magena

User
Beiträge
175
  • #34
Machst du das tatsächlich so? Gleich zu Anfang?
Bei den Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund hab ich nie gefragt, woher sie kommen. Es hat sich meist irgendwann ergeben, dass sie selbst davon erzählen, welche Geschichte zu ihnen gehört und was ihre Identität ausmacht. Da hab ich dann immer interessiert zugehört. Ich bin offen und interessiert und freue mich über entgegengebrachtes Vertrauen. Aber jede Person soll selbst entscheiden, was sie mir wann erzählen will und nicht von mir gedrängt oder unter Druck gesetzt werden. Und mir war der Ort als solches nicht wichtig. Wenn es darum ging, hab ich gefragt, wie es war, dort zu leben. Was anders ist als hier. Das interessiert mich. Durch Erzählungen anderer Einblick in andere Lebensrealitäten zu bekommen. Und ob jemand höflich, respektvoll, freundlich ist oder unangenehm, aufdringlich - das merkt man an der Art der Unterhaltung und nicht am Herkunftsland.

Es gibt ja überall Ein- und Auswanderer, also Menschen, die in der Lage sind, trotz Prägungen sich auf neue Kulturen einzulassen. Wir Menschen sind ja ein Leben lang lernfähig. Manche mehr, manche weniger. Das kommt auf den einzelnen Menschen drauf an und nicht auf seine Geburtsurkunde.
Auf mich wirkt dein Beitrag, als wäre wo anders geboren zu sein, wie eine Behinderung, die man lieber nicht anspricht, bis der andere bereit ist, von sich aus darüber zu sprechen.
Wahrscheinlich wolltest du aber genau das Gegenteil mit deinem Beitrag bewirken.
Bist du auch so vorsichtig, wenn du annimmst, jemand kommt aus einem anderen Bundesland?
 
  • Like
Reactions: Deleted member 25040

IMHO

User
Beiträge
14.441
  • #36
Ich bin offen und interessiert und freue mich über entgegengebrachtes Vertrauen. Aber jede Person soll selbst entscheiden, was sie mir wann erzählen will und nicht von mir gedrängt oder unter Druck gesetzt werden.
Bekundet nicht das Fragenstellen genau dieses von der geschilderte Interesse? Und wieso sollte gerade die Frage nach der Herkunft eine Art "Unter-Druck-Setzen" darstellen? Wird bei der Frage nach der Herkunft aufgrund eines möglicherweise fremdländischen Aussehens der Fragende bereits in eine möglicherweise "rassistische" Ecke gedrängt?

Für mich wäre das eine genau so gewöhnliche Frage, wie die nach Beruf, Hobbys oder Vorlieben beim Essen. Wenn mir jemand mit einem speziellen Dialekt gegenübersitzt, erkundige ich mich auch, woher er kommt. Und das soll bei jemandem, der "fremdländisch" aussieht bereits schon "zuviel" sein?

Wenn genau dieser Themenbereich (Herkunft) zu einem "sensiblen" Feld erklärt wird (und man besser nicht danach fragt), genau dann stimmt irgendetwas in unserer Gesellschaft grundlegend nicht.
 
  • Like
Reactions: Rise&Shine, magena, Odysseus und 5 Andere
D

Deleted member 26663

Gast
  • #37
Es kommt drauf an wie die Frage gestellt wird.
Ich weiß nicht wer von euch schon im Ausland gelebt hat.
Aber ich habe dabei oft erlebt, dass ich erstmal auf die evtl. Nazivergangenheit und -gegenwart meiner Familie und mir angesprochen wurde, bevor es als mich als Person ging.

Wenn man durch solche Fragen, öfters in eine Rechtfertigungssituation kommt, wo man nichts zu rechtfertigen hat, kann das schon nerven.

Ich hätte es in diesen Fällen auch besser gefunden, wenn die Person erst mal mich hätte kennenlernen wollen.
Wie es um meine Nazi-Ansichten steht, hätte man dann im Gespräch erkennen können.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:

Maron

User
Beiträge
19.880
  • #38
Es kommt drauf an wie die Frage gestellt wird.
Ich weiß nicht wer von euch schon im Ausland gelebt hat.
Aber ich habe dabei oft erlebt, dass ich erstmal auf die evtl. Nazivergangenheit und -gegenwart meiner Familie und mir angesprochen wurde, bevor es als mich als Person ging.

Wenn man durch solche Fragen, öfters in eine Rechtfertigungssituation kommt, wo man nichts zu rechtfertigen hat, kann das schon nerven.

Ich hätte es in diesen Fällen auch besser gefunden, wenn die Person erst mal mich hätte kennenlernen wollen.
Wie es um meine Nazi-Ansichten steht, hätte man dann im Gespräch erkennen können.

geh bitte, für diese Erkundigung braucht man wirklich nicht im Ausland leben sondern einfach nur Urlaub machen. Die Frage bedeutet zumindest, dass es ein Geschichtsinteresse gibt. Selbst wenn dieses Wissen mit Vorurteilen behaftet ist, ist es auch kein zweites Weltkriegstabu.
 

Pit Brett

User
Beiträge
3.327
  • #40
Wenn mir jemand mit einem speziellen Dialekt gegenübersitzt, erkundige ich mich auch, woher er kommt. Und das soll bei jemandem, der "fremdländisch" aussieht bereits schon "zuviel" sein?
Das sehe ich zwar auch so, habe mir aber sagen lassen, es sei total un-woke. Die Angst, rassistisch zu klingen, kriecht immer tiefer in mich rein. Am Sonntag habe ich zu einer Essenseinladung die hier geborene Ärztin mit vietnamesischen Eltern abgeholt – und was hab ich rumgeeiert, nicht nach der Familie oder nach Hà Nội zu fragen, wo ich lange nicht mehr war. Sie anscheinend auch nicht, warum auch.
Mir wäre lieber, wieder unbefangen neugierig sein zu dürfen. Nach Darmstadt, Königslutter und Görlitz darf man doch auch straflos fragen.
 
Zuletzt bearbeitet:

chrissi22

User
Beiträge
1.763
  • #41
Das sehe ich zwar auch so, habe mir aber sagen lassen, es sei total un-woke. Die Angst, rassistisch zu klingen, kriecht immer tiefer in mich rein. Am Sonntag habe ich zu einer Essenseinladung die hier geborene Ärztin mit vietnamesischen Eltern abgeholt – und was hab ich rumgeeiert, nicht nach der Familie oder nach Hà Nội zu fragen, wo ich lange nicht mehr war. Sie anscheinend auch nicht, warum auch.
Mir wäre lieber, wieder unbefangen neugierig sein zu dürfen. Nach Darmstadt, Königslutter und Görlitz darf man doch auch straflos fragen.
Ich bin da etwas direkter. Ich habe mal eine Frau gefragt, ob sie asiatische Wurzeln hat, aber sie war rundum deutsch aus Dresden-Prohlis :)) Sie meinte, das Leben hätte Spaß mit ihr gemacht, da sie wirklich asiatische Augen hatte. Wir waren danach für Jahre befreundet. Mit meiner Freundin aus Westafrika haben wir immer gescherzt, sie sei deutscher als ich, weil so unfassbar pünktlich. Ich glaube, im privaten ist das nicht so wild, eher im politischen Raum, da gibts ne Menge Tretminen...
 
  • Like
Reactions: fleurdelis

Karsten63

User
Beiträge
2
  • #46
Parship stellt im Profil, viele Fragen zu jedem Thema außer zur Herkunft.
Vielleicht weil man Menschen eben nicht nach ihrer Herkunft beurteilen soll.
In vielen Fällen kennt man eben nur die entsprechenden Vorurteile.
In Deutschland leben Menschen vieler unterschiedlicher Kulturen, vielleicht sollte man da etwas offener sein.
 
Zuletzt bearbeitet:

Vergnügt

User
Beiträge
1.876
  • #47
Wie auch immer. Ich mach das halt so, weil für mich anderes wichtiger ist als die Frage, woher jemand ist. Hat sich noch nie jemand beleidigt gefühlt durch mein nicht Nachfragen. Habe so sehr nette Bekanntschaften gemacht. Und ich hab noch nie jemanden verabschiedet, weil er von irgendwo hergekommen ist. Für mich hat diese Info keine Relevanz, um zu entscheiden, ob ich den anderen mag oder nicht. Es ist mir egal. Mich interessieren eher Geschichten, die man sich halt so erzählt aus der Kindheit und man lacht dann gemeinsam darüber.
Ob das Indien, Irak, Iran, China, Frankreich, Türkei oder Italien oder...
ist, ist mir Jacke wie Hose. Also frag ich nicht nach. Außer dem anderen ist es ein Bedürfnis drüber zu sprechen. Dann hör ich ihm zu.

Wenn das für jemanden herumgeeiere ist, ich fands nette Begegnungen und teilweise mehr als nur das. Wer das kategorisch für sich ausschließt und Menschen aus einem bestimmten Land komplett meidet, hat halt ne Mauer im Kopf und verpasst nette Menschen. Wenn man sich damit gut fühlt, schön.
Wenn sich dann aber Personen dadurch diskriminiert fühlen, kann ich das verstehen.
 
  • Like
Reactions: Deleted member 26663

IMHO

User
Beiträge
14.441
  • #49
Wie haltet ihr es denn mit diesen mittlerweile verpönten Begriffen wie:
- Negerkuss
- Mohrenkopf
- Zigeunerschnitzel (mit Paprikasoße statt mit Pilzrahmsoße beim Jägerschnitzel)
usw.?

Ich werde regelmäßig beim Bäcker wohlwollend belächelt, dass ich das ja wunderbar gesagt hätte: "Schokoschaumkuss".
Und ich komm' mir ziemlich "überangestrengt" vor.
 
Zuletzt bearbeitet:

Maron

User
Beiträge
19.880
  • #50
Wie auch immer. Ich mach das halt so, weil für mich anderes wichtiger ist als die Frage, woher jemand ist. Hat sich noch nie jemand beleidigt gefühlt durch mein nicht Nachfragen. Habe so sehr nette Bekanntschaften gemacht. Und ich hab noch nie jemanden verabschiedet, weil er von irgendwo hergekommen ist. Für mich hat diese Info keine Relevanz, um zu entscheiden, ob ich den anderen mag oder nicht. Es ist mir egal. Mich interessieren eher Geschichten, die man sich halt so erzählt aus der Kindheit und man lacht dann gemeinsam darüber.
Ob das Indien, Irak, Iran, China, Frankreich, Türkei oder Italien oder...
ist, ist mir Jacke wie Hose. Also frag ich nicht nach. Außer dem anderen ist es ein Bedürfnis drüber zu sprechen. Dann hör ich ihm zu.

Wenn das für jemanden herumgeeiere ist, ich fands nette Begegnungen und teilweise mehr als nur das. Wer das kategorisch für sich ausschließt und Menschen aus einem bestimmten Land komplett meidet, hat halt ne Mauer im Kopf und verpasst nette Menschen. Wenn man sich damit gut fühlt, schön.
Wenn sich dann aber Personen dadurch diskriminiert fühlen, kann ich das verstehen.

Ja, du kannst es ja halten wie du es willst. Wenn du das jetzt auch noch zusätzlich als richtiger beurteilen magst und das direkte Gespräch darüber als falsch beurteilen magst, dann ist das aktuell typische political correctness Ding und eher Wirklichkeit als Wahrheit.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Like
Reactions: liegestuhl

chrissi22

User
Beiträge
1.763
  • #51
Wie haltet ihr es denn mit diesen mittlerweile verpönten Begriffen wie:
- Negerkuss
- Mohrenkopf
- Zigeunerschnitzel (mit Paprikasoße statt mit Pilzrahmsoße beim Jägerschnitzel)
usw.?

Ich werde regelmäßig beim Bäcker wohlwollend belächelt, dass ich das ja wunderbar gesagt hätte: "Schokoschaumkuss".
Und ich komm' mir ziemlich "überangestrengt" vor.
Naja, da kann man sich ja so langsam ausschleichen aus diesem Sprachgebrauch. Neger und Mohr sind heutzutage echt vorbei. Vielleicht kichern die auch nur wegen Schaumkuss, probier mal"Schokokuss"
 
D

Deleted member 25040

Gast
  • #52
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:

Pit Brett

User
Beiträge
3.327
  • #57
Wenn der Duden schon einen Hinweis auf Diskriminierung gibt.
Aber das trifft das Problem nicht. Der Duden orientiert sich an dem, was er tatsächlich an Sprachgebrauch vorfindet. Womit ich Probleme habe: Wenn ich kein Rassist bin – also keine Hautfarbe oder Gesichtsform für weniger toll halte als andere –, warum muss ich dann farbenblind sein? Weil die Schweinchenrosanen sich «Weiße» nennen? Weil Neger ein Wort ist, mit dem Amerikaner ein Problem haben? Dort kriegst Du ja inzwischen schon was an den Hals, wenn Du Deiner Tochter Schlitzaugen attestierst.

Mir hat noch keiner erklären können (der Buchhändler auch nicht), was an Neger (im Deutschen) so derb ist. In Berlin soll jetzt die Mohrenstraße ganz undemokratisch umbenannt werden, weil wegen Geschichts- und Sprachunkenntnis.
 
  • Like
Reactions: fafner and fleurdelis

magena

User
Beiträge
175
  • #58
Mich interessieren eher Geschichten, die man sich halt so erzählt aus der Kindheit und man lacht dann gemeinsam darüber.
Ob das Indien, Irak, Iran, China, Frankreich, Türkei oder Italien oder...
ist, ist mir Jacke wie Hose. Also frag ich nicht nach. Außer dem anderen ist es ein Bedürfnis drüber zu sprechen. Dann hör ich ihm zu.
Siehst und ich mag niemanden mit lustigen Geschichten aus meiner unbeschwerten Kindheit unterhalten wollen, der möglicherweise unter den schlimmsten Bedingungen in einem Kriegsgebiet aufgewachsen ist.
 

liegestuhl

User
Beiträge
1.340
  • #59
Wie auch immer. Ich mach das halt so, weil für mich anderes wichtiger ist als die Frage, woher jemand ist. Hat sich noch nie jemand beleidigt gefühlt durch mein nicht Nachfragen. Habe so sehr nette Bekanntschaften gemacht. Und ich hab noch nie jemanden verabschiedet, weil er von irgendwo hergekommen ist. Für mich hat diese Info keine Relevanz, um zu entscheiden, ob ich den anderen mag oder nicht. Es ist mir egal. Mich interessieren eher Geschichten, die man sich halt so erzählt aus der Kindheit und man lacht dann gemeinsam darüber.
Ob das Indien, Irak, Iran, China, Frankreich, Türkei oder Italien oder...
ist, ist mir Jacke wie Hose. Also frag ich nicht nach. Außer dem anderen ist es ein Bedürfnis drüber zu sprechen. Dann hör ich ihm zu.

Wenn das für jemanden herumgeeiere ist, ich fands nette Begegnungen und teilweise mehr als nur das. Wer das kategorisch für sich ausschließt und Menschen aus einem bestimmten Land komplett meidet, hat halt ne Mauer im Kopf und verpasst nette Menschen. Wenn man sich damit gut fühlt, schön.
Wenn sich dann aber Personen dadurch diskriminiert fühlen, kann ich das verstehen.
Unsere werte @Vergnügt findet per se alles und jeden immer bereichernd! :cool: