von Oberflächlichkeit. Das "gute" Theater darf sich Affirmation der Oberfläche erlauben. Während 90% des hiesigen Gewäschs von Oberflächlichkeit selbst unglaublich oberflächlich ist.
Insofern, wenn es was zu lernen gibt für die lieben Männer, dann vermutlich dasselbe, was auch die lieben Frauen zu lernen hätten: Sprache ohne dieses Kommunikationsgerede. Kann ja jeder mal für sich probieren. Schafft er es, über Verletzung zu sprechen, ohne diese Kitschmetaphern a la "Verletzung" zu verwenden?
 
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fleurdelis

  • #66
Zitat von chiller7:
Mit dem Geschlecht hat solches wenig bis nichts zu tun.
Sehe ich auch so.

Zitat von Butte:
Ich finde, Tiefe hat etwas damit zu tun, wie tief man einsteigt und wie tief das, worum es geht, eine Persönlichkeit ausmacht.
Viele Gespräche über Gefühle und Verletzungen, die ich so mitkriege, empfinde ich eher als pseudotief. Bewegen sich wie automatisiert in einem gewissen Jargon.
Mit Gefühlen und Sorgen ist es eigentlich wie mit allem anderen auch: gibt es tief und oberflächlich
Man redet halt um des lieben Redens Willen. Teilweise ist es ja langweilig, wenn man nicht über Problemchen reden kann.

Insgesamt hege ich große Zweifel daran, solche Gespräche über alte Verletzungen zu führen. Egal welches Geschlecht. Finde dadurch können Hemmungen und Missverständnisse entstehen. Ich persönlich wollte nicht mein ganzes Seelenleben oder vielmehr die Vergangenheit auf den Tisch legen, fordere das auch niemals von jemand anderem. Altes kann gehen, wenn "Heute" positiver ist. Vieles Reden über Kummer und Verletzungen bedeutet nicht, den Prozess damit zu verbessern. Möglicherweise wenn ein vertrautes Verhältnis vorhanden ist, freiwillig situationsbedingt.

Zitat von t.b.d.:
Ist das nun der Regelfall oder die berühmte Ausnahme welche die Regel bestätigt?
Leider liegt mir keine Statistik vor :))