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Dr. Bean

  • #16
Vor facebook gab es ja schon etliche ähnliche Portale, angefangen mit sehr spezifischen Präsentationsplattformen für Computerspieler, bis dann hinzu Gruppenplattformen wie studiVZ. Was sie alle von früher bis heute gemein haben, ist ihre prinzipielle absolute Sinnlosigkeit. Ich poste in aller Regel alle zwei Wochen irgendeinen Newsbeitrag oder Song, damit mein Profil so aussieht, als wenn es benutzt wird. Ansonsten weiß ich mit dieser Plattform nichts anzufangen. Mich an den 2.321 Hochzeitsfotos ergötzen, die dann einige hochladen oder das 12.921 Strandfoto zu sehen, find ich irgendwie ungeil.

Das Einzige wofür facebook wirklich gut ist, ist wenn man Kontakt zu lange verloren geglaubten Menschen sucht oder wenn man ein spezifisches Hobby hat und dort einer Gruppe beitritt. Ansonsten ist fb ne Datenkrake, die einen täglich mit so viel Müll überlädt, dass ich sie von all meinen mobilen Endgeräten verbannt habe.

WhatsApp seh ich weniger kritisch. Praktischer als SMS dient es hauptsächlich dazu, große Verabredungen in Gruppen zu koordinieren. Wo man früher 50 mal telefonieren musste, trifft man sich heute mit zehn Mann gut und leicht abgestimmt. Diese Daten dürfen auch gerne gläsern sein, wenns wen interessiert, wo ich mich am Freitagabend so treffe.

Instagram, Twitter und was es sonst noch so gibt, nutze ich nicht. Also nicht alle Digital Natives sind da so scharf drauf. Ich finde eher das Social Media gar nicht so sehr von Menschen genutzt wird, die wirkliche Ahnung von Computern haben, sondern eher von solchen, die neugierig und interessiert daran sind, was ihre Freunde so tun.
 
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Gast

  • #17
Ein andere Frage wäre, wie diese Social Dingens das Miteinander verändert haben. Vom Impressionismus zum Expressionismus? Redundanz der Information in Richtung der Wichtigtuerei? Ist das, was Web ist, die Welt oder eher eine Projektions- und Interpretationsebene für Leute mit viel Tagesfreizeit? Mich beschäftigt das schon länger - aus rein soziologischer Neugier.
Ein paar befreundete Künstler nutzten das Web mal als neues Ding. Ernüchtert wandten sie sich mittlerweile wieder ab.
 
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Dr. Bean

  • #18
Zitat von chiller7:
Ein andere Frage wäre, wie diese Social Dingens das Miteinander verändert haben. Vom Impressionismus zum Expressionismus? Redundanz der Information in Richtung der Wichtigtuerei? Ist das, was Web ist, die Welt oder eher eine Projektions- und Interpretationsebene für Leute mit viel Tagesfreizeit? Mich beschäftigt das schon länger - aus rein soziologischer Neugier.
Ein paar befreundete Künstler nutzten das Web mal als neues Ding. Ernüchtert wandten sie sich mittlerweile wieder ab.
Wenn man sich mal so anschaut, wie viele Zombies an Bahnhöfen, in Zügen und in der Stadt ununterbrochen ins Handy starren, denke ich schon, dass sich das Miteinander verändert hat. Mittlerweile hat sich die Affekthandlung, zum Handy zu greifen im Zug, ja schon etabliert. Bevor man dann peinlich in andere Gesichter starren muss, wird aufs Handy gestarrt. Wenn man die Möglichkeiten eines Smartphones mal reduziert summiert, dann ist es ja quasi ein "Buch" voller "Informationen". Also die zwei DInge, die ich damit anfangen kann, ist Lesen und mich auf den neuesten Stand bringen. Und da frage ich mich immer, das muss doch auch mal langweilig werden. Man will doch auch mal andere Sinneseindrücke erleben können. Ich für meinen Teil fühle mich an manchen Tagen extrem befreiter, wenn ich das Ding gar nicht erst anschalte. Einfach mal die Langsamkeit des uninformierten Augenblicks genießend, aus dem Zugfenster schauen und Bäume zählen.

Ein anderer Aspekt, wie ich finde ist, das ständige Schreiben in irgendwelchen Communities via Handy, ist ja auch eine Form von Einsamkeitsüberwindung. Ich bin in so einer Sportcommunity, da postet man sein tägliches Training mit einem Satz dazu wie schwer es war. Eigentlich ist das ein Vorgang der immensesten Langeweile, denn die Workouts sind alle gleich und außer der Anmerkung "war anstrengend", kann man in 99% der Fälle nicht viel dazu sagen. Trotzdem posten die Leute millionenfach dort ihre Erfolge, denn die Community bzw. die Aktivitäten der anderen, spornen einen konstant dazu an, weiter zu machen. So entgeht man der Einsamkeit und der eigenen Verantwortung für sich selbst.

Häufig wurde ja schon gesagt, dass das Internet zwar den Gedankenaustausch der Menschen näher zusammenbringt aber dass die Angst dort peinlich oder lächerlich gemacht zu werden, einen auch mehr hinter seinen persönlichen Schutzschild treibt. Oder das die Flut von Informationen, die geteilt wird, das Interesse am Individuum verschwinden lässt, denn man kann sich ja mit genug spannendem Zeugs im Internet zudröhnen. Auch entsteht das Problem, dass der eigene Interessenskreis nichts mehr mit seiner eigenen Realität zu tun hat. Dass man sich eine neue eigene Realität schafft, abseits der Realität.

Ich denke noch das wird zu nehmen, spätestens mit Geschichten wie AR und VR. Samsung bringt ja gerade zum neuen Handy die ersten Brillen raus. Mal sehen, was da noch so kommen mag.
 
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authentisch_gelöscht

  • #19
Zitat von Dr. Bean:
Wenn man sich mal so anschaut, wie viele Zombies an Bahnhöfen, in Zügen und in der Stadt ununterbrochen ins Handy starren, denke ich schon, dass sich das Miteinander verändert hat. Mittlerweile hat sich die Affekthandlung, zum Handy zu greifen im Zug, ja schon etabliert. Bevor man dann peinlich in andere Gesichter starren muss, wird aufs Handy gestarrt.
Das Gute daran ist, dass ich all die Handy-Starrer unbemerkt beobachten kann. Aber wehe, wenn ich mal etwas sage! Da erschrecken viele furchtbar: Das muss wohl ein Monster sein, die da spricht!
 
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  • #20
Hmm ohne Smartphone wäre das Arbeiten heute wesentlich weniger effektiv. WhatsApp gruppen helfen bei termin ansprachen, die memo funktion und der kalender mit ton errinerungen hilft bei der Einhaltung von terminen und deadlines. Tabletts helfen beim Multitasken und man kann "Arbeiten" wenn man mal im bus festsitzt wie ich heute weil ein Schneechaos in düsseldorf geherrscht hat :D Grade Tabletts die das MS Office packet benutzen können sind ein segen :p


Social Media nutze ich bis auf WhatsApp nur um bei gewinnspielen mitzumachen (hab mir mit meinem Facebook account inzwischen hardware im wert von zusammengerechnet 4600 gekrallt hehe). Verstehe die ganzen Social Media Zombies nich :| ich beobachte auch gerne diese Zombies in Bus und Bahn und "erschrecke" sie oftmals indem ich plötzlich anfange zu kommunizieren (Schönes Wetter heute oder? Hä? Was? Wie? Jaaaahhh...)
 
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  • #21
Komme eben vom Arzt. Im Wartezimmer Smartphone Zombies, nach unten starrend auf das Smartphone. Es war meist die jüngere Generation (18+, mit verschnupfter Nase). Eine Frau stach total aus der Menge ab. Sie las wirklich ein echtes Buch. Ich wollt schon fragen, wieviel sie für den Old-fashion Kindle bezahlt hat :)
 
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  • #22
Zitat von Vizee:
Komme eben vom Arzt. Im Wartezimmer Smartphone Zombies, nach unten starrend auf das Smartphone. Es war meist die jüngere Generation (18+, mit verschnupfter Nase). Eine Frau stach total aus der Menge ab. Sie las wirklich ein echtes Buch. Ich wollt schon fragen, wieviel sie für den Old-fashion Kindle bezahlt hat :)
Beim Arzt les ich auch immer ein Buch xD Man will ja niemanden mit musik stören *hust*
 
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  • #25
@chiller + fackel: Ja, eine kleine Rebellin mit einem echten Buch. Sehr retro :)
 
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  • #26
Zitat von Dr. Bean:
Bevor man dann peinlich in andere Gesichter starren muss, wird aufs Handy gestarrt.
Ja also, Du kannst doch weiterhin peinlich in andere Gesichter starren, wenn es Dir Freude bereitet. :)

Früher hab ich Zeitung gelesen oder ein Buch. Heute lese ich Zeitung oder ein Buch im Smartphone. Was hat sich denn da geändert?
 
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Gast

  • #28
Was soll daran fortschrittlich sein, ein Buch auf dem Smartphone zu lesen? Man scrollt sich einen Ast ab, die Haptik ist klinisch, da kommt doch kein Genuß auf. Ich mag das Papier in der Hand, das Geräusch des Umblätterns, den Geruch und all das. Für mich ist das Kultur, Sinnlichkeit, Kontemplation. So viel kultureller Niedergang, Junk-Food, Marketing-Gequatsche um sich irgendwie modern zu fühlen. Nee. Kaffee to go. Partner to go und den ganzen sonstigen Schmarrn aus den USA. Da stehe ich nicht drauf.
 
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  • #29
Zitat von fafner:
Überzeugende Antwort... aber nur auf den ersten Blick: es nur richtig zu nutzen, bringt einen kaum ans Ziel. Der Computernerd wird kaum zum Winner mutieren, wenn es dann mal in real life zur Begegnung kommt.. Typen wie Suckerberg sind kaum gesucht, ausser sie haben Kohle bis zum Abwinken
 
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Dr. Bean

  • #30
Zitat von Frauen-Versteher:
Überzeugende Antwort... aber nur auf den ersten Blick: es nur richtig zu nutzen, bringt einen kaum ans Ziel. Der Computernerd wird kaum zum Winner mutieren, wenn es dann mal in real life zur Begegnung kommt.. Typen wie Suckerberg sind kaum gesucht, ausser sie haben Kohle bis zum Abwinken
Wenn es zur Begegnung kommt, suckt der Computernerd ab, da halte ich dagegen! :)

@chiller da finde ich hast du was Wichtiges gesagt. Marketing Gequatsche, um sich Modern zu fühlen. Das hat wirklich extrem zugenommen und es wäre ja auch nicht schlimm, wenn es mal wirklich umgesetzt würde. RWE geht vorweg aber Eautos haben wir immer noch nicht.