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  • #31
AW: Ist Fremdgehen eine Sünde?

Zitat von Andre:
Achso, verstanden. Und was heißt das jetzt? Dass auch Ehebrechern (männlich) die Steinigung drohte? Kann ich jetzt nicht konkret beurteilen, aber die folgende Aufzählung ist doch recht entlarvend:

"Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgend etwas, das deinem Nächsten gehört."
Es heißt, dass die Frau zum Besitz des Mannes gehörte und folglich eher unter die Rubrik "Diebstahl" fiel und dass man das nicht mit unseren heute gültigen Vorstellungen von Gleichberechtigung lesen kann.
 
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  • #32
AW: Ist Fremdgehen eine Sünde?

Zitat von Benutzerin:
Mal etwas provokant: Meines Wissens ist das Konzept der "romantischen Liebe", das der Idee des 'sich Verliebens', wie Sie es hier zugrunde zu legen scheinen, vergleichsweise neu und auch kulturell bedingt.
Ich denke, das Konzept der romantischen Liebe ist in etwa so alt wie die Menschheit selbst. Neu(er) ist hingegen das Konzept der Liebesheirat, also der Verbindung von Liebesbeziehung und Lebensgemeinschaft.
 
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  • #33
AW: Ist Fremdgehen eine Sünde?

Zitat von SineNomine:
Ich denke, das Konzept der romantischen Liebe ist in etwa so alt wie die Menschheit selbst. Neu(er) ist hingegen das Konzept der Liebesheirat, also der Verbindung von Liebesbeziehung und Lebensgemeinschaft.
Die Menschheit hat ja schon mehr als 2 Mio Jahre auf dem Buckel... Ob's für einen Steinzeit-Menschen sowas wie 'romantische Liebe' gab? Ich kann's mir eigentlich nicht vorstellen.

Allerdings finde ich jetzt auf die Schnelle auch keine zuverlässige Datierung. Zumal ja auch die Vorstellungen von dem, was unter "romantischer Liebe" zu verstehen ist, nicht einheitlich sind.
 
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  • #34
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  • #35
AW: Ist Fremdgehen eine Sünde?

Zitat von Benutzerin:
Es heißt, dass die Frau zum Besitz des Mannes gehörte und folglich eher unter die Rubrik "Diebstahl" fiel und dass man das nicht mit unseren heute gültigen Vorstellungen von Gleichberechtigung lesen kann.
Ja, die Moralvorstellungen anderer Zeiten und Kulturen sind meist den konkreten (Über-)Lebensbedingungen geschuldet. Unsere heutigen Moralvorstellungen sind auch nichts anderes. Soweit akzeptiere ich das ja auch. Was ich nicht akzeptiere, ist, dass Moralvorstellungen, die für ein Hirtenvolk vor 2000 Jahren eine Berechtigung gehabt haben mögen, 1:1 unserer heutigen Lebenswelt übergestülpt werden.
 
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  • #37
AW: Ist Fremdgehen eine Sünde?

Zitat von Benutzerin:
Oh, dann müssten wir uns jetzt erstmal einigen, was "romantische Liebe" genau ist. Die höfische Dichtung mit der Überhöhung der Frau als entrücktes Anbetungsobjekt empfinde ich gar nicht mal sooo romantisch. Ich denke auch an die tragischen Liebesgeschichten - auch platonische zwischen Freunden, die durch Abenteuer, Betrug und Verrat hindurchmüssen. Also alles, was nicht ausschließlich opportunistischen Nützlichkeitserwägungen folgt, sondern auch Gefühlen, Freude und Genuss.

Ich denke, die Schlusssequenz des Gilgamesch-Epos steht exemplarisch genau dafür: "Gilgamesch, wo läufst du hin? Das ewige Leben, das du suchst, wirst du nicht finden.
...
Darum, Gilgamesh, lass deinen Bauch gesättigt sein, Tag und Nacht ergötze dich, feiere täglich ein Fest, tanze und spiele - bei Tag und bei Nacht. Dein Gewand sei rein, wasche dein Haupt und bade mit Wasser dich. Sieh doch, wie das Kindlein deine Hand ergreift, beglücke die Gattin an deiner Brust."

Welch ein Kontrast zum späteren bilblischen freudlosen Schuld-und-Sünde-Geknauser.
 
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  • #38
AW: Ist Fremdgehen eine Sünde?

Zitat von Andre:
Oh, dann müssten wir uns jetzt erstmal einigen, was "romantische Liebe" genau ist.
Das wird uns vermutlich nicht gelingen. Aber das müssen wir ja auch nicht.
Ich kann z.B. im Gilgamesch-Zitat eine positive, sinnenfrohe Einstellung zum Leben entdecken - aber nichts 'romantisches'.
 
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  • #39
Scheidung in der Bibel

Nun, da lass ich jetzt doch mal den Kirchenvorstand raushängen und gebe meinen Kommentar zur Scheidung in der Bibel ab.

Im Alten Testament finden wir dazu unter 5.Mose 24,1-4 (alles nach der Luther 84 Übersetzung)

"Wenn jemand eine Frau zur Ehe nimmt und sie nicht Gnade findet vor seinen Augen, weil er etwas Schändliches an ihr gefunden hat, und er einen Scheidebrief schreibt und ihr in die Hand gibt und sie aus seinem Hause entlässt und wenn sie dann aus seinem Hause gegangen ist und hingeht und wird eines andern Frau und dieser andere Mann ihrer auch überdrüssig wird und einen Scheidebrief schreibt und ihr in die Hand gibt und sie aus seinem Hause entlässt oder wenn dieser andere Mann stirbt, der sie sich zur Frau genommen hatte, so kann sie ihr erster Mann, der sie entließ, nicht wieder zur Frau nehmen, nachdem sie unrein geworden ist - denn solches ist ein Gräuel vor dem HERRN -, damit du nicht Sünde über das Land bringst, das dir der HERR, dein Gott, zum Erbe gegeben hat."

Was eine "Schändlichkeit" ist, wird nirgendwo beschrieben. Die Meinungen reichen von "beim Ehebruch erwischen" bis zu "was immer einem Mann an seiner Frau missfällt". Es wird hier aber nur festgelegt, dass es einem Mann verboten ist, eine Frau zu heiraten, mit der er schon einmal verheiratet war.

Das neue Testament ist in dieser Frage schon strenger. Die meisten werden Markus 10,9 kennen, wo sich Jesus grundsätzlich gegen eine Scheidung ausspricht.

"Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden."

(Dergleichen auch in Matthäus 19,6). Matthäus 5,32 drückt das noch genauer aus.

"Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, der macht, dass sie die Ehe bricht; und wer eine Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe."

Markus 10,11 & 12 lässt nicht mal mehr den Ausweg mit dem Ehebruch.

"Und er sprach zu ihnen: Wer sich scheidet von seiner Frau und heiratet eine andere, der bricht ihr gegenüber die Ehe; und wenn sich eine Frau scheidet von ihrem Mann und heiratet einen andern, bricht sie ihre Ehe."

Hier wird übrigens auch der Frau verboten, sich von ihrem Mann scheiden zu lassen. Insofern ein bisschen Gleichberechtigung, man kann ja schließlich nur Sachen verbieten, die möglich sind.

Allgemein spricht das neue Testament (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) über die Ehe und Ehebruch in Matthäus 5, 27-32, Matthäus 19,1-12, Markus 10,2-12, Lukas 16,18 und 1.Korinther 7, 10-16 (Wer gerade keine Bibel zur Hand hat, aber trotzdem nachlesen möchte kann das unter http://www.bibleserver.com/ tun)

Und wenn ihr jetzt fragt, ob ich mich 100% daran halte, dann kann ich darauf nur eins antworten. bis jetzt ja, aber ich garantiere für nichts.
 
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  • #40
AW: Ist Fremdgehen eine Sünde?

Zitat von Benutzerin:
Auch nicht.
In der höfischen Dichtung kommt sie vor. Davor?
Pyramus und Thisbe als babylonische Vorlage für Romeo und Julia?
Venus und Adonis?
Samson und Delila (um auch gleich mal ein bilibsches Beispiel für "ziemlioch unglücklich verliebt" zu bringen)?
Diverse altägypische Mythen? Indianische Liebeslieder?

Ich bin mir sicher, dass man in so ziemlich jeder Kultur und zu so ziemlich jeder Zeit reichlich Beispiele für "romantische Liebe" oder jedenfalls für Liebesbeziehungen die dieser Vorstellung nicht soo fern sind wird finden können. Es dürfte gute Gründe haben, warum sich bestimmte Formen zwischenmenschlicher Beziehungen --- die zwischen Eltern und ihren Kindern oder eben die zwischen zwei Liebenden --- in fast allen Kulturkreisen in ganz ähnlicher Weise ausgeprägt haben. Die Geschichte von Pyramus und Thisbe hat sich nicht deshalb bis heute gehalten, weil sie so toll erzählt gewesen wäre, sondern weil sie Dinge widerspriegelt, die heute noch genau so aktuell sind wie vor zweitausend Jahren.
 
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  • #41
AW: Ist Fremdgehen eine Sünde?

Eigentlich ging es ja schlicht um Verliebtheit und nicht um romantische Liebe. Die kommt um 1800 auf. Verliebtheit gabs aber natürlich auch vorher, sehr schön etwa auch in Daphnis und Chloe.
 
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  • #42
AW: Ist Fremdgehen eine Sünde?

Zitat von Benutzerin:
Das wird uns vermutlich nicht gelingen. Aber das müssen wir ja auch nicht.
Ich kann z.B. im Gilgamesch-Zitat eine positive, sinnenfrohe Einstellung zum Leben entdecken - aber nichts 'romantisches'.
"... beglücke die Gattin an deiner Brust" ist zumindest etwas, was über den reinen Reproduktionszweck von Sex hinausgeht. Nach meinem unmaßgeblichen Verständnis beginnt "Romantik", sobald etwas über die reinen Zweckmäßigkeit hinausgeht.
 
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  • #43
AW: Ist Fremdgehen eine Sünde?

@AE1965: Danke für die "fachliche" Vertiefung ;-)
 
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  • #44
AW: Ist Fremdgehen eine Sünde?

Zitat von Andre:
"... beglücke die Gattin an deiner Brust" ist zumindest etwas, was über den reinen Reproduktionszweck von Sex hinausgeht. Nach meinem unmaßgeblichen Verständnis beginnt "Romantik", sobald etwas über die reinen Zweckmäßigkeit hinausgeht.
Naja. Spaß am Sex geht ja auch über den Reproduktionszweck hinaus - aber romantischer wird's dadurch auch nicht unbedingt.
 
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  • #45
AW: Ist Fremdgehen eine Sünde?

Romantische Liebe ist doch höchst zweckmäßig. Man fühlt sich wohl, nicht mehr allein, hat ja einen Seelengefährten, einen Gegenpol zur "feindlichen" Welt draußen usw.
Falls du "zweckmäßig" aber primär in bezug auf Reproduktion verstehst. ich glaube, zu keiner Zeit war Sex alleinig dafür da, Nachkommen zu zeugen. Lust hatten die Menschen meist schon auch.