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  • #31
AW: Loslassen

Zitat von delfin 1988:
Wie ist es Euch gelungen, einen Menschen, den Ihr als große Liebe gesehen habt, loszulassen, wenn die Gefühle nicht (mehr) erwidert wurden? Was hat Euch geholfen, Euch auf Euch selbst zu besinnen, Euch abzulenken, den Fokus von diesem Menschen wegzubekommen? Wie habt Ihr den Schmerz bewältigt? Was hat Eure Zuversicht gestärkt?
Was mir geholfen hat, loszulassen, war reiner Selbsterhaltungstrieb. Ich wollte nicht untergehen. Irgendetwas in mir hat sich gemeldet und unmissverständlich klar gemacht, dass ich mich selbst wichtig nehmen muss. Gestärkt hat mich die Hoffnung auf ein besseres Leben.
Der Schmerz tut irgendwann nicht mehr so weh, liegt nicht oben auf.
 
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  • #32
AW: Loslassen

Hallo winzling,

Natürlich hast Du recht, man muss nun wirklich nicht zu ALLEN den Kontakt abbrechen.
Stimmt, da bin ich etwas über das Ziel hinaus geschossen.

Wenn ich aber die Beziehungen um mich herum beobachte, dann haben die Frauen durchweg den größeren, teilweise sehr viel größeren Freundeskreis (den sie auch intensiver pflegen!) Warum das so ist, das sollte vielleicht mal in einem eigenen Thread diskutiert werden. Männer verlieren dann im Falle einer Trennung schnell sehr viel sozialen Rückhalt. Das fühlt sich dann so an, als ob man "alle" Bande aufgeben muss / verliert.

Ich werde darauf achten, dass meine Taschen niemals leer werden!

Wenn man kleinere Kinder hat, ist eine wirkliche Trennung (= kompletter Kontaktabbruch) aufgrund der gemeinsamen Verantwortung eigentlich nicht machbar. Und für mich auch nicht vorstellbar. Von so unschönen Fällen wie häuslicher Gewalt usw jetzt mal abgesehen.

Du schreibst "Ein radikaler Kontaktabbruch dient in erster Linie der Selbstfindung, ich nenn es mal der Ortung des Schmerzes." Ja glaub mir, gerade wenn man sich als Paar trennt, aber Eltern mit gemeinsamer Verantwortung bleibt, wünscht man sich manchmal diesen radikalen Kontaktabbruch. Weil man weiß, dass er eigentlich nicht / nicht sofort möglich ist. Und trotzdem notwendig wäre. Ziemliches Dilemma, glaub mir.

"Es ist ein Unterschied, ob ein Gefühl "etwas mit Liebe zu tun hat" oder ob man liebt." Wow.
Ungenau von mir formuliert und von Dir voll auf den Punkt gebracht. Und ja, man sollte vorher losgelassen haben. Einmal die gescheiterte Beziehung mit Abstand betrachten, geht eben nur aus der Distanz heraus. - Ich verstehe was Du meinst. (Hoffe ich ...)

Nochmals, danke für Deine Antwort.

Howlith
 
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  • #33
AW: Loslassen

Loslassen...
silberdistel hat etwas geschrieben, was ich sehr wichtig finde: es kommt auch auf die Art der Trennung an, die die Aussicht gibt, wie beide Seiten miteinander nach der Trennung umgehen.

Ich möchte und werde nicht die Zeit einer Partnerschaft für mich entwerten, ich erinnere mich an die liebevollen Zeiten UND ich erinnere mich daran, wie mein Ex-Partner sich jetzt benimmt und sich gibt. Und das kann sehr verschieden sein zu dem, wie er/sie vorher war.

Auch wenn ich Redebedarf hätte, kann es sein, dass der Ex diesem Wunsch nicht entgegen kommt, nur die Auseinandersetzung sucht, den nachträglichen Dispens für Trennung.

Bedürfnisse können also verschieden sein nach der Zeit der Partnerschaft, die nicht mehr die vergangene Beziehung im Fokus haben.
Man, das ist nun sehr diplomatisch ausgedrückt - es soll heissen, wenn einer einen neuen Partner hat, kann der Expartner nicht damit rechnen, noch wirklich einen verständigen ehemaligen Menschen vor sich zu haben. Ist halt menschlich, dass es nicht immer ganz sauber abgeht, jeder macht es so gut er/sie es kann.

Irgendwie kommt mir das, was Howlith schrieb, so ein bisschen nach Hauptfrau und Konkubinen vor. Mag sein, dass da meine Phantasie mir ein Schnippchen schlägt, trotzdem wäre ich wohl sehr achtsam, wenn ich in einer dieser Rollen wäre. Auch achtsam um meinetwillen, dass ich nicht Wunschgedanken erliege, die sich nicht mit der Realität decken.


Ich habe für mich entschieden, meine Liebe im Leben bestehen zu lassen, sie hindert mich nicht, Menschen realistisch zu sehen. Und so kann ich auch die vergangene Liebe lassen, auch loslassen, ohne sie zu entwerten.

Es hat schon ziemlich gedauert, bis meinem langjähriger Ex-Partner wirklich Adieu im Innen sagen konnte. Wenn ich heute über Freunde von ihm höre, bemühe ich mich sehr neutral zu reagieren. Manchmal bin ich amüsiert ob der Wendungen, manchmal wirklich erstaunt darüber, wie verschieden er heutzutage agiert. Nun ja, wieder ein Beleg für die alte Weisheit 'Alles fliesst'.

Ich bin entliebt von ihm, und ich kann heute erkennen, dass ich in der Zeit geliebt habe, dass ich ehrlich und loyal war. Das sind Dinge, die ich von mir erwarte. Den Schmerz kann ich nicht schön reden, die Verletzung der Seele verändert, aber auch das ist ein Teil von mir, den ich annehme.

Es gibt so viele Wege damit umzugehen, wie es Menschen und ehemalige Paare gibt, jede Trennung hat ihren eigenen Schmerz, ihre eigene Geschichte, ihre eigene Erkenntnis. Und wieviel Zeit jeder einzelne dafür braucht, kann wohl niemand von aussen sagen, dass kann man selbst wohl auch nicht selbst.

Und manchmal holt einen die alte Zeit unvermittelt ein, und dann ist Schmerz so präsent wie ganz kurz nach der Trennung.
Aber es vergeht dann auch wieder schnell.
 
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  • #34
AW: Loslassen

Hello no-kitty,

"(...) Irgendwie kommt mir das, was Howlith schrieb, so ein bisschen nach Hauptfrau und Konkubinen vor. Mag sein, dass da meine Phantasie mir ein Schnippchen schlägt, (...)

Ja, da geht Deine Phantasie mit Dir durch. Denn so war es sicherlich nicht gemeint.

Um so mehr ist es für mich wichtig zu sehen, wie das was ich fühle, bei anderen ankommt / ankommen kann. Wieder was zum Nachdenken. (Und wenn ich nicht gerade arbeiten müsste, würde ich auch gerne etwas mehr dazu schrieben ...)
 
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  • #35
AW: Loslassen

Ein schwieriges Thema, da wir alle schon irgendwelche Trennungen durchleben mussten....

Wenn ich mir die Kommentare so durchlese, dann macht mich das alles sehr nachdenklich.
Aber in mir kommt dann auch die Erleichterung auf, dass ich keine Kinder habe, die mir meine Trennungen und den Beginn des neuen Lebensabschnittes danach zusaetzlich erschwerten.

Als es mit meinem letzten Freund vorbei war, habe ich ganz bewusst einen klaren Schnitt gezogen. Das brauchte Zeit, aber ich musste es fuer mich tun, um mit diesem Lebensabschnitt abschliessen zu koennen und mich endlich dem neuen Lebensabschnitt oeffnen zu koennen. Fuer mich war es sehr wichtig, jegliche Verbindungen zu seiner Familie und dem kleinen gemeinsamen Freundeskreis zu kappen. Ich hatte immer meinen Freundeskreis und er seinen. Somit hatte ich liebe Menschen um mich herum, die mir in der schweren Zeit zur Seite standen. Das hat natuerlich auch geholfen.

Ich kann schon verstehen, dass es sehr schwierig sein muss, wenn man gemeinsame Kinder hat. Aber wenn man will, dann kann man die gemeinsame Verantwortung auch teilen, ohne sich das Leben zusaetzlich zur Hoelle zu machen. Sicherlich muss sich das erst einspielen, aber ich glaube einfach, dass das geht. Ich kenne einige Beispiele aus dem Freundes-, Bekannten- oder Familienkreis, bei denen das gut klappt. Natuerlich kenne ich auch die negativen Bespiele, wo der Mann zahlen darf, sich sonst aber schoen rauszuhalten hat (und die Frauen sind da schon ziemlich erfinderisch). Es haengt immer von den Beteiligten ab.

Ich kann es gut nachvollziehen, dass man nicht so einfach loslassen kann. Das konnte ich auch nie, wenn ich eine Trennung durchlebte. Aber ich denke, dass man sich mit der Zeit ganz automatisch Steuck fuer Stueck losloest. Ich glaube, dass man das auch machen muss, da man sonst nur in der Vergangenheit lebt und in ihr regelrecht gefangen waere. Man lernt irgendwann mit der Vergangenheit zu leben und beginnt einen neuen Lebensabschnitt. Wenn man eine Trennung auch als Chance sieht, dann schafft man es sicherlich schneller, sich dem neuen Lebensabschnitt zu oeffnen.

Ich denke schon, dass man sich nur wirklich auf einen neuen Partner einlassen kann und sich wirklich neu verlieben kann, wenn man sicher innerlich vom Ex geloest hat. Das heisst schliesslich noch lange nicht, dass man den Ex-Partner jetzt ueberhaupt nicht mehr moegen soll oder die gemeinsame Zeit wegwirft. Aber das Leben muss weitergehen und das Herz muss sich einem neuen Partner erst einmal oeffnen koennen.

Nachdenklich machen mich jetzt einige Beobachtungen, die ich in meinem Bekanntenkreis gemacht habe. Denn einige haben sich nach einer Trennung immer sofort in eine neue Beziehung gestuertzt. Das hielt aber nie lange, weil sie eigentlich nur ihren Trennungsschmerz ueberwinden / betaeuben wollten. Somit hatte der Neue von Anfang an nie eine Chance, sondern war nur der Lueckenbuesser. Erst als sie sich dann innerlich endlich vom Ex geloest hatten und ihre Trennung verarbeitet hatten, waren sie wirklich fuer eine neue Beziehung bereit. Dann trennten sie sich vom Lueckenbuesser wieder, um frei fuer die Liebe zu sein.....

Ich habe in den letzten Tage viel ueber dieses Thema nachgedacht….. ich frage mich, ob man sich wirklich neu oder richtig verlieben kann, wenn man innerlich noch keinen Schlussstrich gezogen hat, wenn man noch an der Ex haengt…. vielleicht wuerde ich mir als die Neue in so einer Situation die Fragen stellen, ob ich nur ein Lueckenbuesser waere und ob er innerlich nur hofft, doch wieder mit seiner Ex zusammen zu kommen, um sein “altes” Leben wieder aufnehmen zu koennen…. Aber ich weiss es nicht genau, denn es kommt ja immer auf die Situation an.
 
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winzling_geloescht

  • #36
AW: Loslassen

Zitat von SineNomine:
Unter anderem weil er den Raum schafft, der, jedenfalls für mich, nötig ist um mit dem ersten Trennungsschmerz so halbwegs fertig zu werden und mit der Aufarbeitung der Beziehung beginnen zu können.
Ich glaube, diesen Raum braucht jeder. Und dann hilft es eben nichts, sich mit den "Fehlern" des anderen zu beschäftigen. Ich jedenfalls steh auf dem Standpunkt, dass das dann dessen Probleme sind und nicht meine. Auch wenn's gut tut, sich drüber aufzuregen. Da muss ich halt gucken, wann meine Bedürfnisse warum auf der Strecke geblieben sind und wann ich warum den Bedürfnissen des anderen nicht gerecht geworden bin. Ich muss mit mir möglicherweise aushandeln, welche meiner Macken ich weiterhin pflegen darf und werde, weil ich sie mag und sie zu mir gehören, und welche ich vielleicht doch besser tunlichst wegtrainiere. Dafür braucht man ganz einfach Zeit für sich.

Zitat von SineNomine:
Ich weiß dann immer noch, warum ich sie mal geliebt habe. Und ich weiß eben auch, warum die Beziehung trotz gegenseitiger Liebe nicht dauerhaft funktioniert hat, woran wir als Paar gescheitert sind.
Eben, sie war ja mal da, die Liebe. Wobei ich dir zustimme, das, was beim letzten Mal "leidlich funktioniert" hat, muss es beim - immer möglichen - nächsten Mal noch lange nicht. Aber das Risiko muss man gehen, find ich, man hat ja dazugelernt und kann beim nächsten Mal aufmerksamer sein.
 
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winzling_geloescht

  • #37
AW: Loslassen

Zitat von Howlith:
Männer verlieren dann im Falle einer Trennung schnell sehr viel sozialen Rückhalt. Das fühlt sich dann so an, als ob man "alle" Bande aufgeben muss / verliert.
Vielleicht können Frauen einfach besser um Hilfe schreien? Es ist nie verkehrt, sich an liebgwordene Menschen aus dem gemeinsamen Freundeskreis und/oder auch an ebensolche Familienmitglieder des anderen zu wenden und deutlich zum Ausdruck zu bringen, wie sehr man es bedauern würde, den Kontakt zu ihnen zu verlieren. Kommt Freundschaft wirklich aus dem Herzen, dann übersteht sie auch die Teilung auf zwei Menschen, die keinen gemeinsamen Weg mehr haben. Das ist zumindest meine Erfahrung.

Ich beobachte es aber auch oft, dass Menschen damit nicht umgehen können und sich für eine "Seite" entscheiden, von daher verstehe ich zwar, was du meinst, verstehe allerdings solche Entscheidungen nicht. Wobei es auch oft so ist, das einer sozusagen freiwillig zurücktritt und es gar nicht erst versucht, die bestehenden Kontakte aufrechtzuerhalten. Da handelt dann wohl jeder, so gut er/sie es eben kann.

Zitat von Howlith:
Ja glaub mir, gerade wenn man sich als Paar trennt, aber Eltern mit gemeinsamer Verantwortung bleibt, wünscht man sich manchmal diesen radikalen Kontaktabbruch. Weil man weiß, dass er eigentlich nicht / nicht sofort möglich ist. Und trotzdem notwendig wäre. Ziemliches Dilemma, glaub mir.
Als Vater hast du Verantwortung übernommen und die hat einfach mal Priorität. Das ist aber auszuhalten, wenn man sich auf das konzentriert, was da wirklich das Wesentliche ist, die Kinder nämlich. Ihr seid die verlässlichen Erwachsenen, ihr könnt das für sie tun. Trotzdem wär es sicher gut, wenn du die "ruhige Zeit", die du ohne Kinder verbringst, für dich nutzt. Zum Traurigsein, zum Sortieren, zum Überdenken und zum Kraft tanken. Siehe auch, was sine nomine geschrieben hat, der ist nämlich voll klug ;o)

Es ist ein ziemliches Dilemma, das glaub ich dir gut und gern. Und ja, ich habe dich verstanden.
 
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  • #38
AW: Loslassen

Zitat von winzling:
Vielleicht können Frauen einfach besser um Hilfe schreien?
Ja, ganz sicher können sie das! Sie sind in dieser Hinsicht mutiger, können viel früher zugeben, dass sie Hilfe brauchen. Männer tun sich immer noch schwer damit, Hilfe einzufordern. Ich hab das viel zu spät gemerkt, dass ich überhaupt welche brauche ...

Was für die meisten Männer hier natürlich so nicht stimmt. Wir schreien zwar, verraten aber nicht wer wir sind ... ;-)

Spaß beiseite.


Zitat von winzling:
Als Vater hast du Verantwortung übernommen und die hat einfach mal Priorität. Das ist aber auszuhalten, wenn man sich auf das konzentriert, was da wirklich das Wesentliche ist, die Kinder nämlich. Ihr seid die verlässlichen Erwachsenen, ihr könnt das für sie tun. Trotzdem wär es sicher gut, wenn du die "ruhige Zeit", die du ohne Kinder verbringst, für dich nutzt. Zum Traurigsein, zum Sortieren, zum Überdenken und zum Kraft tanken. .
Ja, wenn ich etwas weiß, dann, dass ich Verantwortung für meine zwei Kleinen habe. Und ich bin froh, dass ich damit nicht alleine dastehe. Dass ich diese Verantwortung mit meiner "Ex" teilen kann. - Und hier kommen wir wieder zum Thema "loslassen". Ich (und alle anderen in meiner Situation) muss quasi in den wenigen Stunden des Tages, in denen ich nicht arbeite, nicht die Kinder habe, mich nicht um Alltäglich-Notwendiges kümmere, in den "Loslassen-Modus" umschalten und schnell mal ein bisschen was verarbeiten. Klar, da übertreibe ich jetzt, ich weiß es, ich weiß es.

Aber wie willst Du "Traurig sein, dich Sortieren, Nachdenken und Kraft tanken" - und das alles ist so verdammt wichtig - , wenn Du noch 30 Minuten vorher mit der "Ex" ausgiebig die erste Klassenarbeit der Kleinen besprochen hast (heißt diskutieren, lachen, sich gemeinsam Sorgen machen), dich mit ihr über die sportlichen Erfolge des Grossen gefreut hast (= wieder in Arm nehmen)?!

Gut, dann ist sie weg, Du sitzt da, allein, Kaffee in der Hand und denkst Dir ... ja was eigentlich? Sagst Du Dir dann, so, jetzt lass ich mal los! (Ich übertreib ein bisschen ..)

Ganz ehrlich, ich bin dann wieder voll auf Vergangenheit.

Was das Loslassen angeht, hab ich das Gefühl, dass ich damit ständig wieder von vorne anfange. Also eigentlich gar nicht dazu komme.

(Der Austausch hier hat mir in den wenigen Tagen schon sehr weiter geholfen ...)

Zitat von winzling:
Siehe auch, was sine nomine geschrieben hat, der ist nämlich voll klug ;o)

Es ist ein ziemliches Dilemma, das glaub ich dir gut und gern. Und ja, ich habe dich verstanden.
Ich werde mir die Beiträge von sine nomine genau durchlesen. Kluge Menschen kann man gar nicht genug kennen.

Hmmm, endlich mal jemand der mich versteht. Freude!

Howlith
 
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winzling_geloescht

  • #39
AW: Loslassen

Zitat von Howlith:
Bloß nicht ..., Humor, und sei es Galgenhumor, ist ganz wichtig ;o).

Zitat von Howlith:
Gut, dann ist sie weg, Du sitzt da, allein, Kaffee in der Hand und denkst Dir ... ja was eigentlich? Sagst Du Dir dann, so, jetzt lass ich mal los! (Ich übertreib ein bisschen ..)
[ ... ]
Was das Loslassen angeht, hab ich das Gefühl, dass ich damit ständig wieder von vorne anfange. Also eigentlich gar nicht dazu komme.
Warum scheust du eine Umarmung, wenn dir danach ist? Das ist doch was sehr Vertrautes und Schönes, auch wenn es jetzt da sicher ein bisschen weh tut. Meinst du, sie würde es nicht verstehen?

Ich halte es nicht für verkehrt, wenn die Vergangenheit in deinen Gedanken eine wesentliche Rolle spielt. Im Gegenteil, ich denke, so und nicht anders geht es. Du musst ja erst mal verstehen, was da eigentlich passiert ist und warum. Da gilt es, sich an viele Dinge zu erinnern, sich viele Situationen noch mal in's Gedächtnis zu rufen, Handlungsweisen und deren Ursachen aufzuräufeln um zu gucken, was da überhaupt los war in dir und in ihr. Was hat dich verletzt (oder sie) und was hat dir gefehlt (oder ihr) und warum?

In Zeiten der Trauer kann es helfen, möglichst vielen (sehr geduldigen) Leuten zu erzählen, was dir passiert ist. Je öfter, desto besser. Für mich zumindest sehr hilfreich. Dann fängst du an zu begreifen und zu verarbeiten. Und zu akzeptieren, was da passiert ist, egal, um welche Form der Trennung es geht. Man kann sich wirklich "etwas von der Seele reden". Das "Loslassen" kommt erst ganz zum Schluss, eben dann, wenn man im Falle einer "normalen Trennung" erkannt hat, welche Mechanismen da gegriffen haben, woran man eventuell in der Zukunft arbeiten muss. Du lässt los, wenn du das selbst willst und dann auch kannst. Das kann lange dauern und dann macht das auch gar nichts, es braucht die Zeit, die es eben braucht. Also lümmel dich in eine gemütliche Ecke, schlürf deinen Kaffee und betrachte dir ganz in Ruhe und Beschaulichkeit deine Vergangenheit, ich find's okay ;o).

Unter "normaler Trennung" versteh ich übrigens, dass beide Partner leben. Bevor hier die jungen Wilden :-D meinen, endlich wieder eine Kerbe gefunden zu haben ;o).
 
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  • #40
AW: Loslassen

Zitat von winzling:
Ich halte es nicht für verkehrt, wenn die Vergangenheit in deinen Gedanken eine wesentliche Rolle spielt. Im Gegenteil, ich denke, so und nicht anders geht es. Du musst ja erst mal verstehen, was da eigentlich passiert ist und warum. Da gilt es, sich an viele Dinge zu erinnern, sich viele Situationen noch mal in's Gedächtnis zu rufen, Handlungsweisen und deren Ursachen aufzuräufeln um zu gucken, was da überhaupt los war in dir und in ihr. Was hat dich verletzt (oder sie) und was hat dir gefehlt (oder ihr) und warum?

In Zeiten der Trauer kann es helfen, möglichst vielen (sehr geduldigen) Leuten zu erzählen, was dir passiert ist. Je öfter, desto besser. Für mich zumindest sehr hilfreich. Dann fängst du an zu begreifen und zu verarbeiten. Und zu akzeptieren, was da passiert ist, egal, um welche Form der Trennung es geht. Man kann sich wirklich "etwas von der Seele reden". Das "Loslassen" kommt erst ganz zum Schluss, eben dann, wenn man im Falle einer "normalen Trennung" erkannt hat, welche Mechanismen da gegriffen haben, woran man eventuell in der Zukunft arbeiten muss. Du lässt los, wenn du das selbst willst und dann auch kannst. Das kann lange dauern und dann macht das auch gar nichts, es braucht die Zeit, die es eben braucht. Also lümmel dich in eine gemütliche Ecke, schlürf deinen Kaffee und betrachte dir ganz in Ruhe und Beschaulichkeit deine Vergangenheit, ich find's okay ;o).
winzling, das hast du schön beschrieben. vor allem die phasen, dass dem loslassen ein "durcharbeiten und -reden" vorausgeht.
 
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  • #41
AW: Loslassen

Zitat von winzling:
Warum scheust du eine Umarmung, wenn dir danach ist? Das ist doch was sehr Vertrautes und Schönes, auch wenn es jetzt da sicher ein bisschen weh tut. Meinst du, sie würde es nicht verstehen?
Hallo winzling,

tja, ich als Neuling hier merke allmählich wie schwierig es ist genau zu formulieren. Es ist nämlich keineswegs so, dass ich eine Umarmung scheue, im Gegenteil! Hätte nie gedacht, dass das so rüberkommt.

Zitat von winzling:
Ich halte es nicht für verkehrt, wenn die Vergangenheit in deinen Gedanken eine wesentliche Rolle spielt. Im Gegenteil, ich denke, so und nicht anders geht es. Du musst ja erst mal verstehen, was da eigentlich passiert ist und warum. Da gilt es, sich an viele Dinge zu erinnern, sich viele Situationen noch mal in's Gedächtnis zu rufen, Handlungsweisen und deren Ursachen aufzuräufeln um zu gucken, was da überhaupt los war in dir und in ihr. Was hat dich verletzt (oder sie) und was hat dir gefehlt (oder ihr) und warum?

(...) Das "Loslassen" kommt erst ganz zum Schluss, (...) Also lümmel dich in eine gemütliche Ecke, schlürf deinen Kaffee und betrachte dir ganz in Ruhe und Beschaulichkeit deine Vergangenheit, ich find's okay ;o).
Ich schließe mich "nuit" an, Du hast das wirklich sehr schön formuliert: Loslassen steht am Ende des Trennungsprozesses, ist sozusagen das Ergebnis. Und nicht am Anfang. - Puh, da werd ich morgen mal Kaffee kochen und nach ner gemütlichen Ecke suchen.

Mir ist auch klar geworden, dass ich eigentlich mitten in diesem Prozess angekommen bin. Ich habe mir schon unzählige Situationen aufgeschrieben, in denen unsere Beziehung in einer Sackgasse feststeckte. Diskussionen, die uns am Ende nur noch mehr voneinander entfernt haben. Streitgespräche, die wir nie wirklich zu Ende geführt haben. Meine Verhaltensmuster, wenn ich beruflich zu viel Stress hatte (ganz große Baustelle!).

Ich denke, ich muss viel geduldiger mit mir werden. Das auf jeden Fall. Und: das Loslassen, das kommt ganz ganz zum Schluss. Und nicht am Anfang.

Und den Kaffee morgen, den werde ich jetzt auch genießen können.
 
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  • #42
AW: Loslassen

Lieber Howlith,

Du steckst mittendrinnen. Ich bin – aber extrem zögerlich – schon in der Phase des Wieder-Auftauchens. Und jede Phase dauert viel zu lange. Aber sie dauert so lange, wie sie dauert. Meine letzte grosse Liebe hatte vielleicht einen ähnlichen Hintergrund wie Du, nur hat er sich diese Zeit des Aufarbeiten/Nachsinnens wohl nie genommen, sondern wollte immer uns stets funktionieren.

(Weder sein Kind) –*diese These ist sehr gewagt!!! vielleicht auch falsch! – noch ich hatten jeh eine Chance auf Nähe.

Mein Rat: Nimm Dir die Zeit, die es braucht, die Du brauchst, auch wenn das Jahre dauert. Du machst einen so tollen Eindruck auf mich. Du schaffst das problemlos und vielleicht sogar sehr schnell. Wenn es dennoch lange dauert: Lass es einfach zu.

Dir das beste, liebe Grüsse, Merle
 
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  • #43
AW: Loslassen

Zitat von Schreiberin:
Lieber Weltenbummler,

irgendwie finde ich das sehr berührend, dass du deine Lieben ein bisschen erhalten willst...
Aber du hast recht, dass du dir da sehr genau überlegen musst, wie du das vermitteln willst.

Die Liebe muss nicht ganz verschwinden, aber sie muss sich wohl sehr ändern : es gibt eben keine gemeinsame Lebensplanung mehr, in der Regel auch keinen Sex und andere Menschen werden wieder wichtiger. Wenn sich das alles eingespielt hat und das Leben in neuen schmerzfreien Bahnen läuft - warum dann nicht auch wieder mit liebevollen Gefühlen zurückdenken und den anderen für all das wertschätzen, was schön war ? Ich denke an fast alle meine Ex-Lieben mit warmen Gefühlen zurück und würde mich über Lebenszeichen IMMER freuen, würden sie kommen...

Für immer und ewig alles ins Vergessen zu jagen - da geht doch ein mitunter großes Stück Leben verloren...
Für den neuen Partner aber sollte schon klar sein, dass er die Gegenwart und die Zukunft ist und nicht nur ein Platzhalter in einer gleichwertigen Reihe...
Hab vielen Dank, liebe Schreiberin,
so fühle ich mich hier schon deutlich weniger exotisch...

Howlith hat's ja beschrieben: dieses Gefühl des Weiter-Liebens geht manchmal sehr einseitig von mir aus. Soll heißen: die Trennung und alles, was voraus gegangen war, haben auf seiten meiner Frau zu deutlich stärkerem Abgrenzungsbedürfnis geführt. Ihr geht's wohl so wie vielen hier im Forum, die Wert auf einen Schlussstrich legen.

Auf meiner Seite reift für diese Haltung mittlerweile Verständnis. Gerade, weil ich ja in Anspruch nehme, sie auch weiterhin zu lieben, muss ich ihre Entscheidung, dass sie jetzt aber anders empfindet, respektieren. Mit dieser Akzeptanz für eine geänderte, nunmehr unerwiderte Form der Liebe wächst meiner Ansicht nach auch das - von Dir in Deinem wunderbaren Schlusssatz angesprochene - Bewusstsein für den Wert und die Besonderheit einer hoffentlich irgendwann des Wegs kommenden neuen Liebe...
 
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  • #44
AW: Loslassen

Zitat von anaj:
Ich denke schon, dass man sich nur wirklich auf einen neuen Partner einlassen kann und sich wirklich neu verlieben kann, wenn man sicher innerlich vom Ex geloest hat. Das heisst schliesslich noch lange nicht, dass man den Ex-Partner jetzt ueberhaupt nicht mehr moegen soll oder die gemeinsame Zeit wegwirft. Aber das Leben muss weitergehen und das Herz muss sich einem neuen Partner erst einmal oeffnen koennen.
Das klingt schon nicht mehr so nach radikalem Schnitt, wie Du's weiter oben beschrieben hast. Mit dieser Haltung kann ich mich schon (beinahe) identifizieren, Die Frage ist wahrscheinlich, was genau wir unter "innerlich gelöst haben" verstehen.

Nachdenklich machen mich jetzt einige Beobachtungen, die ich in meinem Bekanntenkreis gemacht habe. Denn einige haben sich nach einer Trennung immer sofort in eine neue Beziehung gestuertzt. Das hielt aber nie lange, weil sie eigentlich nur ihren Trennungsschmerz ueberwinden / betaeuben wollten. Somit hatte der Neue von Anfang an nie eine Chance, sondern war nur der Lueckenbuesser. Erst als sie sich dann innerlich endlich vom Ex geloest hatten und ihre Trennung verarbeitet hatten, waren sie wirklich fuer eine neue Beziehung bereit. Dann trennten sie sich vom Lueckenbuesser wieder, um frei fuer die Liebe zu sein.....
Mir hat in den ersten Monaten nach der Trennung der Sinn gar nicht nach einer neuen Beziehung gestanden; ich hatte das Gefühl, als sei etwas in mir zerbrochen und ich könnte niemals wieder lieben. Es gab da nur die schmerzliche, unerfüllte Liebe zu meiner Frau. Für eine Lückenbüßerin wäre da gar kein Platz gewesen. Erst nach geraumer Zeit, als ich gelernt hatte, die Liebe einzuordnen und die geänderte Form zu akzeptieren, wächst wieder Raum für eine neue Liebe...

Ich habe in den letzten Tage viel ueber dieses Thema nachgedacht….. ich frage mich, ob man sich wirklich neu oder richtig verlieben kann, wenn man innerlich noch keinen Schlussstrich gezogen hat, wenn man noch an der Ex haengt…. vielleicht wuerde ich mir als die Neue in so einer Situation die Fragen stellen, ob ich nur ein Lueckenbuesser waere und ob er innerlich nur hofft, doch wieder mit seiner Ex zusammen zu kommen, um sein “altes” Leben wieder aufnehmen zu koennen…. Aber ich weiss es nicht genau, denn es kommt ja immer auf die Situation an.
Ja, die Gefahr besteht natürlich, weil Du es niemandem von außen ansiehst, wie sehr er noch an seiner alten Liebe hängt. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass diese Gefahr umso größer ist, je stärker Dein Alleinvertretungsanspruch ist. Wenn Du die Vergangenheit und das Gefühlsleben Deines Partners als Teil von ihm, der ihn gewiss geprägt hat, annehmen kannst, wird es Dir leichter fallen, Deine Rolle als "die Neue" nicht als kräftezehrenden Kampf gegen die Schatten der Vergangenheit zu begreifen.
 
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  • #45
AW: Loslassen

Zitat von Merle:
Lieber Howlith,

Du steckst mittendrinnen. Ich bin – aber extrem zögerlich – schon in der Phase des Wieder-Auftauchens. Und jede Phase dauert viel zu lange. Aber sie dauert so lange, wie sie dauert. Meine letzte grosse Liebe hatte vielleicht einen ähnlichen Hintergrund wie Du, nur hat er sich diese Zeit des Aufarbeiten/Nachsinnens wohl nie genommen, sondern wollte immer uns stets funktionieren.

(Weder sein Kind) –*diese These ist sehr gewagt!!! vielleicht auch falsch! – noch ich hatten jeh eine Chance auf Nähe.

Mein Rat: Nimm Dir die Zeit, die es braucht, die Du brauchst, auch wenn das Jahre dauert. Du machst einen so tollen Eindruck auf mich. Du schaffst das problemlos und vielleicht sogar sehr schnell. Wenn es dennoch lange dauert: Lass es einfach zu.

Dir das beste, liebe Grüsse, Merle

Hallo Merle,

ganz ehrlich, wenn ich so toll wäre, hätte ich wohl früher gemerkt, dass etwas in meiner Ehe nicht stimmt. Meine (Noch)Frau fragt mich oft, warum ich nicht früher gemerkt habe, dass unsere Ehe völlig aus dem Ruder läuft. Und warum ich erst jetzt anfange, einiges an mir zu ändern. Warum ich jetzt plötzlich viele Dinge anders (sprich aus ihrer Sicht richtig) mache. Nicht mehr nur Beruf, Beruf, Beruf. Kinder, Kinder, Kinder. Und dabei die Frau an meiner Seite vergesse. Nein, vergessen ist das falsche Wort. Ich hab schlichtweg ihre Bedürfnisse nicht mehr gesehen. - Wir haben beide funktioniert. Und dann war bei ihr das Gefühl zu lieben weg ...

Nein, toll fühle ich mich nicht. (Hat mich trotzdem riesig gefreut, es zu lesen !!!)

Dieses Gefühl, ich hätte diese Beziehung retten können, wenn ich nur mal ein bisschen aufgepasst & zugehört hätte ... glaub mir, das bringt mich fast um den Verstand. Jeden Tag aufs Neue.

Und ich muss zugeben: Seit ich angefangen habe an mir bewusst zu arbeiten, fühlt sich vieles von dem was ich mache besser, leichter, entspannter an. Wenn die Trennung nicht wäre ...

-

Darf ich etwas fragen? Ihr habt ein Kind zusammen? Und Du schreibst, ihr hattet nie eine Chance auf Nähe? Das klingt hart, verdammt hart.

Noch eine Frage, wieso hatte Deine letzte Liebe "einen ähnlichen Hintergrund wie ich". Also da denk ich jetzt schon den ganzen Tag drüber nach und komm zu keinem Ergebnis. Welchen Hintergrund habe ich denn Deiner Meinung nach??? Na, ist vielleicht aber auch nicht so wichtig.

Ich hoffe für Dich, dass Du in Deiner Phase des Wiederauftauchens voran kommst. Kleine Schritte, die aber in die richtige Richtung! Wie lange diese Phasen dauern können, fange ich erst an zu ahnen.

Auch Dir das Beste, Howlith