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fleurdelis

  • #106
Das Thema ist ja ziemlich ausgereizt hier, im Grunde geht das ganze Dilemma nicht nur um das zerrüttete Privatleben, sondern die ganze Geschichte ist fast gleich zusetzen mit jemandem der aus einer Sekte ausgestiegen ist oder ausgestoßen (ich weiß der Austritt hat nicht stattgefunden) wurde. Gleiche Problematik jedoch, Denk- und Sichtweise geprägt durch religiöses Verständnis, im Gegensatz zu eigenen Empfindungen und Wünschen, die aber dem Glaubensbild entsprechend nicht da sein dürfen. Dann passiert etwas (hier die zerrüttete Ehe) was dem bisher gelebten Verständnis entgegen spricht. Folge: Es kommt zum Bruch mit der Familie, da diese in ihren Strukturen verharrt und blind ist für das, was innerhalb der Familie passiert. Das religiöse Bild prägte Jahrzehnte lang das Verhalten. Nun ist einer aus der Reihe getanzt. Der wird natürlich gestempelt, aus dem Verbund hinaus gestoßen (wenn auch nur durch verbale Äußerungen) und als Sündenbock in die Wüste geschickt. Und das neben der eigenen Trauer über den Verlust der erfahren wurde (Ehe, Schwägerin mit Kindern, Zeugungsunfähigkeit). Die Verarbeitung all dessen, hat wie man deutlich lesen kann, bisher noch nicht statt gefunden.

Mehrfach wurde hier bereits gesagt, dass um aus diesem Dilemma raus zu kommen professionelle Hilfe angesagt ist. Ich bezweifle stark, dass hier ein Seelsorger das nötige tun könnte, er würde eher das Gegenteil erreichen. Neben dem religiös geprägten Gedankenverständnis und dem daraus resultierenden, möglicherweise widersprüchlichem gefühlsmäßigem, Verhaltenskodex kommen jetzt Schuld und Trauer dazu und das wiegt immens. Eine Mischung, die für die Psyche ziemlich Zündstoff beinhaltet und verhindert, eine objektive Sichtweise der Situation überhaupt zu erhalten. Insofern nutzt nur: Psychologen dringend einschalten, der sich auch mit den religiösen Folgen eines anerzogenen Sündenverständnis auskennt.
 
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  • #107
fleur, ich finde das nicht.
Einem Katholiken ist ein anderer Katholik hilfreicher als ein Atheist oder Agnostiker.
 
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  • #109
Nein, das meinte ich nicht. Es gibt dutzende Psychologieschulen.
 
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  • #110
Zitat von Sabina:
.... Ich verstehe auch nicht, wie man einerseits so viel wert auf eine neue Hochzeit in der Kirche legen kann, wenn man sie vorher belogen hat, um sich eine neue Hochzeit zu erschwindeln. ...
Danke Sabina, war auch mein Gedanke und ich hab mit der Kirche nichts zu tun. Mir drängt sich der Verdacht auf, dass es ums "Austeilen aka. Rache" geht, da man ja weiß wie 'unwissend' tickt. Wäre für mich keine Grundlage für Gespräche, Kompromisse oder gar Zugeständnisse.
 
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  • #111
unwissend, es ist schlimm, wenn der Vorgang tagelang so sehr in Dir arbeitet, das tut mir leid. Ich frage mich, warum der Gewissenskonflikt so stark ist. Mein Verständnisstand ist, komprimiert, dieser:
1. Die Ehe ist (weltlich) geschieden.
2. Mit der Familie der Exfrau gibt es aufgrund der gesamten Umstände absehbar keinen wohlwollenden Umgang. Das Verhältnis ist "zerrüttet".
3. Die Exfrau möchte aus egoistischen Gründen (Karriere in der Kirche / ggf. neue Ehe) die katholische Eheschließung annullieren lassen.
4. Als Begründung soll dienen, dass bereits vor der Ehe eine Zeugungsunfähigkeit vorhanden und bekannt war UND verschwiegen wurde.

Soweit korrekt?

Mir stellt sich nun zunächst die Frage nach der Wahrheit. Trifft die Begründung unter 4. nun zu - oder nicht? Waren die ganzen geschilderten Bemühungen um Nachwuchs während der Ehe Vertuschung, Verzweiflung, oder haben diese erst zu der Erkenntnis geführt?

Ich sehe drei Fälle:
Fall 1: Du wußtest es nicht vorher, ihr habt es während der Ehe erfahren.
Fall 2: Du wußtest es UND hast Deiner Frau vor der Eheschließung davon berichtet.
Fall 3: Du wußtest es, ABER hast Deiner Frau vor der Eheschließung NICHT davon berichtet.

Fälle 1 und 2 sollten seelisch einfach sein. Das geht dann durch die kirchlichen Instanzen. Lästig, nicht angenehm, vielleicht mußt Du zu einem Gutachter, aber das alles ist doch seelisch einfach, weil an der Wahrheit orientiert. Wenn der Nachweis bei 2. nicht mehr zu führen ist, ob Du davon berichtet hast, und der von Dir so genannte "Elfenbeinturm" irgendwie entscheidet, dann nimm das Ergebnis als "gewollt/gegeben" hin. Das ist dann außerhalb Deiner Macht.

Dann wäre da noch Fall 3. Könnte, vielleicht, Deine aktuelle Erschütterung daher rühren, dass da doch etwas dran ist, und Du das tatsächlich vielleicht verdrängt hattest? Dann verstehe ich, dass Dich das jetzt so unruhig zurücklässt. Dann rate ich auch zur professionellen Begleitung, das zu realisieren.

Zum Umgang mit der Familie noch ein paar Worte: "Ein Heil bleibt dem Besiegten: kein Heil mehr zu hoffen." Die Hoffnung, mit der Ex-Familie noch einmal einen guten Umgang pflegen zu können, solltest Du fahren lassen. Technisch ausgedrückt: diesen Verlust solltest Du "realisieren". Vielleicht gibt es irgendwann wieder einen Umgang, aber hoffe nicht darauf. Und speziell: versuche es Dir nicht durch fragwürdige Aktionen zu erkaufen. Das ist nicht hilfreich. Aber dagegen meldet sich ja jetzt wenigstens schon mal Dein Gewissen, insoweit sehe ich da schon einen ganz kleinen Silberstreif am Horizont.

Viel Glück, Mann!
 
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  • #112
Zitat von Fackel:
Dann wäre da noch Fall 3. Könnte, vielleicht, Deine aktuelle Erschütterung daher rühren, dass da doch etwas dran ist, und Du das tatsächlich vielleicht verdrängt hattest? Dann verstehe ich, dass Dich das jetzt so unruhig zurücklässt. Dann rate ich auch zur professionellen Begleitung, das zu realisieren.
Nach der "Diagnose" aus dem Kinderwunschzentrum hatte ich mal mit meiner Mutter gesprochen, die mir dann sagte, dass ich als Kind Mumps hatte........ hmmm........ Hätte ich es wissen können, müssen? Hätte ich mich um einen "Gesundheitscheck" vor der Ehe kümmern müssen? Das nimmt doch absurde Formen an....... oder doch nicht?
 
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  • #113
Zitat von unwissend:
Nach der "Diagnose" aus dem Kinderwunschzentrum hatte ich mal mit meiner Mutter gesprochen, die mir dann sagte, dass ich als Kind Mumps hatte........ hmmm........ Hätte ich es wissen können, müssen? Hätte ich mich um einen "Gesundheitscheck" vor der Ehe kümmern müssen? Das nimmt doch absurde Formen an....... oder doch nicht?
Es nimmt absurde Formen an - denn warum sollte man, wenn man zeugungsunfähig ist, keine Kinder haben dürfen - es gibt Alternativen, zum Beispiel ein Kind anzunehmen - oder habe ich da etwas übersehen? Wieso hat sich deine Frau, nachdem der Sachverhalt bekannt wurde, nicht gleich getrennt? Also ich finde es komplett unmoralisch und sehr böse, was sie da von dir verlangt.
 
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  • #114
Wir hatten uns auch mal über die Möglichkeit Adoptionen oder Pflegekinder informiert - und dabei die Aussage bekommen, dass wir schon zu alt wären........ *kopfschüttel*

Absurd wird es für mich, dass ich aus den Aussagen meiner Exfrau herauslesen soll: Ich habe mich von dir nicht so geliebt gefühlt wie ich dich geliebt habe. Damit konnte ich nicht umgehen und habe mich zurückgezogen. Ich hatte immer das Gefühl, dass dir andere wichtiger waren als ich; ich hätte mich gefreut, wenn du mir mal hättest sagen können, dass du mich liebst, mir einmal zeigst, dass ich für dich etwas Besonderes bin.

Dann könnte ich meine "Bockigkeit" aufgeben und sagen: Es tut mir leid, dass ich dir das nicht sagen konnte, weil ich dieses Gefühl nicht mehr hatte. Es tut mir leid, dass ich keinen anderen Weg gefunden habe als mit Deiner Exschwägerin zusammenzukommen, vielleicht weil sie in der Zeit die einzige wahr, die mich wahrgenommen hatte, die sich für mich interessiert hatte, was ich gerade mache, vielleicht weil ich sie tatsächlich liebte.

Ich sehe diesen Annullierungsversuch gerade stellvertretend für unsere Ehe: Beide nicht dazu in der Lage das auszudrücken, was letztlich zwischen uns stand - und vor dem wir beiden auf unsere Art und Weise weggelaufen sind.
 
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  • #115
Zitat von unwissend:
Ich sehe diesen Annullierungsversuch gerade stellvertretend für unsere Ehe: Beide nicht dazu in der Lage das auszudrücken, was letztlich zwischen uns stand - und vor dem wir beiden auf unsere Art und Weise weggelaufen sind.
Wenn du es so sehen kannst, warum dann die ganze Diskussion? Dann wäre doch alles ok! Ich möchte aber nochmal nachfragen, was ANNULLIEREN bedeutet, rechtlich und gefühlsmäßig. Ich habe verstanden, dass es bedeutet, etwas "ungeschehen" machen ... aber wofür steht das?
 
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  • #116
Zitat von unwissend:
Daraus lese ich, dass Du es sicher nicht wußtest, oder für den Vorgang der Annullierung wichtiger: dass Du es ihr darum nicht sagen, speziell also nicht verschweigen, konntest. Damit sind wir bei Fall 1, und damit bei einer für das Gewissen eigentlich "ruhigen" Variante.

Spiele also kein falsches Spiel mit (willst Du ja auch nicht), widerspreche der Begründung, lasse den Dingen ihren Lauf (vor Gericht und auf hoher See ...), und stecke Deine Energie in das Loslösen von der Familie.
 
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  • #117
Zitat von Yvette:
Wenn du es so sehen kannst, warum dann die ganze Diskussion? Dann wäre doch alles ok! Ich möchte aber nochmal nachfragen, was ANNULLIEREN bedeutet, rechtlich und gefühlsmäßig. Ich habe verstanden, dass es bedeutet, etwas "ungeschehen" machen ... aber wofür steht das?
https://de.wikipedia.org/wiki/Ehenichtigkeit_(Kirchenrecht)

Das ist die rechtliche Seite, von der ich gerade nur eine Aussage wahrnehme: Ich bin schuld.

Vielleicht stehe ich damit tatsächlich "nur Weg rum" und eigentlich ist dieser "Wisch tatsächlich nur ein Blatt im Archiv".......
 
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  • #118
Zitat von Fackel:
Daraus lese ich, dass Du es sicher nicht wußtest, oder für den Vorgang der Annullierung wichtiger: dass Du es ihr darum nicht sagen, speziell also nicht verschweigen, konntest. Damit sind wir bei Fall 1, und damit bei einer für das Gewissen eigentlich "ruhigen" Variante.

Spiele also kein falsches Spiel mit (willst Du ja auch nicht), widerspreche der Begründung, lasse den Dingen ihren Lauf (vor Gericht und auf hoher See ...), und stecke Deine Energie in das Loslösen von der Familie.
​Ich sehe mich gerade tatsächlich im Vorteil, weil ich es akzeptieren kann, wenn die Ehe als "wirksam geschlossen" anerkannt wird. Die gescheiterte Ehe gehört genauso zu meinem Leben wie der Ehebruch. Ganz einfache Aussage - und trotzdem steckt noch ziemlich viel dahinter, was ich lernen muss einzusortieren.
 
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  • #120
Zitat von Yvette:
Wenn du es so sehen kannst, warum dann die ganze Diskussion? Dann wäre doch alles ok! Ich möchte aber nochmal nachfragen, was ANNULLIEREN bedeutet, rechtlich und gefühlsmäßig. Ich habe verstanden, dass es bedeutet, etwas "ungeschehen" machen ... aber wofür steht das?
​Die rechtliche Bedeutung ist für mich: Die Ehe hat gar nicht stattgefunden........ war da was? Ja, da war etwas.......... 17 Jahre eines mehr oder weniger gemeinsamen Lebens, das in meinen Augen gerade für nichtig erklärt werden soll? Abgehakt, vergessen? Gestorben?

"Du bist für mich gestorben." Das war die Reaktion meines Exschwagers, als ich versuchte hatte, mit ihm in Kontakt zu kommen, ihn um Entschuldigung zu bitten. Zu früh, zu spät, zu übergriffig? Ich nehme wahr, dass ich für meine Exfrau und meinen Exschwager Unverzeihliches gemacht habe - und habe noch keinen Weg gefunden, wie ich selbst damit umgehen soll, weil ich nämlich für mich merke, dass ich das "Du bist für mich gestorben." fast wörtlich genommen habe.

So wie ich deren Gefühle respektiere, möchte auch ich wahrgenommen werden. Ist das schon wieder bockig?

(Verdammt, ich weiß nicht wie das ausdrücken kann, was ich eigentlich will......)​
 
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