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*Andrea*

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  • #28.621
Danke für eure Antworten (@Luzi99 @Sevilla21 @Obeserver @fafner @Look und ganz besonders @Traumichnich )!
Ihr habt wohl ein Stück weit schon Recht, obwohl ich andererseits auch denke, dass ich möglicherweise um einiges mehr an (auch ganz unterschiedlichen!) Erfahrungen mit dem Ausländerthema habe als die meisten Mitmenschen, sowohl private wie auch berufliche, in der Schweiz und im Ausland, und mich auch im Studium und meiner Forschung sehr intensiv mit solchen Fragen (Migration, Integration, Fremdheit, Ausgerenzung) auseinandergesetzt habe. Und dann schmerzt es, wenn ich dieses Wissen und Verständnis, das ich über dieses Thema habe, nicht rüberbringen kann, weil die meisten anderen aus ihren Prägungen heraus schon ursprünglich ganz anders an dieses Thema herangehen und diese Problematik ausserdem auch stark politisch aufgeladen ist und zum Teil dazu (in meinen Augen jedenfalls) in der Öffentlichkeit sehr unberechtigte und unfaire Emotionen geschürt werden. Es schmerzt mich auch in meinem Privatleben, wenn mich Leute dazu nicht ernst nehmen, obwohl ich von ihnen weiss, dass sie selbst kaum persönliche Erfahrungen mit dem Thema gemacht haben und sich ausserdem auch nie differenziert damit auseinandergesetzt haben.

Nachdem ich gestern morgen hier meine Frage an euch gepostet hatte, habe ich einen Spaziergang zur Arbeit gemacht (gut, musste ich gestern erst spät anfgangen, denn ich habe den Spaziergang dringend gebraucht!). Dabei ist mir dann plötzlich klar geworden, dass ich vielleicht viel weniger als andere (oder sogar gar nicht?) ein an sich ganz normales psychologisches Phänomen zeige.

Im Studium habe ich mal einen sozialpsychologischen Artikel über das Thema Gruppenbildung, Gruppenzugehörigkeit und ihre Folgen gelesen. Da hat man bei einer Studie gesehen, dass es schon als Ursache ausreicht, einander ansonsten gänzlich unbekannte Menschen in einem Raum in zwei willkürliche Gruppen A und B einzuteilen, damit diese danach anfangen, sich in ihrem Verhalten gegenüber denjenigen, die als der gleichen Gruppe vs. der anderen Gruppe zugehörig deklariert wurden, ganz unterschiedlich zu zeigen. Es reicht also aus, bloss zu sagen, der gehört zu deiner Gruppe A, und der andere zu der Gruppe B, damit die Leute ganz automatisch anfangen, zu unterscheiden und zu diskriminieren, ohne dass dazu eine Aufforderung oder irgend ein anderer Grund bestand. Das wurde als normales menschliches Verhalten bezeichnet.

Nun habe ich mich erst im Alter von etwa 38 Jahren zum ersten Mal irgendwo wirklich zugehörig gefühlt. Das kam mir gestern auf meinem Spaziergang in den Sinn. Vielleicht hat mich das dermassen geprägt, dass ich diese ansonsten normale Verhaltensweise kaum zeige. Ich empfinde, so glaube ich wenigstens, wenn ich darüber nachdenke, keine grössere Nähe, Empathie, kein mehr an Mitgefühl, Solidarität oder Sorge für einen Mann, der in Afrika lebt als für eine Frau, die in meiner Nachbarschaft wohnt (jedenfalls solange ich keinen von beiden kenne). Mir tut es genauso weh, wenn ich über Unglück und Leid in Asien lese wie in der Schweiz. Und ich habe bisher nie verstanden, dass das andere nicht auch so sehen oder zumindest nachvollziehen können, wie das bei mir ist.

Meine erste Erfahrung des Gefühls, mit jemandem auf der gleichen Wellenlänge zu sein, war im Rahmen einer kurzen Begegnung mit anschliessender Brieffreundschaft mit einem Mann (Araber) im Nahen Osten. Ich kann mich daran erinnern, dass ich darüber sehr erstaunt war, dass jemand so ähnlich denkt wie ich, und dass ich dann dachte, dieser Mann ist mir näher als mein Bruder, der fast gleich alt wie ich ist, und die wir, zumindest in der Familie, im Kindergarten und in der Unterstufe doch beinahe dieselben Erfahrungen und die gleiche Sozialisierung durchgemacht haben...
Später habe ich mich immer sehr für die Fremden, Ausgegrenzten und anderswo in Krieg oder Armut lebenden Menschen engagiert. Ich konnte gar nicht anders. Es tut mir nach wie vor sehr weh, die Nachrichten zu hören oder zu lesen, und es macht mich oft sehr wütend, weil ich den Eindruck habe, dass nicht objektiv berichtet, sondern immer mit ungleichen Ellen gemessen wird, rein aus der Tatsache heraus, ob jemand Glück oder Pech hatte, wo er geboren wurde. Aber ich emfinde oft und in den letzten Jahren vermehrt auch die Artikel in Zeitungen, die eine ähnliche politsche Haltung wie ich haben, als nicht genügend objektiv, wenn auch viel weniger als in bürgerlichen Medien.

Vielleicht ticke ich ja einfach ganz anders als die Mehrheit. Und vielleicht lassen sich gewisse Unterschiede in politischen Haltungen auch ganz simpel so erklären. Denn dass auch Menschen, die ganz anders als ich denken, nicht unbedingt böse, rein eigennützig oder dumm sein müssen, habe ich schon lange gemerkt. Aber ich kann die Welt nicht anders sehen, als ich das tue, und manchmal tut es weh, rein deshalb wieder neue Erfahrungen machen zu müssen, trotz aller Bemühen doch wieder nicht ganz dazu gehören zu können.
 
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  • #28.622
@himbeermond
nicht große sondern knusprige Kruste? Bin aber Rechtdchreibmüde grad

Da ist was blaues und gelbes am Himmel? macht mit Angst :(
 
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Sevilla21

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  • #28.626
Liebe @*Andrea*,
niemand kann völlig wertfrei und objektiv kommunizieren. Und jeder hat so seine Themen die ihn mehr oder weniger persönlich ansprechen. Schön, dass es Dir bewusst geworden ist, wieviel Deine Reaktion mit Dir selbst zu tun hat.
Ich empfand den Beginn des Threads und die ersten Reaktionen darauf als angemessen. (Meine eigene nicht ganz so ernst).
Wie sich die Threads dann weiter entwickeln und in welche konstruierten Irrsinnigkeiten diese dann oft schlittern ist wieder ein eigenes Thema.
Da ist es besser auszusteigen, denn es führt nur zu plumpen Klischees und Anfeindungen.
 
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  • #28.627
@himbeermond
nicht große sondern knusprige Kruste? Bin aber Rechtdchreibmüde grad

Da ist was blaues und gelbes am Himmel? macht mit Angst :(
1. Krosse Kruste mit KaPü und Erbsen.

2. Blau und Gelb am Himmel und aus dem Tiger wird ein Kuschelkätzchen? Hm ... Lange keine Sonne mehr gesehen? :) Da ist der Kater auch nicht mehr Grau. Das kann erschrecken.

3. Du klingst die letzten Tage eher ... angespannt. Oder sowas in die Richtung. Das Entspannte las sich grad so sexy.
Hoffe, das wird wieder :)
 
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  • #28.628
1. Krosse Kruste mit KaPü und Erbsen.

2. Blau und Gelb am Himmel und aus dem Tiger wird ein Kuschelkätzchen? Hm ... Lange keine Sonne mehr gesehen? :) Da ist der Kater auch nicht mehr Grau. Das kann erschrecken.

3. Du klingst die letzten Tage eher ... angespannt. Oder sowas in die Richtung. Das Entspannte las sich grad so sexy.
Hoffe, das wird wieder :)

Total toll hier das Wetter. Muss laufen gehn wenn die Schmerzen weg sind:rolleyes:Frauen die sagen es piekst ja nur im Sekundenbereich... ist soo tröstlich :)
 

Sevilla21

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  • #28.629
@creolo Jetzt hast Du auch schon Schmerzen? Sind die ansteckend? Falls ich das war, tut mir leid! Irgendwie sind alle hier ein bisschen lädiert...
 
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  • #28.630
bei mir eher im Kopfbereich und keine wirklichen Schmerzen, ausser wenn mir jemand nen Metallbohrer tief reinjagt ohne Betäubung und was von unterschiedlicher Schmerzempfindung murmeln.
 
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Sevilla21

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  • #28.631
Viel saufen!!! Hilft!
 
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  • #28.632
bei mir eher im Kopfbereich und keine wirklichen Schmerzen, ausser wenn mir jemand nen Metallbohrer tief reinjagt ohne Betäubung und was von unterschiedlicher Schmerzempfindung murmeln.
Urgs. Da kenn ich was von. Und bei so einer Geschichte gewinne ich haushoch ;) *armerkomischfarbenerkater

Den tollen Tipp "laufen hilft" hatte ich mir wohlweislich verkniffen.

Wie geht es denn Dir @Sevilla?
 

Sevilla21

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  • #28.634
Danke, sehr gut! Hoffe, Dir auch Himbeere!
Das ruhig sitzen und im Forum abhängen hat das nervöse Nervlein schön beruhigt. Ich hab kein Schmerzmittel eingeworfen. Ein paar Tage noch keine blöde Bewegung machen, dann sollte es das gewesen sein... :)

Katzen würden Whiskey saufen! Ich will ja jetzt nicht zum Tierquäler werden, ich denk creolo verträgt schon was. Aber der Kater danach...
 
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  • #28.635
Danke, sehr gut! Hoffe, Dir auch Himbeere!
Das ruhig sitzen und im Forum abhängen hat das nervöse Nervlein schön beruhigt. Ich hab kein Schmerzmittel eingeworfen. Ein paar Tage noch keine blöde Bewegung machen, dann sollte es das gewesen sein... :)

Katzen würden Whiskey saufen! Ich will ja jetzt nicht zum Tierquäler werden, ich denk creolo verträgt schon was. Aber der Kater danach...

Ich hab die, Frauen haben ja keine Ahnung von wirklichen, männlichen Schmerzen Karte nicht gezogen eben. Nur rausgeholt :D
Dafür darf ich nochmal wiederkommen. Die finden das lustig wenn ich leide :(
 
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  • #28.637
Aber ich kann die Welt nicht anders sehen, als ich das tue, und manchmal tut es weh, rein deshalb wieder neue Erfahrungen machen zu müssen, trotz aller Bemühen doch wieder nicht ganz dazu gehören zu können.
Wen oder was meinst Du denn bei "nicht ganz dazu"? Bald 8 Mrd. Menschen auf der einen Seite und Du auf der anderen oder wie kann ich mir das vorstellen? :oops:
 

Marlene

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  • #28.638
Dabei ist mir dann plötzlich klar geworden, dass ich vielleicht viel weniger als andere (oder sogar gar nicht?) ein an sich ganz normales psychologisches Phänomen zeige.
Liebe @*Andrea* , einerseits schreibst Du, dass Du dieses Phänomen des Dazugehören-Wollens vielleicht weniger hast, andererseits:
und manchmal tut es weh, rein deshalb wieder neue Erfahrungen machen zu müssen, trotz aller Bemühen doch wieder nicht ganz dazu gehören zu können.
Warum möchtest Du denn dazu gehören? Wenn Du diesen Punkt überwunden hast, lebst Du im vermeintlichen Anderssein schmerzfrei und Andersdenkende kränken Dich nicht mehr. Und Du kannst einfach so Deine Meinung vertreten. Privat findet man aber immer Ähnlichdenkende, finde ich.
Ich finde, Du schreibst interessante Blickwinkel und dazu noch einfühlsam. Nur dieses Gekränktsein auf dem Hintergrund, es weitreicher zu wissen, schimmert manchmal auf, sei doch einfach die Kriegerin Deiner ethischen Werte, ohne in "gut" und "böse" einzuteilen.
Falls ich falsch liege, pardon, sind nur so meine Gedanken dazu.
 
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*Andrea*

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  • #28.639
Wen oder was meinst Du denn bei "nicht ganz dazu"? Bald 8 Mrd. Menschen auf der einen Seite und Du auf der anderen oder wie kann ich mir das vorstellen? :oops:
Nein. Seit ersten Erfahrungen des dazu Gehörens und dank vieler anderer Veränderungen, schaffe ich es in der Zwischenzeit ganz gut, mich an vielerlei Orten, die mir irgendwie wichtig sind, zugehörig zu fühlen (z.B. in den Teams, in denen ich arbeite oder nun sogar auch in meiner Familie, wo sich seither einiges in der Beziehung verändert hat). Ich gehöre aber gerne auch z.B. im Kreis der Foristinnen und Foristen hier irgendwie dazu. Das Zugehörigkeitsgefühl ist aber noch etwas wackelig und bedroht (an allen Orten, wo ich mich zugehörig fühle) und verflüchtigt sich manchmal (temporär). Dies hat meist mit gewissen Themen zu tun, bei denen ich mich wohl noch ungenügend irgendwo überhaupt verstanden fühle.

Liebe @*Andrea* , einerseits schreibst Du, dass Du dieses Phänomen des Dazugehören-Wollens vielleicht weniger hast, andererseits:

Warum möchtest Du denn dazu gehören? Wenn Du diesen Punkt überwunden hast, lebst Du im vermeintlichen Anderssein schmerzfrei und Andersdenkende kränken Dich nicht mehr. Und Du kannst einfach so Deine Meinung vertreten.
Natürlich möchte ich mich nicht allein fühlen, sondern (an verschiedenen Orten) zugehörig, akzeptiert und je nach Ort auch geliebt. Das sich zugehörig fühlen Wollen ist aber nicht dasselbe wie das sich tatsächlich zugehörig Fühlen. Da ich den weitaus längsten Teil meines Lebens verzweifelt danach gesucht habe, ohne es finden zu können, sind für mich die psychologischen Mechanismen von Gruppenzugehörigkeiten nichts Selbstverständliches und es macht für mich keinen Unterschied, ob jemand z.B. durch dieselbe Staatsangehörigkeit oder dasselbe Geschlecht einer gleichen Gruppe angehört wie ich. Ich habe nicht die Erfahrung gemacht, dass das für das gegenseitige Verständnis, für die Empathie, für die Solidarität, die Geborgenheit etc. einen Unterschied macht. Ich glaube, das hat sowohl negative Seiten (weil mein Wohlfühl-Gefühl ständig bedroht ist und ich deshalb vielleicht schneller in eine Verteidigungshaltung komme oder auch weil ich mich immer und überall, wo mir das Messen mit unterschiedlichen Ellen - vielleicht übertrieben oder auch nicht? - ins Auge springt, zur Anwältin der unfair Behandelten machen muss/will, damit anecke und mich auspowere) als auch positive (weil ich weniger automatisch in Eigen- und Fremdgruppen unterscheide oder deren Angehörige unterschiedlich wahrnehme und behandle).

Nur dieses Gekränktsein auf dem Hintergrund, es weitreicher zu wissen, schimmert manchmal auf, sei doch einfach die Kriegerin Deiner ethischen Werte, ohne in "gut" und "böse" einzuteilen.
Vielleicht schaffe ich dies ja jetzt. Es hat mich halt immer geplagt, dass die meisten so anders ticken und meine Gedankengänge und Gefühle, die für mich einfach normal und unausweichlich sind, nicht nur nicht nachvollziehen, sondern irgendwie auch noch als lächerlich oder unauthentisch empfinden.
Kriegerin meiner ethischen Werte sein, ohne in "gut" und "böse" einzuteilen, klingt nach einer interessanten, stimmigen Sache. Danke!
 
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Danke für eure Antworten (@Luzi99 @Sevilla21 @Obeserver @fafner @Look und ganz besonders @Traumichnich )!
Ihr habt wohl ein Stück weit schon Recht, obwohl ich andererseits auch denke, dass ich möglicherweise um einiges mehr an (auch ganz unterschiedlichen!) Erfahrungen mit dem Ausländerthema habe als die meisten Mitmenschen, sowohl private wie auch berufliche, in der Schweiz und im Ausland, und mich auch im Studium und meiner Forschung sehr intensiv mit solchen Fragen (Migration, Integration, Fremdheit, Ausgerenzung) auseinandergesetzt habe. Und dann schmerzt es, wenn ich dieses Wissen und Verständnis, das ich über dieses Thema habe, nicht rüberbringen kann, weil die meisten anderen aus ihren Prägungen heraus schon ursprünglich ganz anders an dieses Thema herangehen und diese Problematik ausserdem auch stark politisch aufgeladen ist und zum Teil dazu (in meinen Augen jedenfalls) in der Öffentlichkeit sehr unberechtigte und unfaire Emotionen geschürt werden. Es schmerzt mich auch in meinem Privatleben, wenn mich Leute dazu nicht ernst nehmen, obwohl ich von ihnen weiss, dass sie selbst kaum persönliche Erfahrungen mit dem Thema gemacht haben und sich ausserdem auch nie differenziert damit auseinandergesetzt haben.

Nachdem ich gestern morgen hier meine Frage an euch gepostet hatte, habe ich einen Spaziergang zur Arbeit gemacht (gut, musste ich gestern erst spät anfgangen, denn ich habe den Spaziergang dringend gebraucht!). Dabei ist mir dann plötzlich klar geworden, dass ich vielleicht viel weniger als andere (oder sogar gar nicht?) ein an sich ganz normales psychologisches Phänomen zeige.

Im Studium habe ich mal einen sozialpsychologischen Artikel über das Thema Gruppenbildung, Gruppenzugehörigkeit und ihre Folgen gelesen. Da hat man bei einer Studie gesehen, dass es schon als Ursache ausreicht, einander ansonsten gänzlich unbekannte Menschen in einem Raum in zwei willkürliche Gruppen A und B einzuteilen, damit diese danach anfangen, sich in ihrem Verhalten gegenüber denjenigen, die als der gleichen Gruppe vs. der anderen Gruppe zugehörig deklariert wurden, ganz unterschiedlich zu zeigen. Es reicht also aus, bloss zu sagen, der gehört zu deiner Gruppe A, und der andere zu der Gruppe B, damit die Leute ganz automatisch anfangen, zu unterscheiden und zu diskriminieren, ohne dass dazu eine Aufforderung oder irgend ein anderer Grund bestand. Das wurde als normales menschliches Verhalten bezeichnet.

Nun habe ich mich erst im Alter von etwa 38 Jahren zum ersten Mal irgendwo wirklich zugehörig gefühlt. Das kam mir gestern auf meinem Spaziergang in den Sinn. Vielleicht hat mich das dermassen geprägt, dass ich diese ansonsten normale Verhaltensweise kaum zeige. Ich empfinde, so glaube ich wenigstens, wenn ich darüber nachdenke, keine grössere Nähe, Empathie, kein mehr an Mitgefühl, Solidarität oder Sorge für einen Mann, der in Afrika lebt als für eine Frau, die in meiner Nachbarschaft wohnt (jedenfalls solange ich keinen von beiden kenne). Mir tut es genauso weh, wenn ich über Unglück und Leid in Asien lese wie in der Schweiz. Und ich habe bisher nie verstanden, dass das andere nicht auch so sehen oder zumindest nachvollziehen können, wie das bei mir ist.

Meine erste Erfahrung des Gefühls, mit jemandem auf der gleichen Wellenlänge zu sein, war im Rahmen einer kurzen Begegnung mit anschliessender Brieffreundschaft mit einem Mann (Araber) im Nahen Osten. Ich kann mich daran erinnern, dass ich darüber sehr erstaunt war, dass jemand so ähnlich denkt wie ich, und dass ich dann dachte, dieser Mann ist mir näher als mein Bruder, der fast gleich alt wie ich ist, und die wir, zumindest in der Familie, im Kindergarten und in der Unterstufe doch beinahe dieselben Erfahrungen und die gleiche Sozialisierung durchgemacht haben...
Später habe ich mich immer sehr für die Fremden, Ausgegrenzten und anderswo in Krieg oder Armut lebenden Menschen engagiert. Ich konnte gar nicht anders. Es tut mir nach wie vor sehr weh, die Nachrichten zu hören oder zu lesen, und es macht mich oft sehr wütend, weil ich den Eindruck habe, dass nicht objektiv berichtet, sondern immer mit ungleichen Ellen gemessen wird, rein aus der Tatsache heraus, ob jemand Glück oder Pech hatte, wo er geboren wurde. Aber ich emfinde oft und in den letzten Jahren vermehrt auch die Artikel in Zeitungen, die eine ähnliche politsche Haltung wie ich haben, als nicht genügend objektiv, wenn auch viel weniger als in bürgerlichen Medien.

Vielleicht ticke ich ja einfach ganz anders als die Mehrheit. Und vielleicht lassen sich gewisse Unterschiede in politischen Haltungen auch ganz simpel so erklären. Denn dass auch Menschen, die ganz anders als ich denken, nicht unbedingt böse, rein eigennützig oder dumm sein müssen, habe ich schon lange gemerkt. Aber ich kann die Welt nicht anders sehen, als ich das tue, und manchmal tut es weh, rein deshalb wieder neue Erfahrungen machen zu müssen, trotz aller Bemühen doch wieder nicht ganz dazu gehören zu können.
Liebe Andrea, ich verstehe dich sehr sehr gut.
Bin ganz deiner Meinung. lg.look
 
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  • #28.643
@*Andrea* Eine Anmerkung vielleicht noch zu der damaligen Auseinandersetzung im Witze-Thread, da du das Beispiel gebracht hast:
Du hast da IMHO ein Fässchen aufgemacht, das da nicht wirklich hingehört und nicht angebracht war. Nur weil sich jemand über etwas lustig macht, ist das noch keine Diskriminierung, auch wenn es da selbstverständlich Grenzen geben muss.
Und die Aussagen, die du dann letztendlich 'geerntet' hast, waren in meinen Augen Teil einer entrüsteten Entgegnung auf einen heftigen Angriff von dir.
Vielleicht kannst ja damit was anfangen, auch wenn's von mir kommt. ;)
 

fafner

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  • #28.644
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*Andrea*

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  • #28.645
@*Andrea* Eine Anmerkung vielleicht noch zu der damaligen Auseinandersetzung im Witze-Thread, da du das Beispiel gebracht hast:
Du hast da IMHO ein Fässchen aufgemacht, das da nicht wirklich hingehört und nicht angebracht war. Nur weil sich jemand über etwas lustig macht, ist das noch keine Diskriminierung, auch wenn es da selbstverständlich Grenzen geben muss.
Und die Aussagen, die du dann letztendlich 'geerntet' hast, waren in meinen Augen Teil einer entrüsteten Entgegnung auf einen heftigen Angriff von dir.
Vielleicht kannst ja damit was anfangen, auch wenn's von mir kommt. ;)
Ich hatte in meiner Reaktion auf den Witz gar niemandem Diskriminierung vorgeworfen und noch weniger Rassismus, sondern ich hatte es unsensibel und wenig konstruktiv gefunden, sich über die Religion von Menschen lustig zu machen, die sich in der öffentlichen Debatte vielen Anfeindungen und Vorurteilen sowie oft in ihrem konkreten Leben auch Diskriminierungen wegen ihrer Religionszugehörigkeit ausgesetzt sehen. Ich habe es nicht verstanden, dass das so falsch ankam, und es im Nachgang davon leider offenbar bis heute nicht geschafft, dass es bei allen ankam, dass ich gar nie von Rassismus gesprochen hatte.
In der darauf folgenden Auseinandersetzung hat mich ausserdem gestresst, dass jemand (war es IMHO?) plötzlich von Terrorismus sprach. Es stört mich und ich finde es schwer problematisch, wenn vom Thema Islam und Umgang mit Muslimen so plötzlich und zusammenhangslos von Terrorismus gesprochen wird.

Und auch beim Thema, ob es sich um einen Übergriff handelt, ohne gefragt zu haben, eine Sicherheitsabteilung einzuschalten, ging es mir um die Wirkung auf die ratsuchende Foristin.

Ich möchte aber nicht erneut darüber diskutieren. Punkt.
 
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*Andrea*

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  • #28.646
Das bist Du doch allein durch die Anwesenheit. :)
Wenn Du aber meinst, Du müßtest auch bei hier auftretenden "Meinungsströmungen" dazugehören... auch Backe. :eek: Hilfe, nein. :oops: Da macht in meinen Augen das Spielen eines enfant terrible viel mehr Spaß. ;)
Ich habe ganz klar meine Haltung, die ich auch vertrete ungeachtet der Meinungen der anderen, aber es tut mir weh, wenn ich den Eindruck habe, unerwünscht zu sein oder ständig falsch verstanden zu werden.

Mir geht es weder darum, bei den Mehrheitsmeinungen dabei zu sein, noch möchte ich ein enfant terrible spielen. Ich möchte einfach so sein können (und darin respektiert zu werden) wie ich gerade bin, manchmal ernsthaft, aber auch wieder mal in Blödelstimmung.

Aber belassen wir es jetzt dabei, ok?
 
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Fraunette

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  • #28.647
Zu Hause! Oh ist das schön. Meine Kinder, mein Bett, mein Bad ...
Herrlisch!
Und es war noch etwas von Oma's Nudelsalat übrig.
Nach Hause kommen fühlt sich manchmal an, wie eine warme Dusche. Wohltuend, sanft, schön ...:rolleyes:
 
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